Atemtechniken/-trainings zur Verbesserung von Lebensqualität und physiologischer Funktion bei Asthmapatienten

Eine kritische Auseinandersetzung mit ausgewählten Studien


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Das Krankheitsbild Asthma im Überblick
2.2. Lungenfunktionsparameter als Indikatoren für Asthma
2.3. Therapieformen

3. Studien zu Effekten von Atemtherapien/-techniken: eine ausgewählte Gegenüberstellung
3.1. Studien mit Effekten auf psychologischer Ebene
3.2. Studien mit Effekten aus psychologischer Ebene und Differenzierungen zwischen verschiedenen Formen eingesetzter Atemtrainings
3.3. Studien mit Effekten auf psychologischer und physiologischer Ebene

4. Abschließende Diskussion

Referenzen

1. Einleitung

Rund 300 Millionen Menschen aller Altersgruppen sind weltweit von Asthma betroffen (Prem, Sahoo & Adhikari 2012). Die entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch eine bronchiale Hyperreaktivität und einen variablen Verlauf gekennzeichnet ist, beeinträchtigt die Betroffenen in ihrem physischen und psychosozialen Wohlbefinden stark (Petermann 1999). Charakteristisch für diese chronische Erkrankung ist plötzlich auftretende Atemnot, die durch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur verursacht (= asthmatische Reaktionen) wird (ebd.).

Die Verbesserung der Lebensqualität und die Kontrolle der asthmatischen Symptome sind ein zentrales Ziel bei der Behandlung von Asthma (Prem, Sahoo & Adhikari 2012). Medikamente - Antiasthmatika, die häufig in Form von Sprays zum Einsatz kommen können nachgewiesenermaßen den Krankheitszustand der Patient*innen erträglich(er) machen, Asthmaanfälle kurzfristig und/oder die Entzündungen der Atemwege langfristig lindern. Allerdings leiden viele Betroffene auch unter Angst und Skepsis gegenüber der medikamentösen Therapie und lehnen deren Einsatz ab. Die regelmäßige Einnahme ist bei vielen Patient*innen mit Schwierigkeiten verbunden, die Compliance in diesem Bereich besonders schlecht, insbesondere dann, wenn es sich um kortisonhaltige Sprays handelt (Thomas et al. 2009; Prem, Sahoo & Adhikari 2012). Daher suchen viele Patientinnen und Patienten nach alternativen Behandlungsweisen.

Ein großes Problem bei der Erkrankung liegt darin, dass viele Asthmatiker*innen aufgrund ihrer bronchialen Verengung dazu neigen, unvorteilhaft beziehungsweise „falsch“ zu atmen (Aufnahme von zu viel Atemluft beziehungsweise zu schnelles Einatmen). Dies setzt einen gefährlichen Teufelskreis in Gang: Das „falsche“ Atmen begünstigt die Gefahr zu hyperventilieren, was in der Folge wieder einen asthmatischen Anfall auslösen kann, zu weiteren Verkrampfungen, einer Überdehnung der Lunge, zu noch stärkerer Atemnot und folglich auch zu Erstickungs- und Todesängsten führt (Thomas et al. 2003). Da die ungünstige Atmung als ein besonders problematischer Aspekt bei Asthmatiker*innen identifiziert wurde, liegt es nahe, insbesonders Atemschulungen und -trainings als zusätzliches therapeutisches Element in die Behandlung zu implementieren.

Dabei sind atemtherapeutische Übungen mittlerweile populär und weit verbreitet. Erneut aufkommendes Interesse an diesen Verfahren haben insbesondere neuere Methoden wie Buteyko- oder Yoga-Atemtechniken ausgelöst (Thomas et al. 2009; Prem, Sahoo & Adhikari 2012). Übergreifendes Ziel dieser Techniken ist es, die Betroffenen zum bewussten Atmen anzuleiten, die Atemfrequenz zu verlangsamen und den Atem für eine längere Zeit halten zu können (Grammatopoulou et al. 2011). Dies soll die Atmung normalisieren, Asthmaanfällen entgegenwirken, zur Entspannung führen, Ängste abbauen und langfristig die Lebensqualität steigern.

Bisher ist aber zweifelhaft, ob diese Techniken effektiv und wirksam sind oder mitunter sogar den Gebrauch von Sprays und Medikation ersetzen können, wie es einige Verfechter dieser Methoden propagieren. Viele Techniken wurden entwickelt und haben sich verbreitet ohne objektive Belege für deren Wirksamkeit (Cowie et al 2008).

Ziel dieser Ausarbeitung soll es sein, der Frage nachzugehen, ob der Einsatz von Atemtrainings/-techniken eine sinnvolle intervenierende Maßnahme sein kann, um Asthmatiker*innen zu mehr Lebensqualität und zu einer besseren Kontrolle ihrer Erkrankung zu verhelfen. Es soll dabei auch der Frage nachgegangen werden, ob diese Trainings ebenfalls Effekte auf den physiologischen Zustand der Patient*innen haben, sodass sich bestimmte Lungenfunktionsparameter verbessern und so den Gesundheitszustand objektiv verbessern.

