Der Schwarze Tod. Der demographische, wirtschaftliche und kulturelle Wandel während und nach der großen Pestwelle


Examensarbeit, 2016

141 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Krankheitsbild der Pest
2.1 Übertragung des Pesterregers
2.2 Behandlung und Mortalität

3 Wege und Verbreitung der Pest
3.1 Die Pest auf dem Weg von Asien nach Europa
3.2 Verbreitung der Pest von Südeuropa in den Norden

4 Reaktionen auf die Pest
4.1 Weltliche Reaktionsmuster
4.2 Isolation
4.3 Religiöse Reaktionsmuster

5 Die Zeit nach der Pest
5.1 Entwicklungstendenzen der Demographie
5.2 Wirtschaftliche Aspekte
5.3 Transformation der Gesellschaft

6 Verarbeitung der Pest in kulturellen Bereichen

7 Zusammenfassung und Ausblick

8 Abbildungsverzeichnis

9 Bibliografie
9.1 Quellenverzeichnis
9.2 Literaturverzeichnis
9.3 Internetquellen

„Die Leichen lagen übereinander, die Sterbenden wälzten sich auf den Straßen und halbtot um alle Brunnen, lechzend nach Wasser []“

Thukydides, 430 v.Chr

1 Einleitung

Der Schwarze Tod, der ab dem Jahr 1347 nahezu ganz Europa heimsuchte und weite Teile der damaligen Bevölkerung auslöschte, gehört zu den großen Katastrophenerinnerungen der Menschheit und ist tief im kollektiven Bewusstsein verankert. So erzeugt allein der Begriff Pest auch heute noch Stereotypen von Angst und Schrecken und imaginiert stets ein zerstörerisches Bild von Tod und Verderben, denen niemand entkommen kann.[1] Die Krankheit befiel schließlich nicht nur den europäischen Kontinent, sondern sie wütete als unsichtbarer Feind auch in den asiatischen Ländern, Nordafrika und der gesamten islamischen Welt.

Dem großen Sterben im Spätmittelalter gingen möglicherweise einige Pestepidemien voraus. Es ist strittig, ob tatsächlich jede der vorher überlieferten Seuchen mit ähnlichem Verlauf auf den Erreger der Pest zurückzuführen ist. Das Wort selbst leitet sich von den lateinischen Begriffen pestis bzw . pestilencia ab, welche allgemein mit dem Wort Seuche übersetzt werden. Somit steht der Begriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Des Weiteren war der Kenntnisstand über die Infektionskrankheiten sehr gering. Gestellte Diagnosen blieben oftmals nur vage und waren von Spekulationen geprägt.[2]

Aus der Sicht der modernen Medizin und Forschung werden für überlieferte Pestfälle daher zum Teil genauso Krankheiten wie Pocken oder Typhus in Betracht gezogen.[3] Erst im Jahr 1894 gelang es dem Schweizer Arzt Alexandre Yersin, das Pestbakterium während einer Epidemie in Hongkong zu identifizieren. Seither trägt es den Namen Yersinia pestis.[4] Auch der Weg der Ansteckung und der weitere Infektionsverlauf waren lange Zeit ungeklärt und wurden ebenfalls erst kurz nach der Entdeckung des Erregers aufgeschlüsselt. So war nunmehr lückenlos bekannt, dass die Ansteckung am häufigsten von Flöhen infizierter Ratten ausgeht, jedoch auch eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.[5]

Die erste Epidemie, die mittlerweile sicher der Krankheit zugeschrieben wird und vor dem sogenannten Schwarzen Tod auftrat, ist die Pest des Justinians in der Mitte des 6. Jahrhunderts. Aus dem Orient kommend, breitete sie sich rasch im gesamten Mittelmeerraum aus, erfasste im Wesentlichen das alte Reich, Westitalien, Frankreich und Gebiete der angrenzenden Rheingegend.[6] Aufgrund einiger DNA-Analysen von Knochenfunden aus dieser Zeit[7] sowie besonders detaillierten Schilderungen des Krankheitsverlaufes durch den byzantinischen Historiker Prokopius von Caesarae (um 500-562) und Ausführungen der Kirchenhistoriker Evagrius (um 536-600) und Johannes von Ephesos (um 507-588), ist sich die Forschung heute einig, dass es sich bei der Krankheit um die Beulenpest handelte, die durch einige weitere Erkrankungen begleitet wurde.[8]

Die völlige Hilflosigkeit beim Umgang mit der Krankheit und die Angst, die damit einher ging, bildeten für die Menschen im Mittelalter und den vorangegangen Zeiten eine signifikante Gemeinsamkeit. Es fehlten den Zeitgenossen sowohl zur Pest des Justinians als auch zur Zeit des Schwarzen Todes paradigmatische Mittel, die Ansteckung zum einen und die rasante Ausbreitung der Krankheit zum anderen in einen kausalen Wirkungszusammenhang zu setzen.[9]

Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit wurde auf das Phänomen des Massensterbens im Spätmittelalter gelegt, welches aus dem Osten über die Handelswege zunächst in den Süden Europas gelangte und sich von dort weiträumig bis in den hohen Norden ausbreitete. Zugrunde gelegt werden soll, welche unmittelbaren und längerfristigen Folgeerscheinungen die verheerende Seuche bei dieser enormen Verbreitung auf Ebenen der Demographie, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur bewirkte. In den jeweiligen betroffenen europäischen Ländern gab es sowohl auf weltlicher als auch religiöser Ebene vergleichbare Reaktionsmuster. Die Menschen verfielen in spezifische Verhaltensweisen, die in Dimensionen der Flucht, Aggression und Projektion ersichtlich wurden.[10] Während die räumliche Flucht vor der Krankheit nur für die Bevölkerungskreise offen stand, die es sich leisten konnten, einen verseuchten Ort hinter sich zu lassen, gab die physische und psychische Flucht z.B. in Religion, Genussexzesse, Bußfertigkeit sowie Suizide auch anderen Bevölkerungsschichten eine mögliche Handlungsoption.[11]

In verheerendem Ausmaß potenzierte sich zu jener Zeit die Aggression der Menschen. Ihre stetige Verzweiflung war ein guter Nährboden für die Suche nach Sündenböcken in bestimmten Sonderpopulationen. Juden, Bettler, Ketzer und Hexen wurden rasch als Verursacher der Pest ausfindig gemacht, verfolgt und ermordet.[12] Auch die Gewalt und Aggression gegen den eigenen Körper war eine spezifische Reaktionsform auf die Pest. Zu Scharen zogen die Menschen folglich mit Fackeln durch das Land, geißelten sich mit Peitschen und hofften so auf Gottes Gnade und Vergebung.[13]

Nicht zuletzt fand die Krankheit eine Projektionsfläche in kulturellen Bereichen, unter anderem in der Kunst und Literatur. In den Bildern der Totentanzkunst und den zahlreich überlieferten Schriftzeugnissen werden das Ausmaß des Unglücks und die Angst der Menschen auch heute noch greifbar. Durch diese Zeugnisse ist der Schwarze Tod als kollektives Erinnerungsgut konserviert.

Ohne jeden Zweifel zeigen die Chroniken, Sterbebücher, Briefe und andere Texte jener Zeit das gewaltige Ausmaß der Pandemie auf. Zu beachten ist dabei stets, dass die zeitgenössischen Beschreibungen meist von direkt Betroffenen stammen und deshalb ein hohes Maß an Subjektivität aufweisen. Diese Zeitzeugen waren in ihrem Alltag mit der Krankheit konfrontiert. Ihren verheerenden Auswirkungen standen sie nahezu machtlos gegenüber. Der Schwarze Tod erhielt somit in den schriftlichen Überlieferungen meist einen öffentlichen Charakter. Diese Überlieferungen weisen also eher Tendenzen des gemeinsamen Empfindens auf, als eine objektive Darstellung der realen Zustände und Fakten zu gewährleisten. Darüber hinaus gibt es für die verschiedenen europäischen Länder erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Dichte der Überlieferungen, was im weiteren Verlauf dieser Arbeit exemplarisch veranschaulicht werden soll.

Die Quellenzeugnisse zum Massensterben im Spätmittelalter lassen in vielen Aspekten keine stichhaltigen Angaben zu. So wurden z.B. die genauen Opferzahlen in der Forschung lange Zeit kontrovers diskutiert. Heute ist sich die Forschung weitestgehend einig, dass von einem Bevölkerungsverlust von etwa einem Drittel auszugehen ist.[14] Die hohe Mortalität setzte die bereits benannten Bereiche der Wirtschaft, Demographie und Kultur in einen langanhaltenden Prozess des Wandels.

