Veränderung der Einwohnerschaft Dülmens. Eine historische Untersuchung

Ist der soziologische Wandel ermittelbar?


Fachbuch, 2017
113 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Anlass zur Untersuchung

2. Sinn der Betrachtung
2.a die geschichtliche
2.b kulturelle Gesichtspunkte
2.c die soziale Situationsbetrachtung
2.c.1 die Abhängigkeit des Individuums
2.c.2 Wertvorstellungen und Bewertungen im Leben der Individuen

3. Allgemeine Betrachtung der Lage der Menschen
3.1 Spezielle Betrachtung unter dem Gesichtspunkt Arbeit

4. Die Lage der Region zur Zeit der Germanen

5. Die Christianisierung

6. Auf dem Weg zum persönlichen Eigentum bzw. in die Hörigkeit
6.1 Die soziale Schichtung

7. Soziale Stellung eines einzelnen Individuums
7.1 als Funktion von Grundbesitz
7.2 Maßstab der Besteuerung im Fürstbistum Münster
7.3 Grenzen der Erfassung historischer sozialer Zustände in Dülmen
7.4 Merkmale für die soziale Stellung eines Individuums
7.4.1 Berufsangabe als Hilfsmittel zur Bewertung sozialer Stellung (Beruf)
7.5 Stadtwirtschaft
7.6 Berufsangabe als Merkmal sozialer Stellung

8. Verwirklichung technisch-wirtschaftlichen Fortschrittes
8.1 Die Beurteilung der Funktion Mensch im letzten Jahrhundert

9. Gibt es eine objektive Feststellung des Sozial-Prestige einer Person

10. Der Beruf heute und die Abhängigkeit von der Ökonomie

11. Die herausragenden Wandlungen

Zusammenfassung/Abstract

Die heutige Stadt Dülmen ist auf germanischem Gebiet entstanden, vermutlich bestanden hier günstige Voraussetzungen für ein Kommunikationszentrum mit Kirche im Zuge der Christia-nisierung. Die örtliche Unterwerfung der Ursprungsbevölkerung der Brukterer muss aus den wenigen historischen Daten abgeleitet werden, es kaum anzunehmen, dass die ackerbauende Bevölkerung die Bevormundung durch die eingesetzte Geistlichkeit ohne Konflikte akzeptierte.

Aus den bäuerlichen Familienverbänden musste ja schließlich eine gehorsame Siedlungsge-meinschaft geformt werden.

Man kann das bereits als einen gravierenden soziologischen Wandel ansehen, der in seiner Realisation über Jahrhunderte seinen Gang ging. Während dieser Zeit wurde Dülmen eingefügt in das strategische Konzept des Bischofs von Münster, der letztlich nicht nur die kirchliche, sondern auch die weltliche Macht innehatte und der mit dem willigen Adel kooperierte. Die Stadtgründung Dülmens Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte in die politischen Überlegungen der damaligen Zeit, wenn auch die nachfolgenden Bischöfe nicht immer die gleichen Ziele verfolgten; hinter jedem Bischof stand ja eine Hausmacht.

Die Gesellschaft Dülmens bestand anfänglich aus einer dünnen Oberschicht, darunter eine Handwerkerschicht und die längere Zeit ackerbürgerliche Gemeinde. Von der Grundbesitz-Größe her herrschte Ungleichheit; die kirchliche Organisation hatte große Teile der Land-schaft für sich okkupiert. Noch Jahrhunderte bis ins späte Mittelalter dominierten die Tagelöhner, Knechte etc. die Bürgerschaft, sie lebten in kleinen Häusern und mussten sich zusätzlich mit den Ergebnissen ihrer Gartenarbeit, ihres Viehs durchschlagen. Bei den Bürgern klassierten sich die größeren Handwerksmeister schließlich in Gilden und Zünften.

Unzweifelhaft bildeten sich beherrschende Dynastien heraus, die die Geschicke der Stadt über das Wahlinstrument zu „Abgeordneten“ größtenteils bestimmten. Es ist schwer herauszu-finden, welches persönliche Motiv ihre Haltung bestimmte, wobei beispielhaft das Spenden für die Armen besonders genannt sei. Schließlich war Mildtätigkeit ein christlicher Wert.

Dülmen gehört zum bäuerlichen Münsterland, die Industrialisierung des Ruhrgebietes nutzten lediglich einige Dülmener, um einem Broterwerb nachzugehen. In Dülmen entstand eine Hütte, die noch den Wald im Umland zu Brennholz „verarbeitete“ und es wurde eine Dampfmaschine installiert, aber die wirtschaftliche Basis dieses Unternehmens war nicht von Dauer, man musste sich den technologischen Veränderungen anpassen. Als größeres Unter-nehmen ist dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert eine mechanische Weberei zu erwähnen, hier nutzte man die billigen Kräfte vom Lande, was jedoch die preußische Behörde bald stutzte. Heute haben größere Unternehmen keinen Firmensitz in Dülmen, man sucht gewerbliche Betriebe anzusiedeln. Ein Teil der Dülmener Einwohnerschaft muss notge-drungen außerhalb der Stadt „arbeiten“, als Wohn- und Schlafplatz ist es ländlich orientiert und deshalb auch zur Anlage einer Immobilie interessant. So ist der Beruf nicht mehr aus-schlaggebend, der Dülmener ist Konsument, wenn auch in heterogener Zusammensetzung.

1. Anlass zur Untersuchung.

Zunächst ein Vorwort dazu.

Verfasser ist ein Individuum, das in der Weimarer Republik geboren, im Dritten Reich zur Schule gegangen und bei der Kriegsmarine gedient hat und sich deshalb heute als Zeitzeuge konfrontiert sieht mit den Schlagworten Rechtsextremismus, Missetäter und Bösewicht, der die Demokratie vielleicht kritischer sieht als so mancher andere, denn er ist es gewohnt, in jahrzehntelanger Arbeit ein Problem wissenschaftlich anzugehen und zu versuchen, objektiv, von Vorurteilen frei zu betrachten.[1] Der Nationalsozialismus ist ein soziologisches Problem [2]:

Das verwirrende äußere Erscheinungsbild des Nationalsozialismus erschwerte schon den Zeitgenossen eine Analyse seines Massenerfolges. Die alle Konturen auflösende Mischung von ideologischem Fanatismus und programmatischem Opportunismus, von einschüchternder Gewalttätigkeit und suggestivem pseudomilitärischem Ordnungszeremoniell, von Zynismus und Glaubenspathos drängte die Fragen nach den realen gesellschaftlichen Ursachen und Motiven vielfach zurück. Der erschreckende Habitus, die geistige und moralische Deforma-tion des NS, erschien selbst so sehr als ein unverwechselbares Merkmal dieser Bewegung, daß die zunächst vor allem moralisch-ästhetische Reaktion, auch in der Form der ironischen Paraphrase, legitim war und auch im nachhinein verständlich ist. Die Bindekraft des Natio-nalsozialismus war wesentlich nicht rational, sondern emotional, sie ging in die Breite, aber nicht in die Tiefe. Die Aufstachelung von Sensationen, Erbaulichkeitsgefühlen und Ressen-timents war ihrem Wesen nach flüchtig. In den vielfältigen internen Berichten über die Volks-stimmung im Dritten Reich kommt dies immer wieder zum Ausdruck: Große Führerreden oder Radiomeldungen über neue außenpolitische oder militärische Erfolge vermochten zwar bis in die entlegensten Dörfer Wogen des Enthusiasmus auszulösen, diese verebbten aber auch schnell. Und auch heute haben wir Probleme ähnlicher Art, die es zu deuten gilt[3]:

Welche Deutungsmuster legen politisch aktive Menschen ihrem Handeln zu Grunde? In der neueren Bewegungsforschung werden diese Muster werden als Frames bezeichnet. Diese beruhen auf spezifischen Werten, Überzeugungen bzw. Meinungen, welche die Anhänger einer sozialen Bewegung über ihr gemeinsames Handeln als geteilten Standpunkt ent-wickeln. Eine Erforschung des Framing von sozialen Bewegungen ist nicht nur von Bedeu-tung, um Wissen über die Lebenswelten, Absichten und Beweggründe der Aktivisten zu er-langen. Sie gibt darüber hinaus wichtige Hinweise auf das Mobilisierungspotential einer sozialen Bewegung, indem deren Frames zur breiten gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihren Diskursen in Beziehung gesetzt werden.

Obwohl der Verfasser jahrzehntelang in umfangreichen Recherchen in Archiven, Biblio-theken usw. Erfahrungen gesammelt hat, sieht er immer wieder Schwierigkeiten, aus den lückenhaften Unterlagen ein sicheres Bild der Vergangenheit zu erreichen, auch tiefere Diagnosen in kriminologischer Manier helfen da nur bedingt weiter: Kriminologischen Regionalanalysen liegt die Annahme zugrunde, dass die Beschaffenheit einer Stadt, eines Stadtteils oder einer Region entscheidende Auswirkungen auf das Sozialverhalten hat. Sie zielen darauf ab, Daten aus vielen - nicht nur polizeilichen - Quellen zusammenzutragen und zu analysieren, um daraus eine wohlbegründete regionale Such-Strategie zu gewinnen.[4] Es besteht die Gefahr, dass man aus den – meist nur wenigen wirklich persönlichen Dokumenten – ein Ergebnis ableitet, dass nur eine Annäherung darstellt, weil amtliche Dokumente nicht den menschlichen Hintergrund ausleuchten. Aber das Thema reizt.

Wir sind gewohnt, die Evolution des Menschen in der Art eines (repräsentativen) Individuums zu betrachten, auch wenn er tatsächlich in Gruppen lebte und auf seine Artgenossen angewie-sen war, was wir heute mit dem Begriff Soziologie verbinden. Wissenschaftlich versucht man, zwar den Sinn und die Struktur sozialen Handelns des oder der Menschen ursächlich zu erfor-schen, aber es wird nicht immer klar, welchen Nutzen die gewonnenen Erkenntnisse bringen können, denn das Verhalten des modernen Menschen ist weder im Markt noch bei Wahlen sicher vorauszusagen oder hinreichend zu beeinflussen, weil die Menschen in Gemeinschaft und in bestimmten Situationen nicht berechenbar sind. Schon bei tierischen Artgenossen weiß die Verhaltensbiologie nicht genau, wann aggressives Verhalten auftreten wird, wann sich das Tier im Nahrungserwerb oder hinsichtlich seiner Existenz bedrängt fühlt, man meint aller-dings schlechthin, auch der Mensch sei mit solchem Instinkt- und Triebverhalten ausgestat-tet.[5] Dabei hat der Mensch die besondere Gabe, bewusst, gezielt und geplant Artgenossen aus dem Weg zu räumen und schreckt nicht vor Grausamkeiten und Töten zurück. Der Mensch gehört eben einerseits zur Tierwelt und andererseits hat er ein Mehr, was er in verschiedener Weise nutzen kann; er ist dem Grunde nach mit Vernunft und Intelligenz versehen.[6]

Wir wissen insbesondere, dass die einzelnen menschlichen Individuen schon in ihren erb-lichen Anlagen und Fähigkeiten recht verschieden sind; somit stellt eine Gemeinschaft bereits ein komplexes Gebilde dar. Wenn wir das Handeln der Menschen geschichtlich ver-folgen, können wir das immer wieder bestätigt finden, wenn auch wegen der zum Teil dürf-tigen Datenlage manchmal recht kümmerlich. Aber es scheint zumindest vorteilhaft, sich damit zu befassen, um die Aktionen oder Reaktionen im menschlichen Leben besser ver-stehen zu können. In der Geschichte Dülmens[7] fehlt aber dieser Gesichtspunkt, weil hier sie lokal und meist auf die Zeit mit schriftlich überlieferten Dokumenten beschränkt wurde, wobei die Historiker die abgelaufenen Vorgänge jeweils aus ihrer Sicht darlegen, wobei naturgemäß offen bleiben muss, welches Maß an Subjektivität dabei mitspielt, da wir gerade bei der Stadt Dülmen einen Bestandteil eines Konfessionsstaates vor uns haben, mit dem auch zu Anfang des 19. Jahrhunderts die übernehmenden Preußen ihre Schwierigkeiten hat-ten; es gab konfessionsbedingte Kollisionen.[8]

Das Bild der sogenannten sozialen Frage, akzeptabler Arbeitsbedingungen in Dülmen scheint es im 19. Jahrhundert nicht gegeben zu haben, vielmehr galt der zeitweilig größte Arbeitgeber der Weberei Bendix sogar als Wohltäter, denn er hatte bereits 1874 eine Betriebskrankenkasse eingerichtet und begann 1882, Häuser für Werkswohnungen für seine Arbeiter zu bauen. Offensichtlich muss man da tiefer schauen, denn Armut und Reichtum sind Bezeichnungen, die aus der jeweiligen Perspektive zu anderen Schlussfolgerungen führen; manches kann nur plausibel erscheinen. So ist in Dülmen Reichtum nicht selten mit Spenden für die Armen verknüpft; es obliegt dem einzelnen, sozial zu handeln, in Dülmen wesentlich von der kon-fessionellen Parteilichkeit bestimmt.[9] Aber, da die Stadt nicht frei von Nachrichten über die negativen Folgen der Bergarbeiterstreiks des 19. Jahrhunderts im nahen Ruhrgebiet und den Notlagen so mancher Familien blieb, wurde – auch wohl wegen dieser Einstellung, daraus keine besondere kommunalpolitische Aktion. Es ist zwar bedauerlich, aber ebenso nicht bekannt, mit welchen Folgen die Bauern zu kämpfen hatten, die infolge der „Bauernbe-freiung“ und der dafür aufzubringenden Geldmittel schließlich Land abtreten oder gar das Land gänzlich aufgeben mussten. Manches elendige Schicksal bleibt vermutlich für immer den nachfolgenden Generationen verschlossen. Zum Heben dieses Übersehens, eines Miss-standes ist an die Sichtung und Auswertung relevanter Quellen zu denken; sonst wird die soziale Frage[10] in Dülmen[11] möglicherweise praktisch als nicht existent gesehen, die Archivalien behandeln die Armut so nebenbei, man verstand da auch etwas anderes als heute darunter.[12]

