Chancen und Risiken der sozialen Medien für den Journalismus


Hausarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was sind Social Media?

3. Chancen und Risiken der sozialen Medien für den Journalismus
3.1. Chancen
3.1.1. Schnellere Verfügbarkeit von Information
3.1.2. Erweiterung der Quellenvielfalt
3.1.3. Interaktivität
3.1.4. Aufbau des eigenen Netzwerks
3.2. Risiken
3.2.1. Verbreitung falscher Informationen
3.2.2. Entstehung einer „Umsonstkultur“
3.2.3. Imageschäden durch Kritik

4. Zusammenfassung und Fazit

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Literatur-/Quellenverzeichnis

Anhangverzeichnis

1. Einleitung

Das Jahr 1978 gilt als Geburtsstunde der sozialen Netzwerke. Mit dem „Bulletin Board System“ (BBS) schufen die US-amerikanischen Softwareentwickler Randy Suess und Ward Christensen eine Möglichkeit, Daten, Nachrichten und sonstige Informationen in öffentlichen Foren mit anderen Nutzern zu teilen. Dennoch entwickelte sich das Social Web nur langsam zu dem, was es heute ist. Erst 2004 ging Facebook online, das mittlerweile größte soziale Netzwerk weltweit. 2005 folgte das Videoportal YouTube, ein Jahr später der Mikroblogging-Dienst Twitter.[1]

Inzwischen kann alleine Facebook Nutzerzahlen von über 1,7 Milliarden Mitgliedern vorweisen, von denen sich rund 1,13 Milliarden täglich aktiv beteiligen. Auf Twitter schreiben 320 Millionen Nutzer 500 Millionen Kurznachrichten pro Tag.[2]

Neben Personen des öffentlichen Lebens wie Schauspielern, Künstlern, Sportlern oder Politikern verfassen vor allem Privatpersonen eine große Zahl von Beiträgen und liefern ihren Lesern damit rund um die Uhr neue Informationen. Dabei werden die sozialen Netzwerke insbesondere als Instrument zur Meinungsäußerung genutzt. Häufig berichten Augenzeugen aber auch aus erster Hand über Unglücke, Naturkatastrophen oder Verbrechen. Vom Tod einer bekannten Person erfährt die Öffentlichkeit oftmals zuerst durch einen Beitrag auf Twitter, wie 2011 im Fall des Terroristenführers Osama bin Laden. Keith Urbahn, Büroleiter des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, hatte die Information von einer vertrauenswürdigen Quelle erhalten und online publik gemacht.[3]

Allerdings sind nicht alle Informationen, die über soziale Netzwerke verbreitet werden, so zuverlässig. Beiträge können schlichtweg falsch sein oder den Sachverhalt unpräzise und missverständlich wiedergeben. Zudem kann es für den Leser schwierig sein zu erkennen, ob ein Nutzer seine Nachrichten unter eigenem oder fremdem Namen verfasst. Für Journalisten, die immer öfter soziale Medien im Berufsalltag nutzen, stellt das ein großes Risiko dar. Informationen aus dieser Quelle sind daher mit besonderer Vorsicht zu behandeln und sorgfältig zu prüfen, bevor sie übernommen werden.

Diese Arbeit möchte die Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke für den Journalismus beleuchten. Durch ihre Gegenüberstellung soll der Wert dieser digitalen Medien für die journalistische Arbeit ermittelt und die Frage geklärt werden, ob und unter welchen Umständen sie eine geeignete Quelle zur Recherche von Informationen sind.

In Abschnitt 2 folgt zunächst eine allgemeine Klärung des Begriffs „Social Media“ und eine Übersicht der wichtigsten Arten sozialer Netzwerke. Anschließend zeigt Abschnitt 3 die wesentlichen Chancen und Risiken dieser Plattformen für den Journalismus auf, bevor Abschnitt 4 eine Zusammenfassung und ein abschließendes Fazit liefert.

