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Die Begründung des Begriffs Normalisation bei Maria Montessori

Título: Die Begründung des Begriffs Normalisation bei Maria Montessori

Trabajo Escrito , 2001 , 22 Páginas , Calificación: 1

Autor:in: Heike Kellner-Rauch (Autor)

Pedagogía - Reformas pedagógicas
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Montessori-Pädagogik wird meist zuerst mit ihren Methoden in Verbindung gebracht: Freiarbeit, didaktisches Material, die vorbereitete Umgebung. Bleibt man auf dieser praktisch-methodischen Ebene stehen, ist es naheliegend zum Montessori-Fan zu werden. Entsteht doch durch diese Methode ein Bild von einer menschenfreundlichen Schule in der Kinder nach ihren Fähigkeiten gefördert werden können und nicht dem üblichen Druck ausgesetzt sind. Zahlreiche praktische Publikationen geben Zeugnis von der Anwendung. Zu leicht wird dabei jedoch das Ziel der Montessori-Pädagogik aus den Augen verloren. Worum ging es Montessori in ihrer Bildungstheorie? Wo ist der Ansatzpunkt für eine Weiterentwicklung der Montessori-Pädagogik? Was muß bei der praktischen Umsetzung in den Brennpunkt des Interesses gestellt werden?
Montessori war keine Praktikerin in der pädagogischen Arbeit mit Kindern. Vielmehr war sie eine Frau, die aus mannigfaltigen Quellen gespeist ein Praxiskonzept (so Dickopp 1998, S. 18) einer personal-transzendentalen Pädagogik erstellt hat. Sie ist keine Theoretikerin mit großem philosophischen Überbau und sie ist in keinster Weise eine pädagogische Systematikerin, die sich selbst Disziplin in ihrer Argumentation auferlegt hätte. Sie ist aber auch keine "einfache" Denkerin. Sie ist eine Pädagogin des 20. Jahrhunderts, die die Umbrüche und Brüche ihrer Zeit wahrgenommen und zu einer Vision von Erziehung verarbeitet hat. Eine Vision, die auch im beginnenden 21. Jahrhundert wegweisend sein kann.
Ihre Thesen sind Reflexionen über das, was am Kind beobachtet werden kann, schwer zu beweisen und auch über das konkret Sichtbare hinausgehend. Dennoch für die pädagogische Praxis Handlungsorientierung und Verstehenshilfe - wenn man sich auf ihr Denken einlassen will und kann, was im Letzten bedeutet sich auf das Geheimnis, das im Menschen verborgen ist, einzulassen.
Montessoris Grundannahme wird zum Zielbegriff: Es ist hier zu hinterfragen ob aus dem Beobachteten (kurz: Menschen entwickeln sich unter bestimmten Umständen auf eine bestimmte Weise, hier "normal" zu individuellen und sozialen Personen) ein Ziel (hier: Erziehung muß Kinder das Personwerden ermöglichen, muß Normalisation sein) abgeleitet werden darf. Ist das Konzept der Normalisation ein naturalistischer Fehlschluß weil es das IST mit dem SOLL, das Seiende mit dem Angezielten verwechselt?
Aus welchen Quellen ist das Konzept gespeist? Wie begründet Montessori Normalisation? Und was ist Normalisation überhaupt?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Problemaufriß - Horizont der Fragestellung

2 Der Zielbegriff der Normalisation - Notwendige Begriffsklärungen

2.1 Ordnung - Weg und Ziel der Normalisation

2.2 Die Lebensenergien des Menschen

2.3 Die Personalität des Menschen

2.4 Der innere Bauplan des Menschen

2.5 Was ist Normalität?

2.6 Deviation - ein kurzer Blick auf den Gegenbegriff

3 Wie begründet Maria Montessori ihr Konzept der Normalisation?

3.1 "Deviation und Normalisation" (1934/1996)

3.2 "Über die Bildung des Menschen" (1947)

