Resilienz und Kinderarmut. Ansätze zur Resilienzstärkung und Armutsprävention


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Armut und Kindheit
2.1 Ursachen und Risikogruppen
2.2 Folgen chronischer Armut auf individueller und sozialer Ebene der betroffenen Kinder

3. Resilienz
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Risiko – und Schutzfaktoren
3.3 Personale Ressourcen

4. Resilienzstärkung und Armutsprävention
4.1 Zielsetzung
4.2 Resilienzstärkung in Kindertageseinrichtungen
4.2.1 Förderung der personalen Ressourcen des Kindes
4.2.2 Unterstützung der Eltern durch eine Erziehungspartnerschaft
4.3 Kommunale Armutsprävention am Beispiel des Nürnberger Ansatzes

5. Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Alle Kinder sind im Strandbad, nur nicht Lisa, die fliegt nach Pisa. ist arm.“ Dieser alte Kinderreim stand 2008 auf vielen bunten Aushängen in der Stadt Freiburg. Die Worte „fliegt nach Pisa“ waren auf diesen Plakaten durchgestrichen und stattdessen standen in krakeliger Kinderschrift die Worte „ist arm“ daneben (AWO Freiburg). Mithilfe dieser Kampagne machte die AWO Freiburg auf ein äußerst brisantes Thema aufmerksam, dessen Bedrohung stetig wächst: Kinderarmut. Die Zahl der betroffenen Kinder steigt, 2012 wiederholte Freiburg die Plakatkampagne gegen Kinderarmut. War 2008 zwar schon jedes sechste Kind in Freiburg arm, war es vier Jahre später sogar bereits jedes fünfte Kind (ebd.). Arme Kinder gehören auch in Deutschland zum Bild unserer Gesellschaft. Tippt man einmal die Wörter ‚Arme Kinder in Deutschland‘ in eine Suchmaschine ein, springen einem Sätze wie ‚Arme Kinder starten schwer in Leben‘, ‚Arme Kinder haben es schwerer in der Schule‘, ‚Auch in Deutschland müssen Kinder noch frieren‘ oder ‚Zu viele arme Kinder in Deutschland‘ ins Auge. Kinderarmut ist real und zeigt sich als mehrdimensionales Phänomen.

Vor allem pädagogische Fachkräfte sehen sich dieser Realität mittlerweile immer öfter gegenüber gestellt. Wie können diese innerhalb ihrer Möglichkeiten die sozialen Unterschiede am effektivsten abfedern und den betroffenen Kindern und ihren Familien zeitgleich eine verstärkte Förderung zukommen lassen? Welche Faktoren spielen bei der Arbeit mit armen Kindern eine besondere Rolle? Gibt es betroffene Kinder, die sich trotz der schwierigen Umstände gesund entwickeln können? Wie kann die wichtige Schlüsselkompetenz Resilienz hierbei weiterhelfen?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, auf diese Fragen näher einzugehen, sowie mögliche Ansätze zur Stärkung der Resilienz aufzuzeigen. Hierfür werden zunächst Armut und Kindheit gemeinsam betrachtet. Dabei werden Definitionen, Ursachen und Risikogruppen, sowie die Folgen chronischer Armut auf betroffene Kinder genauer beleuchtet. Bei der Beleuchtung der Risikogruppen wird an dieser Stelle vermehrt auf die Bedeutung der Familie eingegangen. Im Anschluss daran gibt der zweite Teil der Arbeit einenüberblicküber Resilienz, wobei dieser Begriff zunächst aus psychologischer Sicht bestimmt wird. Es folgen Auszüge aus dem bisherigen Forschungsstandüber Resilienz, zu den Schutz – und Risikofaktoren, sowie zu den personalen Ressourcen. Im Fokus des dritten Kapitels steht schließlich die Resilienzstärkung und Armutsprävention. Hierbei werden die Zielsetzung und die Umsetzung der Resilienzstärkung in Kindertageseinrichtungen erläutert. Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Kapitel schlussendlich auf den Aspekten des Nürnberger Armutspräventionsprogramms ‚Armen Kindern Zukunft geben‘. Eine kurze Reflexion mit kritischer Bewertung sowie ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung dieses Problemthemas beschließen die Arbeit.

2. Armut und Kindheit

Zunächst stellt sich die Frage, was bedeutet Armut? Die Wissenschaft bietet hierauf keine konkrete Antwort, da Armut je nach Nation anders gewertet ist. Wer jedoch in Deutschland von Armut spricht, muss zwischen ‚absoluter‘ und ‚relativer‘ Armut unterscheiden.

Von absoluter Armut ist dann die Rede, wenn einem Menschen lebensnotwendige und essentielle Grundlagen wie Nahrung oder Unterkunft zur Befriedigung seiner primären Bedürfnisse fehlen. In den Entwicklungsländern tritt diese Form der Armut wesentlich häufiger auf als in den Industrienationen. Relative Armut hingegen orientiert sich an den Richtlinien der jeweiligen Gesellschaft, die vorgibt, was ‚normal‘ ist und welche Maßstäbe zu erreichen sind. Laut der allgemeinen EU-Definition gilt als armuts gefährdet, „[…] werüber weniger als […] 60% (Median) des durchschnittlichen Nettoeinkommens (nach Haushaltsgröße gewichtet) im jeweiligen Land verfügt.“ (Zander 2005, S.90). Dies sind bei einer Familie mit vier Mitgliedern aktuell etwa 1.848 Euro im Monat (Bertelsmann Stiftung 2015).

