Liebe und Tod in "Die Hochzeit des Mönchs" von Conrad Ferdinand Meyer


Hausarbeit, 2014

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Charaktere Antiope und Diana anhand der griechischen Mythologie
2.1 Antiope als Eros
2.2 Diana als Thanatos

3. Eros und Thanatos im erweiterten Kontext

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie das Gedicht Marmorknabe von Conrad Ferdinand Meyer in wenigen Versen reprä- sentativ zeigt, finden sich mythologische Elemente in diversen Werken Meyers. Er wurde sowohl durch „ romantische Sagen und zeitgenössische Malerei“1, als auch von der griechischen Mythologie, inspiriert.2 Somit zeigen Meyers Werke häufig das Thema der zwei mythologischen Triebe - der Lebens- und Liebesdrang und die Todeslust - Eros und Thanatos.3 Ein in diesem Zusammenhang hervorzuhebendes Werk stellt die Novelle Die Hochzeit des M ö nchs dar. Hierbei stützt sich Meyer auf die Theorie des Philosophen Freuds.

1920 stellt Freud in der Publikation Jenseits des Lustprinzips in seiner zwei- ten „Triebtheorie“4, die Triebe Eros und Thanatos einander gegenüber.5 In der griechi- schen Mythologie ist Eros der Gott der Liebe. Dieser „umfasst die Sexual- und Selbst- erhaltungstriebe und repräsentiert das Lebensprinzip“6. Dem gegenüber steht Thanatos, der „Todestrieb“7, der „nach Zerstörung und Auflösung lebender Einheiten strebt“8.

Der Anspruch meiner hier vorgelegten Hausarbeit ist es, auf Grundlage der Novelle Die Hochzeit des M ö nchs von Conrad Ferdinand Meyer aus dem 19. Jahrhundert, die gegensätzlichen Frauenbilder Antiope und Diana im Hinblick auf den Trieb der Liebe und des Todes, zu analysieren. Darüberhinaus soll unter Betrachtung des gesamten Werks und darüber hinaus die Fragestellung erarbeitet werden, inwiefern Elemente der griechischen Mythologie in Meyers Novelle und seiner Lyrik umgesetzt werden.

Es ist anzumerken, dass sich die meisten dargelegten Ergebnisse auf meine eigene Interpretation der Textpassagen stützen. Hauptgrund hierfür ist, dass es wenig Forschungsliteratur zu Meyers Die Hochzeit des M ö nchs gibt. Bei der existierenden Literatur geht es hauptsächlich um die Darstellung von Rahmen- und Binnenhandlung und nur vereinzelt um die griechische Mythologie.

2. Die Charaktere Antiope und Diana anhand der griechischen Mythologie

Um das Verhältnis von Antiope und Diana und deren mythologische Züge in nachfolgenden Punkten aufzuzeigen, werden vorerst die Entstehung des Konflikts und der Handlungsablauf wiedergegeben.

In der Novelle Die Hochzeit des M ö nchs stehen sich die weiblichen Hauptcharaktere - die „Geschlagene“9 und die „Schlagende“10 - Antiope und Diana in einem Konkur- renzverhältnis gegenüber, die Beide um den selben Mann, den Mönch Astorre werben. Aufgrund eines Unglücks in einer Barke verliert Diana ihren zukünftigen Ehemann Umberto. Dessen Bruder, der Mönch Astorre, rettet Diana aus dem Wasser und geht mit dieser nach Hause, wo sich die Beiden vor seinem sterbenden Vater einander verspre-chen. Astorre legt daraufhin seinen Eid ab und heiratet Diana ohne sie zu Lieben. Die Zukunft des Paares wird durch Antiope in eine andere Richtung gelenkt, denn der Mönch verliebt sich bei einem Wiedersehen mit Antiope in die Grafentochter. Da sich Diana aber auch in Astorre verliebt hat, möchte sie ihren Gatten Antiope nicht überlas-sen. Von Antiopes Mutter ausgehend entsteht der Kampf um den Mönch. Am Ende er-sticht Diana ihre Gegenspielerin Antiope und auch Germano und der Mönch Astorre werden ermordet.

