Bilanzpolitische Maßnahmen zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit im Rahmen des HGB


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Bilanzpolitik
2.1 Bedeutung, Ziele und Motive
2.2 Grenzen der Bilanzpolitik

3 Zusammenhang zwischen Jahresabschluss und Kreditwürdigkeit
3.1 Jahresabschluss als Informationsinstrument
3.2 Wesentliche Bilanzkennzahlen

4 Instrumente zur Beeinflussung der Kreditwürdigkeit
4.1 Materielle Bilanzpoltik
4.1.1 Ansatz- und Bewertungswahlrechte
4.1.2 Ermessensspielraum
4.2 Sachverhaltensgestaltende Maßnahmen

5 Würdigung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der heutigen Zeit spielt die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens eine erhebliche Rolle. Die Beschaffung von „frischem“ Kapital kann für ein Unternehmen mit schlechter Bonität zu einer problematisch Aufgabe werden. Insbesondere in Krisenzeiten ist eine hohe Kreditwürdigkeit erforderlich, um besorgten Kapitalgebern die notwendige Sicherheit ihrer Investition zu garantieren. Selbst große Nationalstaaten sind auf gute Bonitäten angewiesen. Die Herabstufung einzelner Staaten sorgt in den Medien immer wieder für Schlagzeilen und macht deutlich, welche negativen Auswirkungen eine schlechte Solvenz auf die Kapitalbeschaffung haben kann. Banken und ähnliche Finanzintermediäre versuchen anhand von Kreditwürdigkeitsprüfungen, die Bonität von Unternehmen möglichst präzise und fair zu beurteilen, damit Zahlungsausfälle gering gehalten werden können. Unternehmen mit einer schlechten Bonität nehmen hohe Finanzierungskosten in Kauf, die in Form von Zinsen Cashflow und das Betriebsergebnis nachhaltig belasten. Umso wichtiger erscheint es für Unternehmen gegebene Wahlrechte und Bewertungsansätze im Jahresabschluss bis an die Grenzen auszureizen, um ein möglichst positives Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nach außen zu vermitteln. Durch die Publikation solcher Berichtsinstrumente ist den bilanzierenden Unternehmen eine gewisse Einflussnahme auf externe Adressaten gegeben. Dieses Vorgehen ist auch besser unter dem Begriff der Bilanzpolitik bekannt.

In dieser Arbeit wird nun der Fragestellung nachgegangen, ob ein Unternehmen mithilfe bilanzpolitischer Maßnahmen die Kreditprüfung eines Kreditinstituts positiv manipulieren kann. Der Fokus liegt hier auf den Kennzahlen bzw. Kennzahlensystemen, die zum größten Teil auf dem Jahresabschluss basieren und bei Banken und Kreditinstituten Anwendung finden. Vor allem die verschiedenen Methoden und Möglichkeiten der Bilanzpolitik stehen im Mittelpunkt. In den folgenden Abschnitten dieser Arbeit sollen die Maßnahmen nach geltendem Recht im Sinne des HGB näher aufgezeigt werden. Beginnend mit einer Einführung in die Bilanzpolitik werden die Hintergründe solcher Maßnahmen und deren Grenzen aufgezeigt. Daraufhin erfolgen Erläuterungen zur Bonitätsbeurteilung sowie eine Darstellung der wesentlichen Kennzahlen, die im Allgemeinen im Rahmen einer Kreditwürdigkeitsprüfung herangezogen werden. Abschließend werden aktive Maßnahmen der Bilanzpolitik für den Jahresabschluss und ihre Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit aufgezeigt. Hierbei werden lediglich aktive Maßnahmen begutachtet, die einen direkten Einfluss auf die Jahresabschlussbilanz des Unternehmens haben und nach den derzeit geltenden Handelsrichtlinien gemäß HGB gestattet sind. Mögliche Effekte auf die Gewinn- und Verlustrechnung sowie weiteren Teilen des Jahresabschlusses werden vernachlässigt. Abschließend erfolgt eine kritische Würdigung, der in dieser Arbeit aufgezeigten Maßnahmen.

