Warum ausgerechnet ein Vergleich zwischen Gogol und Keller, zwischen zwei Erzählungen, die einem anfangs nicht unterschiedlicher erscheinen können? Aber um festzustellen, ob es nicht doch einige Parallelen zwischen den beiden Erzählungen gibt, soll im folgenden ein Vergleich zwischen „Kleider machen Leute und der Mantel“ angestellt werden, um die Eingangsfrage zu beantworten. Der Schwerpunkt dieses Vergleichs, soll auf den Protagonisten der Erzählungen liegen, und einerseits Charakterzüge, sowie ihren Bezug zu Kleidung und ihr äußerliches Erscheinungsbild darstellen. Dazu wird zunächst, um einen groben Überblick über die beiden Texte zu geben, jeweils eine Inhaltsangabe gegeben. Im folgenden werden dann die beiden Protagonisten Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin und Wenzel Strapinski im Verlauf der jeweiligen Erzählung dargestellt. Dazu ist anzumerken, dass die Darstellung so gewählt wurde, weil beide Protagonisten mehreren Einschnitte in ihrem Leben ausgesetzt sind und somit auch einige Entwicklungsstufen durchlaufen. Anschließend wird ein zusammenfassendes Resumée der Hauptgemeinsamkeiten der Protagonisten und einiger Unterschiede gezogen, um auf die Eingangsfrage (Gibt es Gemeinsam-keiten?) zu antworten. Da in beiden Erzählungen, wie in den Titeln schon erwähnt Kleidung eine große Rolle spielt, wird explizit im vierten Teil der Hausarbeit auf ein Kleidungsstück eingegangen: Auf den Mantel. Der Vergleich zwischen Akakijewitschs und Strapinskis Mantel in Ausgangs- und in der Endsituation der Erzählungen soll zeigen, welche Probleme schöne Kleidung bringen kann, wenn man sie zum Lebensinhalt macht. Hierzu eignet sich das Mantelmotiv besonders gut, da eine Mantel nicht nur als Kleidungsstück, sondern auch als „Deckmantel“ benutzt werden kann. Abschließend, sollen die Ergebnisse noch einmal kurz aufgeführt werden, so wie einige Überlegungen, ob unter anderen Umständen die beiden Erzählungen anders ausgegangen wären. Als gedanklichen Anstoß ist noch ein Verweis auf einen Exkurs in die Sozialwissenschaft eingefügt, der teilweise erklärt, warum Mode und Kleidung eine so bedeutende Rolle für Menschen spielen kann. Die Einschränkung wird gemacht, weil es sich um eine sehr umstrittene und viel kritisierte Theorie handelt, die nicht eindeutig belegt oder widerlegt worden ist und bis heute brisant ist.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. „KLEIDER MACHEN LEUTE“ UND „DER MANTEL“
2.1 „KLEIDER MACHEN LEUTE“ – DER INHALT
2.2 „DER MANTEL“ – DER INHALT
3. DIE PROTAGONISTEN
3.1 DIE DARSTELLUNG VON AKAKIJ AKAKIJEWITSCH BASCHMATSCHKIN
3.2 DIE DARSTELLUNG VON WENZEL STRAPINSKI
3.3 ZWISCHENRESUMÉE
4. „DER MANTEL“ UND „KLEIDER MACHEN LEUTE“ IM VERGLEICH: DAS MANTELMOTIV
5. ABSCHLIEBENDE BETRACHTUNGEN
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Kleidung, äußerem Erscheinungsbild und Identitätswahrnehmung anhand eines komparatistischen Vergleichs der Erzählungen „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller und „Der Mantel“ von Nikolaj Gogol. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die Protagonisten in ihrem Umgang mit Kleidung als Identitätsstifter und soziale Maske aufweisen.