Laut aktuellen Zahlen der Bertelsmann-Stiftung leben in Deutschland im Jahr 2015 8,9% aller Kinder, deren Familien trotz einer staatlichen Grundsicherung nach dem SGB-II, welches im allgemeinen Sprachgebrauch auch als ‚Hartz IV‘ bekannt ist, in Armutsgefährdung. Zählt man die Familien hinzu, die diese staatlichen Zulagen nicht erhalten oder nicht beantragt haben, kommt man auf eine Zahl von insgesamt 2,1 Millionen armutsgefährdeten Kindern in Deutschland (Bertelsmann Stiftung 2015). Wird nun explizit von Kinder armut gesprochen, so ist ein mehrdimensionales Erfassen von Armut nötig. Hierbei spielen neben der Einkommensarmut der Familie besonders auch die materielle, kulturelle, gesundheitliche und soziale Unterversorgung, die psychische und physische Benachteiligung, beeinträchtigte Entwicklungsbedingungen, eingeschränkte Zukunftsperspektiven und eine eventuelle mehrfache Deprivation eine Rolle (Holz & Richter-Kornweitz 2010: S38).

2.1 Ursachen und Risikogruppen

Die Hauptursachen für Kinderarmut in Deutschland und die Risikoträger für Kinderarmutsgefährdung liegen nah nebeneinander. So birgt die Arbeitslosigkeit eines oder beider Elternteile das höchste Risiko, von Armut betroffen zu werden. An nächster Stelle folget die alleinige Erziehung eines oder mehrerer Kinder, insbesondere wenn diese Rolle von Müttern vertreten wird. In Zusammenhang hiermit spielen auch Trennung und Scheidung ebenso wieüberschuldung eine Rolle (Holz & Richter-Kornweitz 2010: S.34). Weitere Ursachen für Kinderarmut sind das Aufwachsen sowohl in einer Familie mit mehr als drei Kindern als auch in einer Familie mit Migrationshintergrund. Doch auch der offenkundige Mangel an einer finanzierbaren Kinderbetreuung und der unzulängliche Lastenausgleich nach der Geburt eines Kindes zählen zu den Ursachen der Kinderarmut (Feustel 2007: S. 21 f.). Butterwegge gibt jedoch noch zu Bedenken, dass neben der familiären Einkommenssituation „[...] auch das elterliche Haushaltsmanagement, die innerfamiliäre Ressourcenverteilung und Prioritätensetzung sowie elterliche Kompensationsstrategien […] oder die Unterstützung durch soziale Netzwerke“ (Butterwegge 2004: S.80) und auch „[…] die Wohnsituation, [der] Bildungsstatuts der Eltern, […] Krankheit oder Behinderung“ (ebd., S. 72) die materielle Situation der Kinder prägen. Aus den oben genannten Ursachen lassen sich nun die drei am häufigsten von Kinderarmut betroffenen Gruppen herausfiltern.

Kinder von Alleinerziehenden

Kinder, die in Einelternfamilien aufwachsen, sind besonders stark von Armut betroffen, da „das System der sozialen Sicherung und speziell die Familienpolitik der Bundesrepublik ehezentriert sind.“ (Butterwegge 2004: S. 113). Das bedeutet, dass Alleinerziehende und deren Kinder nicht der Idealfall sind, auf den der Staat baut und auf den er seine Gesetze abgeschnitten hat. Die von der Normfamilie abweichend aufwachsenden Kinder sind daher statistisch gesehen häufiger von Geburt an arm und leben häufiger in einer dauerhaften Armut (Holz & Richter-Kornweitz 2010: S.47).

Kinder aus Mehrkindfamilien

Auch Kinder aus Mehrkindfamilien sindüberproportional häufig von Kinderarmut betroffen. So „[…] steigt die Quote [bei Familien mit drei Kindern] auf fast 18 Prozent, und bei vier oder mehr Kindern liegt die Armutsquote bei 35 Prozent.“ (Feustel 2007: 21) Dies liegt meiner Vermutung nach v.a. darin begründet, dass in einer kinderreichen Familie häufiger ein Elternteil vollständig zuhause bleibt, wodurch nur ein Erwerbseinkommen vorhanden ist, welches dann auch noch auf mehrere Familienmitglieder verteilt werden muss. Somit werden auch die finanziellen Ressourcen, die pro Kind verfügbar sind, geringer.

Kinder mit Migrationshintergrund

Die dritte Risikogruppe betrifft Kinder aus Zuwandererfamilien. Auch diese sind oftmals von Armut betroffen. Die Gründe hierfür könnten in der hohen Arbeitslosenquote von Migranten liegen, die beinahe doppelt so hoch ist wie bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (Kinderarmut in der Erwerbsgesellschaft 2014: S.66). Weitere Gründe sind Sprachbarrieren, die geringe Anerkennung von Abschlüssen, eine häufig zeitlich begrenzte Aufenthaltsdauer und oftmals auch das Verrichten einfacher Hilfsarbeiten mit geringem Verdienst (Bundeszentrale für politische Bildung 2011).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Resilienz und Kinderarmut. Ansätze zur Resilienzstärkung und Armutsprävention
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V352804
ISBN (eBook)
9783668390140
ISBN (Buch)
9783668390157
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Resilienz, Armut Pädagogik
Arbeit zitieren
Angelina Sieffarth (Autor), 2015, Resilienz und Kinderarmut. Ansätze zur Resilienzstärkung und Armutsprävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352804

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Resilienz und Kinderarmut. Ansätze zur Resilienzstärkung und Armutsprävention


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden