Wie unterscheiden sich die Transformationsprozesse in Spanien und Polen? Theorieansätze und Erklärungen


Hausarbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transformation in Spanien
2.1. Ende des autokratischen Systems
2.1.1. Charakteristika des Francoregimes
2.1.2. Das Scheitern des autoritären Systems
2.2 Institutionalisierung Spaniens nach dem Tod Francos
2.2.1. Die „reforma pactada“
2.2.2. Die Etappen der Institutionalisierung
2.3 Konsolidierung der Demokratie
2.3.1. konstitutionelle Konsolidierung
2.3.2. Entwicklung des Verbände- und Parteiensystems und der Bürgergesellschaft

3. Vergleich mit der Transformation in Polen
3.1. Vergleich der Ausgangssituation Polens und Spaniens
3.2. Legitimationskrise, Erstarken der Solidarnosc, Umbruch des Systems
3.3 Verhandlungen am „runden Tisch“ und Institutionalisierung
3.3.1 Wahlen 1989/1990/1991
3.3.2 Verfassung vom 17.10.1997
3.3.3 Gründe für den Verlauf und das Ergebnis der Institutionalisierung Spaniens und Polens
3.4 Konsolidierung der Demokratie

4. Schlussfolgerung und die Problematik der Vielschichtigkeit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Zusammenbruch der autokratischen Systeme in Spanien und Polen im Zuge der dritten bzw. „vierten“ Demokratisierungswelle1, definiert nach dem amerikanischen Politikwissenschaftler Samuel Phillips Huntington, etablierten sich zwei neue Demokratien im süd- und osteuropäischen Raum. Doch trotz dieser Gemeinsamkeit weisen die Transformationen Differenzen im Ablauf und Resultat des Systemwechsels auf. In der folgenden Arbeit soll beleuchtet werden, wodurch diese Unterschiede entstehen konnten bzw. wie sie sich erklären lassen. Unter Berücksichtigung entscheidender Ereignisse in der Vorgeschichte und während des Wechsels sowie unter Betrachtung der beteiligten Akteure und deren individuelle Position im Prozess, sollen Gründe für den Ausgang der Transition verdeutlicht werden. Dabei werden Theorieansätze und -Erklärungen einiger Wissenschaftler zur detaillierten Begründung der Erkenntnisse herangezogen. Um einen nachvollziehbaren Aufklärung geben zu können, orientiert sich die Beschreibung der einzelnen Transformationsphasen an dem Phasenmodell des 1952 in Hof geborenen Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Wolfgang Merkel. Sein Werk „Systemtransformation - Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung“ vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Transformationsbegriffe und -Theorien der bedeutendsten politikwissenschaftlichen Strömungen und Arbeiten u.a. der Modernisierungs- und Akteurstheoretiker. Zusätzlich dazu offenbart seine Literatur eine Möglichkeit der Darstellung und des Vergleichs an Hand des angesprochen Phasenmodels und den darin auftretenden Abschnitten „Ende des autokratischen Systems“, „Institutionalisierung“ und „Konsolidierung“ und den dazu gehörigen Unterpunkten, welche sich zur Veranschaulichung des Vergleich als nützlich erweisen. Dazu enthält sein Schaffen generelle Auskünfte über Entwicklungsgänge zu Zeiten beider Transformationen.

Zur Untersuchung der geschichtlichen Begebnisse in Spanien bildete das Werk „Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg“, herausgegeben vom Professor für Auslandswissenschaften Walter L. Bernecker, das Fundament. In seiner Publikation schildert er die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Geschehnisse Spaniens im 20.Jhr. und liefert damit elementare Informationen zur Investigation der Historie des Landes bis heute.

Als Basis für den polnischen Übertritt zur Demokratie dient das Herausgeberwerk „Parteienlandschaft in Osteuropa - Politik, Parteien und Transformationen in Ungarn, Polen, der Tschecho-Slowakei und Bulgarien 1989-1992“ von Magarditsch A. Hatschikjan und Peter R. Weilemann, da es gerade in der Phase der Institutionalisierung grundsätzliche Angaben der Begebenheiten bereitstellt.

In der anschließenden Arbeit wird aufbauend auf der Erläuterung des Systemwechsels in Spanien und Untersuchung der Gründe desselbigen in den 70er Jahren, die Transition Polens ab 1989 projiziert. Dabei treten besonders die Faktoren der Ausgangsvoraussetzungen und der Institutionalisierung hervor. Mit der deskriptiven Gegenüberstellung speziell auf der Ebene der politischen Systementwicklung eröffnen sich Erkenntnisse zu der Fragestellung, wo sich Anhaltspunkte und Ursachen finden lassen, die letztendlich die Handlungen und das Wirken der beteiligten Kräfte und den damit verbundenen Verlauf ausführlicher veranschaulichen lassen.

2. Transformation in Spanien

2.1. Ende des autokratischen Systems

2.1.1. Charakteristika des Francoregimes

Durch die lange Dauer des autokratischen Systems (1939 - 1975) verfügte keiner der politischen Akteure über Erfahrungen mit der Demokratie zu Zeiten des Systemwechsels in den 70er Jahren.

Obwohl Francos Machtergreifung von anderen, zu der Zeit faschistisch (Italien) bzw. nationalsozialistisch (Deutschland) geleiteten Staaten unterstützt wurde, so bestand der Diktator auf die Unabhängigkeit Spaniens.