2. Sinn der Betrachtung.

2.a Die geschichtliche Betrachtung

Ordnungsgemäß Geschichte über vergangene Ereignisse zu schreiben, ist an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, wozu ich schon verschiedentlich Ausführungen gemacht habe.[13] Zunächst kommt eine Frage auf: welchen Sinn sollte das Lesen von geschichtlichen Darstel-lungen haben, wenn das dort Niedergelegte nicht der Wahrheit entspricht? Aber meist sind die Darstellungen nicht frei von einem Bezug zur Gegenwart des Schreibers und also nicht frei von beeinflusster Deutung. Johannes Scherr stellt uns in einer Reihe seiner Werke solche Beispiele vor: d a ist z. B. der gelehrte Größenwahn, welcher auf dem Treibsand irgend einer gerade modischen, mehr oder weniger windigen Hypothese mit »affenartiger Geschwindig-keit« eine neue » Weltanschauung « nach der andern, jedesmal natürlich die »absolut vernün-ftige, wahrhaft wissenschaftliche und einzig zeitgemäße« Weltanschauung aufschwindelt, bis der nächste, aus einer andern Studierstube kommende Hypothesenwind das anspruchsvolle Kartenhaus wieder umbläst.[14] Vielfach wird sogar behauptet, eine objektive Geschichts-schreibung sei grundsätzlich nicht möglich, weil sie immer in die Sphäre des Zeitgeistes gestellt würde oder bestimmten Vorstellungen fröne, wie z.B. von der „sauberen“ Wehrmacht während des 2. Weltkrieges oder einer verdammungswürdigen NS-Ära.[15] Trotzdem muss sich der Geschichtsschreiber anstrengen, den ideologischen Ballast abzuwerfen und sich auf die Tatsachen und nachweislichen funktionalen Zusammenhänge zu konzentrieren, was bei dem Geschehen in einem Konfessionsstaat nicht immer leicht sein kann.

Oft wird in der Erzählung versucht, die Erfahrungen der Vergangenheit nutzbar zu machen für eine normative Lehre für die Zukunft.[16] Das ist jedoch meist schon dadurch erschwert, dass ein Historiker nicht über ausreichende Erfahrung einer Analyse komplexer Zusammen-hänge der Ereignisse und genügend Beobachtungsmöglichkeit aller relevanten Vorgänge ver-fügt; er ist daher zu einer auswählenden Methodik gezwungen. Die staatliche Verwaltung wie auch die Politik möchte über die Vorgänge der Veränderungen Näheres erfahren und zu die-sem Zweck wurden statistische Methoden benutzt, wobei z.B. die Bevölkerung in Äquiva-lenzklassen eingeteilt wurde, wohl wissend, dass Heterogenitäten, Streuungen vorhanden sind, ahnend, das soziale Schichten keine homogene Gruppen darstellen, aber man schritt ab dem 19. Jahrhundert in dieser Disziplin weiter voran[17], während man sich in den vorigen Jahrhunderten hauptsächlich mit Schätzungen z.B. zur Festlegung von Steuern begnügte, die Genauigkeit der Aussage interessierte weniger. Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine amtliche Statistik, die Arbeitslosen waren es nicht wert, dass man sich um sie kümmerte.[18] Geschichtlich bedeutet das eine geringere Aussagekraft soziologischer Tatbestände. Die Zitierung von Einzelfällen – ohne reale Verknüpfung zur Allgemeinheit – ist ähnlich zu bewerten.

Geschichte begann gerade im 19. Jahrhundert national orientiert, weshalb es zu einem dem-gemäßen Geschichtsbewußtsein. führte[19] Das wurde und wird nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch in den Darstellungen einschließlich filmischen Darstellungen (als „Dokumen-tation“) geleugnet oder sogar als ethisch schmutzig verdammt. Diese Art der Geschichts-kultur fußt auf einer politischen Beeinflussung der Negativ-Erinnerung. Es ist aber wichtig, sich ein eigenständiges und begründetes Urteil über die verschiedensten Formen der Ge-schichtsschreibung und Interpretation zu bilden. [20] Bloßes Faktenwissen genügt hierzu nicht; man muss mindestens mit der Sachanalyse die Erschließungskompetenz, mit der Fähigkeit der Bewertung korrekt umgehen zu können, verbunden sein.[21] Der Geschichtsunterricht bedarf deshalb einer besonderen pädagogischen Betreuung. Die Geschichts-Wissenschaft muss – wie in der Naturwissenschaft oder im Gerichtsprozess, unvoreingenommen ermitteln, das Gefun-dene ordnen und bewerten, um letztendlich schlussfolgern zu können.

In der regionalen Geschichtsforschung ist man näher am Objekt, aber bereits dort sind die archivierten Unterlagen lückenhaft, z.B. in Dülmen überhaupt erst ab 17. Jahrhundert für Fragen nach der Sozial-Lage vorhanden und dann unzureichend. Es kann also nur ein frag-mentarisches Ergebnis zustande gebracht werden. Aber viele Fragmente verschiedener Regionen führen noch lange nicht zu einem geschlossenen Bild von Landesgeschichte, weshalb man häufig pauschaliert, das eine als gültig über die anderen Regionen hinweg ansieht. Manchmal wird Repräsentativität als Durchschnitt vieler Einzelvorgänge, Doku-ment-Inhalte etc. angesehen, aber man kann daraus praktisch keine verwertbaren Begriffe bilden; was ist durchschnittlich arm, intelligent usw.?[22] Kann man diese Schicht genau ab-trennen, ohne die Einzelheiten vor Ort zu kennen? Wohl kaum, aber es gab erkennbare mentale Strömungen zu jeder Zeit, weil eben die äußeren Umstände für eine innere Solidarität sorgten, wozu als Beispiel die Haltung einerseits der Bauern gegenüber Nachsiedlern, die sich für die „Zulassung“ verantwortlich betrachteten und andererseits der Unterschicht dienen kann:

Die pauperisierten Unterschichten auf dem Lande waren die beharrlichsten Verfechter der alten gemeinschaftlichen Wirtschaftsweise. Die Marken erschienen ihnen als unentbehrliche Ressource, deren Beseitigung schlechterdings nicht zu verkraften war. Den Armen standen aber kaum Machtmittel zur Verfügung, um gegen das „Fortschrittskartell“ aus teilungswilli-gen Bauern, Gutsbesitzern und Landeskulturbehörden anzugehen.[23]

Nicht das Individuum mit seinem Handeln steht im Geschichtsinteresse, sondern die soziale Schicht, d.h. wie sie z.B. bestimmte Waren einkauft, wie sie politisch reagiert auf definierte Kommunikationssendungen.[24] Wie weit kann man an der Realität bleiben, wenn Alltagsge-schichten verwendet werden, um ein Bild des Mittelalters zu entwerfen, möglicherweise war das Leben des Bauern da tatsächlich für alle oder doch die meisten gleich stump und „ge-wöhnlich“. Der Alltag von 90 % der Bevölkerung wurde so als Typus vereinheitlicht[25], bei jeder regionalen sozialgeschichtlichen Untersuchung kann man dann abwägen, wieweit die Abweichung von diesem Typus geht:

Die Dorfbewohner waren von Beruf meistens Bauern, die entweder auf geliehenem oder auf eigenem Land lebten. Als vollberechtigte Mitglieder der Dorfgemeinschaft durften sie zudem Gemeindeämter besetzen oder als Dorfschöffen am Dorfgericht mitwirken. Außerdem verfüg-ten sie über ein uneingeschränktes Allmendnutzungsrecht.

Aber Bauer war nicht gleich Bauer! Streng wurde zwischen den Pferde- und den Kuhbauern unterschieden, d.h. zwischen denen, die sich Pferde leisten konnten und denen, die nur über Kühe verfügten, die sie zum Eggen und Pflügen ihrer Felder benötigten. Die Gemeindevorste-her waren alle durchweg "Pferdebauern". Oft war der reichste Bauer im Dorf auch der Dorf-vorsteher oder Schulze, der die Gemeindeversammlungen einberief, die Gemeinde verwaltete und den Vorsitz im niederen Dorfgericht führte.

Neben den Bauern gab es in der Dorfgemeinschaft noch die Häusler, die in ihren armseligen Behausungen am Dorfrand lebten und die ihren Lebensunterhalt durch Tagelöhnerei oder als Handwerker bei den reichen Bauern verdienten. Da nur wenige von ihnen im Besitze eines kleinen Hofes mit einer winzigen Parzelle Acker- und Wiesenland waren, besaßen die meisten Häusler keine Rechte an der Allmendnutzung. Als Dorfgenossen waren sie in der Gemeinde-versammlung jedoch stimmberechtigt.

Auch schon der Bauer musste immer für seine Arbeit Entscheidungen treffen, die in Ab-hängigkeit von der zukünftigen Witterung stehen. Da kam dem Menschen an sich zugute, dass er schon sehr lange die Natur sorgfältig beobachtete und sich die Periodizität[26] mancher Er-eignisse wie beispielsweise der Vegetation [27] merkte, ja er hat seine Beobachtungen im Ge-dächtnis festgehalten und dann auch gedanklich verarbeitet, als Beispiel für ein Ergebnis seien hier die überlieferten Wetterregeln genannt, die die Arbeitsweise der Ackerbauer bestimm-ten, wenn auch die Richtigkeit der Voraussagen nur bedingt war; man kannte die Gesetze von Häufigkeit, der Wahrscheinlichkeit und von Streuungen noch nicht, mit denen wir heute die meßtechnisch erfassten Daten für eine Wetterprognose benutzen. Statt dessen musste man Annahmen (Setzungen) vornehmen.[28] Geändert hat sich seitdem nur die Arbeitsmethode.

Die sog. Bauernregeln[29] basieren auf langjährig gesammelten Beobachtungen von Bauern über das Wetter. Da gerade sie auf das Wetter angewiesen waren und sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie Jahrhunderte lang ihre Beobachtungen in Form von Reimen, den "Bauernregeln" festhielten. Man kann sagen, dass Bauernregeln vor allem in Skandinavien, Mittel- und Westeuropa, auf dem Balkan, Spanien, Portugal, oder auch in Brasilien und bei den Indianern Nordamerikas bekannt sind. Allgemein können die Bauernregeln in folgende

Gruppen gegliedert werden:

- Witterungsregeln
- Wetterregeln
- Ernteregeln
- Kalender-gebundene Klimaregeln
- Tier- und Pflanzenregeln. [30]

Eine Entscheidung kann umso besser getroffen werden, je genauer die Voraussetzungen [31] dafür bekannt und erörtert sind oder im Vorbereich man den benutzten Grundlagen Vertrau-en entgegen bringen darf. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Bauernregeln relativ unscharf, aber ihre „Genauigkeit“ genügte ihnen. Aber auch die heutigen meteorologisch viel sicherer gewonnenen Messdaten sind nicht fehlerfrei, was ständige Wachsamkeit erfordert, ja man kann selbst den vielen Daten insofern nicht trauen, da sogenannte „Ausreißer“ darin versteckt sein können. Dann kommt hinzu, dass man aus der Fülle von Messdaten eine Auswahl treffen muss und greift daher zu einer Mittelwert bildung über einen definierten Zeitraum und geo-graphischen Bereich. Aber Abweichungen davon müssen erkannt und bewertet werden, denn man will ja wissen, um welches Größenmaß man noch bei den Risiken rechnen muss.[32] Trotz der heute enorm fortgeschrittenen Methodik ist man auch heute nicht in der Lage, eine Wet-terprognose über mehrere Tage hinaus treffsicher zu verkünden.[33] Und dabei ist man heute sogar so mutig, selbst das globale Klima (um den Erdball herum) – und zwar über einen ver-hältnismäßig langen Zeitraum im voraus[34] errechnen zu können, obwohl es sich da nicht mehr um das zukünftige simple Wetter, was wir an Sonnenschein, Niederschlag, Temperatur der Luft in für den Menschen maßgeblicher Höhe etc. „messen“, sondern um weit mehr handelt. Die Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem mehr oder weniger großen Gebiet charakterisieren, wird als Klima bezeichnet. Es wird repräsentiert durch die statistischen Gesamteigenschaften (Mittel-werte, Extremwerte, Häufigkeiten, Andauerwerte u.a.) über einen genügend langen Zeitraum. Im Allgemeinen wird ein Zeitraum von 30 Jahren zugrunde gelegt, die sog. Normalperiode, es sind aber durchaus auch kürzere Zeitabschnitte gebräuchlich. [35] Weshalb das hier erwähnt wird? Weil mit der Geschichte der Bevölkerung ähnlich verfahren wird; die Fülle der Hetero-genität wird gemittelt und es wird angenommen, dieser Wert sei repräsentativ.

