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Magersucht in Eltern-Kind-Beziehungen

Das Dilemma von Autonomie im goldenen Käfig

Titel: Magersucht in Eltern-Kind-Beziehungen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 24 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Melissa Quantz (Autor:in)

Psychologie - Entwicklungspsychologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Folgenden soll erörtert werden, inwiefern der familiäre Kontext zu der Erstmanifestation von Magersucht bei jungen Frauen beiträgt. Sozialpsychologische, kulturelle Einflussfaktoren oder die Rolle des Vaters sollen dabei nicht beleuchtet werden, sondern die Beziehungen innerhalb der Familie, besonders die Mutter-Tochter-Beziehung, mit dem Fokus auf entwicklungsgerechte Autonomiebestrebungen der Töchter.

Eine Diät zu halten ist in unserer westlichen Gesellschaft nichts Ungewöhnliches. Verfolgt man die Angebote der Kaufhäuser, ist der eigene Wirtschaftszweig rund um Fitness, Schönheit und Schlankheit wohl unübersehbar. Doch die Diät ist keine neumodische Erscheinung. Heute scheint die Reduzierung der eigenen Nahrungsaufnahme jedoch außer Kontrolle zu geraten. Wer schön sein will, müsse leiden, heißt es. Diskussionen über magersüchtige Modells haben den Blick auf die gefährlichen Schlankheitsideale gelenkt. Gerade junge Mädchen versuchen sich während der Pubertät das erste Mal an einer Diät – schnell wird der effizienteste Weg erkannt: weniger essen. Hungern. Am Ende steht nicht selten die Magersucht. Völlig außer Acht gelassen wird jedoch, dass das Motiv junger Mädchen nicht Schönheit sein muss, denn Magersucht ist so viel mehr als der bloße Wunsch, schlank zu sein. Dabei geht es eben nicht um Schlanksein, sondern um die Kontrolle des eigenen Körpers und des Essens. Es geht um Stärke, Autonomie und Unabhängigkeit.

Jährlich sterben etwa 33-100 Menschen in Deutschland aufgrund von Essstörungen – 90% davon sind weiblich! Bei Erstmanifestation von Anorexia Nervosa befinden sich Mädchen mit durchschnittlich 14-18 Jahren noch in ihrem Elternhaus – wie ist die Entstehung dieser lebensbedrohlichen Störung in diesem jungen Alter möglich? Wie kann ein solcher Wahn nach Schlankheit und Perfektionismus entstehen? Warum hungern junge Mädchen sich zu Tode? Das Störungsbild muss in ihren besonderen Wirkungsmechanismen verstanden und die Motive junger Mädchen erkannt werden, bevor angemessene Hilfe geleistet werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diagnostik von Anorexia Nervosa

2.1 Verbreitung und Häufigkeit

3. Die Familie

3.1 Die soziale Beziehung: Die Eltern-Kind-Beziehung

3.2. Die Mutter-Tochter-Beziehung

3.3 Dilemmata in der Mutter-Tochter-Beziehung

4. Erziehungsstile

4.1 Zwei-Faktoren-Modell

4.2 Drei-Faktoren-Modell

5. Die Perfekte Familie: Wenn Illusion zur Realität werden soll

6. Fazit: Warum Separation und Individuation nötig ist

7. Anhänge

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den familiären Kontext als entscheidenden Faktor bei der Erstmanifestation von Magersucht (Anorexia Nervosa) bei jungen Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Mutter-Tochter-Beziehung, den herrschenden Erziehungsstilen sowie den Konflikten bezüglich der entwicklungsgerechten Autonomiebestrebungen der Töchter innerhalb leistungsorientierter Familien der Mittel- und Oberschicht.

