Was der Vorspann von "Moonrise Kingdom" über die Atmosphäre des Films und die künstlerische Handschrift des Filmemachers verrät


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

Moonrise Kingdom

Vorspann

Welcome to New Penzance Island

Schnitt & Stil

Schrift im Film

Die Schriftart

Position der Schrift

Schriftfarben

Fazit

Literatur- und Filmverzeichnis

Abstract

In den folgenden Abschnitten wird zunächst eine kurze inhaltliche Zusammenfassung des Films „Moonrise Kingdom“ geliefert, gefolgt von einer komprimierten Zusammenfassung des zugehörigen Vorspanns und weiteren Hintergrundinformationen zu eben jenem. Im Anschluss wird die, in Film und Vorspann genutzte, Typogra fie analysiert und sowohl mit dem Plot, als auch mit der stilistischen Handschrift des amerikanischen Filmemachers Wes Anderson in Zusammenhang gesetzt.

Einleitung

Ganz egal, ob Thriller, Dokumentar film oder kostengünstige Indie-Produktion - Fast jeder Film wird heutzutage durch einen Vorspann eingeleitet. Auch wenn dieser, auf den ersten Blick, für den Film an sich nicht sonderlich relevant wirkt, ist er aus der kontemporären Film- und Serienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Ein wesentlicher Aspekt des Vorspanns ist die Präsentation der Credits (z.B. Produzenten, Darsteller, Studios). Hierbei spielt die Inszenierung von Schrift und das hieraus resultierende Zusammenspiel zwischen Schrift und Bild eine elementare Rolle. Im Gegensatz zu anderen Schriften im Film, wie zum Beispiel Zwischentitel, transportieren die Credits, semantisch betrachtet, keine Informationen, die zum Verständnis des Films beitragen. Des Weiteren sorgt der Einsatz von Credits dafür, dass eine designierte Szene überhaupt als Vorspann wahrgenommen wird (Vgl. Krautkrämer; 2014; 196).

In den letzten Jahrzehnten haben es sich verschiedene Designer und Typografen zur Hauptaufgabe gemacht, Vorspänne und korrespondierende Credits möglichst stilvoll und stimmig auf die Leinwand zu bringen. Ein Vorreiter der Vorspanngestaltung war der US-Amerikaner Saul Bass (z.B. „Vertigo“ und „Psycho“), welcher die Credits als ein notwendiges Übel betrachtete, das man sowohl atmosphärisch, als auch narrativ nutzbar machen kann, um die Zeit des Vorspanns nicht zu verschwenden. Er sah den Vorspann als eine Art Ouverture des Films (Vgl. Krautkrämer; 2014; 193).

Mit dieser Herangehensweise im Hinterkopf widmet sich diese Hausarbeit dem Vorspann des Films „Moonrise Kingdom“ und setzt hierbei einen Fokus auf den hier genutzten Einsatz von Schrift im Bild. Produziert wurde der Film von Wes Anderson, einem der polarisierendsten und begnadetsten Filmemachern unserer Zeit (Vgl. Kunze; 6). Der gebürtige Texaner und seine retroesque Mise-en-Scene brachten ihm den Ruf als Ikone des modernen Independent-Kinos ein.

Moonrise Kingdom

Die romantische Komödie „Moonrise Kingdom“ erschien im Jahr 2012 und spielt in den 1960er Jahren auf der fiktiven Insel New Penzance Island vor der Küste Neuenglands. Der achte Spiel film von Wes Anderson dreht sich um den zwölfjährigen Pfad finder Sam Shakusky (Jared Gilman) und seine gleichaltrige Brieffreundin Suzy Bishop (Kara Hayward). Während Sam als Pfad finder auf der Insel zu Gast ist, lebt Suzy dort mit ihren drei kleineren Brüdern, ihrem Vater und ihrer Mutter, welche eine Affäre mit dem Inselpolizisten Captain Sharp (Bruce Willis) hat.

Sam reißt aus dem Camp aus, um Suzy, die er genau ein Jahr zuvor kennengelernt hat, zu treffen. Suzy wird bei ihrem Ausriss von Zuhause von einem ihrer Brüder gesehen, welcher die beiden verrät. Es beginnt eine nervenaufreibende Verfolgung der beiden Ausreißer durch Captain Sharp, Sams Mitpfad finder und Suzys Eltern, welche die beiden aufspüren. Nach dem Vorfall will Sams P flegefamilie ihn nicht mehr bei sich aufnehmen und er kommt bei Captain Sharp unter, bis das Jugendamt über weitere Maßnahmen entscheidet. Suzy kehrt zu ihrer Familie zurück.

