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Mediale Gewaltdarstellung

Title: Mediale Gewaltdarstellung

Seminar Paper , 2004 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sonja Reichel (Author)

Communications - Mass Media
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Mediengewalt ist in der Öffentlichkeit ein Thema von großem Interesse, bei dem zumeist alle selbsternannten Experten von Jung bis Alt einer Meinung sind: es wird im Alltagsleben davon ausgegangen, dass gewalttätige Filme bei Heranwachsenden die Gewaltbilligung und die Bereitschaft, Gewalt auszuüben, erhöhen. 1 So wurde auch nach Gewaltakten an Schulen wie beispielsweise 1999 in Metten/Niederbayern verstärkt nach gewaltverherrlichenden und gewaltdarstellenden Medien im Besitz des Täters gesucht und auch entsprechendes Material gefunden in Form von CD-ROMs und Videokassetten. Diese wurden dann zusammen mit Waffen und Gesichtsmasken als »Tatwerkzeuge« abfotografiert. Dafür, dass es sich bei den Videos aber beispielsweise um pornographische Filme handelte die als Tatvorlage eher ungeeignet erscheinen interessierte sich in dem aufgeheizten Klima niemand, die Schuld der Medien galt als bewiesen. 2 So einheitlich wie die Meinung der Laien ist die der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Mediengewalt allerdings nicht. Für keine Thematik der Medienwirkungsforschung liegen mehr Veröffentlichungen vor als für mediale Gewaltdarstellung, wobei diese Menge an Studien noch nichts über die Qualität ihrer Inhalte aussagt.3 Im Folgenden soll nach Definition einiger relevanter Begriffe die Gewaltdarstellungen in medialen Kontexten und Charakteristika der Fernsehgewalt geschildert werden. Anschließend wird auf einige wichtige Thesen zur Thematik der medialen Gewaltdarstellung eingegangen, um den derzeitigen Stand der Medienwirkungsforschung auf diesem Gebiet widerzuspiegeln. 1 vgl. Kunczik, M. und Zipfel, A. (2003): Medien und Gewalt – Auseinandersetzug mit der Medienwirkungsforschung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.):Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als:
Kunczik und Zipfel, 2003) 2 vgl. Nagl, M. (2003): Öffentliche Erregung: Historische und aktuelle Aspekte medialer Gewaltdarstellung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als: Nagl, 2003) 3 vgl. Kunczik und Zipfel, 2003, S.110

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

2.1 Definition von Gewalt

2.2 Definition von Medien

3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten

3.1 Informationssendungen

3.2 Unterhaltungssendungen

3.3 Reality – TV

3.4 Charakteristika der Fernsehgewalt

4. Wirkung von Gewalt in den Medien

4.1 Die Katharsisthese

4.2 Die Habitualisierungsthese

4.3 Die Suggestionsthese

4.4 Die Stimulationsthese

4.5 Die Lerntheorie

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss medialer Gewaltdarstellungen auf den Rezipienten vor dem Hintergrund gängiger medienpsychologischer Theorien. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit wissenschaftliche Erkenntnisse die gesellschaftliche Annahme bestätigen, dass gewalthaltige Medieninhalte die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen.

  • Definition und Abgrenzung der Begriffe Gewalt und Medien
  • Analyse des Gewaltbegriffs in verschiedenen medialen Formaten wie Nachrichten und Unterhaltung
  • Untersuchung der zentralen Charakteristika von Fernsehgewalt
  • Kritische Diskussion wirkungspsychologischer Thesen (Katharsis, Habitualisierung, Suggestion, Stimulation, Lernen am Modell)
  • Reflexion des aktuellen Forschungsstandes zur Medienwirkung

Auszug aus dem Buch

4.2 Die Habitualisierungsthese

Die Habitualisierungsthese geht davon aus, dass durch den Konsum von fiktionaler Gewalt ein Gewöhnungseffekt eintritt, durch den Gewalt als alltäglich betrachtet wird. Es findet also eine Abstumpfung gegenüber Gewalt statt, so dass sie als Konfliktlösungsinstrument angesehen und als unvermeidlich akzeptiert wird. Gemeint ist hier allerdings nicht, dass ein einzelner Film oder eine einzelne Sendung in der Lage ist, Persönlichkeitsstrukturen derart zu verändern, es wird vielmehr von einem langfristigen, kumulativen Effekt ausgegangen.