Die Bauernregeln fußen auf sich wiederholte (grobe) Feststellungen, z.B. auf solche auch während der kleinen Eiszeit im Mittelalter[36] und seit dem 18. Jahrhundert auf zeitgemäße (nicht fehlerfreie) technische Messungen.[37] Wegen ihrer Orientierungs-Eigenschaft und ihrer relativ hohen Zutreff-Rate rechtfertigen die Regeln das Vertrauen der Bauern, was aber uns heutigen Menschen eben nicht mehr genügt; der damaligen bedingten Voraussehbarkeit kann also im heutigem Sinne nur einem geminderten Vertrauen ent sprechen.[38] Die Einstellung zur Wetterlage und zur notwendigen und möglichen Handlungsvorsorge gegen Unwetter-folgen hat sich also geändert.[39] Heute beschäftigten sich die Politikwissenschaften mit globa-len Vertragssystemen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen, die Wirtschaftswissen-schaften mit den Kosten dieser Eindämmung, ausgelöst durch eine besondere Interpretation von Klimamodell-Rechnungen, nach denen durch gegenwärtige menschliche Aktivitäten das Klima dramatisch ungünstig beeinflusst würde und dem womöglich nicht ausreichend entge-gengewirkt werden kann. Die Frage, wieweit der Mensch real für eine solche Entwicklung verantwortlich sein kann und wo sein Wirkungskreis dazu aufhört, wird nicht erörtert, wohl aber, ob die Vermittlung des Wissens um das mögliche Risiko eine private Anpassungsstra-tegie initiieren kann. Die These wird jedoch nach staatlich-politischer Konvention zur Recht-fertigung von aufwendigen Maßnahmen genutzt, ist aber Lehrbeispiel für die geschichtliche Deutung sozialer früherer Verhältnisse.

Vertrauen ist die Grundlage politischer Praxis und menschlich-gesellschaftlichen Zusam-menlebens und von daher elementar eine Funktion sozialen Wandels. Für Dülmen im Kon-fessionsstaat gilt im Vertrauens-Kontext noch zusätzlich dasjenige in die kirchlich-weltlichen Institutionen. In welcher Weise ist es nun vergleichsweise mit dem Vertrauen in den Klima-wandel bestellt, um wie viel höher ist das Vertrauen in die vielfältigen und von vielen Seiten gemachten Angaben über die drohende Erderwärmung als gerechtfertigt anzusehen?[40] Wieso ist das politisch geförderte Projekt von Klimaforschung „wahrer“, wenn Kritiker zu einer Sachdiskussion nicht zugelassen werden oder als unwissenschaftlich deklassiert werden?[41] Vertrauen ist dort angesiedelt, wo Wissen oder Gläubigkeit fehlt[42], wo Vertrauen keine gängi-ge Denkart mehr ist. Und da muss oder müste im Einzelfall wissenschaftlich, historisch-soziologisch untersucht werden.[43]

Das möglichst exakte Messen von physikalischen Größen ist ein meßtechnischer Fortschritt, aber es ist eine durch Meßunsicherheit gekennzeichnete Größe.[44] Für das globale Klima der Zukunft benutzt man eine Fortschreibung von Messdaten, aber es müssen alle zum Problem relevanten Daten vorhanden und angemessen vertrauenswürdige Originaldaten sein.[45] Und da liegt bereits eine Lücke vor, die Daten von dem angeblich eine Erderwärmung verursachen-den Kohlendioxid-Anteil sind in der Atmosphäre nur bedingt erfasst und man nutzt den Mengen-Ausstoß aus CO2-emittierenden Fabriken (Produktionsstatistiken), indem man ihn weltweit „hochrechnet“[46], indem man wegen nicht ausreichender Stoffdaten diese über An-nahmen schätzt, die Emission „vermittelt“. Aber das sagt man dem Zweifler nicht, der ei-gentlich Genaues wissen will. Was suchen Sie wirklich — die wissenschaftlich fundierte, sachliche Antwort oder eine einfache Antwort? Einfache Antworten gibt es nicht bei einem so komplexen Thema wie dem Klimawandel. Es gibt keine Einzelperson, die in der Lage wäre, jegliches Detail zu kennen, alles Wissen zum Thema zu besitzen. [47] Aber was ist, wenn man feststellt, dass ein Datum nicht vertrauenswürdig ist, dass die Probenahmen weltweit nicht hinreichend sind wie bei CO2[48], ist dann noch Vertrauen gerechtfertigt ?

Es wird behauptet, „man“, d.h. eine Reihe von „Wissenden“ verstehe das komplexe physika-lische Geschehen gut, vor allem den Prozess der Erderwärmung unter dem Einfluss der Strahlung. Die (sogenannten) Treibhausgase stellen einen Widerstand für die Abstrahlung der langwelligen IR-Strahlung dar. Um diesen Widerstand zu überwinden, ist eine höhere Tempe-raturdifferenz nötig. Somit steigt die Temperatur der Erdoberfläche solange an, bis das Gleichgewicht zwischen Ein- und Ausstrahlung wieder hergestellt ist. [49] Kohlendioxid hat einen relativ hohen Anteil an dem Effekt der Treibhausgase, ist aber nur eine Quelle der Temperatur-Erhöhung und des Strahlungswiderstandes, der von Wasserdampf ist höher, aber schon bei den Wolken scheint die Kenntnis über die Verteilung und Wirkung schwach zu sein. Das Verständnis von Wolkenprozessen stellt eine der größten Herausforderungen für die Atmosphärenforschung dar. Dies liegt. u.a. an dem Mangel statistisch signifikanter mikro- und makrophysikalischer Wolkeneigenschaften. Die detailliertesten Beobachtungen werden derzeit an wenigen Ankerstationen weltweit erhoben, an denen die Synergie moderner Fern-erkundungssysteme (Wolkenradar, Lidar Mikrowellenradiometer, etc.) genutzt wird. [50] Sinngemäß kann man auch soziologische Prozesse anwenden, was stellt man sicher fest?

Oft hält man sich bei der Suche nach Problemlösungen an evidente Indizien und an die allgemeine Lebenserfahrung, sogar der Richter in einem Prozess.[51] Wenn etwas zu kompli-ziert erscheint, nutzt man Vereinfachungen, manchmal sogar Vermutungen, um gedankliche Lücken zu schließen, um andere zu überzeugen. Es muss aber nicht alles, was logisch und einsehbar erscheint, auch der Wirklichkeit entsprechen.[52] Auch der Wissenschaftler nutzt

Annahmen und Prozess-Vorstellungen und modelliert so z.B. die Veränderung des Klimas, in Szenarien usw., die das einzelne Individuum im Einzelnen wie auch in der Gesamtheit der Annahmen in der Regel nicht mehr durchschauen noch sie prüfen kann. Soll man auf die „amtlichen“ Verkündungen einfach vertrauen, wo doch womöglich berechtigte Zweifel ange-bracht sind?[53] Man propagiert eine Bedrohung der irdischen Lebensverhältnisse, also muss unbedingt die als verursachend erklärte schädliche Kohlendioxid-Emission wegen ihrer An-reicherung (und Verweilzeit) in der Atmosphäre und damit der mittleren globalen Tempera-tursteigerung auf maximal 2° begrenzt werden, damit diese „Gefahrengrenze“ (Erderwär-mung) nicht überschritten wird, was jedoch auf Fiktion beruhen kann[54], was häufig bestritten wird mit dem Argument (ad populum) , die der Interpretation von Klimawandel zustimmende Menge an Wissenschaftlern sei viel zu groß, um sich zu irren, wenn auch eine beträchtliche Zahl an Wissenschaftlern diese Thematik für geförderte Forschungsgelder nutzt.[55]

Der kleine Mann kann die Beweisfähigkeit von Klimawandel-Realität nicht testen[56], er muss bzw. soll hier einfach „vertrauen“, offenbar an etwas Andersartiges als einst in Dülmen, aber inwiefern könnte das grundlegend sein? Für eine derartige Feststellung fehlen jedoch die Unterlagen, die relevanten Äußerungen früherer Zeit. Aber es scheint so, dass hier ganz offen-sichtlich schon mehrfach ein Vertrauens-Wandel eingetreten ist, so von der Säkularisation her, von dem Wandel der bäuerlichen Bevölkerung zu einer „modernen“! In jedem Fall, der Klimawandel und seine Bekämpfung kosten viel Geld – und darüber bestimmt er nicht.[57] Im (privaten) Haushalt-Etat ist die Kostenart Klima und Energieerneuerung nicht ausgewie-sen, er weiß also nicht, was Klimawandel und alternative Energien ihn kosten.

Ein Historiker[58] betont, dass man (eigentlich) alles nur exemplarisch betrachten kann, die Auswahl der Beispiele erfolgt so, dass sie nach heutigem Wissen über das Mittelalter Typi-sches belegen. Abweichende Einzelbeispiele müsste man auf Verträglichkeit kontrollieren.

In der Sozialwissenschaft[59] bezeichnet man abweichendes Verhalten als nicht den Regeln, Normen und Verhaltenserwartungen des (bezogenen) Gesellschaftskreises entspricht, was zwangläufig auch eine zeitliche Komponente hat, es wandelt sich. Beispielhaft sei hier die Auffassung über die Homosexualität[60] angeführt, wobei unerheblich zu sein scheint, ob diese Auffassung von der übrigen Zivilisationsgesellschaft nur geduldet, aber (eigentlich) nicht akzeptiert wird, wenn auch behauptet wird, es läge eine genetische Fehlkonstruktion vor.[61]

Die historischen Darstellungen, Beschreibungen und Beurteilungen fußen auf Quellen, Be-richten usw. aus der jeweiligen Zeit, aber schon bei der Objektivität der Berichter hapert es und sie sind oft geneigt, generalisierende Aussagen zu treffen – auf der Basis ihrer Kenntnisse und ihres Denkvermögens. So bemängeln bereits die preußischen Behörden in Münster hin-sichtlich der statistischen Erfassung des wirtschaftlichen Standes und der Veränderungen in der Region die Objektivität bei den Daten der Arbeiter-Anstellungen und Entlassungen, denn ohne diese Voraussetzung kann man keine Schlüsse ziehen und auch keine Anregungen für eine gewünschte Veränderung geben.[62] Das ist der Standpunkt einer Obrigkeit, die sich für das Wohlergehen des Staates sorgt, der von der Steuerkraft der Untertanen abhängt, so kam es schon Ende des 19 Jahrhunderts zu der Einsicht, dass mit der Konsumkraft der örtlichen Kundschaft zwar eine Handwerkerschaft in begrenztem Ausmaß befriedigt werden kann, aber keine Wachstumssprünge erzeugt werden, eben, so lange es noch anderswo Käuferschaft gibt. Große, vielleicht wünschenswerte Steigerungsraten und Erfolge sind jedoch nicht auf Hand-werksmeister-Ebene wie der im Mittelalter möglich, weshalb es wichtig war und ist, den richtigen Zeitpunkt für den positiven Wechsel aufzuspüren.

2.b Kulturelle Gesichtspunkte.

Die Vorstellung, in welcher Weise sich der Mensch sowohl als Individuum wie auch als Teil einer menschlichen Gruppe (Gesellschaft) zu Beginn der Evolution verhalten hat, muss notge-drungen eine vorläufige einer Entwicklung vom einfachen zum komplexen bleiben, denn es war nicht nur die Sprache, sondern wahrscheinlich auch die Gedankenwelt einfach und man vermochte sich (kommunikativ) nur wenig auszutauschen, zumal die Umwelt und die Bedürf-nisse der Existenzerhaltung vordringlich waren. Dem entspricht auch die Vorstellung, dass der Mensch sich zu größeren Verbänden aus Selbsterhaltung zunächst mehr instinktiv in der Art einer Herdenbildung[63] ohne engeren familiären Kontakt zusammenschloss, ehe die Ver-standesüberlegung nach Zweckmäßigkeit oder einem kulturellen Gefühl hinzutrat. Dabei ist unter der Vielheit von Kulturbegriffen noch nicht eine solche einer traditionellen Hochkultur mit höheren ästhetischen Aspekten zu verstehen, aber die Existenz davon ist an sich durch die Höhlenzeichnungen aus der Steinzeit belegt.[64] Heute scheint es sinnvoll, die heutige Alltags-, Massen- und Populärkultur davon auszugrenzen[65], die Hochkultur der Dichter und Denker, der Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts offenbart zwar die Potenz künstlerischen Schaffens, hat aber auf die „Schichten“ unterhalb des Bürgertums wenig soziologischen Einfluss, und wird heute im Übrigen stark durch die Medienkultur geprägt.

