Kleider machen Leute, Leute machen Kleider


Hausarbeit, 2001

19 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. „Kleider machen Leute“ und „Der Mantel“
2.1 „Kleider machen Leute“ – Der Inhalt
2.2 „Der Mantel“ – Der Inhalt

3. Die Protagonisten
3.1 Die Darstellung von Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin
3.2 Die Darstellung von Wenzel Strapinski
3.3 Zwischenresumée

4. „Der Mantel“ und „Kleider machen Leute“ im Vergleich: Das Mantelmotiv

5. Abschließende Betrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Warum ausgerechnet ein Vergleich zwischen Gogol und Keller, zwischen zwei Erzählungen, die einem anfangs nicht unterschiedlicher erscheinen können? Aber um festzustellen, ob es nicht doch einige Parallelen zwischen den beiden Erzählungen gibt, soll im folgenden ein Vergleich zwischen „Kleider machen Leute und der Mantel“ angestellt werden, um die Eingangsfrage zu beantworten. Der Schwerpunkt dieses Ver­­­­­­­­­­­­gleichs, soll auf den Protagonisten der Erzählungen liegen, und einerseits Charakterzüge, sowie ihren Bezug zu Kleid­­­­­­­­­­­­­­­ung und ihr äußerliches Erscheinungsbild darstellen. Dazu wird zunächst, um einen groben Überblick über die beiden Texte zu geben, jeweils eine Inhaltsangabe gegeben. Im folgenden werden dann die beiden Protagonisten Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin und Wenzel Strapinski im Verlauf der jeweiligen Erzählung dargestellt. Dazu ist anzumerken, dass die Darstellung so gewählt wurde, weil beide Protagonisten mehreren Einschnitte in ihrem Leben ausgesetzt sind und somit auch einige Entwicklungsstufen durchlaufen. Anschließend wird ein zusammenfassendes Resumée der Hauptgemeinsamkeiten der Protagonisten und einiger Unterschiede gezogen, um auf die Eingangsfrage (Gibt es Gemeinsam-keiten?) zu antworten. Da in beiden Erzählungen, wie in den Titeln schon erwähnt Kleidung eine große Rolle spielt, wird explizit im vierten Teil der Hausarbeit auf ein Kleidungsstück eingegangen: Auf den Mantel. Der Vergleich zwischen Akakijewitschs und Strapinskis Mantel in Ausgangs- und in der Endsituation der Erzählungen soll zeigen, welche Probleme schöne Kleidung bringen kann, wenn man sie zum Lebens­inhalt macht. Hierzu eignet sich das Mantelmotiv besonders gut, da eine Mantel nicht nur als Kleidungsstück, sondern auch als „Deckmantel“ benutzt werden kann. Ab­schließend, sollen die Ergebnisse noch einmal kurz aufgeführt werden, so wie einige Überlegungen, ob unter anderen Umständen die beiden Erzählungen anders ausge­gangen wären. Als gedanklichen Anstoß ist noch ein Verweis auf einen Exkurs in die Sozialwissenschaft eingefügt, der teilweise erklärt, warum Mode und Kleidung eine so bedeutende Rolle für Menschen spielen kann. Die Einschränkung wird gemacht, weil es sich um eine sehr umstrittene und viel kritisierte Theorie handelt, die nicht eindeutig belegt oder widerlegt worden ist und bis heute brisant ist.

2. „Kleider machen Leute“ und „Der Mantel“

In beiden Texten spielen die Motive Mantel und Mode eine große Rolle. Doch zu­nächst sollen die Inhalte beider Texte kurz dargestellt werden, um Unter­schiede zwischen „Kleider machen Leute“ und „Der Mantel“ deutlich zu mach­en. Auf die unter­schiedliche Benutzung des Motivs Mantel soll in nachfolgenden Kapiteln eingegangen werden.

2.1 „Kleider machen Leute“ – Der Inhalt

In der Erzählung „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller wird der Pro­tagonist Wenzel Strapinski durch mehrere Zufälle in eine Lüge über seine Identität verwickelt.

