Der russische Dichter Dostojewski beschrieb das Geld im 19. Jahrhundert als geprägte Freiheit. Im 21. Jahrhundert hat das Geld immer noch erheblichen Einfluss auf das soziale Gefüge der Gesellschaft. Ob und inwiefern das Geld tatsächlich eine befreiende Wirkung hat, soll Gegenstand dieser Arbeit werden.
Mit der Erfindung des Geldes wollten die Menschen zunächst den Tauschhandel erleichtern. Das Geld hat seitdem jedoch graduelle Veränderungsprozesse erfahren und lässt sich nun als ein komplexes Medium betrachten, welches nicht nur eine gewisse Totalität in der Gesellschaft eingenommen hat, sondern mit seinen weitreichenden Funktionsbereichen ein interessantes Analysepotenzial bietet. Mittlerweile kann man davon sprechen, dass monetäre Interessen als interdisziplinärer Motor der heutigen Zeit gesehen werden können, welcher auf verschiedenen Wegen relevant für soziale Interaktionen sowie gesellschaftliche Verhältnisse im Allgemeinen wird.
Zunächst soll in der „Einführung in die Geschichte des Geldes“ ein kurzer Überblick über die historische Entwicklung des Geldes geschaffen werden. Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, welche Wirkung das Geld als ein soziales Medium hat. Um der Beantwortung der Frage näher zu kommen, sollen zwei verschiedene Theorien dargelegt und anschließend verglichen werden. Zum einen die Betrachtungsweise von Georg Simmel, der in seinem Werk „Philosophie des Geldes“ eine ambivalente Wirkung des Geldes aufzeigt, und zum anderen Karl Marx, der in seinem Werk „Das Kapital“ analysiert, welche Rolle das Geld in seinem Verständnis von Gesellschaft spielt. Vorerst soll Simmels Vorstellungen des Geldes als sozial befreiende Wirkung beschrieben werden, um anschließend auf die entfremdende Wirkung des Selbigen einzugehen. Bei der Betrachtung von Marx‘ Werk soll die Umwandlung von Geld in Kapital und folgend die entfremdende Wirkung auf die gesellschaftlichen Strukturen dargelegt werden. Abschließend sollen sowohl Parallelen als auch Unterschiede der beiden Ansätze herausgearbeitet werden, um im Fazit auf die Ergebnisse der Analyse einzugehen.
Sowohl die Analyse als auch die Betrachtung der beiden Theorien soll sich auf das Medium des Geldes beschränken und stellt somit Teilbereiche der genannten Werke in den Hintergrund, da eine umfassende Behandlung beider Theorien den Rahmen der vorliegenden Arbeit überstrapazieren würde.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. EINFÜHRUNG IN DIE GESCHICHTE DES GELDES
3. GEORG SIMMEL
3.1 DIE BEFREIENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL
3.2 DIE ENTFREMDENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL
4. KARL MARX
4.1 DIE UMWANDLUNG VON GELD IN KAPITAL
4.2 FETISCHBEGRIFF BEI MARX
4.3 AUSWIRKUNGEN DES GELDES AUF DIE GESELLSCHAFTLICHEN STRUKTUREN
5. VERGLEICH DER BEIDEN THEORIEN IN BEZUGNAHME AUF DAS MEDIUM GELD
5.1 PARALLELEN DER BEIDEN THEORIEN
5.2 UNTERSCHIEDE DER BEIDEN THEORIEN
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Wirkung des Geldes als soziales Medium, indem sie die theoretischen Ansätze von Georg Simmel und Karl Marx gegenüberstellt, um deren ambivalente sowie strukturverändernde Potenziale zu analysieren.
- Historische Entwicklung und Abstraktion des Geldes
- Simmels Perspektive auf befreiende und entfremdende Wirkungen
- Marx' Analyse von Kapitalakkumulation und Warenfetischismus
- Kritischer Theorievergleich der sozialen Folgen von Geld
- Identitätsbildung und soziale Abhängigkeiten durch Geldverhältnisse
Auszug aus dem Buch
3.1 Die befreiende Wirkung des Geldes bei Simmel
Simmel stellt die befreiende Wirkung des Geldes vielschichtig dar. Zunächst beschreibt er die Auflösung der Bindung zwischen Besitz und Persönlichkeit, sowie den Zerfall von gebundenen Interessenkreisen, wie unter anderem Feudalverbänden, durch das Medium Geld (vgl. Simmel 1983, s.72). Die Geldwirtschaft löst somit die Beziehung von Persönlichkeit und dinglicher Beziehung auf. Das Individuum kann folglich freier entscheiden, an wen oder von wem es etwas kauft, oder verkauft (vgl. Deutschmann 2009, s.20). Dieses Faktum führt letztlich zu einer größeren Unabhängigkeit des ökonomischen Handelns der Menschen (vgl. Simmel 1983, s.73).