  • Analyse der Mutter-Tochter-Beziehung und deren Dilemmata
  • Untersuchung von Erziehungsstilen und deren Einfluss auf die Autonomieentwicklung
  • Identifikation der "perfekten Familie" als Risikofaktor (goldener Käfig)
  • Verständnis der Magersucht als Versuch der Autonomieerlangung durch Körperkontrolle

Auszug aus dem Buch

3.3 Dilemmata in der Mutter-Tochter-Beziehung

Töchter orientieren sich an ihrer Mutter, möchten genauso werden wie sie – aber trotzdem anders sein. Die Doppelbotschaft „Sei wie ich, aber sei anders“ kann erhebliche Spannungen zur Folge haben, denn jegliche Veränderung innerhalb der Beziehung wird von beiden als Bedrohung für die Beziehung wahrgenommen. Gerade während der Pubertät der Tochter ist diese Beziehung empfindlich: es wird eine Veränderung der Tochter erwartet, doch eine Entwicklung von mehr Ungleichheit und Differenz und damit weg von der Mutter ist genauso Quell von beziehungsbedrohlichen Spannungen wie eine Entwicklung von mehr Gemeinsamkeiten, denn das Kind soll und will nicht genauso wie die Mutter werden – sondern eigen und individuell sein (vgl. Surrey, J., 1996).

Die Tochter kann diesem Anspruch also nicht gerecht werden. Sie (und möglicherweise auch die Mutter) fürchtet also die Trauer und Kränkung, die eine Trennung mit sich ziehen würde. Doch eine gesunde Entwicklung, beginnend in der Pubertät und sich ziehend bis hin in die Adoleszenz, beinhaltet eine solche Trennung. Statt also sich weiterzuentwickeln – was zwangsläufig Konflikt und damit momentane Belastung der Mutter-Tochter-Beziehung nach sich zieht – versucht die Tochter, die befürchtete Kränkung und Trauer zu vermeiden und stagniert damit in ihrer Entwicklung (vgl. Surrey, J., 1996).

Gerade dadurch entsteht jedoch ein quasi chronischer Ärger! Denn gleichzeitig ist dort der Wunsch nach Authentizität. Der intimen und tiefen Beziehung gerecht werden wollend, wollen beide ehrlich mit ihren Gefühlen zueinander umgehen. Das heißt aber auch, Kritik und Wut zu äußern – was wiederum diese intime Beziehung gefährdet. Auch hier entwickeln sich also, genau wie in der oben erläuterten Doppelbotschaft, Intentionen, die gegensätzliches Verhalten verlangen. In der Problematik der Magersucht bei Töchter wird dieses Problemverhalten meist innerhalb der Familie erst einmal „tot geschwiegen“– trotzdem ist es die Mutter, die das Problem als Erstes erfühlt und anspricht (vgl. Surrey, J., 1996). Doch dieses Einmischen der Mutter führt zu umso mehr Spannungen und schafft sich da Feinde, wo es Freunde sucht; sprich – es verstärkt das problematische Verhalten der Tochter nur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz von Essstörungen und definiert den Fokus der Arbeit auf die familiäre Dynamik, speziell die Mutter-Tochter-Beziehung, bei der Erstmanifestation von Magersucht.

2. Diagnostik von Anorexia Nervosa: Dieses Kapitel erläutert medizinische Kriterien der Magersucht, die Rolle des Body-Mass-Index und die Abgrenzung von gesundem Diätverhalten zur krankhaften Essstörung.

2.1 Verbreitung und Häufigkeit: Hier werden statistische Daten zur Prävalenz von Essstörungen bei Jugendlichen und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Erstmanifestation dargelegt.

3. Die Familie: Es wird die zentrale Rolle der Familie als "sichere Basis" und der notwendige Spagat zwischen familiärer Verbundenheit und notwendiger Abkopplung im Jugendalter analysiert.

3.1 Die soziale Beziehung: Die Eltern-Kind-Beziehung: Die allgemeine Dynamik familiärer Beziehungen, geprägt durch Asymmetrie und den Prozess der Autonomiegewährung, wird hier theoretisch verankert.

3.2. Die Mutter-Tochter-Beziehung: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Mutter als primäre Bezugsperson und dem Einfluss mütterlicher Feinfühligkeit auf die Bindungsentwicklung.

3.3 Dilemmata in der Mutter-Tochter-Beziehung: Die spezifischen Spannungsfelder zwischen dem Wunsch nach Ähnlichkeit und dem Streben nach Individualität bei Töchtern werden als Ursprung für Entwicklungskonflikte diskutiert.

4. Erziehungsstile: Die Auswirkungen verschiedener elterlicher Erziehungsstile auf die Entstehung von Anorexia Nervosa werden als familienzentrierter Erklärungsansatz beleuchtet.

