In der Hausarbeit wird zunächst der Begriff der schönen Seele nach Schiller genauer erläutert und auf die Titelheldin seines Stücks "Maria Stuart" angewendet. Dabei wird vor allem die Entwicklung des Charakters im Laufe des Stückes näher betrachtet. Daher wird auch eine Analyse der Beziehung zwischen beiden Königinnen vollzogen, da beide einen immensen Einfluss auf die Entwicklungen der jeweils anderen haben. In diesem Zusammenhang wird analysiert, wer als Siegerin und Verliererin aus dem Stück hervorgeht.
Anschließend findet eine Bewertung der beiden Kontrahentinnen statt, welche keine bloße Gegenüberstellung von Gut und Böse sein soll, sondern vielmehr die unterschiedlichen Beweggründe beider Frauen verdeutlichen soll. Dafür wurden Auszüge des Werkes gewählt, welche exemplarisch die individuellen inneren Beweggründe für das Handeln von Elisabeth und Maria verdeutlichen. Das Resultat der Hausarbeit soll eine ausführliche Bewertung von Maria Stuart als schöne Seele sein.
Inhaltsverzeichnis
1.)Einleitung
2) Schillers Modell der schönen Seele
3) Maria Stuart- eine schöne Seele?
4) Prozess zur Entwicklung der schönen Seele
5) Konflikt und Einflussnahme der Königin Elisabeth
6) Fazit: Maria Stuart- Erhabene Seele oder Schöne Seele?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der „schönen Seele“ nach Friedrich Schiller und dessen Anwendbarkeit auf die Titelheldin des Dramas Maria Stuart. Im Fokus steht dabei die Analyse der charakterlichen Entwicklung der Protagonistin im Kontext ihrer Beziehung zur englischen Königin Elisabeth sowie die differenzierte Betrachtung der Begriffe „schöne Seele“ und „erhabene Seele“.
- Untersuchung der ästhetischen Definition der „schönen Seele“ nach Schiller.
- Analyse der charakterlichen Entwicklung von Maria Stuart im Verlauf des Dramas.
- Gegenüberstellung und Untersuchung der wechselseitigen Beeinflussung von Maria Stuart und Elisabeth.
- Differenzierung zwischen dem Zustand der Erhabenheit und der schönen Seele.
- Beurteilung, ob Maria Stuart als Verkörperung des schillerchen Ideals gelten kann.
Auszug aus dem Buch
3) Maria Stuart - eine schöne Seele?
Nun stellt sich die Frage, lässt sich dieses Ideal einer schönen Seele auf die Figur der Maria Stuart übertragen? Das Gemälde stellt den Abschied Maria Stuarts auf dem Weg zum Schafott dar. Die Menschen trauern bereits um ihren Verlust. Sie knien vor ihr, küssen ihr die Hand, senken ihre Blicke. Maria selbst sticht heraus. In ihrer linken Hand hält sie ein Kreuz, ihr Glaube war immer ein fester Bestandteil in ihrem Leben. Sie tritt erhaben ohne Furcht und anmutig ihrem Schicksal, mit festem Blick zum Betrachter, entgegen - eine Personifikation der schönen Seele.
Doch dieses Bild lässt sich nicht von Anfang an von Maria machen. Es wird in der Literaturkritik vielmehr von einer Wandlung zur schönen Seele gesprochen. Anfangs agiert Maria eher leidenschaftlich, unbedacht und launenhaft. Sie neigt dazu ihren Emotionen zu folgen und damit einhergehend unüberlegt zu handeln. Im Wortgefecht mit der englischen Königin vergisst sie sich und handelt entgegen ihres Vorhabens, den Konflikt zu lösen: „Der Thron von England ist durch einen Bastard Entweiht, der Briten edelherziges Volk Durch eine list´ge Gauklerin betrogen. –Regierte Recht, so läget Ihr vor mir Im Staube jetzt, denn ich bin Euer König.“
Es fällt auf, dass es Widersprüche zu Maria als schöne Seele im Stück zu geben scheint. Auf der einen Seite ist Maria im Streitgespräch mit Elisabeth leidenschaftlich und unbedacht, und auf der anderen Seite als erhabene, reine und freie Königin auf dem Weg zum Schafott. Dies ist der Grund, dass Maria nicht von Anfang an als schöne Seele betrachtet werden kann. Der innere Wandel der Figur Marias scheint auf den ersten Blick sehr abrupt und kurz vor der Hinrichtung stattzufinden, aber bei einer näheren Betrachtung fällt auf, dass sich dieser Wandel nach und nach vollzogen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1.)Einleitung: Diese Einleitung führt in Schillers Maria Stuart ein, skizziert die Hauptkonflikte und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Einordnung Maria Stuarts als „schöne Seele“.
