Religion und Erkenntnis. Sind religiöser Glaube und rationale Erkenntnis miteinander vereinbar?


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Argumente für die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens und der Existenz Gottes

3. Argumente gegen die Vernünftigkeit religiösen Glaubens

4. Religion und Erkenntnis

5. Wozu dient Religion?

6. Philosophische und religiöse Ansichten über die Schöpfung

7. Fazit

8. Pädagogischer Aspekt

9. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit geht es um die Frage, ob Religion und Erkenntnis miteinander vereinbar sind. Dies beinhaltet die Überlegung, ob Religion überhaupt zu Erkenntnis führen kann oder ob es unmöglich ist, den Wunsch nach Erkenntnis und eine religiöse Einstellung miteinander zu vereinen. Des Weiteren werde ich mich mit Ursachen und Nutzen von Religionen beschäftigen. Außerdem wird die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens eine Rolle spielen, da die Vernunft einen ersten Schritt in Richtung Erkenntnis darstellt. Somit werde ich Argumente für und Argumente gegen die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens anführen. Ziel meiner Arbeit ist es, verschiedene Ansichten zu diesem Thema zu beleuchten, um letztendlich klären zu können, ob und wie man seine Religion mit Erkenntnis in Einklang bringen kann oder ob man sich zwischen dem religiösen Weg und dem Weg der Erkenntnis entscheiden muss.

2. Argumente für die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens und der Existenz Gottes

Wenn man für die theoretische Vernünftigkeit argumentiert, wird meist auf Tradition und Autorität verwiesen. Die Tatsache, dass der religiöse Glauben schon seit langer Zeit in Familien, Klöstern und Gruppen usw. weitergegeben wird und dieses System gut funktioniert, soll eine Bestätigung für ihre Vernünftigkeit sein. Schließlich wird in vielen Bereichen unseres Lebens damit argumentiert, dass wir es eben schon immer so gemacht haben.[1]

Ein Argument für die Existenz Gottes wäre außergewöhnliche Begebenheiten, sozusagen Wunder, die mit religiösen Hintergründen verknüpft werden. Viele Menschen würden ihnen religiösen Gehalt zuschreiben und somit argumentieren, dass sie einen Beweis für die Existenz Gottes darstellen. Es machen jedoch nur die wenigsten Menschen in ihrem Leben eine solch übersinnliche Erfahrung. Die meisten würden schon ein weniger spektakuläres Ereignis als Rechtfertigung für die Existenz Gottes betrachten. Beispiele hierfür werden beeindruckende Naturerlebnisse oder einschneidende zwischenmenschliche Erlebnisse wie z.B. Liebe oder Geburt. Das Problem jedoch ist, dass nicht jeder eine Situationen gleich interpretiert, was für jemanden ein religiöses Zeichen ist, ist für den andere z.B. nur Zufall. Daher ist es problematisch, dies als Grundlage für die Rechtfertigung Gottes zu verwenden.[2]

Es gibt viele Dinge, die wir uns nicht erklären können, daher könnte man einen Gott postulieren, der diese Dinge verursacht hat. Gott wäre demnach die Erklärung für alles, was wir uns sonst nicht erklären können. Gedanken dieser Art werden als aposteriorische Argumente bezeichnet. Sie beruhen auf Erfahrung (z.B. von übernatürlichen Phänomenen), im Gegensatz zu den apriorischen Argumenten, laut denen man alleine durch das Nachdenken über den Begriff „Gott“ zu der Einsicht gelangt, dass dieser existiert. Ein wichtiger Vertreter dieses Standpunktes ist Anselm von Canterbury, der einen Gottesbeweis aufstellt, der zusammengefasst aussagt, dass Gott in unserem Verstand existiert und demnach auch in Wirklichkeit.[3]

