Einordnung der dänischen Schuldenkrise zwischen 1810 und 1813 mit anschließendem Staatsbankrott


Essay, 2017
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Wissenschaftlicher Essay von Katrin Winterhalter Einordnung der dänischen Schuldenkrise zwischen 1810 und 1813 mit anschlie ßendem Staatsbankrott

„Countries don’t go bust!“ Diese, inzwischen vielfach zitierte, Aussage, prägte der von 1967 bis 1987 amtierende Vorstandsvorsitzende der Citibank Walter Wriston in einer Zeit, als seine Bank dafür in der Kritik stand, mehreren hochverschuldeten Mittel- und Südamerikanischen Ländern Kredite auszugeben. Die Kritik war nicht unbegründet: Tatsächlich zählte der Lateinamerikanische Kontinent alleine in Wristons Amtszeit ganze 23 Staatspleiten (Diekmann, 2012). Solch ein Sachverhalt scheint in der Historie weltweiter Schuldenkrisen nicht neu. Mit allerhand Tricks und beschwichtigenden Worten wird die Schwere der Probleme kleingehalten. Entstand Wristons Credo nun aus reiner Unwissenheit oder verfolgte er einen durchdachten Plan? Lassen sich auf diese Weise Gläubiger, die Bevölkerung oder Handelspartner beruhigen? Gibt es wiederkehrende Verhaltensmuster, die Schuldenkrisen auszeichnen? Diese Fragen sollen auf den folgenden Seiten geklärt werden, wobei der praktische Bezug die dänische Schuldenkrise von 1810 bis 1813 mit anschließendem Staatsbankrott darstellt.

Dabei wird die genannte Krise Dänemarks nach und nach erläutert und vor dem Hintergrund theoretischer Erkenntnisse zu Schulden- und anderen Finanzkrisen analysiert um sie dann mit international ähnlichen Beispielen zu vergleichen.

Ungeachtet der Ursachen und Probleme in einer bestimmten Situation, versuchen Politiker in beinahe allen potentiell staatsgefährdenden Krisen die Bevölkerung durch beschwichtigende Worte zu beruhigen. So geschehen in der Währungs- und Finanzkrise 2007/2008 in beinahe jedem europäischen Land, 2012 in Rumänien und Mali, im Februar 2013 in Tunesien, im Juni 2013 in der Türkei und im März 2016 in Brasilien. Tatsächlich scheint solch ein Verhalten Wirkung zu zeigen - in allen Fällen nahmen die nationalen Börsen beruhigende Tendenzen auf den Finanzmärkten wahr (Baden-Württemberg, 2012) (Zeitung, 2016), (Veser, 2016) (von Randow, 2013) (agency, 2013) (Käufer, 2016). Der Zusammenhang zwischen den Aktivitä- ten der Finanzmärkte und dem Verhalten der Bevölkerung besteht durch die Erwartungen der Investoren und konsumwilligen Bevölkerung an das langfristige Wirtschaftswachstum ihres Landes. Somit können gedämpfte Erwartungen und steigende Sparquoten schon frühzeitig eine Finanz- und/oder Bankenkrise vorhersagen. Im Fall Wissenschaftlicher Essay von Katrin Winterhalter von Schuldenkrisen gestaltet sich die Vorhersage etwas schwieriger, da das Vertrauen der Bevölkerung in teure Staatsprojekte einer extrem hohen Unbeständigkeit unterliegt. Unbeständiges Vertrauen und negative Erwartungen an die künftige Werthaltigkeit ihrer Währung, zeigten sich im 18. Jahrhundert auch in der dänischen Bevölkerung.

Dänemark war zu dieser Zeit ein klassischer Vielvölkerstaat, in welchem sich neben den Dänen auch Norweger, Sami, Isländer, Färinger, Deutsche, Nordfriesen und Grönländer zu Hause fühlten. Diese Heterogenität der Nationalitäten innerhalb Dänemarks zeigte sich auch in den hiesigen Geldbeziehungen: Internationale dynastische Verbindungen brachten dem Land hohe Devisen ein, welche nur selten an fixen Wechselkursen, wie zum Beispiel einem Silber- oder Goldstandard, gebunden waren. Die fehlende Einlösepflicht der kursierenden Banknoten trugen zum Vertrauensverlust der Bevölkerung in das Finanzsystem bei, bis im Jahre 1736 die erste dänisch— norwegische Bank (genannt: Kurantbank) gegründet wurde. Die ausgegebenen Noten waren zunächst an Silber gebunden (Finanzinform, 2010). Der Kurantbank sollte das alleinige Recht vorbehalten sein, Banknoten zu drucken und auszugeben. Nachdem 1746 Friedrich V. die Krone Dänemarks übernommen hatte, startete er ein umfangreiches Investitionsprogramm. Bereits ein Jahr zuvor wurde die Einlösung der Banknoten in vollwertiges Silbergeld aufgehoben, sodass der neue König die Staatsfinanzierung hauptsächlich über den Druck neuer Banknoten abwickeln konnte. Ab den 1740er Jahre erhöhte sich so der Banknotenumlauf Dänemarks merklich, bis die Inflationsraten im Jahr 1772 einen Wert von 77,4 % erreichten. (Reinhart & Rogoff, 2009, p. 47).