2.1 Antiope als Eros

Für eine Gegenüberstellung der Charaktere Antiope und Eros werden vorerst die Eigenschaften des mythologischen Eros näher umschrieben.

Der von Platon ins europäische Denken gebrachte Eros fand im Gegensatz zum To- destrieb erst wenig Beachtung, bis der Philosoph Freud die Überlegungen durch seine Theorie stützt und die Eigenschaften des Eros „plausibel untermauert“11. Eros ist für uns der Lebenstrieb, Gott der Liebe und Älteste der griechischen Naturgötter.12 Die Le- benstriebe der Erosfigur streben danach, eine „immer größere Einheit zu bilden“, wes- halb sich dieser gerne bindet.

„Die Sexualität [des Eros, L.T.] wird [...] als Prinzip der Vereinigung und das Selbsterhaltungsprinzip als ein homöostatisches Stabilitätsprinzip definiert. Letzteres besagt, dass sich der psychische Apparat unter der Herrschaft der Lebenstriebe eine Span- nungserhöhung gefallen lässt, die zur Verrichtung seiner Leistungsfähigkeit notwendig ist.“

Antiope Canossa ist eine Grafentochter, deren Vater sie und ihre Mutter Gräfin Olympia vor ein paar Jahren wegen seines Todes durch eine Hinrichtung, zurück gelassen hat. Bei der Hinrichtung Antiopes Vaters, treffen sie und Astorre das erste Mal aufeinander, da der Mönch seelischen Beistand leistet.

„Das Bild der Tochter, die damals nicht vom Vater lassen wollte und ihren jugendlichen Hals neben dem väterlichen auf den Henkerblock legte, hat sich seinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt [...].“13

Mit dem Aufeinandertreffen Astorres und Dianas in der Vergangenheit wird „bereits das Ende der Handlung anlegt“14. Als sich Astorre und Antiope nach mehreren Jahren ein zweites Mal begegnen und der Ring, der für Diana zur Vermählung mit Astorre be- stimmt war, Antiope zurollt, erkennt der Mönch diese am kindlichen Hals und wird sich der Liebe zur Grafentochter bewusst.15 Auch Antiope verliebt sich, ohne dass die Bei- den je zuvor ein Wort wechselten. Sie trägt also Liebe für einen Menschen in sich, den sie noch nicht gut kennt. Die liebende und geliebte Antiope ist daher eine Göttin der Liebe. Sie folgt ihrem innewohnenden Lebenstrieb und ist somit als Eros zu sehen. Da- mit vergreift sich Antiope an fremdem Eigentum, steht daher, wie in der Zusammenfas- sung kurz erwähnt, zwischen Astorre und Diana und verhindert deren gemeinsame Hochzeit.16 Antiope ist eine hübsche, natürliche Frau in ihrer Frühblüte.17 Durch ihre Schönheit ist sie sexueller Anreiz für Astorre, stellt somit durch diese weitere mytholo- gische Eigenschaft die Figur des Eros dar und verkörpert somit die Liebe in der gesam- ten Novelle. Astorre steht zu seiner Zuneigung zu Antiope und möchte diese heiraten, obwohl er sich vor seinem sterbenden Vater Diana versprochen hatte.18 Die Frauen konkurrieren um den Mönch, welchen Kampf Antiope mit einem Schlag Dianas und ihrem Tod bezahlen muss. Da Antiope in der Auseinandersetzung mit Diana die „Ge- schlagene“19 repräsentiert, kann hier ein weiterer Bezug zu Eros gezogen werden. Die- ser Bezug basiert auf der Schwäche von Antiope. Auf Grund dessen, dass sich die my- thologische Erosfigur gerne bindet und eine immer größere Einheit anstrebt, ist Antiope ängstlich und fürchtet sich vor einer Trennung mit Astorre. Sie möchte daher eine Be- gegnung mit Diana vermeiden, muss ihr jedoch bei der Hochzeit gegenübertreten, was in ein tragisches Ende übergeht. Bereits die Schicksalhaftigkeit der wahren Liebe über die gesamte Novelle hinweg, die Astorre zu Antiope und nicht zu Diana empfindet, deu- tet auf das Ende der Handlung hin. Antiope wird von Diana, der „von ihr verdrängten Braut“20 am Hals, den Astorre so sinnlich wahrnahm, tödlich verletzt und stellt somit eine Todesbraut dar.