Ich kann Canterburys Ansatz zwar nachvollziehen, denn man könnte sich fragen, wie man überhaupt eine Idee von etwas bekommen kann, dass nirgendwo existiert. Denn irgendetwas muss einen Anlass geben, überhaupt an so etwas wie einen Gott denken zu können. Doch ich denke trotzdem, dass dies kein hinreichender Beweis für die Existenz Gottes ist, da man sich vieles vorstellen kann, was nicht existiert. Man muss nur an die Mythologie denken. Grundsätzlich sind für mich die aposteriorischen Argumente plausibler, da es wahrscheinlich etwas geben muss, das übernatürliche Phänomene verursacht. Trotzdem würde ich noch nicht so weit gehen, den Verursacher Gott zu nennen, denn vielleicht steckt in Wahrheit nur eine simple Erklärung hinter allem, die wir noch nicht erkannt haben oder die unserem Bewusstsein einfach nicht zugänglich ist. Weiters spricht für die aposteriorischen Argumente, dass einige Dinge auf der Welt so wirken, als stecke ein intelligenter Plan dahinter. Die Natur ergibt einen Kreislauf und alles passt irgendwie zusammen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich das alles zufällig so entwickelt hat.

Eine völlig andere Art der Argumentation stellen empirische Kumulativargumente dar, die die Existenz Gottes u.a. damit rechtfertigen, dass religiöse Ansichten dieser Art in so ziemlich allen Kulturen vorkommen. Daraus kann man schließen, dass der Glaube an einen Gott ein natürliches Ziel des Menschen ist, wodurch die Existenz Gottes bestätigt werden würde.[4]

Ich halte diese These für sehr interessant, da sie meiner Meinung nach sehr aussagekräftig und nachvollziehbar ist. Auch ich habe mich schon oft gefragt, woher es kommt, dass die meisten Menschen von einem Gott als Schöpfer der Welt ausgehen. Einerseits könnte es nämlich wirklich der Beweis für die Existenz Gottes sein. Andererseits denke ich, dass es vielleicht mit einem Grundwesenszug des Menschen zu tun hat, nämlich dem, dass er seine Angst vor dem Tod überwinden möchte. Da man vor dem Ungewissen meist Angst hat, würde daraus folgen, dass man sich etwas einfallen lässt, das einem Gewissheit und damit auch Sicherheit gibt. Erstaunlich ist nur, dass sich so große Religionen wie z.B. das Christentum und der Islam entwickeln konnten, also dass sie so viele Anhänger fanden und auch über so lange Zeit bestanden bzw. noch immer Bestand haben.

3. Argumente gegen die Vernünftigkeit religiösen Glaubens

Ein Vertreter gegen die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens ist Hume. Dazu setzt er sich mit den Argumenten der natürlichen Religionen auseinander. Gegen ihre Thesen hat er Folgendes einzuwenden:

1. Bei einem Schluss von der Wirkung auf die Ursache darf der Ursache nur so viel an Eigenschafen zugeschrieben werden, als zur Erklärung der Wirklichkeit unbedingt erforderlich ist.
2. Aus einer Ursache können wir nicht andere Wirkungen herleiten als jene, durch welche sie uns allein bekannt ist.
3. Bei einem Schluss von der Wirkung auf die Ursache darf die Ursache nicht jenseits aller Erfahrung angesiedelt sein.
4. Wenn es sich beim Universum um ein einmaliges Ereignis handelt, bleibt die Frage, ob das Universum überhaupt eine erste Ursache hat, unbeantwortet.[5]

