Naturverbundenheit und Umweltverhalten. Eine empirische Studie zu Einflussfaktoren des Littering-Verhalten


Wissenschaftliche Studie, 2016

48 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Umweltbewusstsein
2.2. Umweltverhalten: Littering
2.3. Naturverbundenheit
2.4. Theory Of Planned Behaviour
2.5. Norm-Aktivierungs-Modell

3. Fragestellung und Hypothesen

4. Methode
4.1. Stichprobe
4.2. Material
4.2.1. Fragebogen zu Naturbewusstsein: Naturerleben und Naturschutz
4.2.2. Skalensystem zur Erfassung des Umweltbewusstseins (SEU): Littering
4.3. Untersuchungsablauf

5. Ergebnisse
5.1. Gütekriterien der Variablen
5.2. Hypothesenprüfung

6. Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
A: Fragebogen
B: Naturschutzprojekte

Abstract

Das Naturverhalten Littering muss nicht nur durch das Umweltbewusstsein oder das Umweltwissen beeinflusst sein. In dieser empirischen Studie wurde der Zusammenhang der empfundenen Verbundenheit zur Natur und dem Littering untersucht. Die Naturverbundenheit stellt hier Aspekte der emotionalen Verbundenheit zur Natur, des Naturerlebens, des Naturschutzes und der persönlich empfundenen Verantwortung zum Naturschutz dar. Es wurde demnach kein Umweltwissen abgefragt. Es konnte ein signifikanter, hoher Zusammenhang von Littering und Naturverbundenheit festgestellt werden. Daneben konnte festgestellt werden, dass Frauen weniger Littering und mehr Naturverbundenheit zeigen. Unterschiede im Littering und in der Naturverbundenheit konnten ebenfalls hinsichtlich des Alters, der Bildung und des Einkommens festgestellt werden, wobei höhere Ausprägungen dieser soziodemographischen Daten mit weniger Littering und mehr Naturverbundenheit einhergehen. Die Aufenthaltsdauer in der Natur und die Naturverbundenheit korreliert ebenfalls positiv miteinander, wie auch die aktive Teilnahme an einem Naturschutzprojekt. In weiteren Studien sollten qualitative Aspekte der Naturerfahrungen in Zusammenhang mit der Naturverbundenheit untersucht werden.

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenhang Naturverbundenheit und Littering

1. Einleitung

Die Umwelt gelangt seit den letzten Jahrzehnten vermehrt in das Blickfeld wissenschaftlicher, aber auch gesellschaftlicher Betrachtung. Im Zuge des schnellen Lebenswandels, der nach immer Neuem verlangt, ist der Verbrauch an natürlichen Ressourcen extrem angestiegen. Die Umwelt leidet und es kommt vermehrt zu Naturkatastrophen, womit sich der Mensch selbst seines Lebensraumes beraubt. Allerdings liegt das Problem nicht „ in technischen oder biologischen Prozessen, sondern im Wahrnehmen und Handeln von Menschen “ (Homburg & Matthies, 1998, S. 9).

Das Littering ist ein besonderes Umweltverhalten und beschriebt das sog. „Vermüllen“ von öffentlichen Plätzen. Insbesondere könnten also Verpackungsabfälle aus Plastik einfach in der Umwelt entsorgt werden – dieses Plastik gelangt oft in die Weltmeere. Das Ausmaß der Katastrophe wird deutlich, wenn man bedenkt, dass allein der Meeresmüll aus 60-80% Plastik besteht (Derraik, 2002). Das Littering in öffentlichen Räumen nimmt gleichzeitig immer weiter zu (Fehr et al., 2014; Williams et al., 1997), sodass eine Handlungsdringlichkeit besteht. Vor allem aus psychologischer Sicht sind die verhaltenssteuernden Prozesse des Menschen interessant, die zum Littering führen. Dabei kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein generelles Umweltbewusstsein zu umweltfreundlichem Verhalten führt. Zwischen Einstellung und Verhalten liegt eine große Diskrepanz vor, sodass es andere Faktoren geben muss, die einen Einfluss auf das Littering haben. Auch das Umweltwissen alleine scheint nicht ausreichend zu sein, um ein umweltfreundliches Verhalten der Gesellschaft zu bewirken.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, in wie weit die Naturverbundenheit einen Einfluss auf das Umweltverhalten Littering hat. Die Naturverbundenheit umfasst dabei Komponenten des Naturschutzes und des Naturerlebens, aber auch der empfundenen Verantwortlichkeit sowie gegenüber Umweltproblemen. Verhalten sich Personen, die eine hohe Verbundenheit zur Natur aufweisen, umweltfreundlicher? Dabei sollen ebenfalls soziodemographische Faktoren untersucht werden, die die Naturverbundenheit oder das Littering beeinflussen könnten. Auch die tatsächlichen Naturerfahrungen sowie aktiver Naturschutz sollen in Zusammenhang mit der Naturverbundenheit betrachtet werden. Dazu werden im ersten Schritt die Begriffe Umweltbewusstsein, Littering und Naturbewusstsein beschrieben sowie die Theory Of Plannend Behaviour (Ajzen, 1985) und das Norm-Aktivations-Modell (Schwartz, 1975) erläutert. In Zusammenhang mit aktuellen Forschungen werden nachfolgend die Hypothesen vorgestellt. Im nächsten Kapitel wird die Methodik mit dem verwendeten Material, sowie Stichprobe und Untersuchungsablauf beschrieben. Danach werden die Ergebnisse vorgestellt und kritisch reflektiert.