Bevor jene Prozesse im Rahmen dieser Arbeit in besonderem Maß reflektiert werden, sollen zunächst die Pathogenese und das Krankheitsbild überblicksartig vorgestellt werden. Dabei werden die spätmittelalterliche Sichtweise und der aktuelle Forschungsstand gegenübergestellt. Um das zerstörerische Wirkungspotential nachvollziehbar zu machen, werden außerdem mögliche Infektionswege, die Behandlungsperspektiven und die Sterblichkeitsrate aufgezeigt. Das darauffolgende Kapitel geht der Frage nach, welchen Ursprung die Seuche hat. Dafür werden zum einen die Wege aus Asien nach Europa dargelegt, zum anderen die Verbreitungsströme in Europa selbst analysiert. Eine ungefähr chronologische Darstellung der Verbreitung in den beschriebenen zwei Etappen scheint dabei am zweckmäßigsten, um mögliche kausale und lokale Zusammenhänge greifbar zu machen.

Der Schwarze Tod steht in einer langen medizinhistorischen Tradition. So erschienen beispielsweise von Hoeniger[15], Hecker[16], Sticker[17] und Nohl[18] bereits in den vergangenen beiden Jahrhunderten historiografische Überblickswerke. Stichhaltige medizinische Perspektiven wurden durch die Wissenschaft mit der Wende zum 20. Jahrhundert bearbeitet. Es kam um 1890 zu einer erneuten Pestwelle, welche den Osten Asiens ergriff. Dadurch eröffnete sich die Möglichkeit, den Menschen versuchsweise zu helfen und darüber hinaus diese historische Krankheit näher zu ergründen. Ärzte aus unterschiedlichsten Ländern reisten in das Krisengebiet. Durch ihr Bemühen und die voranschreitenden medizinischen Mittel gelang in diesem Zusammenhang schließlich, die bereits erwähnte Entdeckung des Erregers, welche zweifelsohne einen Meilenstein in der Erforschung der Krankheit darstellte.[19] So konnten endlich nachhaltige therapeutische Mittel entwickelt werden.

Sozialhistorische Gesichtspunkte und tiefgreifende Perspektiven machte die Forschung hingegen erst später zum Gegenstand ihrer Arbeit. Vor allem seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Krankheit in der internationalen Forschungswelt sehr umfangreich analysiert und aufgearbeitet. Man versuchte zunehmend, die Krankheit in den Kontext der Zeit einzubetten und schlüsselte Fragen auf, z.B.: wie die Pest Auswirkungen der großen Umwelt- und Agrarkrise im Spätmittelalter potenziert hat und wie es zu den weitgehenden sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Änderungen in Europa kam. Über den Fundus an vorhandenem Quellenmaterial hinaus gibt es daher mittlerweile zu diesen und anderen sozialhistorischen Phänomenen im Kontext des Schwarzen Todes einen erheblichen Umfang an Fachliteratur. Benedictow fasst den Forschungsstand wie folgt prägnant zusammen:

„The scholary study of the Black Death in Europe in the ninetheen century with the development of modern historiography, but most of the research has, as mentioned, been performed in the last four decacdes of the twentieth century. Much new knowledge is therefore now available, and it is possible to present a far broader and more profound and detailed picture than before of this greatest of all epidemic disasters and its demographic, economic, social and cultural effects.“[20]

Bekannte Publikationen, wie die von Benedictow[21], Gottfried[22], Vasold[23], Herlihy[24] und das Gemeinschaftswerk von Naphy und Spicer[25], um an dieser Stelle nur einige wichtige Namen zu nennen, dokumentieren, dank der beschriebenen Entwicklungstendenz in der neueren Forschung, sehr anschaulich den Verlauf des Schwarzen Todes sowie seine zahlreichen Folgen. Sie finden daher als Grundlage oft Verwendung in den jeweiligen Kapiteln dieser Arbeit.

2 Das Krankheitsbild der Pest

Die Pest, eine Fantasie – Friedrich Schiller[26]

„[...] Bang ergreifts das klopfende Herz Gichtrisch zuckt die starre Sehne, Gräßlich lacht der Wahnsinn in das Angstgestöhne, In heulende Triller ergeußt sich der Schmerz

Raserei wälzt tobend sich im Bette - Gift'ger Nebel wallt um ausgestorbene Städte, Menschen - hager - hohl und bleich – Wimmeln in das finstre Reich. [...]“

Bevor im Rahmen dieser Arbeit analysiert wird, welche direkten und indirekten Folgewirkungen die Pest auf das Europa des Spätmittelalters hatte, soll nun vorab das Krankheitsbild beschrieben werden, um so das zerstörerische Potential und die Gefahr, die von der Pest ausging, zu veranschaulichen. Dabei werden zunächst die drei unterschiedlichen Krankheitstypen der Pest vorgestellt, um schließlich mögliche Infektionswege des Erregers zu beleuchten. Im Anschluss werden die sehr begrenzten damaligen Behandlungsansätze aufgezeigt. Außerdem sollen in diesem Kapitel die vielseitig und kontrovers diskutierten Mortalitäts-, und Letalitätsraten dargestellt werden.

Die Pest ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis [27] hervorgerufen wird. Zu beachten ist, dass es bei der Pest unterschiedlich ausgeprägte Erkrankungsmuster gibt, die alle auf diesen Ursprungserreger zurückzuführen sind. In der klinischen Diagnostik werden drei verschiedene Krankheitsformen[28] differenziert, die einander jedoch mitunter bedingen: die Beulenpest, die Pestsepsis sowie die Lungenpest.[29]

Erstere ist das am häufigsten verbreitete Erscheinungsbild der Pest.[30] In der Regel kommt es nach einer wenige Tage andauernden Inkubationszeit[31] zunächst zu starkem Fieber mit Körpertemperaturen über 40 °C. Die Betroffenen sind mit weiteren zahlreichen Symptomen wie Schwindel, Erbrechen, krampfartigen Schmerzen der Glieder, Lichtunverträglichkeitsreaktionen, Kreislaufversagen und Bewusstseinstrübungen konfrontiert.[32] Schließlich kommt es im voranschreitenden Stadium der Krankheit zum Anschwellen der Lymphknoten, die in der Regel eine spezifische Nähe zur ursprünglichen Infektionsstelle, meist dem Flohstich, auf der Haut aufweisen.[33]

Die äußeren bläulichen Beulen[34] am Körper werden als Bubonen bezeichnet, weshalb häufig von der Bubonenpest die Rede ist.[35] Diese Bubonen haben ein weitreichendes Wirkungspotential. Sie können im günstigsten Fall abschwellen und heilen. Übersteht der Patient die kräftezehrende Erkrankung der Beulenpest, tritt nach ca. acht bis zehn Tagen eine Genesungsphase ein.[36] Anderenfalls sondern die Bakterien im Verlauf einer Beulenpest ein Gift aus, welches zum Herztod führt.[37] Die Bubonen können vor Eintritt des Todes jedoch nach außen oder innen aufbrechen. In diesem Fall bedingen sie meist einen schwerwiegenden septischen Krankheitsverlauf.

Die unaufhaltsame Vermehrung der Krankheitserreger ist die Folge einer Pestsepsis. Rasend schnell bahnen sich daraufhin die ansteigenden Erreger ihren Weg in das Blutsystem.[38] Die rapide Ausbreitung der Yersinien im Körper bei einer Pestsepsis führt zu schweren inneren Blutungen und Organversagen, welche wiederum ohne eine entsprechende Therapie fast immer zum Tod führen.

Bei der Lungenpest werden zwei Verlaufsformen differenziert. Kommt es im Zuge der vorab beschriebenen Pestsepsis zur anstiegsartigen Vermehrung der Erreger, gelangen die Yersinien über das Blutsystem in den gesamten Körper. Dabei erreichen sie schließlich die Lunge und verursachen eine sekundäre Pestpneumonie.[39] Seltener tritt eine direkte Infek- tion der Lunge auf.[40] Eine solche primäre Lungenpest wird durch das Inhalieren von Pestbakterien ausgelöst.[41] Nach einer ca. zwei bis drei Tage andauernden Inkubation weist diese Form der Lungenpest ebenfalls bereits genannte Symptome auf und ist darüber hinaus von schwerer Atemnot, rapiden Temperaturstürzen, heftigem Husten bis hin zu Er- stickungsanfällen, Verhärtungen des Lungengewebes, einer großflächigen Blausucht[42] und im Endstadium von blutigem Auswurf gekennzeichnet.[43]

Beide Formen, sowohl die primäre als auch die sekundäre Lungenpest, führen auch heute noch beinahe ausschließlich innerhalb kürzester Zeit zum Tod.[44] Unmittelbar bevor der Tod eintritt, scheiden bei dieser besonders akuten Verlaufsform die Erreger ebenfalls ein Gift aus. Diese sogenannten Endotoxine führen eine Vergiftung herbei, die ein massives Kreislaufversagen zur Folge hat. Sie befallen schließlich das Herz so stark, dass es aufhört zu schlagen.[45] Der Erkrankte stirbt, noch bevor sich die typischen Beulen auf der Haut bilden.