2 Einführung in die Bilanzpolitik

2.1 Bedeutung, Ziele und Motive

Unter dem Begriff der Bilanzpolitik wird die zielgerichtete Verwendung von handelsrechtlichen Spielräumen zur Gestaltung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im ausgewiesenen Jahresabschluss, gemäß § 242 HGB, eines Unternehmens verstanden.[1] Die Bilanzpolitik im weiteren Sinne reichtüber die eigentliche Bilanz im Jahresabschluss hinaus und umfasst sämtliche Berichtsinstrumente, d. h. gestalterische Maßnahmen können Jahres- bzw. Konzernabschluss, sowie Lage- oder Zwischenberichte betreffen.[2] Die gewählten bilanzpolitischen Maßnahmen stehen dabei im Einklang mit unternehmerischen Zielsetzungen und müssen als Bestandteile der Unternehmenspolitik verstanden werden. Diese können als nützliches Instrument zur Erreichung von Unternehmenszielen genutzt werden.[3] Eine hohe Aufmerksamkeit kommt hierbei der zielgerichteten Verwendung zugute. Die Unternehmensführung versucht mithilfe der Bilanzpolitik Einfluss auf externe Adressaten, wie beispielweise Eigenkapitalgeber, Investoren oder Kreditinstituten, zu nehmen und deren Wahrnehmung auf Unternehmensziele sowie -kennzahlen zu beeinflussen.[4] Die gezielte Einflussnahme entsteht durch Verwendung von Ansatz- und Bewertungsspielräumen sowie sachverhaltsgestaltenden Maßnahmen, deren Erläuterungen in Kapitel 4 dieser Arbeit zu finden sind. Verständlicherweise kann von Bilanzpolitik nur gesprochen werden, wenn sich Maßnahmen im Rahmen der zulässigen und gesetzlichen Grenzen befinden. Gesetzeswidrigkeiten, wie Bilanzfälschung oder –manipulation, werden vom Gesetzgeber geahndet.

Hinsichtlich der unterschiedlichen Aufgaben eines Jahresabschlusses, als Informations-, Dokumentations- und Steuerbemessungsfunktion, gemäß § 5 Abs.1 S.1 EStG, sowie der Vielzahl an Adressaten, kann ein Unternehmen eine positivere oder negativere wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens präsentieren.[5] Generell spricht man hierbei von einer progressiven (eher positiven) respektive einer konservativen (eher negativen) Bilanzpolitik. Eine eher schlechte finanzielle Situation würde die Unternehmensführung einer Aktiengesellschaft bei einer bevorstehenden Dividendenausschüttung vorbringen, die eine möglichst niedrige Ausschüttungssumme zum Ziel hat.[6] Dagegen können für eine positivere Darstellung vielerlei Gründe sprechen, bspw. befindet sich das Unternehmen vor einer Emission neuer Anleihen, deren Zinskupon möglichst gering ausfallen soll. Allgemein lassen sich die Ziele der Bilanzpolitik in „finanzpolitische“ und „publizitätspolitische“ Ziele unterteilen. Je nach Vorgabe der Führungsetage kann entschieden werden, welche Ziele konkret verfolgt werden. Die Motive für weitere finanzpolitische Gestaltungen liegen z. B. in der Kapitalerhaltung, Minimierung der Steuerlast und Stärkung der Bonität.[7] Die Publizitätspolitik, welche in eine aktive und passive Politik unterteilt wird, gibt entweder möglichst viele oder nur die geringsten Informationen nach außen.[8]

