Mediation als Alternative zum Gerichtsverfahren


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: alle Kriterien voll erfüllt

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik: Was ist Mediation
1.2. Zielsetzung

2. Mediation als alternative Konfliktlösung
2.1. Grundlagen der Mediation
2.2. Phasenablauf in der Mediation
2.2.1. Phase 1: Vorbereitung, Einführung und Auftragserteilung
2.2.2. Informationsrecherche und Themensammlung
2.2.3. Phase 3: Interessenklärung
2.2.4. Ideensuche, Lösungsfindung, Vereinbarung
2.2.5. Nachgespräch – „Follow-up“

3. Das Gerichtsverfahren
3.1. Voraussetzungen
3.2 Konfliktentscheidung durch Urteil

4. Mediation als Konsensmodell im Unterschied zum richterlichen Entscheidungsmodell
4.1. Vergleich von Gerichtsverfahren und Mediationsverfahren
4.2. Fazit und Ergebnis des Vergleichs von Mediation und Gerichtsverfahren

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Konflikte gibt es, seitdem Menschen zusammenleben[1]. Unterschiedliche Interessen und verschiedenartiges Fühlen von sich in einer Gruppe verhaltenden Menschen führten schon seit jeher zu Störungen im Sozialverbund, bei denen Dritte als Vermittler tätig wurden[2]. Abhängig von ihren jeweiligen gesellschaftlichen Strukturen und Lebensbedingungen entwickelten sich in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Verfahrensweisen im Umgang mit Konflikten[3]. So entstand im abendländischen Kulturkreis im Laufe der Jahrhunderte das für uns heute geläufige, hierarchisch aufgebaute Rechtssystem, das auf verbindlichen Rechtsnormen und fest strukturierten Lösungsverfahren im Konfliktfall beruht.

Das im Rahmen dieser Arbeit besonders im Fokus stehende Mediationsverfahren hat sich erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts etabliert[4]. Seinen Ursprung hat es in den USA der sechziger Jahre, wo es im Kontext der Bürgerrechtsbewegung entstand[5]. In Deutschland hat sich das Verfahren erst später als Alternative zur gerichtlichen Streitbeilegung bzw. Streitbeendigung durchgesetzt.

1.1. Einführung in die Thematik: Was ist Mediation

Mediation bedeutet wörtlich „Vermittlung“ und ist ein konsensuales Streitbeilegungsverfahren, bei dem ein Mediator auf außergerichtlicher Ebene eine Verhandlung zwischen Konfliktparteien unterstützt[6]. Anders als im Gerichtsverfahren ist der Mediator nicht berechtigt, den Parteien Entscheidungen aufzuerlegen, sondern er leitet als neutrale Person ausschließlich das Verfahren als solches und legt die Regeln fest[7]. Am Ende eines Mediationsprozesses muss daher nicht zwangsläufig ein Ergebnis oder eine Konfliktlösung stehen, auch wenn das eigentliche Ziel der Mediation eine Konsensfindung ist.

1.2. Zielsetzung

Im Rahmen dieser Ausarbeitung möchte ich eine Abgrenzung von Mediations- und Gerichtsverfahren vornehmen, um im Anschluss eine Abwägung über die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Konfliktlösungsmöglichkeiten durchzuführen, wobei dies beispielhaft im wirtschaftlichen Kontext erklärt wird.

2. Mediation als alternative Konfliktlösung

Aus der anfänglich aufsehenerregenden Mediation als Alternative zum gerichtlichen Verfahren ist inzwischen eine unentbehrliche Option für die unterschiedlichsten Formen von Konfliktarten geworden[8]. Welche Konfliktkonstellationen für die Mediation geeignet sind, muss der Mediator im Einzelfall entscheiden. Grundsätzlich ist der Anwendungsbereich der Mediation aber sehr weitreichend und vielfältig[9].

Stichpunktartig lässt sich festhalten, dass ein Mediationsverfahren dann als Konfliktlösung geeignet ist[10]:

- Wenn der Konfliktstoff nicht (oder noch nicht) justiziabel ist, er also (noch) außerhalb rechtlich relevanter Sachverhalte liegt. Beispielsweise geht es den Parteien im Wesentlichen um Anliegen, Wünsche, Ziele oder Gefühle, die im Rahmen einer gerichtlichen Entscheidung nicht berücksichtigt werden können.
- Wenn die Parteien eine vertrauliche/private Konfliktlösung ohne Öffentlichkeit im Rahmen einer Gerichtsverhandlung bevorzugen.
- Wenn der Konflikt eine zukunftsorientierte Lösung betrifft.
- Wenn das Gerichtsverfahren für den Fall unzweckmäßig, weil zu langwierig/ komplex, oder zu teuer usw. ist.

