Diese Arbeit verfolgt zwei Ziele: Zunächst werden die theoretischen Überlegungen verschiedener Autoren zur effektiven Regulation von Allmendegütern dargestellt. Durch die Abwägung und Kombination der theoretischen Ideen sollen neue Erkenntnisse über den Umgang mit begrenzten Gütern ermöglicht werden. Als Zweites wird überprüft, ob Konflikte wie in Brasilien als neue Dimension der Allmende-Tragik angesehen werden können. Grund für diese Annahme ist, dass im Fall Brasilien eine Verschränkung der Allmendegüter Wasser und Wald vorliegt.
Wie Spiegel Online berichtet, sind etwa 77 Millionen Menschen in Rio de Janeiro und São Paulo mit Wassereinschränkungen konfrontiert. Das Wasser wird fünfmal die Woche für jeweils 18 Stunden am Tag abgestellt. Jahrelanger exzessiver Konsum und undichte Leitungen führten zum Wassermangel. Außerdem trocknen die großen Süßwasserreservate im Süden Brasiliens wegen des geringsten Regenanteils seit 30 Jahren zunehmend aus. Wissenschaftler machen die Regenwaldrodung dafür verantwortlich, da in Folge gerodeter Flächen weniger Luftfeuchtigkeit entsteht. Diese wird üblicherweise von Windströmungen aufgenommen und in Form von Regen über weiten Teilen des Landes entladen. Regierung und Bevölkerung müssen nun lernen, mit den verbliebenen, begrenzten Wasserressourcen verantwortungsvoll umzugehen.
Zuerst ist es notwendig, die theoretischen Grenzen der Gutnutzung zu begründen. Anschließend erfolgen in Kapitel 3 die Definition von Allmendegütern und eine darauf basierende Einordnung des Konflikts in Brasilien. Im Hauptteil (Kapitel 4) werden Chancen und Schwächen der unterschiedlichen Regulationsansätze erörtert. Im Fazit werden die theoretischen Erkenntnisse gesammelt und ein Ausblick auf empirische Forschungsmöglichkeiten gegeben. Für die aktuelle Situation in Brasilien liegen nur wenige empirische Daten vor. Die in dieser Arbeit verwendeten Daten dienen hauptsächlich zur Veranschaulichung und Überprüfung möglicher Wirkungsszenarien.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Einleitung
2, Grenzen der Gutnutzung
3. Definition von Allmendegütern und Einordnung des Konflikts
4. Managementtheorien
4.1 Theorie des Leviathan
4.2 Privatisierungstheorie
4.3 Selbstverwaltungstheorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht theoretische Regulationstheorien für Allmendegüter und analysiert deren Anwendbarkeit auf die aktuelle Wasser- und Ressourcenkrise in Brasilien, um neue Erkenntnisse über den Umgang mit begrenzten Gütern zu gewinnen.
- Grundlagen der Allmendegüter und deren theoretische Grenzen der Nutzung
- Analyse der Managementansätze: Theorie des Leviathan, Privatisierung und Selbstverwaltung
- Konfliktanalyse am Beispiel der Wasserknappheit in Brasilien
- Diskussion der Verschränkung von Allmendegütern wie Wasser und Wald
- Evaluation von Governance-Strukturen und kollektiven Handlungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
4. Managementtheorien
Die Lösung von Allmendegut-Problemen “[…] involves two distinct elements: restricting access and creating incentives (usually by assigning individual rights to, or shares of, the resources) for users to invest in the resource instead of overexploiting it.” (Burger u.a. 1999: 279). Als Herausforderung gilt es, das Wasser an die betroffenen Sektoren Haushalte, Landwirtschaft und Industrie dennoch in akzeptierter Art und Weise aufzuteilen (vgl. Klaphake/Scheumann 2001: 6). Dabei muss regional der Selbsterhalt des Ökosystems gewährleistet werden (vgl. Klaphake/Scheumann 2001: 6), was Ostroms theoretischer Verbindung zwischen Ressourcensystem und Ressourceneinheiten gleicht. Im Folgenden sollen verschiedene Managementansätze theoretisch auf ihre Schwächen und Chancen hin analysiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Erläuterung der sprachlichen Konventionen in der Arbeit zur Wahrung der geschlechtsneutralen Ausdrucksweise.
1. Einleitung: Vorstellung der Wasserproblematik in Brasilien und Definition der Ziele hinsichtlich der Analyse von Regulationstheorien für Allmendegüter.
2, Grenzen der Gutnutzung: Theoretische Auseinandersetzung mit Garret Hardins "Tragedy of the Commons" und der Notwendigkeit menschlichen Umdenkens bei Ressourcenknappheit.
3. Definition von Allmendegütern und Einordnung des Konflikts: Theoretische Abgrenzung von Allmendegütern anhand der Merkmale Rivalität und Exkludierbarkeit sowie Konkretisierung der Wasserknappheit.
4. Managementtheorien: Detaillierte Untersuchung dreier theoretischer Ansätze zur Regulierung von Allmendegütern und deren Anwendbarkeit auf reale Konfliktszenarien.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Theorieansätze unter Berücksichtigung der komplexen Verschränkung verschiedener Allmendegüter im brasilianischen Kontext.
Schlüsselwörter
Allmendegüter, Regulationstheorien, Wasserknappheit, Brasilien, Leviathan, Privatisierung, Selbstverwaltung, Ressourcenmanagement, Nachhaltigkeit, Allgemeingut, Sozioökonomie, Umweltsoziologie, Ressourcenkonflikt, Ökosystem, Gemeingut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretische Regulation von Allmendegütern und prüft, wie diese Konzepte auf aktuelle Wasserengpässe in Brasilien angewendet werden können.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Allmendegütern, die Vorstellung verschiedener Managementtheorien (Staat, Markt, Selbstorganisation) und deren praktische Relevanz in Brasilien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Kombination theoretischer Ideen neue Ansätze für den Umgang mit begrenzten Gütern zu finden und die Konfliktsituation in Brasilien als neue Dimension der Allmende-Tragik zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Abhandlung, die durch die Analyse von Fachliteratur und die Anwendung auf aktuelle Fallbeispiele (Brasilien) zu neuen Erkenntnissen gelangt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Managementtheorien "Theorie des Leviathan", "Privatisierungstheorie" und "Selbstverwaltungstheorie" auf ihre jeweiligen Chancen und Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Allmendegüter, Ressourcenmanagement, Wasserknappheit, Regulationstheorie und kollektives Handeln beschreiben.
Inwiefern spielt der brasilianische Regenwald für die Argumentation eine Rolle?
Der Regenwald dient als Beispiel für die Verschränkung verschiedener Allmendegüter, da dessen Rodung die Feuchtigkeitsbildung und somit die Wasserverfügbarkeit in Brasilien direkt beeinflusst.
Warum wird die Privatisierung des Wassers in der Arbeit kritisch gesehen?
Die Privatisierung wird aufgrund der Leitungsgebundenheit der Ressource als Gefahr für Machtmonopole betrachtet, weshalb staatliche Kontrolle für essenziell erachtet wird.
Kann Selbstverwaltung ein Allmenden-Problem in Großstädten lösen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die regionale Selbstverwaltung bei Millioneneinwohnerzahlen, wie in São Paulo oder Rio de Janeiro, aufgrund ihrer Komplexität nur schwer direkt übertragbar ist.
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- Tim Maier (Author), 2015, Regulation von Allmendegütern in Brasilien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353579