Als Sams Pfad findertruppe davon erfährt, dass Sam unter Umständen eine Elektroschocktherapie und der Einzug in ein Waisenhaus drohen, hilft sie den beiden Liebenden zu einer erneuten Flucht und bringt sie zu dem einheimischen Cousin Ben (Jason Schwartzman), welcher die beiden provisorisch vermählt, bevor die Verfolgung ihren Lauf nimmt, sodass Suzy und Sam letztendlich in einer stürmischen Nacht auf einen Kirchturm flüchten und von Captain Sharp gefasst werden. Dieser hat in der Zwischenzeit die Genehmigung des Jugendamts eingeholt, als Sams P flegevater zu fungieren. Die letzte Szene des Films zeigt Sam, im Out fit der Inselpolizei, als Gast im Hause von Suzys Familie.

Vorspann

Die Hauptaufgabe eines jeden Film-Vorspanns ist es, den Titel des jeweiligen Films zu nennen. Des Weiteren präsentiert ein Großteil aller Vorspanne zudem die Darsteller, die Studios, die Crew und patentierte Technologien, welche für den Film genutzt wurden (Vgl. Allison; 2001; 58). Die Aufführung dieser Informationen hat dazu geführt, dass sich die englischsprachige Namensgebung des Vorspanns in den letzten Jahren mehrfach verändert hat. Nachdem Thomas Edison 1897 zu den Ersten gehörte, die aus Copyright-Gründen ihre Filme mit dem Titel und dem Namen der Produktions firma kennzeichneten, veränderte sich diese, als ursprünglich rechtlich angelegte, Form des Vorspanns recht schnell.

Seit 1911 ist es Gang und Gebe, dass auch die teilhabenden Schauspieler ihren Platz im Vorspann finden (Vgl. Stanitzek; 2009; 49). So wurde aus der ursprünglichen „title sequence“ recht schnell eine „credits sequence“. Mittlerweile spricht man im englischsprachigen Raum weitesgehend von den „opening credits“ (Vgl. Allison; 2001; 58). Heutzutage geht es in dem Vorspann nicht mehr nur darum, die Credits in den Film zu implementieren, er ist Teil der gesamten Erzählstrategie des Films. So verzichten seit den 1970er Jahren auch vermehrt Filmemacher auf aufwändige Vorspänne und reduzieren diese ausschließlich auf die Studiologos und den Filmtitel, was als Hommage auf den Beginn der Vorspänne gesehen werden könnte (Vgl. Krautkrämer; 2014; 204).

Insgesamt lässt sich sagen, dass Vorspänne sowohl in der Form, dem Stil, der Länge und auch der Einbindung in den Film immer diverser geworden sind, sodass es sich lohnt, diesen vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Welcome to New Penzance Island

Wes Andersons „Moonrise Kingdom“ nimmt sich ganze 210 Sekunden Zeit für den Vorspann und etabliert in diesem Zeitraum wichtige Informationen über die darauffolgende Handlung und die Konstellationen zwischen den einzelnen Charakteren welche dem Zuschauer zu Beginn der Titelsequenz logischerweise noch unbekannt sind. Erst nach der schriftlichen Präsentation der beiden teilhabenden Studiologos, Focus Features und Indian Paintbrush, auf schwarzem Grund setzt die Audiospur ein und ein Gewitter ist zu hören. Parallel dazu wird als Establishing Shot die Nahaufnahme eines gerahmten Bildes gezeigt, welcher an einer beigefarbenen Wand hängt und den verschachtelten, stimmungsvollen Vorspann einleitet. Das Gemälde zeigt ein mehrstöckiges, rotes Haus, welches zwischen dichten Bäumen direkt am Wasser gelegen ist. Gen Ende der Titelsequenz wird deutlich, dass es sich hierbei um das Haus von Suzys Familie handelt. Einen ähnlichen Einstieg in den Film erzeugte Anderson schon 1998, in dem Film „Rushmore“, welcher ebenfalls mit einem Gemälde begann (Vgl. Dehm; 2010; 216).

