Nachhaltiger Konsum. Qualitative Studie zum Konsumverhalten in Deutschland


Projektarbeit, 2016

76 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung
2.1 Gang der Arbeit
2.2 Aktuelle Situation, Problemstellung und Forschungsfragen

3 Begriffliche Grundlagen
3.1 Nachhaltigkeit
3.1.1 Konzeptionelle Erklärung Nachhaltigkeit
3.1.2 Definition Nachhaltigkeit
3.2 Corporate Social Responsibility

4 Theoretische, methodische und konzeptionelle Grundlagen
4.1 Nachhaltigkeits-Dreieck
4.2 Drei-Säulen-Modell
4.3 Integrierter Nachhaltigkeits-Ansatz
4.4 Abgrenzung verwandter Konstrukte

5 Vorgehen und empirische Analyse
5.1 Wissenschaftliche Methodik
5.2 Resultate
5.2.1 Allgemeine Erkenntnisse aus der Befragung
5.2.2 Erkenntnisse zu den Hypothesen

6 Zusammenfassung/Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Begriffserklärung

9 Anhänge

1 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Umsatzentwicklung Bio-Lebensmittel

Abbildung 2 Nachhaltigkeitsdreieck

Abbildung 3 Die drei Dimensionen nachhaltiger Produktqualität

Abbildung 4 Integriertes Nachhaltigkeits-Dreieck

Abbildung 5 Integriertes Nachhaltigkeits-Dreieck

Abbildung 6 Definition Nachhaltigkeit

Abbildung 7 Nachhaltiger Konsum - Weltweit

Abbildung 8 Transportmittel

Abbildung 9 Lebensmittel aus der Region

Abbildung 10 BIo-Lebensmittel

Abbildung 11 Generelle Kriterien Kauf Lebensmittel

Abbildung 12 Generelle Kriterien Kauf Kleidung

Abbildung 13 Relative Häufigkeitsverteilung nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 14 Bevölkerung nach Bildungsabschlüssen in Deutschland

Abbildung 15 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 16 Tabelle 2 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 17 Tabelle 3 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 18 Tabelle 4 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 19 Tabelle 4 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 20 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Bildungsabschlüssen

Abbildung 21 Relative Häufigkeitsverteilung nach Netto-Einkommen

Abbildung 22 Tabelle 1 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Netto-Einkommen

Abbildung 23 Tabelle 2 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Netto-Einkommen ..

Abbildung 24 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Netto-Einkommen

Abbildung 25 Korrelation von Netto-Einkommen und dem Faktor Preis

Abbildung 26 Relative und absolute Häufigkeitsverteilung nach Ernährungsweise

Abbildung 27 Anzahl der Vegetarier/ Veganer in Deutschland

Abbildung 28 Tabelle 1 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Ernährungsweise

Abbildung 29 Tabelle 2 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Ernährungsweise

Abbildung 30 Tabelle 3 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Ernährungsweise

Abbildung 31 Tabelle 4 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Ernährungsweise

Abbildung 32 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Ernährungsweise

Abbildung 33 absolute und relative Häufigkeiten nach Geschlecht

Abbildung 34 Bevölkerung Deutschlands nach Altersgruppen und Geschlecht

Abbildung 35 Tabelle 1 Deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Geschlecht

Abbildung 36 Tabelle 2 deskriptive Statistik Nachhaltigkeit nach Geschlecht

Abbildung 37 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Geschlecht

Abbildung 38 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Geschlecht

Abbildung 39 Einfaktorielle ANOVA zur Nachhaltigkeit nach Geschlecht

Abbildung 40 Junge Menschen arbeiten lieber für nachhaltige Unternehmen

Abbildung 41 Online-Fragebogen

2 Einleitung

2.1 Gang der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, das Konstrukt „Nachhaltigkeit“ zu definieren, eine umfassende Betrachtung des Konsumerhaltens durch die Ergebnisse der durchgeführten qualitativen Studie und bereits vorhandenen Studien zu erhalten um abschließend Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des nachhaltigen Konsums zu erarbeiten.

