Soziometrie in der Grundschule. Theoretische und praktische Durchführung


Studienarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 1,0
Gina M. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis: „Soziometrie in der Grundschule“

1. Einführung: Soziale Beziehungen zwischen Schülern

2. Begriff und Geschichte der Soziometrie

3. Soziometrie als diagnostisches Verfahren in der Schule

4. Theoretische Durchführung der Soziometrie nach Moreno
4.1. Vorüberlegungen
4.2. Datenerhebung
4.3. Datenauswertung
4.4. Erstellen eines Soziogramms
4.5. Auswertung und Interpretation des Soziogramms
4.6. Pädagogische Maßnahmen

5. Probleme und Schwierigkeiten der Soziometrie

6. Praktische Durchführung der Soziometrie nach Moreno
6.1. Vorüberlegungen
6.2. Datenerhebung
6.3. Datenauswertung
6.4. Erstellen eines Soziogramms
6.5. Auswertung und Interpretation des Soziogramms
6.6. Pädagogische Maßnahmen

7. Kritische Auseinandersetzung mit der Soziometrie als Diagnoseinstrument in der Schule

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Anhang

1. Einführung: Soziale Beziehungen zwischen Schülern

Häufig wird schulischer Unterricht nur unter dem Gesichtspunkt beurteilt, wie wirksam er vielen verschiedenen Individuen Wissen vermittelt. Dass jedoch nicht nur die Unterrichtsmethode essentiell für den Lernprozess eines Kindes ist, sondern auch seine Stellung im Sozialgefüge „Klasse“, wird oft übersehen. Das Gefühl der Zugehörigkeit und Anerkennung spielt eine sehr wichtige Rolle für den Schulerfolg, die Zufriedenheit und zuletzt auch für das Selbstwertgefühl des Schülers. Nur wenn dem Lehrer bewusst ist, wer am beliebtesten ist, wer abgelehnt wird oder wer der „Anführer“ ist, kann er angemessen handeln und seinen Unterricht pädagogisch richtig darauf abstimmen. Obwohl die Lehrkraft in der Grundschule sehr viel Zeit mit seinen Schülern verbringt, nimmt er die meisten Freund- oder Feindschaften unter den Kindern nicht wahr, denn viele für das Sozialgefüge entscheidende Situationen finden außerhalb des Klassenzimmers statt. Um einen Einblick zu gewinnen, wurden diverse diagnostische Verfahren entwickelt. So kann ein Lehrer beispielsweise eine Dokumentenanalyse, eine Anamnese oder eine Soziometrie durchführen. Im Folgenden möchte ich mich ausführlich mit der Soziometrie, welche einen wesentlichen Bestandteil in der psychologischen und pädagogischen Praxis darstellt, beschäftigen.

2. Begriff und Geschichte der Soziometrie

Der Begriff „Soziometrie“ setzt sich aus dem lateinischen Wort „socius“ (= der Gefährte) und dem griechischen Wort „metrein“ (=messen) zusammen. Die Soziometrie misst demnach soziale Gebilde oder soziale Tatbestände (Elbing, 1975). Fasst man den Begriff enger, handelt es sich um eine Methode zur Erfassung sozio-emotionaler Beziehungen innerhalb einer Gruppe. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Gruppendynamik, welche das Zusammenwirken und die Beziehungen der Mitglieder einer Gemeinschaft beschreibt.

Erstmals wurde der Terminus im Jahre 1913 von dem Holländer Steinmetz verwendet. Im deutschen Sprachraum wandten Reiniger (1924), Hetzer (1925), Vercerka (1926) und Lochner (1927) Verfahren an, die der Soziometrie sehr ähnlich waren. So befassten sich alle mit den Sozialbeziehungen zwischen Kindern und Jugendlichen. Da das dritte Reich eine Intensivierung soziometrischer Wissenschaften verhinderte, blieben die Analysen nur Versuche. Den entscheidenden Impuls zur intensiven Beschäftigung mit der Soziometrie als Wissenschaft gab der Arzt und Soziologe Jacob Levy Moreno mit seinem Werk „Who shall survive?“ (Oswald, 1977). Er gilt daher auch als Begründer der Soziometrie (Elbing, 1975). Moreno entwickelte 1934 eine Technik zur Analyse der Stellung einzelner Individuen in einer Gruppe und deren soziales Miteinander. Die Ergebnisse wurden in einer Grafik veranschaulicht. Diese graphische Darstellung des Sozialgeflechts nannte er „Soziogramm“. Um die Begriffe „Soziometrie“ und „Soziogramm“ besser voneinander abzugrenzen, unterscheidet man zwischen der Erhebungstechnik (Soziometrie) und der Darstellungsmethode (Soziogramm) (Elbing, 1975).

