Anglizismen im Sportjournalismus

„Sport Bild”, „Kicker”, „Bravo Sport” und „Fit for Fun” im Vergleich


Facharbeit (Schule), 2015
73 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Verwendung von Anglizismen im DLV

2 Theoretischer Teil
2.1 Ziel der Arbeit
2.2 Begriffsbestimmungen
2.2.1 Definition Anglizismus
2.2.2 Gliederung des Lehnguts
2.2.3 Definition Sportsprache
2.3 Forschungsstand
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Geschichtliche Entwicklung des englisch-deutschen Sprachkontakts
2.3.3 Ursachen für den Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache

3 Empirischer Teil: Untersuchung der Anglizismenverwendung in der Sportsprache
3.1 Korpus und Erklärung der Vorgehensweise
3.1.1 Korpus
3.1.2 Grundlagen der Frequenzermittlung
3.1.3 Grundsätze der Auszählung
3.2 Auswertung und Analyse der Untersuchungsergebnisse
3.2.1 Vergleich der Zeitschriften
3.2.1.1 Frequenz der Anglizismen
3.2.1.2 Häufig gebrauchte Anglizismen
3.2.1.3 Häufigkeit der Anglizismen gegliedert nach den lexikalischen Entlehnungskategorien
3.2.2 Wirkung und Funktion der verwendeten Anglizismen
3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

4 Fazit und Ausblick auf mögliche Entwicklung der Anglizismen im Sport

1 Verwendung von Anglizismen im DLV

Silbermedaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Normalerweise eine erfreuliche Nachricht, jedoch nicht bei der Wahl zum „Sprachpanscher der Jahres 2015“, die seit 1998 jährlich von ca. 35.000 Mitgliedern vom Verein Deutsche Sprache e.V. durchgeführt wird. Schon bei den Olympischen Spielen 2012 in London ist der DLV negativ aufgefallen, da die Mannschaft dort als Team Germany und nicht als Deutschland aufgetreten ist und dies auch auf den Trikots der Athleten zu lesen war. Nachdem die Sportler auch bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau 2013 und Peking 2015 so aufgelaufen sind, wurde der DLV kritisiert und für diesen Preis nominiert. Dieser zweite Platz und auch die Tatsache, dass bereits 2009 dem Deutschen Turner-Bund diese „Auszeichnung“ zum „Sprachpanscher des Jahres“ verliehen wurde, zeigt deutlich, dass der englische Lehneinfluss nicht nur in der Jugend- und Werbesprache immer mehr zunimmt, sondern Anglizismen auch in der Sportsprache eine entscheidende Rolle spielen. [1] Grund genug, um sich genauer mit diesem Bereich zu befassen und zu untersuchen, wie hoch der Anglizismenanteil in der Sportsprache ist.

2 Theoretischer Teil

2.1 Ziel der Arbeit

Bis heute hat es einige Analysen gegeben, die sich mit dem Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache beschäftigt haben. Häufig geschieht dies mittels der Pressesprache, die auch in dieser Arbeit Gegenstand der Analyse sein wird. Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, Anglizismen in der Sportsprache zu untersuchen. Dazu werden zuerst grundlegende Begriffe erklärt und außerdem bisherige Forschungsergebnisse zu Anglizismen im Allgemeinen und zum Teilbereich der Sportsprache zusammengefasst, um ein besseres Verständnis für den folgenden Teil zu gewährleisten. Im Anschluss daran wird anhand einer empirischen Untersuchung die Verwendung von Anglizismen in der Sportsprache mit Hilfe der Sportzeitschriften Sport Bild, Kicker, Bravo Sport und Fit for Fun ermittelt. Die Zeitschriften werden verglichen und die Gründe für mögliche Unterschiede im Anglizismengebrauch gesucht. Ziel ist es, neue Erkenntnisse im Bereich von Anglizismen in der Sportsprache zu gewinnen, da dieser im Gegensatz zu anderen wie „Werbung“ und „Mode“ noch nicht ausreichend untersucht wurde.

2.2 Begriffsbestimmungen

2.2.1 Definition Anglizismus

Da der Begriff Anglizismus in der Vergangenheit viele Bedeutungserweiterungen bzw. –einschränkungen erfahren hat, definieren viele Autoren der Anglizismenforschung diesen Begriff immer wieder neu und unterschiedlich (Vgl. Zindler 1959; Pfitzner 1978; Yang 1990).[2] Die für diese Arbeit verwendete Definition wird von Yangübernommen:

‚Anglizismus‘ ist der Oberbegriff von Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch, dem britischen Englisch sowie denübrigen englischen Sprachbereichen, wie Kanada, Australien, Südafrika u.a.[3]

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird jegliches Wortmaterial aus den genannten anglofonen Bereichen als Anglizismus bezeichnet. Eine Einteilung der Anglizismen zwischen American English (AE) und British English (BE) wird nicht vorgenommen, da aufgrund der parallel laufenden Einflüsse sowie weiterer fremdsprachlicher Einwirkungen auf das Deutsche nicht genau festzustellen ist, ob es sich um Ausdrücke aus dem AE oder BE handelt.[4]

2.2.2 Gliederung des Lehnguts

Grundsätzlich gilt Entlehnung als Begriff für „Vorgang und Ergebnis derübernahme eines sprachlichen Ausdrucks aus einer Fremdsprache in die Muttersprache“[5]. Hier muss man zwei grundlegende Arten unterscheiden, nämlich Lehnwörter und Lehnprägungen. Unter Lehnprägung versteht man die „Nachbildung eines fremdsprachlichen Inhalts mit den Mitteln der Muttersprache“[6]. Dieser latente Einfluss des Englischen, für den als Beispiel die Lehnübersetzung Fußball von football genannt werden kann, soll in dieser Arbeit nicht registriert werden. Im Gegensatz dazu werden die von Yang als „äußeres Lehngut“[7] bezeichneten Wörter in vier Kategorien gegliedert. Dazu wird die von ihm vorgenommene Einteilung in direkte Entlehnungen, Mischkomposita und Scheinentlehnungenübernommen und aufgrund von vielen Eigennamen in der Sportsprache noch um diese Kategorie ergänzt.[8]

Als Lehnwort (LW) werden alle fremdsprachlichen Lexeme oder Lexemverbindungen bezeichnet, die phonologisch, orthographisch, morphologisch oder semantisch an die deutsche Sprache angepasst wurden. Das Fremdwort (FW) wurde wie das Lehnwort aus einer Fremdsprache entlehnt, hat sich aber „(noch) nicht in das graphemische bzw. morphophonemische System der Sprache eingepasst“[9].[10] Die Abgrenzung von FW und LW ist allerdings schwierig und derübergang oft fließend, weshalb in der folgenden Analyse auf eine Unterscheidung verzichtet wird.

