Die Printmedien. Ein Auslaufmodell?

Ein Essay zum Wandel der Medienlandschaft in Europa und dessen Folgen für den Journalismus


Essay, 2016
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Die Presse vor dem Aus?

Aktuelle Entwicklungen in der Presselandschaft - ein Überblick

Lösen Konkurrenzprodukte Printmedien in Zukunft ab?

Ist der veränderte Medienkonsum ein Risikofaktor?

Kann staatliche Presseförderung die Zeitungskrise entschärfen?

Ein Europa ohne Printmedien und Papierzeitung

Die Printmedien der Zukunft: So könnten sie aussehen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Presse vor dem Aus?

Stell Dir vor wir zählen das Jahr 2040 - und es gibt keine Printprodukte mehr. Statt Tageszeitung konsumieren wir am Frühstückstisch Nachrichten ausschließlich über unser Smartphone oder iPad und durchblättern Magazine nur noch mithilfe einer smarten App. Das ist zwar ein ziemlich unrealistisches Szenario, aber ein vielfach diskutiertes zugleich. Denn kaum ein Tag vergeht, ohne dass Blogger im Internet und die Medien selbst vom Zeitungssterben, dem Untergang der Presse oder dem Ende des gedruckten Wortes in Eu- ropa berichten (vgl. Dengler, 2015, o.S.; Jakubetz, 2012, o.S.; Steger & Witsch, 2015, o.S.) . Anlass für diese verschwörerisch anmutenden Schreckensbilder, die weniger der Re- alität entsprechen, sondern viel mehr ein natürliches Produkt des Wandels der Medienland- schaft sowie des Nutzungsverhaltens darstellen dürften, sind jüngste Berichte über Aufla- genrückgänge, sinkende Werbeumsätze und Personalabbau, über Verlagsinsolvenzen oder die Schließung von (Lokal-)redaktionen (vgl. Röper, 2014, S.254-255). Betroffen von der Zeitungskrise ist gewissermaßen ganz Europa: in Deutschland sind zum Beispiel die „Fi- nancial Times“, die „Frankfurter Rundschau“ und die „Nürnberger Abendzeitung“ Geschichte (vgl. La Roche, Hooffacker, Meier, 2013, S.26), in Frankreich wurden die Wirtschaftszeitung „La Tribune“ sowie „France Soir“ eingestellt (vgl. Kramp, Novy, Ball- wieser & Wenzlaff, 2013, S.23) und in Spanien kämpft „El Pais“ mit harten Sparmaßnah- men um ihr Fortbestehen (vgl. Buhse & Kremers, 2012, o.S.)

Während Medienhäuser zunehmend unter Druck geraten, ist die politisch interessierte Weltöffentlichkeit heute gleichzeitig nicht mehr auf die Berichte professionell ausgebilde- ter Journalisten angewiesen, da Privatleute als Blogger alternative Darstellungen im Netz liefern. Im Zuge dieser Entwicklungen muss zwangsläufig über zwei zentrale Aspekte nachgedacht werden, die im Fokus dieser Arbeit stehen: Wie sieht die Zukunft der Print- medien aus - und wie die Printmedien der Zukunft? Ein besonderes Augenmerk soll hier- bei auf Zeitungen gelegt werden. Eine Antwort darauf, ob Printerzeugnisse weiterhin ex- istieren werden und falls ja, in welcher Form dies zukünftig möglich sein wird, liefert dieser Essay, indem verschiedene begünstigende Faktoren für eine Erosion des Printmark- tes analysiert und an einigen Stellen widerlegt werden. In einem zweiten Schritt werden die Folgen eines möglichen Zeitungssterbens für die Medienlandschaft und den Journalis- mus in Europa beleuchtet. Die Arbeit endet mit einem Resümee, das verschiedene Innova- tionen und Adaptionen für den Zeitungsmarkt der Zukunft vorstellt und für eine Ausweitung der aktuellen Debatte um Distributionswege auf die Frage nach journalistisch- er Qualität plädiert.

Aktuelle Entwicklungen in der Presselandschaft - ein Überblick

Die Frage, ob Printmedien ein Auslaufmodell in Europa sind und - falls nein, wie sie in Zukunft konkret aussehen können, hängt von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren ab: der Finanzierung der Medienprodukte, der Aktualität der Inhalte, der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung und den Bedürfnissen der Rezipienten. Einige dieser Aspekte werden in der folgenden Diskussion zu Entwicklungen in der Medienlandschaft angesprochen und aus ihnen wird abgeleitet, ob die Presse tatsächlich vor dem Aus steht oder sich zumindest signifikant wandeln muss.

Lösen Konkurrenzprodukte Printmedien in Zukunft ab?