2) Schillers Modell der schönen Seele: Dieses Kapitel erläutert Schillers theoretische Definition der schönen Seele als Harmonie von Sinnlichkeit und Vernunft sowie als Ausdruck moralischer Freiheit.
3) Maria Stuart- eine schöne Seele?: Hier wird die Anwendbarkeit des theoretischen Modells auf Maria Stuart kritisch hinterfragt, wobei insbesondere die anfängliche Leidenschaftlichkeit der Figur hervorgehoben wird.
4) Prozess zur Entwicklung der schönen Seele: Dieses Kapitel analysiert die schrittweise Charakterentwicklung Marias über drei Phasen hin zur erhabenen Seele.
5) Konflikt und Einflussnahme der Königin Elisabeth: Die Analyse konzentriert sich auf Elisabeth als Gegenpol Marias, deren egoistisches Handeln und Machtpolitik maßgeblich den Leidensweg und die Entwicklung Marias beeinflussen.
6) Fazit: Maria Stuart- Erhabene Seele oder Schöne Seele?: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Maria Stuart eher als „erhabene Seele“ denn als vollendete „schöne Seele“ zu interpretieren ist.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Maria Stuart, schöne Seele, erhabene Seele, klassizistische Ästhetik, Königin Elisabeth, Charakterentwicklung, moralische Freiheit, Tragödie, Idealismus, Vernunft, Sinnlichkeit, Selbstüberwindung, Dramentheorie, ästhetische Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Schillers Dramentheorie, insbesondere das Ideal der „schönen Seele“, und wendet dieses auf die Hauptfigur Maria Stuart an.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit klassizistischer Ästhetik, der psychologischen Entwicklung von Charakteren in Extremsituationen und dem moralischen Spannungsfeld zwischen Machtpolitik und persönlicher Freiheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, ob die Figur Maria Stuart als Verkörperung des schillerchen Ideals der „schönen Seele“ betrachtet werden kann oder ob sie eher als „erhabene Seele“ einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die Schillers ästhetische Schriften mit dem Werk Maria Stuart vergleicht und Forschungsmeinungen in die Argumentation einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der schönen Seele, untersucht Marias Weg von einem leidenschaftlichen Charakter zur erhabenen Seele und beleuchtet Elisabeths destruktiven Einfluss als Gegenpol.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schiller, Maria Stuart, schöne Seele, erhabene Seele, Ästhetik, Charakterentwicklung und moralische Freiheit sind die zentralen Begriffe.
Wie unterscheidet sich die „erhabene Seele“ von der „schönen Seele“ nach Schiller?
Während die schöne Seele die harmonische Einheit von Neigung und Pflicht beschreibt, ist die erhabene Seele durch die Selbstbehauptung des Geistes gegen das Leiden und die Kontrolle der Triebe in einer Extremsituation gekennzeichnet.
Warum spielt Königin Elisabeth eine so entscheidende Rolle für Marias Entwicklung?
Elisabeth fungiert durch ihre Intrigen und das Todesurteil als Katalysator, der Maria dazu zwingt, sich von weltlichen Bindungen zu lösen und die Stufe der erhabenen Seele zu erreichen.
Kommt die Arbeit zu einem endgültigen Urteil über Maria Stuart?
Ja, die Arbeit argumentiert, dass Maria Stuart primär als „erhabene Seele“ zu deuten ist, da sie das Ideal der schönen Seele aufgrund ihres bewegten Lebens und ihrer menschlichen Regungen nicht vollständig erfüllt.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die heutige Zeit?
Der Autor betont, dass Schillers Ideale weiterhin als Orientierung für moralisches Handeln in der modernen Gesellschaft dienen können, auch wenn sie als absolute Ideale kaum erreichbar sind.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Arlt (Autor:in), 2016, Friedrich Schillers "Maria Stuart". Eine Verwandlung zur schönen Seele?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353237