Der Schneider Wenzel Strapinski, eine gepflegte und überstandesgemäße Er­schein­ung, ist auf dem Weg von Seldwyla nach Goldach. Wenzel, völlig verarmt, wird unter­wegs von einem Kutscher aufgegriffen und nach Goldach mitgenommen. Vor dem Gasthof „Zur Waage“ hält der Wagen und Wenzel wird auf Grund seiner Kleidung und der Kutsche für eine hohe Persönlichkeit ge­halten und vom Wirt mit vielen Köstlich­keiten bedacht. Wenzel wehrt sich nicht gegen diese Behandlung, er erwähnt weder, dass er die Speis­en nicht bezahlen kann, noch widerspricht er, als man ihn als „Graf Strapinski“ anspricht. Strapinski hat vor, sobald wie möglich aus Goldach abzureisen. Als ihm dann jedoch Nettchen vorgestellt wird, verliebt er sich in sie und nimmt die Identi­tät des Grafen an. Durch Glücksspiele kommt er zu Geld und kann so die Rolle des Grafen überzeugend spielen, ohne dass die Goldacher davon Wind bekommen, dass er ein Schneider ist. Fast, denn Melcher Böhni ahnt etwas, denn er hat die zer­stochenen Finger Strapinskis bemerkt. Er schweigt, bis Wenzel und Nettchen Ver­lobung feiern. Aus Angst Nettchen zu verlieren, verbündet sich Böhni mit den Seld­wylern, die die wahre Identität Strapinskis kennen. Auf der Verlobungsfeier wird er von ihnen verraten und sie warten auf die vermeintliche Katastrophe. Wenzel ergreift die Flucht, denn er schämt sich vor den Goldachern und vor Nettchen, gelogen zu haben. Doch Nettchen folgt ihm und rettet ihn vor dem Kältetod. Zusammen ziehen sie sich einige Jahre aus Goldach zurück und nach Seld­wyla, wo Wenzel als arbeitet Schneid­er. Nachdem Nettchen und Wenzel viele Kinder haben, ziehen sie nach Goldach, wo Wenzel als guter Schneider arbeitet.

2.2 „Der Mantel“ – Der Inhalt

Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin, der Protagonist der Erzählung „Der Mantel“, von Nikolaj Gogol, lebt sehr isoliert. Sein Leben wird durch einen Mantel, den er sich neu anfertigen lassen muß, verändert und stark beeinflußt. Akakijewitsch ist eine sehr ärm­liche Erscheinung, seine Kleidung ist sehr abge­tragen und auch sonst ist er kein schöner Mensch. Sein Leben dreht sich einzig und allein um seine Arbeit als Abschrei­ber. Obwohl er nur ein kleiner Beamter ist, wird er als Titularrat bezeichnet. Akakij sieht seine Er­füllung im Abschreiben von Urkunden und anderem Schriftverkehr. Selbst wenn er nichts zu tun hat, fertigt er für sich eine Kopie von einem Schrift­stück an. Er kann weder kulinarische Genüsse genießen, noch hat er eine be­stimmte Freizeit­be­schäftigung. Er isoliert sich stark von seiner Umwelt, und wird von Kollegen wegen seiner Kleidung und seinen Eigenarten ver­spottet und verhöhnt. Doch anstatt sich zur Wehr zu setzen, sagt er manchmal, wenn es zu viel wird, sie sollen ihn in Ruhe lassen. Akakije­witsch besitzt einen total abgetragenen Mantel und als er eines Tages fest­stellt, dass dieser nicht mehr vor der Kälte schützt und zu einem Netz geworden ist, sucht er seinen Schneider auf, um ihn reparieren zu lassen. Das ist jedoch nicht mehr möglich; er muß sich einen neuen schneidern lassen. Nun be­kommt Akakij ein Ziel; er spart auf seinen neuen Mantel und zerbricht sich den Kopf über Stoff, Futter und Krag­en. Nach­dem er sich mit seinem Schneider da­rüber verständigt hat und sein Mantel fertiggestellt ist, lernt Akakij den Luxus eines neuen Mantels kennen. Er erntet Aner­kenn­ung und Lob von seinen Kollegen. Am gleichen Tage wird er zu einem Arbeits­kollegen einge­laden und macht sich auf den Weg. Er bleibt, bis auch die anderen den Heim­weg antreten. Auf dem Rückweg überquert er einen Platz und auf diesem nimmt ein Dieb ihm seinen Mantel ab. Akakijewitsch versucht alles mögliche um ihn zurück zu be­kommen, doch er scheitert. Ohne den Mantel holt er sich eine Erkältung und stirbt auch daran. Nach seinem Tod geistert er durch Peters­burg und findet erst seine Ruhe, nach­dem er den Raub gerächt hat.

