Der Film gilt als eines der beliebtesten Mittel zur Umsetzung surrealistischer Kunst, da die Bilder nicht einfach Realitäten "abbilden", sondern gleichzeitig bewegt sind und durch Schnitttechnik und filmische Montage erweitert werden können. Damit ist es den Künstlern möglich, die absurdesten Dinge miteinander zu vereinbaren und das Ziel, das Surreale, zu erreichen. In dieser Arbeit möchte ich die Umsetzung vom "Traumhaften" in Filmen genauer analysieren. Festmachen werde ich dies am Bespiel von Man Rays Kurzfilm "L’étoile de mer".
Schon 1920 entwickelte sich der Surrealismus in Paris, als Nachfolger des Dadaismus. 1924 fand er in André Bretons "Manifeste du surréalisme" schließlich seinen wahren Inhalt. All das Unterbewusste in uns Menschen, die Traumwelt und jenes, was nicht direkt von unseren Gedanken gesteuert wird macht die surrealistische Kunst aus.
Surrealistische Werke finden sich in allen künstlerischen Richtungen wieder. Ob Malerei, Fotografie, Literatur oder Film, gemeinsames Ziel ist es Kunst zu erschaffen, die die begrenzte Logik des Menschen durch Absurdes, Fantastisches und Traumhaftes erweitert. Damit soll, wie die Bezeichnung „surréalisme“ schon sagt, eine neue Sphäre, nämlich die „über dem Realen“, erreicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Der Surrealismus
2.2. Der Film als Medium des Surrealismus
2.3. Die surrealistische Umsetzung des Traumes in Man Rays „L’étoile de mer“
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das „Traumhafte“ als zentrales Motiv des Surrealismus durch filmische Mittel dargestellt werden kann, wobei der Fokus auf der Analyse von Man Rays Kurzfilm „L’étoile de mer“ liegt.
- Entstehung und philosophische Grundlagen des Surrealismus
- Die Rolle des Films als experimentelles Medium zur Darstellung von Unbewusstem
- Analyse der surrealistischen Ästhetik im Kurzfilm „L’étoile de mer“
- Einsatz von Montage, Schnitttechnik und Schockmomenten zur Erzeugung traumhafter Logik
- Die Wechselwirkung zwischen poetischen Textvorlagen und visueller Umsetzung
Auszug aus dem Buch
2.3. Die surrealistische Umsetzung des Traumes in Man Rays „L’étoile de mer“
Der surrealistische Film „L’étoile de mer“ entstand 1928 unter der Regie von Man Ray und nach dem gleichnamigen Gedicht von Robert Desnos.
Robert Desnos beauftragte Man Ray mit der filmischen Umsetzung seines Gedichtes. Ray sollte alles genau nach seiner eigenen Vorstellung darstellen, ohne dass Desnos ihm einen genaueren Sinn des Gedichtes nannte. Um Ray nicht zu beeinflussen verreiste Desnos sogar.
Diese Tatsache macht den ersten Punkt des „Traumhaften“ aus. Ray bekam ein surrealistisches Gedicht vorgesetzt, welches er nun nach seinen ganz eigenen Empfindungen, seinen Erfahrungen und Traumerlebnissen nach versuchte umzusetzen. Mit seinem Unterbewusstsein, fügte er dem Gedicht eine „Traumgeschichte“ in bewegten Bildern hinzu.
Dabei heraus kam eine „Liebesgeschichte“, welche, durch die Obsession dem Seestern (l’étoile de mer) gegenüber, letztendlich scheitern muss. Traumhafte Elemente wurden Anhand von Filmschnitten und Fotomontage erzeugt, aber auch die eingeblendeten Abschnitte des Gedichtes erzeugen etwas Traumhaftes: Wie im vorherigen Kapitel erwähnt, ist man im Traum nicht nur Schauspieler und gleichzeitig Zuschauer, auch die Rolle des Regisseurs wohnt einem bei. Die Schriftzüge können Drehbuchanweisungen gleichkommen, was die Zuschauer beim sehen des Films genau in diese Rolle versetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Surrealismus ein und erläutert die Eignung des Films als Medium zur Darstellung surrealer Traumwelten.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung des Surrealismus, die Analyse des Films als surrealistisches Medium und die konkrete Fallstudie von Man Rays „L’étoile de mer“.
3. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie Man Ray durch spezifische filmische Techniken eine dem Zuschauer zugängliche, absurde Traumwelt geschaffen hat, die das Medium Film als ideale Form für den Surrealismus bestätigt.
Schlüsselwörter
Surrealismus, Film, Man Ray, L’étoile de mer, Robert Desnos, Traum, Unbewusstes, Montage, Absurdität, Traumwelt, Surrealität, Avantgarde, Kinematografie, Traumdarstellung, Psychischer Automatismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Umsetzung von surrealistischen Traumkonzepten am Beispiel eines spezifischen Werks von Man Ray.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Surrealismus als Kunstströmung, die Theorie des Traums im Film und die praktische filmische Umsetzung durch Montage und Bildsprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das „Traumhafte“ und das „Unbewusste“ durch filmische Mittel wie Schnitttechnik und Montage als „Surrealität“ für den Zuschauer erfahrbar gemacht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und filmanalytische Vorgehensweise gewählt, die auf kunsthistorischen Quellen sowie der Analyse von filmischen Sequenzen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich zunächst mit der Definition des Surrealismus durch André Breton, untersucht dann die Eignung des Mediums Film für diese Kunstform und analysiert abschließend intensiv den Kurzfilm „L’étoile de mer“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Surrealismus, Man Ray, Traum, Unbewusstes, Absurdität und Montage charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Gedicht von Robert Desnos für den Film?
Das Gedicht dient als textliche Vorlage, deren Zeilen Man Ray als eine Art Regieanweisung interpretierte, um den Zuschauer aktiv in die Rolle eines Regisseurs zu versetzen.
Warum wird im Film das Motiv des Seesterns immer wieder aufgegriffen?
Der Seestern symbolisiert die Obsession des Protagonisten, deren ständige Einblendung den unbewussten, traumartigen Aspekt und das Scheitern der Liebesgeschichte unterstreicht.
Wie erzeugt der Regisseur den Effekt der „Traumwelt“?
Durch technische Verfremdungen wie Unschärfe, abrupte Perspektivsprünge, Zeitlupen und das „Durchschreiten“ von Wänden werden logische Ebenen durchbrochen.
- Quote paper
- Ann-Kathrin Berninger (Author), 2013, Die surrealistische Umsetzung von Träumen im Film am Beispiel von Man Rays "L’étoile de mer", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352176