Die überlieferten Quellen des Mittelalters dokumentieren ebenfalls sehr ähnliche und schwerwiegende Krankheitssymptome. In seiner Historia Sicula berichtet der Franziskaner Michele da Piazza 1361 von den Geschehnissen auf der italienischen Insel Sizilien. Dabei geht er unter anderem auf das Leiden eines Erkrankten ein,

„[...] der dann, wie man sehen konnte, vom Schmerz fast völlig erschlagen und durchbohrt wurde. Nach dem Schmerzanfall und der gegenseitigen Ansteckung entstand dann eine linsengroße Pustel am Oberschenkel oder Oberarm.“[46]

Da Piazza berichtet weiter von einer Ausbreitung der Infektion,

„[...] worauf der Erkrankte heftig Blut spuckte. Das Blutspucken dauerte drei Tage ohne Unterbrechung, [...]“.[47]

Von der Stadt Catania berichtet er weiter im Detail:

„In dieser Stadt brach diese Pestseuche so heftig aus, daß nicht nur jene Pusteln auftraten, [...], sondern geschwollene Drüsen an den unterschiedlichsten Körperstellen vorhanden waren, so in der Schamgegend. Weitere bildeten sich an Schenkeln, Armen und Hals. Sie waren anfangs haselnußgroß und von Schüttelfrost begleitet und schwächten und schädigten den Körper so sehr, daß der Kranke nicht mehr die Kraft hatte, länger zu stehen, sondern sich auf ein Bett legen mußte. Dabei wurde er von heftigem Fieber verzehrt und mit ziemlicher Traurigkeit und Bitterkeit erfüllt. Später schwollen die Drüsen bis zur Größe einer Wallnuß an, dann eines Hühner- oder Gänseeis. [...] Die Krankheit dauert drei Tage. Spätestens am vierten erlitten die Körper der Erkrankten das dem Menschen vorgezeichnete Schicksal.“[48]

Auch in der Darstellung der Geschehnisse um den Schwarzen Tod von Giovanni Boccaccio werden gleich in der Eingangspassage seines berühmten Decamerons die spezifischen Krankheitssymptome genannt. Wie viele weitere Zeitzeugen spricht er von den typischen Schwellungen im Bereich der Achseln und Leisten, „[...] von denen einige mehr oder weniger die Größe eines mittleren Apfels oder eines Eies erreichten“.[49] Ebenso benennt er die bläulichen bis schwarzen Flecken auf der Haut.[50] Was diese und auch andere Quellen zur Zeit des Schwarzen Todes nicht wiedergeben können, ist der Übertragungsweg der Erreger, welcher hingegen heute lückenlos bekannt ist.

2.1 Übertragung des Pesterregers

„Wenn einer erkrankte, brach er bald zusammen und starb. Dabei infizierte er seine ganze Familie. Entsprechend starben auch die Totengräber, die die Leichen bestatten sollten. Und der Tod kam auf diese Weise sogar durch die Fenster. Städte und Burgen wurden entvölkert, und man weinte um ganze Ortschaften wie um seine Verwandten.“[51]

Mit diesen Worten beschreibt der zeitgenössische Chronist und Rechtsgelehrte Gabriele de Mussis die Verbreitung der Pest, nachdem er von der Krim wegen einer Tatarenbelagerung und der sich ausbreitenden Krankheit[52] floh, auf der er bis 1346 beheimatet war. Doch die Krankheit erlebte er dennoch in der italienischen Stadt Piacenza. Seine Worte lassen bereits vermuten, mit welcher Geschwindigkeit sich mitunter die Ansteckung vollzog. Die Sichtweise auf die Ursachen der Pest im Mittelalter zum einen und der Frühneuzeit zum anderen unterscheiden sich gänzlich. Die Kenntnisse um den Ursprung der Krankheit und dem damit verbundenen gewaltigen Ansteckungspotential, lange bevor die mikrobiologische Entdeckung des Pestbakteriums gelang, waren im Mittelalter vor allem von Spekulationen geprägt.[53]

In der Verzweiflung und Hilflosigkeit der Menschen etablierten sich verschiedenste Theorien. So war beispielsweise Gottes Zorn auf die Menschheit und in Referenz dazu der Glaube an Sünde und Buße lange Zeit Gegenstand der mittelalterlichen Denkweise, wenn es um die Beantwortung der Frage ging, warum es zu dem großen Sterben kam.[54] Doch nicht nur der Aberglaube prägte die Sichtweisen:

„[...] denn es war ja denkbar, dass Gott nicht unmittelbar, sondern mit Hilfe seiner Schöpfung der Natur, die Pest ausbrechen liess.“[55]

Man machte wundersame astrologische Konstellationen und die schädliche Wirkung von Arsen und Schwefel in der Erdkruste als direkte Ursachen für den Schwarzen Tod aus.[56] Diese Ansichten sind auf die hippokratisch-galenische Miasma-Lehre[57] zurückzuführen. Die tradierte Theorie der Miasmen, der verpesteten Luft, findet ihren Ursprung bereits im Altertum und war zur Zeit des Spätmittelalters immer noch ein weitverbreitetes Erklärungsmuster für die Pest.[58]

Die Deutungen des Krankheitsursprungs werden auch an einem weiteren prägnanten Beispiel der Zeit deutlich: Um die immense Ansteckungsgefahr plausibel zu machen, griff das sogenannte Pesthauch-Modell ebenfalls naturgesetzliche Interpretationsaspekte auf.[59] Keil fasst die Kerninhalte des Modells wie folgt anschaulich zusammen:

„Das Modell geht von der Konstellation des 20. März 1345 aus, läßt die drei Oberen Planeten im Haus des Wassermanns zusammentreten und durch ihre Sekundärqualitäten feuchte, schlechte Ausdünstungen von Land und Meer ansaugen, erhitzen, verderben und den so in sui substancia corruptum... aeram als Pesthauch auf die Erde zurückzuschleudern. Von den Menschen eingeatmet per inspirationem, sammeln sich die vapores venenosi... circa cor et pulmonem und verdichten sich dort zu einer materia veneosa, die das Herz und die Lunge bedrückt, pestilentiam generat und schließlich die eingepflanzte Wärme des Herzens auslöscht.“[60]

Über die atmosphärischen und astronomischen Ursprungstheorien hinaus stellte man jedoch zumindest die hohe und schnelle Ansteckung fest. So benannte Guy de Chauliac, der Leibarzt des damaligen Papstes Klemens VI., eine Ansteckung durch bloßen Augenkontakt.[61] Auch die medizinischen Laien beobachteten jenen Aspekt. Giovanni di Boccaccio beschreibt das Phänomen der Ansteckung mit einem Gleichnis:

„Diese Pest war deshalb so gewaltig, weil sie, wenn Menschen miteinander verkehrten, von solchen, die bereits erkrankt waren, auf Gesunde übergriff, nicht anders als es das Feuer mit trockenen und fetten Dingen tut, wenn sie in seine Nähe gebracht werden.“[62]

Der Autor benennt ebenfalls detailgetreu, dass sich die Ansteckung nicht nur beim Kontakt mit einem kranken Menschen vollzog, sondern auch eine Gefahr von Kleidung und jeglichen Gegenständen ausging, die mit dem Infizierten in Berührung gekommen waren.[63]

Wenngleich die Zeitzeugen des Schwarzen Todes die Ansteckungskraft der Krankheit mitunter erkannten, so blieb der genaue Weg der Übertragung noch viele Jahrhunderte nach dem Auftreten im späten 14. Jahrhundert verborgen. Wie sich die Infektion vollzog, war lange Zeit ein Streitthema. So kam es, dass sogar im englischen Unterhaus eine Debatte zu dieser Frage geführt wurde, als es im Jahr 1816 zu einem erneuten Ausbruch auf der von Großbritannien beherrschten Insel Malta kam.[64]

Seit der eingangs bereits erwähnten Entdeckung des hoch komplexen Ansteckungsweges und der Isolation des Bazillus war nunmehr bekannt, dass die Pest vor allem durch Ratten und Flohbisse der Rattenflöhe[65] (Xenopsylla cheopis roth) übertragen wird. Als Wirte für die Flöhe kommen auch andere Nager und weitere kleine Säugetiere in Frage. Die Infektion erfolgt homolog, das heißt über bereits erkrankte Artgenossen. Der Mensch ist meist nur ein zufälliges Opfer, denn der Rattenfloh meidet ihn zunächst. Die infizierte Ratte verlässt dieser erst beim Verenden und Erkalten des Tieres. Menschen befällt er außerdem erst dann, wenn keine andere Ratte in der Umgebung ist.[66] In diesem Fall entwickelt sich die unter den Tieren verbreitete Krankheit zu einer sogenannten Zoonose.[67]

Diskutiert wurde in der Forschung auch die Frage nach der Ansteckung durch eine spezielle Rattenspezies. Infiziert der Floh die graue bzw. bräunliche Wanderratte (Rattus norvegicus birkenhout), so bleibt die Pest, aufgrund des großen Bewegungsradius und des natürlichen Lebensraumes des Tieres, zu großer Wahrscheinlichkeit endemisch.[68] Sie tritt in diesem Fall nur vereinzelt, in recht unregelmäßigen Abständen, auf. Eine umfangreiche Epidemie ist daraus nicht resultierend.

