Das Frauenbild im Werk Theodor Fontanes. Ein Spiegelbild der Gesellschaftserwartungen des Realismus?

Existiert ein einheitliches Frauenbild im Realismus?


Seminararbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Einleitung

2 Frauenfiguren von Fontane
2.1 Effi Briest
2.2 Grete Minde
2.3 Fontanes Frauenbild

3 Frauenbilder im Vergleich
3.1 „Magdalene“ im Werk „Die 12 Apostel“ von E. Marlitt
3.2 „Elisabeth“ im Werk „Immensee“ von Theodor Storm
3.3 Gegenüberstellung der vier Frauenfiguren

4 Erwartungshaltung der Gesellschaft

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Frauenbild des Realismus, der Frauenrolle aus Fontanes Sicht und der Erwartungshaltung der Gesellschaft. Die Fragestellung der Arbeit befasst sich mit der Übereinstimmung dieser beiden Perspektiven, sowie einem Vergleich von Fontanes „Grete Minde“ und „Effi Briest“ mit den Frauenfiguren „Magdalena“ im Werk „Die 12 Apostel“ von E. Marlitt und „Elisabeth“ im Werk Immensee von Theodor Storm. Alle vier Frauenfiguren entstammen der Zeit des Realismus.

Zu Beginn der Hausarbeit werden die beiden Frauenfiguren Fontanes charakterisiert und mit diesen Erkenntnissen wird das Frauenbild von Fontane definiert. Im darauf folgenden Unterkapitel wird die Frauenfigur „Magdalena“ aus E. Marlitt ihrem Werk „Die 12 Apostel“ analysiert und danach wird „Elisabeth“ aus Storm seinen Werk „Immensee“ charakterisiert. Beide Frauenbilder werden dem Frauenbild von Fontane gegenüber gestellt. Im vorletzten Kapitel wird die Gesellschaftserwartung an die Frau näher betrachtet und auf den z.B. sozialen Aspekt untersucht. Zuletzt wird ein Fazit formuliert.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich das Rollenbild der Frau besonders im Realismus sehr interessant finde. Die Darstellungsvarianten sind vielseitig, während einige Vorstellungen des Rollenbildes der Frau für unser Verständnis sehr rückständig sind, sind andere aus unserer Perspektive „aktuell“ und modern. Jeder Schriftsteller hat seine eigenen Vorstellung von einer optimalen Frauenfigur, daher werde ich mich mit Fontane seinen Frauenbild beschäftigen. Ich möchte raus finden, ob Fontanes Frauenbild mit den allgemeinen Gesellschaftserwartungen der Epoche übereinstimmt und in wie weit ein einheitliches Frauenbild in dieser Epoche existiert.

2 Frauenfiguren von Fontane

2.1 Effi Briest

Das 17 jährige Mädchen Effi entstammt der Familie Briest. Sie lebt in Hohen-Cremmen und hat eine gute Kindheit in Gesellschaft ihrer Familie und ihrer Freunde. Effis Persönlichkeit ist stark durch einen kindhaften Bewegungsdrang geprägt, sie spielt mit ihren Freundinnen und redet über Liebesgeschichten. Im gesamten wirkt sie eher wie ein Mädchen, weswegen die Hochzeit, die von ihren Eltern arrangiert wurde, äußerst komisch und unpassend wirkt. Alles an ihrem Verhalten wirkt spielerisch und so, als würde sie es nicht ernst nehmen. Effi stellt ein verspieltes, naives Mädchens da, welches sorglos in den Tag hinein lebt. ,,In allem, was sie tat, paarte sich Übermut und Grazie während ihre lachenden, braunen Auge eine große, natürliche Klugheit verriet"[1].

Sie wirkt oft mehr wie ein Junge als eine junge Frau. Sie trägt einen Jungenkittel, klettert gerne an Bäumen rauf und spielt mit ihren Freundinnen[2]. Effi ist eine ,,Tochter der Luft"[3], was als Metapher für ihre Begeisterung für das Schaukeln und Klettern herführt, denn dies schenkt ihr ein Gefühl von Freiheit, welches gleichzeitig mit der Angst vor dem Stürzen einher geht und den Reiz des Schaukelns nur noch erhöht.

Wenn man das Bild dieses Kindes betrachtet, so erkennt man sogleich, wie unreif Effi für die nahende Verlobung und Ehe ist. Sie ist nicht fähig, die Konsequenzen, welche die Verlobung mit einem viel älteren Mann, mit sich bringt, zu erfassen[4]. Die junge Verlobte kann die Ernsthaftigkeit der Lage nicht erkennen und so ist sie auch nicht in der Lage eigene Entscheidungen zu treffen. Daher unterwirft sie sie sich den Wünschen ihrer Mutter und blendet ihre zukünftige Lebenssituation aus. Alles, was für ihre Zukunft wichtig ist, lässt sie von ihrer Mutter entscheiden[5].

