Ringen als Chance zur Deeskalation? Gewaltprävention im Sportunterricht


Hausarbeit, 2016
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Kampfsportart Ringen
2.1 Geschichte des Ringens
2.2 Stile des Ringkampfes

3 Gewalt und Aggression
3.1 Gewalt im Sport
3.2 Die Begriffe Gewalt und Aggression
3.3 Ursachen von Aggression
3.3.1 Einfluss von Trieben und Instinkten
3.3.2 Bewegungsarmut und Langeweile
3.3.3 Bevormundung und Verwöhnung
3.3.4 Mangel an Eigenerfahrung

4 Ziel der Arbeit, Hypothese und Fragestellung
4.1 Aggressionsabbau und Gewaltprävention
4.2 Chancen der Integration des Ringens für den schulischen Sportunterricht

5 Zusammenfassung

Literatur

1 Einleitung

Gewalt hat viele Gesichter. Sie begegnet uns fast täglich in den Medien, auf den Straßen und in den Schulen. Besonders in Schulen werden Provokatio- nen, Mobbing, Schlägereien und Ausgrenzungen zum Thema und Präventi- onsmöglichkeiten werden immer stärker diskutiert (vgl. Neudorfer, 2005/ Pilz, 2003). Da der Sportunterricht dafür eine gute Möglichkeit liefert, sind Lehrer1 immer öfter gefordert, Gewaltprävention in ihren Unterricht zu integrieren. Eine Möglichkeit der sportunterrichtlichen Einbeziehung dieser Thematik kann der Kampfsport darstellen. Aus eigenen Erfahrungen gibt es immer wieder Lehr- kräfte, die dem Kampfsport im Unterricht negativ gegenüberstehen, da sie ei- ne Aggressionssteigerung durch das Erlernen der Techniken vermuten.

In vielen Bundesländern, darunter Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, ist Kampfsport schon seit vielen Jahren Bestandteil des Lehr- plans (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW, S. 20). Die Sportart Ringen gehört dort zu der universitären Ausbildung im Sportstudi- um, was zur Folge hat, dass Lehrkräfte mit den Grundlagen des Ringens ver- traut sind. Im Folgenden wird sich auf die Vorgaben des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung für das Land Nordrhein-Westfalen bezogen. Der Fokus liegt hierbei auf der Gewaltpräventi- on und pädagogisch aufbereitete Kampferfahrungen sollen als Lernchance dienen. Der Schwerpunkt wird auf das Ringen gelegt, da unter Zuhilfenahme dieser Kampfsportart verschiedenste Zielsetzungen verfolgt werden können (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW, S. 20). Der Begriff Kampfsport ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Zweikampf- sportarten (Duden, 2015). Oft werden Kampfsport und Kampfkunst genauer unterschieden. Im Kampfsport steht der sportliche Wettkampf mit Bezug auf Regeln im Vordergrund (vgl. Hoffmann, 2007, S. 9). Hier werden keine Waffen benutzt. Die Kampfkunst befasst sich mit der Selbstverteidigung und dem Verhalten in Gefahrensituationen (vgl. Hoffmann, 2007, S. 10). Dabei wird auch trainiert, wie man einen bewaffneten Gegner besiegt. Wie bereits erwähnt ist Ringen Teil einiger Lehrpläne.

Aufgrund der bereits genannten Punkte sollen in der vorliegenden Arbeit mögliche Vorteile der Integration von Kampfsport im schulischen Sportunterricht aufzeigt und diskutiert werden.

2 Die Kampfsportart Ringen

2.1 Geschichte des Ringens

Das Ringen zählt neben dem Laufen zu einer der ältesten Sportarten. Am An- fang stand der kriegerische Kampf im Vordergrund, der später durch den sportlichen Kampf abgelöst wurde (vgl. Neudorfer, 2005, S. 23). Zeichnungen auf Gräbern zeigen, dass Ringen schon in Ägypten einen sehr hohen gesell- schaftlichen Stellenwert hatte (vgl. Neudorfer, 2005, S.23). In Griechenland galt Ringen sogar als zentrale Sportart und Erziehungsmittel (vgl. Beudels/Anders, 2002, S. 16). Homer lieferte um 800 v. Chr. die erste schriftli- che Schilderung über einen Ringkampf (vgl. Neudorfer 2005, S. 23). Bei den olympischen Spielen der Antike war das Ringen eine Disziplin innerhalb des Pentathlons und galt als Höhepunkt dieses Fünfkampfs (vgl. Beudels/Anders 2002, S.16). Später fand das Ringen auch in der Pankration seinen Platz. Hierbei wurde das Ringen mit dem Faustkampf vermischt und es waren alle Mittel erlaubt, die zum Sieg führten (vgl. Beudels/Anders, 2002, S.16)