Allein durch Befragung der Probanden ermittelte er die sozialen Beziehungen innerhalb einer Gruppe. Sein Ziel war es „Spannungen und Konflikte zwischen Menschen und Gruppen zu erfassen, sie zu lösen und dadurch die Gesellschaft zu reformieren und zu verbessern.“ (Elbing, 1975, S. 23). Letzteres kann die Soziometrie nicht gewährleisten, allerdings ist sie für die Arbeit in einer kleinen Gemeinschaft sehr nützlich. In Deutschland wurde Morenos Werk erst 1951 durch eine Übersetzung von Jennings bekannt.

Heutzutage steht vor allem „…die Verfeinerung und Präzisierung der Messinstrumente und Auswertungstechniken (Clusteranalysen, Matrizenrechnung, elektronische Datenverarbeitung, datenmodellspezifische Auswertungsstrategien) sowie um Fortschritt in der Theorie.“ (Elbing, 1975, S. 24) im Vordergrund der Forschung.

3. Soziometrie als diagnostisches Verfahren in der Schule

Die Soziometrie ist bis heute die gängigste Methode, um Beziehungsgeflechte innerhalb einer Gruppe zu analysieren. Dies liegt vor allem daran, „dass es mit einfachsten Mitteln bei einem minimalen Zeitaufwand hilft, intuitives Erfassen und zufällige Beobachtungen sozialer Geschehnisse […] durch sachlich fundierte Fakten zu ersetzen.“ (Oswald, 1977, S. 11f.) Besonders im pädagogischen Bereich greift man oft auf dieses Verfahren zurück, da es auch für den Laien verständlich und leicht durchzuführen ist. Außerdem kann der Lehrer sehr einfach das Klassengefüge und die Position des Einzelnen erfassen und die Ergebnisse graphisch festhalten, was auch der Visualisierung dient. Die Soziometrie gibt ihm Aufschluss über Ordnung, Position und Rolle des Einzelnen. „Die Aussagen hierzu liefern die Schüler selbst, denn das Soziogramm beruht, anders als die Beobachtung, auf einer Selbstdarstellung der Schüler.“ (Elbing, 1975, S.26). Genau diese Selbstdarstellung der Schüler macht die Soziometrie zu einem Test mit sehr hoher Vorhersagegenauigkeit. Die Psychologen Wallace und Sechrest fanden 1963 heraus, dass bei Selbsteinschätzung bezüglich verschiedener Variablen die Korrelationen wesentlich höher waren, als bei objektiven Tests (Elbing, 1975). Allerdings sollte man sich als Lehrer bewusst sein, dass oft auch nur Wunschbeziehungen zwischen den Schülern angegeben werden. Dies ist jedoch nicht als Kritikpunkt zu sehen, oftmals können genau diese Wunschbeziehungen wertvolle Hinweise auf die Gruppendynamik geben. Ist ein Kind beispielsweise besonders beliebt, wird es sehr wahrscheinlich auch von Kindern erwähnt, die eher die Außenseiterrolle einnehmen.

Ist ein soziometrischer Test erfolgreich durchgeführt, sollten gewisse Zielsetzungen erreicht sein. Dazu gehört zum einen, dass die Lehrkraft Fragen wie „Wie ist die Stellung des Kindes in der Gruppe?“, „Ist das Kind sozial anerkannt?“ „Wie verhält es sich in der Gruppe?“ beantworten kann.

Zum anderen ist es für den Lehrer wichtig, zu erkennen wie die Sympathiebeziehungen innerhalb der Klasse sind. Wie ist also die Gruppendynamik? Zusätzlich gilt es noch Gruppenzusammenhalt, Integration und Existenz von Cliquen festzustellen (Mikula, 1970).

