Die surrealistische Umsetzung von Träumen im Film am Beispiel von Man Rays "L’étoile de mer"


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Der Surrealismus
2.2. Der Film als Medium des Surrealismus
2.3. Die surrealistische Umsetzung des Traumes in Man Rays „L’étoile de mer“

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon 1920 entwickelte sich der Surrealismus in Paris, als Nachfolger des Dadaismus. 1924 fand er in André Bretons „Manifest du surréalisme“ schließlich seinen wahren Inhalt

All das Unterbewusste in uns Menschen, die Traumwelt und jenes, was nicht direkt von unseren Gedanken gesteuert wird macht die surrealistische Kunst aus.

Surrealistische Werke finden sich in allen künstlerischen Richtungen wieder.

Ob Malerei, Fotografie, Literatur oder Film, gemeinsames Ziel ist es Kunst zu erschaffen, die die begrenzte Logik des Menschen durch Absurdes, Fantastisches und Traumhaftes erweitert. Damit soll, wie die Bezeichnung „surréalisme“ schon sagt, eine neue Sphäre, nämlich die „über dem Realen“, erreicht werden.

Der Film gilt als eines der beliebtesten Mittel zur Umsetzung surrealistischer Kunst, da die Bilder nicht einfach Realitäten „abbilden“ sondern gleichzeitig bewegt sind und durch Schnitttechnik und filmische Montage erweitert werden können. Damit ist es den Künstlern möglich, die absurdesten Dinge miteinander zu vereinbaren und das Ziel, das Surreale, zu erreichen.

In dieser Arbeit möchte ich die Umsetzung vom „Traumhaften“ in Filmen genauer analysieren. Festmachen werde ich dies am Bespiel von Man Rays Kurzfilm „L’étoile de mer“.

2. Hauptteil

2.1. Der Surrealismus

Als Nachfolger des Dadaismus und Reaktion auf den Zusammenbruch traditionell-abendländischer Wertvorstellungen im ersten Weltkrieg entwickelte sich die Avantgardebewegung des Surrealismus. Ziel war die Befreiung des Geistes aus inneren und äußeren Zwängen und somit die „Wiederherstellung der ursprünglichen Ganzheit des Menschen.[1] Seine wahre Bedeutung fand der Surrealismus 1924 in André Bretons „Manifeste du surréalisme“.[2]

Breton definiert den Surrealismus als den „reinen psychischen Automatismus, durch welchen man, sei es mündlich, sei es schriftlich, sei es auf jede andere Weise, den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht.“[3], als ein „Denk-Diktat ohne jede Vernunft-Kontrolle und außerhalb aller ästhetischen und ethischen Fragestellungen.“[4].

Demnach ergibt sich, dass jede Kunst die versucht Reales mit Traumhaftem oder Mythischem zu verbinden als surreal gilt. Das Irreale, „Überreale“, soll der Realität hinzugefügt werden.[5]

Surrealisten versuchen also „ungeplant“, „unbewusst“, der Logik des Menschen widersprechende Werke zu kreieren um durch diese Absurdität etwas zu erschaffen, das über unserer „einfachen“ Realität liegt. Sie wollten hinter die Fassade der Logik dringen und alles was in unserem Unterbewusstsein schlummert zutage bringen um den Geist des Menschen zu befreien.[6]

So sagte auch Breton bereits in seinem Manifest:

„Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität.“[7]

2.2. Der Film als Medium des Surrealismus

Die Bestrebung der Darstellung einer gewissen Absurdität, traumhafter und unbewusster Dinge, stellte sich bald als im Film besonders gut darstellbar heraus.

Dadurch, dass man im Film viele verschiedene Bilder beliebig zusammenfügen konnte, hatten die Surrealisten eine größere experimentelle Freiheit als in der Fotografie, Malerei oder Literatur. Zu diesen Schnitttechniken und der möglichen Montage des Films konnte man sogar unterstützende Musik hinzufügen. Zum „Aufrütteln der Gesellschaft“ wurden Schockmomente eingefügt.[8]

Anstelle einer logischen Abfolge finden sich oft irritierende Sequenzen wieder, die das Traumhafte, Unbewusste, der Logik widersprechende widerspiegeln.[9]

Im Traum ist man gleichzeitig Regisseur, Schauspieler und Zuschauer; während man also unterbewusst selbst entscheidet was passiert, spielt man gleichzeitig verschiedene Rollen und sieht außerdem als Außenstehender auf das Geschehen.[10]

Technische Verfahren verleihen dem Film die Fähigkeit genau solche „traumhaften“ Erlebnisse nachzustellen. Der Traum als „Kino in unserem Kopf“ kann durch Montage und Schnitttechnik zum Ausdruck gebracht werden, da Dinge, die unserer Logik nach nicht vereinbar sind, ein Zusammenspiel finden können. Durch diese Absurdität wird der Zuschauer dazu angeregt, seine ganz persönlichen Erfahrungen, Träume und Erinnerungen mit den Bildern des Filmes zu vermischen, womit quasi eine neue Traumwelt erschaffen wird.[11]