Antiope und Diana stehen sich nicht nur bezüglich Eros und Thanatos konträr ge- genüber, sondern verkörpern auch die „Gegenbilder“21 der Frauentypen der „femme fragile“22 und „femme fatale“23. Durch Antiopes „extrem kindliche Passivität“, ihre „Schwachheit“ und ihre „Wehrlosigkeit“, welche Eigenschaften des Frauentyps sind, stellt sie eine „femme fragile“24 dar. Antiope verkörpert eine „kindliche junge Frau“25, was neben ihrem Erscheinungsbild an ihrem Verhalten in der Situation der Auseinan- dersetzung mit Diana klar wird. Zudem trägt sie die „große Sehnsucht im Herzen“26, von Astorre geheiraten und nicht verstoßen zu werden. Sie charakterisiert eine „ideale Geliebte“27 des Mönchs Augen und beschreibt ein „zerbrechliches, schönes Geschöpf“28 und ist daher für den Mann interessant.

[...]


1 Peter Sprengel: Zugänge zur Unterwelt. Todes-Lust und Mythologie im Spätwerk C. F. Meyers (Die des Mönchs, Die Richterin). In: Wirkendes Wort 46 (1996), S.363-379, hier S. 363.

2 Vgl., Ebd.

3 Vgl. Lothar Bayer: Todestrieb. URL: https://portal.hogrefe.com/dorsch/todestrieb/. (zuletzt aufgerufen am 08.04.2014 um 12.30 Uhr).

4 Peter Zagermann: Eros und Thanatos. Psychologische Untersuchungen zu einer Objektbeziehungstheorie der Triebe. Darmstadt 1988, S. 1.

5 Vgl. Ebd., S. IX.

6 Lothar Bayer: Eros. URL: https://portal.hogrefe.com/dorsch/eros/. (zuletzt aufgerufen am 08.04.2014 um 12.35 Uhr).

7 Zagermann: Eros und Thanatos, S. 13.

8 Beyer: Eros. Online.

9 Conrad Ferdinand Meyer: Die Hochzeit des Mönchs. In: Walter Schafarschik (Hrsg.): Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Erzählungen. Stuttgart 1998, S. 206-301, hier S. 275.

10 Ebd.

11 Ulrich Irion: Eros und Thanatos in der Moderne. Nietzsche und Freud als vollender eines anti- christlichen Grundzugs im europäischen Denken. Würzburg 1992, S. 11.

12 Bayer: Eros. Online.

13 Sprengel: Zugänge zur Unterwelt. Todes-Lust und Mythologie, S. 368.

14 Ebd.

15 Vgl. Meyer: Die Hochzeit des Mönchs, S. 257.

16 Vgl. Ebd., S. 274.

17 Vgl. Ebd., S. 249.

18 Vgl. Meyer: Die Hochzeit des Mönchs, S. 228.

19 Ebd., S. 274.

20 Sprengel: Zugänge zur Unterwelt. Todes-Lust und Mythologie, S. 368.

21 Ariane Thomalla: Die „femme fragile“. Düsseldorf 1972, S. 14.

22 Ebd., S. 13.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 Ebd.

27 Ebd.

28 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Liebe und Tod in "Die Hochzeit des Mönchs" von Conrad Ferdinand Meyer
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V353153
ISBN (eBook)
9783668395763
ISBN (Buch)
9783668395770
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
liebe, hochzeit, mönchs, conrad, ferdinand, meyer
Arbeit zitieren
Lina Tautorat (Autor), 2014, Liebe und Tod in "Die Hochzeit des Mönchs" von Conrad Ferdinand Meyer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353153

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