2.2 Grenzen der Bilanzpolitik

Die Grenzen in der Bilanzpolitik entstehen, wenn Geschäftsvorfälle derart gestaltet werden, dass sie die geltenden und zugrunde gelegten Handelsrichtlinien und Vorschriften nicht mehr einhalten undüberschreiten. Bereits im Unternehmen selbst herrschen faktische Grenzen, welche durch unternehmensinterne Grundsätze und Richtlinien sowie Nutzen/Kosten-Aspekte entstehen.[9] Die Bilanzpolitik findet nur Anwendung, wenn die Unternehmensführung von einem Benefit bezüglich vorgegebener Unternehmenszieleüberzeugt ist und indirekte Kosten bspw. eines drohenden Imageschadens, der möglicherweise bei Offenlegung umstrittener bilanzpolitischer Maßnahmen entsteht, nichtübersteigen.[10] Letzteres haben sich insbesondere Abschlussprüfer und etlicheüberwachende Institutionen zur Aufgabe gemacht. Bilanzpolitische Maßnahmen der Unternehmensführung können ihre Wirkung nur vollständig entfalten, wenn sie unentdeckt bleiben und für externe Adressaten nicht zu erkennen sind.[11]

Zudem resultieren Einschränkungen durch gesetzliche Verordnungen, gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) und den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB). Wie zuvor erwähnt, muss das externe Berichtswesen Auskunftüber die tatsächliche wirtschaftliche und finanzielle Position des Unternehmens geben. Dieser Grundsatz ist in der Generalnorm des HGB, gemäß § 264 Abs.2, geregelt und dient zur Einschränkung von bilanzpolitischen Spielräumen.[12]

Das Prinzip der Stetigkeit stellt einen weiteren wichtigen Bestandteil gesetzlicher Verordnungen dar. Bei einem Wechsel von Wahlrechten in Bezug auf Ansatz- und Bewertungsmethoden und der Darstellung von Berichtsinstrumenten sind Unternehmen, gemäß §§ 246 Abs. 3 i. V. m. 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB als auch § 265 Abs. 1 HGB eingeschränkt, d.h. lediglich in Ausnahmefällen dürfen Unternehmen von bisher gewählten Bewertungsmethoden und Darstellungen abweichen und müssen diese im Anhang begründen.

Aufgrund der vielzähligen Funktionen des Berichtswesens und der Anzahl an Adressaten können bilanzpolitische Maßnahmen diverse Einflüsse auf unterschiedliche Unternehmensziele erzielen. Dabei können Zielkonflikte entstehen. Dem Maßgeblichkeitsprinzip geschuldet, ist eine progressive Bilanzpolitik nicht mit einer konservativen Bilanzpolitik in der Steuerbilanz vereinbar.[13] Nach dem Maßgeblichkeitsprinzip ist die Jahresabschlussbilanz Grundlage für die Steuerbemessung, in der alle handelsrechtlichen Vorschriften in die Steuerbilanzübernommen werden. So hat ein hoher Erfolgsausweis in der Regel eine höhere Steuerschuld zur Folge. Unterschiedliche Zielvorgaben der Unternehmensführung können sich somit gegenseitig behindern.

3 Zusammenhang zwischen Jahresabschluss und Kreditwürdigkeit

Die Bonität eines Unternehmens kann anhand von externer und interner Ratings festgestellt werden. Das externe Rating beschreibt kurzum die Methode, in der Ratingagenturen beauftragt und bezahlt werden, ein Rating vorzunehmen. Demgegenüber steht das sogenannte interne Rating. Dabei verifizieren Banken vor Vergabe eines Kredits, mithilfe von u.a. mathematisch-statistischen Modellen, die derzeitige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens.[14] Diese Prüfung basiert u.a. auf Kennzahlen, die aus dem externen Berichtswesen des Unternehmens gewonnen werden, wie bspw. dem Jahresabschluss. Die Kennzahlen werden auch „harte Faktoren“ genannt und können einen 40- bis 70-prozentigen Anteil am Verfahren der Bonitätsprüfung haben.[15] Der Jahresabschluss ist für die Prüfung der Kreditwürdigkeit somit ein wichtiges Informationsinstrument, welches im Folgenden näher beschrieben wird.

