Arbeitswelten und Organisationen im Wandel. Rahmenbedingungen der Personal- und Organisationspsychologie


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 1.0

Miriam Walchshäusl (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

3 Arbeitswelten und Organisationen im Wandel
3.1 Wandel der Erwerbsarbeit seit Beginn der Industrialisierung und sozialer Aspekt der Arbeit
3.2 Herausforderungen für Organisationen durch Digitalisierung von Arbeitsprozessen und organisationsübergreifenden Wertschöpfungsprozessen
3.3 Chancen und Risiken durch Liberalisierung von Arbeitsformen. Formen „atypischer“ Beschäftigung

4 Literatur- und Quellenverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Arbeitswelten und Organisationen im Wandel

In der Zeit der Frühindustrialisierung wächst die Bevölkerung in Deutschland enorm an und viele Menschen sind auf der ständigen Suche nach Arbeit.

Die Erfindung von Maschinen und der Einsatz von Mechanik führen zu einer An- passung von Arbeit und Handarbeit. Die besitzlose Arbeiterklasse, genannt Pro- letarier, wohnt zunehmend in den Elendsvierteln der sich rasch vergrößernden Städte. Ihre Arbeitskraft müssen sie gegen verschwindend geringe Löhne anbie- ten, weshalb Männer alleine ihre Familien nicht mehr ernähren können. Die Folge daraus sind Frauen- und Kinderarbeit. Aufgrund ihrer geringen Größe werden viele Kinder unter unmenschlichen Bedingungen in Bergwerken und Schächten eingesetzt.

Ohne Arbeitszeitregelungen oder Arbeitsschutzmaßnahmen ist die Arbeit von überlangen Arbeitstagen und intensivster Belastung gekennzeichnet. Viele Kinder, und auch Erwachsene, erkranken schwer.

Auch in den Fabriken herrschen harte Bedingungen. Nahezu ohne Pausen und unter ständiger Erhöhung des Arbeitstempos in 14 bis 16-Stunden-Schichten ar- beiten sich Frauen und Männer ab. Die überlangen und anstrengenden Arbeits- tage fordern nicht nur körperlichen Tribut. Die Familien sehen sich kaum noch, da alle Mitglieder viel arbeiten müssen. Es findet eine Entfremdung statt, deren psychosoziale Belastung sich auf die körperlichen Beschwerden addiert.

Zur Steigerung der Produktivität wird die Arbeitsteilung eingeführt. Viele Men- schen leiden unter den schweren Arbeitsbedingungen. Aufgrund der Nichtexis- tenz von Arbeitnehmerschutzgesetzen wird Fabrikarbeitern sofort gekündigt, so- bald Arbeiter wegen Krankheit oder Überlastung nicht zur Arbeit erscheinen.1

Aufgrund der ständigen Zuwanderung durch Menschen in die Industriegebiete werden die Arbeiter in den Fabriken rücksichtslos „verheizt“.

In der Hochindustrialisierung wachsen die industriellen Produktionszentren im Ruhrgebiet, um Berlin und Südwestdeutschland stark an. Die Wertschöpfung des primären Wirtschaftssektors wird deutlich von dem der Industrie übertroffen. Deutschland wird durch Chemie-, Elektro-, Stahl- und Eisenindustrie zum Vorreiter europäischer Industrialisierung.2

Die Industrie realisiert, dass trotz Intensivierung und Ausweitung der Arbeitszeit den Arbeitern „natürliche“ Grenzen gesetzt sind. Um die Produktivität der Arbei- terschaft weiter voranzutreiben, werden die Arbeitszeiten verkürzt und gleichzei- tig weiter intensiviert. Betriebliche Sozialisations- und Disziplinierungsstrategien, die Propagierung von Arbeitertugenden und der Zwang der Arbeiter zu ökonomi- schem Arbeitsverhalten sollen zur Steigerung der Arbeitsleistung beitragen.3