Ein Soziogramm ist erst dann sinnvoll, wenn man es in einem gewissen zeitlichen Abstand wiederholt (Höhn und Seidel, 1976). Nur dann kann man Entwicklungen, Veränderungen oder Wirksamkeit von pädagogischen Maßnahmen erkennen. Dies ist vor allem bei jüngeren Schülern sehr wichtig, da Kinder bei ihren Freundschaften nicht so beständig sind wie beispielsweise Jugendliche. Wenn man also die Soziometrie an einem Tag, an dem sich zwei beste Freunde gestritten haben, durchführt, werden diese sich eher ablehnen, als dass sie gegenseitige Sympathie ausdrücken. Führt man den Test demnach nur einmal durch, so wird eine Antipathie deutlich, wo eigentlich eine enge Freundschaft besteht. Hinzu kommt, dass die Schüler darin geschult werden, sich Gedanken über ihre sozialen Beziehungen zu machen und diese niederzuschreiben. Auch für den Lehrer selbst ist es von Vorteil den Test mehrmals durchzuführen. Die Arbeit mit den Daten führt dazu, dass er sich verstärkt mit der Sozialstruktur der Klasse auseinandersetzt und somit „Einsicht in die ungünstige soziale Position einzelner Schüler oder auch die Starrolle einzelner Schüler und ihre Problematik“ (Elbing, 1975, S.69) gewinnt.

4. Theoretische Durchführung einer Soziometrie

In meinen weiteren Ausführungen möchte ich mich ausschließlich auf die Soziometrie nach J.L. Moreno beschränken, da dieser wie bereits erwähnt der entscheidende Begründer war.

4.1. Vorüberlegungen

Damit eine Soziometrie gewinnbringend ist, müssen einige Vorüberlegungen voran gestellt werden. Der Lehrer muss sich vorab Gedanken über die Fragestellung, die Anzahl der Urteilsabgaben, die Gewichtung der Wahlen, die pädagogischen Maßnahmen machen.

Da die Soziometrie Ernstcharakter aufweisen soll, müssen die Fragen konkret und zielweisend formuliert sein. Fragen wie „Wen magst du gerne?“ oder „Wer ist dir sympathisch?“ sollte die Lehrkraft vermeiden, da die Kinder schnell das Gefühl haben ausgefragt zu werden und es zudem schwierig ist Konsequenzen daraus zu ziehen. Viel besser eignen sich Fragen nach der Sitzordnung oder der Gruppenkonstellation. Will der Lehrer beispielsweise die Sitzordnung ändern, bietet sich an, sich zu erkundigen neben wem die Kinder gerne sitzen möchten oder ob sie mit ihrem Sitzpartner zufrieden sind. Zudem ist es sehr wichtig, bei der Wahl der Fragen darauf zu achten, dass sie in einen bestimmten situativen Kontext eingebettet sind (Elbing, 1975).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anzahl der erlaubten Urteilsabgaben. Moreno lässt seinen Probanden offen, wie viele Nennungen vorgenommen werden können. Dies ist vorteilhaft, da man allein aufgrund der Anzahl, Informationen über ein Kind gewinnen kann. So würden kontaktschwache Kinder eine kleinere Auswahl treffen als kontaktstarke. Jedoch fällt bei wenig integrierten Kindern sehr stark auf, dass bei Fragen bezüglich Antipathien viele Namen aufgeschrieben werden. Dies ist ein Indiz für schlechte Anpassung (Elbing, 1975). Allerdings sind soziometrische Erhebungen ohne eine Beschränkung der Nennungen relativ selten (Elbing, 1975). Grund hierfür ist, dass Wahlen mit festgelegter Grenze sowohl die Datenerhebung, als auch die Auswertung erleichtern. In Bezug auf die Schule ist eine Begrenzung noch sinnvoller, da an einem Arbeitstisch beispielsweise nur vier bis sechs Kinder Platz finden (Elbing, 1975).

Die Gewichtung der Nennungen kann man als Außenstehender nicht direkt erkennen. Vielfach wurde angenommen, dass die Reihenfolge der Angaben zugleich auch der Gewichtung entspricht. Gronlund und Cappel konnten jedoch herausfinden, dass die Reihenfolge der Nennungen willkürlich ist. Aus diesem Grund empfiehlt Cappel, die Schüler ihre Präferenzen unterstreichen zu lassen. Markierte Namen zählen bei der Auswertung zweifach, nicht unterstrichene einfach. Die Lehrkraft muss sich vorab entscheiden, ob die Gewichtung der Nennungen für die Fragestellung der Soziometrie von Bedeutung ist.