Mischkomposita (MK) sind Verbindungen aus deutschen bzw. anderssprachigen und englischen Lexemen. Diese werden häufig ohne englisches Vorbild gebildet und sind aufgrund der daraus folgenden Bildung neuer Wörter wichtig zur Erweiterung des deutschen Wortschatzes.[11]

Von FW, LW und MK abzugrenzen sind Scheinentlehnungen bzw. Scheinanglizismen (SA). Diese werden zwar mit Sprachmitteln der Gebersprache gebildet, sind in dieser jedoch unbekannt.[12] Als bekanntes Beispiel außerhalb des Sports ist Handy aufzuführen. Eine Einteilung der Scheinentlehnungen, wie die von Yang, wird in dieser Arbeit nicht vorgenommen.

Als Eigennamen (EN) gehen alle Wörter in die Zählung ein, die von anderen Institutionen festgelegt sind und somit zwangsläufig im Deutschen verwendet werden. Dies können Bezeichnungen für Sportveranstaltungen (z.B.: Champions League), Vereine (z.B.: Red Devils), im Sport verwendete Geräte (z.B.: Hawk Eye) u.Ä. sein.

2.2.3 Definition Sportsprache

Im Laufe der Jahre haben viele Wissenschaftler versucht, eine eindeutige Definition der Sportsprache zu finden. Doch die schon 1953 verfasste Erklärung von Manfred Bues wird auch heute noch in einigen Arbeiten verwendet und auch für diese wird sie als geeignet erachtet. Die „Sportsprache ist die Sprache, die die Sportgemeinde bei dem Sport und in Gesprächen usw.über den Sport verwendet.“[13]. Die genannte Sportgemeinde besteht nach Bues aus den Sportlern selbst, den Trainern, Betreuern und Schiedsrichtern sowie den Sportberichterstattern und Zuschauern.[14] Demnach zählt die Sprache der Sportzeitschriften ebenso zur Sportsprache wie die der Sportler selbst. Somit kann aus dem Anglizismengebrauch in den Zeitschriften auf die Verwendung in der gesamten Sportsprache geschlossen werden. Grundlegend gilt die Sportsprache als ein besonderer Wortschatz[15], welcher „in den letzten Jahrzehnten das Bild unserer Muttersprache […] beeindruckt und gestaltet“[16] hat und somit auch die Anglizismenverwendung in der gesamten deutschen Sprache prägt. Daraus kann man folgern, dass Aussagenüber die Sprache der Sportberichterstattung Aussagenüber Tendenzen des heutigen Sports und deshalb auchüber gesellschaftliche Bedingungen sind.[17]

2.3 Forschungsstand

2.3.1 Allgemeines

Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts analysieren und bewerten viele Linguisten den englischen Einfluss auf die zeitgenössische deutsche Sprache. Vor allem nach 1945 wurden einige Werke veröffentlicht, die heute noch als Standardwerke der Anglizismenforschung gelten (z.B.: Zindler 1959, Carstensen 1965, Fink 1968).[18] Diese und auch die meisten Arbeiten, die seitdem entstanden sind, beschäftigen sich vorrangig mit den Gründen für Entlehnungen, deren zeitlicher Entwicklung und ihren Gefahren. Außerdem wurden einige Werke zu Anglizismen in den Bereichen „Mode“ und „Werbung“ verfasst (z.B.: Kuhlmey 2008, O'Halloran 2002).über den Bereich Sport finden sich nur wenige Arbeiten, die sich aber meist nicht auf die Sprache in der Sportpresse beziehen (z.B.: Stöckl 1998). Beispielsweise Blažević und Tautenhahn beschäftigten sich bislang mit Anglizismen in der Sportpresse, untersuchten diese jedoch mithilfe von Tageszeitungen. Da sich diese aber an die Allgemeinheit und nicht direkt an den Sportfan richten[19], ist zu vermuten, dass hier weniger sportspezifische Sprache verwendet wird als in Fachzeitschriften.

2.3.2 Geschichtliche Entwicklung des englisch-deutschen Sprachkontakts

Das erste englische Lehnwort, das in die deutsche Spracheübernommen wurde, soll Boot um 1260 gewesen sein. Aber erst seit dem 19. Jahrhundert ist ein bedeutender Einfluss des Englischen zu bemerken, der durch die Vormachtstellung Englands in vielen Bereichen des modernen Lebens, wie beispielsweise Industrie und Handel, bedingt war.[20] Da zeitgleich auch die englischen Sportarten in Deutschland modern wurden, war ein Vokabular zum Beschreiben dieser Spiele notwendig. Deshalb wurden zusammen mit den Sportarten auch ihre englischen Terminologien eingeführt.[21] Neben dem Boxen (knock-out) und der rasanten Entwicklung des Pferdesports (Turf, Derby) ist hier der Fußball (Training) als wichtigstes Beispiel zu nennen.[22] Demnach hatte der 1900 gegründete Deutsche Fußballbund (DFB) zunächst nur die Möglichkeit, die schon häufig von den Sportlern verwendeten englischen Fachtermini zu verwenden.[23] Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war vor allem der Sport für eine Vielzahl von Anglizismen verantwortlich.[24] Aber auch in der Allgemeinsprache nimmt in dieser Phase der englische Lehneinfluss, der nur aufgrund der puristischen Sprachhaltung und dem Wunsch nach einer „reinen Sprache“ während der Weltkriege und der Nazizeit vorübergehende Rückgänge erfuhr, weiter zu.[25] Im Laufe der Zeit wurden vereinzelte fremde fachsprachliche Ausdrücke durch deutsche Wörter ersetzt.[26] So verurteilte bereits Koch Anfang des 20. Jahrhunderts die englischen Begriffe in der Fußballsprache[27] und stellte diese, mit dem Versuch, deutsche Begriffe zu integrieren, zur Diskussion.[28] Von Koch eingeführte Wörter, die damals auch vom DFBübernommen wurden und auch noch heute Verwendung finden[29], sind beispielsweise Abseits für offside, Ecke für corner oder Stürmer für forward.[30] Auch in anderen Sportarten wurden manche englische Begriffe durch deutsche ersetzt (racket durch Schläger im Tennis).[31] Nach dem 2. Weltkrieg drangen das BE und das AE in alle Gesellschaftsbereiche vor. Dieser starke englisch-amerikanische Einfluss hält bis heute an. Auffällig ist, dass heute die entlehnten Wörter nicht mehr an die Sprache angepasst werden, sondern in ihrer Ursprungsformübernommen werden.[32] Gingen englische Termini zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch häufig als Lehnprägungen (Fußball von football) oder zumindest mit einem angehängten deutschen Suffix (Boxen) in den deutschen Sprachgebrauchüber, wird heute Großteils (lange) auf eine graphematisch-phonologische Integration verzichtet.[33] Im Vergleich zu Entlehnungen aus dem Französischen und Lateinischen kann man feststellen, dass dieübernahmen aus dem Englischen eine relativ junge Erscheinung sind.[34] Die Tatsache, dass viele Sportarten aus dem anglofonen Raum, die im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts in Deutschland bekannt wurden, noch ihre meist aus dem AEübernommenen Namen tragen und allgemein in der deutschen Sprache akzeptiert sind (Nordic Walking, Paintball, Rafting, Beachsoccer)[35], zeigt auch, dass die letzten zwei Jahrzehnte das deutsche Sportvokabular eindeutig durch die englische Sprache geprägt wurde.[36] Heute sind viele englische Begriffe schon so etabliert und verbreitet, dass sie von einigen nicht mal mehr als Fremdwörter empfunden werden (Star, Manager, Training).[37]