Die Tracking-Kamera fährt die verschiedenen Flure und Gänge des Hauses entlang, wobei dem Betrachter ein Einblick in das Familienleben gewährt wird. Diese Methodik lässt die einzelnen Räumlichkeiten wie Zimmer eines Puppenhauses wirken. Nach 14 Sekunden erreicht die Tracking-Kamera den ersten Raum des Hauses, einen Flur im ersten Stock. Im gleichen Moment werden die ersten Credits eingeblendet -„An American Empirical Picture”.

Im Folgenden werden die Credits über die bereits laufende Filmhandlung, welche als Einführung in die Darstellung der Figuren verstanden werden kann, geblendet und folgen der filmischen Gewohnheit als Schrift auf Bild.

Nach 54 Sekunden des Vorspanns legt einer von Suzys Brüdern in einem Wohnzimmer eine Schallplatte auf, die akustisch über den, im Hintergrund hörbaren, Regen des Gewitters gelegt wird. Bei der Schallplatte handelt es sich um den Soundtrack der Fernsehserie „Young Person's Guide to the Orchestra“, die 1960 von dem Komponisten Leonard Bernstein ins Leben gerufen und moderiert wurde. Wie auch in dem TV- Format, werden in dem Soundtrack verschiedene Instrumentenfamilien anhand von Hörbeispielen vorgestellt. Parallel dazu folgt die Tracking-Kamera den verschiedenen Familienmitgliedern durch das mehrstöckige Haus und lässt sie so, wie auch die einzelnen Instrumente in dem Soundtrack, wie eigenständige Komponenten eines Gesamtwerkes erscheinen. Abwechselnd zeigt die Kamera Suzys Brüder, wie sie mit Murmeln spielen, Suzys Mutter, die sich eine Zigarette anzündet, Suzys Vater, der den großen Esszimmertisch ausklappt und Suzy, die sich zuerst ein Buch in die Hand nimmt und anschließend ihr Fernglas, mit dem sie aus dem Fenster sieht.

In diesem Augenblick ändert sich auch die Perspektive und der Betrachter blickt von Außen auf das Haus, während in der oberen Bildmitte der Titel des Films eingeblendet wird. Gleichzeitig hierzu ertönt das Crescendo des Soundtracks. Im Anschluss kehrt die Perspektive wieder in das Innere des Hauses zurück und folgt den einzelnen Familienmitgliedern, bis Suzy das Haus zur Haustür verlässt und das Ende des Vorspanns einleitet, welcher direkt in den Film übergeht.

Nach Geschwäntner und Tschesch handelt es sich bei dem Vorspann um ein Intermezzo aus einem Einführungs-Vorspann, der in die Handlung einführt und sowohl Charakter, als auch den Ort vorstellt, und einem integrierten Vorspann, bei dem die Handlung bereits beginnt, während der Text nebenbei eingeblendet wird (2004; Web).

Schnitt & Stil

Der Schnitt in dem Vorspann zu „Moonrise Kingdom“ ist minimal gehalten, da der gesamte Vorspann aus nur zehn zusammengefügten Shots besteht, wovon ein Großteil über zehn Sekunden lang ist. Konventionelle, alltägliche Schnitte sorgen dafür, dass der Betrachter die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf narrative Elemente des Films richtet. Diese Form der technischen Tiefstapelei ist selten in kontemporären Produktionen großer Filmstudios.

Schrift im Film

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Relevanz von Text im Film seit der Einführung des Ton films abgenommen hat. Schriften sollen den Zuschauer nicht vom Film ablenken. Weiterhin üblich ist jedoch der Einsatz von Text in Vor- und Abspännen, Unter- und Zwischentiteln, sowie bei Kapitelüberschriften, innerhalb eines sogenannten Schutzrahmens, der das Lesen von Schriften auf den verschiedensten Bildschirmen und Leinwänden gewährleisten soll. An diesen Textelementen lassen sich theoretische Diskurse beobachten, die das Verhältnis von Schrift und Bild im Film thematisieren. Die meist am Bildschirmrand ausgerichtete Platzierung, zum Beispiel, verführt dazu, die Schrift thematisch aus dem Film auszuschließen (Vgl. Krautkrämer; 2014; 192). Nichtsdestotrotz kann eine Schriftart, laut dem Schweizer Designer Hans-Rudolf Lutz, aber auch viele Details transportieren. „Gestaltung ist auch Information” (Schmid; 2006; 275), sagte er einst.