3.1 Jahresabschluss als Informationsinstrument

Für Geschäftspartner, wie bspw. Banken oder andere Finanzinstitute, ist der Tag der Veröffentlichung des Jahresabschlusses von zentraler Bedeutung. Er zeigt Außenstehenden die aktuelle wirtschaftliche Lage des Unternehmens auf. Nach dem Kreditwesengesetz (KWG), gemäß § 18 KWG, sind Kreditinstitute verpflichtet eine Offenlegung der aktuellen wirtschaftlichen Lage vor Kreditgewährung zu fordern, wenn die Kreditsumme den Betrag von 750.000€ oder 10% des haftenden Eigenkapitals des Institutesübersteigt. Diese Maßgabe beinhaltet insbesondere die Offenlegung des Jahresabschlusses, gemäß § 18 Abs. 1 KWG. Wenngleich sich die aktuelle Lage eines Unternehmens nur bedingt im Jahresabschluss feststellen lässt. Da die Unternehmen erst mehrere Wochen nach Abschluss des Geschäftsjahres, sprich nach Eintreten des Bilanzstichtages, ihren Geschäftsbericht veröffentlichen, geben die Daten somit nur teilweise die derzeitige wirtschaftliche Situation wieder. Um ein möglichst aussagekräftiges Bild aus den umfangreichen Informationen zu erhalten, werden auf Grundlage des Jahresabschlusses quantitative Kennzahlen gebildet.[16] Die Vorteile der Kennzahlenbildung liegen einerseits in der einfachen Interpretation und andererseits in der guten Vergleichbarkeit untereinander. Kreditinstitute besitzen meist eine Vielzahl an Standardkennzahlen, die bei Kreditwürdigkeitsprüfungen Anwendung finden.[17] Ein im Verhältnis geringer Teil beruht auf individualisierten Kennzahlen und unterscheidet sich von Kreditinstitut zu Kreditinstitut.

[...]


[1] Vgl. Keiner, T. (2001), S.218 f.

[2] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2016), S. 1005.

[3] Vgl. Peemöller, V. (2001), S.172 ff.

[4] Vgl. Fink, C.; Reuther, F. (2010), S.4 f.

[5] Vgl. Keiner, T. (2001), S.219 ff.

[6] Vgl. Keiner, T. (2001), S.220.

[7] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2016), S. 1005 ff.

[8] Vgl. ebd., S. 1010.

[9] Vgl. Detert, K.; Sellhorn, T. (2007), S. 251.

[10] Vgl. Detert, K.; Sellhorn, T. (2007), S. 251.

[11] Vgl. Fink, C.; Reuther, F. (2010), S.6 f.

[12] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2016), S. 1016.

[13] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2016), S. 1016.

[14] Vgl. Everling, O. (2007), S.7 f.

[15] Vgl. Everling, O. et al (2007), S.66 f.

[16] Vgl. Huber, A.; Simmert, D. (2007), S. 167 ff.

[17] Vgl. Jerzembek, L.; Siegler, J. ( 2007), S.376 ff.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bilanzpolitische Maßnahmen zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit im Rahmen des HGB
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V352826
ISBN (eBook)
9783668390720
ISBN (Buch)
9783668390737
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzpolitik, HGB, IFRS, Gestaltungsmöglichkeiten, Unternehmen, Maßnahmen, Konzernbilanzpolitik, Rückstellungen, Sachanlagen, Immaterielle, Vermögenswerte, Auswertung, Grenzen, Bewertung, Wahlrechte, Ermessensspielraum, Sachverhaltsgestaltung
Arbeit zitieren
Matthias Bielaczek (Autor), 2016, Bilanzpolitische Maßnahmen zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit im Rahmen des HGB, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352826

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