Vor einigen Jahrhunderten begann die psychologische Anthropologie, Licht in das in den menschlichen Gruppen herrschende Gefühlsdickicht hineinzubringen[66], aber zu einem gesicherten Abschluss sind die Arbeiten nicht gekommen, sodass wir auch nicht sagen können, wie die Kultur der Menschheit[67] oder der speziellen Menschengruppe über weite Zeitstrecken der menschlichen Evolution sich verändert hat und wie die sozialen Kontakte konkretisiert wurden. Das Kulturniveau in einem kommunalen Gemeinwesen wie dem von Dülmen festzustellen, wird heute methodisch durch Beantwortung von Fragebögen heraus-zufinden versucht, wobei man davon ausgeht, dass der emotional-moralische Zustand wesent-lich das Zusammenleben und die Lebensqualität des Individuums beeinflusst – und sich auch als soziale Spannung zeigen kann, erkennbar in Haltung der Individuen zueinander, zu Dritten und zum politischen System, insbesondere im aktiven Engagement.[68]

Unbestreitbar ist, dass der Katholizismus im Fürstbistum die freie Entwicklung kultureller Vielfalt eingeengt hat, weniger durch die Administration als durch die harmonisierenden Einkoppelung der religiösen Ritualität. Der Kulturbegriff verleitet dazu, Kulturen zu stark als homogene Ge-meinschaften wahrzunehmen und ihre interne Heterogenität zu vernachlässi-gen. So sind die Vorstellungen über die einstigen Kulthandlungen nicht mehr direkt er-forschbar, sie sind in den Archivdokumenten nicht nur fragmentarisch, sondern vielfach for-scherbezogen zu sehen. Wie wäre da z.B. die Toleranz als menschlich ausgereifte Eigen-schaft einzuordnen?[69] Als Kulturphänomen verstanden, werden die Bezüge des Rechts zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden deutlich. [70]

Von Natur aus reguliert jedes Individuum sein Dasein selbst, wenn es eine gewisse Selbstän-digkeit erreicht hat und aus der Aufwachsgemeinschaft entlassen werden konnte. Letztlich steht das Individuum oder die kleinste soziale Gemeinschaft auch heute noch allein da, es ist ein sozialer Ballast, dessen (menschenwürdiges) Existenzminimum ein anderer bestimmt.[71] Dann entsteht mit dem Individuum ein der menschlichen Gruppe/Gemeinschaft Gegenüber-stehendes und das Individuum muss dazu eine definierte Haltung einnehmen, seinen eigenen Standpunkt selbst bestimmen, insbesondere dann, wenn andere über es „herrschen“ bzw. es beherrschen wollen[72], d.h. dank seiner kognitiven Fähigkeiten Entscheidungen über sein Handeln, Verhalten usw. treffen zu können, allerdings nur im dem Grad, wie dies infolge der funktionalen Eingliederung in Gemeinschaften angebracht ist. Selbstbestimmung ist nur dann legitim, wenn die Bedürfnisse und Interessen der Mitmenschen in den eigenen Entscheidun-gen berücksichtigt werden. [73] Manche Menschen jedoch verzichten in bestimmten Lebensbe-reichen bewusst auf Selbstbestimmungsmöglichkeiten wenn dies insgesamt als vorteilhaft erlebt wird. So begibt sich der Mensch in Abhängigkeitsverhältnisse und lässt einen gewissen Grad an Fremdbestimmung zu, wenn dies seiner Bedürfnisbefriedigung entgegenkommt oder ihm das für sich vorteilhaft erscheint, z.B. er einer Verantwortung enthoben ist . So kann Autoritäts-Anerkennung zu einem Untertanentum führen, das jedoch auch auf Machtdurch-setzung o.a. zurückführbar ist. Der Glaube, die Religion ist eines der Instrumente, auf denen eine Abhängigkeit aufgebaut werden kann, insbesondere dann, wenn man einzelnen eine Besonderheit zugesteht oder man meint, dieser eine Mensch habe besondere Kräfte usw., wie z.B. die ersten Schamanen, die dem Wesen nach die Vorläufer von späteren Priesterreichen sind.[74]

Die Entwicklung der Grund- und Freiheitsrechte entspricht zwar einem Grundbedürfnis des Menschen, aber sie wird in manchen stark reglementierten Staaten gehemmt.[75] Es gehört nicht viel dazu, die Unterschiede – auch schon der frühen Menschen - im geistigen Fähigkeitsbe-reich und im Freiheitsdrang zu erkennen, selbst im Kindesalter ist dies feststellbar. Die Ent-wicklung zur autonomen Persönlichkeit läuft im Stadium der Bindung an eine Bezugs-person und das der persönlichen Erfahrung im Umfeld der schützenden Person.[76] Hierzu gehören einerseits seit jeher das Bewältigung von Gefahren aus und in der Umwelt und ande-rerseits die Deutung zum Sinn dieser Welt, einem Glauben mit all seinen Ritualen usw.[77] Aus der Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass diese Prägung in das Erwachsenenalter hinein-ragt. Als Nachteil kann man das insofern ansehen, wenn man das zugleich auch als Ein-schränkung der freien Willensentscheidung, der Objektivität der geistigen Haltung erkennen muss. Dieser Tatbestand überlagert sich der individuellen Heterogenität kognitiver Sub-stanz, sodass bereits in der Antike bei fehlender hinreichender Fähigkeiten eine vernünftige Mehrheitsentscheidung abgesprochen und eine solche Pöbelherrschaft abgelehnt wurde.[78] Die Kernfrage folgt aus dem Gedankengang heraus, auf welcher Basis denn nun eine Entschei-dung, z.B. über die Zukunft der definierten Menschen-Gemeinschaft getroffen werden soll: auf Grund der bestmöglichen Kenntnis menschlichen Vermögens oder als Beschluss, z.B. der Mehrheit der Betroffenen, einfach um die Handlungsfähigkeit einer Regierung herzustellen – ungeachtet der nicht auszuschließenden Nachteile eines Parteien-Staates.[79]

Diese Überlegung wird heute oft nicht mehr angestellt, man ist politisch der Meinung, die auf definiertem Satzungs- bzw. Verfassungsgang zustande gekommene Demokratie, die auf einer Stimmenmehrheit in einem „Wahlgang“ beruht, sei eine praktikable bzw. sogar die beste Lö-sung, wodurch die über eine infolge herausragender kognitiver Eigenschaften natürliche Autorität manchmal sogar in Verruf gebracht worden ist. Es wird sogar die Behauptung auf-gestellt, die über die formelle (verfassungsgemäße[80] ) Wahl erhaltene Vertretung der Abstim-mungsgemeinschaft sei eine repräsentative [81], ja aber in welcher Beziehung?[82] Unzweifelhaft ist eine Partei immer nur ein geringer Teil des Abstimmungsvolkes mit einem bestimmenden Parteiorgan als handelnde Institution und kann gar nicht wirklichkeitsgetreues Abbild der Gesamtheit sein, es ist Gefährdungen ausgesetzt[83] und Kritik an ihr prallt z.B. bei Diszipli-nierung der parteigemäßen Abgeordnetengruppe ab.[84] Es ist nicht ungewöhnlich, dass Abge-ordnete in ihrem Verhalten vom Volkswillen abweichen.[85]

Abgeordnete müssen nicht die besten Köpfe des Volkes darstellen, ihre Parteikonformität hat bei der Aufstellung durch die Partei meist Vorrang.[86] Da gibt es anscheinend keinen Wettbe-werb, der an sich für den Erfolg einer Handlung natürlicherweise notwendig ist.[87] Er ist zu-gleich ein kultureller Maßstab und wird von der Soziologie nicht vernachlässigt. Das Ver-sprechen des Wettbewerbs hat in einer auf Verdienst und Leistung basierenden Gesellschaft klassisch immer darin bestanden, für eine wohlbegründete Positionierung der Menschen in der Gesellschaftshierarchie zu sorgen.[88] Die Dauer der Duldung einer falsch besetzten Stelle ist erfahrungsgemäß von Übel, ja sogar schädlich für das Fortbestehen einer Gesellschaft.

Zu leugnen sind die Unterschiede in den Leistungsfähigkeiten der Menschen nicht, im Gegen-teil, sie sind zuweilen derart frappant, dass sie einfach nicht übersehen werden können und das gilt seit Beginn der Evolution. Heute sehen wir diese im Wesentlichen auf zwei Säulen stehend: erbliche Veranlagung und Bildung, unter der so mancher etwas anderes versteht[89], denn es gibt keine einheitliche Definition. Es ist auch seit langem bekannt, dass der Entwick-lungsprozess eines jungen Menschen nicht an einem bestimmten Alter aufhört und so man-cher nutzt diese Spanne, sich zu vervollkommnen, oft über Jahrhunderte auf unterschiedliche Weise und in den verschiedensten Institutionen. Erst in den letzten Jahrhunderten nahm der Staat sich des Problems der Erziehung an und heute ist viel von Chancengerechtigkeit die Rede, wonach für jedes Individuum die jeweils bestmögliche (schulische) Ausbildung ge-währleistet wird. Durch Chancengleichheit sollen aus sozialer Herkunft und Stellung herrüh-rende Unterschiede ausgeglichen werden[90], jedoch können die erblichen sowie nicht alle son-stigen gänzlich beseitigt werden, auch sollte der Weg über eine Nivellierung durch Anpassen der Bewertungssysteme nicht gewählt werden. Für Psychologen und Soziologen ist klar, dass die individuellen Unterschiede beim einzelnen Menschen einfach viel zu groß sind, als dass man Verhaltensweisen verallgemeinern könnte. Mancher verhält sich wie ein Lügner, ist es aber bei weitem nicht. [91] Aus dem erreichten Bildungs-Status ist nicht ohne Weiteres der er-reichbare soziale Status ableitbar, zumal hier auch Eigenschaften mitwirken können, die mit Tugenden nicht vereinbar sind.

Als unbedingt erforderlich für eine weitgehend freies Denken und Entscheiden eines Indivi-duums muss als Bildungsziel ein kritisches Denken und die Fähigkeit, sich von fremden Einflüssen fernzuhalten oder diese auszuschalten, erreicht werden. Häufig ist dem Einzelnen nicht bewusst, welch großen Einfluss bestimmte Gruppen aus dem sozialen Umfeld auf das eigene Verhalten haben. In vielen Fällen ist man darauf bedacht, einen guten Eindruck zu hinterlassen und sozial anerkannt zu sein. Deshalb handelt man nicht immer nach eigenen Überzeugungen, sondern neigt dazu, die Meinungen und Urteile anderer Menschen oder Gruppen zu übernehmen, w as letztlich auch für Nachrichten usw. gilt.[92] Man hütet sich, etwas falsches zu sagen, von der Norm abzuweichen usw., man ist lieber konform als Individua-list.[93] Als Ursachen dafür können sowohl dem Individuum zugeschriebene als auch erworbene Erfolgskriterien verantwortlich sein, aber Genaues darüber weiß die Soziologieforschung noch nicht.[94] Wir haben es mit einem seltsamen Phänomen in unserer Gesellschaft zu tun: einerseits wird der Mensch mit Selbstbewusstsein, Zivilcourage gesucht, andererseits erweckt ein Einzelgänger Befremden.[95] Oft ist dies bereits in der Schulklasse der Fall, der Heraus-gehobene[96] wird gemoppt, auszumerzen gesucht, weil er nicht in die „Gesellschaft“ passt. Die Neigung der Menschen, sich wie ein Herdentier zu verhalten, ist groß.[97] Merkwürdig ist, dass in unserem Bildungssystem nicht gelehrt wird, Ziele zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Denn die helfen, die Grundlage von wahrem Charakter und Persönlichkeit zu bilden – und schützen uns von übergroßer Abhängigkeit von den Vorstellungen oder Meinungen anderer.

Diese Art Abhängigkeit hindert so manchen, z.B. bei einer Wahl objektiv zu entscheiden.[98]

2.c Die soziale Situationsbetrachtung

Dass die Individuen nicht alle gleich sind, begegnet uns tagtäglich. Diese Ungleichheiten kann man in einer größeren Gruppe oder der Menschheit insgesamt feststellen und bewerten bzw. die Folgen daraus untersuchen. Dabei ist z.B. soziale Ungleichheit noch nicht soziale Ungerechtigkeit, wie sie der einzelne oder der soziologische Wissenschaftler sieht und wie sie durch Legitimierung entstanden sind. Um die Analyse nicht ausufern zu lassen, beschränkt man sich auf das von wesentlicher Bedeutung und auf die mit erheblichen Folgen. Hierbei kann man zunächst den Güterbesitz vergleichen, aber auch so etwas, was wir unter Chancen zum Streben nach einer höheren sozialen Stellung verstehen, daraufhin analysiert, wie weit den jeweiligen individuellen Potenzen entsprochen werden kann.[99] Vielfach wurden schon sehr früh in der Geschichte Rangordnungen innerhalb der Gesellschaft praktiziert und damit „Wettbewerb“ geschaffen; der eine sollte gegenüber dem anderen hervorgehoben werden.[100] Ganze Gesellschaften bzw. Gesellschaftsgruppen wurden historisch durch Ereignisse wie die Christianisierung, Säkularisation, Aufklärungsepoche usw. in größerem Maße umgeformt oder gespalten, was heute noch mit Minderheiten geschieht. In allem ist der einzelne Mensch fast immer irgendwie vertikal und horizontal eingeordnet, in neuerer Zeit hauptsächlich durch das Arbeiten für einen anderen oder für einen nicht von ihm bestimmten Zweck.