Zum besseren Verständnis gliedert sich die Arbeit wie folgt: Kapitel 2 verdeutlicht mit einer Analyse die gegenwärtige Situation, wo in der heutigen Konsumgesellschaft Ansätze auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt anzutreffen sind. Anschließend werden in Kapitel 3 und Kapitel 4 die begrifflichen, theoretischen sowie methodischen Grundlagen und Konstrukte behandelt, die für das weitere Vorgehen und Verständnis elementar sind. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei Kapitel 5. Nach einer kurzen Einführung in die wissenschaftliche Methodik schließt sich die eine Auswertung der allgemein gewonnenen Erkenntnisse an und die Resultate zu den einzelnen Hypothesen. Aus dieser Analyse werden die wichtigsten Herausforderungen extrahiert und mögliche Lösungswege zur Diskussion gestellt. Abschließend erfolgen in Kapitel 6 eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse, sowie eine Bewertung seitens der Verfasser.

2.2 Aktuelle Situation, Problemstellung und Forschungsfragen

Im Zuge drohender Ressourcenknappheit, dem ungerecht verteilten Zugang zu den Ressourcen, immer massiver werdenden Naturkatastrophen und der vorherrschenden Umweltproblematik ist die zentrale Frage des 21. Jahrhunderts, wie begegnen wir dem, was können wir ändern und wie sind Strategien umsetzbar?

Beim Lebensmittel- und Kleidungskauf geht es schon längst nicht mehr vordergründig um die reine Versorgung. Konsumenten kaufen Kleidung und Lebensmittel, die für sie Bedürfnisse befriedigen: die für sie das Leben schöner, besser, bequemer und interessanter machen. Natürlich müssen sie sich ernähren und auch Kleidung tragen, doch was, wie oft und wo sie einkaufen und wie sie damit umgehen ist mit den individuell höchst unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensumständen der Konsumenten eng verbunden. Es ist ein offensichtliches Erfolgsrezept der Wohlstandsgesellschaft, den Konsumenten hinsichtlich ihres Konsums keine Vorschriften zu machen und deren vielfältige Präferenzen durch ein umfassendes und differenziertes Angebot zu befriedigen. Doch dieser frei gewählte Konsumstil, vor allem der Industrie- und Schwellenländer, ist fernab von nachhaltig. Umweltschutz, Klimawandel, Corporate Social Responsibility und vor allem das Thema Nachhaltigkeit sind die vielfach diskutierte Themengebiete in den Medien.

Filme wie „Eine unbequeme Wahrheit“ und „Die Erde“, die viele Menschen faszinieren, sensibilisiert zudem für die Folgen des Klimawandels und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Ressourcenmanagements. „Wie grün sind Sie?“

- mit dieser und anderen Fragen diskutieren Zeitschriften das nachhaltige Konsumverhalten ihrer Leser. Darüber hinaus widmet sich die Gesetzgebung der Europäischen Union dem Erlass schärferer Gesetze zu Zwecken des Umweltschutzes und einer Verminderung der CO2-Emission.

Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages werden 5 Unternehmen, die soziale Fairness und ökologisches Engagement mit wirtschaftlichem Erfolg vereinen, für ihre Vorbildlichkeit ausgezeichnet1. Diese exemplarisch ausgewählten Beispiele zeigen: das Nachhaltigkeitsdenken erreicht die Gesellschaft. Industrie und Handel erkennen in diesem Zusammenhang neue Umsatzpotenziale und reagieren auf die Nachfrage der Konsumenten.

Ob beim Kauf von Produkten des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmittel, beim Autokauf, der Wahl eines elektronischen Großgerätes oder der Planung einer Urlaubsreise - Verbraucher sehen sich in den letzten Jahren vermehrt einer umweltgerechten Alternative gegenüber.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Umsatzentwicklung Bio-Lebensmittel http://de.statista.com/statistik/daten/studie/4109/umfrage/bio-lebensmittel-umsatz-zeitreihe/

Als zuverlässiger Seismograf für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen gilt der deutsche Lebensmittelhandel. Dieser verzeichnet bereits seit 2000 hohe Umsatzzuwächse im Bereich der Bio-Lebensmittel und spiegelt damit das wachsende Interesse der Konsumenten am „grünen“ Konsum wider.