Anders verläuft ein Befall der schwarzen Hausratte (Rattus rattus), der für die Ausbreitung der Pest im Spätmittelalter wahrscheinlich ausschlaggebender gewesen ist.[69] In diesem Fall befanden sich die Flöhe und erkrankten Tiere im unmittelbaren Lebensraum der Menschen. Hausratten fühlen sich besonders in warmen Bereichen um 38 °C wohl.[70] In Häusern, Scheunen, Arbeitsräumen, Lagergebäuden, Kellern und Schiffen waren die Ratten[71] mit den Erregern in der direkten Nähe der Bevölkerung und daher eine ständige Gefahr:

„Da der Rattenfloh gleichzeitig menschenpathogen ist, besteht damit Lebensgefahr für die Bevölkerung. Die heterologe Übertragung des Erregers von der Hausratte auf den Menschen bewirkt somit die Epidemie, die meist von Städten, Häfen oder größeren Dörfern ihren Ausgang nahm.“[72]

Außerdem sind folgenschwere Verhaltensänderungen bei infizierten Tieren zu beobachten. Sie verlieren ihre Scheu, verlassen ihre Verstecke und begeben sich bei Nacht in die Lichtscheine der Menschen.[73] Gottfried betont vor allem die erhebliche Rolle dieser zumeist schwarzen Hausratte bei der Verbreitung der Krankheit:

„Black rats are quite sedentary and rarely move more than 200 meters from their nests. Because they live so close to humans, they are most dangerous to them. An excellent climber, R. rattus was wellsuited to both the thatched roofs of peasant dwellings and the high roof beams and dark corners of urban houses. But, important as black rats were in the dissemination of plague, it is essential to emphasize that they were not the only secondary carriers. Along with the other rodents already mentioned, additional secondary vector hosts included virtually all household and barnyard animals save the horse, whose odor apparently repels even starving blocked fleas.“[74]

Auch wenn manche Tierarten, wie z.B. das durch Gottfried exemplarisch benannte Pferd, von den virulenten Flöhen gemieden werden, so gibt es andere Tiere wie Hunde, Katzen, Schweine, Hühner oder Schafe, die in ihrem Fell infizierte Parasiten beherbergen können, ohne selbst zu erkranken.[75] Besonders diese Haus- und Nutztiere stellten somit für den Menschen eine Gefahr dar.[76] Und auch der Menschenfloh (Pulex irritans) kann den Pestbazillus übertragen, sollte z.B. ein Floh von einem infizierten Menschen zu einem anderen noch gesunden Menschen übergehen. Desto größere Teile einer Bevölkerung infiziert waren, umso wahrscheinlicher war das Eintreten eines homologen Infektionsweges, was die verheerende Wirkung abermals verstärkte.[77]

In dem infizierten Floh[78] laufen beim Befall seines Wirtes komplexe Ansteckungsmechanismen ab. Der Floh ist blockiert. Ein Propfen aus Erregern und Blut versperrt dabei Teile seiner Speiseröhre.[79] Sticht er schließlich in die Haut, gelangt diese Ansammlung sofort in das Blut des jeweiligen Menschen oder der Ratte. Ebenfalls kann eine Ansteckung durch den Kot der Parasiten erfolgen. Durch den ausgeprägten Juckreiz wird dieser auf der Haut verrieben und gelangt durch die Einstichstellen oder Wunden ebenfalls in die Blutbahnen.[80] Vasold führt dazu weitergehend aus:

„Die pestinfizierte Ratte scheidet mit ihrem Kot auch den virulenten Erreger aus. Getreidekörner, die mit Pesterregern behaftet waren, blieben – sofern die Körner frisch waren – ein bis zwei Wochen lang infektiös. Auf verschiedenen Lebensmitteln – wie Kartoffeln, Pflaumen, Äpfeln, Schwarzbrot – bleibt das Pestbakterium ein bis drei Wochen virulent, auf hartgesottenen Eiern sogar bis zu drei Monaten. Auch beschmutztes Bettzeug – wie überhaupt Textilien und Pelzwerk – bleiben wochenlang infektiös, wenn man sie mit dem Pesterreger in Berührung bringt.“[81]

Das Infektionspotential wird durch die Tatsache positiv begünstigt, dass das Pestbakterium äußerst robust ist. Auch ohne einen Wirt kann es lange Zeit ausharren. In verendeten Tieren, in der Erde, in Kot, in Staub und sogar im Wasser bleibt der Erreger mitunter monatelang ansteckungs- und vermehrungsfähig.[82]

Auch die Flöhe kommen ca. einen Monat ohne einen Wirt aus und können an den unterschiedlichsten Orten menschlicher Lebensräume ausharren. Bei Temperaturen von weniger als 10 °C fallen die Parasiten jedoch in eine sogenannte Gliederstarre. Durch diese Tatsache lässt sich erklären, weshalb sich die Pest in den Wintermonaten sowie davor und danach weniger rasant ausbreitete[83] und die Menschen teilweise von dem Massensterben aufatmen konnten bzw. sich der trügerische Anschein erweckte, die Epidemie sei überwunden. Yersina pestis brachte jedoch noch eine weitere Gefahr für die Menschen im Spätmittelalter mit sich[84]: Bei der Lungenpest unterscheidet sich der Ansteckungsmechanismus gänzlich. Bei dieser schwerwiegenden Form der Krankheit kommt es zu einer Ansteckung durch Tröpfcheninfektion.[85]

2.2 Behandlung und Mortalität

„Von den Infizierten lebte kaum einer noch länger als drei Tage. Weder ein Arzt noch eine Medizin taugten hier etwas. Denn eine derartige Krankheit war bisher unbekannt, und die Ärzte hatten darüber nichts in Erfahrung bringen können. Es schien auch kein Heilmittel zu geben. Die Angst war so fürchterlich, daß man nicht mehr ein noch aus wusste. [...]“[86]

In den Zeiten des Schwarzen Todes war die Angst und die Gefahr, bei einem Kontakt mit den infizierten Menschen selbst zu erkranken, ein ständiger Begleiter. Dieses bedrohliche Gefühl dominierte den Alltag der Menschen. Während auf die spezifischen Verhaltensmuster und Reaktionen im Hauptteil eingegangen wird, sollen an dieser Stelle mögliche Behandlungsansätze aufgezeigt und schließlich die in der Forschung kontrovers dargestellten Mortalitätsraten reflektiert werden.

Der Stand in der Heilkunst war niedrig. Seit der Antike gab es im medizinischen Bereich kaum Fortschritte.

„Während des Schwarzen Todes, der Pestepidemie von 1348, findet man nahezu alle in den antiken Texten erwähnten Therapieformen – und kaum Versuche, grundsätzlich neue Wege zu beschreiten.“[87]

Diese antiken Behandlungsansätze basieren auf der bereits geschilderten Miasmen-Theorie.

Krankheiten wurden auf die Veränderung der Luft zurückgeführt. Man empfahl z.B. Diäten, den Verzicht auf Geschlechtsverkehr oder eine flache Atmung, um eben jene verpestete Luft möglichst wenig zu konsumieren. Die Fenster sollten lediglich nach Norden geöffnet werden. Der Nordwind galt als kalt und trocken, Südwinde hingegen als feucht, warm und damit schädlich.[88] Fische durfte man nur kalten, klaren und fließenden Gewässern entnehmen. Lediglich saures Obst galt als ungefährlich. Heiße Bäder sollte man gänzlich meiden. Bestandteil der antiken Therapie war es zudem, die unreine Luft zu säubern. In den Zeiten der Pest im Spätmittelalter lagen die Leichen oft mehrere Tage unbestattet auf den Wegen und Straßen.

Dem massenhaften Sterben waren die Zeitgenossen schließlich nicht mehr gewachsen, sodass die ausbleibenden Beerdigungen einen immensen Verwesungsgeruch bedingt haben müssen, weshalb die Theorie der Miasmen zumindest an den olfaktorischen Aspekten der Leichenfäulnis einen Bestand gefunden hat. In den Pestschriften findet sich daher eine Vielzahl von Hinweisen, die Luft mit Kräutern, Schwefel, Kampfer, Aloe, Ambra und anderen Repellentien zu reinigen.[89] Außerdem empfahl beispielsweise das bereits beschriebene Pariser Pesthauchmodell, sowohl in den Räumen als auch auf den Straßen Feuer zu legen oder Kanonenpulver abzubrennen.[90] Der behandelnde Arzt von Papst Klemens VI. riet daher nicht nur zu seiner Isolation in Avignon sondern auch dazu, dass er sich fortdauernd zwischen zwei Feuerstellen aufhalten solle.[91] Die tätigen Ärzte machten für die Krankheit hauptsächlich die Himmelskörper verantwortlich.