3.3 Zusammenfassung

4 Welche Quellen speisen das Konzept der Normalisation? Die Wurzeln des pädagogischen Denkens Maria Montessoris

4.1 Die Welt folgt einer kosmischen Ordnung

4.2 Jeder Mensch hat einen Bauplan in sich

4.3 Das Kind ist Subjekt seiner Entwicklung

5 Das Konzept der Normalisation ein naturalistischer Fehlschluß?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Normalisation bei Maria Montessori kritisch auf seine wissenschaftliche Begründung hin. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Montessoris Verständnis von „Normalität“ und „Deviation“ als zielgerichtete pädagogische Forderung aus einem naturalistischen Fehlschluss resultiert oder ob sie auf einem tiefergehenden, transzendentalen Verständnis des Menschen als Person basiert.

  • Analyse der zentralen Begrifflichkeiten wie Ordnung, Lebensenergie und innerer Bauplan.
  • Untersuchung der Argumentationslinien in den Werken „Deviation und Normalisation“ sowie „Über die Bildung des Menschen“.
  • Reflexion der ideengeschichtlichen Wurzeln und der Rolle des kosmischen Plans.
  • Auseinandersetzung mit der Frage nach der Subjekthaftigkeit des Kindes in der Montessori-Pädagogik.

Auszug aus dem Buch

Der Zielbegriff der Normalisation - Notwendige Begriffsklärungen

Montessori versteht unter Normalisation eine zweite Geburt des Menschen, in der er seine Identität findet, sich seiner Selbst bewußt wird. Maria Montessori bezeichnet diesen Zustand, der für sie Ziel ihrer pädagogischen Arbeit ist, als den der "psychischen Gesundheit" (Montessori 1947/1966, S. 48). Erreicht werden kann diese Gesundheit durch eine Ordnung des psychischen Lebens, in der das Kind seine wahre Natur offenbaren kann. Diese wahre Natur - seine Personalität und Individualität - ist dem Kind von Anbeginn des Lebens an mitgegeben und verbirgt sich im Menschen. Normalisation meint, daß das Kind sich gemäß dieser Anlage und damit seinem inneren Bauplan nach, frei entwickeln kann. Der Schlüssel zu dieser wahren Natur ist die Konzentration, in der das Kind seine ganze Lebensenergie auf eine handhabbare Sache lenkt, daran Ordnung erfährt und zugleich darin seine personale Ordnung findet.

In der Eigentätigkeit, der "Großen Arbeit" in der "Polarisierung der Aufmerksamkeit" bündeln sich die im Kind lebenden Energien durch das manuelle Umgehen mit einem Gegenstand in ein Miteinander (Vgl. Böhm 1969, S. 175), dem Ziel des Menschen, dem Person-Sein. So findet das Kind im Prozeß der Normalisation durch das zielgerichtete Handeln zu seiner Individualität, es entwickelt Bewußtsein für sich Selbst und findet zu einem harmonischen Gleichgewicht seiner Lebenskräfte.

Das "normalisierte Kind" ist fähig zur Selbsterziehung, in der es seinem "inneren Bauplan der Seele" folgt und frei seine Arbeit und damit sein Leben bestimmen kann. So ist die Normalisation der Ausgangspunkt und Voraussetzung für jede weitere Erziehung, die von Montessori als Selbsterziehung verstanden wird. Zudem versteht Montessori die Normalisation als sittliche und soziale Reifung. So zeichnet sich ein normalisiertes Kind aus "durch ein stabiles Arbeits- und Sozialverhalten (...) das durch Selbstständigkeit, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit und Disziplin bestimmt wird." (Stein 1997a, S. 151)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemaufriß - Horizont der Fragestellung: Das Kapitel führt in die Problematik ein, das Ziel der Montessori-Pädagogik nicht auf rein methodische Aspekte zu reduzieren, sondern das Verständnis vom Menschen als Person in den Fokus zu rücken.

