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Arbeitslosigkeit in der BILD-Zeitung - zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus

Title: Arbeitslosigkeit in der BILD-Zeitung - zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 10 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Andreas Huber (Author)

Sociology - Media, Art, Music
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Die BILD-Zeitung ist eine umstrittene, aber dennoch – oder gerade deshalb? - bedeutsame Institution in der deutschen Presselandschaft. Von intellektuellen Milieus wird sie traditionell verachtet. Sie trage durch einseitige und verkürzte Darstellungen zur Verdummung des Volkes bei, verbreite Lügen (die berühmten „Enten“) oder Halbwahrheiten und fahre hetzerische Kampagnen gegen Personen der Öffentlichkeit oder komplett unbekannte Privatpersonen (etwa gegen den ausgewanderten Sozialhilfeempfänger „Florida-Rolf“. Dennoch wagt kaum ein Politiker die offene Konfrontation mit der Zeitung „mit den vier großen Buchstaben“, denn BILD besitzt durch seine Kampagnenfähigkeit und seinen großen Leserkreis ein außerordentliches Machtpotential, das Volkes Meinung und damit indirekt die Regierungspolitik stark beeinflussen kann. Der bekannte Slogan der Zeitung „BILD Dir Deine Meinung“ kommt der Wahrheit wohl weniger nahe als die leicht abgewandelte Version „BILD bildet Deine Meinung“. Dieser Tatsache sind sich Politiker nur allzu bewusst, weshalb sie möglichst den Schulterschluss mit dem Hamburger Boulevardblatt such(t)en. Helmut Kohl konnte lange Jahre seiner Regierungszeit auf die Unterstützung des mächtigen Springer-Organs bauen und von Gerhard Schröder wird das Zitat transportiert, dass er zum Regieren lediglich „BILD und die Glotze“ benötige.
Es ist auf Grund dieser außerordentlichen Bedeutung des Mediums besonders interessant zu untersuchen wie sich die BILD im zentralen und besonders sensiblen Politikfeld der Arbeitslosigkeit im Laufe der Jahrzehnte „positionierte“. In dieser sowohl qualitativ als auch quantitativ vorgehenden Arbeit wird die These vertreten, dass das Springer-Blatt zwei Gesichter zeigt: Ein arbeitnehmernahes, mitfühlendes und scheinbar an Einzelschicksalen interessiertes und ein arbeitgeberfreundliches, dem neoliberalen Argumentationsmuster nahe stehendes Gesicht. Daraus ergeben sich Widersprüchlichkeiten, deren Ursachen in der Geschichte des Blattes vermutet werden können. Am Anfang allerdings sollen einige Bemerkungen zur Begrenztheit des Datenmaterials und zum methodischen Vorgehen stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. BILD bildet Meinung

2. Die beschränkten möglichkeiten Quantitativer Analyse

3. Zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus

3.1 Die Personalisierung von Arbeitslosigkeit in BILD

3.2 Die andere, neoliberale Wirklichkeit

4. Mögliche Erklärungen für den Drahtseilakt

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung der BILD-Zeitung zum Thema Arbeitslosigkeit im Zeitraum von 1964 bis 2000. Das primäre Ziel ist es, den scheinbaren Widerspruch zwischen einer mitfühlenden, arbeitnehmernahen Darstellung von Einzelschicksalen und einer zugleich neoliberal geprägten, arbeitgeberfreundlichen Argumentationslinie aufzudecken und zu erklären.

  • Analyse der redaktionellen Strategien zur Leserbindung
  • Untersuchung der Personalisierung von Arbeitslosigkeit
  • Identifikation neoliberaler Argumentationsmuster in der Berichterstattung
  • Historische Einordnung der BILD-Zeitung als national-konservatives Medium

Auszug aus dem Buch

3. Zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus

Schon bei der oberflächlichen Durchsicht der Artikel fallen 2 Hauptmerkmale der BILD Berichterstattung zum Thema der Arbeitslosigkeit auf: Zum einen gibt es eine starke Tendenz das Problem der Beschäftigungslosigkeit von den „trockenen“ statistischen Informationen im Zusammenhang mit der Erwerbslosigkeit (die Arbeitslosenquote, die Exportquote, die Inflationsrate, das Wachstum des BIP u.ä.) auf die lebensweltliche Ebene „herunterzubrechen“, um das komplexe Problem der Arbeitslosigkeit an Hand von konkreten Schicksalen („Georg Müller, arbeitsloser Maurer, Hamburg“ etc.) für den Leser greifbarer zu machen. (Ob diese Personen frei erfunden sind oder tatsächlich existierende Personen hinter den Aussagen stecken, sei dahingestellt.)

