Bildung und Gesellschaft - Verschränkungen von Sozialisation und Bildung am Beispiel von Bildungsabstieg


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Thematische Einführung / Begriffsklärung

3. Forschungsstand

4. Die vier verschiedenen Verlaufsformen DES SOZIALEN ABSIEGS nach Martin Schmeiser
4.1. Erster Typus: lang hinausgezögerter, abrupt erfolgender Abstieg
4.2. Zweiter Typus: frühes Aussteigen aus der akademischen Normalbiographie
4.3. Dritter Typus: marginale Positionierung: weder unten noch oben
4.4. Vierter Typus: Heterogene soziale Herkunft und Scheidung: Berufsbiographische Ambitendenz

5. Erklärungsansätze

6. Ergebnis und Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist das Vorhaben, die Verlaufsformen des sozialen Abstiegs der Töchter und Söhne von Akademikereltern näher zu beleuchten und evtl. Erklärungsansätze dafür zu liefern. Daran soll gezeigt werden, wie Bildung und Sozialisation miteinander verschränkt sind und sich gegenseitig in Wechselwirkung in unterschiedlicher Weise bedingen können.

Im ersten Schritt wird eine thematische Einführung in die soziologische Mobilitätsforschung gemacht. Zum besseren Verständnis der Thematik und dieser Arbeit werden die wichtigsten Begriffe erklärt. Im Anschluss daran wird der aktuelle Forschungsstand vorgestellt.

Im zweiten Schritt werden zunächst vier verschiedene Verlaufsformen beschrieben, die Martin Schmeiser in seinem Buch „Missratene“ Söhne und Töchter. Verlaufsformen des sozialen Abstiegs in Akademikerfamilien, Konstanz 2003[1], nennt. Darauf hin soll der Versuch unternommen werden, Erklärungsansätze für die verschiedenen Abstiege der Kinder von Akademikereltern zu finden und zu erläutern.

Die Ergebnisvorstellung und das Fazit dieser Arbeit finden sich im letzten Kapitel Nr. 6.

2. Thematische Einführung / Begriffsklärung

Um dem Leser die Thematik näher bringen zu können, müssen zunächst einige Begriffe erläutert werden, die in dieser Arbeit verwendet werden.

Allem voran muss man sich über die Verwendung der Begriffe Bildung, Sozialisation und sozialer Status verständigen.

Im Kontext dieser Arbeit ist mit dem Bildungsbegriff die Formung des Menschen im Hinblick auf seine geistigen, seelischen, kulturellen und sozialen Fähigkeiten gemeint. Basierend auf religiös-mystischen und philosophischen Wurzeln (Platon) trat der Bildungsbegriff seit der Renaissance im 18. Jahrhundert im Zusammenhang von Aufklärung, Goethezeit und Neuhumanismus, vertreten durch J.H. Pestalozzi und W. von Humboldt, neben den herkömmlichen Terminus Erziehung. Während dieser jedoch primär die Hilfen bezeichnet, die dem Heranwachsenden auf seinem Weg zu Lebenstüchtigkeit und Mündigkeit durch andere, in der Regel Erwachsene, zuteil werden, gilt Bildung heute weitestgehend als lebenslange, nie endgültig abschließbare Leistung der Eigentätigkeit und Selbstbestimmung des sich gezielt bemühenden Menschen. Bildung (Allgemeinbildung) und Ausbildung (Berufsausbildung) ergänzen einander.

Gleichwohl wird nach wie vor zwischen Bildung schlechthin, bei der die Freiheit zu Urteil und Kritik im Vordergrund steht, und Ausbildung unterschieden.

Sozialisation wird in dieser Arbeit als Begriff so verwendet, dass der Prozess der stetigen Anpassung eines Individuums (vor allem Kinder und Jugendliche) an die Normen und typischen Verhaltensweisen einer bestimmten Gesellschaft oder Gesellschaftsschicht gemeint ist. Die Gesellschaft wird hier als erziehende Instanz benannt. Dieser Begriff wird somit als Prozess sowie Ergebnis des Hineinwachsens des Menschen in den gesellschaftlichen Struktur- und Interaktionszusammenhang (Familie, Gruppen, Schichten) verstanden.