2. Theoretischer Hintergrund

In dieser empirischen Arbeit werden Unterschiede des Umweltverhaltens in Zusammenhang mit der Naturverbundenheit und dem Umweltbewusstsein aus psychologischer Perspektive betrachtet. Dafür ist eine umfassende Beleuchtung des theoretischen Hintergrundes sowie des bisherigen Forschungsstandes notwendig. Die Begriffe Umweltbewusstsein sowie Naturverbundenheit werden dafür zunächst definiert und beleuchtet. Als Umweltverhalten soll hier das sog. Littering Beachtung finden. Den psychologischen Kontext bilden die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985, ebd. 1991; Fishbein & Ajzen, 1977) sowie das Normaktivierungsmodell altruistischen Handelns (Schwartz, 1975; ebd., 1977), die ebenfalls umfassend erläutert werden.

2.1. Umweltbewusstsein

Der Begriff Umweltbewusstsein erfreut sich insbesondere seit den letzten Jahrzehnten einer großen Popularität. In den 70er Jahren wurde das Abfallbeseitigungsgesetzt in der BRD verabschiedet, ca. zwei Jahrzehnte später führte die Verpackungsordnung zu weiteren Wiederverwertungsbestrebungen. Recycling, Öko-Produkte, Fair Trade und Bio sind geradezu zu einem Trend erwachsen, sodass auch Privatpersonen sehr auf ihren ökologischen Fußabdruck bedacht zu sein scheinen. Doch genau diese Popularität hat ebenfalls dazu geführt, dass der Begriff Umweltbewusstsein inflationär als Sammelbegriff verwendet wird (Preisendörfer, 1999). Auch in der Literatur wird der Begriff Umweltbewusstsein unterschiedlich verwendet, da es keine allgemein gültige Definition gibt. Je nach dem, in welchen Zusammenhang der Begriff Umweltbewusstsein beleuchtet werden soll, ergibt sich demnach eine andere Bedeutung (Spada, 1990). Stellenweise ist nach Fuhrer (1995) demnach ein Defizit in der Theorie zu verorten. Was bedeutet Umweltbewusstsein tatsächlich? In der Definition des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen wird Umweltbewusstsein als „Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst, verbunden mit der Bereitschaft zur Abhilfe“ definiert (Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, 1978, S. 445; auch in Häcker & Stapf, 2009). Hier wird deutlich, dass es zunächst um die bewusste Erkenntnis geht, dass der eigene Lebensraum durch den Menschen selbst gefährdet wird. Der Lebensraum ist dabei die Umwelt, die im weitesten Sinne natürliche und menschliche Phänomene der räumlichen Sphäre darstellt, die eine Wechselwirkung von Mensch und Umwelt mit umfasst (Abed Almaskoud, 1986). Mit einer bestimmten Beeinflussung der Umwelt durch den Menschen gefährdet dieser jedoch seinen eigenen Lebensraum. Doch diese Erkenntnis allein bildet noch kein Umweltbewusstsein: auch muss der Wille zur Veränderung vorhanden sein. Betrachtet man die Wirkungen des Menschen auf die Umwelt, so ist das Einstellen dieser Art von Umweltveränderungen durch den Menschen auch dringend nötig: Verluste der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich, Umweltverschmutzung, Lärm, Klimawandel oder auch das Ozonloch stellen durchaus eher Handlungskonsequenzen des Menschen als natürliche Prozesse dar (Kruse, 1995; Preuss, 1991). Ähnlich der Definition des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen schließt auch Schick in der Definition von Umweltbewusstsein tatsächliches Handeln zum Schutz der Umwelt ein (Schick, 2001). Daneben kennzeichnet er den Begriff Umweltbewusstsein vor allem durch den „Intensitätsgrad“, der „Alltagsverbindlichkeit und der Konkretheit bei der gedanklichen Auseinandersetzung mit den Umweltgegebenheiten“ (Schick, 2001, S. 409). Die emotionale Verankerung spielt allerdings in seiner Definition ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Generell lässt sich Umweltbewusstsein jedoch in zwei grundlegenden Perspektiven behandeln: In eindimensionalen Konzepten wird Umweltbewusstsein als eine einzige, meist affektive, Komponente innerhalb eines Wirkungsprozesses aufgefasst. Demzufolge kann Umweltbewusstsein als Einstellung oder Werthaltung dargestellt werden, was insbesondere innerhalb von psychologischen Konzepten anwendbar ist. Da Einstellungen und Werthaltungen das individuelle Verhalten beeinflussen (Fishbein & Ajzen, 1977), könnte so erklärt werden, warum manche Menschen sich umweltfreundlicher verhalten als andere. Allerdings ist diskutabel, ob Umweltbewusstsein tatsächlich als eindimensionales Konzept zu betrachten ist: mehrdimensionale Konzepte gehen von mehreren Komponenten aus, die Umweltbewusstsein ausmachen (De Haan & Kuckartz, 1996; Homburg & Matthies, 1998). Dabei kann von Komponenten wie Umweltwissen, Umwelteinstellung und Umweltverhalten ausgegangen werden (bspw. Langeheine & Lehmann, 1986), oder auch von umweltrelevanten Wertorientierungen, Einstellungen sowie der Handlungsbereitschaft (Urban, 1986). Die Unterteilung in kognitive, affektive sowie konative Komponenten ist durchaus sinnvoll, um verhaltensregulierende Komponenten genauer identifizieren zu können. Damit könnten im nächsten Schritt Strategien zur Verhaltensänderung entwickelt werden. Im Alltagsverständnis von Umweltbewusstsein weist dieses Bestandteile auf, die ebenfalls in kognitive, affektive und konative eingeteilt werden können: Kognitionsbestände (Umweltwissen), Wahrnehmungen (von bspw. Umweltproblemen), emotionale Reaktionen, Einstellungen (zu Umweltmaßnahmen der Politik), grundlegende Wertvorstellungen und umweltbewusstes Verhalten (Preisendörfer, 1999, S. 44). Wissen über die Umwelt ist demnach ein wesentlicher Bestandteil des Umweltbewusstseins. Doch führt das Wissen über die Konsequenzen des Umweltverhaltens und das Wissen über umweltfreundlichere Alternativen tatsächlich zu mehr Umweltbewusstsein, das ausgeübt wird? Hier lässt sich ein Wandel der Definition von Umweltbewusstsein zeigen, denn in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde durchaus davon ausgegangen, dass Umweltwissen zu Umweltbewusstsein führe (Dierkes & Fietkau, 1988). Die heutige wissenschaftliche Forschung geht jedoch nicht von dieser These aus: „Ein hohes Umweltbewußtsein kann auch ohne fundiertes Wissen bestehen, es genügt, wenn bei einer Person eine gewisse, nicht unbedingt auf detailliertem Faktenwissen beruhende Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen vorhanden ist“ (Preisendörfer, 1999, S. 43). Hier gewinnen die affektiven Komponenten, insbesondere umweltbezogene Einstellungen, als verhaltensregulierende Komponente abermals Gewicht, wie schon Urban betonte (Urban, 1986). Preisendörfer (1999) geht ebenfalls davon aus, dass grundlegende umweltbezogene Werthaltungen und Einstellungen den eigentlichen Kern des Umweltbewusstseins ausmachen. Das reine Umweltverhalten jedoch sollte von der Definition des Umweltbewusstseins abgetrennt werden, da so ein verschwommenes Bild entsteht, indem keine Faktoren des Umweltbewusstseins auf dem Weg zum Umweltverhalten identifiziert werden können (vgl. ebd.). Auch wurde bereits empirisch nachgewiesen, dass eine Diskrepanz zwischen umweltbezogenen Einstellungen und dem tatsächlichen umweltbezogenen Verhalten besteht (bspw. Diekmann & Preisendörfer, 2001).

