In diesem Aufsatz geht es um die Neue Sachlichkeit, eine Epoche in der Literaturwissenschaft. Der Begriff ‚Neue Sachlichkeit‘ wurde Anfang der 1920er Jahre im Ausgang der Malerei geprägt. Die Literatur der ‚Neuen Sachlichkeit‘ ist eine Spielart der literarischen Moderne, die sich als dominante Strömung seit Mitte der 1920er Jahre ausprägt.
Die Situierung in der Moderne ist produktiv und problematisch zugleich, denn in der fachwissenschaftlichen Diskussion der letzten Jahre hat eine Ausweitung des Moderne-Begriffs stattgefunden, was eine zunehmende Unverbindlichkeit des Terminus mit sich brachte. Die ästhetische Beschaffenheit und Valenz der Texte selbst wird nun stärker in den Blick genommen. In der modernistischen Literaturbewegung bildet die ‚Neue Sachlichkeit‘ einen Endpunkt. Als eine kulturelle Dominante hebt sie sich aus den vielen Tendenzen und Strömungen der Weimarer Zeit deutlich heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Die ‚Neue Sachlichkeit‘
2. Literarische Strömung und Epochenbegriff
3. Weimarer Republik und Krisenparadigma
4. Figuren und Verhaltensweisen in der neusachlichen Literatur
5. Mediale Einflüsse und literarische Gattungen
6. Zeitroman und Reportageliteratur
7. Episches Theater und kulturelle Nachwirkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die literarische Strömung der ‚Neuen Sachlichkeit‘ als maßgebliche kulturelle Kraft der Weimarer Zeit, wobei der Fokus auf dem Wandel des Realitätsverständnisses sowie der Darstellung gesellschaftlicher Krisenphänomene liegt.
- Entwicklung des Epochenbegriffs und der ästhetischen Merkmale
- Soziokultureller Hintergrund der Weimarer Republik
- Analyse von Figurentypen und deren Verhaltensweisen
- Rolle der Massenmedien und des Journalismus
- Darstellung der ‚Neuen Sachlichkeit‘ in verschiedenen literarischen Gattungen
Auszug aus dem Buch
Die Literatur der ‚Neuen Sachlichkeit‘
Die Literatur der ‚Neuen Sachlichkeit‘ ist eine Spielart der literarischen Moderne, die sich als dominante Strömung seit Mitte der 1920er Jahre ausprägt. Die Situierung in der Moderne ist produktiv und problematisch zugleich denn in der fachwissenschaftlichen Diskussion der letzten Jahre hat eine Ausweitung des Moderne-Begriffs stattgefunden, was eine zunehmende Unverbindlichkeit des Terminus mit sich brachte. Die ästhetische Beschaffenheit und Valenz der Texte selbst wird nun stärker in den Blick genommen. In der modernistischen Literaturbewegung bildet die ‚Neue Sachlichkeit‘ einen Endpunkt. Als eine kulturelle Dominante hebt sie sich aus den vielen Tendenzen und Strömungen der Weimarer Zeit deutlich heraus. Sie setzt sich deutlich vom Expressionismus ab, welcher zuvor das literarische Feld beherrschte, indem sie sich sehr stark der Faktizität zuwendet. Darüber hinaus unterscheiden sich die beiden literarischen Bewegungen hinsichtlich des Gebrauchscharakters von Literatur.
Für die Begriffsbildung und das Realitätsverständnis der ‚Neuen Sachlichkeit‘ insgesamt ist die Neufassung der Kategorien Gegenständlichkeit und Wesen bedeutend. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der Oberfläche umgewertet. Sie wird in einem dokumentarischen, quasi fotografischen Verfahren abgebildet und gestaltet, deshalb bleiben innere Vorgänge wie Gefühle weitgehend ausgespart. Die Oberfläche wird hier nicht analog zu einem dahinter verborgenen Inneren definiert. Sie wird vielmehr als das einzig Sichtbare, auf der alles Geschehen sich abspielt beschrieben und hinter der sich nur der leere Raum befindet. Die Bestimmung der Realität erfolgt in der ‚Neuen Sachlichkeit‘ über die manifestierte Funktionalität der Verläufe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die ‚Neue Sachlichkeit‘: Einführung in die historische Genese der Epoche, ausgehend von der Malerei hin zur literarischen Strömung.
2. Literarische Strömung und Epochenbegriff: Erörterung der Definitionsproblematik und der entscheidenden Neubestimmungen durch die Forschung seit den 1990er Jahren.
3. Weimarer Republik und Krisenparadigma: Untersuchung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der mentalitätsgeschichtlichen Auswirkungen auf die Literatur.
4. Figuren und Verhaltensweisen in der neusachlichen Literatur: Analyse der Darstellung von Angestellten und Frauenbildern im Kontext von Rationalisierung und sozialem Wandel.
5. Mediale Einflüsse und literarische Gattungen: Untersuchung der Rolle von Massenmedien und der Entstehung des multimedialen Autors.
6. Zeitroman und Reportageliteratur: Vorstellung spezifischer Gattungen, die durch journalistische Ansätze und hohe Faktizität geprägt sind.
7. Episches Theater und kulturelle Nachwirkung: Zusammenfassung der formalen Innovationen im Drama und der Bedeutung der Strömung für die deutsche Kulturgeschichte.
Schlüsselwörter
Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Realitätsverständnis, Faktizität, Epochenbegriff, Zeitroman, Reportageliteratur, Verismus, Angestelltenkultur, Episches Theater, Moderne, Literaturgeschichte, Gebrauchslyrik, Journalismus, Massenmedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Strömung der ‚Neuen Sachlichkeit‘ und ihrer Bedeutung als kulturelle Dominante in der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von Literatur und Realität, die Abkehr vom Expressionismus, die Einflüsse der Massenmedien sowie die Darstellung von Arbeit und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die ‚Neue Sachlichkeit‘ als Epoche zu definieren und ihre ästhetischen Merkmale anhand literarischer Gattungen und gesellschaftlicher Kontexte zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen und analytischen Ansatz, der auf der Auswertung von Forschungsliteratur sowie der Untersuchung exemplarischer Primärtexte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Epochenbegriffs, die Auswirkungen der Moderne, die Figurenanalyse sowie die Bedeutung der verschiedenen literarischen Gattungen wie Zeitroman und Reportage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Faktizität, Nüchternheit, Objektivität, Entsentimentalisierung, Zeitroman und die Verbindung von fiktionalem und journalistischem Schreiben.
Warum wird der Begriff der „Oberfläche“ in der ‚Neuen Sachlichkeit‘ so betont?
Die Oberfläche wird als das einzig Sichtbare definiert, hinter dem sich kein tiefes Inneres verbirgt, was der dokumentarischen, beinahe fotografischen Darstellungsweise der Epoche entspricht.
Welche Rolle spielt die „Angestelltenkultur“ für die literarische Darstellung?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für die durch Technisierung und Rationalisierung geprägte Lebenswelt der Weimarer Zeit, wobei Protagonisten oft als verunsicherte Individuen dargestellt werden.
Inwiefern kann die ‚Neue Sachlichkeit‘ als Entgegnung auf den Nationalsozialismus gesehen werden?
Aufgrund ihres demokratiefreundlichen Gehalts und ihrer Hinwendung zur beobachtenden Realität wird sie in der Forschung als literarische Gegenposition zum aufkommenden Nationalsozialismus verstanden.
- Quote paper
- Thomas Bäcker (Author), 2015, Die Neue Sachlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353934