In den abendländischen Universitäten wurden lediglich die alten Schriften mit kleineren Kommentaren vorgetragen. Die Inhalte reglementierte die Kirche streng.[92] Die medizinische Praxis war an dieser Stelle von der Theologie nicht zu trennen. Darüber hinaus stützte man sich hauptsächlich auf die Tradierungen antiker Fachautoren wie z.B. Hippokrates oder Galen, die neben der Miasma-Theorie die humoralpathologische Lehre vertraten.[93] Die Dyskrasie, die Fehlmischung der vier Körpersäfte Blut, gelber und schwarzer Galle sowie Schleim, wurde immer wieder als Ursache für verschiedenste Krankheiten, so auch der Pest, herangeführt. Diese Theorie besagte, dass ein Ungleichgewicht der vier Körpersäfte für den menschlichen Körper von großer Gefahr ist: So entstehe durch einen Überschuss des feuchtwarmen Blutes eine Fäulnis der Organe.[94]

Was wurde von der Medizin also empfohlen, sollte die Krankheit trotz aller scheinbaren Sicherheitsmaßnahmen den Körper erreicht haben? Die Ärzte waren machtlos. Hinzu kam die Tatsache, dass sie häufig nur unter Zahlung horrender Summen zu ihren Patienten kamen. In ihrer Angst selbst zu erkranken, legten sie Schutzkleidung und Masken mit abwehrenden Kräutern und Essenzen an.

Die Mediziner rieten, zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Körpersäfte, Sauerampfer, Essig, Knoblauch und Sauermilch zu konsumieren. Dazu wurden allerhand Heilpflanzen verordnet sowie das seit der Antike bekannte Theriak.[95] Dieses scheinbare Gegengift enthielt im Kontext der antiken Lehre verschiedene Heilmittel und Bestandteile unheilvoller Tiere wie z.B. Schlangen.[96] Die am häufigsten praktizierte Heilmethode war daher der Aderlass, um die Menge des überschüssigen Blutes zu regulieren. In den verbreiteten Pestschriften dieser Zeit wurde die Prozedur genau beschrieben. Sie gaben Aufschluss darüber, wie geschwollene Lymphknoten aufgespürt werden konnten und welche Vene in dem jeweiligen Fall „geschlagen“ werden musste. Das austretende Blut wurde in Gefäßen aufgefangen.[97] Für das spätmittelalterliche Heilungskonzept der Pest fasst Keil zusammen:

„Was Deutschland betrifft, so lassen sich seit dem 14. Jahrhundert Ansätze für eine Standardisierung der Pesttherapie beobachten, die zunächst von der deutschen Hauptstadt Prag ausgehen, bald aber auch Zentren des westlichen und östlichen Oberdeutschland einbeziehen. Sie fußen auf sorgfältigen Beobachtungen zur Prädilektion des Primärkomplexes, rechnen mit geschwollenen Lymphknotenpaketen im Hals-, Achsel- und Leistenbereich, versuchen, die Bubonen zur Abszeßbildung beziehungsweise Entleerung nach außen zu bringen, und setzten zu diesem Zweck auch die lokale Unterdruckbehandlung mit Schröpfköpfen ein. Im übrigen dominiert der initiale Aderlaß, den zusätzliche Modellvorstellungen – vor allem die Membra-principalia-Lehre, erweitert um das Emunktorien-Konzept – theoretisch abstützen.“[98]

Aus heutiger Sicht ist klar festzuhalten, dass der Aderlass eher hinderlich als förderlich war. Zum einen schwächte er den ohnehin entkräfteten Organismus zusätzlich, zum anderen konnten sich die Bakterien durch das austretende Blut weiter verbreiten und Entzündungen in der Wunde hervorrufen.

Doch wie sahen die entsprechenden Opferquoten ohne effiziente Therapiemaßnahmen und Kenntnisse um die Krankheitsursache im europäischen Spätmittelalter aus? Bei der Frage, wie viele Opfer der Schwarze Tod in Europa tatsächlich forderte, ist zunächst zwischen der Sterblichkeit, der Mortalität und der Letalität zu unterscheiden. Meist werden die jeweiligen Daten prozentual angegeben, da eine genaue zahlenmäßige Benennung im Fall der Pest des Spätmittelalters unmöglich erscheint. Die Sterblichkeit steht für die Todesfälle in einem bestimmten Zeitintervall, häufig einem Jahr. Die Letalität grenzt den Teil der Menschen ab, die einer ganz bestimmten Krankheit erlegen sind. Niedriger als diese Letalitätsrate ist die Mortalität, die den Anteil von Todesfällen an der gesamten Bevölkerung misst und nicht nur an den Erkrankten.[99] Für die Pest benennt Vasold folgende Daten:

„Die Beulenpest hatte eine Letalität von 50-80 Prozent, das heißt, daß 50 bis 80 von je 100 Beulenpest-Kranken an dieser Krankheit starben. Die ’Mortalität’ bezieht sich auf den Anteil der Verstorbenen – zum Beispiel an der Beulenpest – aus der Gesamtbevölkerung. Wenn im Verlauf einer Pestepidemie 20 Prozent einer Bevölkerung erkrankten und 70 Prozent der Kranken verstarben, dann betrug die Mortalität 14 Prozent, die Letalität 70 Prozent.“[100]

Ähnliche Werte nennt Gottfried. Er schildert:

„Bubonic plague is the least toxic of all plague types, but it is still highly lethal, killing 50% to 60% of its victims.“[101]

Je größer ein betroffener Ort im europäischen Mittelalter war, desto höher sollen die Mortalitätsraten ausgefallen sein.[102] Für die italienische Metropole Florenz geht man so z.B. von einem Wert von 50% aus.[103]

Ein deutlich tödlicheres Potential weist die Lungenpest auf.

„Neurological difficulities and coma follow infection, with death coming in 95% to 100% of the cases. Therefore, while pneumonic plague is less frequent than bubonic, it is far more virulent.“[104]

Durch diese hohen Letalitäts- und Mortalitätsquoten waren die Bevölkerungsrückgänge enorm. Es ist jedoch unmöglich, diese genau zu beziffern.[105]

In der Gegenwart wird die Krankheit mit der Gabe von Antibiotika therapiert. Bei einer frühen Diagnose sind die Heilungschancen bei der einfachen Verlaufsform der Pest von einer großen Erfolgsquote geprägt. Die Letalität steigt hingegen, sollte die Krankheit fortschreiten und nicht entdeckt werden. Die WHO weist zuletzt für das Jahr 2013 genaue Zahlen aus. Demnach seien in diesem Jahr weltweit 783 Menschen erkrankt, wobei 126 Patienten der Krankheit erlagen.[106] Kupferschmidt betont, dass bei einer zielgerichteten und rechtzeitigen Behandlung die Letaltität der Bubonenpest von ca. 50% auf 10% gesenkt werden kann.[107] „Pestpneumonien sowie komplizierte Fälle haben auch heute noch eine schlechte Prognose.“[108] Daher ist eine strenge Isolation und Meldepflicht notwendig.[109]

3 Wege und Verbreitung der Pest

Der Schwarze Tod – Hermann von Lingg[110]

„Erzittre Welt, ich bin die Pest, ich komm' in alle Lande und richte mir ein großes Fest, mein Blick ist Fieber, feuerfest und schwarz ist mein Gewande. [...]

Talein und aus, bergauf und ab, ich mäh’ zur öden Heide die Welt mit meinem Wanderstab, ich setz’ vor jedes Haus ein Grab und eine Trauerweide. [...]

An Nordlands letztem Felsenriff in einen kleinen Hafen warf ich ein ausgestorbnes Schiff, und alles, was mein Hauch ergriff, das mußte schlafen, schlafen.

Sie liegen in der Stadt umher; ob Tag' und Monde schwinden, es zählt kein Mensch die Stunden mehr - nach Jahren wird man öd' und leer die Stadt der Toten finden.“

Wie keine Krankheit je zuvor, verbreitete sich der Schwarze Tod im Spätmittelalter in Europa sowie im Norden Afrikas, in einigen Gebieten des Vorderen Orients und der gesamten islamischen Welt.[111] Seinen Ursprung findet die Pest im Fernen Osten. Aus der Schwarzmeerregion gelangte sie zunächst nach Südeuropa, wobei das genaue Ursprungsgebiet nur im nordasiatisch-chinesischen und mesopotamischen Raum vermutet werden kann.[112]

Durch das Begehren der Menschen nach seltenen Gewürzen, Porzellan und edlen Stoffen bildete sich ein weitgestricktes Handelsnetz heraus.[113] Von wo aus genau die Krankheit ihren Ausgangspunkt nahm ist ungewiss. Sicher weiß man heute jedoch, dass sie sich über die Seidenstraße ab ca. 1340 langsam ihren Weg nach Europa suchte.[114] Die Seidenstraße bildete einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen den asiatischen Ländern und dem europäischen Abendland. In der sizilianischen Stadt Messina legten im Spätsommer des Jahres 1347 erstmalig mit der Krankheit verseuchte Schiffe an[115], ohne dass die Menschen ahnen konnten, welchen hohen Preis sie für die kostbaren Güter tatsächlich zahlen müssen.

Die Verbreitung dieser verheerenden Krankheit wird in den folgenden Kapiteln in zwei Etappen unterschieden. Die Darstellung der Wege, die die Pest aus Asien nahm, bildet die Grundlage, um schließlich die rasante Verbreitung in Europa zu reflektieren.