2 Der Zielbegriff der Normalisation - Notwendige Begriffsklärungen: Hier wird Normalisation als „zweite Geburt“ definiert, die durch Konzentration und die Entfaltung des „inneren Bauplans“ zur psychischen Gesundheit führt.

3 Wie begründet Maria Montessori ihr Konzept der Normalisation?: Dieses Kapitel analysiert anhand ausgewählter Schriften, wie Montessori ihre pädagogischen Thesen aus der Beobachtung des Kindes entwickelt und gegen die Gefahr der Deviation abgrenzt.

4 Welche Quellen speisen das Konzept der Normalisation? Die Wurzeln des pädagogischen Denkens Maria Montessoris: Der Fokus liegt auf den ideengeschichtlichen und metaphysischen Grundlagen, insbesondere dem Glauben an eine kosmische Ordnung und der Subjekthaftigkeit des Kindes.

5 Das Konzept der Normalisation ein naturalistischer Fehlschluß?: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Montessoris Begründung weniger auf einem empirisch-naturalistischen Fehlschluss basiert, sondern als Ausdruck einer personal-transzendentalen Pädagogik zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Maria Montessori, Normalisation, Deviation, Montessori-Pädagogik, Personalität, Innerer Bauplan, Konzentration, Polarisation der Aufmerksamkeit, Selbsterziehung, Kosmische Ordnung, Anthropologie, Subjektentwicklung, Psychische Gesundheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und Begründung des zentralen Begriffs der „Normalisation“ im pädagogischen System von Maria Montessori.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Menschenbild Montessoris, die Bedeutung der Konzentration für die kindliche Entwicklung und die Frage nach der ethischen und metaphysischen Fundierung ihrer Erziehungstheorie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, wie Montessori den Begriff der Normalisation begründet und ob ihr Konzept als wissenschaftlich legitime Pädagogik oder als unzulässiger naturalistischer Fehlschluss gewertet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine text-hermeneutische und ideengeschichtliche Untersuchung, die Montessoris Schriften unter Einbeziehung philosophischer und anthropolgischer Perspektiven analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung der Normalisation, die Analyse der zentralen Schriften Montessoris und die Reflexion der ideengeschichtlichen Quellen, etwa des Konzepts der kosmischen Ordnung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören insbesondere Normalisation, Personalität, der innere Bauplan sowie die Unterscheidung zwischen kindlicher Natur und der pädagogischen Einwirkung durch Erwachsene.

Wie unterscheidet Montessori zwischen „normal“ und „deviant“?

Ein normalisiertes Kind folgt seinem inneren Bauplan und zeichnet sich durch Konzentration und Selbstständigkeit aus, während Deviation als eine durch äußere, repressive Einflüsse verursachte Disharmonie der kindlichen Entwicklung beschrieben wird.

Ist das Konzept der Normalisation ein naturalistischer Fehlschluss?

Die Autorin argumentiert, dass kein klassischer naturalistischer Fehlschluss vorliegt, da Montessori ihre Erziehungsnormen nicht rein aus empirischen Fakten ableitet, sondern sie im Horizont eines transzendentalen Personenbegriffs metaphysisch verortet.

Final del extracto de 22 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Begründung des Begriffs Normalisation bei Maria Montessori
Universidad
University of Hagen  (Pädagogik/Erziehungswissenschaften)
Curso
Systematische Erziehungswissenschaft
Calificación
1
Autor
Heike Kellner-Rauch (Autor)
Año de publicación
2001
Páginas
22
No. de catálogo
V3531
ISBN (Ebook)
9783638121781
ISBN (Libro)
9783640202485
Idioma
Alemán
Etiqueta
Begründung Begriffs Normalisation Maria Montessori Systematische Erziehungswissenschaft
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Heike Kellner-Rauch (Autor), 2001, Die Begründung des Begriffs Normalisation bei Maria Montessori, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3531
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