Die Angst vor dem Teufel. Der Einfluss von Martin Luthers Satanologie auf die mittelalterliche Teufelsliteratur

Am Beispiel von Andreas Hoppenrods "Hurenteufel"


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Teufel unddessenDarstellung

3. DieSündeund dessenUrsache

4. AbwendungdesTeufels

5. BewusstwerdungundVergebung der Sünde

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Denn sobald Gottes wort aufgehet durch dich, so wird dich der Teufel heimsuchen, [...] und durch seine anfechtunge leren, Gottes wort zu suchen und zu lieben(M. Luther)[1]

Im Mittelalter fürchteten viele Menschen den Teufel. Dieser nahm als Gottes Widersacher im christlichen Glauben eine wichtige Rolle ein - er galt als Anfechter der christlichen Ordnung.

Martin Luther (1483-1546) war ein Kind seiner Zeit und traf mit seinen Gedanken und Vorstellungen vom Teufel meist auf allgemeine Zustimmung seiner Zeitgenossen. Nach der lutherischen Satanologie ist es des Gläubigen Aufgabe den Kampf mit dem Satan aufzunehmen, um die göttliche Ordnung im Gleichgewicht zu erhalten. Hierfür pries Luther unter anderem das friedliche Familienleben und die treue Ehe, die die Grundpfeiler jener Ordnung darstellten.[2]

Der allgemeine Teufelsglaube war zu jener mittelalterlichen Zeit Luthers nicht mehr nur reiner Kirchenglaube, sondern wurde durch den Volksaberglauben stark erweitert.[3]

Luthers Lehre prägte viele protestantische Prediger[4] und gab Anstoß zum Verfassen einzelner Spezialteufel-Traktate[5], die später als Theatrum Diabolorum veröffentlicht wurden. Jenes Sammelwerk wurde 1569 in Frankfurt am Mayn von Sigmund Feyerabend herausgegeben. Darin enthalten sind zahlreiche Traktate, in denen Ursachen und Abhilfe vielfältiger Untugenden aufgezeigt werden. In diesen Spezialbüchern wird der Teufel personifiziert als jene bestimmte Untugend dargestellt, beispielsweise in Person des Saufteufels, Fluchtteufels, Sorgenteufels, Gesindteufels oder Spielteufels.

Bestimmte Spezialteufel haben ihren Ursprung bei Luther und wurden von den Autoren des Theatrum Diabolorum übernommen.[6] Es war Luther ein Anliegen, seine Gedanken für seine Zeitgenossen verständlich darzustellen, wofür ihm die Spezialteufel als Mittel dienten[7], doch sah er den Teufel als metaphysisch agierenden Geist ohne körperliche Eigenschaften. Diese Tendenz zur Spezialisierung des Teufels wurde von den Autoren des Theatrum Diabolorum weitergeführt und ausgebaut.

Dieses Werk hat eine belehrende und appellierende Funktion für den christlichen Leser. Es strebt die Bewusstmachung der Sünde an und warnt vor ihren Folgen.

Eines der Spezialteufel-Traktate nennt sich „Der Hurenteufel“. Hierbei handelt es sich um ein Werk von Andreas Hoppenrod (1524-1584), das mit einer Vorrede von M. Cyriacus Spangenberg zunächst im Jahre 1565 veröffentlicht wurde und vier Jahre später in der Sammlung des Theatrum Diabolorum erneut erschien. Spangenberg orientierte sich kompromisslos am theologischen Erbe Martin Luthers.[8]

Das Theatrum Diabolorum sei ein Sammelwerk evangelischer Theologen, das den Teufelsglauben Luthers und dessen Anhänger und ersten Nachfolger widerspiegelt, so Henning.[9] Diese These gilt es in folgender Arbeit zu bestätigen oder zu widerlegen. Hierzu werden einzelne Aspekte aus Luthers Glauben exemplarisch mit dem Werk des Hurenteufels gegenübergestellt.