Als Arbeitsdefinition soll sich demnach an Preisendörfer orientiert werden. Dieser sieht Umweltbewusstsein als eine Einstellung, die einen kognitiven sowie einen konativen Anteil besitzt. Der kognitive Anteil stellt die Einsicht in die Gefährdung der Umwelt dar. Die Handlungs bereitschaft zur Änderung dieser Gefährdung bildet die konative Komponente (Preisendörfer, 1999). Diese Definition stimmt mit der eingangs zitierten Definition überein (Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, 1978). Allerdings ist noch die affektive Komponente hinzuzufügen, die die umweltbezogenen Emotionen zur Umweltgefährdung darstellt (Schahn, 1996; Spada, 1990).

2.2. Umweltverhalten: Littering

Umweltbezogenes Verhalten weist ein weites Spektrum auf, weswegen Forschungen zum Umweltverhalten unsystematisch wären, würden sie nicht das bestimmte untersuchte Umweltverhalten eingrenzen. Hier soll also Umweltverhalten auf das sog. Littering eingegrenzt werden. Anhand dessen soll der Zusammenhang von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten betrachtet werden.

Generell lässt sich Umweltverhalten als die „[...]die tatsächlichen messbaren Aktivitäten, die eine Person mit Blick auf den Schutz der Umwelt unternimmt, im Gegensatz zu dem, was diese Person weiß oder glaubt, was sich aber nicht in Handlungen niederschlägt“ (Winiwarter & Schmid, 2008) beschreiben. Hier lässt sich bereits deutlich die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten erkennen, weswegen die vorherige Herauslösung von Umweltverhalten aus der Definition des Umweltbewusstseins nochmals bestätigt wird. Umweltgerecht wird das Verhalten allerdings erst dann, wenn es auch in „Alltagssituationen umweltgerecht ausfällt“ (De Haan & Kuckartz, 1996, S. 37). Im Datenreport von 2008 wurden u.a. umweltrelevante Verhaltensweisen abgefragt, die einen Teil des Umweltverhaltens abbilden können. Demnach nutzen innerhalb Deutschlands 20-29% der Bevölkerung öffentliche Verkehrsmittel anstatt eines Autos. Fast jeder Zehnte verzichtet ganz auf ein Auto. Knapp vier von fünf Personen trennen ihren Müll, wobei jedoch nur 40% auch versuchen, ihre Abfälle zu reduzieren. Insgesamt geben 61% der Befragten an, dass die Umwelt einen Einfluss auf Ihre Lebensqualität hat (Bundeszentrale für politische Bildung, 2008, S. 361).

Um das Verhalten bezüglich des eigenen Abfalls geht es auch beim sog. Littering, was im Deutschen dem Term „Vermüllung“ entspricht. Damit ist die bewusste oder auch unbewusste Verschmutzung öffentlicher Parks, Bahnhöfen, Plätzen oder Ähnlichem gemeint. Durch das Liegenlassen von Abfall wird nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die wahrgenommene Sicherheit beeinträchtigt (Fehr u. a., 2014). Das geht auch mit den Ergebnissen des Datenreports 2008 einher, nach denen die Umwelt einen Einfluss auf die wahrgenommene Lebensqualität hat. Doch warum wird Müll in der Umgebung liegengelassen, obwohl dies zu den genannten Einbußen führt? Tatsächlich hat das Littering in den letzten Jahren sogar zugenommen, wofür eine Veränderung des Konsumverhaltens hin zu Fast Food und viel Mobilität verantwortlich sein könnte. 1997 sowie 2014 wurden in Australien sowie in der Schweiz Studien zum Littering durchgeführt, die hier in Kürze vorgestellt werden sollen.

In der Studie zu Littering in Australien (Williams et al., 1997) wurden erstmalig die Selbstaussagen zu Umweltbewusstsein und Littering mit dem tatsächlichen Verhalten durch Verhaltensbeobachtung verglichen. Litter wurde als „any disposable object left behind or placed in a location other than a bin before a person left the observation site“ definiert, womit Littering demnach „discarding a disposable objekt in any location other than on one´s person [...] or in a bin or ashhtray“ beschreibt (Williams et al., 1997, S. 86) definiert. Spucken wurde ausdrücklich von dieser Littering-Definition distanziert. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsdefinition. Erhoben wurden fast 9000 Beobachtungen und etwa 2600 Interviews innerhalb von sechs Tagen in der Hauptstadt Australiens im Februar und Mai 1997. Tatsächlich konkludierten Williams, Curnow & Streker, dass manche Personen ihren Müll nicht einfach nur liegen lassen, sondern diesen bewusst an bestimmten Stellen platzieren. Insbesondere Zigarettenreste wurden eher in die Umwelt geworfen, wenn gleichzeitig anderer Müll in Mülleimer entsorgt worden ist. Allerdings scheinen die meisten Menschen sich ihres Verhaltens nicht bewusst zu sein. Vier von fünf Befragten schätzen das Wegwerfen von Zigarettenreste nicht als Littering ein. Insgesamt ist Littering wahrscheinlicher, wenn viele Personen am öffentlichen Platz gegessen oder getrunken hatten. Dadurch wird u.a. argumentiert, dass eine reine Einteilung in Personen, die Mülleimer benutzen, und Personen, die Müll im öffentlichen Raum verteilen, nicht immer sinnvoll ist. Auch gibt es innerhalb des Litterings noch unterschiedliche Typen; wie die „Wedgers“, „Untertakers“ oder „Foul shooters“ (Williams et al., 1997, S. 8). Im Vergleich steht dem Littering-Verhalten in Australien ein doppelt so hoher Gebrauch von Mülleimern entgegen: es konnte also öfter beobachtet werden, dass jemand Mülleimer benutzt, als Littering beobachtet werden konnten. Am wenigsten Littering zeigten Person unter 15 Jahren. Personen unter 25 Jahren zeigten am ehesten Littering, wenn sie sich in ihrer Peer-Group aufhielten, wobei dies invers für Personen über 25 Jahren gilt. Personen mit einem hohen Bildungsstatus zeigten ebenfalls weniger Littering (Williams et al., 1997).