Als kleinste Gruppe gilt die Familie – vielleicht bis über drei Generationen hinweg, obwohl der Begriff Familie erst zur frühen Neuzeit aufkam, es galt das Haus bzw. der Haushalt als Bestimmungsgröße, oft mit der Vorstellung verbunden, dass alle darin lebenden sich gegen-seitig helfen.[101]. Für die Unterschicht machte sich über Jahrhunderte die Trennung von Heim- bzw. Erwerbsarbeit und „Familie“ bemerkbar. Ob hier bereits eine Rangordnung bestand oder besteht, kann schon grundsätzlich von der kulturellen Stellung eines Elternteiles abhängen, aber innerhalb des Familien-Systems gilt allgemein die Ordnung: wer zuerst in einem System da war hat Vorrang vor dem, was später kommt. Daher hat der Erstgeborene Vorrang vor dem Zweitgeborenen und die Paarbeziehung hat Vorrang vor dem Elternsein. Das gilt inner-halb eines Familiensystems. In Systemen, die darüber hinausgehen, gelten andere Ordnungs-prinzipien, z.B. das der natürlichen errungenen Autorität nach der Weise, dass das Bessere das Schlechtere verdrängt[102], wofür eine aus der Erfolgs-Erfahrung entstandene Bewertung eine Voraussetzung ist. Nun wird allerdings auch behauptet, es gäbe darüber hinaus eine Selbst - organisation, d.h. die Elemente im System beeinflussen selbst die Art, Form und Entwick-lung davon, obwohl man weiß, dass die Fähigkeit zum Organisieren in jedem Menschen mehr oder weniger veranlagt ist und dieser der Initiator sein kann, aber zur Verwirklichung gehört offensichtlich mehr als nur diese spezifische Fähigkeit, denn es muss jeweils wirklich gut organisiert sein, um zu einem beabsichtigten Erfolg zu kommen.[103]

So genau man auch verstehen mag, wie im Labor ein einzelner Wassertropfen entsteht, so kann man doch nicht vorhersagen, wie unzählige Tropfen in der Atmosphäre Wolken bilden und das Klima der Erde entscheidend beeinflussen; und so genau man einen Nervenimpuls auch vermessen mag, so versteht man noch nicht, wie Milliarden von ihnen einen Gedanken formen. In solchen Systemen, ob belebt oder unbelebt, sind physikalische Prozesse der Selbst-organisation am Werk: Viele miteinander wechselwirkende Teile organisieren sich selbst-ständig - ohne äußere Steuerung - zu einem komplexen Ganzen.[104] Sollte bei einer Dorfbildung auch eine Selbstorganisation wirksam sein?[105] Denn manche Gehöft-Samm-lungen und Dörfer scheinen aus Zweckmäßigkeitseinsichten, aus innerem Antrieb der Menschen entstanden zu sein. Im Frühmittelalter entstanden die Dörfer entweder durch freibäuerliche Zusammen-schlüsse oder durch herrschaftliche Gründungen um Gutshöfe. [106] Ein Dirigismus zur kom-munikativen Zusammenballung an einer Kirche wie etwa bei Dülmen ist auch denkbar, nur isst nicht bekannt, wann etwas einsetzte.

Grundsätzlich bietet sich für jedes einzelne Individuum die Möglichkeit, seinen Sozialstatus zumindest mitzubestimmen und organisatorisch auf einen möglichst hohen Status hinzuarbei-ten. Das gilt auch für Gruppen im Mittelalter, wie Aufstände zeigen: eine soziale Elite, die nicht an der politischen Macht beteiligt war, versuchte einer anderen sozialen Elite, die diese innehatte, im Vorrang streitig zu machen. Die erste Gruppe setzte sich aus einer einfluss-reichsten Meistern derjenigen Gilden bzw. Zünfte zusammen, in denen eine politisch mündi-gen Bürger organisiert waren. Die der zweiten entstammten der in der Stadt regierenden Oberschicht. [107] In gewisser Weise gilt das auch für kleinere Städte oder Gemeinschaften; den einmal eingenommenen Status behält man nicht ohne weiteres, wenn andere danach streben, ebenfalls oder anstelle der innehabenden diesen einzunehmen. Bei der Erforschung dieser (ge-schichtlichen) Bewegung muss man nicht nur methodisch vorgehen[108], sondern auch genü-gend dafür auswertbares Quellenmaterial besitzen, was z.B. in der Stadt Dülmen nicht der Fall ist, weil die Lücken zu groß sind und der quantifizierbare Bezug zur Bevölkerung nicht gegeben ist; man sammelte im Archiv nicht systematisch nach Gesichtspunkten, die später im Interessen-Brennpunkt stehen, z.B. den des sozialen Status der einzelnen Schichten, insbe-sondere einer geistlich-weltlich regierten Welt eines Konfessionsstaates, in dem z.B. Befehle von oben und Bittschriften von unten die Regel waren. Welche Bedeutung hatte denn da noch der einzelne Bürger? Wurde er gefragt, durfte er mitbestimmen? Keineswegs, nicht eionmal tolerierte man die Anders-Gläubigkeit.

Die Religionsausgleiche und Toleranzedikte bis in das 18. Jahrhundert verstanden unter Toleranz noch keineswegs die wechselseitige Anerkennung des jeweiligen Bekenntnisses und den Anspruch auf das Individualrecht der Gewissens- und Religionsfreiheit. Erst mit der Toleranzgesetzgebung in Österreich (1781), Preußen (1788/1794) und schließlich die Be-gründung verfassungsstaatlicher Ordnungen im Zeitalter der Revolutionen in den USA und Frankreich wurden die religiöse Parität in der Gleichstellung religionsverschiedener Bürger eingeleitet und schließlich als naturrechtlich begründetes Menschen- und Bürgerrecht verfas-sungsmäßig verankert. Der Toleranzbegriff verlor seinen glaubens- und kirchenpolitischen Bezug und wandelte sich zu einem allgemeinen ordnungspolitischen Prinzip.[109]

Seit dem Mittelalter wird allein der grundsätzliche Sozialstatus schon dadurch gekennzeich-net, dass der die Macht innehabende Steuern erhebt und der Untertan dementsprechende Abgaben in Natural-Produkten oder in Geld leisten muss, abgesehen von den durch Steuer-freiheit Privilegierten wie die Geistlichkeit etc. Das Maß für die Abgabenhöhe bestimmt der Territorialfürst bzw. seine Administration, z.B. der Fürstbischof in Münster, so auch für Dül-men. Die Territorialherren, die ja bei der zunehmenden Schwäche der Krone ihre Macht eifrig zu kräftigen suchten, benötigten über ihre Domänen, Regalien, Gefälle usw. hinaus weitere Einkünfte, die die wachsenden Erfordernisse ihrer Hofhaltung, die Finanzierung ihrer kriegerischen Unternehmungen zur Vergrößerung ihres Landes und andere an sie herantretende Ansprüche zu stützen vermochten. So waren die emporstrebenden Mächte, Städte wie Territorialfürsten, gezwungen, ihre Einnahmen zu vermehren; beide erhoben Steuern, allerdings in ganz verschiedenen Formen, die sich den wirtschaftlichen Verhält-nissen in Stadt und Land anpaßten.[110] Die Gewährleistung genügender Einkünfte gemmäß den Bedürfnissen des Fürsten sind das Motiv, nicht das Soziale, woraus sich klar ergibt, daß die Prinzipien steuerlicher Gerechtigkeit und möglichster Ausnutzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Einzelnen selbst heute noch meist Ideale sind, die, trotz aller Be-mühungen und besonderer Einrichtungen, auch in der modernen Zeit noch keineswegs verwirklicht sind. Ergibt eine Prüfung, daß auch das Mittelalter sie nicht zu erreichen vermochte, so kann ein Ergebnis über das negative Verhältnis Grundbesitz und Arbeits-einkommen gerade für die damalige Zeit, keineswegs für die Annahme zeugen, als seien sie gar nicht beabsichtigt worden.

Im Vergleich zu heute ist unter negativ gemeint, dass mit der Höhe des Vermögens die Steuerhöhe sinkt, was der Steuergerechtigkeit im Sinne heutiger Gesetzgebung, dem sozialen Grundsatz wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit widerspricht[111], wobei allerdings gesagt werden muss, dass derjenige, der nichts hat, ohnehin nichts abgeben kann, wir sprechen heute von einer horizontalen und vertikalen Steuergerechtigkeit, einer progressiven Gestaltung der Steuerhöhe mit der Leistungsfähigkeit.[112] Aber die Steuerbefreiung einzelner Personen damaliger Zeit (Geistlichkeit, Adel)[113] scheint ein noch größeres (soziales) Übel gewesen zu sein. Ohne Zweifel unterliegt, was Gerechtigkeit ist, heute der jeweiligen (politischen) Mehr-heitsmeinung in der Gesellschaft, noch zu Ende des 16. Jahrhunderts war eine gerechte Schatzung unmöglich [114] , schon der Grundbesitz war nicht genau vermessen, man schätzte über den Daumen.[115] Auch die einzelne Abgabenlast aus der Summe von direkter und indire-kter Abgabe war undurchsichtig und von Landesherrschaft zu Landesherrschaft unter-schiedlich. Die vollziehende Verwaltung sah einfach keine andere Möglichkeit, als von der (ungenauen) Grundbesitzgröße, von der Hauserscheinung auszugehen, für die Abwägung und Schätzung wurden „Beamte“ eingesetzt, wo eine Subjektivität nicht ausgeschlossen werden kann. Als Grenze fixierte man die der Leistungsfähigkeit, die so mancher als falsch einge-schätzt beklagte.[116]

Eine Möglichkeit, trotzdem zu einer Abschätzung über die Verteilung von „Reichtum “ zu kommen, besteht darin, die Schatzungsregister (Steuerschätzung) z.B. der Häuser bzw. Hausbesitzer in ihrer Höhe als Indikatoren zu unterstellen, so weist beispielhaft 1660 die Münsterstraße in der Klasseneinteilung von reich (1) zu arm (4) folgende Verteilung auf[117]: in

1 6, 2 27, 3 27, 4 61, also je geringer der Wert, desto mehr Zahler gab es. Da aber die Na-mensgleichheit (der Personen) über die Jahre nicht vollständig gegeben ist, kann nicht von einer Stabilität ausgegangen werden; das müsste gesondert untersucht werden. Allerdings wurde der Versuch gemacht, aus den Registern über das 17./18. Jahrhundert Namensgleich-heit herauszufiltern und es zeigt sich zumindest für eine gewisse Anzahl dieses Phänomen, angefangen mit 1680 für die Straßengemeinschaften[118], dann weiter für 1742, 1744 und 1757/58.[119] Zu einer Durchleuchtung sind auch die Kopfschatzungsregister geeignet[120]. Einige Häuser und Personen blieben von der Besteuerung verschont, z.B. Stadtangestellte, Armen-häuser etc.

Die soziale Lage oder Stellung des einzelnen Individuums ist auch Folge des Grades an Rechtsschutz, den er genießen kann. Greifen wir Beispiele heraus: so ist einmal die Frau als solche durch die Christianisierung im frühen Mittelalter bereits anders gestellt als im germa-nischen Zeitalter; die verheiratete ist Untertan des Mannes. Die Familie gibt der Frau jedoch einen gesellschaftlichen Hort. Man weist ihr den „inneren“ Lebenskreis zu, die hat sich um Kinder und Küche zu kümmern. Das Bild der Frau ist weitgehend negativ geprägt.[121] Gerade Frauen sind im Wesentlichen das Objekt der Hexenverfolgung; sie sind schuld an einer schlechten Ernte, an Krankheiten usw. In Dülmen-Merfeld zeigt sie schriftliche Auswüchse, Eine Bereitschaft zur Hexenverfolgung legte u.a. Johann Adolf von Merveldt, Herr der Herrlichkeit Merfeld, an den Tag, der sich während eines noch schwebenden Streits am Reichskammergericht nicht scheute, auf eigene Faust das Recht an sich zu reißen und mit "Hexen, Zauberinnen und andere(n) Delinquenten" im wahrsten Sinne des Wortes kurzen Prozeß zu veranstalten.[122] Das geht über Jahrhunderte, wenn auch nicht ortsstabil so, es ist ein hartnäckiger Mythos, aber er nimmt im Laufe der Geschichte wechselnde Formen und Härten an und er ist regional nicht überall gleich.

Es gibt zahlreiche Beispiele für mindergeschützte, ja verachtende Randgruppen im Mittel-alter, worüber nur wenig historische Belege vorhanden sind. Einige handwerkliche Berufe galten als unentbehrlich, aber sie hatten keinen guten Ruf (Ehre), wozu der Scharfrichter zählte und der Abdecker[123], was sich bis zur Familie hin auswirkte. Besonderheiten stellten auch die Bettler dar, die sich in einigen Regionen sogar organisieren konnten, um ihre Rechte besser vertreten zu können. Körperlich und geistig Signifikante wurden isoliert, ja mussten teilweise versteckt werden, für die Leprösen fand man Isolierstationen, später wurden sie in gesonderten Trakten in Klöstern untergebracht[124]. Die sozialen Gegensätze waren zuweilen gewaltig und grenzten fahrendes Volk, Juden, Sodomiten etc. aus. Die Obdachlosen, Armen usw. wollten viele Gemeinden wegen der Soziallasten nicht haben; ab dem 18. Jahrhundert schob man sie – wenn möglich – ins Ausland ab.