Schenkt man den Hiobsbotschaften zahlreicher Journalisten und Kommunikationswissenschaftler Glauben, so endet die Ära Presse deshalb, weil sich Print an gleich drei Fronten gegen neue Konkurrenz verteidigen muss: Onlinemedien, nutzergenerierte Inhalte und Gratiszeitungen (vgl. Weigert & Kramp, 2009, S. 7). Eine nähere Analyse der ‚Wettbewerber‘ zeigt jedoch, dass sie aufgrund ihrer eigenen Schwachstellen die Printmedien auch langfristig nicht auf das Abstellgleis verdrängen dürften.

Zweifelsohne haben sich mit der Etablierung von Onlinemedien die Rahmenbedingungen für den Journalismus europa- bzw. sogar weltweit verändert. Denn Onlinemedien haben den großen Vorteil, dass sich mit ihnen Informationen schneller verbreiten, aktualisieren, ergänzen oder korrigieren lassen. So finden Internetnutzer aktuelle Informationen via Liveticker zahlreicher Onlinemedien heute schneller denn je. Neben der Aktualität der In- halte und der Beschleunigung des Informationsflusses laufen Onlinemedien den klassis- chen Printprodukten jedoch auch unter anderem hinsichtlich Multimedialität, Vernetzung, Interaktivität und kostengünstiger Verbreitung und Produktion den Rang ab. (vgl. Neu- berger, 1999, S. 33-49). Zugunsten des gestiegenen Mobilitätsbedürfnis der Rezipienten überzeugen Onlinemedien auch dadurch, dass sich Informationen flexibel und bequem jederzeit und an jedem Ort abrufen lassen (vgl. Hagen, 1998, S. 133).

Gleichzeitig haben zahlreiche Onlinemedien bislang jedoch kein geeignetes Selbstfi- nanzierungsmodell gefunden und werden noch immer zum Teil durch die Einnahmenerlöse aus Verkauf und Werbung ihrer Print-Pendants am Leben gehalten (vgl. Weichert & Kramp, 2009, S. 4). Solange jedoch eine ausgeprägte finanzielle Abhängigkeit besteht, er- scheint es als unwahrscheinlich, dass Onlinemedien Printprodukte vollständig substituieren werden. Das sich dies auf kurze Sicht ändern wird, ist angesichts der mangelnden Zahlbereitschaft der Rezipienten von Onlinemedien ebenso unwahrscheinlich: In einer repräsentativen Umfrage unter 8700 deutschsprachigen Internetnutzern befürworten nur rund 16% der Befragten eine Finanzierung über kostenpflichtige Inhalte und Services. Gleichzeitig kommen die Marktforscher zu dem Ergebnis, dass für 34% der Befragten OnlineAusgaben lediglich eine Ergänzung zu konventionellen Zeitungen und Zeitschriften darstellen. Eine Bedrohung von Print ist auch damit nicht unmittelbar gegeben. (vgl. 2004 Marktagent.com/Multisearch, zitiert nach Löding, 2004, o.S.)

Ebenso wird aktuell darüber diskutiert, ob nutzergenerierte Inhalte, die im Netz auf Blogs, in Diskussionsforen und über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook von Privatper- sonen verbreitet werden, eine Gefahr für die Printmedien darstellen und diese auf lange Sicht überflüssig werden lassen. Dagegen spricht, dass bislang der Großteil aller Blogger auf Amateurniveau arbeitet - der Haltung von Philip Meyer, emeritierter Journalismuspro- fessor an der University of North Carolina und Simon Waldman, Group Director of Digital Strategy and Development der Guardian Media Group, folgend wären jedoch eine profes- sionelle Ausbildung im Journalismus und die Identifikation mit dem journalistischen Berufsethos wesentliche Voraussetzungen dafür, dass sich nutzergenerierte Inhalte langfristig zu einer ernsthaften Konkurrenz für Printmedien entwickeln können (vgl. Kramp & Weichert, 2010a, S.2; Weichert & Matschke, 2010, o.S.). Solange sich Blogger bei der Recherche, Auswahl und Überprüfung ihrer zu vermittelnden Informationen nicht an den journalistischen Prinzipien orientieren, können sie ihren Rezipienten kein tief- gründiges Wissen über die Fülle alltäglicher Themen vermitteln und komplexe Zusam- menhänge begreiflich machen. Insofern fehlt ihnen bislang die ordnende Funktion, die die klassischen Journalisten in unserer unüberschaubaren Welt einnehmen (vgl. Altmeppen, 2003, S. 113).