In der Schweiz wurde Littering ebenfalls innerhalb einer Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen gegen Littering unter Berücksichtigung verhaltensökonomischer Erkenntnisse untersucht (Fehr et al., 2014). Littering wurde als „Das bewusste oder unbewusste Liegenlassen oder Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum“ (ebd., S. 12) bezeichnet. Die „illegale Entsorgung von Haushalts-, Industrie- oder Gewerbeabfällen mit dem Ziel, Entsorgungskosten einzusparen“ (ebd., S. 12), wurde jedoch explizit von der Definition distanziert. Damit handelt es sich demnach ebenfalls um eine Arbeitsdefinition. Untersucht wurde im nächsten Schritt, wie sich verschiedene Kontexte auf Littering auswirken. Insbesondere wurden dabei Normen, das soziale Umfeld, sowie Ort und Tageszeit beleuchtet, aber auch persönliche Eigenschaften. Untersucht wurden 15000 Umfrageteilnehmer einer Online-Studie. Dabei konnte das Bewusstsein über negative Konsequenzen sowie die Bereitschaft zur Verhaltensänderung als wesentliche Einflussfaktoren identifiziert werden. Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass eine Norm, kein Littering zu zeigen, tatsächlich existiert. Allerdings ist diese Norm und die Bereitschaft, nicht zu littern, bei jungen Erwachsenen gering ausgeprägt, womit eine Parallele zu der Studie aus Australien gezogen werden könnte. Allerdings betonten Fehr et al., dass diese Erkenntnis nicht bedeutet, dass nur oder alle jungen Erwachsenen littern. Tatsächlich stellen die Situation sowie das soziale Umfeld scheinbar größere Einflussfaktoren bei der Entscheidung dar, zu littern oder nicht. Sie schlagen die großflächige Implementierung von verschiedenen Maßnahmen vor, die die bereits existierende Norm weiter stützen. Littering-Gebühren werden dabei exemplarisch vorgestellt. Dabei ist das frühzeitige Implementieren der Norm besonders wichtig. Nicht nur Kommunikationsmaßnahmen, sondern auch positive und negative Verstärkungen sowie „Belief Management“ oder „Nudges“ sollen zur weiteren Littering-Vermeidung beitragen (ebd.).

Insgesamt kann festgehalten werden, dass das Littering-Phänomen zunehmend wissenschaftliche Beachtung findet. Dies könnte auf die Zunahme des Phänomens zurückzuführen sein, wenngleich die Umwelteinstellungen der Bevölkerung eher umweltbewusst sind. Hier wird die Diskrepanz zwischen Umwelteinstellung und Umweltverhalten demnach sehr deutlich, die auch bereits wissenschaftlich beleuchtet worden ist (Fuhrer & Wölfing, 1997). Ein Grund dafür könnte neben Situationen, in denen das Brechen der Verhaltensnorm ungeahndet bleibt, das unbewusste und bewusste Littern sein. Demnach ist besonders das unbewusste Littern (bspw. das Wegwerfen von Zigarettenresten), das auch bei einer umweltbewussten Einstellung existieren kann, sehr problematisch (Fehr et al., 2014; Williams et al., 1997). Ein hohes Umweltbewusstsein mit gleichzeitig nicht umweltgerechten Verhalten ist nach Preisendörfer (1999, S. 13) dem Umweltrhetoriker zuzuordnen, wobei ein hohes Umweltbewusstsein mit dem entsprechendem umweltgerechten Verhalten den konsequenten Umweltschützern zuzusprechen ist. In der zugrundeliegenden Studie von Preisendörfer waren je gut ein Drittel der Befragten zu den genannten Typen zuzuordnen. Ein weiteres Drittel stellen die sog. einstellungsgebundenen Umweltschützer dar, die umweltgerechtes Verhalten zeigen, aber wenig Umweltbewusstsein aufweisen. Jeder zehnte Befragte war dem Typ des Umweltignoranten zuzuordnen, bei dem Umweltverhalten und Umweltbewusstsein gering ausgeprägt sind (Preisendörfer, 1999, S. 13).

In beiden Studien wurden Arbeitsdefinitionen verwendet, die sich im Kern gleichen, jedoch beide explizit bestimmte Littering-Phänomene ausschließen. Bereits hier kann die Problematik ersichtlich werden, was generell als Littering betrachtet wird, und was nicht. In einer Gesellschaft mit zunehmender Mobilität, Fast-Food und einem veränderten Dauer-Konsumverhalten scheinen die Verhaltensnormen für Littering Ausnahmen für Produkte wie Zigarettenreste zu beinhalten. Als Arbeitsdefinition soll Littering hier deswegen, und an Anlehnung an die bereits genannten Definitionen, generell sowohl als das bewusste, aber auch als das unbewusste Vermüllen oder Verschmutzen öffentlicher Plätz bezeichnet werden.

2.3. Naturverbundenheit

Das Umweltbewusstsein und das Umweltwissen hat offenbar nur bedingt Einfluss auf das Umweltverhalten (Raith, Lude, & Kohler, 2014). Allerdings könnte die empfundene Verbundenheit zur Natur das Umweltverhalten beeinflussen, was in dieser Studie untersucht wird. Dafür soll hier Naturverbundenheit definiert werden.

