Die Autorin klärt in ihrem Buch, ob und wie Inklusion auf einer Reitsportveranstaltung gelingen kann und erstellt im Zuge dessen einen Leitfaden, der theoretische Schilderungen und Expertenaussagen, durch ihre Erfahrungen im „Spannungsfeld“ zwischen Reitsport und Inklusion ergänzt. Eine Arbeit aus der Wissenschaft für die Praxis mit hilfreichen Ausführungen für die Umsetzung von Inklusion im Reitsport und darüber hinaus.
Soziale Inklusion entsteht nicht automatisch Es muss ein Veränderungsprozess der Gesellschaft in Gang gesetzt werden. Aber wo kann man ansetzen, um die komplexe Aufgabe „Inklusion“ umzusetzen? Es sind Anlässe die Menschen zusammenbringen, der tolerante Umgang jedes Einzelnen mit Vielfalt und Heterogenität, die Nutzung von Kreativität in der Gestaltung des Zusammenseins ganz unterschiedlicher Menschen aber auch politische Bewegungen, eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit und der Aufbruch von Leistungsstrukturen. Grundsätzlich gilt es, überhaupt erst damit anzufangen. Der Sport kann in einem solchen Prozess ein Inklusionsmotor sein. Alle diese kleinen Ansätze hin zu Inklusion werden im Sport vereint und gleichzeitig spiegelt er unsere Leistungsgesellschaft optimal wieder.
Der theoretische Teil (A) der vorliegenden Arbeit, greift die zunehmende Bedeutung des Sports in unserer Gesellschaft auf und fasst seine Chancen aber auch Risiken für Inklusion zusammen, definiert die zugrunde liegende Zielgruppe mit ihrem Menschenbild in unserer Gesellschaft und beäugt mit einem kritischen Blick, exklusive und inklusive Faktoren rund um den Reitsport und die Inklusion von Menschen mit Behinderung - bringt dies abschließend in Zusammenhang mit dem Studium der Rehabilitationswissenschaften.
Teil B stellt die Konzeption und praktische Durchführung des inklusiven Reitturniers vor.
Der empirische Teil (C) konkretisiert das Auswertungsverfahren der Untersuchung und die daraus entstandenen Resultate konkretisiert und fasst die wichtigsten Erkenntnisse, im Hinblick auf Inklusion im Reitsport zusammen.
Im Anhang befindet sich der „Leitfaden für Inklusion auf Reitsportveranstaltungen“, welcher die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit aufgreift und sie durch meine Erfahrungen zwischen dem Reiten als Turniersport und der Inklusion von Menschen mit Behinderung ergänzt und den Leitfaden im Zuge dessen zu einer praktischen Orientierungshilfe für interessierte Inklusionsdebütanten des Reitsports werden lässt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
(A) Theoretischer Teil
1. Sport und Inklusion
1.1 Inklusion und Menschen
1.2 Inklusion und Sport konkret
1.3 Reitsport für Menschen mit und ohne Behinderung
1.4 Forschungslage und Theorie
1.4.1 Reitsport versus Inklusion
1.4.2 Inklusion und Vision durch Reitsport
1.4.3 Zusammenfassung und Ausblick
2. Ansatzpunkte der Rehabilitationswissenschaften zur Förderung von Inklusion durch Reitsportveranstaltungen
2.1 Pädagogische Aspekte
2.2 Psychologische Aspekte
2.3 Soziologische Aspekte
(B) Praktischer Teil
3. Inklusives Reitturnier – Konzeptionsentwicklung
3.1 Zielgruppe, Wertschöpfung und Ziele
3.2 Kooperationspartner: RV Kurtscheid
3.3 Der Weg zur Turnierausschreibung
3.4 Die Turnierausschreibung
3.5 Verbandliche Regularien zur Durchführung
3.6 Der Weg zum Turnier und die Öffentlichkeitsarbeit
4. Umsetzung: Erstes inklusives Reitturnier des RV Kurtscheid am 23.04.2016
4.1 Der Turniertag und meine Rolle
4.2 Nachbereitung
(C) Empirischer Teil
5. Konzeption und Methode der Untersuchung
5.1 Forschungsfragen
5.2 Forschungsdesign und Stichprobe
5.3 Operationalisierung
5.4 Reliabilität und Validität
5.5 Durchführung
5.6 Auswertung
5.6.1 Definition von Kategorien, Ankerbeispielen und Kodierregeln
5.6.2 Auswertung durch „Inhaltliche Strukturierung“
6. Ergebnisse
6.1 Forschungsfragen und -antworten: Schlussfolgerungen
6.2 Leitfaden, Nachhaltigkeit und weiteres Forschungsbedürfnis
7. Reitsport und Inklusion – Die wichtigsten Erkenntnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht, inwiefern Inklusion im Reitsport gelingen kann. Ziel ist es, auf Basis einer theoretischen Aufarbeitung sowie einer qualitativen Untersuchung eines inklusiven Reitturniers einen praxisorientierten Leitfaden zu erstellen, der als Orientierungshilfe für die Durchführung inklusiver Reitsportveranstaltungen dient.
- Bedeutung des Sports und des Reitsports für die Inklusion in der Gesellschaft.
- Herausforderungen und Chancen im Spannungsfeld zwischen Leistungssport und Inklusion.
- Konzeption und praktische Umsetzung eines inklusiven Reitturniers (Beispiel RV Kurtscheid).
- Methodische Vorgehensweise in der inklusionsorientierten Reitsportforschung.
