Natur, Gesellschaft und Wahnsinn als Hauptmotive romantischer Kunstmärchen

Gibt es Parallelen zwischen Tiecks "Der Runenberg" und Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun"?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
13 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Gliederung

1. Typische Motive in den Kunstmärchen der Romantik
1.1. Die Natur – Ort der Gegensätze und der Freiheit
1.2. Die Gesellschaft – Leidenschaftliche Romantik vs. Bürgerliche Ehe
1.3. Der Wahnsinn – das Los eines romantischen Helden

2. Untersuchung der drei Motive in beiden Werken
2.1. Ludwig Tiecks „Der Runenberg“
2.1.1. Natur: Der Berg vs. die Ebene
2.1.2. Gesellschaft: Das Waldweib vs. Elisabeth
2.1.3. Wahnsinn: Der Verfall Christians
2.2. ETA Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“
2.2.1. Natur: Die Seefahrt vs. Die Bergarbeit
2.2.2. Gesellschaft: Die Königin vs. Ulla
2.2.3. Wahnsinn: Die Todessehnsucht Elis‘

3. Ähnliche Motive als Fazit der Eingangsfrage

Literaturverzeichnis

1. Typische Motive in den Kunstmärchen der Romantik

Das Kunstmärchen unterscheidet sich vom Märchen in wesentlichen Punkten. So sind etwa rein äußerlich der Verfasser sowie die Entstehungszeit bekannt und es bestehen keine unterschiedlichen Variationen der Überlieferung. Doch auch inhaltlich gibt es Differenzen. „Die Allegorisierung der Natur - und Gesellschaft sgeschichte führt die Helden nicht […] zum ersehnten Ziel, sondern in den Wahnsinn[1], während etwa ein Märchen den Hauptfiguren ein positives Ende bietet – um nur einen der Unterschiede zu nennen.

An den in diesem Eintrag des Reallexikons der Literaturwissenschaft genannten Stichwörtern – Natur, Gesellschaft und Wahnsinn – lassen sich in dieser Einleitung drei Hauptmotive romantischer Kunstmärchen erschließen, deren Auftreten und parallele Darstellungsweise im daraufhin folgenden Hauptteil dieser Seminararbeit in den beiden Werken „Der Runenberg“ von Ludwig Tieck und „Die Bergwerke zu Falun“ von E.T.A. Hoffmann untersucht und verglichen werden sollen. Ziel ist es, herauszufinden, ob die Konstruktion „Gegensätze in Natur und Gesellschaft führen zum Wahnsinn“ in beiden Werken parallel zu finden ist. Zunächst erfolgt eine genauere Beschreibung der drei Motive.

1.1. Die Natur – Ort der Gegensätze und der Freiheit

Die Natur gilt in der Romantik als Ort des Gegensatzes zur menschlich geprägten Kultur, denn hier werden der Zauber und das Wunderbare als selbstverständlich erachtet und nicht naturwissenschaftlich hinterfragt, so wie die zeitnahe Epoche der Aufklärung es anstrebte. In den Kunstmärchen werden oftmals Gegensätze in der Natur, zum Beispiel landschaftlicher Art, verwendet, um diese Kontraste zu verdeutlichen. Ein Bereich steht beispielsweise für das Althergebrachte, und ein diesem antithetisch gegenübergestellter Bereich für das Neue.

Die Romantiker finden in der Natur oftmals ihre ureigene Bestimmung, da sie hier ihre Freiheit aus den beengten Fesseln herkömmlicher Traditionen und in der Literatur die „Autonomie von allen möglichen anderen gesellschaftlichen Subsystemen, die ihr Regeln vorgeben könnten“[2] empfinden. Viele Hauptfiguren romantischer Kunstmärchen finden sich in diesem Kontrast zwischen Natur und Kultur wieder, müssen sich für oder gegen eine dieser beiden Seiten entscheiden und scheitern nicht selten daran. Der Fokus dieses Aspekts soll in den beiden zu analysierenden Werken auf solch komplementären Naturdarstellungen liegen.

1.2. Die Gesellschaft – Leidenschaftliche Romantik vs. Bürgerliche Ehe

Neben der Natur wird auch die Gesellschaft allegorisiert. Hier wird der Gegensatz zwischen wilder, romantischer Liebe und traditioneller, bürgerlicher Ehe hergestellt. Während im realen Leben der Epochen der Aufklärung und des beginnenden Biedermeier konservative Werte eine große Rolle spielen, setzen die Autoren der Kunstmärchen dieser Strömung die Vorstellung einer wilden, leidenschaftlichen und unerreichbaren Liebe gegenüber.