Die Aufzählung ist nur beispielhaft und macht deutlich, dass durch „mediatives Konfliktmanagement“ der Verfestigung von Streitpunkten bereits im Vorfeld entgegenwirkt werden soll – und so der Konflikt zu einem früheren Zeitpunkt gelöst werden kann[11]. Dass dies positive Auswirkungen auf unsere Konfliktkultur hat, weil auf diesem Weg manche Eskalation vermieden werden kann, liegt auf der Hand.

2.1. Grundlagen der Mediation

§§ 2ff MediationsG regeln, inVerbindung mit der Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren[12], die rechtliche Grundlage des Mediationsverfahrens und die festgeschriebenen Aufgaben des Mediators im Verfahrensablauf. Doch auch wenn es bestimmte Grundsätze des Mediationsverfahrens gibt, so gibt es nicht „die eine richtige Methode“ der Mediation[13].

2.2. Phasenablauf in der Mediation

Die dem Mediationsverfahren immanente Dynamik, die darauf abzielt, gegenwärtig destruktive Handlungen in künftig konstruktive Verhandlungen zu verwandeln und so zu zukunftsfähigen Lösungen zu kommen, macht eine ordnende Struktur des Verfahrens notwendig[14]. Denn die Komplexitätserweiterung ist bei dieser Form der Konfliktlösung so vielgestaltig, dass man ohne eine feste Struktur nicht auskommt und „sich häufig verirren würde“[15].

2.2.1. Phase 1: Vorbereitung, Einführung und Auftragserteilung

Der Erstkontakt zwischen dem Mediator und den streitbeteiligten „Medianden“ erfolgt in aller Regel telefonisch. Hier werden die Rahmenbedingungen der Mediation kurz skizziert, die Kosten angesprochen und der erste Termin vereinbart[16].

Bei dem vereinbarten ersten persönlichen Zusammentreffen stellt sich der Mediator den Parteien vor und erklärt diesen die Regeln und den Ablauf des Mediationsverfahrens, den sogenannten „sicheren Rahmen“[17].

Hierbei wird er die Gesprächsregeln erklären und darauf hinweisen, dass sie, die Medianden, als Experten ihres Konflikts eigenverantwortlich eine Lösung erarbeiten sollen und er, der Mediator, sie in diesem Prozess als neutrale dritte Person dabei unterstützen und durch die verschiedenen Phasen führen wird, er aber in der Sache keine Entscheidungen treffen darf[18].

Ein wichtiger Punkt in dieser Phase ist auch der Hinweis auf die Vertraulichkeit des gesamten Mediationsverfahrens[19]. Die Parteien verpflichten sich dazu, Informationen, die im Verlauf des Verfahrens gewonnen werden, vertraulich zu behandeln und vor allem auch nicht in einem möglichen Gerichtsverfahren späterhin zu verwenden[20].

Diesem Punkt kommt besonders im Bereich der Wirtschaftsmediation große Bedeutung zu[21].

Ein weiterer wichtiger Regelungspunkt sind die Kosten, soweit die Kostenübernahme nicht vorab geklärt worden ist.

Diese wesentlichen Übereinkünfte werden am Ende der ersten Phase in einer Vereinbarung / einem Vertrag schriftlich fixiert und von den Parteien unterschrieben.

2.2.2. Informationsrecherche und Themensammlung

In der zweiten Phase leitet der Mediator über in die Konfliktdarstellung. Die Parteien bekommen nun die Gelegenheit, den Konflikt aus ihrer Sichtweise zu schildern[22]. Der Mediator erinnert die Parteien sinnvollerweise noch einmal daran, die vereinbarten Regeln einzuhalten: einander zuhören, aussprechen lassen, sich nicht ins Wort fallen etc. Er versucht im Verlauf der Konfliktdarstellung unter anderem durch die Technik des Paraphrasierens die wesentlichen Punkte des Konflikts sachlich herauszuarbeiten und das Gehörte auf den Punkt zu bringen, um gemeinsam mit den Parteien alle Themen festzulegen, die in der Mediation bearbeitet werden sollen[23]. „Unabhängig von verbleibenden unterschiedlichen Bewertungen einzelner Umstände sollten die Beteiligten am Ende dieser Phase zumindest ein gemeinsames Verständnis der Konfliktursachen entwickelt haben[24].