Als Indikator für das Abstumpfen gegenüber realer Gewalt wird das Abnehmen bzw. Ausbleiben starker emotionaler Reaktionen beim Beobachter von Mediengewalt gesehen. Kunczik (1998) führt allerdings an, dass es sich hierbei nur um einen erfolgreichen Anpassungsmechanismus handelt. Würden Personen beim ständigen Ansehen von fiktiver Gewalt gleich bleibend hohe emotionale Erregung zeigen, so müsste es sich um „höchst bedauernswerte, anpassungsgestörte Individuen handeln, die einfach nicht verstehen können, daß zwischen fiktiver und realer Gewalt Unterschiede bestehen“.

Metaanalysen der Studien zur Habitualisierung durch Mediengewalt erweisen sich als schwierig, da die durchgeführten Primärstudien meist nicht dasselbe messen. Die wiederholte Betrachtung von fiktiver Gewalt wurde sehr unterschiedlich operationalisiert und die Ergebnisse sind als bruchstückhaft und widersprüchlich zu betrachten. Sie entbehren somit einer gemeinsame Basis, und die in der Literatur mehrfach zitierte Behauptung, dass die These der Habitualisierung nachgewiesen sei, besitz keine wissenschaftlich fundierte Grundlage. Die Forschung steckt hier noch in den Kinderschuhen, was angesichts der Quantität an Studien zu medialer Gewaltdarstellung verwunderlich ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung des öffentlichen Interesses an Mediengewalt und Gegenüberstellung der laienhaften Einschätzung mit dem differenzierten wissenschaftlichen Diskurs.

2. Definitionen: Erläuterung der theoretischen Grundlagen für die Begriffe Gewalt und Medien zur Vorbereitung der weiteren Analyse.

3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten: Untersuchung der spezifischen Darstellungsweisen von Gewalt in Informationssendungen, Unterhaltungsprogrammen und Reality-TV sowie deren Charakteristika.

4. Wirkung von Gewalt in den Medien: Detaillierte Darstellung und kritische Würdigung relevanter medienwirkungspsychologischer Thesen zur Gewaltrezeption.

5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Forschungslage und Plädoyer für den lerntheoretischen Ansatz als Bezugsrahmen.

Schlüsselwörter

Mediengewalt, Medienwirkungsforschung, Fernsehgewalt, Katharsisthese, Habitualisierungsthese, Suggestionsthese, Stimulationsthese, Lerntheorie, Lernen am Modell, Gewaltbereitschaft, Sozialisationsagentur, Medienkonsum, Aggressionsforschung, Gewaltdefinition, Rezipientenforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die mediale Darstellung von Gewalt und analysiert, wie diese Inhalte auf den Fernsehzuschauer wirken und ob sie das Verhalten beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gewalt in Medien, die medienspezifischen Darstellungsformen sowie die wissenschaftliche Untersuchung von Wirkungsmechanismen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Thema Mediengewalt aufzuarbeiten und die gesellschaftliche Vermutung einer direkten negativen Auswirkung kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Theorieanalyse der Medienwirkungsforschung, gestützt auf Metaanalysen und empirische Studien prominenter Fachvertreter.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsdefinition, eine Analyse medialer Gewaltkontexte und eine fundierte Diskussion verschiedener psychologischer Wirkungsthesen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mediengewalt, Wirkungsthesen, Lerntheorie, Habitualisierung und die Differenzierung zwischen fiktiver und realer Gewalt.

Welche Rolle spielt das Reality-TV laut Autorin?

Das Reality-TV inszeniert reales Geschehen unter dem Deckmantel der Aufklärung, verzerrt dabei die Wirklichkeit und bedient gezielt die Sensationslust des Publikums.

Warum wird die Katharsisthese heute kritisch gesehen?

Die Katharsisthese gilt als empirisch widerlegt, da das Ansehen von Gewalt im Fernsehen nachweislich nicht zu einer dauerhaften Senkung des Aggressionstriebs beim Zuschauer führt.

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Details

Title
Mediale Gewaltdarstellung
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1,3
Author
Sonja Reichel (Author)
Publication Year
2004
Pages
22
Catalog Number
V35409
ISBN (eBook)
9783638353298
Language
German
Tags
Mediale Gewaltdarstellung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sonja Reichel (Author), 2004, Mediale Gewaltdarstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35409
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