Wenn sich BILD dennoch daran macht nach Ursachen und möglichen Lösungen des Problems der Arbeitslosigkeit zu forschen, ist zweitens eine Nähe zu konservativen, arbeitgebernahen Argumentationsmustern erkennbar. Wenn man sich die überwiegend gering qualifizierte, einkommensschwache BILD-Leserschaft, v.a. aber die ansonsten an Einzelschicksalen von Arbeitnehmern ausgerichtete Berichterstattung des Boulevardblattes vor Augen hält, kann man in diesem zweiten Merkmal ein gewisses Paradoxum sehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. BILD bildet Meinung: Einführung in die gesellschaftliche Bedeutung und das Machtpotenzial der BILD-Zeitung sowie Darlegung der These, dass das Blatt eine widersprüchliche Doppelstrategie verfolgt.

2. Die beschränkten möglichkeiten Quantitativer Analyse: Kritische Reflexion über die methodische Begrenztheit des Datensatzes, insbesondere aufgrund geringer Fallzahlen und der inhaltlichen Kürze der untersuchten Artikel.

3. Zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus: Detaillierte Analyse der beiden gegensätzlichen Gesichter der BILD-Berichterstattung, die zwischen Empathie für den Arbeiter und ökonomischem Neoliberalismus schwankt.

3.1 Die Personalisierung von Arbeitslosigkeit in BILD: Untersuchung der Fokussierung auf unbekannte Privatpersonen aus dem Arbeitermilieu, um eine Schicksalsgemeinschaft mit der Leserschaft zu erzeugen.

3.2 Die andere, neoliberale Wirklichkeit: Analyse der einseitigen Auswahl von Wirtschafts- und Politikexperten, die neoliberale Reformvorschläge propagieren.

4. Mögliche Erklärungen für den Drahtseilakt: Zusammenführende Diskussion der Gründe für die Berichterstattung, die ökonomische Interessen und Leserbindung als Triebfedern des journalistischen Vorgehens identifiziert.

Schlüsselwörter

BILD-Zeitung, Arbeitslosigkeit, Boulevardjournalismus, Personalisierung, Neoliberalismus, Medienanalyse, Schicksalsgemeinschaft, Konservatismus, Leserbindung, Wirtschaftsberichterstattung, Sozialpolitik, Diskursanalyse, Einzelschicksale, Axel Springer, Arbeitsmarkt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die BILD-Zeitung über das komplexe Thema Arbeitslosigkeit berichtet und welche inhaltlichen Strategien sie dabei über mehrere Jahrzehnte hinweg verfolgt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Medialisierung von Arbeitslosigkeit, das Spannungsfeld zwischen Arbeitnehmerinteressen und neoliberalen Wirtschafts-Dogmen sowie die journalistische Inszenierung von Einzelschicksalen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die BILD-Zeitung trotz ihrer neoliberalen Grundhaltung eine hohe Bindung zu einer einkommensschwachen Leserschaft aufbauen kann, indem sie sich als Sprachrohr der „kleinen Leute“ inszeniert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine qualitative, interpretative Inhaltsanalyse mit quantitativen Tendenzaussagen, wobei der Fokus primär auf der hermeneutischen Erschließung charakteristischer Artikel liegt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Personalisierung von Arbeitslosigkeit und stellt diese der einseitigen, arbeitgeberfreundlichen Expertenberichterstattung gegenüber, um das paradoxe Bild der BILD-Zeitung zu verdeutlichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind BILD-Zeitung, Neoliberalismus, Personalisierung, Leserbindung und Arbeitsmarktpolitik.

Warum wählt die BILD-Zeitung ausgerechnet Einzelschicksale für ihre Berichterstattung?

Die Wahl von Einzelschicksalen dient der „Lebensnähe“, wodurch abstrakte statistische Probleme für die Zielgruppe greifbar und emotional nachvollziehbar gemacht werden, um eine emotionale Solidarisierung mit den Betroffenen zu erzielen.

Welche Rolle spielt die Geschichte der BILD-Zeitung bei der Einordnung der Ergebnisse?

Die Untersuchung macht deutlich, dass die identifizierten Widersprüche in der Tradition des Blattes als national-konservatives „Kampfblatt“ gegen linke Tendenzen sowie in Axel Springers Ausrichtung auf die Zielgruppe der einfachen Arbeitnehmer verwurzelt sind.

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Details

Title
Arbeitslosigkeit in der BILD-Zeitung - zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus
College
University of Bamberg
Course
HS Multivariate Verfahren zur Analyse von Querschnittsdaten
Grade
2,0
Author
Andreas Huber (Author)
Publication Year
2004
Pages
10
Catalog Number
V35336
ISBN (eBook)
9783638352895
ISBN (Book)
9783638761789
Language
German
Tags
Arbeitslosigkeit BILD-Zeitung Einzelschicksalen Neoliberalismus Multivariate Verfahren Analyse Querschnittsdaten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Huber (Author), 2004, Arbeitslosigkeit in der BILD-Zeitung - zwischen Einzelschicksalen und Neoliberalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35336
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