2.3.3 Ursachen für den Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache

Anglizismen werden nie grundlosübernommen, jedoch haben sich deren Gründe im Laufe der Zeit verändert und sind je nach Verwendungsbereich unterschiedlich.[38] Generell kann man sagen, dass Entlehnungenüberall dort gebraucht werden, wo keine deutschen Wörter bestehen, aber neue Gegenstände, neues Denken und Fühlen benannt werden müssen. Oft sindübernahmen zwar nicht dringend notwendig, helfen aber, die Sprache zu bereichern und Wortfelder genauer zu gliedern. Heutzutage haben englische Wörter vor allem in den Bereichen Mode und Unterhaltung ein soziales Prestige. Ein weiterer Grund für Entlehnungen aus dem Englischen liegt in der Kürze vieler dieser Wörter.[39] Neben diesen aufgeführten sprachlichen Ursachen existieren auch außersprachliche Gründe für dieübernahme von englischen Begriffen. So sind Entlehnungen kein rein linguistisches Phänomen, sondern hängt der Einfluss von Fremdsprachen auch immer mit kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Tendenzen zusammen. Beispiele für außersprachliche Ursachen sind die wirtschaftliche Hilfe der USA im Rahmen des Marshall-Plans, die Sonderstellung des Englischen in einigen internationalen Organisationen oder auch die Stellung des Englischen als erste Fremdsprache in Deutschland.[40] In der Sportsprache ist neben der Popularität des englischen Profisports auch die Entwicklung von Sportarten der Neuzeit, die zum Großteil erst aus Großbritannien, jetzt meist aus Australien und den USA stammen, ein außersprachlicher Faktor.[41] Des Weiteren waren verbesserten Sprachkenntnisse der deutschen Bevölkerung, die auch eine Ursache für den Verzicht auf Anpassung der englischen Lexeme sind[42], und auch die Erfindung des Internets mit der dadurch verbundenen globalen Vernetzung entscheidende Faktoren für den starken Anstieg der Anglizismen Ende des 20. Jahrhunderts.[43]

3 Empirischer Teil: Untersuchung der Anglizismenverwendung in der Sportsprache

3.1 Korpus und Erklärung der Vorgehensweise

Um die Sportsprache zu untersuchen, stützt sich die empirische Untersuchung dieser Arbeit nur auf Printmedien, genauer auf bestimmte Sportmagazine, da die Ergebnisse so leichter zu dokumentieren sind und die Analyse von Fernseh- und Radioberichten den machbaren Rahmen der Arbeitüberschreiten würde. Untersucht wurden die Zeitschriften Sport Bild (SB), Kicker (K), Bravo Sport (BS) und Fit for Fun (FfF), die im Anschluss noch genauer vorgestellt werden. In den genannten Zeitschriften wurden zuerst die als Anglizismen betrachteten Wörter unterstrichen und anschließend mithilfe verschiedener Nachschlagewerke auf ihren Status als Anglizismus geprüft. Aus den gefundenen Anglizismen wurden Tabellen erstellt und darauf aufbauend die Zeitschriften auf Frequenz, Verwendungshäufigkeit sowie Gründe und Wirkungen der verwendeten Anglizismen verglichen.

3.1.1 Korpus

Die Zeitschriften werden im Folgenden auf ihre Zielgruppe, Auflagestärke und die behandelten Themen untersucht, um im weiteren Verlauf Rückschlüsse auf die Verwendung von Anglizismen zu ziehen.

Die Sport Bild ist Europas größte Sportzeitschrift, die von allen Altersgruppen, vor allem von Männern gelesen wird (97%). Im Mittelpunkt steht das Thema Fußball, auf ca. 15% der Seiten wird aber auchüber andere Sportarten wie Tennis und Boxen berichtet.[44] Sport Bild wurde wie Kicker ausgewählt, da sie zu auflagestärksten Sportzeitschriften gehören und somit ein breites Publikum erreichen (Sport Bild: 349.672[45] ; Kicker Montagsausgabe: 193.359[46] ). Kicker bezeichnet sich selbst als „die Nummer 1 im Fußball“[47], berichtet also bis auch wenige Artikelüber Motorsport nurüber Fußball. Der Großteil der Kicker -Leser ist männlich (96,4%), jung, gebildet, einkommensstark und sportlich.[48] Bravo Sport ist laut eigener Aussage die größte Sportzeitschrift Europas für Jugendliche und hat Fußball als Hauptthema. Außerdem werden die Themen Fun- und Actionsport sowie Formel 1 behandelt. Die Zielgruppe sind Jugendliche, genauer gesagt Jungen im Alter von zehn bis 19 Jahren. Das Magazin hat eine Auflage von 100.695 Exemplaren.[49] Bravo Sport spricht also eine andere Zielgruppe an als Sport Bild und Kicker, behandelt aber ähnliche Themengebiete. Fit for Fun spricht als größte Fitness- und Lifestylemarke Deutschlands vor allem Menschen an, die neben ihrem Beruf als Ausgleich Spaß an Sport und Fitness haben und durch dass Magazin motiviert und inspiriert werden. Die Zeitschrift wurde ausgewählt, da sie zum einen hohen Anteil weiblicher Leserinnen hat (63.7%) und außerdem andere Unterthemen behandelt. Sie zeigt somit einen anderen Aspekt der Sportsprache und ist mit einer Auflage von 137.368 die Nummer eins in diesem Bereich.[50] Untersucht wurden je zwei Ausgaben jeder Zeitschrift aus dem Jahr 2015. Voraussichtlich wird zu erkennen sein, dass in der Sportsprache viele Eigennamen und sportartenspezifische Anglizismen verwendet werden. Außerdem ist zu erwarten, dass die Anzahl der Anglizismen in der Jugendzeitschrift Bravo Sport und im Bereich Fitness höher ist als in den anderen Zeitschriften.