Laut einer forsa-Umfrage geben beispielsweise 50 Prozent an, immer (12%) oder meistens (38%) Produkte aus fairem Handel oder biologischer Herstellung zu bevorzugen2.

Ebenfalls als fortschrittlich kann die Bekleidungsbranche verstanden werden, in der insbesondere die Produktionsbedingungen bereits seit den 1980er Jahren kritisch hinterfragt werden. In den 90er Jahren kann sich jedoch eine erste „Öko-Welle“ aufgrund mangelnder Akzeptanz bei den Konsumenten nicht durchsetzen. Seit 2005 nimmt, einhergehend mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die Präsenz ökologischer Bekleidung am Markt erneut zu. Konventionelle Massenanbieter wie C&A, H&M und Zara sowie Haute Couture-Designer wie Armani und Stella McCartney erweitern ihr Produktangebot entsprechend.

Darüber hinaus entstehen am Markt neue Anbieter, die sich auf ökologische Bekleidung spezialisieren. Dennoch herrscht in der Branche Uneinigkeit hinsichtlich der langfristigen Angebots- und Nachfrageentwicklung. Während ein Teil der Hersteller und Händler die aktuelle Angebotsentwicklung vielfach als kurzlebigen Modetrend auffasst und sich daher ausschließlich auf konventionelle Produkte konzentriert, erwarten andere Anbieter wiederum eine langfristige positive Entwicklung, ähnlich wie bei dem Bio-Lebensmittelmarkt in den vergangenen Jahren. In diesem Zusammenhang ist für die Unternehmen der Bekleidungsbranche die Frage von besonderer Bedeutung, wie sich der Markt für ökologische Bekleidung zukünftig weiterentwickeln wird. Die Durchsetzung ökologischer Bekleidung im Markt hängt dabei vornehmlich von der Akzeptanz der Konsumenten ab. Um eine schnelle und langfristige Verbreitung ökologischer Bekleidung zu erreichen, ergibt sich für Hersteller und Handel die Herausforderung, bisherige Kaufhindernisse, wie einen zu hohen Preis, mangelnde Erhältlichkeit und Echtheitszweifel auf Seiten der Konsumenten, zu beseitigen. Die bisherige Forschung zu ökologischen Produkten konzentriert sich vornehmlich auf den Bereich der Bio-Lebensmittel. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden neben einer Definition der Nachhaltigkeit bestehende Erkenntnisse zu Käufern und dem Kauf ökologischer Bekleidung vs. Lebensmittel aufgegriffen und durch neue Analysen gegenübergestellt und ausgewertet.

Auf Basis dieses Bildes ergeben sich die zentralen Forschungsfragen dieser Arbeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Begriffliche Grundlagen

3.1 Nachhaltigkeit

3.1.1 Konzeptionelle Erklärung Nachhaltigkeit

Aufgrund des Raubbaus an den Wäldern zu Beginn des 18. Jahrhunderts definierte Hans Carl von Carlowitz (1713) in der sächsischen Forstwirtschaft die Idee der Nachhaltigkeit. Er forderte, dass nur so viele Bäume gefällt werden sollen, wie Neue nachwachsen können. In seinem Werk „sylvicultura oeconomica“, prägt er den deutschen Begriff Nachhaltigkeit bei seiner Aufforderung für eine nachhaltende Forstwirtschaft, d.h. eine sorgsame und vorausschauende Nutzung der Ressource Wald3. Auch wenn dieses Verständnis aus heutiger Sicht nicht ausreicht, um Nachhaltigkeit vollumfänglich zu umschreiben, thematisierte Carlowitz bereits 1713 einzelne Elemente der ökologischen Nachhaltigkeit.

3.1.2 Definition Nachhaltigkeit

1972 erhielt der Begriff durch den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome neue Brisanz und eine. Darin wurde der ökologische Kollaps der Erde innerhalb von weniger als 100 Jahren vorausgesagt. Darin wurde eine Prognose abgegeben, dass die Erde innerhalb der nächsten 100 Jahre kollabiert. Die beruhte auf folgenden Annahmen: Verknappung der natürlichen Ressourcen, steigende Umweltverschmutzung, sowie rapide Zunahme der Weltbevölkerung. 1972 griff die erste „United Nations Conference on the Environment“ in Stockholm das Thema auf. 1987 veröffentlichte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung ihren Bericht „Our Common Future“, der nach der Vorsitzenden der Kommission, Gro Harlem Brundtland, auch als „Brundtland-Bericht“ bekannt ist. Brundtland definierte nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“4

1992 erklärte die UNO auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die nachhaltige Entwicklung als Leitbild aufgrund des Brundtland-Berichts.