Die Natur spielt eine große Rolle bei der Entwicklung der Naturverbundenheit. Insbesondere sinnliche Erfahrungen in der Natur prägen nicht nur die Naturverbundenheit, sondern auch die Psyche: Kinder mit mehr Natur in ihrer Umgebung sind demnach psychisch weniger belastet. Insbesondere bei starken Belastungen „puffert“ die Natur den Grad der Belastung (Raith et al., 2014; Wells & Evans, 2003). Ein Erklärungsansatz der Wirkung der Natur auf die Psyche bietet die Attention-Restoration-Theorie (Berman, Jonides & Kaplan, 2008; Kaplan, 1995): im Alltag ermüden die kognitiven Ressourcen, was zu Erschöpfung führt. Besonders die gerichtete Aufmerksamkeit, die bei konzentriertem Arbeiten und Denken mit Anstrengung verbunden ist, ermüdet nach einiger Zeit und führt zu Konzentrationsverlusten. Die unwillkürliche Aufmerksamkeit hingegen wird anstrengungslos aufgewendet. Um die Konzentrationsfähigkeit als kognitive Ressourcen zu regenerieren, ist die Natur sehr geeignet. Zunächst wird in der Natur ein Alltagsabstand gewonnen (being away), der die Aufmerksamkeit anstrengungslos auf die Natur lenkt und somit fasziniert (fascination). Die große Bandbreite und meist auch physische Größe ermöglicht es, die Welt zu erkunden und Neues zu entdecken (extent). Wenn letztlich die Interessen und Absichten der Person mit den Möglichkeiten der Umgebung übereinstimmt (compatibility), kann die natürliche Umgebung zur Wiederherstellung der kognitiven Ressourcen beitragen. Nachdem diese wiederhergestellt wurden, ist durch die weiche Faszination eine erfolgreichere Selbstreflexion möglich, als dies in urbanen Gebieten möglich wäre (Berman et al., 2008; Kaplan, 1995). Daneben verbessert die Natur nachgewiesen auch fachliche und Sozialkompetenzen oder Soft-Skills, wie Selbstständigkeit (Raith et al., 2014).

Die Natur hat demnach einen großen Einfluss auf viele Lebensbereiche des Menschen. Bei der Entwicklung der Naturverbundenheit spielen dabei die Erfahrungen in der Natur eine weitaus größere Rolle, als das Umweltwissen. Tatsächlich entsteht die positive Bindung zur Natur, die als Naturverbundenheit beschrieben werden kann, durch „Naturerfahrungen gemeinsam mit sozialen Rahmenbedingungen“ (ebd., S. 46), denn diese bestimmten die Naturvorstellungen. Diese individuellen und körperlichen Erfahrungen der Natur werden über das soziale und kulturelle Bezugssystem übermittelt und beeinflussen somit die Vorstellung des Individuums, was Natur ist und was sie beinhaltet (Gebauer & Harada, 2005; Raith et al., 2014). Die Kultur und das soziale Umfeld haben demnach einen Einfluss auf die Entwicklung der Naturverbundenheit; jedoch stehen die Erfahrungen in der Natur an erster Stelle. Tatsächlich führt eine große Verbundenheit zur Natur bei Jugendlichen zu einem größeren Interesse an der Natur, und invers auch zu weniger Interesse an sonst typischen Aktivitäten (Bixler, Floyd & Hammitt, 2002), womit bereits ein Zusammenhang zum Littering hergestellt werden könnte, denn in Peer-Groups Jugendlicher wurde dieses Verhalten häufiger gezeigt (Fehr et al., 2014; Williams et al., 1997), womit es als typische Verhaltensweise angesehen werden könnte.

Festgehalten werden soll an dieser Stelle, dass die Naturverbundenheit einen enormen Einfluss auf die Entwicklung des Menschen hat, der bereits in der Kindheit geprägt wird. Erfahrungen in der Natur innerhalb des sozialen und kulturellen Kontextes prägen die Naturverbundenheit; trotz dessen ist ein bestimmtes Umweltwissen als Basis grundlegend, damit frühzeitig relevantes Umweltverhalten auch gezeigt werden kann. Naturverbundenheit soll insgesamt innerhalb einer Arbeitsdefinition als eine positive, teilweise emotionale, Bindung zur Natur beschrieben werden, die relevante Handlungen zum Schutz der Umwelt nach sich ziehen kann (angelehnt an Gebauer & Harada, 2005; Raith et al., 2014).

2.4. Theory Of Planned Behaviour

Innerhalb der Umweltpsychologie können sozialpsychlogische Theorien oft Anwendung finden. Die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985, ebd. 1991) soll deshalb an dieser Stelle vorgestellt werden.