3.1.2 Grundlagen der Frequenzermittlung

Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, muss der Häufigkeit der Anglizismen ein Basiswert gegenübergestellt werden. Aufgrund der ungenauen Ergebnisse soll aber nicht wie bei anderen Arbeiten dieser Art der Anteil der Anglizismen je Seite bestimmt werden (z.B. Fink, 1997), sondern mithilfe der Gesamtwörterzahl der Zeitschriften ein genauer Prozentsatz errechnet werden.

3.1.3 Grundsätze der Auszählung

Die Ausgaben werden komplett untersucht, nur Werbung wird nicht mit einbezogen, da diese nicht in direktem Zusammenhang mit der Sportsprache steht. Außerdem werden Statistiken und Tabellen aufgrund der häufigen Mehrfachverwendung der Begriffe nicht berücksichtigt. Diese Seiten werden auch bei den Gesamtwörterzahlen nicht mit einbezogen. Bis auf Personen-, Marken- und Firmennamen gehen alle Anglizismen sowie Abkürzungen und Ableitungen von Anglizismen mit in die Zählung ein. Des Weiteren wird nur äußeres Lehngut untersucht, inneres Lehngut wird nicht registriert.

3.2 Auswertung und Analyse der Untersuchungsergebnisse

3.2.1 Vergleich der Zeitschriften

3.2.1.1 Frequenz der Anglizismen

In den beiden Ausgaben von Sport Bild sind 797 verschiedene Anglizismen (types) zu beobachten, die insgesamt 1855 mal verwendet werden (tokens). Die durchschnittliche Verwendungsfrequenz beträgt somit 2,33. Setzt man die Zahl der Anglizismen (tokens) in Relation mit der Gesamtwörterzahl ergibt sich ein prozentualer Anglizismenanteil von 2,73%. Somit ist durchschnittlich jedes 37. Wort ein Anglizismus. Im Kicker finden sich 832 verschiedene Anglizismen, die insgesamt 2512 mal verwendet werden. Demnach ist jedes 43. Wort (2,30%) ein Anglizismus, die im Schnitt 3,02 mal Verwendung finden. In der Bravo Sport ist mit 7,10% (jedes 14. Wort) der höchste Anteil an Anglizismen zu bemerken. Es wurden 839 types und 1686 tokens festgestellt (Verwendungshäufigkeit von 2,01). Die beiden Ausgaben von Fit for Fun enthalten bei einem Anglizismenanteil von 4,86% (jedes 21. Wort) 1307 types und 2308 tokens. Im Durchschnitt findet also jeder Anglizismus 1,77 mal Verwendung (vgl. Tabelle 1).

Der Vergleich der Anglizismenverwendung in den Zeitschriften zeigt, dass die Werte sehr unterschiedlich sind. In der Jugendzeitschrift Bravo Sport finden sich zwar die wenigsten Anglizismen, durch die Relation mit der Gesamtwörterzahl ergibt sich aber, dass hier der Anglizismenanteil deutlich höher liegt als in den anderen analysierten Zeitschriften. Fit for Fun hat mit 4,86% noch einen starken Anglizismengebrauch, gefolgt von Sport Bild und Kicker, die mit jeweils unter 3% deutlich weniger Anglizismen aufweisen. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sozialpsychologische Faktoren eine große Rolle spielen. Der Sprecher, in diesem Fall die Zeitschriften, will durch die Verwendung von Anglizismen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bzw. Schicht signalisieren.[51] Da Jugend häufig mit modern und deshalb auch mit Amerika als neue Welt gleichgesetzt wird, versuchen Jugendzeitschriften wie Bravo Sport ihre Leser durch die passende Jugendsprachlichkeit anzusprechen.[52] Dies führt dann häufig dazu, dass in Bravo Sport viele fest im deutschen Sportvokabular verankerte Bezeichnungen durch englische ersetzt werden, was wiederum den hohen Anglizismenanteil erklärt.

Desweiteren hängt die Häufigkeit von Anglizismen immer von den Themen und Ereignissen ab,über die berichtet wird.[53] Da Bravo Sport aber ähnliche Themengebiete behandelt wie Sport Bild und Kicker, kann dies kein Grund für den unterschiedlichen Anglizismenanteil sein. Im Gegensatz dazu ist die Verwendung von Anglizismen in der Fit for Fun auch durch die andere Themenwahl zu begründen. Da der in der Fit for Fun vorherrschende Fitnesssport im Gegensatz zu den „traditionellen“ Sportarten, wie sie in SB, K und BS angesprochen werden, eine relativ neue Bewegung ist, gibt es auch mehr Anglizismen, die aufgrund des hohen Einflusses des Englischen Ende des 20. Jahrhundertsübernommen wurden (Workout [54], Sixpack [55] ). Hier spielen auch englische Namen für bestimmte Kraftübungen und Trainingsprogramme eine entscheidende Rolle (Lay-Down Push-Ups [56], Tube-Twist [57] ). Kicker richtet sich als Sportfachzeitschrift und durch viele detaillierte Berichte explizit an Sportfachmänner, es wird also davon ausgegangen, dass die Leser dieser Zeitschrift das verwendete Sportvokabular verstehen. Daraus, dass Kicker anders als Bravo Sport nicht die Jugendsportgemeinde durch Einsatz besonderer Sprache erreichen will, kann man schließen, dass die verwendeten Anglizismen in den allgemeinen Sprachgebrauch des Sportsübergegangen sind und schon länger in diesem benutzt werden. Die Sport Bild als Boulevardzeitschrift ist geprägt durch einfachere Sprache und kürzere Sätze als im Kicker, was dazu führt, dass öfter englische Ausdrücke statt ihrer längeren deutschen Entsprechungen verwendet werden. Dies kann als Ursache für den (geringfügig) höheren Anglizismenanteil gegenüber Kicker betrachtet werden, da bezüglich der verwendeten Themen und der angesprochenen Zielgruppe kaum Unterschiede auszumachen sind.

