Die vorliegende Arbeit entstand in der Absicht, staatliche Maßnahmen und Gesetze darzustellen, die sich auf die großen Auswanderungsströme der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts auswirkten. Dabei war von besonderem Interesse, welchen Anteil Gesetze wie das Bundesgesetz zur Militärpflicht an den Entscheidungsprozessen der Auswanderungswilligen hatten.
Die massenhafte Auswanderung aus Deutschland in die USA ist ein in der Fachliteratur häufig diskutiertes Thema. Die Schwerpunkte der jeweiligen Arbeiten sind dabei verschiedenartig gesetzt. Sie reichen von den Motiven für die Auswanderung über die Bedingungen in den Hafenstädten und auf den Auswandererschiffen bis hin zu den mehr oder minder geglückten Assimilations- und Akkulturationsprozessen der ausgewanderten Europäer in den USA.
Die vorliegende Arbeit will aufzeigen, inwiefern sich die Gesetzgebung auf beiden Seiten des Atlantischen Ozeans auf die Bestrebungen unzähliger Bürger, eine neue Existenz in einem fernen Land aufzubauen, einstellte und inwieweit sie diese damit unterstützte, behinderte oder gar blockierte. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit den 1850er Jahren, kurz vor dem ersten Höhepunkt deutscher Massenauswanderung (1854) und endet etwa zur Zeit des letzten Höhepunktes im Jahre 1892.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DARSTELLUNG DEUTSCHER GESETZE UND REGULIERUNGSMASSNAHMEN MIT EINFLUSS AUF DIE TRANSATLANTISCHE AUSWANDERUNG
2.1. Die Staatliche Regelung der transatlantischen Auswanderung
2.1.1. Die Gesetzgebung zum Schutz der Auswanderer
2.1.2. Die Errichtung von Kontrollinstanzen
2.2. Die Allgemeine Wehrpflicht. Einschränkung und Motivation
2.2.1. Die Gesetzgebung
2.2.2. Der Einfluss auf die Auswanderungsbewegung
3. DER EINFLUSS US-AMERIKANISCHER GESETZE UND STAATLICHER MASSNAHMEN AUF DIE TRANSATLANTISCHE AUSWANDERUNG
3.1. Die Einwandererwerbung der Einzelstaaten
3.2. Die Gesetzgebung der amerikanischen Bundesregierung zur Förderung und Regulierung der Einwanderung
4. SCHLUSSBETRACHTUNGEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert den Einfluss staatlicher Gesetze und Maßnahmen in Deutschland und den USA auf die transatlantische Auswanderung im späten 19. Jahrhundert. Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit diese Regulierungen die Bestrebungen von Auswanderern unterstützten, behinderten oder durch Anreize sowie Restriktionen maßgeblich mitgestalteten.
- Staatliche Schutzmaßnahmen und Kontrollinstanzen in deutschen Auswanderungshäfen
- Auswirkungen der allgemeinen Wehrpflicht als Motivations- und Hemmfaktor der Auswanderung
- Methoden und Strategien der aktiven Einwandererwerbung durch US-amerikanische Bundesstaaten
- Gesetzgeberische Maßnahmen der US-Bundesregierung zur Steuerung von Einwandererströmen
- Vergleich der staatlichen Einflussnahme auf beiden Seiten des Atlantiks im Zeitraum 1850 bis 1892
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Die Errichtung von Kontrollinstanzen
Im Jahr 1851 wurden in Bremen und Hamburg die so genannten Nachweisungsbureaus für Auswanderer gegründet. Diese Einrichtungen, gemeinsam von Handelskammer, Reedern und den Expedienten der Überfahrten finanziert, sahen ihre Aufgabe darin, den größtenteils hilflosen Auswanderern nach ihrer Ankunft weitestgehende Unterstützung angedeihen zu lassen, was auf die unterschiedlichste Art und Weise geschah: Sie handelten unter anderem mit den Gastwirten die Preise für Unterbringung und Verpflegung der Auswanderer aus und warnten diese vor Betrügern. Die Befugnisse der Angestellten der Nachweisungsbureaus gingen in Bremen so weit, dass sie mutmaßliche Betrüger selbst der Polizei zustellen konnten. Im Jahr 1854 wurde in Bremen zusätzlich zu dieser privaten Form der Regelung und Unterstützung der Auswanderung die Deputation für das Auswandererwesen eingesetzt, die erste Form des Staatlichen Auswanderungsschutzes. In Hamburg wurde im darauf folgenden Jahr eine gleichnamige Behörde eingerichtet, die hier die Funktion des Nachweisungsbureaus übernahm und ab 1887 als Behörde für das Auswanderungswesen weiter existierte.