Auch die Frage, ob der Marktzutritt von Gratiszeitungen tatsächlich eine Konkurrenz für die europäischen Verlagshäuser und ihre etablierten Zeitungen darstellt, muss verneint werden. Eine Publikation von Machill und Zenker (2006) verweist viel mehr darauf, dass andere strukturellen Faktoren den Auslagenrückgang der Tageszeitung bedingen und Gratiszeitungen ihre Rezipienten zur weiterführenden Information anregen würden. Den- noch werden Gratiszeitungen vor allem in Deutschland stark gefürchtet, wo sie sich bis- lang aufgrund großer Markteintrittsbarrieren nicht etablieren konnten. Dies verhinderten die deutschen Verlagshäuser, wie zum Beispiel DuMont-Schauberg und Axel Springer SE, bislang erfolgreich mit der Veröffentlichung von kostenlosen Konkurrenzblättern, über die sie die Anzeigenpreise künstlich auf einem niedrigen Niveau halten konnten. (vgl. ebd., S. 4-6). Das Beispiel unserer europäischen Nachbarn zeigt hingegen, dass die Gratispresse zwar eine etablierte Konkurrenz zur traditionellen Presse darstellt, diese aber bislang nicht verdrängt hat: die Gratiszeitung „Metro“ erschien im März 2011 in insgesamt 21 Ländern weltweit, darunter Schweden, England, Holland, Frankreich und Spanien, wo sie sich neben den Printzeitungen etablieren konnte (vgl. Nohr, 2011, S. 77). Daneben ist „20 Min- utes“ in der Schweiz, in Spanien und Frankreich vertreten ohne die etablierten Tageszeitungen bislang ersetzt zu haben. (vgl. Haas, 2005, S. 323) Dieses Phänomen bestätigen die ein Jahr später erschienenen Länderanalysen von Haas (2006), die darauf hinweisen, dass etablierte Zeitungen nur geringe Verluste aufgrund des Erscheinens der Gratiszeitungen verzeichnen: „Die Befragten reduzierten weder die Anzahl ihrer Abon- nements, noch drosselten sie den zeitlichen Aufwand, den sie für das Lesen ihrer Kaufzeitungen verwendeten“ (ebd., S. 519). Infolgedessen kann Gratiszeitungen bislang nicht das Potential zugeschrieben werden, die klassischen Zeitungen zu ersetzen. In welchem Maß dies der Gratispresse auf lange Sicht gelingen mag, dürfte aber sicherlich auch von konkreten Merkmalen, wie ihrer Inhaltsstruktur und der Zielgruppe, abhängig sein.

Ist der veränderte Medienkonsum ein Risikofaktor?

Bei der Frage, ob Print bald auf dem Abstellgleis landet, sollte die Debatte stärker auf die Sicht des Nutzers fokussiert werden. Die Fragen, die hier gestellt werden müssen, lauten: Warum werden Printprodukte genutzt und welche ihrer Eigenschaften bewerten die Rezip- ienten positiv? Diesen Aspekten wird bislang jedoch viel zu wenig nachgegangen, weil sich die Debatte dieser Thematik nur sehr einseitig mittels eines Riskofaktors nähert: vielfach wird der Untergang der Printmedien schlichtweg mit dem veränderten Medien- konsum der ‚Digital Natives’ begründet. So lautet der allgemeine Vorwurf, dass Ju- gendliche und junge Erwachsene kein Interesse mehr am gedruckten Wort haben und aus- schließlich Nachrichten über das Internet konsumieren. Entgegen solcher Verallge- meinerungen zeigt die Mediaanalyse 2015 Pressemedien II (zitiert nach ZMG, o.J., S.2) zumindest für Deutschland, dass 33% der befragten Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren jede Ausgabe einer Tages-/Wochen- und/oder Sonntagszeitung konsumieren, bei den zwischen 20 bis 29 Jährigen liegt dieser Anteil bei 47,4%. Besonders interessant sind ergänzend hierzu Studienergebnisse von TNS Emnid Medien- und Sozialforschung (2009), die zum dem Ergebnis kommen, dass der wachsende Internetkonsum den Printmedien nicht so stark wie vermutet schadet: So geben 23% der 14- bis 29-Jährigen an, Zeitungen und Zeitschriften sogar häufiger zu nutzen. (o.J., TNS Emnid Medien- und Sozial- forschung, zitiert nach ZMG, o.J., S.7) Erstaunlich sind diese Ergebnisse nicht. Denn die simplen Vorteile von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften können selbst von den raffi- niertesten Onlineangeboten nicht nachgeahmt werden.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Printmedien. Ein Auslaufmodell?
Untertitel
Ein Essay zum Wandel der Medienlandschaft in Europa und dessen Folgen für den Journalismus
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V353130
ISBN (eBook)
9783668392342
ISBN (Buch)
9783668392359
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
printmedien, auslaufmodell, essay, wandel, medienlandschaft, europa, folgen, journalismus
Arbeit zitieren
Miriam Ziebell (Autor), 2016, Die Printmedien. Ein Auslaufmodell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353130

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