2. Was sind Social Media?

Zunächst soll geklärt werden, wofür der Begriff Social Media steht. Kurzgefasst handelt es sich dabei um einen Sammelbegriff für Plattformen, die zum Austausch von Erfahrungen, Informationen und Meinungen im Internet dienen. Dabei können die Inhalte sowohl als Text als auch in Form von Bildern, Audio- oder Videoaufnahmen geteilt werden.[4]

Die Funktionsweise dieser Plattformen ähnelt den klassischen Medien. Informationen von einzelnen Sendern werden zu vielen Empfängern transportiert. Wie in Fernsehen, Radio und Zeitung werden sowohl Nachrichten als auch Unterhaltung geliefert. Allerdings handelt es sich bei Social Media nicht um „Einbahnstraßen“, da auch die Empfänger Beiträge verfassen und mit anderen Nutzern teilen können, wenn sie möchten. Auch wer nicht im Netzwerk angemeldet ist oder keine Informationen veröffentlicht, hat unter Umständen vollen Zugriff auf die Nachrichten anderer, wie bei Twitter. Durch die gegenseitige Interaktion schaffen die Plattformen neue Verbindungen zwischen Sendern und Empfängern, wodurch sich Personen mit Gemeinsamkeiten zu neuen Gruppen zusammenfinden können.[5]

Die sozialen Medien, die manchmal unter dem Oberbegriff „Web 2.0“ zusammengefasst werden, lassen sich in verschiedene Gattungen unterteilen:

Netzwerkplattformen oder Online-Communities wie Facebook basieren darauf, dass Nutzer Angaben zur eigenen Person hinterlegen. Dazu gehören unter anderem Bilder, Kontaktinformationen, berufliche Kompetenzen, persönliche Interessen und Vorlieben. Anhand dieses Profils knüpft der Nutzer Beziehungen zu anderen Mitgliedern, die er als Kontakte bestätigen kann, um sein Netzwerk zu erweitern.[6]

Auf Multimediaplattformen wie YouTube stehen nutzergenerierte Inhalte wie Videos, Fotos oder Musik im Vordergrund, die dort veröffentlicht und anschließend von anderen Nutzern bewertet oder kommentiert werden können.[7]

Die Weblogs (kurz Blogs) beschäftigen sich mit den Erlebnissen ihres Autors und können als eine Art Online-Tagebuch beschrieben werden. Auch hier besteht für den Leser jederzeit die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen oder Beiträge zu verlinken.[8]

Eine Abwandlung des Blogs stellen sogenannte Microblogs dar. Hier ist die Länge der Einträge auf eine bestimmte Zeichenzahl beschränkt. Bei Twitter, dem wohl bekanntesten Mikroblogging-Dienst, sind das zurzeit 140 Anschläge. Nachrichten, auch „Tweets“ genannt, können durch Links oder Fotos ergänzt werden und indem man einem anderen Nutzer „folgt“, bzw. ihn abonniert, wird man automatisch über seine Updates und Neuigkeiten informiert. Als weiterer nützlicher Mechanismus hat sich der „Hashtag“ etabliert. Dieser Begriff steht für ein Rautezeichen, das einem Wort oder Ausdruck vorangestellt wird, etwa bei „#Weltmeister“. Der so gekennzeichnete Begriff wird zur durchsuchbaren Kategorie und führt Leser, mit einem Klick, zu einer Liste aktueller Beiträge, die ebenfalls diesen Hashtag enthalten. Wird ein „@“-Zeichen einem Nutzernamen vorangestellt (z.B. „@BarackObama“), wird die Nachricht nicht nur öffentlich geteilt, sondern auch als Direktnachricht an den betreffenden Nutzer gesendet. Ein Klick auf den Namen bringt den Leser zum Profil des genannten Mitglieds.[9]

Zuletzt sind die sogenannten Wikis als weiteres soziales Medium zu nennen. Hierbei handelt es sich um Plattformen zum Wissensaustausch, die von den Nutzern gemeinsam bearbeitet und erweitert werden. Das wohl prominenteste und umfangreichste Beispiel dieser Gattung ist die Online-Enzyklopädie „Wikipedia“. Doch auch Organisationen nutzen solche Netzwerke zur besseren internen Sammlung und Weitergabe von Know-how.[10]

Zusammenfassend lassen sich zwei Merkmale hervorheben, die alle sozialen Medien gemeinsam haben: Sie bieten den Nutzern bessere Möglichkeiten zur Bearbeitung und Veröffentlichung von Inhalten und erleichtern den Austausch mit anderen.