Schon Platon forderte in seinen Gesetzen einen „reinen“ Ringkampfsport zum Zweck der Jugendertüchtigung (vgl. Neudorfer, 2005, S. 23). Auch in kelti- schen, germanischen und asiatischen Hochkulturen war der Ringkampf sehr beliebt (vgl. Neudorfer, 2005, S.23). Im Mittelalter wurde das Ringen auch an Höfen praktiziert und diente auch hier der körperlichen Ertüchtigung (vgl. Neu- dorfer, 2005, S.23). Ende des Spätmittelalters verlor das Ringen in Mitteleuro- pa seinen hohen Stellenwert (vgl. Neudorfer, 2005, S.23). Erst im 18. und 19.

Jahrhundert wurde das Ringen wieder populär. In Turnvater Jahns Sportstunde war das Ringen Bestandteil des Trainings (vgl. Neudorfer, 2005, S.23). Seit Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 ist das Ringen wieder eine Disziplin im olympischen Programm (vgl. Neudorfer, 2005, S.23).

2.2 Stile des Ringkampfes

Allgemein wird zwischen zwei Ringkampfstilen unterschieden - Griechisch- Römisch und Freistil. Der griechisch-römische Stil entwickelte sich nicht aus- schließlich wie man annehmen könnte aus dem antiken Sport, sondern aus dem französischen Bodenringen und dem antiken klassischen Standkampf (vgl. Beudels/Anders, 2007, S. 18). In der Antike rang man nur im Stand und derjenige, der drei Mal zum Boden geworfen wurde, verlor (vgl. Beudels/Anders, 2007, S. 18). Im heutigen griechisch-römischen Stil beginnt der Kampf ebenfalls im Stand, wird jedoch auf dem Boden fortgeführt (vgl. Beudels/Anders, 2007, S. 18). Erlaubt sind nur Griffe bis zur Gürtellinie, der Einsatz der Beine ist verboten. Im Freistil hingegen sind Griffe am ganzen Körper erlaubt. Besonders die Verwendung der Beine macht den Freistil sehr spannend (vgl. Beudels/Anders, 2007, S. 18).

Besonders in der Schule sollte man zwischen Schulringen und olympischen Ringen unterscheiden. Das olympische Ringen ist stark technikorientiert und sportlich erfolgsorientiert (vgl. Neudorfer, 2005, S. 69). Das Schulringen hingegen kommt ohne besondere Techniken aus und es werden hauptsächlich vereinfachte Wettkampfformen verwendet, weswegen keine speziell ausgebildeten Lehrkräfte benötigt werden (vgl. Neudorfer, 2005, S. 69). Hier kommt es vielmehr auf den pädagogischen Bezug an.

3 Gewalt und Aggression

3.1 Gewalt im Sport

Gewalt im Sport kann viele Gründe haben. Bevor sich diese Ausführung mit den Ursachen von Gewalt und Aggression beschäftigt, sollten die beiden Begriffe erklärt werden. Diese gilt es zu unterscheiden, da sie im heutigen Sprachgebrauch oft gleich benutzt werden und eine exakte Trennung schwierig ist (vgl. Hillbrunner, 2009, S. 3). Beide Begriffe sind negativ konnotiert und die Menschen verbinden mit Gewalt oft Schmerzen, Krieg und Missbrauch (vgl. Neudorfer, 2005, S.14).