3. Die Protagonisten

Im folgenden Abschnitt sollen die Kleidungsstücke, Aüßeres und Verhalten der Prota­gonisten in ihrer Ausgangssituation und die Entwicklung ihrer Meinung zu Kleidung und Mode aufgezeigt werden. In beiden Erzählungen verändern sich die Protagonisten ziemlich stark durch verschiedene Situationen und Ereignis­se.

3.1 Die Darstellung von Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin

Akakij Akakijewitsch wird als Protagonist mit vernarbtem Gesicht, schlechten Augen und einer halben Glatze, sowie seiner Kleinwüchsigkeit eingeführt. Sein Er­scheinungsbild wird nicht gekenn­zeichnet durch Schönheit und Jugend. Er fällt nicht auf, man beachtet ihn einfach nicht. Man schenkt ihm nur Beachtung, wenn ihm der Spott und der Hohn seiner Kollegen über sein Äußeres und seine sonderbare Art zuteil wird. Und da er auch nicht mit ein­em hohen Amt glänzen kann, wird ihm auch keine Anerkennung zuteil. Aber er inter­essiert sich nicht für Kleidung und die Beleidigungen sein­er Kollegen. Akakij Akakije­witsch isoliert sich von seiner Außenwelt und zieht sich in seine Welt zurück. Die besteht nur aus seiner Arbeit, der sein ganzes Interesse gilt.[1] Seine Uniform ist bereits so abgetragen, dass die ursprüngliche Farbe nicht richtig auszumachen ist und sein Kragen zu schmal; dadurch wirkt sein Hals viel zu lang. Aber nicht nur, dass seine Kleid­ung abge­tragen ist, sie ist auch immer schmutzig.

„Außerdem blieb ständig irgendwas an seiner Uniform haften: mal war es ein bißchen Heu, dann irgendein Fädchen; zudem beherrschte er die seltene Kunst, auf der Straße just in dem Augenblick unter einem Fenster aufzutauchen, wenn dort gerade irgendwelcher Unrat hinausbefördert wurde-[...].“[2]