So verhält es sich auch mit der Typographie in der Titelsequenz von „Moonrise Kingdom“, welche von der amerikanischen Illustratorin und Designerin Jessica Hische angefertigt wurde.

Die Schriftart

Die elegante Schriftart von Jessica Hische, die von der Typogra fin auf den Namen „Tilda“ getauft wurde, zeichnet sich besonders durch auffällige Kurven und Schrägen aus, welche rechtsgerichtet sind, was mit der primär vorherrschenden, westlichen Schreibrichtung von links nach rechts zusammenhängt. Tatsächlich ist „Moonrise Kingdom“ der erste Film von Wes Anderson, in dem er nicht die Schriftart Futura nutzt, welche eine gleichmäßige Strichstärke aufweist und keine Serifen beinhaltet (Vgl. Booth; Web). Hisches verspielte Schrift und die Positionierung der Credits im Vorspann verrät dem Betrachter bereits früh im Film einiges über das thematische Setting und die Bildsprache von „Moonrise Kingdom“.

Bei der auffälligen Schrägstellung der Schriftart handelt es sich um eine Besonderheit. In der kontemporären Typogra fie ist es üblich, erst einen nicht-schräggestellten Schriftschnitt zu entwickeln und diesen dann um weitere Schnitte, wie zum Beispiel einen schräggestellten, zu erweitern. „Tilda“ ist jedoch nur in zwei Schnitten verfügbar, „Petite“ und „Grande“. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Schriftart auf den Film zugeschnitten wurde und mit Normen kommerzieller Schriftarten bricht. Die Schriftart beinhaltet zudem eine Funktion, die Verbindungen zwischen Buchstaben, die häu fig in einer bestimmten Reihenfolge verwendet werden, sogenannte Ligaturen, ermöglicht. Wie sich unschwer erkennen lässt, wurde diese Funktion für die Credits und den Titel des Films genutzt.

Abbildung: Ligaturen und Features in „Tilda“; Screenshot Vorspann „Moonrise Kingdom“

Obwohl man schräggestellte Schriftarten nicht direkt einer spezi fischen Epoche zuordnen kann, werden sie in den meisten Fällen mit einem Zeitalter in Verbindung gebracht, in dem maschinelles Schreiben noch in weiter Ferne lag. Diese Assoziation mit einer Handschrift sorgt für eine persönlichere, intimere Rezeption, als bei grotesken Schriftarten (Vgl. Van Leeuwen; 2006; 147). Sowohl verschiedene Strichstärken an den Enden der einzelnen Buchstaben, als auch die schmalen Verbindungen zwischen den einzelnen Glyphen verweisen auf eine altertümliche Federschrift.

Dies ist besonders interessant, da es sich um eine Referenz auf die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten Sam und Suzy handelt. Die beiden Jugendlichen haben sich, ein Jahr vor den Ereignissen, die in dem Film gezeigt werden, bei einer Theateraufführung kennengelernt und p flegen seitdem eine Brieffreundschaft. Klassischerweise steht eine Feder und die zugehörige Schrift für die Schriften einer Briefkorrespondenz. Man könnte also interpretieren, dass es sich bei den Credits um Sams und Suzys Schrift, um ihre Geschichte handelt.

Die künstlerische, kreative Tätigkeit der Protagonisten ist ein sich wiederholendes Merkmal in den Filmen von Wes Anderson. Ganz egal, ob es sich um einen Autor von Theaterstücken, wie z.B. Max (Jason Schwartzman) in dem Film Rushmore, eine, als Wunderkind gefeierte, Dramatikerin, wie z.B. Margot (Gwyneth Paltrow) in dem Film The Royal Tenenbaums, oder den Pfad finder Sam, der sich in dem Film „Moonrise Kingdom“ für Poesie und Theater interessiert. Die Denkweisen und Nöte von Autoren und Kreativen sind stets ein Motiv für die Filme des Texaners (Vgl. Krützen; 2015).

Ein weiterer Aspekt für die Assoziation mit einer Handschrift ist der Fakt, dass die einzelnen Buchstaben miteinander verbunden sind. Auch auf einer metaphorischen Ebene wird der Verbindung zwischen den einzelnen Buchstaben eine Bedeutung zugewiesen, denn während eine Lücke zwischen dein einzelnen Buchstaben in einem

Wort, wie zum Beispiel in dieser Hausarbeit, für welche die Schriftart Times gewählt wurde, für Fragmentierungen oder Unterbrechung stehen, suggerieren verbundene Buchstaben eine Integration der einzelnen Buchstaben in das Gesamtkonzept, das Wort (Vgl. Van Leeuwen; 2006; 149).