- Analyse der Protagonisten Wenzel Strapinski und Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin
- Untersuchung des Motivs „Mantel“ als soziales Distinktionsmerkmal und Schutzhülle
- Vergleich der Entwicklungsstufen der Charaktere durch externe Ereignisse
- Einordnung des Einflusses von Mode und Kleidung auf die gesellschaftliche Anerkennung
- Diskussion sozialwissenschaftlicher Theorien zum Einfluss von Mode auf das Individuum
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Darstellung von Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin
Akakij Akakijewitsch wird als Protagonist mit vernarbtem Gesicht, schlechten Augen und einer halben Glatze, sowie seiner Kleinwüchsigkeit eingeführt. Sein Erscheinungsbild wird nicht gekennzeichnet durch Schönheit und Jugend. Er fällt nicht auf, man beachtet ihn einfach nicht. Man schenkt ihm nur Beachtung, wenn ihm der Spott und der Hohn seiner Kollegen über sein Äußeres und seine sonderbare Art zuteil wird. Und da er auch nicht mit einem hohen Amt glänzen kann, wird ihm auch keine Anerkennung zuteil. Aber er interessiert sich nicht für Kleidung und die Beleidigungen seiner Kollegen. Akakij Akakijewitsch isoliert sich von seiner Außenwelt und zieht sich in seine Welt zurück. Die besteht nur aus seiner Arbeit, der sein ganzes Interesse gilt.
Seine Uniform ist bereits so abgetragen, dass die ursprüngliche Farbe nicht richtig auszumachen ist und sein Kragen zu schmal; dadurch wirkt sein Hals viel zu lang. Aber nicht nur, dass seine Kleidung abgetragen ist, sie ist auch immer schmutzig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in den Vergleich zwischen den Erzählungen von Gogol und Keller ein und erläutert die Fokussierung auf die Protagonisten sowie das zentrale Mantelmotiv.
2. „KLEIDER MACHEN LEUTE“ UND „DER MANTEL“: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Inhaltsangabe beider Erzählungen, um die Basis für den anschließenden Vergleich zu schaffen.
3. DIE PROTAGONISTEN: Hier werden die Charaktere Akakij Akakijewitsch Baschmatschkin und Wenzel Strapinski detailliert hinsichtlich ihrer Entwicklung und ihrer Beziehung zu Kleidung analysiert.
4. „DER MANTEL“ UND „KLEIDER MACHEN LEUTE“ IM VERGLEICH: DAS MANTELMOTIV: Das Kapitel vergleicht explizit das Mantelmotiv beider Werke als „Deckmantel“ und Identitätskonstruktion.
5. ABSCHLIEBENDE BETRACHTUNGEN: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen und zieht Verbindungen zu sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedeutung von Mode.
Schlüsselwörter
Kleider machen Leute, Der Mantel, Gottfried Keller, Nikolaj Gogol, Literaturvergleich, Mantelmotiv, Identität, Mode, Soziale Maske, Protagonist, Literaturanalyse, Gesellschaftskritik, Kleidung, Sozialwissenschaften, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Novellen „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller und „Der Mantel“ von Nikolaj Gogol hinsichtlich der Rolle von Kleidung und Mode für die Identität der Protagonisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang von äußerem Erscheinungsbild und gesellschaftlicher Anerkennung, die Funktion von Kleidung als „Deckmantel“ sowie die psychologische Entwicklung der Hauptfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Protagonisten aufzuzeigen und zu analysieren, wie sich das Tragen bestimmter Kleidung auf den Lebensverlauf und den sozialen Status der Figuren auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen, komparatistischen Vergleich, ergänzt um sozialwissenschaftliche Exkurse, insbesondere unter Einbeziehung der „Theorie der Schweigespirale“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Charakterisierung der Protagonisten, ihre Isolation oder soziale Inklusion durch Kleidung sowie die spezifische Bedeutung des Mantelmotivs in beiden Texten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mantelmotiv, Identitätsstiftung, soziale Maske, literarischer Vergleich und die Rezeption von Kleidung als Ausdrucksmittel.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit dem Mantel bei den beiden Protagonisten?
Während der neue Mantel bei Akakijewitsch eine kurzzeitige soziale Aufwertung bewirkt, fungiert das Äußere bei Strapinski als Täuschung, die ihn in eine Identitätskrise als vermeintlicher Graf stürzt.
Welche Bedeutung kommt dem Tod der Protagonisten in diesem Zusammenhang zu?
Der Tod dient in beiden Werken als Spiegel für das Scheitern an gesellschaftlichen Erwartungen bzw. als endgültiger Ausdruck der Identitätslosigkeit ohne die schützende „Hülle“ der Kleidung.
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- Anja Horstkemper (Author), 2001, Kleider machen Leute, Leute machen Kleider, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3529