2.2.3. Phase 3: Interessenklärung

In der dritten Phase hat der Mediator die Aufgabe, die hinter den geltend gemachten Positionen verborgenen, tatsächlichen Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten zu erforschen[25]. Diese Phase wird, meines Erachtens zu Recht, als das „Herzstück der Mediation“ bezeichnet, weil die zentrale Aufgabe dieses Verfahrens darin besteht, die Beteiligten von den sich gegenseitig ausschließenden Ansprüchen und den von ihnen jeweils bezogenen Positionen wegzubewegen. Es geht darum, herauszufinden, was den Beteiligten wirklich wichtig ist, woran ihnen mehr und woran ihnen weniger liegt[26]. Diese Phase erfordert, besonders auch in der Wirtschaftsmediation, eine sensible Moderation des (Wirtschafts-)Mediators, weil die Parteien intuitiv dazu neigen, Positionen zu beziehen, ohne die eigentlichen Interessen preiszugeben. Das liegt in diesem Zusammenhang auch daran, weil die tiefer zu erforschende Interessenlage der unterschiedlichen Medianden unter anderem den Bereich geschäftlicher Insiderbereiche und das in diesem Kontext stehende Wissen berührt[27], lässt sich aber gedanklich ebenso auf die anderen Themenfelder der Mediation übertragen. Empirische Untersuchungen belegen, dass sich optimale Ergebnisse nur erzielen lassen, wenn die Parteien ihre Präferenzen offenlegen. Davor schrecken sie jedoch häufig zurück, weil sie befürchten, dass ihre Offenheit von der anderen Seite später ausgenutzt wird[28]. Aufgabe des Mediators in dieser Phase ist es deshalb nicht nur, durch Anwendung von unterschiedlichen Techniken die wichtigen Themen herauszuarbeiten. Vielmehr obliegt es ihm, durch einen sensiblen Umgang mit den Medianden eine vertrauensvolle und offene Gesprächskultur in der Mediationssitzung zu gewährleisten[29] und so in einer offenen Atmosphäre nach Möglichkeit zum Kern des Konflikts vorzustoßen.

[...]


[1] Klappenbach, Doris: Mediative Kommunikation, Paderborn 2006, S. 19

[2] Duve/Eidenmüller/Ha>

[3] Klappenbach, ebenda S. 19

[4] Duve /Eidenmüller/Hacke, ebenda S. 84

[5] Ebenda S. 84

[6] Haft/Schlieffen: Handbuch Mediation, von Schlieffen, S. 8; vgl. auch §§ 1 und 2 Mediationsgesetz; so auch Gotthard, Julian: Mediation- Vergleich des Harvardkonzepts mit dem Transformationansatz, Norderstedt 2008, S.3

[7] Haft/Schlieffen, ebenda, S. 8; § 1 Abs.2 MediationsG

[8] Haft/Schlieffen: Handbuch der Mediation, S. XIII

[9] Ebenda, S. 13

[10] Vgl. Aufstellung ebenda, S. 13

[11] Klappenbach, Doris: Mediative Kommunikation, S. 13

[12] ZMediatAusbV (Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Media toren vom 21. August 2016)

[13] Duve/Eidenmüller /Ha>

[14] Breidenbach/Henssler: Mediation für Juristen, Köln 1997, S. 27

[15] Ebenda S. 27

[16] Klappenbach Doris: Mediative Kommunikation; S. 36

[17] Haft/Schlieffen: Handbuch Mediation, S. 22

[18] Duve/Eidenmüller/Ha>

[19] Haft/Schlieffen: a.a.O., S. 27,28

[20] Ebenda S. 28

[21] Duve/ Eidenmüller/Hacke, ebenda S. 124

[22] Klappenbach, Doris: Mediative Kommunikation, S. 36

[23] Ebenda, S. 36

[24] Duve/Eidenmüller/Ha>

[25] Orban, Lajos: die gewaltfreie Kommunikation. Neue Wege in der Mediation und im Umgang mit Konflikten, Norderstedt 2008, S. 51

[26] Duve/Eidenmüller/Ha>

[27] Orban, Lajos: ebenda, S. 52

[28] Duve/Eidenmüller/Hacke, ebenda S. 59

[29] Orban, Lajos: ebenda, S. 59

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mediation als Alternative zum Gerichtsverfahren
Veranstaltung
Weiterbildung
Note
alle Kriterien voll erfüllt
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V353076
ISBN (eBook)
9783668394810
ISBN (Buch)
9783668394827
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anwendungsbereich Mediationsverfahren, Mediation, Kooperative Streitlösung, Konfliktlösung, Streitbeilegung
Arbeit zitieren
Tanja Lyson (Autor), 2016, Mediation als Alternative zum Gerichtsverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353076

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