Beispiel für die Rangordnung kann die mittelalterliche Ständegesellschaft mit ihrem kom-plizierten Gefüge sozialer Ungleichheit sein, wo der soziale Status hauptsächliche durch die Verfügungsgewalt über Grund und Boden determiniert wurde. Bis ins Einzelne waren durch rechtliche Bestimmungen die Erwerbsmöglichkeiten, Abgaben und die Lebensgestaltung ge-regelt.[125] Fast durchweg zeichnete die erreichbare Stellung in der Gesellschaft bereits die Her-kunft vor, die Geburt entschied weitgehend über Status und die mögliche Lebensgestaltung. Ein sozialer Abstieg war eher zu erwarten als ein Aufstieg. Durch die aufkommende Massen-herstellung von Gütern und die Aufnahme industrieller Fertigung mit – zumeist und zunächst ungelernten Arbeitskräften und deren Folgen mit Unterbringung und entsprechenden Arbeits-bedingungen – wurde die Ungleichheit immer deutlicher sichtbar, wer nichts besaß, kam un-weigerlich ins Abseits und suchte nach einer Änderung, wobei er schnell erkennen musste, dass er nicht nur unzureichend gebildet, sondern effektiv auch allein machtlos war. Eine Re-volution der unteren Stände begann sich zu entwickeln, die von nun an immer mehr die Struk-tur bis in die neueste Zeit dominierte. Der gewöhnliche Arbeiter sehnte und sehnt sich in erster Linie nach Gerechtigkeit und Sicherheit (seines Arbeitsplatzes). Das heute geltende Berufsbeamtentum mit Kündigungsschutz gab es damals nicht, in Preußen wurde es faktisch 1794 eingeführt; der Beamte war vorher dem Fürsten verpflichtet, tat er das nicht, wurde er entlassen, nun aber wurde er Staatsdiener und bis heute gab es ihn, auch im Dritten Reich.

Eine soziale Ungleichheit wurde von den (einzelnen) Unterschichten nicht in gleicher Weise empfunden, die arme, landlose Unterschicht, die der Landarbeiter war eine gewisse Hinnah-mebereitschaft gewohnt, zumal sie von der Ausweglosigkeit einer sozialen Änderung über-zeugt war, insbesondere dort, wo der Klerus die „politischen“ Gedanken beeinflusste und es eine besondere Klasse von Heimgewerblern im Textilbereich (im 19 Jahrhundert) neben ihnen gab; jeder verfolgt da sein eigenes Ziel einer Statusverbesserung.[126] Dabei gibt es regionale Unterschiede, zum Teil beschleunigt durch den jeweiligen Reformgeist, der von den unter-schiedlichsten Kräften getragen wurde.. Die pauperisierten Unterschichten auf dem Lande waren die beharrlichsten Verfechter der alten gemeinschaftlichen Wirtschaftsweise. Die Marken erschienen ihnen als unentbehrliche Ressource, deren Beseitigung schlechterdings nicht zu verkraften war. Den Armen standen aber kaum Machtmittel zur Verfügung, um gegen das „Fortschrittskartell“ aus teilungswilligen Bauern, Gutsbesitzern und Landeskulturbe-hörden anzugehen. [127]

Bei allen Sozialprozessen bleibt die Familie ein Hort von Geborgenheit und Stetigkeit, wenn sie denn noch funktioniert im Sinne idealer Gemeinschaftsbetrachtung. Hier liegt die Quelle der individuellen Bildung und der charakteristischen Verhaltensweise, auch außerhalb von diesem Hort. Im katholischen Konfessionsstaat herrschte eine deutliche Überbetonung christ-licher Rituale bis in die Familie hinein, die sich in der Wechselzeit zur preußischen Herrschaft in vielen Verhaltensweisen hineinwirkte. Unter Umständen ist hier sogar das Motiv für die Berufswahl zu suchen. Charakteristisch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren die relativ stark ausgeprägten schichtspezifischen Unterschiede innerhalb der Kindergeneration – daher konnte sich Kindheit für Kinder in ein und derselben Epoche sehr unterschiedlich gestalten.[128] Ihre Veränderung kann als eine wesentliche Einflussgröße angesehen werden, lässt sich aber kaum quantitativ fassen. In moderner Zeit mit der Fanatisierung von religiösen Gefühlen einerseits als auch mit der Mobilität und den Informations- und Publikations/Pro-paganda-Einwirkungen ist die Stabilität der Familie gefährdet, zumal Emotionen immer mehr entfesselt werden. Dieser speziellen Frage gehen Soziologen nach und plädieren für ein Bei-behalten der Wertschätzung der Familie.[129]

Soziologisch bedeutsam ist Wachsen der Stadt aus einem Mehrgehöft-Siedlung über die ersten Jahrhunderte des Mittelalters – der Haupthof wird erstmals 1137 urkundlich erwähnt -, denn sie zeigt, dass die Menschen innerhalb der Grenzen von Dorf und Stadt eine Infra-struktur sich aufbauen mussten, d.h. auch für den Unterhalt der Straßen, Gräben und schließlich der Umgrenzung und schließlich einer Stadtbefestigung zu sorgen. Den Bau eines Grenzgrabens legt man vor den einer eigentlichen Stadtbefestigung, die man mit der Erhe-bung zur Stadt 1311 in Verbindung bringt; sie hat eine Funktionalität in der Verkehrslage über die hier durchlaufenden Verkehrswege und eine in militärischer Hinsicht im Blickfeld strategischer Vorhaben des Landesherrn. In der Erhebungsurkunde ist der Satz enthalten, dass die Tore (innerhalb einer Stadtmauer[130] ) offen gehalten werden sollen, worüber aber später im Wesentlichen der vom Bischof eingesetzte Stadtrichter z.B. über die Neuaufnahme von Bürgern entscheidet. 1330 ist erstmals das Burgtor (Richtung Hausdülmen) erwähnt, in den folgenden Jahrzehnten folgten das Münstertor, Coesfelder, Lüdinghauser und das Merfelder Tor. Heute noch sichtbar sind einige Türme, denn es gab verschiedentlich ab 16. Jahrhundert Ansätze zur Zerstörung, endgültig 1761. Über die Instandhaltung von Mauer, Toren usw. musste die Gemeinschaft beschließen, so auch das Stadt-Regiment[131] (Rat und Verwaltung), wobei offensichtlich die Nachbarschaften für die direkte Funktionsfähigkeit von Straßen, den wasserversorgenden Tiber, zu dem der Tiberturm zu rechnen ist, die Abwasser-Abflüsse usw. zu sorgen hatten. Die Historiker haben die Infrastruktur-Elemente für den Zusammenhalt der Gemeinschaft meist vernachlässigt[132], wobei vermutlich einige Familien konkreter auf die Handlungen Einfluss nahmen.

Über die Bildung und den Zustand des Verkehrswegenetzes, in dem auch Dülmen enthalten war. wissen wir wenig, obwohl es naheliegt, dass die Gehöfte miteinander aus den verschie-densten Gründen verbunden waren und zu dem Zeitpunkt, als die Missionierung des Bruk-tererlandes stattfand, gab es bereits uralte Wege[133], auf denen sich Militär bewegte und der Transport von Handelsgütern stattfand. Die nähere Beschreibung aus dem Jahr 1769[134] gibt zwar Auskunft über die Herkunfts- und Zielorte, aber mehr auch nicht. Offensichtlich musste die Stadt für den Unterhalt desjenigen Teils, der durch die Stadt (innerhalb der Tore) lag, sorgen, aber eine geplante Wegeunterhaltung gibt es nicht und auch über die Abstimmung der #Erforderlichkeiten mit der Unterhaltungspflicht des Landes ist nichts bekannt. Hier besteht noch Forschungsbedarf, denn schließlich mussten die Kosten ja umgelegt werden auf die Nutzer. Erst zu Napoleons Zeiten wurde der Ausbau der Fernstraßen aus militärischen Gründen angegangen.

2.c.1 Die Abhängigkeit eines Individuums.

Der Mensch ist ein handelndes Wesen, das in seinen Handlungsmöglichkeiten begrenzt ist einmal als Folge seiner Fähigkeiten und seinen Motivationen, und dann noch im Rahmen seiner Lebenswelt, seiner persönlich durchsetzbaren „ Macht[135], mit oder gegen Teile der Gesellschaft[136], mit Überlegung der Machbarkeiten und Ausnutzen verfügbarer und Informa-tionen, also in Abhängigkeit von Bildung und Können, in der Sozialwissenschaft ein Faktor funktionaler Gegebenheiten wie Beziehungen der verschiedensten Art. Der Mensch ist als Individuum eingebunden in seine eigene Geschichte und des Weiteren als Produzent und Konsument von Ware in eine Marktwirtschaft, vermutlich intensiviert im Übergang vom Bauern zum städtischen Bürger. Es öffnen sich neue Chancen für eine Gestaltung des eigenen Lebenslaufes.[137] Die kritische Urteilsfähigkeit in Verbindung mit ausreichendem Wissen ist Bestandteil der Fähigkeit zur Selbstbestimmung, einen eigenen Standpunkt zu vertreten, so z.B. in Fragen des Klimawandels und seiner wahren Bedeutung.[138]

Der Drang, die soziale Position möglichst hoch anzusiedeln und zu nutzen ist bereits beim Tier zu erkennen, Wie sieht es nun bei Menschen aus? Auf den ersten Blick nicht viel anders, denn „wenn wir von jemandem sagen‚ er habe die Macht’, heißt das in Wirklichkeit, dass er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist, in ihrem Namen zu handeln.“ Dies bedingt auf der Basis einer ausgeprägten mikropolitischen Kompetenz eine Koordination von Beziehungen sowie eine intensive Beziehungs- und Reputationspflege. In sozialen Organisa-tionen sind persönliche Beziehungsnetzwerke unerlässlich und für Nach-der–Macht-Streben-de von entscheidender Bedeutung. [139] Dabei bleibt offen, ob dies intuitiv oder bewusst und gezielt erfolgt.[140] Die geschichtliche Entwicklung zu einem Herrscher ist nur bedingt bekannt, auch die zur Zeit und nach der Entstehung von Dülmen – in archivalischen Quellen – nur sehr bedingt nachvollziehbar. Erst durch tiefgehende Analysen mit prosopographischer Forschung kann man z.B. die Hierarchie und deren Veränderungen in Zünften herausfinden, die letzt-lich auch zur Mitbestimmung bestimmter Personen (als gehobene Schicht) im Stadtregiment führt.[141] Offensichtlich ist es (schon damals) nicht jedem möglich, innerhalb der Zunft die Position mit Rechtsfunktionen einzunehmen, ob z.B. ein Meisterstück vorliegt, was man im Stadtrat usw. zu sagen hat.

Die Vorstellung, daß alles Recht in Gott seine Wurzel hat, war im Mittelalter Gemeingut. Im Prolog zum >Sachsenspiegel< heißt es: »Gott selber ist die Gerechtigkeit. Deswegen ist ihm das Recht lieb.« Auf solchen Aussagen gründete die Lehre vom guten alten Recht , derzufolge das Recht im Mittelalter als »heiliges Recht« immer schon vorgegeben war und von den Men-schen nicht »gesetzt«, sondern nur »gefunden« wurde. [142] Solange es keinen staatlichen Ver-waltungsapparat gab, bestand die öffentliche Ordnung fast ausschließlich in der Gerichts-verfassung. Wohl und Wehe der Menschen hingen weitgehend davon ab, ob und wie Recht gesprochen wurde. Recht zu sprechen und Frieden zu wahren, galt im Mittelalter als die vor-nehmste Herrscherpflicht. Weil diese Ordnung irgendwie natürlich oder gar gottgewollt war, liegt es auf der Hand, dass das Interesse eines Herrn für seinen Untertanen in alten Zeiten be-grenzt war, die Abhängigkeit des Untertanen betraf den ganzen Menschen mit seiner Lei-stungskraft. Sklaven befanden sich rechtlich und wirtschaftlich in der völligen Verfügungsge-walt ihrer Herren – auch schon im antiken Griechenland.[143] Die Schuldknechtschaft ist dabei eine Sonderform, ihr Entstehen verdankt sie der Verpfändung des eigenen Leibes an den Gläubiger, im heutigen Zeitalter von Arbeitsentlohnung haben sich dafür Rahmenbedingun-gen und Begrenzungen durchgesetzt; man arbeitet (vertragsgemäß) freiwillig“ für Geld, auch der Söldner. Dagegen wurde der Kriegsgefangene oft zur Arbeit gezwungen, bei verlorenen Kriegsgängen war er schlicht Unterworfener, also etwas, was man rechtlich bis in das Ende des Mittelalters als zulässig ansah.[144] Über die Rechtfertigung von Sklaverei und Knecht-schaft an sich ist man auch heute noch zerstritten, denn diese Abhängigkeiten existieren auch heute noch. Allerdings muss man auch sehen, dass die (befohlene, angeordnete) Soldatenge-stellung aus einer Stadt im Fürstbistum Münster und später ähnliche Merkmale aufzeigte[145], es gab allerdings auch nicht besoldete Soldaten – und auch marodierende, strafverfolgte.[146] Münster wurde 1661 Garnisonstadt, Dülmen für eine Zeitlang ab 1966.