Die Typologie des Systems änderte sich binnen seiner Existenz. In der Anfangszeit wies es Merkmale eines faschistisch-totalitären Regimes auf. Die Falange, eine 1933 gebildete faschistische Partei, welche nach dem Aufstieg Francos als regierende Partei fungierte, war die einzig zugelassene politische Organisation, wohingegen Arbeiterbewegungen und Interessenvertretungen zerschlagen wurden.2Ebenso die Rolle Francos als „Caudillo“ (span. „ Anführer“) offenbart Parallelen zu dem Führerkult in Deutschland und Italien. Nicht zuletzt wird dieser Zusammenhang mittels der schon angesprochenen militärischen und politischen Unterstützung der beiden Staaten begründet.

Im weiteren Verlauf seiner Obrigkeit änderte sich jedoch diese Ausrichtung. Vor allen Dingen durch die Kriegsniederlage der Achsenmächte und der damit verbunden Ächtung des politischen Systems, verminderte Franco den Einfluss der Falange und verhinderte die Weiterentwicklung der faschistischen Ideologie. Dementsprechend lässt sich das Francoregime nach dem Zweiten Weltkrieg als eher autoritär definieren. Das gesellschaftliche Leben der Bevölkerung wurde nur teilweise durch politische Parteien und Gewalten beschränkt. Der Herrschaftszugang war nicht vollständig geschlossen, da im „Gesetz über das Referendum“, welches am 22.10.1945 verabschiedet wurde, die Beteiligung des Volkes nach Entscheid des Staatschefs, gewährleistet worden ist. 1947 fand dieses Gesetz beim Referendum über „Das Gesetz über die Nachfolge in der Staatsführung“ Anwendung.3Ebenso wies Francos Regime keine ausgeprägte Ideologie, sowie nach Kriegsende keinen charismatischen Führerkult auf, den er verfolgt, wie es im Dritten Reich der Fall war. Dieser fehlende Faktor ermöglichte die Bildung von Gruppierungen außerhalb der Falange, die sich zwar im politisch ausgerichteten Spektrum befinden mussten, nichtsdestotrotz aber die Präsenz politischen Pluralismus darstellten.4Seinen Machterhalt sichert der Diktator nicht mit Hilfe staatlicher Repressalien, sondern mit der Unterstützung und Akzeptanz einiger Gesellschaftsgruppen wie Polizei, Militär und der katholischen Kirche sowie der politischen Teilnahmslosigkeit der spanischen Bevölkerung.

Generell ist die exakte Einordnung eines Systems in einen bestimmten Terminus aber schwierig, da viele Faktoren vorhanden bzw. nicht vorhanden sein müssen. Zudem treten häufig Überschneidungen unterschiedlicher Systemtypen auf. Das politische System Spaniens hat mit dem angesprochenen Gesetz über die Nachfolge der Staatsführung monarchische Züge angenommen, besonders auffällig kurz vor dem Tod Francos mit seiner Ernennung des Prinzen Juan Carlos de Borbón als sein direkter Nachfolger.5Ebenso sind mit dem Einfluss der katholischen Kirche und den Wirtschaftsreformen in den 60er Jahren Merkmale eines theokratisch-autoritären und autoritären Modernisierungsregimes erkennbar.

2.1.2. Das Scheitern des autoritären Systems

Schon vor dem Ableben Francisco Francos traten transformationsrelevante Probleme und Reformen auf. In den 1940er und 50er Jahren versuchte die Spanische Führung eine autarke Wirtschaftspolitik anzustreben, entgegen der Entwicklung der internationalen Wirtschaftsverflechtungen zu jener Zeit. Diese Ausrichtung war zwar beeinflusst von der diplomatischen Stellung Spaniens nach dem Zweiten Weltkrieg, hauptsächlich jedoch von den wirtschaftlichen Vorstellungen der Falange mit ihrer nationalen Ausrichtung angetrieben.6

Dieser Eingriff in die Wirtschaft stellt nach dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann, dessen Arbeit auf Talcott Parsons funktionalistischer Differenzierung beruht, einen fundamentalen Auslöser für das Scheitern eines Systems dar. Nach Luhmann findet eine funktionalistische Differenzierung aller Teilsysteme statt, wobei alle Systeme gleichgestellte Bedeutung haben. Dabei erläutert er im Gegensatz zu Parson, dass auch das politische keine höher gestellte Position besitzt. Ein Eingreifen eines Teilsystems in das andere mindert die natürliche Effizienz des letzteren.7

[...]


1Schmidt, Manfred G., in Bauer Hartmut; Huber, Peter M.; Sommermann, Karl-Peter (Hrsg.)“Demokratie in Europa - Verfassungsentwicklung in Europa 1“ , Mohr Siebeck, Tübingen (2005) S.24

2Vgl. Bernecker, Walter L. „Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg“, 3. Aufl., Beck, München (1997) S. 77.

3Nohlen, Dieter, Hildenbrand, Andreas, „ Spanien: Wirtschaft - Gesellschaft - Politik. Ein Studienbuch“, 2. Auflage, Verlag für Sozialwissenschaften VS, Wiesbaden (2005) S. 250

4Vgl. Bernecker, „Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg“, (1997) S. 79.f

5Nohlen, Hildebrandt, „Spanien: Wirtschaft - Gesellschaft …“ (2005) S. 251

6Vgl. Bernecker, „Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg“, (1997) S. 90

7Vgl. Luhmann, Niklas „Soziale Systeme - Grundriss einer allgemeinen Theorie“, Suhrkamp, Franfurt a. Main (1986) S. 203

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Details

Titel
Wie unterscheiden sich die Transformationsprozesse in Spanien und Polen? Theorieansätze und Erklärungen
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V353498
ISBN (eBook)
9783668395084
ISBN (Buch)
9783668395091
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transformationsprozesse, spanien, polen, theorieansätze, erklärungen
Arbeit zitieren
Stefan Rausch (Autor), 2010, Wie unterscheiden sich die Transformationsprozesse in Spanien und Polen? Theorieansätze und Erklärungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353498

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