Auch diese Methoden zeigen allerdings im Verlauf der Zeit nicht die gewünschte Wirkung. Ab nun werden verfeinerte Strategien zur Intensifikation der Arbeit und der Arbeitsplatzsozialisierung entwickelt.4 Die Zeit der Rationalisierung beginnt und damit der Zwang zur systematischen, betriebsinternen Reorganisation. Fre- deric Winslow Taylor stellt mit seinem „Scientific Management“ einen Weg vor, durch den das Maximum aus menschlichen und technischen Ressourcen ge- schöpft werden kann. Dies erreicht er durch eine straffe Zeitausnutzung, techni- sche Vervollkommnung, ein neuartiges Lohnverfahren („Pensumlohn“) und rati- onale Organisation von Arbeitsabläufen. Durch minutiöse Zerlegung einzelner Prozesse der Arbeit, werden Störfaktoren im Arbeitsablauf beseitigt und so der gesamte Prozess optimiert.5

Taylors Ansatz ist mit erheblichen psychosozialen Folgen für die Arbeiter verbun- den. Durch die starke Arbeitsteilung verlieren sie den Kontakt zum Endprodukt.

Sie entfremden sich von der Arbeitstätigkeit selbst. Auch eine soziale Entfremdung ist zu beobachten, zusätzlich zu körperlichen und geistigen Auswirkungen durch ermüdende und eintönige Arbeit.6

Ab 1955 treten starke Gegenbewegungen zum Taylorismus auf, die sich für Hu- manisierung und Demokratisierung der Arbeitswelt engagieren. Die Arbeitspsy- chologie beschäftigt sich mit den veränderten Ansprüchen und entwickelt eigene psychologische Handlungstheorien. Die Zeit ist von Vollbeschäftigung, steigen- den Lebensstandards und sich ausbreitender Sozialstaatlichkeit geprägt. Dies führte zu zunehmender sozialer Sicherheit bei Abnahme bzw. Erträglicherwerden der Ungleichheiten.

Die sozialpsychologische Betrachtung der Erwerbsarbeit nimmt zu. Durch die Hawthorne-Experimente kann die Wichtigkeit von Einstellungen und Motivatio- nen, sowie der sozialen Interaktionen für die betriebliche Leistungsfähigkeit ge- zeigt werden. Die Human-Relations-Bewegung setzt sich dafür ein zwischen- menschliche Beziehungen und Informations- und Kommunikationsvorgänge zwi- schen Kollegen und Vorgesetzten zu verbessern. So erreichen sie eine Steige- rung der Mitarbeiterzufriedenheit und schließlich erhöhte Arbeitsleistungen.7

Ender der 1970er Jahre beginnt eine Periode mit starkem Gegentrend. Viele neue Berufsfelder entstehen, gleichzeitig ist eine zunehmende Arbeitsplatzunsi- cherheit und steigende soziale Ungleichheit zu beobachten.8 Es kann eine Indi- vidualisierung der Lebensverhältnisse der Erwerbsarbeiter beobachtet werden. Der Einzelne löst sich aus historisch vorliegenden Sozialformen und -bindungen. Er sucht nach neuen Sicherheiten, da die traditionellen Systeme wie Glauben und Normen an Bedeutung verlieren. Zudem bemüht er sich selbst um neue so- ziale Bindungen.9

Technologischer Wandel und zunehmender Einsatz von Mikroelektronik und Computern verändern dann erneut die Arbeits- und Berufswelt. Die Erwerbsar- beit verändert sich in rascher Geschwindigkeit. Körperliche Arbeit verliert zuneh- mend an Bedeutung. Statt hauptsächlich körperlichem Einsatz werden zuneh- mend intellektuelle Tätigkeiten ausgeübt. Diese werden häufig als „Wissensar- beit“ bezeichnet. Die Überzeugung, hohe Arbeitsleistungen der Mitarbeiter durch möglichst exakte Arbeitsvorschriften zu erzielen, ist Vergangenheit. Das Be- schäftigungsverhältnis ist häufig durch weitgehende Autonomie zur Erreichung des vorgegebenen Ziels geprägt. Diese Arbeitsformen stellen einen deutlichen Unterschied zur penibel vorgeschriebenen fordistischen Industriearbeit dar.10