Die Theory Of Planned Behaviour beschreibt das Verhalten einer Person durch die Betrachtung dreierlei Dinge: die Einstellung der Person dem Verhalten gegenüber, die Erwartung der Person, was relevante andere Personen über dieses Verhalten denken würden, sowie die wahrgenommenen Verhaltenskontrolle (ebd., 1985). Betreffs der Einstellung ist zunächst wichtig, anzumerken, dass die Einstellung nicht als allgemeine Einstellung gegenüber einem Objekt oder einem Sachverhalt betrachtet wird, sondern als Einstellung gegenüber einer ganz konkreten und aktuellen Verhaltensweise. Es würde eventuell kein Littering als Verhalten ausgeübt werden, wenn die Person beispielsweise eine negative Einstellung zum Vermüllen öffentlicher Räume oder eine positive Einstellung zur Ästhetikerhaltung öffentlicher Räume hat. Damit wird das Verhalten, nicht zu littern, positiv bewertet. Je salienter und konsistenter die entsprechende Einstellung ist, desto eher führt sie dabei zum passenden Umweltverhalten. Betreffs der antizipierten Einstellungen und Bewertungen anderer (wichtiger) Personen durch das Individuum, beeinflussen diese subjektiven Normen das Verhalten der Person ebenfalls. Wenn die betreffende Person die anderen, eventuell direkt umstehenden Personen, nicht für relevant hält, würde hierbei die Einstellung mehr wiegen. Wenn aber die bspw. direkt umstehenden Personen, und das, was die Personen über das Individuum denken, als wichtig erachtet werden, so kann u.U. diese Komponente mehr wiegen als die eigentliche Einstellung der Person (ebd. 1985, 1991). Hier könnte es auch zu einem wahrgenommenen Gruppenzwang mit Verhaltensnormen innerhalb von Peer-Groups kommen, der die Ergebnisse der Studien in der Schweiz (Fehr et al., 2014) und in Australien (Williams et al., 1997) erklären könnte. Aber auch politische Debatten, die das Aufsehen der Gesellschaft erregen, könnten das Littering der Person beeinflussen. Genauso kann aber auch der soziale Kontext, z.B. das Wohnviertel, einflussreich sein. Einzubeziehen wären hier sowohl deskriptive (tatsächlich üblicherweise zutreffende) als auch injunktive Normen: Injunktive Normen stellen das Verhalten dar, dass gesellschaftlich eigentlich als richtig und lobenswert gilt, jedoch kaum ausgeführt wird. Es ist ebenfalls bekannt, dass bei Missachtung dieser injunktiven keine Ahndung zu befürchten ist. Deskriptive Normen hingegen beschreiben Normen, die sich aus dem tatsächlichen Verhalten der meisten Menschen heraus ergeben (Cialdini, Reno & Kallgren, 1990). Wenn jemand sich also auf einem Platz in einer fremden Stadt befindet, könnte er beobachten, dass bspw. viele dort ihren Abfall vom Fast-Food oder ihren Zigaretten fallen lassen. Er könnte seine Mitmenschen darauf hinweisen, dass diese Reste in die dafür vorgesehenen Mülleimer geworfen werden müssen (injunktive Norm). Dies könnte wenig Wirkung zeigen, da die Menschen bereits so lange das Gegenteil bewiesen haben, dass eine deskriptive Norm entstanden ist. Innerhalb dieses Beispiels muss die deskriptive Norm der umstehenden Personen jedoch nicht zum Littering des Individuums führen. Für wie wichtig das Individuum die umstehenden Personen hält, hat einen enormen Einfluss. Neben seinen eigenen Einstellungen könnte er auch Personen in seine Entscheidung mit einbeziehen, die gar nicht anwesend sind: „Was würde meine Mutter davon halten, wenn ich mich jetzt genau wie die anderen verhalte?“. Als dritte Komponente spielt nun die wahrgenommene Verhaltenskontrolle eine Rolle. Diese beschreibt, für wie schwierig die betreffende Person das Verhalten zu realisieren hält. Ungeachtet der tatsächlichen Kontrolle gilt dabei: je mehr Optionen die betreffende Person glaubt, zu haben, desto größer ist die wahrgenommene Verhaltenskontrolle (Ajzen, 1985, ebd., 1991). Einzubeziehen wäre demnach, ob sich das Individuum subjektiv zum Littern oder Nicht-Littern gezwungen fühlt, oder ob ihr eine Strafe beim Fehlverhalten angedroht werden würde. Die Möglichkeiten in der Umgebung, den Müll fachgerecht zu entsorgen, spielen ebenfalls insbesondere beim Littering eine große Rolle: je schwieriger die Person ihren Müll zu entsorgen hält, desto eher könnte es zum Littering kommen. Dies könnte auch das absichtliche Platzieren von Müll in Gullideckeln oder ähnlichen Ritzen erklären: Eventuell hat die Person dort bereits gesessen, und das Mitführen des Mülls bis zu einem Mülleimer wird als zu lästig empfunden. Die Komponente der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle umfasst somit auch die Wahrnehmung der eigenen Entscheidungs freiheit. Auch Wissen und Fähigkeiten zum intendierten Verhalten gehören dazu; in diesem speziellen Fall also auch das Umweltwissen. Diese wahrgenommene Verhaltenskontrolle wird von der tatsächlichen Verhaltenskontrolle natürlich beeinflusst (ebd., 1985).