3.1 Die Pest auf dem Weg von Asien nach Europa

„Im Osten aber, in China, wo der Anfang der Welt liegt, erschienen schreckliche Vorzeichen: Schlangen und Kröten, die in Begleitung unaufhörlicher Regenfälle über die Erde kamen, schreckten die Bewohner. Unzählige schlugen sie mit giftigen Wunden und zermalmten diejenigen mit ihren Zähnen, welche dabei umkamen. Im Süden, bei den Indern, zerwühlten Erdbeben das Land und verschlangen Städte und zerstörten sie, wobei brennende Fackeln vom Himmel fielen. Man kam in dem unermeßlichen Rauch des Feuers um, und an gewissen Orten regnete es Unmassen von Blut, und Steine fielen [vom Himmel].“[116]

Bereits im Spätmittelalter rankten sich um den Ursprungsort der Pest, den Fernen Osten, zahlreiche Erzählungen über wundersame Ereignisse und mögliche Vorboten der bis dahin unbekannten Krankheit. Seit einiger Zeit, so erzählte man sich, starben die Menschen in den fernen Ländern auf völlig unbekannte Art und Weise. Die vorab zitierten Naturphänomene werden von den Schilderungen des Florentiner Chronisten Matteo Villani aus dem Jahr 1346 ergänzt:

„In diesem Jahr begann im Osten, in China und Nordindien und anderen Gebieten, die an die dortigen Küstenregionen angrenzten, eine Pestseuche unter den Menschen jeden Alters und Geschlechts [sich auszubreiten]. Die Pest kam in Schüben und erfaßte Volk für Volk und innerhalb eines Jahres ein Drittel der Region, die man Asien nennt. Und zuletzt erreichte sie die Völker des Schwarzen Meeres und die Ufer des Meeres in Syrien, der Türkei und Ägypten, ferner die Küsten des Roten Meeres und im Norden Rußlands, Griechenland und Armenien sowie die sich anschließenden Provinzen.“[117]

Doch wo, zwischen all diesen genannten Ländern, trat die Krankheit erstmalig auf? Der genaue Ursprung der Pest konnte nie gänzlich geklärt werden. Unterschiedliche Theorien stehen sich in der Forschung gegenüber. In einigen der ersten historiografischen Überblickswerken wurden bereits Versuche unternommen, den Krankheitsherd zu lokalisieren. In seinem Werk von 1832 nimmt Hecker noch an, die Pest wäre im Süden Europas entstanden.[118] Im Gegensatz dazu nennt Nohl in seiner Chronik China als Ausgangspunkt. Von dort soll sich die Krankheit über Indien, Persien und Russland nach Europa bewegt haben.[119] Hoeniger liegt mit seinen Beschreibungen insofern richtig, als dass er festhält:

„[...] demnach haben sich im fernen Osten die Keime der Weltseuche entwickelt, [...]. Ueber das Auftreten des schwarzen Todes ausserhalb Europas stimmen die Berichte aller Zeitgenossen darin überein, dass die Krankheit sich von Osten her über den westlichen Teil Asiens und über Europa und Afrika verbreitet habe.“[120]

Erst die jüngere Forschung konnte stichhaltigere Ergebnisse zu dem Thema erzielen und schließt sowohl China als auch Indien als Herd der Krankheit aus.[121] Eine nunmehr in der internationalen Forschung weiträumig vertretene Hypothese soll in den folgenden Ausführungen dargestellt werden.

Bergdolt bezieht sich auf Quellen, die China als geografischen Ausgangspunkt des Schwarzen Todes benennen. Demnach ist die Pest bereits 1332 am Südhang des Himalayas aufgetreten.[122] Weiterhin vermutet er:

„Ihr eigentlicher Ursprungsherd lag wohl in der Gegend des Balchaschsees in Zentralasien, wo Archäologen bei Ausgrabungen in christlichen Katakomben für die Dreißigerjahre des 14. Jahrhunderts eine auffallend hohe Sterblichkeit registrierten.“[123]

Im Zuge der archäologischen Arbeit fand man zudem drei Grabsteine, die die Krankheit als direkte Todesursache benennen[124] und die auf die christliche Gemeinschaft der Nestorianer zurückzuführen sind. In diesen trockenen Hochebenen Zentralasiens tritt die Pest auch heute noch immer enzootisch unter verschiedenen Murmeltierpopulationen auf. Herlihy vermutet die Tiere als „ursprüngliches Reservoire der mittelalterlichen Krankheit“.[125] Obwohl laut seinen Ausführungen die dort lebenden Nomaden lange Zeit unberührt von der Krankheit blieben, nimmt er an, dass die eingehend überlieferten Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche das ökologische Gefüge des Gebietes gestört haben. Ob dies tatsächlich einen direkten Einfluss auf die Ausbreitung der Krankheit hatte, bleibt auch für ihn nicht vollständig zu beantworten.[126]

Naphy und Spicer beziehen sich ebenfalls auf diese einheimischen Nagetiere als Auslöser und benennen als Ursprungsorte die Mongolei und die Wüste Gobis in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 14. Jahrhunderts.[127] Außerdem unternehmen die beiden Autoren den Versuch, das Ausmaß der Krankheit in Asien anhand von Zahlen wiederzugeben:

„Zeitgenössische Forschung lässt annehmen, dass die Ausbrüche der Pest in China (1331-1353) vielleicht 65% der Bevölkerung töteten. Wie auch immer, zum Jahre 1393 war die Gesamtbevölkerung von 120 Millionen auf 90 Millionen zurückgegangen – ein Rückgang um 25% in sechzig Jahren.“[128]

Für den Verlauf der Krankheit in Asien skizzieren sie ebenfalls Issykkul am Balkaschsee als Ursprungsort.

Ab 1345 bahnte sich die Pest ihren Weg nach Sarai, am unteren Lauf der Wolga auf der Krim, bis sie schließlich 1346 in Astrachan in Aserbaidschan auftrat.[129] Aus der Region um den Balkaschsee begann sie sich in die verschiedenen Himmelsrichtungen auszubreiten.[130] Seit dem Jahr 1338 bewegte sich die Krankheit über Abdachungen des Tienschan südwärts bis Täbris, bis sie östlich China erreichte.[131]

Für die spätere Infektionswelle in den europäischen Ländern war eine andere Bewegung, die Keil ausführlich beschreibt, von immenser Bedeutung. Die Pest näherte sich Europa:

„Nach Westen folgt sie der Seidenstraße: sie durchzieht das Amu-Darja Tal, überwindet westlich des Arals die Ust-Urt-Platte, umrundet im Norden die Kaspische See und braucht auf diesem Wege immerhin sieben Jahre, bis sie 1346 Astrachan erreicht und südwärts zum Don und Asowschen Meer vorstößt.“[132]

Zinn fasst die Überlegungen seiner Kollegen zusammen und grenzt abschließend zwei Bereiche ein:

„In Frage kommen bestimmte östliche Regionen im Kaukasus, in Zentralasien um den Balchaschsee und noch weiter östlich im Gebiet des Baikalsees. China und Indien, die zeitweilig als Herde des Schwarzen Todes galten, können jedoch ausgeschlossen werden. Die beiden wahrscheinlichen Hypothesen zum Ausgangsherd der Pest des 14. Jahrhunderts betreffen den Kaukasus und die Ufer des Balchaschsees.“[133]

Unabhängig von wo die Pest ihren Ursprung nahm, besonders entscheidend war in den ersten Jahren der Krankheitsausbreitung die voranschreitende Expansion des Mongolenreichs. Die Mongolen, die sogenannte Goldene Horde, waren im 14. Jahrhundert eine weiträumig herrschende Macht. Ihr Reich erstreckte sich über den gesamten Osten, über die hohen Gipfel in Tibet, weit über die Wolga hinaus, bis zum heutigen Peking und sogar bis Konstantinopel.[134] Durch dieses große Machtgefüge auf dem asiatischen Kontinent erschloss sich der Handel zwischen dem Westen und China immer mehr. Die Handelswege der Mongolen führten durch das gesamte Gebiet Zentralasiens.[135] Diesen Routen folgten die europäischen Händler und Kaufleute. Besonders in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bedingte dies die Ausweitung des aus Europa kommenden Handelswesens.[136]

Eine bedeutende Handelsdrehscheibe der Europäer und Mongolen war die Hafenstadt Kaffa[137] auf der Halbinsel Krim, die ebenfalls von der Goldenen Horde beherrscht wurde. Vom Khan der Mongolen erhielten die Genueser im 13. Jahrhundert die Erlaubnis, eine Handelsniederlassung zu gründen.[138]

Im Jahr 1347 griffen die Mongolen unter Führung ihres Khan Djanibek die Christenstadt Kaffa an, um den wertvollen Handelsposten an sich zu reißen.[139] Zunächst schien es, als könne man der Belagerung der Feinde nicht standhalten. Doch plötzlich sahen sich die Menschen in Kaffa mit einem neuen und unsichtbaren Feind konfrontiert: Innerhalb des Mongolenheeres brach die Pest aus. Ihren Kampf um die Stadt mussten sie schließlich aufgeben.[140]

