Kulturübergreifend sehen sich Menschen der Tatsache gegenüber gestellt, dass Kinder wachsen und erwachsen werden und in diesem Prozess begleitet und unterstützt werden wollen. Die biologischen Gegebenheiten erzwingen ein Begleiten und Versorgen eines Kindes, vor allem eines Neugeborenen, denn auf sich allein gestellt könnte ein Kind nicht überleben (vgl. Hassenstein, 2001, S. 51). Doch nicht nur für Nahrung und Sicherheit wird von den Eltern oder Bezugspersonen gesorgt. Pädagogische Erfahrungen, die über den Lauf der Jahre gesammelt wurden, werden weitergegeben oder abgestoßen. Man spricht von Erziehung. (vgl. Oelkers, 2013, S.3)
Lange Zeit war Erziehung mit Züchtigung gleichzusetzen. In unterschiedlichen Kulturen gab es unterschiedliche Züchtigungsarten, Schüler wurden in Ecken gestellt oder gar mit einer Eselsmütze vor der Klasse gedemütigt. Körperliche Strafen wie Schläge waren ebenfalls lange Zeit üblich, sind heute jedoch gesetzlich verboten. Das Ziel dieser Erziehung war es, „das Kind dem Erwachsenen gefügig zu machen“ (Waldschmidt, 2010, S. 55).
Erich Weber (1976, S. 47) definiert Erziehung als „die in sozialer Interaktion erfolgende absichtliche Lernhilfe.“ Groothof bestätigt dies durch die Klärung der Aufgabe eines Erziehenden: Ein Erzieher ist jene Person, die „planmäßige pädagogische Hilfen an der Bildung und der Ausbildung der nachfolgenden Generation leistet.“ (Groothof, 2012, S. 424) Dem Erziehenden ist die Aufgabe der Sozialisation und Personalisation zugeschrieben, das heißt das Einführen in „verantwortliches, zwischenmenschliches und gesellschaftliches Verhalten“. (ebd., S. 424) Dass dies nicht durch körperliche Züchtigung stattfinden kann, ist heute klar. Die Erziehung ist eine umfassende und lebenslange Aufgabe, die mit einem hohen Maß an Verantwortlichkeit einhergeht.
Im 20. Jahrhundert kam es zu einem großen Wandel der Erziehungsstile, der durch gesellschaftliche, politische und entwicklungspsychologische Veränderungen und Erkenntnisse vorangetrieben wurde. Dieser Wandel soll in dieser Arbeit genauer beschrieben und untersucht werden. Der Einfluss der einzelnen Erziehungsstile aufeinander soll beleuchtet und die Verknüpfungen sollen dargestellt werden. Außerdem soll erklärt werden, wie sich daraus der heutige Erziehungsstil entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG
1.1 EINGRENZUNG DES THEMAS
1.2 DIE BEDEUTUNG DES THEMAS FÜR DIE FRÜHKINDLICHE PÄDAGOGIK
1.3 AUFBAU
II METHODIK
2.1 FRAGESTELLUNG
2.2 DIE LITERATURRECHERCHE
III THEORETISCHE GRUNDLAGE
3.1 WAS IST ERZIEHUNG?
3.2 DIE ERZIEHUNGSSTILE
IV VERTIEFUNG: DIE ERZIEHUNGSSTILE UND DEREN WANDEL
4.1 DIE AUTORITÄRE ERZIEHUNG
4.2 DIE ANTIAUTORITÄRE ERZIEHUNG
4.3 DIE EMANZIPATORISCHE ERZIEHUNG
4.4 ERZIEHUNG IM 21. JAHRHUNDERT
4.4.1 Interaktive Erziehung
4.4.2 Der Schrei nach Autorität
4.4.3 Die Familie und sich wandelnde Orte der Erziehung im 21. Jahrhundert
4.5 PÄDAGOGIK IM 20. JAHRHUNDERT UND BIS HEUTE
4.6 BEZUG ZWISCHEN DEN UNTERSCHIEDLICHEN ERZIEHUNGSSTILEN
4.7 EINFLUSSFAKTOREN AUF ERZIEHUNG
V SCHLUSSWORT UND AUSBLICK
5.1 ZUSAMMENFASSUNG
5.2 ERWARTUNGEN ZUR ENTWICKLUNG
5.3 BEDEUTUNG FÜR MICH ALS KINDHEITSPÄDAGOGIN
VI ANHANG
6.1 QUELLENVERZEICHNIS
6.1.1 Literaturquellen
6.1.2 Onlinequellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Erziehungsstile in Deutschland während des 20. Jahrhunderts bis heute. Das Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, politischen sowie entwicklungspsychologischen Veränderungen und der elterlichen Erziehungspraxis aufzuzeigen und dabei die Entwicklung zum heutigen Verständnis von Erziehung nachzuvollziehen.
- Historischer Wandel der Erziehungsstile im 20. Jahrhundert
- Analyse autoritärer, antiautoritärer und emanzipatorischer Erziehungsansätze
- Einflussfaktoren auf das erzieherische Handeln (z.B. eigene Kindheit, Milieu, Medien)
- Bedeutung der Bindungstheorie und natürlicher Autorität in der Erziehung
- Reflexion der pädagogischen Praxis und Anforderungen an KindheitspädagogInnen
Auszug aus dem Buch
4.1 Die autoritäre Erziehung
Ein Autoritätsverhältnis beschreibt eine Beziehung, in welcher der Autoritätstragende den Autoritätsanerkenner „orientierend und regulierend zu beeinflussen vermag“. (Weber, 1974, S. 210)
Da es verschiedene Formen der Autorität gibt, soll zuerst festgelegt werden, dass es sich bei dem autoritären Erziehungsstil um die sogenannte persönliche Autorität handelt, nicht etwa um eine institutionelle oder um die herrschaftliche Autorität. (vgl. Weber, 1974, S. 221) Der autoritäre Erziehungsstil ist also geprägt von der persönlichen Autorität der Erziehenden, meistens der Eltern. Die Erziehung im Kindergarten und in der Schule wird hier nicht berücksichtigt. Außerdem ist klar, dass es sich nicht um eine Herrschaftsbeziehung handelt, sondern um die persönliche Beziehung zwischen einem Kind und einer Mutter und/oder einem Vater.