Die drei beschriebenen Komponenten stehen insgesamt in gegenseitiger Wechselwirkung. Je nachdem, wie ausgeprägt und subjektiv gewichtet diese Komponenten sind, entsteht daraus eine Verhaltensintention. Bezogen auf das Vermüllen von öffentlichen Räumen kann es also facettenreiche Ursachen geben, die mitunter sehr individuell und nur schwierig zu beeinflussen sind (wie beispielsweise die Relevanz Anderer, die Littering betreiben).

2.5. Norm-Aktivierungs-Modell

Das Norm-Aktivierungs-Modell gehört zu den Theorien, die mit moralischen Werten arbeiten. Es wurde entwickelt, um altruistisches Verhalten zu erklären, doch das Modell kann durchaus auch in anderen Bereichen eingesetzt werden. Dieses Modell bezieht persönliche Normen, moralische Verpflichtungen sowie die Umsetzung dessen in das tatsächliche Verhalten mit ein. (Schwartz, 1975; ebd., 1977). Da moralische Verpflichtungen, insbesondere im Hinblick auf kommende Generationen und die Mitmenschen, das Umweltverhalten beeinflussen könnten, ist es geeignet, um Umweltverhalten zu erklären.

An erster Stelle steht in diesem Modell die persönliche Norm des Individuums, ein erwünschtes Verhalten zu zeigen. Diese persönliche Norm stellt das Gefühl einer moralischen Verpflichtung dar, die einerseits durch soziale Normen entsteht, aber auch durch individuelle Werte beeinflusst wird. In diesem Fall könnte es die empfundene Verpflichtung sein, seinen Müll im öffentlichen Raum in die Mülleimer zu werfen. Würde nun jedoch jede persönliche Norm zum gewünschten Verhalten führen, würde das Problem des Litterings eventuell weitaus geringer sein. Tatsächlich aber führt allein die Norm nicht automatisch zum Verhalten; die Norm muss aktiviert werden. Dieser Prozess der Norm-Aktivierung bis hin zum Verhalten soll sequenziell dargestellt werden, jedoch gestaltet sich dieser Prozess sehr kompliziert, sodass es zu verschiedenen Weiterführungen und Versionen der Theorie durch Schwartz selbst und anderen kam (vgl. bspw. Blamey, 1998; Harland, Staats & Wilke, 2007; Schwartz, 1977). Verschiedene Faktoren bedingen demnach die Aktivierung von Normen. Das Norm-Aktivierungs-Modell als kognitives Modell führt demnach kognitive Faktoren auf, die von einer Einstellung oder einer Norm bis hin zum Verhalten führen. In der ursprünglichen Version zur Erklärung altruistischen Handelns werden vier Phasen beschrieben: die Aktivationsstufe, die Aktivierung der persönlichen Norm, die Kosten-Nutzen-Analyse, sowie der Reaktionsschritt. In der ersten Phase der Aktivationsstufe schätzt die Person ein, ob eine Handlung überhaupt nötig ist. Außerdem wird abgeschätzt, inwieweit die Person über die Möglichkeiten verfügt, die Handlung auszuführen. Bezogen auf Littering würde hier eingeschätzt werden, ob es wirklich nötig ist, das Kaugummipapier bis zum nächsten Mülleimer aufzubewahren. Bezogen auf Möglichkeiten zur Handlung würde hier eventuell auch Umgebungswissen (wo ist der nächste Mülleimer?) eine Rolle spielen, jedoch auch, ob die Person geeignete Tragemöglichkeiten hat, um den Müll erst einmal mit sich zu führen. In der zweiten Phase der Aktivierung der persönlichen Norm entsteht das Gefühl der moralischen Verpflichtung. In der dritten Phase kommt es zu einer Abschätzung von individuellen Kosten und Nutzen, die das Mitführen des Mülls mit sich bringen würde. Hier wird die Situation also nochmals, allerdings unter Einfluss der moralischen Verpflichtung, neu bewertet. Wenn die Person sich aber in diesem Schritt genügend Rechtfertigungsgründe entgegensieht, doch Littering zu zeigen, so könnte die moralische Verpflichtung trotzdem zurückgewiesen werden. Die letzte Phase des Reaktionsschritts beschreibt die Konklusion der genannten Phasen, die zu einer Verhaltensintention führen, die dann auch gezeigt wird (Schwartz, 1977).

[...]

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Naturverbundenheit und Umweltverhalten. Eine empirische Studie zu Einflussfaktoren des Littering-Verhalten
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V353327
ISBN (eBook)
9783668394179
ISBN (Buch)
9783668394186
Dateigröße
911 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umwelt, psychologie, wissenschaftliche, studie, empirische, naturverbundenheit, liebe, zur, littering, vermüllung, umweltverhalten, umweltbewusstsein
Arbeit zitieren
Melissa Quantz (Autor), 2016, Naturverbundenheit und Umweltverhalten. Eine empirische Studie zu Einflussfaktoren des Littering-Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353327

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