Neue Berufsmuster und die Entstehung neuer Arbeitsformen kennzeichnen die aktuelle Phase der Erwerbsarbeit.11 Internationalisierung und Globalisierungs- vorgänge sorgen gemeinsam mit einer steigenden strukturellen Arbeitslosigkeit für starke Veränderungen. Das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit verändert sich zu Lasten der Arbeitnehmer. Dadurch wird die Position von Gewerkschaften in Arbeitskonflikten geschwächt. Der Übergang in die Dienstleistungswirtschaft und der technologische Produktionsfortschritt stellen hohe Qualifikations- und Flexibilitätsanforderungen an die Arbeitnehmer. All diese Faktoren bewirken ei- nen hochkomplexen Arbeitsmarkt. Sie stärken soziale Ungleichheiten, die sich als nachteilige soziale Positionen und erschwerten Zugriff auf gesellschaftliche Ressourcen verstehen.12 Durch die Zunahme von atypischen Beschäftigungsfor- mern erfährt das Normalarbeitsverhältnis einen Bedeutungsrückgang.

Es besteht die Gefahr die Erwerbsarbeit auf eine Kette von Handlungen und Abläufen zu reduzieren. Wichtig ist jedoch, die sozialen Komponenten einer Tätigkeit mitzubetrachten. Die Erwerbsarbeit muss daher immer als Teilsystem der gesellschaftlichen Beziehungen begriffen werden.13

Arbeit ist ein soziales Verhältnis, da sie sich in einer Verquickung aus Markt, un- ternehmerischer Verfügungsgewalt und sozialer Schichtung wiederfindet. Zu- meist steht sie zudem in direkter oder indirekter Kooperation mit anderen Arbeit- nehmern.14

Im westlichen Kulturkreis versteht sich die Erwerbsarbeit nicht mehr nur als purer und notwendiger Lebensunterhalt und Mittel zum Erreichen von Wohlstand. Das prägende kulturelle und soziale Verständnis begreift die Arbeit als Weg sozialer

[...]


1 Vgl. Sonntag, K. et al.: 2012, S. 34ff.

2 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, https://www.bpb.de/geschichte/deutsche- geschichte/kaiserreich/139649/industrialisierung-und-moderne-gesellschaft (21.12.2016).

3 Vgl. Sonntag, K. et al.: 2012, S. 34ff.

4 Vgl. Volpert, W.: 1975, S. 19.

5 Vgl. Taylor, F.: 1919, S. 106.

6 Vgl. Tracht, C.: 2014, S. 17.

7 Vgl. Neuberger, O.: 1977.

8 Vgl. Institut für Zeitgeschichte: 2016, S.4.

9 Vgl. Minssen, H.: 2012, S. 9.

10 Vgl. Schmidt, G.: 1999, S. 18f.

11 Vgl. Bareiß, A.: 2013, S. 15.

12 Vgl. Institut für Zeitgeschichte: 2016.

13 Vgl. Sonntag, K. et al.: 2012, S. 63f.

14 Vgl. Tracht, C.: 2014, S. 15f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Arbeitswelten und Organisationen im Wandel. Rahmenbedingungen der Personal- und Organisationspsychologie
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V352165
ISBN (eBook)
9783668386396
ISBN (Buch)
9783668386402
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personalpsychologie, Organisationspsychologie, Web 2.0, Digitalisierung, Wandel, Erwerbsarbeit, Industrialisierung, Taylorismus, Human-Relations-Bewegung, organisationsübergreifende Wertschöpfungsprozesse, Vernetzung, Liberalisierung von Arbeitsformen, Atypische Arbeit, Teilzeit, Vollzeit, Mobile Arbeit, Arbeitszeitmodelle, Leiharbeit, Personalleasing, Telearbeit, prekäre Beschäftigung
Arbeit zitieren
Miriam Walchshäusl (Autor), 2017, Arbeitswelten und Organisationen im Wandel. Rahmenbedingungen der Personal- und Organisationspsychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352165

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