Mit autoritärer Erziehung wird heute vor allem eine strenge Erziehung assoziiert, in der die Kinder oft auch gewaltsam dazu gezwungen werden, ihren Eltern zu gehorchen. Desweiteren stellen autoritäre Eltern hohe Anforderungen an ihre Kinder, ohne dabei auf die Kinder einzugehen. Die Bedürfnisse der Kinder werden unter die eigenen Anforderungen gestellt. (vgl. Siegler, DeLoache & Eisenberg, 2011, S. 465)
Faktisch betrachtet geht die autoritäre Erziehung mit einem hohen Maß an elterlicher Kontrolle einher (vgl. Siegler et. al., 2011, S. 465). Bei hohen Anforderungen von Seiten der Eltern sind sie jedoch nur in geringem Maße ansprechbar für ihre Kinder (vgl. ebd. S. 464). Gehorsam wird mit Hilfe von Drohungen und Strafen erzwungen (vgl. ebd., S. 465). Neben dem Gehorsam ist außerdem ein fast unterwürfiger Respekt gegenüber älteren Personen, bzw. den Eltern, von bedeutender Rolle (vgl. Reichwein, 2012, S. 140).
Zusammenfassung der Kapitel
I EINLEITUNG: Definiert Erziehung als lebenslange Aufgabe und skizziert den gesellschaftlichen Wandel der Erziehung sowie die Relevanz der Thematik für die Praxis.
II METHODIK: Erläutert die Wahl der Literaturrecherche als wissenschaftliche Methode zur Untersuchung des Erziehungswandels im 20. Jahrhundert.
III THEORETISCHE GRUNDLAGE: Legt den theoretischen Hintergrund fest, definiert Erziehung sowie Erziehungsstile und beleuchtet das Machtverhältnis zwischen Erziehenden und Kindern.
IV VERTIEFUNG: DIE ERZIEHUNGSSTILE UND DEREN WANDEL: Detaillierte Analyse der autoritären, antiautoritären und emanzipatorischen Erziehung, der pädagogischen Entwicklung und Einflussfaktoren wie Medien und sozialer Status.
V SCHLUSSWORT UND AUSBLICK: Fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung für die heutige Generation und reflektiert die Rolle der Kindheitspädagogin.
VI ANHANG: Enthält das vollständige Quellenverzeichnis, unterteilt in Literatur- und Onlinequellen.
Schlüsselwörter
Erziehung, Erziehungsstile, Wandel, 20. Jahrhundert, Deutschland, Kindheit, Pädagogik, Autorität, Eltern-Kind-Beziehung, Soziale Ungleichheit, Emanzipation, Bindung, Familienmodelle, Reflexion, Kindheitspädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel und die Entwicklung der Erziehungsstile in Deutschland vom 20. Jahrhundert bis heute, wobei ein Schwerpunkt auf der Literaturrecherche bedeutender pädagogischer Werke liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der historische Wandel der Erziehungsstile, der Einfluss der Gesellschaft auf die Erziehung, sowie die Analyse spezifischer Stile wie autoritäre, antiautoritäre und emanzipatorische Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, pädagogischen Fachkräften eine leicht zugängliche Informationsquelle zu bieten, um Erziehungsmuster zu verstehen, zu reflektieren und die eigene pädagogische Arbeitsweise zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert ausschließlich auf der Methode der wissenschaftlichen Literaturrecherche, um bestehende Erkenntnisse aus Fachliteratur und Erziehungsratgebern zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil vertieft die theoretischen Grundlagen, beschreibt die drei Hauptströmungen der Erziehungsstile, untersucht deren Wandel durch gesellschaftliche Einflüsse und beleuchtet Einflussfaktoren auf die Erziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Erziehung, Erziehungsstile, Wandel, Autorität, Kindheit, Pädagogik, Eltern-Kind-Beziehung und Emanzipation.
Welche Rolle spielt die "natürliche Autorität" im Gegensatz zur autoritären Erziehung?
Während die autoritäre Erziehung auf Macht und Gehorsam basiert, wird die natürliche Autorität in der emanzipatorischen Erziehung durch Sach- und Beziehungskompetenz sowie innere Stärke begründet und zielt auf Mündigkeit ab.
Warum wird die autoritäre Erziehung im historischen Kontext kritisch betrachtet?
Sie wird oft mit Machtverhältnissen und Unterdrückung in Verbindung gebracht, die historisch, insbesondere im Nationalsozialismus, zur Unterdrückung der kindlichen Individualität instrumentalisiert wurden.
Wie beeinflussen moderne Medien die aktuelle Erziehungssituation?
Medien beeinflussen das Familienleben und die Spielzeugindustrie; die Arbeit betont, dass Eltern den Medienkonsum begleiten müssen, um Gefahren für die kindliche Entwicklung vorzubeugen.
Welchen Stellenwert nimmt die Reflektion der eigenen Kindheit für PädagogInnen ein?
Die Arbeit unterstreicht, dass pädagogische Fachkräfte ihre eigene Sozialisation reflektieren müssen, um in Stresssituationen nicht unbewusst auf autoritäre Muster zurückzugreifen, die sie aus der eigenen Kindheit kennen.
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- BA Annika Dietrich (Author), 2016, Erziehungsstile im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353568