Als Letztes sollte der Lehrer vor der Durchführung der Soziometrie festlegen, ob er die Maßnahmen den Schülern vorab ankündigt. Denn dies könnte durchaus zu Wahlstrategien bei den Kindern führen. Die Studie von Rosenfeld (1964), „wonach kompetente Personen vom wählenden Gruppenmitglied als wenig erreichbarer Arbeitspartner wahrgenommen werden, und deshalb entgegen dem Wunsch erst gar nicht gewählt werden (underchoosing).“ (Elbing, 1975, S.30) befasste sich mit diesem Phänomen. Außerdem muss die Lehrkraft sich sicher sein, dass sie die Maßnahmen auch verwirklichen kann.

Die wesentlichen Aspekte einer Vorüberlegung sind demnach: Was will ich mit dem Soziogramm erreichen? Beschränke ich die Zahl der Nennungen? Sind für meine Fragestellung Präferenzen der Schüler entscheidend? Wie formuliere ich die Frage, sodass keine Wahlstrategien gebildet werden? Kündige ich Maßnahmen vorab an?

4.2. Datenerhebung

Für die Datenerhebung teilt man den Schülern einen Zettel aus. Dieser kann unbeschrieben oder vom Lehrer mit den entsprechenden Zeilen vorbereitet sein. Bei der Arbeit mit Grundschulkindern lohnt es sich jedoch die Blätter vorab zu entwerfen. Dadurch spart man Zeit und die Kinder werden nicht zu sehr verwirrt. Wie die Testzettel gestaltet werden, ist dem Lehrer selbst überlassen, jedoch ist es wichtig, dass sie mit einer Zeile für Vor- und Nachnamen der Kinder versehen sind. Nachdem die Blätter ausgeteilt worden sind, schreibt jeder Schüler zuallererst seinen Namen auf das Blatt und legt dann den Stift wieder weg. Als Nächstes erklärt die Lehrkraft den Arbeitsauftrag und je nach Vorüberlegung, wozu der Test dient und welche Maßnahmen er mit sich bringt. Cappel gibt je nach Wahlkriterium einige Tipps, wie man die Befragung aus einer natürlichen Atmosphäre heraus formulieren könnte. Will der Lehrer beispielsweise die Sitzordnung ändern, könnte man das den Kindern folgendermaßen erklären: „Ich habe gemerkt, dass ihr mit euren Sitzplätzen bzw. Banknachbarn nicht recht zufrieden seid. Wenn ihr mir helft, können wir diesem Zustand abhelfen. Ich werde euch soweit wie möglich so setzen, dass ihr möglichst alle damit zufrieden seid. Schreibt zu diesem Zweck auf die linke Seite des Blattes untereinander die Namen der Kameraden, neben denen ihr gern sitzen wollt. Ihr könnt jeden aus der Klasse wählen, ihr könnt ruhig mehrere Namen hinschreiben. Was ihr schreibt, das behalte ich natürlich ganz für mich. Ihr könnt also wirklich nennen, wen ihr wollt.“ (Elbing, 1975, S. 31). Wichtig ist hierbei, dass die Kinder schnell ihre Antworten vermerken und nicht beim Sitznachbarn abschreiben oder ihn stören (Elbing, 1975). Dieser Aspekt spielt bei einer negativen Wahl eine besonders entscheidende Rolle. Um gegebenenfalls daraus resultierende Streitigkeiten zu vermeiden, kann der Lehrer darauf achten, dass keine zu enge Sitzordnung besteht.

Oftmals haben die Kinder Schwierigkeiten beim Verstehen und Ausführen der Anweisungen, daher ist es sinnvoll als Lehrer durch das Klassenzimmer zu gehen und bei Fragen direkt zu Verfügung zu stehen. Ist eine Gewichtung oder Begründung der Wahl entscheidend, fordert der Lehrer die Schüler auf ihre Nennungen zu erklären. Dies geschieht allerdings erst, wenn alle Kinder ihre Wahl ausgeführt haben. Können die Kinder die Auflistung mancher Namen nicht erklären, so machen sie einen Strich hinter diesen. Man sollte jedoch beachten, dass Gründe für Präferenzen oder Ablehnungen weniger an nützlicher Information liefern als man denkt (Höhn und Seidel, 1976). Als letzter Arbeitsschritt bei der Datenerhebung werden die Blätter eingesammelt und nochmals abgezählt, ob auch jedes Kind seinen Stimmzettel abgegeben hat.