Die Surrealisten machen in ihren Filmen Gebrauch von dem unterbewussten Ausdruck unserer Träume. Sie gelten als Ausdruck sexueller Phantasien, Gefühle, Wünsche und Begehren. Dies sind damit auch häufig die Motive surrealistischer Filme. Des Weiteren haben Träume häufig chaotischen Charakter; Raum und Zeit sind scheinbar unbegrenzt, leben von Schnelligkeit und Verwandlung. Auch davon machen die Künstler Gebrauch und stellen genau dieses „Traumverhalten“ in ihren Werken nach.[12]

2.3. Die surrealistische Umsetzung des Traumes in Man Rays „L’étoile de mer“

Der surrealistische Film „L’étoile de mer“ entstand 1928 unter der Regie von Man Ray und nach dem gleichnamigen Gedicht von Robert Desnos.

Robert Desnos – L’étoile de mer

„Les dents des femmes sont des objets si charmants...

Qu’on ne devrait les voir qu’en rêve ou à l’instant de l’amour.

Si belle! Cybèle?

Nous sommes à jamais perdus dans le desert de l’éternèbre.

Qu‘elle est belle

„Après tout“

Si les fleurs étaient en verre

Belle, belle comme une fleur de verre

Belle comme une fleur de chair

Il faut battre les morts quand ils son froids.

Les murs de la Santé

Et sit tu trouves sur cette terre une fleur de feu

Le soleil, un pied à l’étrier, niche un rossignol dans un voile de crêpe.

Vous ne rêvez pas

Qu’elle était belle

Qu’elle est belle” [13]

Robert Desnos beauftragte Man Ray mit der filmischen Umsetzung seines Gedichtes. Ray sollte alles genau nach seiner eigenen Vorstellung darstellen, ohne dass Desnos ihm einen genaueren Sinn des Gedichtes nannte. Um Ray nicht zu beeinflussen verreiste Desnos sogar.[14]

Filmausschnitt <L'étoile de mer> 1[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Tatsache macht den ersten Punkt des „Traumhaften“ aus. Ray bekam ein surrealistisches Gedicht vorgesetzt, welches er nun nach seinen ganz eigenen Empfindungen, seinen Erfahrungen und Traumerlebnissen nach versuchte umzusetzen. Mit seinem Unterbewusstsein, fügte er dem Gedicht eine „Traumgeschichte“ in bewegten Bildern hinzu.

Dabei heraus kam eine „Liebesgeschichte“, welche, durch die Obsession dem Seestern (l’étoile de mer) gegenüber, letztendlich scheitern muss. Traumhafte Elemente wurden Anhand von Filmschnitten und Fotomontage erzeugt, aber auch die eingeblendeten Abschnitte des Gedichtes erzeugen etwas Traumhaftes: Wie im vorherigen Kapitel erwähnt, ist man im Traum nicht nur Schauspieler und gleichzeitig Zuschauer, auch die Rolle des Regisseurs wohnt einem bei. Die Schriftzüge können Drehbuchanweisungen gleichkommen, was die Zuschauer beim sehen des Films genau in diese Rolle versetzt.

[...]


[1] (Vgl. Surrealismus, Der Brockhaus, 2005, S. 876)

[2] (Vgl. Forest, Introduction au surréalisme 2008)

[3] (Breton, Manifest du surréalisme, 1924, S. 328)

[4] (Breton, Manifest du surréalisme, 1924, S. 328)

[5] (Vgl. Surrealismus, Der Brockhaus, 2005, S. 876)

[6] (Surrealismus, Bücher-Wiki)

[7] (Breton, Manifest du surréalisme, 1924, S. 319)

[8] (Vgl. Surrealismus in Film und Fotografie, Ketterer Kunst)

[9] (Vgl. Surrealismus in Film und Fotografie, Ketterer Kunst)

[10] (Vgl. Lommel, Maurer Queipo, & Roloff, Surrealismus und Film, 2008, S. 207)

[11] (Vgl. Lommel, Maurer Queipo, & Roloff, Surrealismus und Film, 2008, S. 207)

[12] (Vgl. Lommel, Maurer Queipo, & Roloff, Surrealismus und Film, 2008, S. 207)

[13] (Desnos, L’étoile de mer, Reader S. 213, 214)

[14] (Desnos, L’étoile de mer, Reader S. 213, 214)

[15] (Ray, L’étoile de mer, Youtube, 1928)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die surrealistische Umsetzung von Träumen im Film am Beispiel von Man Rays "L’étoile de mer"
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Schock und Spiel im surrealistischen Film
Note
8
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V352176
ISBN (eBook)
9783668424098
Dateigröße
1466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
surrealistischer Film, L'étoile de mer, französisch Hauptseminar
Arbeit zitieren
Ann-Kathrin Berninger (Autor), 2013, Die surrealistische Umsetzung von Träumen im Film am Beispiel von Man Rays "L’étoile de mer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352176

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