Die Umstellung der Arbeit von der im Sippenverband in eine der Abhängigkeit bei einem Herrn wird ungleich ertragen, der einzelne ist weitgehend machtlos, um wirkungsvoll Wider-stand zu leisten und eine „frei“ Arbeit ist kaum zu finden, gerade der Militärdienst bedeutet Abhängigkeit, aber nicht wenige empfinden das als Schmach und revoltieren. So ist es nicht zu verwundern, wenn die Bauernkriege kaum Widerhall im südlichen Münsterland erfuhren, am 22. Mai 1525 soll es eine Erhebung in Münster gegeben haben[147], aber sie wird nicht di-rekt von Bauern ausgelöst, sondern von städtischen Bürgern[148], sonst bleibt sie unbeachtet. In dieser Zeit des 16. Jahrhunderts gibt es gegen Bedrückung der Bedauern Widerstand, aber im südlichen Fürstbistum Münster scheinbar nicht[149], obwohl auch hier die Wirtschaftlichkeit des Ackerbau-Betriebes im Mittelalter abnahm, selbst wenn er im Einzelfall Land dazu pachten konnte, aber eben nicht sein Eigentum vermehren. Die Struktur der Agrarwirtschaft ist von Anfang an in kleinen Größen und durch Abhängigkeit gekennzeichnet.[150]

Anfang des 19. Jahrhundert erreichte die Stimmung gegen eine mindere Rechtsstellung (ins-besondere der Unterschichten) bei vielen, so auch im Dülmen nahen Ruhrgebiet, revolutionä-ren Charakter[151], 1848 kam auch das in Dülmen bedeutende Unternehmen in Schwierigkeiten, die Beschäftigung sank[152] und so mancher in der Stadt fing an, sich Sorgen zu machen. Auch die Bürger von Dülmen begehrten wegen der kaum zu ertragenden Lasten auf, darunter z.B. durch ein förmliches Bittschreiben an den Herzog[153]: Im Interesse besonders mit Bezug auf die ärmere Klasse entschließen sich die Bürger, den Herrn Herzog von Croy zu bitten, seine Administration anzuweisen, fortan diese Anmahnungsgebühren wegen säumiger Pachtgeld-zahlungen nicht ferner zu erheben.

Das Schicksal der Arbeitslosigkeit, der Unfähigkeit, seine Zahlungen für eine angemessene Existenz griff in das Leben ein, es formierten sich gleichdenkende Menschen miteinander.

Nach Karl Marx war derjenige frei, der nicht in existentieller Abhängigkeit vom Grundherrn stand, frei aber auch von dessen Schutz und vor allem von Eigentum. Das zwingt sie, ihren einzigen Besitz zu verkaufen, ihre Arbeitskraft – und führt so in eine neue Unfreiheit. [154] Eine politische Bewegung versuchte, den kapitalistischen Tendenzen Einhalt zu bieten und die Grund- und Arbeitsherren zu einer fairen Haltung gegenüber ihren Untertanen zu bewegen, eben, weil sie die ihnen anvertrauten Menschen mehr oder weniger nur als Arbeitsobjekte sahen. Eisnt begann die erste Sozialschichtung, als die Rechte und das Vermögen, insbeson-dere das von Grund und Boden, ungleich verteilt wurden, die zweite dann zu dem Zeitpunkt, als Arbeiter in größerem Umfang ihre ganze Arbeitskraft zum Bewältigen ihrer Existenzbe-dingungen verdingen mussten; so konnten sie in keiner Weise Vermögen bilden. Auch waren Arbeiter im Allgemeinen davon ausgeschlossen, Rechte an Bodenschätzen zu erwerben, wie es im Mittelalter mit der Silbererzen geschah, die die Grundlage der Geldherrschaft bildeten. Dessen bemächtigten sich eine exklusive Gruppe von Menschen. Die Möglichkeiten des klei-nen Mannes zur Veränderung zu seinen Gunsten waren äußerst gering, an eine längere Zu-kunftsplanung war nicht zu denken. So empfand er sein Dasein im Vergleich zu anderen als ungerecht., erf fühlte sich benachteiligt. Wie sollte und konnte es anders werden?

In der Verwaltung der Stadt Dülmen bzw. bei den Stadtverordneten war kein Ansprechpart-ner für Belange der Bürger vorgesehen, wie man aus den verschiedenen Briefen an den Bür-germeister u.a. ersehen kann. Über das mündliche Vorsprechen ist nichts überliefert, nur in wenigen Fällen hat sich ein Stadtverordneter eines Anliegens von einem Bürger angenom-men, wenn es darum ging, ungerechtfertigte Schatzung zu bemängeln usw. Dabei waren manche Bürger keineswegs schreibmächtig, sie mussten sich helfen lassen, ggf. – falls sie das schon finanziell konnten – sich eines Notars bedienen. An die höhere Behörde – wie an das Amt Dülmen, d.h. an den Drosten[155], kam er ohnehin nicht, oft allein wegen der Entfernung zum Amtssitz.[156] Die 2 Bürgermeister[157] usw. waren seit 1404 bzw. 1450 im Rathaus behei-matet, sie waren zuständig für Beschwerden. Soziale Angelegenheiten waren offiziell keine Thematik[158], sie kamen jedoch zwangläufig bei Hilflosigkeit, Armut, kriegerisch bedingter Schäden usw. zur Sprache, wenn man hier nicht die christliche Seite als verantwortlich ansah. Historisch betrachtet ist Sozialhilfe die älteste Form einer Sozialleistung und gleichzeitig diejenige, die im Laufe der Geschichte die stärksten Wandlungen durchlaufen hat. Ihre Ursprünge hat sie in der Armen- und Krankenfürsorge, die in mittelalterlichen Städten von der Kirche, den Städten selbst oder von den Handwerksorganisationen organisiert wurde.[159] Die soziale Gruppe der Selbständigen hatte und hat eine solche Unterstützung nicht nötig, sie verfügt zur gegenwärtigen Zeit sogar deutlich über mehr Vermögen, insbesondere in Immobi-lienbesitz als die der Arbeiter und Angestellten.[160]

Soziale Ungleichheiten zeigen sich, wenn mit einer sozialen Position, die eine Person inne-hat, bestimmte ‚regelmäßige‘ Restriktionen beziehungsweise Privilegien verbunden sind, die letztlich zu einer hierarchischen Strukturierung der Gesellschaft führen. Soziale Ungleich-heiten äußern sich folglich in bestimmten Vor- und Nachteilen für das Individuum und gehen damit über die Beschreibung allgemeiner, sozialer Unterschiede hinaus. Soziale Ungleich-heiten sind keineswegs ein neues Phänomen, sondern prägten bereits in der Vergangenheit (z. B. in der Ständegesellschaft) die Gesellschaft, und in Deutschland individuelle Lebensläufe. Im Zeitverlauf haben sich einzig die Bestimmung sfaktoren verändert: War es ursprünglich vor allem die Familie, die die soziale Stellung beeinflusste, wird diese heute stärker von Bildungschancen und der Arbeitsmarktposition bestimmt. Insgesamt lassen sich drei wichtige historische Phasen und Begriffsverständnisse in der sozialen Ungleichheitsforschung identifizieren: die Ständegesellschaft, die Klassengesellschaft sowie ein mehrdimensionales Verständnis sozialer Ungleichheiten. [161] Wesentlich scheint, aber ist bislang wenig erforscht, der Besitz von Vermögen zu sein, aus dem man heraus man leben kann. Die arbeitende Bevölkerung musste größtenteils in der Verbindung von Wohnen und Arbeiten existieren, erst die Industrialisierung führte zur Trennung und auch zum Wohnen über Miete oder Kauf.[162]

Für die Verteilung von Vermögen sind offensichtlich Mechanismen relevant, die über die Stellung am Arbeitsmarkt hinausgehen. Als mögliche Erklärung dieser intuitiv eher unerwar-tet schwachen Beziehung zwischen Einkommen und Vermögen bietet sich an, dass die oberen Vermögensdezile im Verhältnis zu ihrem Vermögen relativ geringe Einkommen (aus Erwerbs-tätigkeit) beziehen, da sie bereits aus ihren Vermögensbeständen Einkommen generieren können. Diese Argumentation weist zugleich auf die Selbstreproduktionsfähigkeit des Vermö-gens hin.[163]

Die Schaffung von Eigentum (Immobilien-Vermögen) durch Kauf ist bei der Errichtung eines Eigenheims o.a. immer an den Erwerb von (fremden) Bauland gebunden – und dieses ist historisch (und rechtlich verfestigend) verteilt; hat also jeweils bereits Eigentümer wie auch den Staat oder die Gemeinde, und wurde durch die Vermessungsdaten, die in Westfalen und damit auch Dülmen genau erst im Urkataster[164] eindeutig festgeschrieben sind, in den Begren-zungen fixiert. Die vorlaufende Geschichte des Landes, die z.B. in Flurnamen[165] zum Aus-druck kommt, kennzeichnet u.U. die Verteilungsgeschichte der Vorfahren und der Vorbesit-zer, darunter Adel und Kirche[166]. Dass mit der Erlangung von Grundeigentum ein Problem vorliegt, wurde bei den Bemühungen um Wohnungen für die soziale Schicht der Arbeiter mit Werkwohnungen, Tagelöhnerbehausungen[167] usw. durch die staatliche Hilfe aus dem Besitz-standes von Grund und Boden des Staates, der Gemeinde im 19 Jahrhundert erkannt – ist aber immer noch ein ernstes Problem, weil dafür nicht genügend Parzellen (preiswert) zur Verfügung stehen und somit eine soziale Ungleichheit (eben der Vermögenskomponente) nur schwierig zu beseitigen ist.

Die sozialen Missstände aus der Arbeitswelt zeigen z.B. folgende Merkmale[168]:

- Unwürdige Arbeitsbedingungen, bis zu 16 h pro Tag etc.
- Kinderarbeit, in Webereien bis zu 80h/Woche
- Sofortige Kündbarkeit durch den Arbeitgeber
- Wohnungsnot bei steigendem Bedarf, unwürdige Unterkünfte.

Einige der arbeitenden Bevölkerung bemühten sich daher um die Mitte des 19. Jahrhunderts um mehr „ Gerechtigkeit “, es entstanden Parteien[169] mit unterschiedlichen Lösungsvorschlä-gen für eine Besserung der Lage. Schließlich musste die Regierung des Staates eingreifen und die durch eine entsprechende Gesetzgebung abstellen. Aber die Begriffe soziale Gerechtig-keit oder soziale Frage sind bis in die jüngste Zeit inhaltlich unklar – für den einen ist Ar-beitslosigkeit eine Geißel, für den anderen ist das unverschuldete Armsein[170] ein ungerechtes Los, eine einheitliche Interpretation für diesen Sachstand gibt es nicht. Die Sozialpolitik stützt sich auf unterschiedliche Schwerpunkte und Ansprechpartner, indem sie z.B. neben der Leistungsgerechtigkeit eine der Teilhabe, des Bedarfs oder der Produktion postuliert.[171] Soziale Gerechtigkeit ist ein politischer Grundwert und lässt sich nicht reduzieren auf die Vorstellung, man brauche nur die Ungleichheit von Arm zu Reich – irgendwie – verringern. Es geht heute nicht mehr darum, absolute Armut- wie beispielsweise im Mittelalter durch punktuelle Gaben - zu verhindern, sondern um relative Armut, um ungleiche Ausstattung mit materiellen Gütern und immateriellen Ressourcen.[172]

Es gibt die verschiedensten Vorstellungen von Gerechtigkeit und insbesondere von sozialer Gerechtigkeit, die meist in Gleichverteilungsforderungen münden, die mittels einer Instanz in die Wirklichkeit umgesetzt werden müssen.[173] Konflikte werden dadurch nicht ausgeschal-tet, weil einerseits die veranlagungsbedingte Heterogenität der Menschen besteht und anderer-seits die Wünsche der Individuen nicht normativ gefasst sind.[174] Die Soziologie versucht wis-senschaftlich die Umstände für das Zusammenleben der Menschen zu erfassen und fragt nach Sinn und Strukturen des sozialen Handelns und der dabei wirksamen Funktionen.[175] Aller-dings sind aus Befragungsergebnissen nur bedingt genaue Wirklichkeiten ermittelbar, weil einige – wie gerade aus sozialen Unterschichten, eine Antwort vermeiden und andere nicht wahrheitsgemäß usw. antworten. Mancher Sachverhalt ist auch womöglich nicht als Indikator für eine Änderung hinreichend brauchbar, was jedoch schwierig einkreis- und analysierbar ist.

Die empirische Sozialforschung weiß um diese Tücken.[176]

Wodurch kommt die ungleiche Vermögensverteilung zustande? Heute verstehen wir unter auf die Person zuzuordnendes Vermögen die verschiedensten Arten materieller und Ideeller Art, die ihr rechtlich zuerkannt werden. Zur Zeit der Umstellung vom steinzeitlichen Jäger-Dasein auf Ackerbau war es die Landnahme, von der sich eine Familie oder Familienver-band ernähren konnte. Man nahm „herrenloses“ Land für sich in Besitz, später okkupierte man Land, was eigentlich andere bereits nutzten, wie es in zahlreichen Fällen z.B. während der Kolonisation geschah.

