Mediale Gewaltdarstellung


Seminararbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Definition von Gewalt
2.2 Definition von Medien

3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten
3.1 Informationssendungen
3.2 Unterhaltungssendungen
3.3 Reality – TV
3.4 Charakteristika der Fernsehgewalt

4. Wirkung von Gewalt in den Medien
4.1 Die Katharsisthese
4.2 Die Habitualisierungsthese
4.3 Die Suggestionsthese
4.4 Die Stimulationsthese
4.5 Die Lerntheorie

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mediengewalt ist in der Öffentlichkeit ein Thema von großem Interesse, bei dem zumeist alle selbsternannten Experten von Jung bis Alt einer Meinung sind: es wird im Alltagsleben davon ausgegangen, dass gewalttätige Filme bei Heranwachsenden die Gewaltbilligung und die Bereitschaft, Gewalt auszuüben, erhöhen.[1] So wurde auch nach Gewaltakten an Schulen wie beispielsweise 1999 in Metten/Niederbayern verstärkt nach gewaltverherrlichenden und gewaltdarstellenden Medien im Besitz des Täters gesucht und auch entsprechendes Material gefunden in Form von CD-ROMs und Videokassetten. Diese wurden dann zusammen mit Waffen und Gesichtsmasken als »Tatwerkzeuge« abfotografiert. Dafür, dass es sich bei den Videos aber beispielsweise um pornographische Filme handelte die als Tatvorlage eher ungeeignet erscheinen interessierte sich in dem aufgeheizten Klima niemand, die Schuld der Medien galt als bewiesen.[2]

So einheitlich wie die Meinung der Laien ist die der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Mediengewalt allerdings nicht. Für keine Thematik der Medienwirkungsforschung liegen mehr Veröffentlichungen vor als für mediale Gewaltdarstellung, wobei diese Menge an Studien noch nichts über die Qualität ihrer Inhalte aussagt.[3]

Im Folgenden soll nach Definition einiger relevanter Begriffe die Gewaltdarstellungen in medialen Kontexten und Charakteristika der Fernsehgewalt geschildert werden. Anschließend wird auf einige wichtige Thesen zur Thematik der medialen Gewaltdarstellung eingegangen, um den derzeitigen Stand der Medienwirkungsforschung auf diesem Gebiet widerzuspiegeln.

2. Definitionen

Bei dem Schlagwort »mediale Gewaltdarstellung« drängen sich zwei Fragen auf:

Was versteht man unter »medial« in diesem Zusammenhang? Und was bedeutet »Gewaltdarstellung«? Wie lassen sich diese Begriffe näher eingrenzen?

Die anschließenden Erläuterungen stellen eine mögliche Definition beider Konstrukte dar.

2.1 Definition von Gewalt

Unter Gewalt wird nach Theunert „die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen“[4] verstanden. Der Begriff Gewalt lässt sich allerdings weiter in personale und strukturelle Gewalt aufspalten.

Personale, direkte Gewalt wird als „die beabsichtigte physische und /oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person“[5] definiert.

Strukturelle Gewalt stellt dagegen eine indirekte Form dar, die in ein soziales System integriert ist. Sie hat keinen konkreten Akteur wodurch sich das Opfer des Gewaltaktes oftmals nicht bewusst ist. Diese Form äußert sich in sozialer Ungerechtigkeit und ungleichen Machtverhältnissen und wird von den Betroffenen subjektiv durch die Diskrepanz zwischen den möglichen Lebenschancen und der tatsächlichen Lebenssituation empfunden.[6]

Nach Hugger (1995) ist Gewalttätigkeit das „bewusste oder unbewusste Zufügen eines körperlichen oder seelischen Schadens, ohne daß eine gesellschaftliche Legitimation vorliegt.“[7] Er differenziert weiter zwischen Beschädigung von Personen und Sachen, körperlicher und seelischer Gewalt und Schäden durch zufällige Ereignisse, wie Unfälle oder Naturkatastrophen.[8]

Der Begriff der seelischen oder psychischen Gewalt umfasst Handlungsweisen, die die kognitive und psychische Verfassung der betroffenen Person schädigen, betrifft also eher Gewaltakte wie beispielsweise Drohung oder Freiheitsberaubung als das Zufügen von Schmerzen.[9]

2.2 Definition von Medien

Der Begriff Medien wird sich in dieser Arbeit zum größten Teil auf das Fernsehen konzentrieren, da sich die meisten Untersuchungen zur Gewaltwirkung auf dieses Medium beziehen. Durch die akustische und visuelle Reizübertragung ist hier eine intensivere Rezeption möglich, auch wenn sich die angeführten Modelle in Teilen auch auf Hörfunk und Printmedien, und vermutlich auch auf Computerspiele, übertragen lassen.