Der Zusammenhang zwischen Verfehlungen im Bankwesen (durch zum Beispiel, wie eben gezeigt, häufig wechselnde Disagio einer Währung), und dem Aufbau von Staatsschulden ist bis heute signifikant. Reinhart und Rogoff wiesen in ihrem 2009 veröffentlichten Paper eine Korrelation zwischen Bankkrisen und den dann folgenden Schuldenkrisen nach (Reinhart & Rogoff, 2009, p. 76). Im hier betrachteten Zeitraum sorgt noch ein weiterer Faktor für unsichere Währungen: Die beginnende Globalisierung der Güter- und Finanzmärkte schafft unter den teilhabenden Ländern Abhängigkeiten und kleinere Krisen betreffen schnell ein globales Netzwerk. Bankenkrisen, also die Gefährdung der Stabilität und Funktionstätigkeit eines oder meh- Wissenschaftlicher Essay von Katrin Winterhalter rerer Kreditinstitute, bergen zudem das besondere Risiko großer Ansteckungseffekte, da sie über den Devisenhandel direkt mit dem weltweiten Wirtschaftswachstum in Verbindung stehen. Stürzt eine Nation in eine Bankenkrise, sind die nationalen Unternehmen direkt betroffen, der Export stürzt ein. Daraus folgend fehlen den Unternehmen und dem Land Devisen, um ihre ausstehenden Schulen im Ausland zu begleichen - ein anderes Land gerät in finanzielle Schwierigkeiten und das Exportland gelangt von einer Banken- in eine Schuldenkrise.

Dänemark reagierte 1773 mit der Verstaatlichung der Kurantbank, was die bestehenden Probleme der Inflation nicht minderte. Weiterhin wurden die Banknoten zu immer höheren Disagio gegen Silbermünzen gehandelt, bis einige Herzogtümer und Grafschaften damit begannen, sich von der Kurantbank unabhängig zu machen und eigene Banken gründeten. Erst eine weitere staatliche Währungsreform 1791 konnte das Vertrauen der Bevölkerung etwas zurückgewinnen, indem die Dänische und Norwegische Speciesbank gegründet wurde. Erneut wurde die Einlösepflicht in vollwertige Silbermünzen und eine umfassende Annahmepflicht eingeführt, sodass die dänische Währung bis 1794 eine deutliche Kurserholung erfuhr. Gleichzeitig war die alte Kurantbank mit der Aufgabe betraut, die alte Währung des Rigstalers nach und nach zu vernichten. Doch die Erholung sollte nicht lange währen: Bereits seit zwei Jahren bereitete der General Napoleon Bonaparte einigen europäischen Monarchien große Schwierigkeiten, weshalb sich Dänemark schon früh um größtmögliche Neutralität bemühte. Doch die Auswirkungen der Kriege waren spürbar: Der Handel in Europa nahm ab, bis im Jahr 1799 die durch England an Frankreich verhängte Seeblockade, Europa in eine Handelskrise stürzte und die für Dänemark so wichtigen Häfen in Hamburg und Altona nicht mehr erreichbar waren. Schnell wurde die noch bestehende Kurantbank zu einer Depositenkasse umfunktioniert, die besicherte Darlehen in Form von besonders gekennzeichneten Banknoten der Kurantbank an Handelsunternehmen ausgeben sollte (Schlegel, 1829, p. 477 ff.). Im Zuge zweier verlustreicher Auseinandersetzungen mit Großbritannien genügte diese Form der Geldschöpfung ebenfalls nicht mehr: Die Kurantbank begann mit der Ausgabe unbesicherter Banknoten und Schuldverschreibungen an den Staat. Die Folgen dieses Vorgehens sind wenig überraschend, wenn man einen Blick auf die von Irving Fisher circa 100 Jahre später entwickelte Quantitätsgleichung des Geldes wirft.

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Details

Titel
Einordnung der dänischen Schuldenkrise zwischen 1810 und 1813 mit anschließendem Staatsbankrott
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V353382
ISBN (eBook)
9783668394070
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dänemark, Geschichte, Finanzkrise, Währungskrise, Bankenkrise, Geldkrise, Rigsdaler, Norwegen, Währungssystem, Staatsbankrott, Goldstandard, Napoleonische Kriege, Politik, Historie
Arbeit zitieren
Katrin Winterhalter (Autor), 2017, Einordnung der dänischen Schuldenkrise zwischen 1810 und 1813 mit anschließendem Staatsbankrott, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353382

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