Zu Ehren des Tragödiendichters Agathon findet das „Symposion“, auch bekannt als „das Gastmahl“, statt. Dieses Gastmahl unterscheidet sich jedoch deutlich von den gewöhnlichen Trinkgelagen: Die Flötenspielerin soll nicht auftreten und auch auf das große Trinken wird verzichtet, um sich den ernsten Gesprächen widmen zu können. So wird schließlich auf Wunsch des Eryximachos, und mit Zustimmung der anderen Gäste, beschlossen, dass alle Teilnehmer des Gastmahls Lobreden auf den Eros halten sollen.
Die folgende Arbeit beschäftigt sich hierbei mit den Reden des Aristophanes und des Sokrates bzw. der Diotima. Thematisiert wird das Verhältnis zwischen diesen beiden Reden, um dann zu diskutieren, ob sich die Reden zu einer Theorie des Eros ergänzen oder sie sich eher voneinander ablösen.
Die Arbeit beginnt mit einer ausführlichen Darstellung der beiden Reden, um zunächst einmal eine Grundlage für die spätere Diskussion zu schaffen. Nach dieser Darstellung werden Ausführungen von Bernd Manuwald und Alessandra Fussi dargelegt, die genau auf das Verhältnis zwischen diesen beiden Reden eingehen. Hierbei wird sowohl auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Reden als auch auf Kritikpunkte eingegangen. Mithilfe dieser Ausführungen wird dann im folgenden Schritt diskutiert, wie die beiden Reden zueinander stehen. So wird der Frage nachgegangen, ob sich die beiden Reden zu einer Theorie des Eros ergänzen oder sie sich doch eher voneinander ablösen. Im letzten Schritt dieser Arbeit kommt es zu einem abschließenden Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rede des Aristophanes
2.1. Einbettung in den Kontext
2.2. Über die Natur des Menschen
2.3. Konsequenzen für das heutige Leben
3. Die Rede der Diotima
3.1. Einbettung in den Kontext
3.2. Das Wesen des Eros
3.3. Über das Streben des Eros
3.4. Das Verlangen nach Unsterblichkeit
3.5. Der Aufstieg zur Schau des Schönen
4. Das Verhältnis der beiden Reden
4.1. Ergänzung oder Unvereinbarkeit?
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Eros-Reden von Aristophanes und Diotima in Platons Symposion mit dem Ziel zu klären, ob sich diese Konzeptionen gegenseitig ergänzen oder als konkurrierende Ansätze voneinander abzulösen sind.
- Analyse des Menschenbildes bei Aristophanes und der Suche nach der "verlorenen Hälfte".
- Untersuchung von Diotimas Definition des Eros als Dämon und Streben nach dem Guten.
- Vergleich der Konzepte hinsichtlich Unsterblichkeit, Zeugung und Erkenntnisweg.
- Kritische Würdigung der Sekundärliteratur von Bernd Manuwald und Alessandra Fussi.
- Synthese der beiden Ansätze als komplementäre Bestandteile einer umfassenden Eros-Theorie.
Auszug aus dem Buch
2.2. Über die Natur des Menschen
Aristophanes beginnt seine Rede mit der Feststellung, dass sich seine Auffassung über Eros von der des Pausanias und des Eryximachos unterscheidet. Er klagt, dass die Menschen die Macht des Eros nicht richtig erkannt hätten, da sie sonst nämlich, wie es sich Aristophanes zufolge gehört, „die größten Heiligtümer und Altäre für ihn errichten und die größten Opfer bringen würden“4. Eros sei schließlich der „menschenfreundlichste unter den Göttern, ein Helfer der Menschen und Arzt für das, dessen Heilung wohl das größte Glück für das Menschengeschlecht bedeutet“5.
Um die Macht des Eros zu veranschaulichen, will Aristophanes zunächst auf die (ursprüngliche) Natur des Menschen eingehen, um dann zu erläutern, was ihr widerfahren ist. Hierbei versteht sich Aristophanes selbst als Lehrer seiner Zuhörer, die dann aber wiederum selbst zu Lehrer der anderen werden sollen.6 So führt Aristophanes Folgendes aus:
Bei den Menschen gab es ursprünglich nicht nur zwei, sondern drei Geschlechter. Neben dem weiblichen und männlichen Geschlecht, wie wir es heute kennen, gab es noch ein drittes Geschlecht, das ein Zusammengesetztes aus beiden Geschlechtern war. Die Gestalt des Menschen war im Ganzen rund und der Rücken bildete gemeinsam mit den Seiten einen Kreis. Jeder Mensch hatte zwei Geschlechtsteile, vier Arme sowie vier Beine und zwei sich gleichende Gesichter auf einem gerundeten Hals. Auch gehen konnte der Mensch aufrecht und in jede Richtung, in die er wollte.7
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Kontext des Symposions und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Reden von Aristophanes und Diotima.
2. Die Rede des Aristophanes: Detaillierte Betrachtung des ätiologischen Mythos über die ursprüngliche Natur der Kugelmenschen und die daraus resultierende Suche nach der verlorenen Hälfte.
3. Die Rede der Diotima: Analyse von Diotimas Ausführungen über Eros als Dämon, das Streben nach dem Schönen und Guten sowie den stufenweisen Aufstieg zur Erkenntnis.
4. Das Verhältnis der beiden Reden: Kritische Auseinandersetzung mit den Positionen von Bernd Manuwald und Alessandra Fussi zur Vereinbarkeit oder Konkurrenz der beiden Eros-Konzeptionen.
5. Schluss: Zusammenfassendes Fazit, das die beiden Reden als sich ergänzende Bestandteile einer ganzheitlichen Theorie des Eros interpretiert.
Schlüsselwörter
Platon, Symposion, Eros, Aristophanes, Diotima, Menschennatur, Unsterblichkeit, Philosophie, Erkenntnis, Schönes, Gutes, Dämon, Bedürftigkeit, Vollkommenheit, Liebe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophische Bedeutung und das Verhältnis der Eros-Reden von Aristophanes und Diotima innerhalb von Platons Dialog Symposion.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Natur des Menschen, die metaphysische Definition des Eros, das Streben nach Unsterblichkeit durch Zeugung sowie den Aufstieg zur Schau des Schönen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, zu diskutieren, ob sich die Eros-Konzeptionen von Aristophanes und Diotima widersprechen oder sich zu einer komplexen, einheitlichen Theorie ergänzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, kombiniert mit einer Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Sekundärliteratur (insb. Manuwald und Fussi).
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exakte Rekapitulation der beiden Reden und eine anschließende kritische Vergleichsanalyse ihrer Gemeinsamkeiten und Divergenzen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Platon, Eros, Unsterblichkeit, Mangelzustand, Ideenlehre und philosophische Erkenntnis geprägt.
Wie unterscheidet sich die Konzeption des Eros bei Diotima von der des Aristophanes?
Während Aristophanes Eros als Suche nach der verlorenen Ganzheit (innerweltlich) beschreibt, entwickelt Diotima eine transzendente Theorie, in der Eros ein strebendes Vermittlerwesen zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit darstellt.
Zu welchem Schluss kommt die Verfasserin bezüglich des Verhältnisses der beiden Reden?
Die Verfasserin schließt sich der Interpretation an, dass die beiden Reden einander nicht ausschließen, sondern als Fundament und darauf aufbauende, komplexere Theorie zu verstehen sind.
- Arbeit zitieren
- Thuy Linh Ly (Autor:in), 2016, Über die Reden von Aristophanes und Diotima in Platons Symposion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353788