Man unterscheidet dabei die frühkindliche Sozialisation (primäre Sozialisation), die familiäre Sozialisation (die Muster, die das Kind in der Familie erlernt) und schulische oder sekundäre Sozialisation. Da Sozialisation als ein lebenslanger Prozess des Lernens und der Anpassung verstanden werden muss, kann schließlich auch im beruflichen Bereich (berufliche Sozialisation) und darüber hinaus von einer tertiären Sozialisation gesprochen werden.

Als Sozialisationsinstanzen werden alle gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen wie Familie, Schule, berufliche Ausbildungsstätten, Kirche bezeichnet, die Sozialisationsprozesse in Gang setzen und beeinflussen und damit bestimmte Normen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen vermitteln. Durch die Sozialisation formt das Individuum seine Persönlichkeitsmerkmale aus und erlernt soziales Verhalten und gesellschaftlich verbindliche Normen, die seine Handlungsfähigkeit begründen.

Das Verständnis des Begriffs des sozialen Status soll dasjenige sein, dass der Grad der Wertschätzung (hoher oder niedriger Status) von sozialen Positionen beziehungsweise Positionsmerkmalen, soweit diese eine soziale Bewertung des Einzelnen im Sinne einer Einstufung nach Rang oder Prestige ermöglichen, gemeint ist. Man unterscheidet zwischen zugeschriebenem Status (durch Geburt erhalten), übertragenem Status (Ehefrau z.B. erhält Status des Ehemannes, Angestellter hat teil am Status der Firma) und erworbenem Status (durch Anstrengung und Leistung erreicht).

Da die Statuszuordnung einer subjektiven Bewertung unterliegt, können (objektiv) soziale Position und Status voneinander abweichen.

Unter sozialem Status werden in dieser Arbeit die verschiedenen Bildungsabschlüsse von untersuchten Personengruppen verstanden (erworbener Status).

Grundlage dieser Arbeit ist die soziologische Mobilitätsforschung, die sich mit Auf- oder Abstiegsbewegungen hinsichtlich des sozialen Status innerhalb einer Gesellschaft befasst. Ermittelt werden diese Mobilitätsprozesse anhand empirischer Untersuchungen, die im Hinblick auf die soziale Position eine Elterngeneration und deren Kindergeneration betrachtet, um mögliche Unterschiede besagter sozialer Positionen zwischen beiden Generationen nachzuweisen. In der Regel betrachtet man Personen im Alter zwischen 25-45 Jahren und welche Abschlüsse und Berufsqualifizierungen sie erworben haben. Meistens handelt es sich bei den betrachteten Personengruppen um die Väter und in der darauf folgenden Generation um die Söhne. Es gibt Untersuchungen, die Mütter und Töchter gesondert mit einbeziehen.[2]

Zum einen finden so genannte intergenerationelle Mobilitätsprozesse statt, d.h. der Vater hat einen Beruf, der einen gewissen Status repräsentiert, seine Kinder, also die nächste Generation erlernen einen Beruf, der vom sozialen Status betrachtet unter dem des Vaters liegt, z.B. ist der Vater Hochschulprofessor und der Sohn macht eine Ausbildung zum Tischler. Auch kann dieser Prozess umgekehrt stattfinden. Der Vater ist Tischlermeister und der Sohn macht Abitur, absolviert ein Studium und wird seinerseits Hochschulprofessor bzw. hat einen akademischen Abschluss. Der soziale Status hat sich im Verlauf von einer Generation zur anderen verändert. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen hier zwei Generationen im Vergleich. Es kann zwischen den Generationen zum intergenerationellen sozialen Aufstieg oder Abstieg kommen. Wenn der Sohn den gleichen beruflichen Abschluss erzielt hat wie der Vater, spricht man von einer Statusreproduktion.