Dies soll sie allerdings auf einen perfiden Plan gebracht haben: Um den Gegner zu schwächen, schleuderten sie ihre Toten über die Stadtmauern, um so eine Ansteckung zu erzielen.[141] In seinen Chroniken berichtete Gabriele de Mussis von der beinahe drei Jahre andauernden Belagerung, der Isolierung der Genueser und dem feigen Angriff mit den Pestleichen:

„Zu diesem Zeitpunkt befiel die Seuche die Tartaren. Deren ganzes Heer geriet in Panik, und täglich starben Tausende. [...] Als die Tartaren, von Kampf und Pestseuche geschwächt, bestürzt und in jeder Hinsicht verblüfft zur Kenntnis nehmen mußten, daß ihre Zahl immer kleiner wurde und erkannten, daß sie ohne Hoffnung auf Rettung sterben mußten, banden sie die Leichen auf Wurfmaschinen und ließen sie in die Stadt Caffa hineinkatapultieren, damit [dort] alle an dem unerträglichen Gestank zugrundegehen sollten. Die Christen konnten sie weder beiseite schaffen noch vor ihnen fliehen und sich nur dadurch vor den herabstürzenden [Leichnamen] retten, daß sie diese, soweit es möglich war, in den Fluten des Meeres versenkten. Bald war die ganze Luft verseucht und [ebenso] das Wasser durch üble Fäulnis vergiftet. Es breitete sich ein solcher Gestank aus, daß von Tausend gerade einer das Heer verlassen und die Flucht wagen konnte. Auch er war verpestet und trug das Gift überallhin zu anderen Menschen, wobei er, allein wenn er gesehen wurde, Orte und Personen mit der Krankheit ansteckte.“[142]

[...]


[1] Dieses Phänomen ist allein an den zahlreichen assoziativen Sprichwörtern und Wortbildungen festzustellen: „wie die Pest hassen; stinken; fürchten“; „verpestete Luft“; „Autopest“; „Ölpest“; „Schweinepest“; „Pestizide“. Außerdem wird das Thema zunehmend populärwissenschaftlich bearbeitet, siehe dazu aktuell: Telgenbüscher, Joachim: Der Triumph des Todes, in: Geo Epoche 75 (2015), S. 7-21.

[2] Werfring, Johann: Der Ursprung der Pestilenz. Zur Ätiologie der Pest im loimographischen Diskurs der frühen Neuzeit (Medizin, Kultur und Gesellschaft, Bd. 2), Wien 1998, S. 32.

[3] Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters, München 1994, S. 12.

[4] Dobson, Mary: Seuchen die die Welt veränderten. Von Cholera bis Sars (National Geographic History), Cambridge 2007, S. 8./ Bergdoldt, Klaus: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes, München 2006, S. 13.

[5] Köster-Lösche, Kari: Die großen Seuchen. Von der Pest bis Aids (insel taschenbuch, Bd. 1681), Frankfurt a.M./Leipzig 1995, S. 15-16.

[6] Bergdolt, 1994, S. 14.

[7] Wahl, Joachim/Zink, Albert: Karies, Pest und Knochenbrüche. Was Skelette über das Sterben in alter Zeit verraten, in: Archäologie in Deutschland Sonderheft 3 (2013), Stuttgart 2013, S. 67-68.

[8] Für eine tiefgreifende Betrachtung der Justinianischen Pest wird auf folgende Arbeiten verwiesen: Meier, Mischa: »Hinzu kam auch noch die Pest...« Die sogenannte Justinianische Pest und ihre Folgen, in: Ders.: Pest. Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005, S. 86-107./Vasold, Manfred: Pest, Not und schwere Plagen – Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute, Stuttgart 1999, S. 23-28/Bergdolt, 2006, S. 37-41.

[9] Leven, Karl-Heinz: Die Geschichte der Infektionskrankheiten. Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert (Fortschritte in der Präventiv- und Arbeitsmedizin, Bd. 6), Landsberg/Lech 1997, S. 28-29.

[10] Schmiedebach, Heinz-Peter/Gadebusch Bondio, Mariacarla: „Fleuch pald, fleuch flerr, kum wider spat...“. Entfremdung, Flucht und Agression im Angesicht der Pestilenz (1347-1350), in: Erfen, Irene/Spieß, Karl-Heinz (Hrsgg.): Fremdheit und Reisen im Mittelalter (Mittelalterzentrum Greifswald), Stuttgart 1997, S. 218.

[11] Schmiedebach/Gadebusch Bondio, 1997, S. 218.

[12] Graus, František: Pest – Geißler – Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Bd. 86) Göttingen 21998, S. 386.

[13] Bergdolt, 1994, S. 107-114.

[14] Gottfried, Robert S.: The Black Death. Natural and Human Disaster in Medieval Europe, New York 1985, S.13/Vasold, 1999, S. 61.

[15] Hoeniger, Robert: Der Schwarze Tod in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte des vierzehnten Jahrhunderts, Berlin 1882.

[16] Hecker, Justus Friedrich Carl: Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhundert. Nach Quellen für Ärzte und gebildete Nichtärzte, Berlin 1832.

[17] Sticker, Georg: Die Geschichte der Pest, Gießen 1908.

[18] Nohl, Johannes: Der Schwarze Tod. Eine Chronik der Pest 1348 – 1720, Potsdam 1924.

[19] Vasold, Manfred: Die Pest. Ende eines Mythos, Stuttgart 2003, S. 57-59.

[20] Benedictow, Ole Jørgen: The Black Death 1346-1353. The Complete History, Woodbridge 2004 (reprinted 2006), S. 5.

[21] Ders.: Plague in the Late Medieval Nordic Countries. Epidemiological Studies, Oslo 1992 (reprinted 1996).

[22] Gottfried,1985.

[23] Vasold, 2003.

[24] Herlihy, David: Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas, Berlin 1998.

[25] Naphy, William/Spicer, Andrew: The Black Death and the history of plagues 1345 – 1730, Stroud 2000.

[26] Auszüge des Gedichts „Die Pest, eine Fantasie“ von Schiller, Friedrich (Originalausgabe von1782), in: Ders.: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 173-174.

[27] Teilweise wird der Erreger auch nach dem Pariser Pasteur-Institut, an dem Yersin ausgebildet wurde, Pasteurella pestis genannt.

[28] Mitunter wird bei der Differenzierung der Krankheitstypen auch die selten auftretende Abortive Pest genannt. Dies ist eine vergleichsweise sehr harmlose und abgeschwächte Form, bei der Antikörper gegen alle weiteren Krankheitstypen gebildet werden. Für die Geschehnisse im Mittelalter ist sie im Rahmen dieser Arbeit nicht relevant.

[29] Herlihy, 1998, S.13.

[30] Ebd.: Herlihy beziffert, dass auf die Beulenpest ungefähr 3/4 und mehr aller Pesterkrankungen zurückzuführen sind.

[31] Gottfried, 1985, S. 8: Gottfried bezieht sich auf eine Inkubationsdauer von bis zu sechs Tagen.

[32] Köster-Lösche, 1995, S. 20.

[33] Ebd. S. 19.

[34] Siehe Abb. 1.

[35] Seelbach, Kirsten Renate: In dieser harten und sterbenden Zeit. Maßnahmen gegen die Pest 1620-1750, Marburg 2007, S. 29-30.

[36] Herlihy, 1998, S. 13.

[37] Vasold, 2003, S. 14.

[38] Leven, Karl-Heinz: Von Ratten und Menschen – Pest, Geschichte und das Problem der retrospektiven Diagnose, in: Meier, Mischa: Pest. Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005, S. 12.

[39] Kupferschmidt, Hugo: Die Epidemiologie der Pest. Der Konzeptwandel in der Erforschung der Infek- tionsketten seit der Entdeckung des Pesterregers im Jahre 1894 (Schweizerische Gesellschaft für die Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaft, Bd. 43), Aarau/Frankfrut a.M./Salzburg 1993, S. 8.

[40] Stobbe, Horst/Baumann, Gert: Innere Medizin. Grundlagen und Klinik innerer Krankheiten, Berlin/Wiesbaden 71996, S. 968.

[41] Kupferschmidt,1993, S. 8.

[42] In der Medizin auch als Zyanose bezeichnet; steht für die violette bis bläuliche Verfärbung der Haut, Lippen, Nägel und Schleimhäute und ist stets äußerliches Signal für eine lebensbedrohliche Störung des Organismus.

[43] Gottfried, 1985, S. 8.

[44] Herlihy, 1998, S. 14: Herlihy benennt nach dem Ausbruch der Sepsis einen Zeitraum von 24 bis 36 Stunden bis zum Eintreten des Todes.

[45] Vasold, 2003, S. 14.

[46] da Piazza, Michele: Historia Sicula, in: Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen, hrsg. u. übers. v. Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989, S. 33.

[47] Ebd.

[48] Ebd. S. 37.

[49] di Boccaccio, Giovanni: Decameron – Erster Tag, in: Flasch, Kurt: Giovanni Boccaccio. Poesie nach der Pest. Der Anfang des Decameron Italienisch – Deutsch (Excerpta classica, Bd. 10), Mainz 1992 S. 213.