Eigenen Aussagen nach orientierte sich Hische's erster Entwurf für die Typographie zu „Moonrise Kingdom“ an der bekannten Schriftart Edwardian Script. Anderson war der erste Entwurf jedoch zu formell und er vermutete eine schlechte Lesbarkeit auf kleineren Leinwänden oder Bildschirmen. Als Gegenvorschlag empfahl Anderson der Designerin die Schriftart des franzözischen Films La Femme In fidele (1969) von Claude Chabrol (siehe Abbildung). Auf dieser basiert letztendlich auch die finale Schriftart, „Tilda“ (Vgl. Landekic; 2013).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung : Screenshot der Titelsequenz des Films „La Femme In fidele“

Position der Schrift

Bei dem Verhältnis zwischen Bild und Schrift handelt es sich um einen stetigen Diskurs. Joachim Paech bezeichnete Schrift im Bild 1994 sogar als eine Art Störfaktor: „Die Titel, die oft das Bild bis zur Unkenntlichkeit zudecken {…}. Jede nicht- diegetische Schrift muss notwendig wie ein Schatten auf das Bild fallen und die Illusion der räumlichen Tiefe durch die Fläche, auf der die Schrift erscheint, bedrohen“ (Paech; 1994; 224). Diese Aussage ist logisch betrachtet nachvollziehbar, da die gängige Platzierung von Schrift in optisch horizontaler und vertikaler Bildmitte für eine bewusste, deutliche Setzung spricht, die das Bild verdeckt und dem Betrachter so den Blick auf das Gezeigte versperrt (Vgl. Krautkrämer; 2004; 201). Dies lässt sich jedoch nicht auf die Credits in dem Vorspann zu „Moonrise Kingdom“ übertragen.

Ein Großteil der Credits wird am horizontalen und vertikalen Bildrand platziert, sodass der Betrachter dem filmischen Geschehen ungestört folgen kann. Die Namen der Beteiligten werden nacheinander und abwechselnd am oberen rechten Bildrand und am unteren rechten Bildrand eingeblendet. Diese Platzierung sorgt für eine deutliche Priorisierung des Bildes auf dem linken Abschnitt der Leinwand, da die menschliche Wahrnehmung, wie auch bei dem Lesen eines Textes, von links nach rechts rezipiert (Vgl. Barattelli / Sichelschmidt / Rickheit; 1998; 16).

Nach 65 Sekunden des Vorspanns werden zum ersten Mal zwei Credits gleichzeitig eingeblendet. Es handelt sich hierbei um die Darsteller der beiden Protagonisten Sam und Suzy. Parallel dazu passiert auf der linken Bildhälfte nichts, was von den Credits am rechten Bildrand ablenken könnte. Nach 142 Sekunden wird der Filmtitel, „Moonrise Kingdom“, über das Bild gelegt. Auch dieser be findet sich zwar horizontal in der Bildmitte, jedoch nicht vertikal, was erneut gegen eine Verdeckung des Bildes durch die Credits spricht. Neun Sekunden nach dem Titel wird einmalig das komplette Bild von Credits verdeckt. Es handelt sich hierbei um die Namen der Darsteller des kompletten Pfad findertrupps. Nach 200 Sekunden, kurz vor Ende des Vorspanns, werden die letzten Credits, die der beiden Drehbuchautoren, eingeblendet. Die beiden Namen, Wes Anderson und Roman Coppola, sind mittig in der unteren Hälfte des Bildes platziert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Was der Vorspann von "Moonrise Kingdom" über die Atmosphäre des Films und die künstlerische Handschrift des Filmemachers verrät
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V353948
ISBN (eBook)
9783668434868
ISBN (Buch)
9783668434875
Dateigröße
1182 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorspann, moonrise, kingdom”, atmosphäre, films, handschrift, filmemachers
Arbeit zitieren
Hendrik Wonsak (Autor), 2016, Was der Vorspann von "Moonrise Kingdom" über die Atmosphäre des Films und die künstlerische Handschrift des Filmemachers verrät, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353948

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