3. Chancen und Risiken der sozialen Medien für den Journalismus

Wenn es um die Auswirkungen der sozialen Medien geht, sind die Meinungen gespalten. Während sich viele die Frage stellen, wozu Journalismus in Zeiten von Blogs und nahezu unendlichem Angebot an Informationen und nutzergenerierten Inhalten im Internet überhaupt noch benötigt wird, begrüßen andere die neuen Möglichkeiten, die sich speziell aus den sozialen Netzwerken für die journalistische Arbeit ergeben.

„Soziale Medien können und müssen eine Ergänzung und Bereicherung für den Journalismus sein – aber kein Ersatz.“[11], kommentiert beispielsweise der Autor und Blogger Sascha Lobo.

Dieser Abschnitt soll beide Seiten beleuchten und zeigen, wie die sozialen Netzwerken die Arbeit des Journalisten unterstützen können, aber auch welche Risiken dabei zu beachten sind.

3.1. Chancen

3.1.1. Schnellere Verfügbarkeit von Information

Nirgendwo verbreiten sich Informationen schneller, als in den sozialen Netzwerken.

Nach den Explosionen im Osloer Regierungsviertel am 22. Juli 2011 dauerte es nur 13 Minuten, bevor erste Bilder und Videos im Internet auftauchten und das Geschehen vor Ort dokumentierten. Nachrichtensender und Online-Portale nutzten die Amateuraufnahmen für ihre Live-Berichterstattung, bis Fernsehteams und Fotografen vor Ort ankamen.[12]

Wenig später veröffentlichte der Jugendliche Adrian Pracon die Nachricht auf Twitter, es gebe Schüsse und viele Tote auf der norwegischen Insel Utøya und war damit der erste, der auf den Amoklauf des Terroristen Anders Behring Breivik aufmerksam machte. Interessierten Journalisten teilte er außerdem seine Durchwahl über das soziale Netzwerk mit und berichtete jedem, der anrief, über seine Erlebnisse als Überlebender des Attentats. [13]

Beide Fälle zeigen, wie soziale Netzwerke den Journalismus schneller, reichhaltiger und besser machen können. Sie erweitern das Quellenangebot und damit auch die journalistischen Möglichkeiten. Durch das Beobachten von Diskussionen und Trends auf Plattformen wie Twitter oder Facebook sind aktuelle Entwicklungen zügiger erfassbar. Nutzerbeiträge können Anlass zur Recherche bieten und Reportern, die nicht direkt vor Ort sein können, als wertvolles Backup dienen.

Die schnelle („virale“) Verbreitung von Informationen in sozialen Medien kann mit dem sogenannten „Schneeballprinzip“ erklärt werden. Viele Nutzer leiten interessante Nachrichten mithilfe der „Retweet“ -Funktion von Twitter weiter oder teilen sie auf Facebook mit ihren Freunden, die den Beitrag wiederum an ihre eigenen Kontakte senden. Hierdurch wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die sich, durch die internationale Ausrichtung der Plattformen, auch über Kontinente hinweg oder sogar weltweit ausweiten kann. Hat ein Mitglied 270 Kontakte, die eine Nachricht mit allen Ihren Freunden teilen und so weiter, können Reichweiten von mehreren Millionen Nutzern erreicht werden.[14]

3.1.2. Erweiterung der Quellenvielfalt

Journalisten, die soziale Medien beruflich nutzen, können auf mehr und oft auch besseres Material zurückgreifen. Die Netzwerke erlauben es, eine größere Zahl von Personen zu einem Thema anzuhören und mehr Stimmen einbeziehen, als es über andere Kanäle möglich wäre. Informationen, für die sonst aufwändige Recherchen nötig wären, sind häufig nur einen Mausklick entfernt. So kann es sinnvoll sein, über Plattformen wie Facebook oder Twitter nach Ansprechpartnern für Fallstudien zu suchen.