[50] Ebd.

[51] de Mussis, Gabriele: Ystoria de morbo sive mortalitate quae fuit anno Domini 1348, in: Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen, hrsg. u. übers. v. Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989, S. 22.

[52] Siehe Kapitel 3.1.

[53] Werfing, 1998, S.32.

[54] Schneidmüller, Bernd: Katastrophenerinnerung: Große Pest und Judenpogrome 1348 bis 1352, in: Den Boer, Pim/Durchhardt, Heinz/Kreis, Georg (Hrsgg.): Europäische Erinnerungsorte 2. Das Haus Europa, München 2012, S. 397.

[55] Kupferschmidt, 1993, S. 9.

[56] Ebd.

[57] Der berühmte Arzt des Altertums, Hippokrates von Kos (um 460 v.Chr.), gilt als Begründer der Miasmentheorie.

[58] Leven, 1997, S.21.

[59] Keil, Gundolf: Pest im Mittelalter: die Pandemie des „Schwarzen Todes“ von 1347 bis 1351, in: Buckl, Walter (Hrsg.): Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit (Eichstätter Kolloquium Schriftenreihe der Katholischen Universität, Bd.1), Regensburg 1995, S. 99: Das Modell stammt vom italienischen Arzt und Naturphilosophen Gentile da Foligno. Im August 1348 wurde es vom Mediziner Pierre de Damouzy überarbeitet und schließlich der Medizinischen Fakultät der Pariser Universität vorgelegt, welche dies wiederum für ihr Pestgutachten nutzte, das das Königshaus in Auftrag gegeben hatte, siehe dazu Kapitel 4.1.4.

[60] Ebd., S. 99.

[61] Leven, 1997, S.24.

[62] Boccaccio, Giovanni: Il Decameone, in: Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen, hrsg. u. übers. v. Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989, S. 41.

[63] Ebd.

[64] Vasold, 1999, S. 75.

[65] Auch andere Parasiten wie Wanzen, Zecken und Läuse kommen für die Ansteckung in Frage, werden in der Forschungsliteratur hingegen seltener genannt.

[66] Herlihy, 1998, S. 13.

[67] Zoonose ist der Begriff für eine Infektionskrankheit die wechselseitig zwischen Menschen und Tieren übertragen werden kann. Schlüsselt man den Begriff auf, ist der Infektionsweg von Mensch zu Tier als Anthropozoonose zu bezeichnen, vom Tier zum Menschen als Zooanthroponose.

[68] Bergdolt, 1994, S. 17.

[69] Benedictow, Ole Jørgen: What Diseases was Plague?. On the Controversy over the Microbiological Identity of Plague Epidemics oft he Past (Brill’s Series in the History of the Environment, Vol. 2), Boston/Leiden 2010. S.73-76.

[70] Vasold, 1999, S. 76.

[71] Hausratten weisen eine hohe Reproduktionsrate auf. Sie sind das ganze Jahr über geschlechtsaktiv, die Weibchen sind nur wenige Wochen tragend und bringen 6 bis 12 Jungtiere zur Welt. In einigen Fällen sogar noch mehr. Somit wurden sie häufig zur Plage und es gab stets neue Infektionsträger in der Population.

[72] Bergdolt, 1994, S. 17.

[73] Keil, 1995, S. 100.

[74] Gottfried, 1985, S. 8.

[75] In Versuchsreihen zur Pestinfektion zeigten sich die Tierarten unterschiedlich anfällig. Neben der Hausratte waren graue Menschenaffen, Meerschweinchen, Kaninchen und Eichhörnchen besonders empfänglich. Bei Rindern, Pferden, Schweinen und Kamelen hingegen blieben selbst äußert hohe Verabreichungen der Erreger ohne schwerwiegende Folgen für den Organismus, siehe dazu: Vasold, 2003, S. 65-67.

[76] Vasold, 1999, S. 85.

[77] Bergdolt, 1994, S. 17.

[78] Siehe Abb. 2.

[79] Leven, 2005, S.14.

[80] Bergdolt, 1994, S. 18.

[81] Vasold, 1999, S. 72.

[82] Ebd., S. 72.

[83] Berdolt, 1994, S. 18.

[84] Auf den Einfluss der Lungenpest in Bezug auf die Verbreitung der Krankheit in Europa wird in Kapitel 3.2. genauer Bezug genommen.

[85] Kupferschmidt, 1993, S. 8.

[86] di Coppo Stefani, Marchionne: Cronaca, in: Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen, hrsg. u. übers. v. Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989, S. 66.

[87] Leven, 1997, S. 29.

[88] Rademacher, Cay: Die Ohnmacht der Gelehrten, in: Geo Epoche 75 (2015), S. 84.

[89] Ebd.

[90] Leven, 1997, S. 29.

[91] Ebd.

[92] Vasold, 1999, S. 88.

[93] Bergdolt, 1994, S. 21.

[94] Ebd.

[95] Rademacher, 2015, S. 84.

[96] Leven, 1997, S. 29.

[97] Vasold, 1999, S. 89.

[98] Keil, 1995, S. 100.

[99] Vasold, 1999, S. 8.

[100] Ebd.

[101] Gottfried, 1985, S. 8.

[102] Vasold, 1999, S. 86.

[103] Ebd.

[104] Gottfried, 1985, S. 8.

[105] Der durch die Pest bedingte Bevölkerungsrückgang wird im Kapitel 5.2. näher reflektiert.

[106] World Health Organization: plague 2014, URL: http://www.who.int/topics/plague/en/, zuletzt eingesehen am: 04.12.2015 15:57 Uhr.

[107] Kupferschmidt, 1993, S. 9./Gerok, Wolfgang/Huber, Christoph/Meinertz, Thomas u.a.: Die Innere Medizin. Referenzwerk für den Facharzt, Stuttgart 2007, S. 1355.

[108] Kupferschmidt, 1993, S. 9.

[109] Stobbe/Baumann, 1996, S. 969.

[110] Auszüge des Gedichts „Der Schwarze Tod“ von Hermann von Lingg (Originalausgabe von 1854), in: Holzinger, Michael (Hrsg.): Hermann von Lingg. Ausgewählte Gedichte, Berlin 2013: S. 182-183.

[111] Olesen, Jens E.: Die Verbreitung des Schwarzen Todes in Skandinavien und Finnland, in: Fischer, Torsten/Riis Thomas (Hrsgg.): Tod und Trauer. Todeswahrnehmung und Trauerriten in Nordeuropa, Kiel 2006, S. 167.

[112] Vasold, 1999, S. 39.

[113] Berhorst, Ralf: Der unsichtbare Feind, in Geo Epoche (2015), S.26.

[114] Telgenbüscher, 2015, S. 10-11.

[115] Gottfried, 1985, S. 42.

[116] De Mussis, 1989, S. 31-32.

[117] Villani, Matteo: Historie, Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen, hrsg. u. übers. v. Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989, S. 55-65.

[118] Hecker, 1832, S. 24-25.

[119] Nohl, 1924, S. 11-12.

[120] Hoeniger, 1882, S. 62.

[121] Zinn, Karl Georg: Kanonen und Pest. Über die Ursprünge der Neuzeit im 14. und 15. Jahrhundert, Opladen 1989, S. 157.

[122] Bergdoldt, 1994, S. 33.

[123] Ebd. S. 33-34.

[124] Herlihy, 1998, S. 15.

[125] Naphy, William/Spicer, Andrew: Der schwarze Tod. Die Pest in Europa, Essen 2003, S. 28.

[126] Herlihy, 1998, S. 14.

[127] Naphy/Spicer, 2003, S. 28-29.

[128] Ebd.

[129] Ebd.

[130] Keil, 1995, S. 96.

[131] Ebd.

[132] Ebd.

[133] Zinn, 1989, S. 156-157.

[134] Schmieder, Felicitas: Europa und die Fremden. Die Mongolen im Urteil des Abendlandes vom 13. bis in das 15. Jahrhundert (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalter, Bd. 16), Sigmaringen 1994, S. 25.

[135] Spuler, Bertold: Die Goldene Horde. Die Mongolen in Rußland 1223-1502, Leipzig 1943, S. 388-395.

[136] Schmieder, 1994, S. 152-154.

[137] Heutiges Feodossija (Krim/Ukraine)

[138] Schmieder, 1994, S. 156.

[139] Benedictow, 2004, S. 49.

[140] Berhorst, 2015, S. 28.

[141] Ebd.

[142] De Mussis, 1989, S. 20-21.

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
Der Schwarze Tod. Der demographische, wirtschaftliche und kulturelle Wandel während und nach der großen Pestwelle
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
141
Katalognummer
V354064
ISBN (eBook)
9783668418608
ISBN (Buch)
9783960950646
Dateigröße
2348 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pest, Schwarzer Tod, Black Death, Mittelalter, Seuchengeschichte, Seuche, Krankheit, Yersinia pestis, Epidemie, pestilenz
Arbeit zitieren
Luise Lippold (Autor), 2016, Der Schwarze Tod. Der demographische, wirtschaftliche und kulturelle Wandel während und nach der großen Pestwelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354064

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