Da das Thema der Partizipation und Besucherbeteiligung in Museen sowohl vor Ort als auch im Netz im Rahmen der Web 2.0-Bewegung ein viel diskutiertes Thema darstellt, untersucht diese Arbeit vor allem die in Social Media Strategien integrierten Formate Blog und Blogparade auf ihre Strukturen und Möglichkeiten der Partizipation. Zentrale Fragen sind vor allem, wie ein Blog und eine Blogparade die Partizipation von MuseumsbesucherInnen und -interessentInnen und die Einbindung dieser in den musealen Kontext steigern können und ob sie nicht bereits zu viel Einfluss an die TeilnehmerInnen abgeben.
Dazu wird zuerst generell auf Blogs als Kommunikationskanal eingegangen, indem Charakteristika und Ziele des Formats benannt werden, um diese Erkenntnisse im Anschluss auf den Stellenwert des Blogs im Museumsmarketing zu übertragen. Als Praxisbeispiel dient das Marta Herford Museum mit dem Marta Blog. Nach einer Einordnung des Blogs in die digitale Strategie des Marta wird unter anderem die Funktion anhand der „Praktiken des Bloggens“ (2006: 31) nach Jan Schmidt untersucht, bevor auf die angestrebten Ziele und inhaltliche Ausrichtung des eingegangen wird. Um die Ausprägung und die Art der Partizipation durch den Marta Weblog zu erfassen wird zudem die Kommunikationsstruktur untersucht.
Vergleichend werden, mithilfe der durch das Marta Herford initiierten Blogparade #BesucherMacht, die sich passend dazu ebenfalls thematisch mit Partizipation und deren Grenzen beschäftigt, Blogparaden auf ihre partizipativen Elemente untersucht. Dafür wird die Möglichkeit der Beteiligung innerhalb dieser mit dem offenen Konzept des Crowdsourcing nach Howe verglichen. Im Rahmen dessen wird das Thema und die Teilnehmerstruktur der Blogparade BesucherMacht betrachtet. Schlussendlich erfolgt eine theoretische Einordnung der Blogparade des Marta Herford in die Partizipationstypen nach Nina Simon.
Inhaltsverzeichnis
1. AUFBAU UND FORSCHUNGSZIELE DER ARBEIT
2. WEBLOGS
2.1 EIGENSCHAFTEN VON WEBLOGS
2.2 WEBLOGS IM MUSEUMSMARKETING – NUTZEN UND VORAUSSETZUNGEN
3. DER MARTA BLOG
3.1 EINORDNUNG DES MARTA BLOGS IN DIE DIGITALE STRATEGIE DES MARTA HERFORD
3.2 INHALTLICHE AUSRICHTUNG UND FUNKTION DES MARTA BLOGS
3.3 KOMMUNIKATIONSSTRUKTUR INNERHALB DES MARTA BLOGS
3.4 ZWISCHENFAZIT: WEBLOG ALS PARTIZIPATIVER KOMMUNIKATIONSKANAL?
4. BLOGPARADEN
5. BLOGPARADE #BESUCHERMACHT DES MARTA HERFORD
5.1 HINTERGRUND DER BLOGPARADE DES MARTA HERFORD
5.2 FUNKTION DER BLOGPARADE #BESUCHERMACHT DES MARTA HERFORD
5.3 THEMA DER BLOGPARADE #BESUCHERMACHT
5.4 SELEKTION DER TEILNEHMERINNEN DURCH DAS FORMAT BLOGPARADE
5.5 EINORDNUNG DER BLOGPARADE #BESUCHERMACHT IN DIE PARTIZIPATIONSTYPEN NACH NINA SIMON
6. FAZIT
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten der Partizipation von Museumsbesuchern durch die digitalen Formate Weblog und Blogparade. Anhand des Praxisbeispiels Marta Herford wird analysiert, inwieweit diese Instrumente den Dialog zwischen Museum und Internetnutzern fördern und wie die Einbindung der Teilnehmer in den musealen Kontext gelingt.
- Strukturanalyse von Blogs als Kommunikationskanal im Museumsmarketing.
- Untersuchung der Kommunikationsstruktur und des Partizipationsgrads des Marta Blogs.
- Analyse der Blogparade #BesucherMacht im Kontext von Crowdsourcing.
- Theoretische Einordnung von partizipativen Museumsprojekten nach Nina Simon.