Als beispielsweise eine Krankenversicherung ihre Prämien erhöhte, sendete ein Journalist der amerikanischen ABC News einen Tweet an seine Kontakte, um Betroffene ausfindig zu machen. Als sich eine Nutzerin meldete, konnten über private Nachrichten auf Twitter sowie via E-Mail weitere Informationen ausgetauscht werden. Kurz darauf war sie in der ABC-Sendung „Good Morning America“ zu Gast.[15]

[...]


[1] Steinbrenner, T., Die Social-Media-Geschichte im Überblick, unter: https://www.haufe.de/marketing-vertrieb/online-marketing/die-social-media-geschichte-im-ueberblick_132_298002.html (abgerufen am 23.11.2016).

[2] Kroll, L., Übersicht aktueller Social Network Statistiken (Laufend ergänzt), unter: http://socialmedia-institute.com/uebersicht-aktueller-social-media-nutzerzahlen/ (abgerufen am 23.11.2016).

[3] Güßgen, F., Osama bin Ladens Tod auf Twitter: Der Triumph des Weltinfokanals, unter: http://www.stern.de/politik/deutschland/osama-bin-ladens-tod-auf-twitter-der-triumph-des-weltinfokanals-3581492.html (abgerufen am 24.11.2016).

[4] Schlüter, T. / Münz, M., 30 MINUTEN Twitter, Facebook, XING & Co., 2012, S. 9.

[5] Ebenda, S. 10 ff.

[6] Schmidt, J.-H., Social Media, 2013, S. 11 ff.

[7] Ebenda, S. 12.

[8] Ebenda, S. 12 ff.

[9] Ebenda, S. 13 ff.

[10] Ebenda, S. 14.

[11] Lobo, S., Selbstbeauftragte Publizisten, in: Weichert, S. / Kramp, L. / Jakobs, H.-J., Wozu noch Journalismus? Wie das Internet einen Beruf verändert, 2010, S. 115.

[12] Bouhs, Soziale Netzwerke für Nachrichtenjournalisten, S. 12.

[13] Ebenda, S. 13 ff.

[14] Primbs, S., Social Media für Journalisten, 2016, S. 62.

[15] Knight, M. / Cook, C., Social Media for Journalists, principles & practice, 2013, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken der sozialen Medien für den Journalismus
Hochschule
Freie Journalistenschule Berlin
Veranstaltung
Fernstudium Journalismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V353684
ISBN (eBook)
9783668397422
ISBN (Buch)
9783668397439
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
„Wie soll man mit sozialen Medien umgehen? Wie sie prüfen? Kenntnisreich führt Dominik Jamolowitz in das Thema ein, fächert den Oberbegriff „Soziale Medien“ auf, liefert eine Menge an Fallbeispielen für die positiven und negativen Wirkungen des Web 2.0. (…) Dominik Jamolowitz ist mit seiner wissenschaftlichen Arbeit eine Art Leitfaden gelungen, wie man die Dinge scheiden kann. Das ist viel. Sprachlich immer angemessen, das Literaturverzeichnis umfangreich, wünscht man der Arbeit viele interessierte Leser.“ (Prüfer)
Schlagworte
Soziale Medien, Chancen, Risiken, Journalismus, Internet, Social Media, Online, Crowdsourcing, Crowdfunding, Web 2.0
Arbeit zitieren
Dominik Jamolowitz (Autor), 2016, Chancen und Risiken der sozialen Medien für den Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353684

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