Allgemein betrachtet, bestand die Funktion der Auswanderungsbehörde darin, die Einhaltung der lokalen Kontrollvorschriften für die Unterbringung und Verpflegung der Auswanderer in den Hafenstädten und die Ausstattung der Transportschiffe zu überwachen. Ihnen untergeordnet wurde das Institut der Besichtiger eingerichtet, dessen Angestellte dafür zuständig waren, die Auswandererschiffe auf ihre Seetüchtigkeit zu untersuchen, die Menge und Qualität des geladenen Proviants für die Passagiere festzustellen und über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen den Expedienten Bescheinigungen auszustellen, ohne deren Vorlage kein Auswanderungsschiff seinen Hafen verlassen durfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, staatliche Gesetze und Maßnahmen in Deutschland und den USA während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu untersuchen. Zudem wird der zeitliche Rahmen von 1850 bis 1892 begründet.
2. DARSTELLUNG DEUTSCHER GESETZE UND REGULIERUNGSMASSNAHMEN MIT EINFLUSS AUF DIE TRANSATLANTISCHE AUSWANDERUNG: Dieses Kapitel behandelt die staatlichen Regulierungen in Deutschland, unterteilt in Schutzmaßnahmen für Auswanderer während der Überfahrt sowie den Einfluss der Wehrpflicht.
3. DER EINFLUSS US-AMERIKANISCHER GESETZE UND STAATLICHER MASSNAHMEN AUF DIE TRANSATLANTISCHE AUSWANDERUNG: Das Kapitel analysiert die Strategien der US-Bundesstaaten zur Einwandererwerbung sowie die gesetzgeberischen Versuche der amerikanischen Zentralregierung zur Steuerung der Einwanderung.
4. SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Die Schlussbetrachtung zieht eine Bilanz aus den untersuchten Maßnahmen und kommt zu dem Ergebnis, dass staatliche Regulierungen zwar die Rahmenbedingungen beeinflussten, die Entscheidung zur Emigration jedoch stark von persönlichen Faktoren abhing.
Schlüsselwörter
Auswanderung, USA, 19. Jahrhundert, Deutschland, Militärpflicht, Einwandererwerbung, Gesetzgebung, Auswandererschiffe, Transatlantik, Nachweisungsbureaus, Preußen, Ausreisewillige, staatliche Kontrolle, Migrationspolitik, Seetüchtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss staatlicher Gesetze und Regulierungsmaßnahmen auf die Massenauswanderung von Deutschland in die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind staatliche Schutzmaßnahmen für Auswanderer, die Auswirkungen der allgemeinen Wehrpflicht und die aktive Einwandererwerbung durch amerikanische Stellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit die Gesetzgebung auf beiden Seiten des Atlantiks die Auswanderungsbestrebungen der Menschen beeinflusste, förderte oder einschränkte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Gesetzestexte im Original ausgewertet und die historischen Situationen anhand von Studien namhafter Historiker analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die deutschen Regulierungsmaßnahmen in Häfen und gegenüber Expedienten sowie die amerikanische Politik der Einwandererwerbung und deren steuernde Gesetze beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Auswanderung, Wehrpflicht, Einwandererwerbung, staatliche Kontrolle, Gesetzgebung und transatlantischer Reiseverkehr.
Welche Rolle spielte die allgemeine Wehrpflicht bei der Auswanderung?
Die Wehrpflicht wirkte für viele junge Männer als ein wesentlicher Auswanderungsgrund, um den Militärdienst zu umgehen, was zu einer Zunahme illegaler Auswanderungen führte.
Warum war die Einwandererwerbung der US-Einzelstaaten so intensiv?
Nach dem Sezessionskrieg herrschte ein akuter Arbeitskräftemangel, weshalb viele US-Bundesstaaten gezielt um neue Siedler und Arbeitskräfte aus Europa warben.
- Quote paper
- Benjamin Priebst (Author), 2007, Deutsche Auswanderer in die USA im 19. Jahrhundert. Der Staat als motivierender und hemmender Faktor für die Auswanderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354055