3.2.1.2 Häufig gebrauchte Anglizismen

Bei Betrachtung der am häufigsten verwendeten Anglizismen (vgl. Tabellen 2-5) zeigt sich, dass in diesem Bereich in allen vier Zeitschriften hauptsächlich Nomen vorkommen. Der mit Abstand am häufigsten verwendete Anglizismus in Sport Bild und Kicker ist das Wort Trainer bzw. Trainerin. Es wird in Sport Bild insgesamt 271 mal verwendet, davon steht es 154 mal allein und 117 mal wird mit ihm ein Kompositum gebildet. Dieser Begriff macht prozentual gesehen 14,6% der in Sport Bild gefundenen Anglizismen aus, im Kicker, in dem der Anglizismus von insgesamt 382 Verwendungen 294 mal alleine und 88 mal als Kompositum gebraucht wird, sogar 15,2%. In Bravo Sport wird die Liste der meistgebrauchten Anglizismen von dem Begriff Star angeführt. Von den 174 Belegenüber dieses Wort entfallen nur 51 auf eine isolierte Verwendung und 123 auf ein Kompositum. Der Anteil dieses Begriffs an den tokens beträgt somit 10,3%. Das Wort Sport ist vor Training der am häufigsten verwendete Anglizismus in Fit for Fun, da es bei einem Anteil von 7,3% der gebrauchten Anglizismen insgesamt 170 mal Verwendung findet (102 mal eigenständig, 68 mal als Kompositum).

Wie bereits erläutert, ist die Frequenz der Anglizismen immer abhängig von den Themen und Inhalten der Zeitschriften. Von den zehn Anglizismen mit den meisten Belegen in Sport Bild finden sich fünf sowohl in Kicker als auch in Bravo Sport wieder. Bei Betrachtung der vier Zeitschriften zeigt sich aber keineübereinstimmung, woraus sich die Schlussfolgerung ziehen lässt, dass Sport Bild, Kicker und Bravo Sport über ähnliche Themen (v.a. Fußball) berichten, wodurch auch ein gemeinsamer Wortschatz benötigt wird, Fit for Fun aber andere Themengebiete behandelt und deshalb andere Anglizismen benutzt werden. Des Weiteren kann man feststellen, dass der Anteil der zehn am häufigsten verwendeten Anglizismen an den tokens in Sport Bild (55,7%) und Kicker (53,1%) beiüber 50% liegt, bei Bravo Sport (41,6%) und Fit for Fun (32,9%) aber deutlich niedriger ist. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die in Sport Bild und Kicker häufig verwendeten Anglizismen von der sportinteressierten Leserschaft verstanden werden und in der deutschen Sprache, speziell in der Sportsprache, in den allgemeinen Sprachgebrauchübergegangen sind. Das Beschreiben des Sports ist für die Berichterstatter und die Sportler selbst ohne diese Begriffe nicht mehr vorstellbar, weshalb man sagen kann, dass diese zum Grundvokabular der Sportsprache gehören. Für die häufigsten Anglizismen in Bravo Sport und Fit for Fun gilt dies in gleicher Weise, nur lässt sich aus diesen Zahlen und auch in Bezug auf die geringere Verwendungsfrequenz je Anglizismus (BS: 2,01; FfF: 1,77) schließen, dass neben diesen dem Grundvokabular angehörenden Anglizismen noch einige andere benutzt werden, die nicht zwingend benötigt werden. Auf deren Funktion wird im Folgenden noch genauer eingegangen.

3.2.1.3 Häufigkeit der Anglizismen gegliedert nach den lexikalischen Entlehnungskategorien

Der Kategorie FW/LW sind in den vier Zeitschriften in Bezug auf die tokens die meisten Belege zuzuordnen, was hauptsächlich durch die häufige Verwendung einiger Begriffe zu begründen ist (Trainer, Sport; vgl. 3.2.1.2; Diagramme 1-4). Bei Betrachtung der types kann man aber feststellen, dass sowohl in Sport Bild als auch in Kicker die Mischkomposita die größte Gruppe einnehmen (vgl. Tabelle 6). Dies liegt vor allem darin begründet, dass in Berichtenüber Mannschaftssportarten häufig Komposita mit Spieler-, Vereins- und Liganamen bzw. deren Abkürzungen gebildet werden (BVB-Fan [58], Bundesliga-Trainer [59], Bayern-Transfers [60], Shaq-Deal [61] ). Da sich für diese Komposita unendlich viele Möglichkeiten bilden lassen, ergibt sich auch die hohe Anzahl der types in dieser Gruppe. In Fit for Fun ist der Anteil dieser Kategorie aufgrund der als Thema fehlenden Mannschaftssportarten und der dadurch nicht möglichen Bildung der eben beschriebenen MK deutlich geringer. Die Kategorie der Scheinanglizismen bildet nach den unwesentlich gering auftretenden Verbindungen aus SA und FW/LW (Profiteam [62] ) in allen Zeitschriften die kleinste Kategorie. Der hier am häufigsten auftretende Begriff ist Profi. Das Wort professional wurde aus dem Englischen entlehnt und im Deutschen zu Profi gekürzt. In der Gebersprache wird allerdings nur die Kurzform pro verwendet.[63] Die Gruppe der Eigennamen nimmt sowohl in Bezug auf die tokens als auch auf die types die drittgrößte Gruppe ein. Die Zahl an Eigennamen in den Zeitschriften Sport Bild, Kicker und Bravo Sport lässt sich damit begründen, dass aufgrund der durch hohe Institutionen (v.a. durch Sportverbände wie FIFA, DFB, DLV) festgelegte Namen, vorrangig für Wettbewerbe wie Champions League [64] oder Europa League [65], einige englische Wörter durch die Sportberichterstatter nicht durch deutsche ersetzt werden können, da sonst das Verständnis durch die Leser nicht mehr gegeben wäre. In Fit for Fun liegt die Ursache für englische Eigennamen hauptsächlich in derübernahme der englischen Begriffe für Sportgeräte wie Blackroll [66] oder Kettlebell [67].