Auszug aus dem Buch
5.4 Selektion der TeilnehmerInnen durch das Format Blogparade
Der Aufruf des Marta Herford Museums, sich an der Parade vom 3. bis 30. November 2016 zu beteiligen, erfolgt am 2. November von Tabea Mernberger, wissenschaftliche Volontärin, über einen Beitrag auf dem Marta Blog und gibt einen Überblick über das Thema, die Teilnahmebedingungen und den Ablauf. Sie schreibt, im Sinne des Crowdsourcing-Konzepts, dass jeder Beitrag herzlich willkommen sei (vgl. Mernberger 2015). Denn die Masse besteht nach Howes nicht aus vorab definierten Communitys, sondern ist durch einen nicht selektierenden Aufruf noch undefiniert (vgl. Howe 2008: Klappentext). Doch der Unterschied zwischen Crowdsourcing im Sinne Howes und der Blogparade des Marta ist, dass die Zielgruppe trotz der Offenheit einer Parade indirekt festgelegt wird. Es können zwar auch LeserInnen teilnehmen, die keinen eigenen Blog betreiben, indem sie ihren Text an das Marta via Mail senden. Doch das Format Blogparade bedingt, dass es Personen, die noch keine Erfahrung mit Blog-Posts haben, schwieriger fällt, Gedanken zu äußern. Denn in der Blogger-Gemeinde herrscht ein spezieller Habitus bzgl. der Ansprache und Sprache. Es gibt hier spezielle „Ausdrucksformen, wechselseitige Bezüge sowie [eine besondere] Dynamik und Schnelligkeit“ (Zerfaß/Boelter 2005: 162), dessen Kenntnis eine „unabdingbare Voraussetzung für die eigene Aktivität in der Blogosphäre“ (ebd.) ist. Somit bietet eine Blogparade durch ihre selektiven Elemente eine eingeschränktere Partizipationsmöglichkeit im Gegensatz zum Konzept des Crowdsourcings.
Zusammenfassung der Kapitel
1. AUFBAU UND FORSCHUNGSZIELE DER ARBEIT: Einführung in die Web 2.0-Thematik und Definition der Forschungsfragen zur Partizipation in Museen.
2. WEBLOGS: Theoretische Grundlagen zu Weblogs und deren Nutzen sowie Anforderungen im Kontext des Museumsmarketings.
3. DER MARTA BLOG: Detaillierte Analyse des Marta Blogs als Instrument der digitalen Strategie, inklusive Kommunikationsstruktur und inhaltlicher Ausrichtung.
4. BLOGPARADEN: Definition und Funktionsweise von Blogparaden als partizipatives Format im Internet.
5. BLOGPARADE #BESUCHERMACHT DES MARTA HERFORD: Fallstudie zur Blogparade des Marta Herford, ihrer Organisation, Zielsetzung und theoretischen Einordnung nach Nina Simon.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Partizipationsmöglichkeiten und Grenzen von Blogparaden im musealen Kontext.
Schlüsselwörter
Museum 2.0, Partizipation, Weblog, Blogparade, Marta Herford, Besucherbeteiligung, Museumsmarketing, Crowdsourcing, Digitale Strategie, User-Generated-Content, Blogosphäre, Kommunikation, Nina Simon, Kuratieren, Soziale Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Blogs und Blogparaden als digitale Werkzeuge zur Steigerung der Partizipation von Besuchern im Museumskontext.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Museumsmarketing, digitale Kommunikationsstrategien, Crowdsourcing sowie die aktive Beteiligung von Nutzern an musealen Diskursen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird analysiert, inwieweit Blogs und Blogparaden die Einbindung von Museumsinteressierten steigern können und welche Rolle der Einfluss der Teilnehmer bei diesen Formaten spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Fundierung (z.B. nach Schmidt oder Simon) mit einer explorativen Fallstudien-Analyse des Marta Herford Museums.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung?
Im Hauptteil werden die Charakteristika von Weblogs, die digitale Strategie des Marta Herford und das spezifische Format der Blogparade #BesucherMacht detailliert untersucht.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Partizipation, Museum 2.0, Blogparade, Marta Herford, Crowdsourcing und digitale Strategie.
Wie unterscheidet sich die Blogparade von gewöhnlichen Blogbeiträgen hinsichtlich der Partizipation?
Während Blogbeiträge der Institution eher einseitig sind, lebt die Blogparade vom User-Generated-Content, was jedoch durch den spezifischen "Blogger-Habitus" zu einer gewissen Selektion der Teilnehmer führt.
Warum wird der Hashtag "#BesucherMacht" als provokativ eingestuft?
Der Begriff impliziert ein Machtverhältnis zwischen Museum und Besucher, was die Debatte darüber befeuert, wie viel Entscheidungsgewalt eine Institution tatsächlich an die Community abgeben sollte.
Nach welchen Kriterien ordnet die Autorin die Blogparade ein?
Die Arbeit nutzt die Partizipationstypologie von Nina Simon, um die Parade als ein "beratend-kollaboratives" Projekt zu identifizieren, bei dem die Institution den Rahmen vorgibt, aber die Community die Inhalte gestaltet.
- Arbeit zitieren
- Caroline Lauhoff (Autor:in), 2016, Partizipation im Museum durch Blogs und Blogparaden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353486