Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Vorhaben, die Verlaufsformen des sozialen Abstiegs der Töchter und Söhne von Akademikereltern zu beschreiben und evtl. Erklärungsansätze dafür zu liefern. Daran soll gezeigt werden, wie Bildung und Sozialisation miteinander verschränkt sind und sich gegenseitig in Wechselwirkung in unterschiedlicher Weise bedingen können.
Eine thematische Einführung in die soziologische Mobilitätsforschung soll dem Leser als Einstieg helfen.
Im zweiten Schritt werden zunächst vier verschiedene Verlaufsformen beschrieben, die Martin Schmeiser in seinem Buch „Missratene“ Söhne und Töchter. Verlaufsformen des sozialen Abstiegs in Akademikerfamilien, Konstanz 2003 , nennt. Darauf hin soll der Versuch unternommen werden, Erklärungsansätze für die verschiedenen Abstiege der Kinder von Akademikereltern zu finden und zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEMATISCHE EINFÜHRUNG / BEGRIFFSKLÄRUNG
3. FORSCHUNGSSTAND
4. DIE VIER VERSCHIEDENEN VERLAUFSFORMEN DES SOZIALEN ABSIEGS NACH MARTIN SCHMEISER
4.1. Erster Typus: lang hinausgezögerter, abrupt erfolgender Abstieg
4.2. Zweiter Typus: frühes Aussteigen aus der akademischen Normalbiographie
4.3. Dritter Typus: marginale Positionierung: weder unten noch oben
4.4. Vierter Typus: Heterogene soziale Herkunft und Scheidung: Berufsbiographische Ambitendenz
5. ERKLÄRUNGSANSÄTZE
6. ERGEBNIS UND ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verlaufsformen des sozialen Abstiegs von Kindern aus Akademikerfamilien und analysiert die zugrunde liegenden Erklärungsansätze für dieses Phänomen im Kontext von Bildung und Sozialisation.
- Soziologische Mobilitätsforschung und Statusreproduktion.
- Detaillierte Analyse der vier Verlaufstypen des sozialen Abstiegs nach Martin Schmeiser.
- Einfluss familiärer Konstellationen und Erwartungshaltungen auf die Bildungsbiographie.
- Bedeutung von Bildung, Sozialisation und sozialem Status im intergenerationellen Vergleich.
Auszug aus dem Buch
4.1. Erster Typus: lang hinausgezögerter, abrupt erfolgender Abstieg
Dieser erste Typus wird von Schmeiser dergestalt beschrieben, dass es sich dabei um Kinder aus Familien mit hohem sozio-ökonomischen Status aber mit geringer Befähigung handelt. Um allerdings die geringe Befähigung geheim zu halten, unternehmen Kinder dieses Typus’ Verschleierungsversuche und lassen sich ihre mangelnden Kompetenzen nicht anmerken. Anstatt sich Hilfe zu holen und angefallene Probleme mit Hilfe anderer zu lösen, wird „hoch gestapelt“. Es werden von solchen Kindern zunächst die üblichen, die akademische Karriere voranbringenden Schritte vollzogen. Als erstes erfolgt der Übertritt in die weiterführende Schule, da der familiär-akademische Hintergrund dies erwartet und auch stillschweigend fordert. Würde das Kind dieser Herkunftskategorie bereits hier seinen Fähigkeiten entsprechend eine Schule besuchen, die nicht mit dem Abitur endet, würde es schon früh zum einen seine mangelnden Fähigkeiten zu erkennen geben, zum anderen bedeutet dies auch der drohende Verlust der Zugehörigkeit zur Herkunftsgruppe.
Da erscheint es mehr als einleuchtend, dass somit ein so großer Erwartungsdruck ausgelöst wird, dass der Abstieg so lange wie möglich hinausgezögert wird. Dieses Hinauszögern kann sogar über das knappe Erreichen der Hochschulreife bis hin zum Antritt und Weiterführen eines Studiums dauern. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem diesem Verhalten ziemlich abrupt ein Ende gesetzt wird in Form von zu erwartenden Abschlussprüfungen, etc. Dem „so-tun-als-ob-man-Akademiker-ist“ wird ein Riegel vorgeschoben und diesem Typus ein „Schritt zurück“ abgezwungen, er wird z.B. zwangsexmatrikuliert und seine Misere kommt ans Tageslicht. Nun muss er sich neu orientieren, hat jetzt die Möglichkeit, sich und seine Fähigkeiten realistisch hinsichtlich beruflicher Qualifikationen auf tieferem Niveau einzuschätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung des Forschungsinteresses an den Verlaufsformen des sozialen Abstiegs bei Kindern von Akademikern.