Er ist so in seiner Welt versunken, dass er keine Notiz davon nimmt. Das einzig schöne in seinem Leben ist seine Hand­schrift, wenn er seiner Arbeit mit ganzem Herzen nach­geht. Sogar in seiner freien Zeit hat er nur Augen für das Abschreiben, und hat kein Inter­esse an anderen Beschäftigungen.[3] Bis zur ersten Wende der Er­zählung, ist das der einzige Genuss des Protagonisten. Er kann sich weder am Essen, noch an ander­en Menschen erfreuen, seine Gedanken drehen sich nur um das Abschreiben. Sein Leben verändert sich, als er feststellt, dass sein alter Mantel ein paar sehr dünne Stell­en auf­weist, und ihn nicht mehr vor Kälte schützt. „Er nahm ihn sich zu Hause gründ­lich vor und entdeckte, daß er an [...] einer Art Fliegengaze glich: der Stoff war so ab­ge­tragen, daß der Wind durchblies, und das Futter völlig zerschlissen.“[4] Der Mantel ist oft geflickt worden, so dass seine Kollegen ihn nicht mehr als Mantel be­titeln, sondern nur noch als „Kapotte“.[5] Akakij Akakijewitschs Mantel hat durch diver­se Ausbesser­ungen seine ursprüngliche Form verloren. Der Kragen hat für diese Stoff lassen müss­en, so dass er, mit jeder kleiner wurde.[6] Sein Schneider weigert sich jedoch, da der Mantel zu alt ist, um ihn noch zu re­parieren. Akakij vertritt eine andere Meinung, wie vor­her bereits angedeutet: „Über­all...ich, meine, an anderen Stellen ist es noch ganz fest, ein bißchen an­gestaubt, als ob es schon etwas älter wäre, aber eigentlich noch wie neu; [...].“[7] Akakijewitsch will nicht einsehen, dass sein Mantel hin ist.. Als endgültig klar wird, dass ein neuer ange­fertigt werden muß, stellt er fest, dass sein Geld nicht reicht, weil er noch andere Kleidungsstücke braucht.[8] Noch einmal wird der Zustand sein­er Kleidung deutlich, da auch der Rest seiner Kleidung neu angeschafft werden muß. Zu­nächst verliert Akaki­jewitsch den Mut, weil er nicht weiß, wie er das Geld für den Mantel aufbringen soll, aber nachdem er sich damit abgefunden hat, tritt die erste Ver­änderung ein. Er ent­wickelt einen Plan, wie er in möglichst kurzer Zeit das Geld für den Mantel zusammen sparen kann. Der neue Mantel wird zu seinem Lebens­inhalt.[9] Akakij Akakijewitsch wächst an der Situation, „indem er seine Gedanken ganz auf jene Idee gerichtet hielt, die ihn ohnehin ständig erfüllte: die Idee vom zukünftigen Mantel.“[10] Sein Blick ist fest auf sein Ziel gerichtet, seine Farblosigkeit verschwindet und er kann sogar leiden­schaftlich sein.[11] Der Mantel beginnt sogar seine Arbeit zu beeinträchtigen. Durch einen Zufall erreicht er schneller als erwartet sein Ziel.

[...]


[1] „Von nun an ließ man ihn nur noch abschreiben, ein für allemal. Und es schien, als existiere nichts anderes mehr für ihn als diese Tätigkeit.“ (Der Mantel: 7f)

[2] Der Mantel: 7f.

[3] „Aber Akakij Akakijewitsch sah immer nur seine makellosen, in gleichmäßiger Handschrift hingemalten Zeich­en vor sich, selbst wenn er etwas anderes im Blickfeld hatte.“ (Der Mantel: 8)

[4] Der Mantel: 10f.

[5] Der Mantel: 11.

[6] Der Mantel: 11.“

[7] Der Mantel: 14

[8] „Von welchem Geld sollte er das bezahlen? [...] Er brauchte ein paar neue Hosen, dem Schuster war er noch Geld schuldig, für das Anbringen neuer Kappen an seinen alten Stiefeln, bei der Weißnäherin mußte er drei Hemden und zwei Wäschestücke jener Art bestellen, die in gedruckter Form zu bezeichnen sich nicht schickt; [...].“ (Der Mantel: 18)

[9] „Das hieß: auf seinen abendlichen Tee zu verzichten, [...] auf die Schonung seiner Leibwäsche bedacht zu sein und sie daher möglichst selten zur Wäsche zu geben sowie sich beim Heimkommen sofort nackt auszuziehen und in seinen Schlafrock aus Baumwolle zu schlüpfen, der schon so bejahrt war, daß selbst die Zeit Mitleid mit ihm hatte.“ (Der Mantel: 19)

[10] Der Mantel: 19f.

[11] „ Von nun an gewann seine Existenz gewissermaßen an Gehalt und Fülle,[...] weil eine angenehme Gefährtin sich bereitgefunden hatte, den Lebensweg mit ihm hinfort gemeinsam zu gehen. Diese Gefährtin war niemand anders als - jener Mantel [...] Mitunter leuchtete in seinen Augen ein Feuer auf, und sein Hirn brachte die dreistesten und kühnsten Ideen hervor: Wie wär´s, wenn ich den Mantelkragen doch mit Marderfell belegen ließe?“ (Der Mantel: 20)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kleider machen Leute, Leute machen Kleider
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Komparatistik)
Veranstaltung
Von den Moden
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V3529
ISBN (eBook)
9783638121767
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kleider, Leute, Kleider, Moden
Arbeit zitieren
Anja Horstkemper (Autor), 2001, Kleider machen Leute, Leute machen Kleider, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3529

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