Dieses Phänomen kann auch innerhalb einer Generation auftreten, d.h. jemand steigt innerhalb einer Generation auf oder ab (intragenerationeller sozialer Aufstieg bzw. Abstieg), z.B. „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Dann spricht man von intragenerationellen Mobilitätsprozessen. Hier steht lediglich eine Generation im Blickpunkt der Untersuchung.

Allerdings wird des Weiteren ausschließlich auf intergenerationelle Mobilitätsprozesse eingegangen, also auf Unterschiede im sozialen Status zwischen zwei Generationen.

Besonderer Betrachtungspunkt dieser Arbeit werden die Verlaufsformen des sozialen Abstiegs von Akademikerkindern (Eltern mit hohem sozialen Status) sein und die möglichen Ursachen hierfür.

3. Forschungsstand

Die aussagekräftigsten und repräsentativsten Untersuchungen zum Thema soziologische Mobilitätsforschung stammen laut Martin Schmeiser[3] aus der Schweiz. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Ausmaß der intergenerationellen Abstiegsmobilität, also welches Kind welcher Eltern die Statusreproduktion nicht leisten konnte. Er bezieht allerdings auch Untersuchungen aus der Bundesrepublik Deutschland in seine Arbeit mit ein, die zu ähnlichen Ergebnissen kamen.

Hauptbetrachtungspunkt ist eine von René Levy, Dominique Joye, Olivier Guye und Vincent Kaufmann in der Schweiz gemachten Untersuchung von 1997, die Schmeiser in einer Tabelle festhielt[4]. Betrachtet werden eine Elterngeneration und deren Kindergeneration[5], beide im Alter von 45 Jahren und hinsichtlich ihrer beruflichen Qualifikation untersucht.

Hier werden zunächst verschiedene Berufskategorien in den betrachteten Personengruppen in gleicher Weise aufgestellt: oberes Management und freie Berufe als statushöchste Kategorie und akademische Berufe und oberes Kader als zweithöchste Kategorie, wobei Martin Schmeiser betont, dass diese beiden Kategorien zu einer Mischkategorie zusammengefasst werden[6], da man nicht von einem sozialen Abstieg zwischen den einzelnen Berufen (z.B. vom Professor zum Anwalt) sprechen kann. Im speziellen sind damit die Berufe Unternehmer mit mindestens 26 Beschäftigten, Direktoren, Bundesräte, Regierungsräte, Stadtpräsidenten, selbständig tätige Architekten, Anwälte, Ingenieure, Ärzte, Lehrer mit Hochschulabschluss, Angestellte in leitender Funktion und die politische Führungselite gemeint.

[...]


[1] Siehe Kapitel 7 Bibliographie

[2] der Einfachheit halber werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit bei Beispielnennungen

immer die Väter und ihre Söhne erwähnt, wobei das weibliche Geschlecht stets mit

einbezogen sein soll. Die Forschung nimmt eine Trennung so vor, dass die

soziologischen Mobilitätsprozesse bei Frauen gesondert betrachtet werden, was in

dieser Arbeit ebenfalls erfolgen wird.

[3] Professor am soziologischen Institut der Universität Bern, Verfasser des Buches

„Missratene“ Söhne und Töchter. Konstanz 2003, siehe Bibliographie

[4] Schmeiser, M.:“Missratene“ Söhne und Töchter. Konstanz 2003, S. 19

[5] wobei hier keine Unterscheidung vorgenommen wird zwischen Männern und Frauen,

beide sind in allen Kategorien vertreten

[6] Schmeiser, M.:“Missratene Söhne und Töchter“. Konstanz 2003, S. 18

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bildung und Gesellschaft - Verschränkungen von Sozialisation und Bildung am Beispiel von Bildungsabstieg
Hochschule
Universität Hamburg  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar im Grundstudium
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V35375
ISBN (eBook)
9783638353045
ISBN (Buch)
9783638749336
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Gesellschaft, Verschränkungen, Sozialisation, Bildung, Beispiel, Bildungsabstieg, Proseminar, Grundstudium
Arbeit zitieren
Reinhild Diederichsen (Autor), 2004, Bildung und Gesellschaft - Verschränkungen von Sozialisation und Bildung am Beispiel von Bildungsabstieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35375

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