3.2.2 Wirkung und Funktion der verwendeten Anglizismen

Wie bereits erwähnt, dienen Anglizismen häufig zur Schließung lexikalischer Lücken in der Nehmersprache, z.B. wenn durch die Einführung einer neuen Sportart ein Wortschatz zur Beschreibung dieser nötig wird. Ein Beispiel für diese Funktion ist die Fußballsprache. Für die aus England nach Deutschland gekommene Sportart wurden zunächst der englische Fachterminusübernommen[68], der auch heute noch zum Teil erhalten ist (Trainer, Club/Klub, Cup)[69]. Diese Funktion gilt auch noch für die in der heutigen Zeitübernommenen Sportarten aus dem englischen Sprachbereich, vor allem aus den USA. Beispielsweise wurden im Stand Up Paddling Begriffe wie SUP-Board oder Long-Distance-Rennen übernommen.[70] Neben den bereits aufgeführten Gründen für die Unterschiede zwischen den vorliegenden Zeitschriften gibt es auch pragmatische Hintergründe für die Verwendung von Anglizismen, die sogenannten Stilfunktionen. Durch diese mehr oder weniger kontrollierte Auswahl sprachlicher Mittel kommt es zu einem charakteristischen Sprachgebrauch eines Textes, der auch als Stil bezeichnet wird.[71] Die Voraussetzungen, dass Anglizismen weder einen großen Teil des deutschen Wortschatzes ausmachen, noch von allen Sprachteilnehmern verstanden werden und häufig auch im Deutschen lexikalische Entsprechungen oder sogar Synonyme für diese Wörter vorhanden sind, machen deren Verwendung zur Stilfrage.[72] Diese stilistische Funktion ist demnach meist die Ursache für Entlehnungen, die nicht zur Schließung von Lücken im deutschen Wortschatz dienen.[73] Die in diesem Korpus registrierten Anglizismen werden unter den Gesichtspunkten Kolorit, Sprachökonomie, Auffälligkeit und Ausdrucksvariation sportsprachenspezifisch untersucht.[74] Es ist natürlich möglich, dass bestimmte Anglizismen mehrere Funktionen haben.

Da die Zahl deutscher Synonyme begrenzt ist, dienen Anglizismen vor allem bei einer Vielzahl journalistischer Texteüber den gleichen Themenbereich der Steigerung der Ausdrucksmöglichkeiten.[75] Diese Funktion tritt im vorliegenden Korpus vor allem in Sport Bild und Kicker auf. Da diese Zeitschriften fast ausschließlichüber Fußball berichten, werden oft englische Ausdrücke verwendet, um Eintönigkeit zu vermeiden. Teilweise werden auch neue englische Begriffe als Synonyme für bereits bestehende eingeführt (Coach für Trainer)[76]. Weitere Beispiele für Ausdrucksvariation sind Ticket[77] für Eintrittskarte oder Team[78] für Mannschaft.

Außerdem spielt in der Sportsprache die Sprachökonomie, also einerseits die Kürze von Wortumfang und –komposition, andererseits auch die Präzision des Ausdrucks, eine große Rolle.[79] Dies liegt zum einen darin begründet, dass der Anteil kurzsilbiger Wörter im Englischen deutlich höher ist als im Deutschen.[80] Außerdem fehlt den deutschen Wörtern bzw.übersetzungen oftmals die sportsprachliche Präzision.[81] Durch das Englische ergibt sich auch in der Sportsprache eine Vielzahl genauerer Ausdrucksmöglichkeiten. Diese Kürze und Prägnanz ist primär für schnelle Anweisungen während eines Sportspiels, aber auch für den Sportjournalisten aufgrund von Zeit- und Platzgründen von Bedeutung.[82] Deutlich wird diese Sprachökonomie der englischen Ausdrücke gegenüber ihren deutschen Synonymen oder Paraphrasen auch bei Betrachtung einiger Beispiele aus diesem Korpus (vgl. Tabelle 7). Exemplarisch ist das Wort Training zu nennen, das exakt beschrieben eine „planmäßige Durchführung eines Programms von vielfältigenübungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit”[83] ist. Diese Lehnwörter sind besonders beliebt, da sie Dinge in einer Art und Weise ausdrücken können, wie es die deutsche (Sport-) Sprache sonst nicht vermag. Noch ökonomischer sind entlehnte Abkürzungen wie CL-Saison [84] oder VIP [85] .

Zwar nicht in der gesprochenen Sportlersprache, sehr wohl aber in der Sprache der Sportberichterstatter ist auch die Auffälligkeit der Anglizismen ein entscheidendes Kriterium. Für das deutsche Sprachempfinden müssen die Entlehnungen als ungewöhnlich undüberraschend gelten. Da aber die Auffälligkeit eines Anglizismus proportional zu seiner Verbreitung abnimmt, bilden Sportjournalisten immer wieder neue, auffällige Zusammensetzungen aus deutschen und englischen Morphemen. Diese Komposita werden häufig inüberschriften[86] und Bezeichnungen für Kategorien in den Magazinen[87] verwendet, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken.[88] Wie in diesem Korpus zu beobachten ist, sind den Kombinationen aus englischen und deutschen Wörtern auch aufgrund der vielfältigen Komposita mit Vereins- und Liganamen keine Grenzen gesetzt. Bei diesen Wörtern ist zu bemerken, dass es teilweise verschiedene Schreibweisen für das gleiche Wort gibt (Scorer-Punkt[89] /Scorerpunkt[90] ). Da sich bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Lehnwort bzw. Mischkompositum einen festen Platz im Wortschatz der Nehmersprache gefunden hat, keine bestimmte Schreibweise durchgesetzt hat, ist diese dem jeweiligen Journalistenüberlassen.

Für die Sportsprache sind außerdem Sozial-, Fach- und Lokalkolorite, die in den verschiedenen Zeitschriften und auch in bestimmten Bereichen der Sportsprache unterschiedlich stark zum Tragen kommen, von Bedeutung.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich gesellschaftliche Schichten in Bezug zu ihrem Verhalten zu Fremdwörtern unterscheiden. Galten sie früher noch als Merkmal der Oberschicht, hängt ihre Verwendung heutzutage neben der sozialen Stellung und dem Bildungsgrad auch von Alter und Interessen der jeweiligen Personen ab. Das Sozialkolorit bezeichnet somit das durch den Gebrauch von Anglizismen und die Kopie der Sprache bewirkte Herantreten an sich durch bestimmte Soziolekte oder Jargons auszeichnende Gruppen, die als potentielle Leser ausgemacht sind. Die Gemeinschaft von Sportlern bzw. Sportinteressierten kann als solche Interessensgruppe betrachtet werden. Fachsprachliche Anglizismen gehören aber genauso wie soziale Jargonismen zum Gruppenwortschatz der Sportler, weshalb die Grenzen zwischen der Sonderlexik des Sports und der des zugehörigen sozialen Gruppengefüges oft durchlässig bzw. nicht eindeutig sind.[91] Da die Jugend auch im Bereich der Sportgemeinschaft eine besondere, sich durch Modernität und Offenheit gegenüber der neuen, anglofonen Sportwelt auszeichnende Gruppe darstellt, ist das Sozialkolorit hier besonders stark zu beobachten.[92] Diese Stilfunktion zeigt sich in Bravo Sport deutlich und ist ein hierbei Hauptgrund für den hohen Anglizismenanteil. Beispiele, die einen Sozialkolorit belegen, sind etwa Breakdance-Boy [93], Insta-King [94], Smartphone-Tuning [95], Tennis-Buddys [96] und Weltmeister-Style [97].

