Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf systemisches Arbeiten im Bereich der Jugendwohlfahrt. Im Fokus stehen Familien, deren Eltern das Jugendamt in X aufgesucht haben oder vom Jugendamt aufgesucht wurden, weil sie Probleme mit ihren Kindern hatten, und die überzeugt waren, dass sie ihre Probleme ohne fremde Hilfe nicht (mehr) lösen können.
Als besonders hilfreich in der Arbeit mit den oft sehr verzweifelten Klienten und ihren Kindern auf dem Jugendamt erwies sich das lösungsorientierte Arbeiten nach den kurzzeittherapeutischen Gesichtspunkten von Steve de Shazer. Gemäß der Theorie des amerikanischen Psychotherapeuten lag der Schwerpunkt in den Beratungsgesprächen mit den Hilfesuchenden nicht in elaborativen Betrachtungen von mehr oder weniger schwerwiegenden Problemen, sondern im Suchen von Ausnahmen und im Finden von Lösungen – vornehmlich durch den Mut und Willen der Betroffenen, andere Wege als die bereits erprobten und als erfolglos verworfenen zu gehen.
Die Ergebnisse waren durchwegs positiv: es lassen sich mit wenigen Beratungsgesprächen im Sinne der lösungsorientierten Kurztherapie nach Steve de Shazer in der Jugendwohlfahrt in Familien mit sowohl objektiven als auch subjektiv empfundenen Problemen rasch und in den meisten Fällen anhaltend Lösungen erzielen und gestresste Familiensysteme entspannen.
Inhaltsverzeichnis
1. PRAXIS
2. THEORIE
3. REFLEXION
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung der lösungsorientierten Kurztherapie nach Steve de Shazer im Kontext der Jugendwohlfahrt. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie systemische Beratungsmethoden bei belasteten Familien zu Entspannung und konstruktiven Problemlösungen führen können, ohne dabei tiefgreifende Problemanalysen vorauszusetzen.
- Anwendung der lösungsorientierten Kurztherapie in der Jugendwohlfahrt
- Systemisches Arbeiten und Familienberatung
- Einsatz von Interventionen wie Symptomverschreibungen und Wunderfragen
- Die Bedeutung der Haltung und Allparteilichkeit des Beraters
- Ressourcenorientierung bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
PRAXIS
Als Einstieg in diese Arbeit, die sich mit Fällen aus der Jugendwohlfahrt auseinandersetzt, sei dem Leser ein kurzer Einblick in den Alltag eines Jugendamts gewährt. Ich war von Juli 2010 bis April 2011 im Magistrat in X, der als Jugendwohlfahrtsträger für die Landeshauptstadt agiert, als Psychologin tätig. In dieser Funktion hatte ich an vier Wochentagen sowohl mit Hilfe suchenden Familien, als auch mit Familien, die durch Differenzen im Zuge einer Scheidung kindeswohlgefährdend agierten, oder durch zur Anzeige gebrachte Straftaten von Kindern und Jugendlichen auffielen, aber auch mit Familien, die durch anonyme oder offizielle Gefährdungsmeldungen dem Jugendamt bekannt wurden, zu tun.
Das Jugendamt in X arbeitet systemisch, ressourcen- und lösungsorientiert. Durch die Fülle der Fälle und die oft als viel zu wenig empfundene Zeit, die den Mitarbeitern zur Bearbeitung von aktuellen Klienten-Anliegen bleibt, habe ich im Arbeitsalltag schon bald zu Steve de Shazers lösungsorientierter Kurztherapie gefunden und festgestellt, dass ich mit dieser Arbeitsweise zufriedenstellende Erfolge für Klienten und Jugendwohlfahrt erzielen konnte.
In der Folge werden zwei Erstgespräche und zwei Prozessprotokolle besprochen. Ich hatte in allen Fällen von den freiwillig auf dem Jugendamt erschienenen Müttern bzw. Eltern den Auftrag: Was kann ich / was können wir in der Situation, die sich uns auf Grund des veränderten Verhaltens unseres Kinders präsentiert, tun, um unser Familiensystem wieder in friedliche(re) Bahnen zu lenken?
Zusammenfassung der Kapitel
PRAXIS: Dieser Abschnitt bietet anhand von Fallbeispielen Einblicke in die Arbeit des Jugendamts und zeigt die Anwendung lösungsorientierter Methoden bei verschiedenen Familienkonstellationen auf.
THEORIE: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kurztherapie nach Steve de Shazer erläutert, insbesondere der Fokus auf kleine Veränderungen und die Arbeit mit Symptomverschreibungen.
REFLEXION: Das Kapitel schließt mit einer persönlichen Auseinandersetzung der Autorin mit ihrer Ausbildung und der praktischen Anwendung von Systemik und Moderation in schwierigen Beratungskontexten.
Schlüsselwörter
Lösungsorientierte Kurztherapie, Jugendwohlfahrt, Systemisches Arbeiten, Steve de Shazer, Familienberatung, Symptomverschreibung, Wunderfrage, Ressourcenorientierung, Allparteilichkeit, Reframing, Sozialarbeit, Interventionsmethoden, Fallarbeit, Klienten, systemische Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die professionelle Tätigkeit einer Psychologin im Bereich der Jugendwohlfahrt und die Anwendung systemischer, lösungsorientierter Ansätze in Beratungsgesprächen mit Familien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterstützung von Familien in Krisensituationen, die Arbeit mit Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten und die Bewältigung familiärer Konflikte durch gezielte therapeutische Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie lösungsorientierte Kurztherapie nach Steve de Shazer effektiv eingesetzt werden kann, um Familiensysteme zu stabilisieren und Klienten bei der Selbsthilfe zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der lösungsorientierten Kurztherapie, der Systemtheorie sowie einer reflexiven Praxisanalyse der eigenen Tätigkeit im Jugendamt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Fallbeispiele von Familienberatungen und Prozessprotokolle analysiert, theoretische Konzepte wie die Wunderfrage oder Symptomverschreibung erklärt und deren praktische Umsetzung reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Lösungsorientierung, Jugendwohlfahrt, Systemische Beratung, Ressourcenaktivierung und professionelle Allparteilichkeit.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Beratungsansätzen?
Der Fokus liegt nicht auf der problemorientierten Analyse der Vergangenheit, sondern auf dem Suchen von Ausnahmen und der Aktivierung vorhandener Ressourcen, um zukünftige Lösungen zu ermöglichen.
Welche Rolle spielen Hausaufgaben in den Beratungen der Autorin?
Hausaufgaben fungieren als Symptomverschreibungen oder Übungen, die den Klienten helfen sollen, ihre eingefahrenen Verhaltensmuster in der Realität zu durchbrechen und neue Erfahrungen im Familienalltag zu sammeln.
- Arbeit zitieren
- Petra Parsons (Autor:in), 2011, Lösungsorientierte Kurztherapie in der Jugendwohlfahrt nach Steve de Shazer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353866