3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten

Da Medien als Bestandteil der gesellschaftlichen Realität zu sehen sind, haben ihre Inhalte Bedeutung für den einzelnen Rezipienten und die Gesellschaft. Um mediale Gewaltpräsentation zu bestimmen und einzuordnen ist es notwendig, die medienspezifischen Darbietungsformen zu berücksichtigen.[10]

3.1 Informationssendungen

Im Informationsbereich, allen voran in den Nachrichten, wird fast ausschließlich über reales Gewaltgeschehen berichtet: Kriegsgeschehnisse, Umweltkatastrophen, Verbrechen usw. Allerdings wird hier kein genaues Abbild der Realität gezeigt, sondern es handelt sich vielmehr um das Ergebnis eines Selektionsprozesses. Menschen (in diesem Fall zumeist Journalisten) entscheiden, was und wie berichtet wird, und das kann, zusätzlich ergänzt mit fernsehspezifischen Gestaltungsmitteln, von Sender zu Sender stark differieren. Durch Kommentierung und filmische Gestaltung kann ein reales Gewaltgeschehen eine andere Darstellung erhalten, als es sich tatsächlich ereignet hat.

Durch eine oftmals komplizierte Sprache und das Vorenthalten oder Weglassen bestimmter Informationen wird der Rezipient in einer realitätsnahen Informationsaufnahme und – verarbeitung eingeschränkt. Diese einseitige und verfälschende Berichterstattung wird nicht zuletzt durch spektakuläre und »schockierende« Bilder, insbesondere von Kriegsschauplätzen, bestärkt.[11]

3.2 Unterhaltungssendungen

Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass im Unterhaltungsbereich reale Gewalt einfließt, da kaum jemand in der Realität derart viel physische Gewalt erfährt wie etwa in Actionfilmen präsentiert wird. Die Inhalte allerdings sind der Wirklichkeit entnommen: Raub, Einbruch, Vergewaltigung, Mord, Misshandlung.

Schon in den »Daily Soaps« am Spätnachmittag (z.B. »Verbotene Liebe« auf ARD) bestimmen Intrigen, Diskriminierung von Minderheiten, Schmiergeldaffären, Familiendramen und auch Mord das tägliche Leben, fortgesetzt von den Abendserien, Spielfilmen und Krimis. Da eine identische Abbildung des Alltags alles andere als unterhaltend wäre, wird das reale Geschehen für die filmische Darstellung verändert, mit Übertreibungen und entsprechenden Stilmitteln versehen um die Handlung mitreißend und spannend zu gestalten. Es werden verfälschte Welt- und Menschenbilder vermittelt und tatsächlich existierende gesellschaftliche Gewaltverhältnisse und Vorurteile bestärkt.[12]

[...]


[1] vgl. Kunczik, M. und Zipfel, A. (2003): Medien und Gewalt – Auseinandersetzug mit der Medienwirkungsforschung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.):Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als: Kunczik und Zipfel, 2003)

[2] vgl. Nagl, M. (2003): Öffentliche Erregung: Historische und aktuelle Aspekte medialer Gewaltdarstellung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als: Nagl, 2003)

[3] vgl. Kunczik und Zipfel, 2003, S.110

[4] Theunert, H. (1996): Gewalt in den Medien-Gewalt in der Realität. KoPäd Verlag, München, S.59 (Im Folgenden zitier als: Theunert, 1996)

[5] Kunczik, M.(1998): Gewalt und Medien. Böhlau Verlag Köln, S.15 (Im Folgenden zitier als: Kunczik, 1998)

[6] vgl. Kunczik, 1998, S.16f

[7] Hugger, P.und Stadler U.(Hrsg.) (1995): Gewalt. Kulturelle Formen in Geschichte und Gegenwart, Zürich, S.22 (Im Folgenden zitiert als: Hugger und Stadler, 1995)

[8] vgl. Hugger-Stadler, 1995, S22f

[9] vgl. Theunert, 1996, S89f

[10] vgl. Best, P. (2003): Den Blick aufs Ganze – Gewalt im Alltag, im Fernsehen und aus der Sicht von Kindern. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württember (Hrsg.): Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.139f (Im Folgenden zitiert als: Best, 2003)

[11] vgl. Best, 2003, S.140f

[12] vgl. Best, 2003, S.141f

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mediale Gewaltdarstellung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V35409
ISBN (eBook)
9783638353298
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Thesen zur Wirkung von Gewalt in den Medien.
Schlagworte
Mediale, Gewaltdarstellung
Arbeit zitieren
Sonja Reichel (Autor), 2004, Mediale Gewaltdarstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35409

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