4.3. Datenauswertung

Die Datenauswertung ist arbeitsintensiver als die Datenerhebung. Zuallererst werden die positiven und negativen Nennungen der Kinder in einer Soziomatrix als Plus- und Minuszeichen vermerkt (Höhn und Seidel, 1976). Horizontal ist der Name des Wählers eingetragen, vertikal der des Gewählten. Man kann die Schüler allerdings auch nach dem Alphabet durchnummerieren, was in einer Tabelle günstiger ist. Falls die Gewichtung der Nennungen entscheidend ist, könnte man den Wahlen Punkte geben. So könnte man der ersten Wahl drei Pluspunkte geben und der ersten Ablehnung drei Minuspunkte. Bei dieser Methode würde man allerdings auch den Punktwert in die Tabelle eintragen.

Im zweiten Arbeitsschritt werden „aus der Soziomatrix die Zeilen- und Spaltensummern gebildet.“ (Höhn und Seidel, 1976). Die Zeilensumme, die sich aus der waagrechten Addition ergibt, zeigt die Anzahl der positiven und negativen Stimmen, die ein Schüler erhalten hat. Sie ist der Beweis für Beliebtheit bzw. Unbeliebtheit einer Person. Zählt man beide Werte zusammen, erhält man die Summe der abgegebenen Stimmen und somit den Grad des sozialen Interesses, welches jemand in der Klasse weckt. Weist ein Schüler die Zeilensumme null auf, so ist er eine unbeachtete Person, die weder abgelehnt noch gewählt wurde.

Die Spaltensumme setzt sich aus den positiven und negativen Stimmen, die ein Kind abgegeben hat, zusammen (Höhn und Seidel, 1976). Dazu addiert man die senkrechte Spalte. Je höher diese Spaltensumme ist, desto kontaktfreudiger ist der Schüler. Besonders interessant ist hierbei das Verhältnis der positiv und negativ abgegebenen Stimmen. In der unten angeführten Tabelle kann man erkennen, dass Schüler Nr. 17 niemanden ablehnt, sich also eher sozial freundlich verhält, Schüler Nr. 13 hingegen nur eine Person akzeptiert und vier ablehnt. Hier kann man von einer vorwiegend feindseligen Haltung sprechen. Um gegenseitge Wahlen festzustellen, setzt man bei diesen statt dem Plus- oder Minuspunkt ein Kreuz. So erkennt man direkt, welche Kinder sich gegenseitig genannt haben (Elbing, 1975). Abb. 1: Soziomatrix. Sind die Zeilen- und Spaltensummen ausgewertet, trägt man den Rangplatz, den ein Schüler bei den positiven und negativen Stimmen erhalten hat, in die vorgesehene Spalte ein.

4.4. Erstellen eines Soziogramms

Moreno verwendete für die Darstellung seiner Ergebnisse das Netzsoziogramm. Die Vorgehensweise ist folgende: Zuerst zeichnet man Kreise, Dreiecke oder Quadrate für die Personen, die am häufigsten genannt wurden. Die verwendete Form kennzeichnet man dann mit der entsprechenden Nummer oder dem Namen. Außen herum ordnet man die Schüler an, die diese Personen gewählt haben. Für jede positive Wahl wird ein Pfeil gezeichnet, der bei der am häufigsten gewählten Person endet. „Gegenseitige Wahlen werden durch einen Doppelstrich mit Pfeil an beiden Enden ausgedrückt.“ (Höhn und Seidel, 1976, S.26). Diese gegenseitigen Nennungen sind für den Lehrer besonders interessant. Deshalb markiert man sie entweder farbig oder kennzeichnet sie als dicke Linie. Auf die gleiche Weise, allerdings gestrichelt oder in einer anderen Farbe, werden Ablehnungen vermerkt. Es kommt auch vor, dass Sympathie auf Antipathie trifft. So möchte beispielsweise Schüler A neben Schüler B sitzen, Schüler B lehnt Schüler A allerdings ab. In einem Soziogramm stellt man dies mit zwei Strichen bzw. Farben dar.

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Soziometrie in der Grundschule. Theoretische und praktische Durchführung
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V352265
ISBN (eBook)
9783668386693
ISBN (Buch)
9783668386709
Dateigröße
1122 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziometrie, Soziale Beziehung in der Grundschule, Schülerverhältnisse
Arbeit zitieren
Gina M. (Autor), 2015, Soziometrie in der Grundschule. Theoretische und praktische Durchführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352265

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