Ihre Träumereien über ihr Leben als Ehefrau sind realitätsfern, gegen alle Vernunft und Aufklärungsversuche hört sie nicht auf, sich Kessin als einen sibirischen Ort vorzustellen, was wiederholt ihre Naivität zeigt[6]. Als sie mit ihrer Mutter über ihre Gefühle redet, wird klar, dass „Liebe“ für sie nur ein Begriff ist und sie noch keine Vorstellung von dessen Bedeutung hat: ,,Nein, Mama, das ist mein völliger Ernst. Liebe kommt zuerst, aber gleich dahinter kommt Glanz und Ehre, und dann kommt Zerstreuung, immer was Neues, immer was, dass ich lachen oder weinen muss. Was ich nicht aushalten kann, ist Langeweile"[7]. Sie glaubt, dass die Ehe für das gesellschaftliche Ansehen nützlich ist[8]. Der durch die Hochzeit erworbene Reichtum, wäre für Effi ein Segen, denn so müsste sie sich nicht mehr auf das Zweitbeste verzichten, sondern könnte das Beste bekommen. Es zeigt sich, dass sie im gesamten zwar bescheiden wirkt, jedoch auch anspruchsvoll sein kann[9].

Alleine zu sein zerrt sehr an ihren Gemüt, denn sie verabscheut Langeweile[10]. Effi bekommt dadurch starkes Heimweh nach Hohen – Cremmen. Sie liebt zudem ihre Heimat und ihre Eltern, was man in den Briefen an ihre Mutter erkennen kann. Obwohl Effi ihre Tochter Annie hat, zeigt sie kaum Interesse für ihr Kind, stattdessen fühlt sie sich einsam und beschäftigt sich eher mit ihrem Hund Rollo[11]. Von ihrer Tochter Annie wird meist nur von „das Kind“ gesprochen[12]. Ihr Mann Innstetten ist Effi gegenüber zuvorkommend, freundlich und höflich, schenkt ihr jedoch nicht die gewünschte Zärtlichkeit und Zuneigung. Effi kann ihren Mann aber auch nur respektieren und achten, nicht aber ehrliche Zuneigung empfinden. Dennoch versucht sie ihre Rolle als fürsorgliche Mutter und ergebene Ehefrau zu erfüllen. Bald ist sie mit dieser Rolle überfordert. Rasch wird ihr klar, was sie zum Eheglück wirklich braucht.

„…Huldigungen, Anregungen, kleine Aufmerksamkeiten, Innstetten war lieb und gut, aber ein Liebhaber war er nicht.“[13]

Effi möchte echte Gefühle fühlen, Aufmerksamkeit bekommen, abwechslungsreiche Unternehmungen und viel Bewunderung erhalten. Das alles gibt ihre Major Crampas. Daher ist sie interessant für den „Damenmann“. Effi stürzt in ein Liebesabenteuer mit ihm. Der Seitensprung ist eher weniger durch Effis Antrieb passiert, als eher durch ihre Passivität und Unwillligkeit, sich dem Majors zu widersetzen[14]. Durch den Umzug der Familie Innstetten nach Berlin wurde die Affäre von Effi und Crampas beendet[15]. Seitdem wird Effi von ihrem Gewissen geplagt und sie leidet an Schuldgefühlen. Ihr ist bewusst, dass sie Innstetten mit ihrem Handeln verletzte[16].

Erst sechs Jahre später erfuhr Instetten durch das zufällige Finden von Briefen von der Affäre seiner Frau Effi. Daher wird sie nun von ihrem Mann, ihrer Familie und der anständigen Gesellschaft verstoßen[17]. Ab da lebt sie ausgeschlossen vom Hauptgeschehen der Gesellschaft. Ihr Lebenswille, die Lust und der Spaß am Leben gehen verloren[18]. Durch die Geschehnisse in den letzten Monate seelisch erkrankt[19], wird ihr wieder gestattet in ihre Heimat nach Hohen - Cremmen zurückkehren[20]. Bevor Effi stirbt, vergibt sie sich, ihren Taten und auch ihrem Mann[21].

[...]


[1]Theodor Fontane: „Effi Briest“, RECLAMS Universal-Bibliothek Nr. 6961, Ditzingen 2014, Seite 6, Zeile 30

[2]Vgl. ebd. S.6 Z.14

[3]Vgl. ebd. S.7 Z.3f.

[4]Vgl. ebd. S.20 Z.7

[5]Vgl. ebd. S.28 Z.14ff.

[6]Vgl. ebd. S.29 Z.18ff.

[7]Vgl. ebd. S.33 Z.35ff.

[8]Vgl. ebd. S.36 Z.13

[9]Vgl. ebd. S.23 Z.29 bis S.24 Z.10

[10]Vgl. ebd. S.75 Z.32

[11]Theodor Fontane: „Effi Briest“, RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHEK Nr. 6961, Ditzingen 2014, Seite 133, Zeile 33

[12]Vgl. ebd. S.131 Z.13ff.

[13]Vlg. ebd. S.114 Z.14f.

[14]Vlg. ebd. S.181 Z.16

[15]Vlg. ebd. S.227 Z.26

[16]Vlg. ebd. S.245 Z.19ff

[17]Vlg. ebd. S.262 Z.28

[18]Vlg. ebd. S.291 Z.2

[19]Vlg. ebd. S.310 Z.10

[20]Vlg. ebd. S.312 Z.25ff

[21]Vlg. ebd. S.330 Z.30

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbild im Werk Theodor Fontanes. Ein Spiegelbild der Gesellschaftserwartungen des Realismus?
Untertitel
Existiert ein einheitliches Frauenbild im Realismus?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,7
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V353478
ISBN (eBook)
9783668395725
ISBN (Buch)
9783668395732
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fontane, Realismus, Grete Minde, Effi Briest
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Das Frauenbild im Werk Theodor Fontanes. Ein Spiegelbild der Gesellschaftserwartungen des Realismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353478

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