Die Agenda 21 ist das bekannteste der verabschiedeten Dokumente auf dieser Konferenz. In ihr werden Strategien und Handlungsempfehlungen formuliert, die zu einer sozial- und umweltgerechten, ökonomisch stabilen Entwicklung in allen Ländern führen sollen.5

In dieser weit gefassten Definition wird der normative Charakter der Idee „Nachhaltigkeit“ deutlich. Es ist von einem »Sollen«6 oder einer sozial-ethischen Verantwortung die Rede, wenn die Bedürfnisse und das Wohlergehen aller Menschen in der Gegenwart und in der Zukunft berücksichtigt werden sollen. Doch der Versuch eine nachhaltige Entwicklung zu definieren, wirft mehrere Fragen auf: Was ist gerecht? Wie sehen die Bedürfnisse heutiger Generationen aus? Wenn sich die Bedürfnisse einer Weltbevölkerung von den Bedürfnissen eines Landes, einer Gruppe, eines Einzelnen unterscheiden, ist die Brundtland-Definition dann noch haltbar?

Welche Bedürfnisse haben zukünftige Generationen? Was soll erhalten und was soll entwickelt werden? Kann jede Nation (z. B. Industrie- und auch Entwicklungsländer) diesen Anforderungen auf gleiche Weise entsprechen oder haben wirtschaftliche und kulturelle Aspekte einen Einfluss darauf?

3.2 Corporate Social Responsibility

Unter "Corporate Social Responsibility" oder kurz CSR ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens zu verstehen.

CSR versteht man die gesellschaftliche Verantwortung, die Unternehmen zur Nachhaltigkeit leisten können. Man unterteilt diese in ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Aufgeführt sind diese in international anerkannten Referenzdokumenten zur Unternehmensverantwortung (OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen, ILO-Grundsatzerklärungüber Unternehmen und Sozialpolitik, den, ISO 26000, UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, & UN Global Compact). Schwerpunkte sind hier mitarbeiterorientierte Personalpolitik, sparsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen, faire Geschäftspraktiken, Schutz von Umwelt und Klima, sowie Verantwortung in der Lieferkette und Engagement vor Ort.

Unternehmen verwenden die beide Begriffe CSR und Nachhaltigkeit synonym.

Manche Unternehmen definieren es Nachhaltigkeitsstrategie und Nachhaltigkeitsbericht, andere CSR-Strategie und CSR-Bericht. In der Theorie ist das CSR-Konzept hingegen enger als das Thema Nachhaltigkeit gefasst: Es umschreibt den spezifischen Beitrag, den Unternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften leisten.

Viele Unternehmen verwenden in der unternehmerischen Praxis seit einigen Jahren gleichbedeutend den Begriff „Corporate Responsibility“ (CR) für CSR. Um ein Missverständnis zu vermeiden wird beim Konzept CR die wirtschaftliche Dimension von Nachhaltigkeit und Fragen der Unternehmensführung stärker als bei CSR betont. Der Begriff "social" in CSR wird im Deutschen oft als "sozial" fehlinterpretiert und CSR fälschlicherweise als Konzept verstanden, das lediglich auf die sozialen Aspekte wirtschaftlicher Nachhaltigkeit abzielt.7

In der Vergangenheit haben sich Unternehmen mehr oder weniger stark um ihr natürliches und soziales Umfeld gekümmert. Diese Aktivitäten werden heutzutage unter dem Dach der CSR konzeptionell zusammengeführt. Dadurch erhalten Unternehmen erhalten die Möglichkeit, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, ihr gesellschaftliches „Investment“ sichtbar zu machen und die wachsenden Bedürfnisse der Stakeholder zu befriedigen Corporate Social Responsibility, zeichnet sich durch Innovationsbereitschaft, Flexibilität und den Geist freien Unternehmertums aus.