Die Sportsprache dient dazu, den sachbezogenen Wortschatz für die Interessensgemeinschaft, die gesamte Sportgemeinde, abzudecken, und kann auch aufgrund der Vielzahl spezifischer Ausdrücke als Fachsprache bezeichnet werden. Fachsprachliche, englische Ausdrücke werden in der Sportsprache gerne verwendet, um Sachbezogenheit, Genauigkeit und Kompetenz zu vermitteln.[98] Durch die sorgfältige Auswahl sportspezifischer Anglizismen lässt sich so ein Fachkolorit erzeugen. Im Korpus dieser Arbeit finden sich in allen vier Zeitschriften Beispiele für Fachkolorit, speziell sind die Anglizismen aber in Kicker und Sport Bild dieser Funktion dienlich. Als Beispiele hierfür sind Dribbling [99], Offensive-Line-Spieler [100], Greenkeeper [101] oder Safety-Car-Phase [102] anzuführen.

Das Lokalkolorit, sonst häufig in Reisebeschreibungen oder Romanen verwendet, dient der Identifikation bzw. Vorstellung mit einem bestimmten Land und seiner Eigenart.[103] In Sport Bild, Kicker und Bravo Sport ist diese Funktion nicht von wichtiger Bedeutung, jedoch soll in Fit for Fun mithilfe von bestimmten Anglizismen der Leser die Zeitschrift mit dem amerikanischen Lebensstil und dessen Fitnesstrends assoziieren. Dies geschieht mit Entlehnungen wie Fitness- und Lifestyle-Consultant [104], Personal Trainer [105] oder Beach-Body-Bootcamp [106].

3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

Die vorliegenden Ergebnisse machen deutlich, dass die in den Zeitschriften benutzte Sportsprache in starkem, wenn auch unterschiedlichem Maße durch Anglizismen beeinflusst wird. Deren Verwendung zeigt sportartenspezifische Differenzen, hauptsächlich in aus dem anglofonen Raumübernommenen Sportarten wurden und werden meist die englischen Fachtermini eingeführt. Grundsätzlich wurde die Hypothese bestätigt, dass in der Jugendsprache des Sports, repräsentiert durch Bravo Sport, und in der Fitnessbewegung, welche das Hauptthema in Fit for Fun darstellt, ein höherer Anglizismenanteil vorliegt als in anderen Bereichen der Sportsprache. Dies liegt vor allem durch das verstärkte Sozial- bzw. Lokalkolorit begründet. Bei den Gründen für Anglizismen ist festzuhalten, dass diese neben dem Schließen lexikalischer Lücken häufig eine Stilfunktion haben. Sportsprachenspezifisch sind primär die Sprachökonomie und das Fachkolorit von Bedeutung, in der Sprache der Sportberichterstatter dienen Entlehnungen aber auch der Ausdrucksvariation und Auffälligkeit. Außerdem kann man feststellen, dass einige englische Begriffe wie Trainer oder Fan dem Grundwortschatz der Sportsprache angehören, da diese sehr häufig verwendet werden. Im Bereich der lexikalischen Entlehnungskategorien lässt sich zusammenfassend sagen, dass durch den häufigen Gebrauch einiger Anglizismen die Fremd-/Lehnwörter den größten Anteil der tokens einnehmen, aber vor allem wegen Kombinationen mit Vereins- und Liganamen viele Mischkomposita zu finden sind. Wie erwartet werden auch etliche sportspezifische Eigennamen verwendet. Da die Massenmedien den allgemeinen Sprachgebrauch prägen, kann man sagen, dass die Anglizismen aus den Zeitschriften auch Verwendung in der Sprache der Sportler finden und von diesen verstanden werden. Auch bei den Entlehnungen mit Stilfunktion ist zu erwarten, dass diese, obwohl sie nicht unbedingt benötigt werden, mit der Zeit auch in den allgemeinen Sportsprachgebrauchübergehen.

4 Fazit und Ausblick auf mögliche Entwicklung der Anglizismen im Sport

Es bleibt festzuhalten, dass die Sportjournalisten englische Begriffeüberall verwenden, wo diese kein deutsches Pendant haben. Existieren deutsche Synonyme, werden diese häufig bevorzugt. Die Ursache für Anglizismen ist demnach auf der stilistischen Ebene zu finden. Die Weiterentwicklung der Anglizismen in der Sportsprache hängt zum einen von der Popularität der US-amerikanischen Sportarten in Deutschland zusammen. Wenn diese weiter an Bedeutung gewinnen und „traditionelle“ Sportarten verdrängen, werden auch die englischen Terminologien noch wichtiger und der Anglizismengebrauch wird weiter steigen. Dies liegt auch darin begründet, dass im 19. Jahrhundert noch versucht wurde, deutsche Terminologien zu schaffen, heutzutage aber beinahe widerstandslos die englischen Begriffe der Sportarten wie Stand Up Paddling übernommen werden.[107] Da diese Verdrängung aber durch die hohe Beliebtheit von Fußball und Handball in Deutschland in naher Zukunft nicht zu befürchten ist, entscheiden auch die Sportberichterstatter, die wie erläutert auch den allgemeinen Sprachgebrauch beeinflussen, wie sich die deutsche Sportsprache und damit verbunden auch die Benutzung der Anglizismen weiterentwickeln wird. Aber auch hohe Institutionen wie der DFB oder der DLV können durch die Festlegung auf englische Begriffe bestimmen, welche Rolle Anglizismen in der Zukunft spielen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die deutsche Sportsprache nicht auf einer Road to Rio, wie der DLV seine Qualifikationsturniere für Olympia 2016 benannt hat [108] , sondern auf einem deutschsprachigen Weg weiterbewegt und der „Sprachpanscher der Jahres“ nicht mehr in der Sportsprache zu finden ist.