Die heiß geliebte und umworbene Traumfrau ist nicht „in den stereotypen Farben des romantischen Bildes einer häuslichen Frau und Mutter gezeichnet“[3], sie verkörpert im Gegenteil das Unnahbare, manchmal gar Böse. Was in der Natur also die komplementären Landschaften sind, sind in der Gesellschaft die Frauen, und auch an diesem Spannungsverhältnis geht so mancher Held zu Grunde. Die Parallelen in der Gegenüberstellung der beiden düsteren und der beiden häuslichen Frauen in den ausgewählten Werken soll im Hauptteil untersucht werden.

1.3. Der Wahnsinn – das Los eines romantischen Helden

Da die Figuren der romantischen Kunstmärchen ständig zwischen den Fronten aus „der absoluten Verschiedenheit des Idealen und Realen“[4] stehen und diese Konflikte – seien sie in der Natur als Landschaften oder in der Gesellschaft als Frauentypen verortet – selten erfolgreich zu lösen vermögen, führt sie dieser Zustand über kurz oder lang Es soll im Folgenden detailliert dargestellt werden, wie die beiden Hauptfiguren der Werke die Sinne verlieren.

2. Untersuchung der drei Motive in beiden Werken

Die drei Motive „Natur“, „Gesellschaft“ und „Wahnsinn“ sollen nun auf soeben beschriebene Weise in den beiden Werken analysiert und vergleichen werden. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den in den Texten selbst verwendeten Formulierungen, wobei zu beachten ist, dass Tieck sein Kunstmärchen vor Hoffmann verfasste und diesem demnach bekannt war.

2.1. Ludwig Tiecks „Der Runenberg“

Tieck verfasste sein Werk „Der Runenberg“ im Jahr 1802 und damit vor der Entstehung E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“ von 1819. Es wird daher als erstes untersucht, um als Basis zur Analyse des zweiten Textes zu dienen.

2.1.1. Natur: Der Berg vs. die Ebene

Die bedeutende Rolle der Natur wird gleich zu Beginn hervorgehoben. „Im innersten Gebürge, nachdenkend bei einem Vogelherde, indem das Rauschen der Gewässer und des Waldes in der Einsamkeit tönte“[5] beginnt die Geschichte von Christian, der zunächst Jäger ist und sich dann der Gärtnerei zuwendet, also zwei sehr naturverbundene Berufe wählt, wobei der eine Leben beendet, indem er Bäume fällt und Tiere tötet[6], und der andere ebenjenes erschafft und die Gärten in schönster Pracht erblühen lässt[7].

Das Werk baut einen landschaftlichen Gegensatz auf zwischen den Bergen, in denen der tödliche Jäger beheimatet ist und „uralte verwitterte Ruinen“[8] alles andere als lebensfroh erscheinen, und der „traditional verbürgten und überschaubaren Lebensform in der >>Ebene<<“[9], in der der Gärtner arbeitet, das Leben blüht und „fruchtbare Kornfelder“[10] gedeihen. Im Verlauf von Christians Weg in den Wahnsinn kehrt sich für ihn dieser jedoch Bezug um, da dann „sein verzaubertes Herz nicht menschlich mehr, sondern von kaltem Metall“[11] ist. „Das Grün der Natur wird zum Grün der Verwesung“[12]. Er sieht schließlich das Leben in den steinigen Bergen, da diese ewig währen, und den Tod in den vergänglichen Pflanzen, die für ihn „der Leichnam vormaliger herrlicher Steinwelten [sind und die] schrecklichste Verwesung“[13] darstellen. Sein gesamter Lebensweg, und damit sein Weg in den Wahnsinn, spielen sich in Form eines doppelten Kursus zwischen diesen Bereichen ab. Er gelangt zunächst aus dem heimatlichen Flachland von Neugier getrieben ins Gebirge, findet wiederum kurzzeitiges Glück bei seiner Rückkehr in die Ebene und gibt dieses schließlich endgültig zugunsten der Berge auf.

[...]


[1] Fricke, S. 368

[2] Kremer, S. 139

[3] Kremer, S. 131

[4] Schlegel, …

[5] Tieck, S. 27

[6] Vgl. Tieck, S. 32

[7] Vgl. Tieck, S. 40

[8] Tieck, S. 32

[9] Kremer, S. 138

[10] Tieck, S. 30

[11] Tieck, S. 45f.

[12] Althaus, S. 108

[13] Tieck, S. 47

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Natur, Gesellschaft und Wahnsinn als Hauptmotive romantischer Kunstmärchen
Untertitel
Gibt es Parallelen zwischen Tiecks "Der Runenberg" und Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun"?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Märchen
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V353952
ISBN (eBook)
9783668400276
ISBN (Buch)
9783668400283
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Natur, Gesellschaft, Wahnsinn, Ludwig Tieck, Runenberg, Hoffmann, Bergwerke zu Falaun, Märchen, Romantik, Ironie, Melancholie, E.T.A. Hoffmann, NDL
Arbeit zitieren
Sandra Lill (Autor), 2014, Natur, Gesellschaft und Wahnsinn als Hauptmotive romantischer Kunstmärchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353952

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