4 Theoretische, methodische und konzeptionelle Grundlagen

4.1 Nachhaltigkeits-Dreieck

Angelehnt an die Zielvereinbarung des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes der BRD von 1967 ("Magisches Dreieck") wurde das „Nachhaltigkeitsdreieck“ als eines der ersten Modelle der Nachhaltigkeit entwickelt. Die gleichberechtigte Bedeutung jeder Nachhaltigkeitsdimension wird hierbei als gleichschenkliges Dreieck dargestellt, hierbei werden die zentralen Prinzipien der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) in einem Modell zusammen geführt.

Die Verbindung soll verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit nur erreicht werden kann, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt werden.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Nachhaltigkeitsdreieck http://www.oekosystem-erde.de/assets/images/Nachhaltigkeitsdreieck.gif

4.2 Drei-Säulen-Modell

Die WCED- Definition für Nachhaltigkeit führte im deutschen Kontext zu der Entwicklung das sogenannte „Drei-Säulen-Modells“ ein, das die Enquete- Kommission des Deutschen Bundestages zum „Schutz des Menschen und der Umwelt“9 1998 als konzeptionelle Grundlage wählte. Dieses Modell verdeutlichte schnell, dass eine zukunftsfähige Entwicklung der menschlichen Existenz nur unter Mitberücksichtigung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen zu bewerkstelligen sei:

- Ökonomische Nachhaltigkeit

meint ein dauerhaft betriebenes Wirtschaften (z. B. funktionsfähige Märkte, Preisstabilität, fortlaufendes Wirtschaftswachstum, Arbeitsbeschaffungen)

- Soziale Nachhaltigkeit

strebt den Erhalt der Menschenwürde und die freie Entfaltung der Persönlichkeit an (z. B. Mindestlebensstandard, Rentenansprüche, soziale Sicherungssysteme, Solidarität)

- Ökologische Nachhaltigkeit

hat vor allem das Ziel, die Natur zu schützen, um einerseits ihren Nutzen für den Menschen aufrechtzuerhalten und andererseits die schädlichen Konsequenzen der Umweltverschmutzung für den Menschen zu reduzieren (z. B. verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, CO2-Emmissionen reduzieren, Rodungsprozesse und Raubbau verringern)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Die drei Dimensionen nachhaltiger Produktqualität

http://www.rewe-group.com/dam/de/presse/leitlinien/imug-konsumstudie/imug_REWE- Studie_gesamt_2014_12_11

Die drei Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig. Beispielsweise hängen soziale Sicherungssysteme vom wirtschaftlichen Leistungspotenzial einer Gesellschaft ab. Das Modell postuliert die Gleichwertigkeit der drei Säulen und gibt vor, dass eine nachhaltige Entwicklung gleichzeitig in allen drei Säulen stattfinden soll. Dieser Anspruch wird allerdings nur selten in der Realität erfüllt, da in den drei Bereichen oft konträre Ziele verfolgt werden. Besonders der ökonomische Aspekt (z. B. Wettbewerbsfähigkeit durch Gewinnmaximierung) lässt sich häufig nicht mit dem sozialen (z. B. Leiharbeiter) oder ökologischen (z. B. Holzbeschaffung durch Rodung von Regenwäldern) vereinbaren. Die Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexes Konstrukt, das aus mehreren Dimensionen und Partizipationsebenen besteht und sich leider nicht trennscharf definieren lässt.