Auch die Auswechselbarkeit von Handelspartnern durch schnelleren und beliebigeren Wechsel, führt zu einer höheren ökonomischen Freiheit des Einzelnen (vgl. ebd.). Somit beschreibt Simmel das Geld als lokal trennend und global verbindend zugleich. Die verbindende Wirkung lässt sich insbesondere darin erkennen, dass Gruppen sich nicht mehr aufgrund von persönlichen Eigenschaften, sondern der gemeinsamen Basis des Geldes, zusammen finden (vgl. ebd.). Die so entstehenden Wirtschaftsgemeinschaften entwickeln starke soziale Bindungen, aufgrund der Notwendigkeit, Geld umzusetzen und Werte aufrechtzuerhalten (vgl. ebd.). Simmel sieht das Geld, an dieser Stelle, als den Inbegriff des Sozialen, da sich die Menschen auf einen gemeinsamen Wert einigen müssen und durch ein äquivalentes Tauschmedium, dass „für einander Produzieren“, die Arbeitsteilung, erst möglich gemacht wird (vgl. ebd.). Auch der Zugriff auf alle Güter des Marktes, sowie solche, die noch entwickelt wurden, können durch das Äquivalenzmedium Geld möglich gemacht werden (Deutschmann 2009, s.20). Die Ausweitung des Marktes geht auch mit einer steigenden Mobilität und erweiterten Erreichbarkeit einher, die das Geld möglich macht, da die Bindung an das Lokale gehemmt wird (vgl. Simmel 1983, s.75). Die so entstehende Mobilität birgt sowohl räumliche Freiheit, als auch ein höheres Maß an möglichen sozialen Beziehungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage zur Wirkung des Geldes als soziales Medium ein und stellt die theoretische Grundlage durch den Vergleich der Werke von Simmel und Marx dar.
2. EINFÜHRUNG IN DIE GESCHICHTE DES GELDES: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Evolution des Geldes, von Naturaltauschformen über Metall- bis hin zum modernen Papier- und Digitalgeld.
3. GEORG SIMMEL: Der Autor erläutert Simmels soziologische Sichtweise auf Modernisierungsprozesse und kündigt die Untersuchung der ambivalenten Wirkungsweisen des Geldes an.
3.1 DIE BEFREIENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL: Hier wird dargelegt, wie Geld durch die Entkoppelung von Persönlichkeit und Besitz individuelle Freiheit und neue soziale Bindungen ermöglicht.
3.2 DIE ENTFREMDENDE WIRKUNG DES GELDES BEI SIMMEL: Dieses Kapitel thematisiert die Kehrseite, in der die Quantifizierung durch Geld zu Unpersönlichkeit, Fieberhaftigkeit und dem Verlust qualitativer Lebenswerte führt.
4. KARL MARX: Der Abschnitt führt in Marx' materialistisches Basis-Überbau-Modell ein und erläutert seine kritische Analyse kapitalistischer Strukturen.
4.1 DIE UMWANDLUNG VON GELD IN KAPITAL: Die Beschreibung fokussiert auf die Warenzirkulation und den Prozess, durch den Geld als Kapital einen eigenen, maßlosen Verwertungszwang entfaltet.
4.2 FETISCHBEGRIFF BEI MARX: Es wird analysiert, wie Waren- und Geldfetischismus die zugrunde liegenden sozialen Arbeitsverhältnisse verschleiern und Geld als gesellschaftliches Verhältnis definieren.
4.3 AUSWIRKUNGEN DES GELDES AUF DIE GESELLSCHAFTLICHEN STRUKTUREN: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung von Klassengegensätzen und die damit einhergehende Abhängigkeit zwischen Kapitalisten und Proletariat.
5. VERGLEICH DER BEIDEN THEORIEN IN BEZUGNAHME AUF DAS MEDIUM GELD: Die Arbeit führt hier eine Synthese der zuvor isolierten Ansätze durch, um methodische und inhaltliche Differenzen herauszuarbeiten.
5.1 PARALLELEN DER BEIDEN THEORIEN: Hier werden Gemeinsamkeiten wie die Reduktion von Beziehungen auf Geldwerte, Identitätsbildung durch Geld und die Verselbstständigung des Gelderwerbs identifiziert.
5.2 UNTERSCHIEDE DER BEIDEN THEORIEN: Dieses Kapitel kontrastiert die unterschiedlichen Herangehensweisen, insbesondere Simmels Fokus auf Vergesellschaftungsprozesse gegenüber Marx' materialistischem Systemansatz.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, die ambivalente Wirkung des Geldes aus verschiedenen theoretischen Perspektiven zu betrachten.
Schlüsselwörter
Geld, Soziales Medium, Georg Simmel, Karl Marx, Philosophie des Geldes, Das Kapital, Entfremdung, Fetischbegriff, Warenzirkulation, Kapitalakkumulation, Vergesellschaftung, Soziale Struktur, Identität, Soziologie, Theorievergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Rolle des Geldes als Medium und beleuchtet, wie es soziale Beziehungen sowie gesellschaftliche Strukturen beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Geldes, die soziologische Theoriebildung durch Simmel und Marx sowie die Auswirkungen von Geld auf Identität und Klassensysteme.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Wirkung hat das Geld als ein soziales Medium?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein theoretischer Vergleich (Theorievergleich) durchgeführt, bei dem die Ansätze von Georg Simmel und Karl Marx analysiert und in Bezug auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede gegenübergestellt werden.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die separate Analyse von Simmels und Marx' Thesen zu Geld, Entfremdung und Freiheit, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Ansätze.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Entfremdung, Kapitalakkumulation, Fetischismus, Soziale Interaktion und Vergesellschaftung charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich Simmels Auffassung von der Marxschen Sichtweise?
Simmel betrachtet das Geld als ambivalentes Phänomen, das sowohl Freiheit als auch Entfremdung hervorbringt, während Marx das Geld primär als Instrument kapitalistischer Ausbeutung und Verdinglichung sozialer Verhältnisse analysiert.
Warum wird Geld bei Marx als „Fetisch“ bezeichnet?
Marx bezeichnet Geld und Waren als Fetische, weil ihnen natürliche Eigenschaften zugeschrieben werden, die in Wirklichkeit nur die dahinterliegenden, verschleierten menschlichen Arbeitsverhältnisse widerspiegeln.
- Arbeit zitieren
- Paul Weinheimer (Autor:in), 2016, Die befreiende Wirkung des Geldes. Theorien von Georg Simmel und Karl Marx im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352040