Dafür soll zunächst ein kurzer Überblick über Charakteristika und Formen des Krankheitsbildes1 gegeben werden. Anschließend werden übliche konventionelle Therapieformen angerissen, um dann in Auszügen einen exemplarischen Überblick über Studien zu geben, die den Einsatz von verschiedenen Formen von Atemtherapien als Interventionen auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Abschließend sollen die Ergebnisse der Studien kritisch reflektiert und eine Beantwortung der Fragestellung vorgenommen werden. Die Ausarbeitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller vorliegenden Studien zur Thematik. Vielmehr sollen anhand einiger aktueller Studien die kontroversen Sichtweisen in der Diskussion um die Effekte von Atemtherapie/-techniken exemplarisch nachgezeichnet werden.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Das Krankheitsbild Asthma im Überblick

Bei Asthma oder Asthma bronchiale handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Atemwege. Kennzeichen ist dabei eine bronchiale Hyperreaktivität - also eine Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber bestimmten Reizen oder körperlicher Belastung (Peterman et al 1999). Schweregrad und Intensität der einzelnen Asthmaanfälle können dabei variieren. Zudem unterscheidet man zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma. Stoffe, die allergisches Asthma auslösen, können beispielsweise Pollen, Tierhaare oder Hausstaub sein. Bei einigen Personen tritt auch sogenanntes Anstrengungsasthma auf, was durch körperliche Belastung induziert wird (ebd.).

Die konkrete belastende Beeinträchtigung ist die asthmatische Reaktion - also die plötzlich auftretende Atemnot. Bei einer asthmatischen Reaktion laufen drei Prozesse ab: (1) das Atemwegssystem verengt sich durch eine Verkrampfung der Bronchien und Bronchiolen, (2) durch die entzündliche Verdickung schwillt die Bronchialschleimhaut an und (3) durch die vermehrte Schleimproduktion werden die Atemwegssysteme verstopft. Dadurch beeinträchtigt ist letztendlich die Ausatmung und es kommt in der Folge zum Husten, zu Atemnot und der Angst zu ersticken. In der Regel löst sich eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur nach einigen Minuten wieder. Im schlimmsten Fall kommt es zum „status asthmaticus“; es kommt also zu einer Verschlechterung der Symptomatik über Stunden, sodass sich ein lebensbedrohlicher Zustand einstellt, weil die Herzfunktionen durch die langfristige Verengung der Atemwege gestört wird (ebd.). Bezüglich des Asthma-Schweregrades unterscheidet man grob zwischen vier Stufen2. Vom Prinzip her nimmt die Anzahl der Symptomausprägung über die Schweregrade zu und die Lungenfunktionstüchtigkeit nimmt ab, genau so wie die entsprechende Lebensqualität (ebd.).

2.2 Lungenfunktionsparameter als Indikatoren für Asthma

Wichtiger Indikator für das Auftreten und die Einschätzung des Schweregrades von Asthma ist die Lungenfunktion. Die Lungenfunktionsdiagnostik erfolgt mithilfe eines Spirometers, mit dem ein Volumen-Zeit-Diagramm erstellt werden kann. Da bestimmte Begrifflichkeiten im Laufe dieser Ausarbeitung immer wieder vorkommen und in den herangezogenen Studien eine Rolle spielen, soll auf die wichtigsten Termini im Folgenden stichpunktartig eingegangen werden (nach Deutsche Atemwegsliga 2015 und Petermann 1999) :

- Flussparameter:
- FEV1: Die sogenannte Einsekunden-Kapazität gibt an, wie viel Prozent des Lungenvolumens der/die Patient*in in einer Sekunde ausatmen kann.
- PEF: Der Peak-(Expitory-)Flow gibt die maximale Atemstromstärke bei der Ausatmung an.

- Volumenparameter:
- Vitalkapazität (IVC) und forcierte Vitalkapazität (FVC): Kennzeichen für die Funktion der Lunge. Beschreibt den Bereich zwischen maximaler Ein- und Ausatmung.
- Inspiratorisches Reservevolumen (IRV): Volumen, das nach normaler Inspiration noch zusätzlich eingeatmet werden kann.
- Exspiratorisches Reservevolumen (ERV): Volumen, das nach normaler

Exspiration noch ausgeatmet werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Statische und dynamische Lungenfunktionsparameter und maximale exspiratorische Flüsse (aus Deutsche Atemwegsliga 2015, S. 6).

[...]


1 Auf epidemiologische und ätiologische Aspekte soll nur sehr begrenzt eingegangen werden, da sie nicht im Fokus der folgenden Auseinandersetzung stehen.

2 Stufe 1: Intermittierendes Asthma, Stufe 2: Persistierendes mildes Asthma, Stufe 3: Persistierendes mittelschweres Asthma und Stufe 4: Persistierendes schweres Asthma

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Atemtechniken/-trainings zur Verbesserung von Lebensqualität und physiologischer Funktion bei Asthmapatienten
Untertitel
Eine kritische Auseinandersetzung mit ausgewählten Studien
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Psychologische Interventionen bei chronischen Erkrankungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V352034
ISBN (eBook)
9783668384071
ISBN (Buch)
9783668384088
Dateigröße
1182 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, atemtechniken/-trainings, verbesserung, lebensqualität, funktionen, asthmapatienten, eine, auseinandersetzung, studien
Arbeit zitieren
Marcus Sommer (Autor), 2015, Atemtechniken/-trainings zur Verbesserung von Lebensqualität und physiologischer Funktion bei Asthmapatienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352034

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