4.3 Integrierter Nachhaltigkeits-Ansatz

1999 wurde das Drei-Säulen-Modell in einer Studie vom Forschungszentrum Karlsruhe weiterentwickelt. Schwerpunkt der Studie ist die Ergänzung der Operationalisierung, der institutionellen Dimension, die Integration der Intra- und intergenerativen Aspekte von Gerechtigkeit, sowie dimensionsübergreifende Nachhaltigkeitsziele wie die „Sicherung der menschlichen Existenz“, „Erhaltung des gesellschaftlichen Produktivpotenzials“ und „Bewahrung der Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten“. „Dabei wird nicht von der beschränkten Perspektive der einzelnen Dimensionen ausgegangen, sondern es werden -in integrierender Sichtweise - drei generelle dimensionsübergreifende Nachhaltigkeitsziele auf die Dimensionen projiziert und mit dem - in verschiedenen Diskursen verkörperten - Eigenlogiken der einzelnen Dimensionen vermittelt. Ergebnis dessen sind Operationalisierungen der generellen Ziele hinsichtlich nachhaltigkeitsrelevanter konstitutiver Elemente der einzelnen Dimensionen in Form von „Regeln“. Die generellen Nachhaltigkeitsziele im Einzelnen sind „Sicherung der menschlichen Existenz“, „Erhaltung des gesellschaftlichen Produktivpotentials“ und „Bewahrung der Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten“.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Integriertes Nachhaltigkeits-Dreieck

https://kluedo.ub.uni-kl.de/files/1597/Das_Integrierende_Nachhaltigkeits-Dreieck.pdf

Die Felder des integrierten Nachhaltigkeits-Dreiecks lassen eine Interpretation in Anlehnung an die drei Säulen der Nachhaltigkeit zu. Jede Ecke im Dreieck steht für die spezifischen Ziele der Nachhaltigkeit: ökologisch, ökonomisch und sozial. Diese werden durch weitereübergänge abgestuft, je weiter ein Feld von einem Eckpunkt entfernt ist, desto weniger ist es dieser Säule zuzuordnen. Man unterscheidet für jede der drei Dimensionen drei Grade der Zuordnung: schwach, teilweise und stark.11

Abbildung 5 Integriertes Nachhaltigkeits-Dreieck

https://kluedo.ub.uni-kl.de/files/1597/Das_Integrierende_Nachhaltigkeits-Dreieck.pdf

4.4 Abgrenzung verwandter Konstrukte

Es wird auf eine Beschreibung verwandter Konstrukte verzichtet, da eine Abgrenzung nahestehender Begriffe schwer möglich ist, denn die Nachhaltigkeit scheint vielmehr ein allumfassendes, durchaus schwammiges Konstrukt zu sein. Auf den ersten Blick können alle möglichen Konzepte durch die Brille der Nachhaltigkeit betrachtet werden können, dadurch ist eine Abgrenzung nahestehender Begriffe schwer möglich. Daher soll das Konstrukt im weiteren Verlauf ausschließlich aus der Konsumperspektive im Food- und Kleidungsbereich betrachtet und diskutiert werden.

5 Vorgehen und empirische Analyse

5.1 Wissenschaftliche Methodik

Um die aufgeworfenen Fragen zu beantworten, wurde neben den Sekundärquellen zwischen dem 02.05.2016 und 03.06.2016 eine Onlinebefragung durchgeführt. Die quantitative Methodik der Befragung ermöglicht es von der Stichprobenerhebung Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit zu ziehen. Außerdem ist diese Art der Datenerhebung kostengünstig, gut auszuwerten und besitzt eine gute Streuung. Insgesamt haben 228 Teilnehmer an der Befragung teilgenommen, davon sind 200 Datensätze vollständig abgeschlossen. Der Fragenkatalog der Onlinebefragung ist aus Gründen derübersichtlichkeit im Anhang zu finden. Der Fragebogen besteht aus insgesamt 26 Fragen unter der Verwendung von nominalen Antwortmöglichkeiten, Mehrfachnennungen, ordinalen Antwortgruppen und Likert-Skalen von 1-7. Limitationen: Je 1% der Befragten sind Mittelschüler oder Doktoranden. Das heißt, dass sich auf Grund der geringen Teilnehmerzahl aus diesem Kreis keine Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit schließen lassen.

Das Konstrukt „Nachhaltigkeit“ wurde in Kapitel 3 definiert, daraus resultierend wurden folgende Kriterien für nachhaltigen Konsum seitens der Verfasser festgelegt:

- ökologische Anbauweise/Bio-Qualität
- Bio-Siegel
- Umweltfreundliche Verpackung
- Schadstofffreiheit
- Faire Herstellungsweise (z.B. Löhne etc.)
- Besuch im Bio-Laden.