Anhang

Tabelle 1: Frequenz der Anglizismen in den Zeitschriften Sport Bild, Kicker, Bravo Sport und Fit for Fun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen 2-5: Wortregister der am häufigsten gebrauchten Anglizismen

Anmerkung:

Eigenständig: Singular, Plural, Adjektive, Steigerungen

Komposita: Verbindung mit anderen deutschen bzw. anderssprachigen Wörtern oder Anhänge durch beispielsweise Vereinsnamen

Tabelle 2: Wortregister der am häufigsten gebrauchten Anglizismen in Sport Bild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Wortregister der am häufigsten gebrauchten Anglizismen in Kicker

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Wortregister der am häufigsten gebrauchten Anglizismen in Bravo Sport

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Wortregister der am häufigsten gebrauchten Anglizismen in Fit for Fun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Anglizismen gegliedert nach den lexikalischen Entlehnungskategorien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 7: Anglizismen für Wortökonomie in Sport Bild, Kicker, Bravo Sport und Fit for Fun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 1: Anglizismen-Arten in Sport Bild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 2: Anglizismen-Arten in Kicker

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 3: Anglizismen-Arten in Bravo Sport

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 4: Anglizismen-Arten in Fit for Fun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 8: Anglizismen-Index

Gefundene Anglizismen in Sport Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] www.vds-ev.de

[2] Vgl. Tautenhahn, S.17.

[3] Yang, S.7.

[4] Vgl. Fink, S. 9.

[5] Bußmann, S. 213.

[6] Bußmann, S. 444.

[7] Yang, S. 10.

[8] Vgl. Yang, S. 16.

[9] Vgl. Bußmann, S. 253.

[10] Vgl. Yang, S. 11.

[11] Vgl. Yang, S. 14f.

[12] Vgl. Yang, S. 12.

[13] Bues, S. 22.

[14] Vgl. Bues, S. 22.

[15] Vgl. Dankert S. 1.

[16] Ostorp, S. 59.

[17] Vgl. Dankert, S. 8.

[18] Vgl. Yang, S. 5.

[19] Vgl. Dankert, S. 7.

[20] Vgl. Polenz, S. 139f.

[21] Vgl. Blažević, S. 122.

[22] Vgl. Dudenredaktion (2006), S. 780f.

[23] Vgl. Dietz, S. 12:

[24] Vgl. Dudenredaktion (2006), S. 780.

[25] Vgl. Polenz, S. 140.

[26] Vgl. Blažević, S. 122.

[27] Vgl. Koch, S. 168.

[28] Vgl. Dankert, S. 11.

[29] Vgl. Dudenredaktion (2006), S. 781.

[30] Vgl. Dankert, S. 12

[31] Vgl. Blažević, S. 122.

[32] Vgl. Polenz, S. 141.

[33] Vgl. Hausmann, S. 40.

[34] Vgl. Yang, S. 1.

[35] Vgl. Born, S. 17f.

[36] Vgl. Born, S. 20.

[37] Vgl. Yang, S. 3.

[38] Vgl. Görlach, S. 92.

[39] Vgl. Buck, S. 131.

[40] Vgl. Yang, S. 1f.

[41] Vgl. Born, S. 17.

[42] Vgl. ebd., S. 20.

[43] Vgl. Blažević, S. 122.

[44] Vgl. www.media-impact.de

[45] Vgl. www.pz-online.de

[46] Vgl. www.olympia-verlag.de

[47] Vgl. ebd.

[48] Vgl. ebd.

[49] Vgl. www.baueradvertising.de

[50] Vgl. www.medialine.de

[51] Vgl. Engels, S. 84.

[52] Vgl. Fink, S. 124f.

[53] Vgl. Viereck, S. 6.

[54] Fit for Fun (8), S. 13.

[55] Fit for Fun (6), S. 23.

[56] Ebd., S. 25.

[57] Fit for Fun (8), S. 125

[58] Sport Bild (28), S. 17.

[59] Ebd., S. 57.

[60] Kicker (70), S. 95.

[61] Bravo Sport (17), S. 22f.

[62] Kicker (62), S. 21.

[63] Carstensen, S. 156.

[64] Kicker (70), S. 93.

[65] Sport Bild (37), S. 43.

[66] Fit for Fun (8), S. 71.

[67] Fit for Fun (6), S. 47.

[68] Koch, S.169.

[69] Kicker (62), S.6ff.

[70] Fit for Fun (8), S.58f.

[71] Vgl. Bußmann, S.737.

[72] Vgl. Pfitzner, S.31.

[73] Vgl. Yang, S.118

[74] Vgl. Gabl, S. 236.

[75] Vgl. Pfitzner, S.153.

[76] Sport Bild (37), S.33.

[77] Kicker (70), S.18.

[78] Sport Bild (28), S.36.

[79] Vgl. Pfitzner, S.162.

[80] Vgl. Plümer, S.273.

[81] Vgl. Dankert, S. 11f.

[82] Vgl. Pfitzner, S.162.

[83] Dudenredaktion (2010), S. 895

[84] Bravo Sport (16), S. 10.

[85] Sport Bild (28), S. 82.

[86] Vgl. Bravo Sport (17), S. 22f.

[87] Vgl. Fit for Fun (8), S. 4f.

[88] Vgl. Pfitzner, S.121.

[89] Kicker (62), S. 56.

[90] Ebd., S. 6.

[91] Vgl. Pfitzner, S. 96ff.

[92] Vgl. Fink, S. 125.

[93] Bravo Sport (16), S. 52.

[94] Ebd., S. 68.

[95] Bravo Sport (17), S. 13.

[96] Bravo Sport (16), S. 53.

[97] Bravo Sport (17), S. 25.

[98] Vgl. Pfitzner, S. 46f.

[99] Kicker (62), S. 68.

[100] Sport Bild (37), S. 82.

[101] Kicker (70), S. 6.

[102] Ebd., S. 86.

[103] Vgl. Pfitzner, S. 40f.

[104] Fit for Fun (6), S. 78.

[105] Fit for Fun (8), S. 62.

[106] Fit for Fun (6), S. 25.

[107] Vgl. Zheng, S. 279.

[108] Vgl. Hermanns, www.lampis.net.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Anglizismen im Sportjournalismus
Untertitel
„Sport Bild”, „Kicker”, „Bravo Sport” und „Fit for Fun” im Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
73
Katalognummer
V352721
ISBN (eBook)
9783668395589
ISBN (Buch)
9783668395596
Dateigröße
1526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglizismen, Sport, Zeitschriften, Vergleich, Sprache, Sportsprache, Deutsch, Sprachwandel
Arbeit zitieren
Daniel Schober (Autor), 2015, Anglizismen im Sportjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352721

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