- Entwicklung eines praxisnahen Leitfadens zur Etablierung inklusiver Strukturen.
Auszug aus dem Buch
1.4.1 Reitsport versus Inklusion
Die Präsenz des starken nationalen, wie auch internationalen Leistungs- und Erfolgsgedanken im Sport ist der Ausgangspunkt exklusiver Prozesse (vgl. Kiuppis et al. 2012, 144), die es erst ermöglichen, das Bild eines Menschen mit Behinderung in ein Verhältnis von Norm und Abweichung zu setzen und damit letztlich Kategorisierung und Stigmatisierung begründen (vgl. Rheker 2005, 21). Im Leistungssport beginnt die Selektion bereits beim Pferd selbst: Sofern das Tier den körperlichen und seelischen Anforderungen des Sports nicht ausreicht, wird es oftmals durch ein anderes „Sportgerät“ ausgetauscht (vgl. ZDF 2012). Schon diese Tatsache macht den Pferdesport stark exklusiv und eher für bestimmte Personengruppen zugänglich als für andere - bedingt damit gleichzeitig das Bild der Menschen mit Behinderung: Behinderung suggeriert auch im Reitsport einen Zweifel an Leistungsfähigkeit, der durch Sportstrukturen und die Leistungsvorstellungen der Reiter beeinflusst wird.
Empirische Studien belegen, dass das größte Hemmnis von Inklusion im Sport in den Haltungen und Einstellungen seiner Akteure liegt (vgl. Gieß-Stüber/Burrmann/Radke/Rulofs/Tiemann 2014, 19). Obwohl gerade Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ein möglicher Ansatzpunkt zum Aufbruch negativer Grundeinstellungen sein können, bedingen sie nicht zwanghaft günstige Einstellungs- und Verhaltensänderungen und sind maßgeblich von hierfür förderlichen Bedingungen geprägt (vgl. APUZ 2011). Auch die Chance, durch günstige Bedingungen im Kontakt zwischen den Sportlern Veränderungsprozesse anzustoßen, bleibt oft durch die geringe sportliche Aktivität der Menschen mit Behinderung aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sport und Inklusion: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle des Sports als Motor der Inklusion und diskutiert die gesellschaftliche Bedeutung sowie die Chancen und Risiken für Menschen mit Behinderung.
2. Ansatzpunkte der Rehabilitationswissenschaften zur Förderung von Inklusion durch Reitsportveranstaltungen: Hier werden pädagogische, psychologische und soziologische Perspektiven dargelegt, die als Fundament für eine inklusive Reitsportpraxis dienen.
3. Inklusives Reitturnier – Konzeptionsentwicklung: Das Kapitel beschreibt die strategische Planung und die operativen Rahmenbedingungen für die Etablierung eines inklusiven Reitturniers im RV Kurtscheid.
4. Umsetzung: Erstes inklusives Reitturnier des RV Kurtscheid am 23.04.2016: Ein detaillierter Bericht über den Ablauf des Turniertages sowie die Reflexion der praktischen Erfahrungen.
5. Konzeption und Methode der Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen der qualitativen Forschung, inklusive Forschungsdesign, Stichprobenauswahl und Auswertungsstrategien.
6. Ergebnisse: Darstellung der Forschungsergebnisse, Beantwortung der Forschungsfragen und Ableitung von Empfehlungen zur Nachhaltigkeit inklusiver Projekte.
7. Reitsport und Inklusion – Die wichtigsten Erkenntnisse: Eine Synthese der zentralen Erkenntnisse über die Bedeutung von Vielfalt und die Rolle des Pferdes in inklusiven Prozessen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Reitsport, Pferdesport, Reitturnier, Behinderung, Rehabilitationswissenschaften, Leistungsgedanke, Vielfalt, Heterogenität, Barrierefreiheit, Partizipation, Sozialraumorientierung, Sportpädagogik, Leitfaden, Inklusiver Sport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung inklusiver Reitsportveranstaltungen, um Menschen mit und ohne Behinderung ein gemeinsames Sporterlebnis zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den gesellschaftlichen Barrieren, den pädagogischen und psychologischen Voraussetzungen für Inklusion sowie der praktischen Implementierung inklusiver Wettbewerbsformate.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines fundierten Leitfadens, der Reitvereinen und Veranstaltern hilft, inklusive Prozesse strukturell zu verankern und Barrieren abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt qualitative Forschungsmethoden, insbesondere Experteninterviews und eine qualitative Inhaltsanalyse, um Erfahrungen und Anforderungen an Inklusion im Reitsport zu validieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Rahmen, die detaillierte Beschreibung der Entwicklung und Durchführung eines inklusiven Reitturniers sowie eine empirische Auswertung basierend auf Experteninterviews.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Inklusion, Partizipation, Barrierefreiheit, Leistungsgesellschaft und das „Inklusionshaus“ als theoretisches Modell.
Warum spielt das Pferd eine besondere Rolle bei der Inklusion?
Das Pferd fungiert als empathischer Sportpartner, der nicht zwischen den sozialen Status oder Behinderungen von Menschen unterscheidet und somit eine wertfreie Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht.
Inwiefern beeinflussen Vereinsstrukturen die Inklusion?
Traditionelle Leistungsstrukturen und strenge Regelwerke wirken oft exklusiv; die Arbeit zeigt auf, wie durch flexible Formate und eine inklusive Grundhaltung diese Strukturen für Vielfalt geöffnet werden können.
- Quote paper
- Tina Schumacher (Author), 2016, Inklusion im Reitsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353820