5.2 Resultate

5.2.1 Allgemeine Erkenntnisse aus der Befragung

Beim generellen Einkaufsverhalten der Teilnehmer ist festzustellen, dass mehr als die Hälfte der Befragten 2-3 mal pro Woche Lebensmittel einkaufen12, Kleidung hingegen kaufen die meisten hingegen monatlich oder quartalsweise13. Bei der Wahl der Einkaufsstätte bevorzugt der Großteil beim Lebensmitteleinkauf Discounter sowie Supermärkte oder SB-Warenhäuser, die Quote der Bio-Markt- Einkäufer liegt bei unter 10% der Befragten. Lebensmittel online oder auf dem Wochenmarkt kaufen kommt für die Wenigsten in Frage14. Gegenteilig verhält es sich beim Kauf von Bekleidung. 37% der Befragten bestellen online, danach folgt der Kauf im Kaufhaus und im Fachgeschäft/in der Boutique. Wenige der Befragten kaufen direkt beim Fachhändler (Monostore) undüber Kleiderbörsen/Second- Hand-Shops. Kaum einer der Teilnehmer nutzt den Discounter oder Ebay zum Kleidungskauf15.

Circa 65% der Befragten geben im Monat zwischen 100 - 300 Euro für Lebensmittel aus, dass ist bei einem durchschnittlichen Gehalt von 2000 Euro schon ein Fünftel des Lohnes. 22% der Teilnehmer geben mitüber 300 €überdurchschnittlich viel Geld für Lebensmittel aus, die restlichen 13% dagegen haben verhältnismäßig geringe monatliche Ausgaben mit 50 - 100 €16. Auch hier gestalten sich die finanziellen Ausgaben für Bekleidung gegensätzlich. Fast 94% der Teilnehmer geben für Bekleidung monatlich weniger als 200 Euro aus17.

Definition Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Definition Nachhaltigkeit

Unter Nachhaltigkeit verstehen 48% der Befragten, die Begrifflichkeiten „Wiederverwertbarkeit“, „ Ressourcen schonen“ und „wenig Verpackungsmüll“. Die Wenigsten verstehen darunter Bio-Qualität und nur drei der 209 Befragten haben keine Vorstellung davon, was Nachhaltigkeit ist. Laut einer Umfrage von 30.000 Konsumenten liegt Deutschland bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit im hinteren Drittel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Nachhaltiger Konsum - Weltweit

http://www.welt.de/wirtschaft/article131589087/Den-Deutschen-fehlt-das-gruene-Gewissen.html

[...]


1 https://www.nachhaltigkeitspreis.de/home/preis/leitbild/

2 http://www.zukunftsprojekt-erde.de/fileadmin/de.wissenschaftsjahr- 2012/content_de/Presse/Pressemitteilungen/Auswertung-Nachhaltigkeit.pdf

3 vgl. Carlowitz [1713] 2009, S. 88, S. 150

4 http://www.un-documents.net/ocf-02.htm

5 http://www.bmub.bund.de/themen/strategien-bilanzen-gesetze/nachhaltige-entwicklung/strategie-und- umsetzung/nachhaltigkeit-als-handlungsauftrag/

6 http://www.umweltethik.at/wp/wp-content/uploads/SchmuckWerteBasis.pdf

7 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/corporate-social-responsibility.html, http://www.csr-mittelstand.de/csr

8 Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung, von Hauff, M., 2014, De Gruyter

9 http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/13/112/1311200.pdf

10 http://www.itas.kit.edu/pub/v/1999/joua99a.pdf

11 Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung, von Hauff, M., 2014, De Gruyter

12 Anhang 1

13 Anhang 2

14 Anhang 3

15 Anhang 4

16 Anhang 5

17 Anhang 6

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Nachhaltiger Konsum. Qualitative Studie zum Konsumverhalten in Deutschland
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Empirisches Projekt
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
76
Katalognummer
V352267
ISBN (eBook)
9783668404786
ISBN (Buch)
9783668404793
Dateigröße
4176 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsum, Handel, Ernährung, Veganismus
Arbeit zitieren
Maike Schubert (Autor)Maria Stuffrein (Autor), 2016, Nachhaltiger Konsum. Qualitative Studie zum Konsumverhalten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352267

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