3.2 Die Begriffe Gewalt und Aggression

Der Gewaltbegriff geht auf zwei lateinische Begriffe zurück, der „violentia“ und der „potestas“ (vgl. Duden, 2015). Der erste bezieht sich auf die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf den Menschen (vgl. Bothe, 2008, S. 6.). Der zweite bezieht sich viel mehr auf das Durchsetzungsvermögen in der Macht- und Herrschaftsbeziehung (vgl. Bothe, 2008, S.6). Das Politiklexi- kon definiert diesen Begriff folgendermaßen: „Gewalt bezeichnet den Einsatz von physischem oder psychischem Zwang gegenüber Menschen sowie die physische Einwirkung auf Tiere oder Sachen“ (vgl. Politiklexikon, 2001). Der Aggressionsbegriff hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „aggredi“, welches „herangehen“ beziehungsweise „auf jemanden oder etwas zugehen“ bedeutet (vgl. Duden, 2015). Meist wird er verwendet, um eine vorübergehen- de, stärker spontane feindselige Haltung auszudrücken (vgl. Duden, 2015). Bei Kindern sollte zwischen ernster und spielerischer Aggression unterschie- den werden (vgl. Neudorfer, 2005, S. 14). Wenn man die Bedeutung „auf je- manden zugehen“ für aggredi nimmt, dann kann der Begriff auch nicht gewalt- sam gemeint sein. Dies könnte beispielsweise bei einem Paarungsversuch zutreffen (vgl. Neudorfer, 2005, S. 12). Daraus lässt sich schließen, dass das Bedeutungsfeld von Aggression weiter ist als das von Gewalt (vgl. Tiedemann, 2011, S. 6). In der Gesellschaft wird der Begriff also hauptsächlich negativ verwendet, obwohl er auch oft das Überleben sichert. Ein gewisses Maß an Aggression ist notwendig zur Sicherung der Fortpflanzung, des Lebensraums und zur Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen (vgl. Neudorfer, 2005, S.14). Kleinkinder nutzen „aggressives“ Schreien, um ihrem Bedürfnis nach Nahrung nachzukommen (vgl. Neudorfer, 2005, S.14).

3.3 Ursachen von Aggression

3.3.1 Einfluss von Trieben und Instinkten

Um die teilweise lebensfeindliche Welt zu erobern und in ihr zu überleben, brauchte der Urmensch Instinkte, die ihm als Werkzeuge dienten. Somit wurden Triebe und Instinkte im Menschen verankert (vgl. Neudorfer, 2005, S. 12). Noch in der heutigen Gesellschaft kommen diese Triebe auch häufig ungewollt zum Vorschein. Wenn Menschen im Affekt handeln erwartet sie eine Strafmilderung, da sie aus Trieben handeln.

3.3.2 Bewegungsarmut und Langeweile

Um das Beispiel des Urmenschen wieder aufzugreifen kann man sagen, dass dieser beweglich sein musste, um zu überleben. Ansonsten hätte er sich we- der Nahrung suchen, noch vor Gefahr flüchten können (vgl. Hillbrunner, 2009, S. 8). Die Ursachen in unserer heutigen Gesellschaft sind oft andere. Aber- mals fehlen in Gemeinden die Spielplätze, auf denen sich Kinder austoben könnten (vgl. Hillbrunner, 2009, S. 8). Außerdem werden tobende Kinder oft nicht geduldet, da sie Lärm verursachen (vgl. Hillbrunner, 2009, S. 8). In den Schulen sieht das nicht viel besser aus. Der Lehrplan sieht wöchentlich nur zwei bis drei Sportunterrichtsstunden vor (vgl. Ministerium für Schule und Wei- terbildung des Landes NRW, S. 20). Langeweile wird auch immer mehr zu ei- nem Problem und führt in einigen Fällen zu erhöhter Gewaltbereitschaft, mit der sich Schulen beschäftigen müssen (vgl. Neudorfer, 2005, S. 13).

„In einer verampelten Gesellschaft, in der viel zu viele Ampeln auf 'rot' stehen, in der Verbotsschilder jeglichen kindlichen und jugendlichen Bewegungsdrang im Keime ersticken, in der Gerichtsurteile Sportplätze, Bewegungsräume in unmittelbarer Wohnungsnähe schließen, in der die Räume zur freien Entfaltung und Bewegung immer enger werden, sind Haltungsschäden oder abweichende Verhaltensweisen vorprogrammiert..."(Pilz, 2000, S.4).

[...]


1 Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit durchgängig die männliche Anredeform verwendet, das weibliche Pendant wird hierbei stets mit eingeschlossen.

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Details

Titel
Ringen als Chance zur Deeskalation? Gewaltprävention im Sportunterricht
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V354091
ISBN (eBook)
9783668404625
ISBN (Buch)
9783668404632
Dateigröße
890 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulsport, Ringen, Kampfsport, Sportdidaktik, Gewalt, Prävention
Arbeit zitieren
Maikel Wingender (Autor), 2016, Ringen als Chance zur Deeskalation? Gewaltprävention im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354091

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