Ich stimme Hume in allen Punkten zu, denn auch für mich ist unklar, wieso Religionen immer einen allmächtigen und unfehlbaren Gott schaffen möchten, obwohl in unserer Welt nichts darauf hindeutet. Auch ich bin der Meinung, dass man – falls es einen Gott gibt – ihn und seine Absichten nur so weit beschreiben kann, wie aus unserer Welt ersichtlich wird. Z.B. könnte man entweder sagen er ist allmächtig, könnte also auch eine perfekte Welt schaffen, will es aber nicht, weil er möglicherweise eine ungerechte und auch oft von Leid erfüllte Welt interessanter findet oder einfach nicht allgütig ist. Wenn man sich jedoch einen allgütigen Gott wünscht, könnte man es so begründen, dass er nicht allmächtig ist, sondern vielleicht nur des Schaffens bemächtigt war, nun nicht mehr in das Geschehen eingreifen kann und vorher nicht gewusst hat, wozu das alles führt bzw. wie es sich entwickelt. Jedenfalls besteht kein Anlass das Bild eines Gottes zu konstruieren, das dem Abbild unserer Welt widerspricht. Ich denke, es handelt sich um ein gewisses Wunschdenken, eine Utopie von einem allmächtigen und allgütigen Beschützer, denn der Glauben an die Existenz eines solchen Gottes, kann Menschen eine gewisse Sicherheit geben. Doch mit wahrer Erkenntnis hat das in meinen Augen nichts zu tun.

Auch dem Argument, dass die Religion dem Menschen zu einem besseren Leben verhelfe, widerspricht Hume. Er meint, dass die Menschen von ihrem Glauben an einen allmächtigen Gott kontrolliert werde können, da sie sie Angst vor seinen Bestrafungen haben. Trotzdem ist er in ihren Augen vollkommen und wird von ihnen angebetet und verehrt. Insgesamt schließt Hume daraus, dass die Religion eine negative Wirkung auf die Psyche des Menschen ausübt und mit unseren natürlichen moralischen Prinzipien nicht vereinbar ist.[6]

Weitere Einwände gegen die Vernünftigkeit des religiösen Glaubens findet man auf Seiten der Sprachphilosophie. Diese betrachtet nur Sätze, die sich an der Wirklichkeit verifizieren oder falsifizieren lassen, als sinnvoll. Alle, die sich nicht überprüfen lassen, gelten somit als sinnlos. Demnach würden alle religiösen Sätze als sinnlos gelten, da sich ihr Wahrheitsgehalt nicht überprüfen lässt.[7]

Einerseits halte ich es für zu radikal gleich alles, was sich nicht überprüfen lässt, als sinnvoll abzustempeln. Denn somit kann es nie zu einer näheren Beschäftigung mit etwas kommen, von dem man erst glaubt, es kann nicht überprüft werden und später vielleicht doch eine Möglichkeit gefunden wird. Andererseits muss ich aber der Sprachphilosophie ein bisschen Recht geben, da ich es auch als irrelevant betrachte, ob nun wirklich ein Gott existiert oder nicht, denn für unser diesseitiges Leben würde es keinen Unterschied machen. Also in der Hinsicht, dass es vielleicht Zeitverschwendung ist, sich immer wieder Gedanken zu machen, ob es einen Gott gibt und ihn beweisen zu wollen, hat die Sprachphilosophie nicht Unrecht.

Weitere religionskritische Argumente wären die Falschheit, die mangelnde Begründung und die Unbegründbarkeit religiöser Thesen. Manche Religionskritiker behaupten, dass einige religiöse Standpunkte nicht mit der Realität unserer Welt vereinbar sind. Andere akzeptieren war dies, meinen jedoch, dass es keine ausreichenden Beweise gibt. Wieder andere gehen so weit, dass sie behaupten, religiöse Thesen könne man gar nicht beweisen.[8]

[...]


[1] Vgl. Löffler (2006), S. 47

[2] Vgl. Löffler (2006), S. 76, 87

[3] Vgl. ebda, S. 52f

[4] Vgl. Löffler (2006), S. 82

[5] Zitat: Zauner (2011), S. 156

[6] Vgl. Zauner (2011), S. 141, 143

[7] Vgl. Löffler (2006), S. 120

[8] Vgl. ebda S. 125, 134

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Religion und Erkenntnis. Sind religiöser Glaube und rationale Erkenntnis miteinander vereinbar?
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,00
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V352128
ISBN (eBook)
9783668386273
ISBN (Buch)
9783668386280
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religion, erkenntnis, sind, glaube
Arbeit zitieren
Sanja Leitner (Autor), 2014, Religion und Erkenntnis. Sind religiöser Glaube und rationale Erkenntnis miteinander vereinbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352128

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