4.1 Zwei-Faktoren-Modell: Basierend auf Dimensionen von Anforderungen und Kommunikation werden vier Erziehungsstile klassifiziert und deren Zusammenhang mit Magersucht bewertet.

4.2 Drei-Faktoren-Modell: Dieses Modell erweitert die Betrachtung um die psychologische Kontrolle, die insbesondere bei der Verhinderung der Autonomieentwicklung eine Rolle spielt.

5. Die Perfekte Familie: Wenn Illusion zur Realität werden soll: Die Problematik leistungsorientierter Familien, in denen emotionale Oberflächlichkeit und unterdrückte Konflikte herrschen, wird hier detailliert dargestellt.

6. Fazit: Warum Separation und Individuation nötig ist: Die Arbeit resümiert die Bedeutung der Autonomieentwicklung und plädiert für emotionale Unterstützung statt Co-Abhängigkeit, um das Überleben der betroffenen Töchter zu sichern.

7. Anhänge: Beinhaltet ergänzende BMI-Tabellen und grafische Wachstumskurven zur Einordnung des Körpergewichts bei Jugendlichen.

8. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.

Schlüsselwörter

Magersucht, Anorexia Nervosa, Mutter-Tochter-Beziehung, Adoleszenz, Autonomieentwicklung, Erziehungsstile, Familienpsychologie, Essstörungen, Leistungsorientierung, Körperkontrolle, psychologische Kontrolle, Separation, Individuation, familiäre Dynamik, Adoleszenzkrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den familiären Hintergrund, insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung, als einen maßgeblichen Einflussfaktor für die Entstehung von Magersucht bei jungen Mädchen im Jugendalter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Adoleszenz als Entwicklungsphase, der Einfluss verschiedener Erziehungsstile, die Bedeutung der familiären Kommunikation sowie der Wunsch nach Autonomie und Kontrolle durch das eigene Essverhalten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu erörtern, wie einengende, leistungsorientierte familiäre Kontexte zur Erstmanifestation einer Magersucht bei Töchtern beitragen und warum eine gesunde Ablösung von der Mutter für die psychische Gesundheit essenziell ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis psychologischer Fachliteratur, Erziehungsstilmodellen (z. B. nach Maccoby & Martin sowie Barber) und Fallbeispielen die Ursachen von Anorexia Nervosa analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Diagnostik, die Rolle der Familie als System, die spezielle Mutter-Tochter-Beziehung, verschiedene Erziehungsstilmodelle sowie das Phänomen der "perfekten Familie", das oft den Hintergrund für die Magersucht bildet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Magersucht, Anorexia Nervosa, Autonomieentwicklung, Erziehungsstile, Mutter-Tochter-Beziehung und familiäre Dynamik.

Was versteht die Autorin unter dem "goldenen Käfig"?

Der Begriff beschreibt ein nach außen hin intaktes, bildungsnahes und wohlhabendes Elternhaus, das für die Tochter aufgrund extremer Erwartungen und mangelnder emotionaler Autonomie zu einer einengenden Umgebung wird, aus der sie in die Magersucht flieht.

Warum spielt die Kontrolle über den eigenen Körper eine so zentrale Rolle?

Die Autorin argumentiert, dass Mädchen in den beschriebenen familiären Strukturen kaum Möglichkeiten zur eigenständigen Entfaltung haben. Die Kontrolle über Essen und Gewicht dient als einziger "sicherer" Bereich, in dem sie Wirksamkeit erfahren und sich Autonomie verschaffen können.

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Details

Titel
Magersucht in Eltern-Kind-Beziehungen
Untertitel
Das Dilemma von Autonomie im goldenen Käfig
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Psychologie)
Note
1,3
Autor
Melissa Quantz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V353324
ISBN (eBook)
9783668395503
ISBN (Buch)
9783668395510
Sprache
Deutsch
Schlagworte
magersucht essstörung eltern kind mutter tochter beziehung dilemma goldener käfig entwicklung entwicklungspsychologie psychologie autonomie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melissa Quantz (Autor:in), 2014, Magersucht in Eltern-Kind-Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353324
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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