Dabei kann nicht übersehen werden, dass bei den Menschen bestimmte Verhaltensweisen instinktiv ausgeübt werden, so z.B. Aggressionen und Kämpfe, die bei den Tieren das Über-leben und die Reproduktionschancen gewährleisten.[177] Mit fortschreitender Entwicklung der menschlichen und gesellschaftlichen Umgebung und damit einem größeren Angebot und infolge besserer Transportbedingungen wächst die rationale Überlegung, die Entscheidung z.B. über den richtigen Kauf einer Ware tritt in den Vordergrund, aber das ursprüngliche, oft vorbehaltlose Gemeinschaftsgefühl schwindet. Für manche Individuen sind die „sozialen“ Unsicherheiten bedrückend, die Notwendigkeit des Ringens um sichere Arbeitsplätze usw., um das tägliche Leben. Es entsteht eine prekäre Schicht, die nicht in die als modern prokla-mierte und gepriesene Wohlstandsgesellschaft passt. Deutlich wird das am Unterschied zwi-schen dem Familienleben in Dülmen im 19. Jahrhundert zu dem heutigen, die Integration verliert an Glanz. Lebt z.B. eine Frau mit mindestens einem minderjährigen Kind allein, also ohne ihre Eltern im gleichen Haushalt, und kann sie ihren Lebensunterhalt nicht ausreichend durch Arbeit verdienen, dann hat sie Probleme, meist durch Geldknappheit bedingt, und sie fällt dem Sozialstaat zur Last. Immerhin sind von den 1017 Alleinerziehenden mit Kindern (in Dülmen) mehr als 60 % berufstätig, also muss sowohl Kindererziehung als auch der geld-erwerbende Beruf bewältigt werden. Nach einer Trennung rutschen in kurzer Zeit unglaublich viele alleinerziehende Elternteile in Dülmen in die soziale Isolation ab. [178] Sie gehören an-scheinend nicht mehr oder nur unzureichend zur normalen Gesellschaft und oft müssen sie sich neu orientieren.

[...]


[1] Umfangreiche Autobiographie liegt gedruckt vor, letztes Jahrzehnt siehe: http://tinyurl.com/hrz7vv4

[2] http://tinyurl.com/jde6cjk S. 52 u. S.72

[3] http://tinyurl.com/jjfjyvv S. 46

[4] http://tinyurl.com/h9ll6m7

[5] http://tinyurl.com/jz7ul5n http://tinyurl.com/zwlxsow

[6] http://tinyurl.com/jse9god http://tinyurl.com/zsonpab

[7] Auch in den eigenen Werken: http://tinyurl.com/z92m8xx Teil 1, http://tinyurl.com/gsx56bp Teil 2, http://tinyurl.com/jfynthj Teil 3.

[8] http://tinyurl.com/ztrmbgx Rückständigkeit

[9] http://tinyurl.com/hklytel

[10] http://tinyurl.com/hs6ccwx S.10

[11] http://tinyurl.com/hj7qgqc letzter Satz .

[12] http://tinyurl.com/ztlhnl6 http://tinyurl.com/z8g2aqn

[13] http://tinyurl.com/z92m8xx S. 9ff. insbesondere S. 13 Fußnote 45. und S. 17

[14] http://tinyurl.com/glyf3fx http://tinyurl.com/j2ke5et

[15] http://tinyurl.com/hbzvxce S. 122

[16] http://tinyurl.com/jux2adh S. 216

[17] http://tinyurl.com/znymb3p http://tinyurl.com/jqjjnm7

[18] http://tinyurl.com/jnpftdb S. 13ff.

[19] http://tinyurl.com/h4mqslh

[20] http://tinyurl.com/zbqnaap S. 8

[21] http://tinyurl.com/h38pltw S. 132

[22] http://tinyurl.com/juxlx8d S. 202ff .

[23] http://tinyurl.com/zomq3lp S. 224

[24] http://tinyurl.com/j6f3eu4 S. 90ff.

[25] http://tinyurl.com/hhtoee8 Abschnitt VI.

[26] http://tinyurl.com/h6w8tfs

[27] http://tinyurl.com/juxsz62

[28] http://tinyurl.com/guwmpqg S. 382

[29] http://tinyurl.com/z825r65

[30] http://tinyurl.com/jd3scry S. 5

[31] http://tinyurl.com/haurzwy http://tinyurl.com/z9m33h3

[32] http://tinyurl.com/jjme3dd

[33] http://tinyurl.com/hguldqc

[34] http://tinyurl.com/ztvdwfy

[35] http://tinyurl.com/h9pokua

[36] http://tinyurl.com/hecktjo http://tinyurl.com/zahbkrx http://tinyurl.com/z96ja9x

[37] http://tinyurl.com/ha2lw7e

[38] http://tinyurl.com/gl4wry6 S. 2

[39] http://tinyurl.com/zuoyewg S. 34/35 und S. 37 sowie S. 206ff.

[40] http://tinyurl.com/jk3fen9 S. 5 Weltklimarat

[41] http://tinyurl.com/zxvjs8v

[42] http://tinyurl.com/hxk45qv http://tinyurl.com/jz4zh2p http://tinyurl.com/jrqa876

[43] http://tinyurl.com/j7ysy87

[44] http://tinyurl.com/zx56oyh S. 8

[45] http://tinyurl.com/h752avv http://tinyurl.com/ht49t69

[46] http://tinyurl.com/hpb7bs4

[47] http://tinyurl.com/j7v5fo2 S. 5

[48] http://tinyurl.com/oahor6x zu wenig Probenahmen weltweit

[49] http://tinyurl.com/h3bnuho S. 13

[50] http://tinyurl.com/hz9se2f

[51] http://tinyurl.com/hg6n8xy http://tinyurl.com/jrark7p

[52] http://tinyurl.com/hnusarw

[53] http://tinyurl.com/zw8xnm4 http://tinyurl.com/zw8xnm4 http://tinyurl.com/hb2gtn5

[54] http://tinyurl.com/gq89usz (Inkorrektheit Lehrbuch) http://tinyurl.com/headtwk http://tinyurl.com/j7jdgef

[55] http://tinyurl.com/gvgw36v

[56] http://tinyurl.com/hkae5s9

[57] http://tinyurl.com/havjcgu

[58] http://tinyurl.com/zxmaz9e S. 6/7 http://tinyurl.com/z92m8xx S. 21, Fn. 79

[59] http://tinyurl.com/ztd96mq S. 480

[60] http://tinyurl.com/hexr66l

[61] http://tinyurl.com/zxrzqcm

[62] Stadtarchiv Dülmen, Bh2 Schreiben vom 16.03.1883

[63] http://tinyurl.com/hhyrgru S.21/22

[64] http://tinyurl.com/zgxj882 http://tinyurl.com/jmlobpd

[65] http://tinyurl.com/hv752sd normativer Kulturbegriff,

[66] http://tinyurl.com/jk2jsjg

[67] http://tinyurl.com/zy6ycvm

[68] http://tinyurl.com/zv5p6pp S. 44

[69] http://tinyurl.com/jpcb6ms

[70] http://tinyurl.com/gmh9fyn

[71] http://tinyurl.com/ht8akb8 http://tinyurl.com/zxklvev

[72] http://tinyurl.com/zdqwnud

[73] http://tinyurl.com/he5l4s2

[74] http://tinyurl.com/gmw92ll

[75] http://tinyurl.com/zuotgk2

[76] http://tinyurl.com/hulotfj S. 15ff http://tinyurl.com/z7jbdda S-59ff

[77] http://tinyurl.com/hukjjms S. 171ff

[78] http://tinyurl.com/j2nbvbq vorletzter Absatz

[79] http://tinyurl.com/hdfgjpz S.- 185

[80] http://tinyurl.com/zmwsrdf

[81] http://tinyurl.com/jpqgnsz http://tinyurl.com/hvmwymu

[82] http://tinyurl.com/h3bvnmg

[83] http://tinyurl.com/h2xrspo

[84] http://tinyurl.com/job5vfz http://tinyurl.com/grvhxs4

[85] http://tinyurl.com/hzb839p

[86] http://tinyurl.com/jqnj7r2

[87] http://tinyurl.com/jft2znh

[88] http://tinyurl.com/j3vx78n

[89] http://tinyurl.com/hw7lghd

[90] http://tinyurl.com/hyfow3v

[91] http://tinyurl.com/zgkwz2h

[92] http://tinyurl.com/zhbmlp9 Einleitung

[93] http://tinyurl.com/jnqjmvf

[94] http://tinyurl.com/zhvxup2

[95] http://tinyurl.com/z5wp6mf

[96] http://tinyurl.com/znxxyzv

[97] http://tinyurl.com/z92v3fd

[98] http://tinyurl.com/znclre8

[99] http://tinyurl.com/jll6eph Definitionen

[100] http://tinyurl.com/j4nuue3

[101] http://tinyurl.com/hx896q9 S. 13 bis 15

[102] http://tinyurl.com/pek94ro S.24

[103] http://tinyurl.com/p3kr2gu

[104] http://tinyurl.com/jn4lrtc

[105] http://tinyurl.com/jsobecr S. 146

[106] http://tinyurl.com/zgc473b

[107] http://tinyurl.com/q8nqvds S. 185

[108] http://tinyurl.com/zdbj9f6

[109] http://tinyurl.com/hy5w349

[110] http://tinyurl.com/hjhg5uv Otto Nathan, S. 27 und S. 45 und S. 49

[111] http://tinyurl.com/hllxuzs

[112] http://tinyurl.com/hpb3meb

[113] http://tinyurl.com/h8tlhet

[114] http://tinyurl.com/jov8cre Seite 23

[115] http://tinyurl.com/hdt73zg

[116] Stadtarchiv Dülmen, A 740, 1661 (Personenschatzung) , Belastung 1678, 28.03.1716 (Bittschreiben)

[117] Stadtarchiv Dülmen, A 458 No. 188 http://tinyurl.com/gsx56bp S. 198 u. S. 195/196

[118] Stadtarchiv Dülmen, A 461 http://tinyurl.com/gsx56bp S. 199

[119] Stadtarchiv Dülmen, A 465, A 485

[120] Stadtarchiv Dülmen, A 470, A 250 http://tinyurl.com/gsx56bp S. 200

[121] http://tinyurl.com/hp6n5on S. 5 http://tinyurl.com/jsbqgad S. 38

[122] http://tinyurl.com/jd2a66f http://tinyurl.com/jo46t4h

[123] http://tinyurl.com/hxymkfg http://tinyurl.com/h94ovpd

[124] http://tinyurl.com/z7uzol5 S.64

[125] http://tinyurl.com/zgrcbkf

[126] http://tinyurl.com/gkqkmmd S. 218 - 220

[127] http://tinyurl.com/gkqkmmd S. 224

[128] http://tinyurl.com/h4xonmh S. 10-12

[129] http://tinyurl.com/hegsmh9

[130] http://tinyurl.com/zwhc3un

[131] http://tinyurl.com/hfmr2qq

[132] http://tinyurl.com/hb3yw56 S. 26

[133] http://tinyurl.com/z92m8xx S. 58ff.

[134] http://tinyurl.com/j4bmn6z

[135] http://tinyurl.com/hzavo5u

[136] http://tinyurl.com/hcctfjv

[137] http://tinyurl.com/gmxz5dt S. 13

[138] http://tinyurl.com/j6569qw

[139] http://tinyurl.com/jao7v48 S. 17

[140] http://tinyurl.com/h5jcve5

[141] http://tinyurl.com/hca7fbv S. 32 (Straßburg)

[142] http://tinyurl.com/jr7hdlv

[143] http://tinyurl.com/gnjmxdu

[144] http://tinyurl.com/j4sno3m http://tinyurl.com/zwrswwz

[145] http://tinyurl.com/zgr2aux Beispiel

[146] http://tinyurl.com/hhk8ssh

[147] http://tinyurl.com/hnaof7r

[148] http://tinyurl.com/j9l2uph S. 290

[149] http://tinyurl.com/z84qmgt

[150] http://tinyurl.com/hvyftbv

[151] http://tinyurl.com/h9x7x8z S. 6 bis 9

[152] http://tinyurl.com/j92d2th

[153] http://tinyurl.com/jr6hg4z

[154] http://tinyurl.com/hs6ccwx

[155] http://tinyurl.com/gmzq4tk http://tinyurl.com/j2vdpol

[156] http://tinyurl.com/zpzzv4l http://tinyurl.com/hk5gne8

[157] Stadtarchiv Dülmen, A 650 http://tinyurl.com/jfynthj S. 69 Fn. 241

[158] http://tinyurl.com/hthj2zy

[159] http://tinyurl.com/gm4emm3

[160] http://tinyurl.com/hzxydga S. 9 http://tinyurl.com/hjn8hzl S.14

[161] http://tinyurl.com/jkekwvv S. 18/20

[162] http://tinyurl.com/zvyn8bb

[163] http://tinyurl.com/jkekwvv S. 25

[164] http://tinyurl.com/jte5v32 ,

[165] http://tinyurl.com/hdetm8w

[166] http://tinyurl.com/z6gzk3m

[167] http://tinyurl.com/jkeb9ak S. 14, 25

[168] http://tinyurl.com/hs6ccwx S. 10

[169] http://tinyurl.com/j49rtpa

[170] http://tinyurl.com/zatafoh

[171] http://tinyurl.com/gts82og S. 32

[172] http://tinyurl.com/hh64xno S.17

[173] http://tinyurl.com/z6nh7vl http://tinyurl.com/gm3gvu5

[174] http://tinyurl.com/jrocchc

[175] http://tinyurl.com/zh62oxo

[176] http://tinyurl.com/zx8pepd S. 20

[177] http://tinyurl.com/j5wbhof

[178] http://tinyurl.com/zdh92n9

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Veränderung der Einwohnerschaft Dülmens. Eine historische Untersuchung
Untertitel
Ist der soziologische Wandel ermittelbar?
Autor
Jahr
2017
Seiten
113
Katalognummer
V352187
ISBN (eBook)
9783668385900
ISBN (Buch)
9783668385917
Dateigröße
1324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
veränderung, einwohnerschaft, dülmens, eine, untersuchung, wandel
Arbeit zitieren
Dr.-Ing. Adalbert Rabich (Autor), 2017, Veränderung der Einwohnerschaft Dülmens. Eine historische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352187

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