2. THEMATISCHE EINFÜHRUNG / BEGRIFFSKLÄRUNG: Definition der zentralen Begriffe Bildung, Sozialisation und sozialer Status im Kontext der soziologischen Mobilitätsforschung.
3. FORSCHUNGSSTAND: Überblick über aktuelle Studien, insbesondere die Arbeiten von Martin Schmeiser zur intergenerationellen Abstiegsmobilität.
4. DIE VIER VERSCHIEDENEN VERLAUFSFORMEN DES SOZIALEN ABSIEGS NACH MARTIN SCHMEISER: Detaillierte Beschreibung der vier spezifischen Abstiegs-Verlaufstypen inklusive ihrer Entstehungsbedingungen.
4.1. Erster Typus: lang hinausgezögerter, abrupt erfolgender Abstieg: Untersuchung des Verhaltens, den Statusverlust durch Verschleierung und ein "hochstapeln" bis zum abrupten Scheitern zu verzögern.
4.2. Zweiter Typus: frühes Aussteigen aus der akademischen Normalbiographie: Analyse des freiwilligen Abbruchs der akademischen Laufbahn als Alternative zum bisherigen Leben.
4.3. Dritter Typus: marginale Positionierung: weder unten noch oben: Untersuchung der Ambivalenz zwischen dem Versuch akademischer Karrieren und der Realität eines nicht-akademischen Berufslebens.
4.4. Vierter Typus: Heterogene soziale Herkunft und Scheidung: Berufsbiographische Ambitendenz: Analyse der Auswirkungen heterogener Elternhäuser und elterlicher Trennungen auf die berufliche Orientierung.
5. ERKLÄRUNGSANSÄTZE: Diskussion der Ursachen für das Scheitern von Akademikerkindern unter Berücksichtigung bildungspolitischer Rahmenbedingungen und familiärer Dynamiken.
6. ERGEBNIS UND ZUSAMMENFASSUNG: Fazit über die Bedeutung von Familienkonstellationen für den Statuserhalt und den Einfluss individueller Charakterzüge.
Schlüsselwörter
Sozialer Abstieg, Akademikerfamilien, Intergenerationelle Mobilität, Bildungsbiographie, Statusreproduktion, Sozialisation, Bildungsaufstieg, Familienkonstellation, Mobilitätsforschung, Akademikerkarriere, Schulische Laufbahn, Berufsbiographie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Kinder aus Akademikerfamilien trotz günstiger Voraussetzungen einen sozialen Abstieg erleben können und wie dieser Verlauf typologisch beschrieben werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der soziologischen Mobilitätsforschung, der Verknüpfung von Bildung und Sozialisation sowie den spezifischen familiären Konstellationen, die den Bildungsverlauf beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beleuchtung der verschiedenen Verlaufsformen des sozialen Abstiegs bei Kindern von Akademikern und das Aufzeigen von Erklärungsansätzen für dieses Scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse bestehender soziologischer Forschungsliteratur, insbesondere dem Werk von Martin Schmeiser, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische Typen von Abstiegsverläufen detailliert analysiert und anschließend verschiedene Erklärungsansätze hinsichtlich familiärer und gesellschaftlicher Faktoren diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialer Abstieg, Statusreproduktion, Akademikerfamilien, intergenerationelle Mobilität und Sozialisation sind die wesentlichen Begriffe.
Warum spielt die Familienkonstellation eine so große Rolle für den sozialen Abstieg?
Die Arbeit zeigt, dass Faktoren wie die Anzahl der Geschwister, die Zeitverfügbarkeit der Eltern sowie Konflikte bei getrennten Elternhäusern massiven Einfluss auf die emotionale Stabilität und den Schulerfolg haben.
Was ist das Besondere am vierten Abstiegs-Typus?
Dieser Typus ist besonders durch die heterogene Herkunft der Eltern und die daraus resultierenden widersprüchlichen Erwartungshaltungen gekennzeichnet, die Kinder in einen massiven Loyalitätskonflikt führen.
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- Reinhild Diederichsen (Author), 2004, Bildung und Gesellschaft - Verschränkungen von Sozialisation und Bildung am Beispiel von Bildungsabstieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35375