2. DerTeufel und dessen Darstellung

„Man wende es hin und her, so ist er der Welt Furste. Wers nicht weiß, der versuch’s; ich hab etwas davon erfahren: niemand aber wird mir glauben, bis ers auch erfahre.“[10] (M. Luther)

Luthers Leben war geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit dem Teufel. Luther folgte in seinen Äußerungen über den Teufel weitgehend der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition.[11] Allerdings trifft Luther vielfältige, teils ambivalente und widersprüchliche Aussagen. Für ihn ließ sich alles Leid auf der Welt auf den Teufel zurückführen.[12] Luther sah den Teufel als eine Gott hierarchisch untergeordnete Instanz, die jenem widerwillig dienen müsse. Allerdings traf Luther öfter auch dualistische Aussagen, die den Teufel als einen Gott ebenbürtigen Geist erscheinen lassen[13] - aus dieser Perspektive tritt der Teufel als Gottes Widersacher auf, der sein Heilswerk zu zerstören und den Menschen zu verführen und zu verderben versucht.[14]

Ebenso nicht eindeutig gestaltet sich die in der Einleitung schon angedeutete Aufteilung der Teufel. Luther sprach vom Teufel stets im Plural und deutete ein bestehendes Hierarchieverhältnis zwischen verschiedenen Teufeln an. Hierbei sind bestimmte Ober- und Unterteufel konkreten Bereichen zugeordnet - zum Beispiel sind der Hurerei niedere Teufel zugeteilt.[15] Im Gegensatz hierzu steht Luthers Auffassung des Teufels als Ganzes - er sei ein transzendentes Wesen, ein Geist ohne jegliche körperliche Eigenschaft. Wie bereits beschrieben, nutzte Luther die Unterteilung des einen Teufels in viele unterschiedliche, um seiner Vorstellung in phantasievoller und ausdrucksstarker Art und Weise Verständnis zu verleihen.

Luther war der Ansicht, die Anwesenheit des Teufels allzeit zu spüren und begründete alles Leid im Wirken des Teufels („Ich stelle fest, daß die ganze Welt vom Satan besessen ist.“[16] ). Außerhalb des Christentums sei der Teufel der Herr der Welt, der durch Missbräuche die reine Lehre vom Christentum verdorben habe.[17] Der Verfall der christlichen Lehre und die steigende Verachtung des Evangeliums sei Beweis für die Existenz des Teufels.[18] In Luthers Weltbild steht der Mensch gleichsam zwischen Gott und Teufel und ist Teil des ständigen Kampfes, um entweder von Gott oder vom Teufel „geritten“ zu werden.[19]

Die Hoffnung auf das Jüngste Gericht war stark ausgeprägt bei den Lutheranern - sie gingen davon aus, dass das Reich Gottes in weniger als hundert Jahren erreicht sei. Daraus schlussfolgerten sie, dass der Teufel so kurz vor dem Ende noch schlimmeres Leid als zuvor verursachen würde. Er möchte so vielen Menschen wie möglich Unglück bringen und sie zur Sünde verführen, um sie am Tag des Jüngsten Gerichts mit in die Hölle zu reißen.[20] Gerade auf die Ehe, die als Grundpfeiler christlicher Weltordnung galt, musste der Teufel besonders erbost sein und wollte diese mit Sünde beschmutzen.[21]

Im Hurenteufel wird der Teufel ebenfalls für das Leid und die Sünde verantwortlich gemacht und ähnlich beschrieben wie bei Luther - „er ist ein mechtiger Geist/ein Fürst der weit/ gehet umbher / wie ein brüllender reissender Lewe.“ [22]

Wenn man den Teufel in diesem Traktat darstellen möchte, muss man eine klare Unterscheidung vornehmen, da es eine gar inflationäre Verwendung des Teufelsbegriffs gibt.[23] Es ist zwischen dem abstrakt theologischen Teufel und jenem Teufel, der als Synonym für das Laster Hurerei eingesetzt wird, zu unterscheiden. Letzteres fungiert als reine Worthülse, die dem Wesen des Diabolischen nicht entspricht.[24]

Das im Hurenteufel dargestellte Teufelsbild entspricht einer christlich-dogmatischen, einer im christlichen Glauben verankerten Tradition. In dieser tritt der Teufel als Gegenspieler Gottes auf - als Zerstörer des Heilsplans und als den Menschen zur Sünde verführende Instanz.[25] Der Teufel, oder Satan, wird als „unreiner, unsauberer, unfletiger Geist“ beschrieben, der „zu aller Unzucht Leid und Liebe tregeť[26]

Jenes Teufelsbild, das in hohem Maße transzendente Gefahr aufweist, wird in der Personifikation des Teufels abgemildert. Bereits in der Volksüberlieferung wurde die Gefahr des Teufels destruiert, indem er mit realen Zügen, als materielles Wesen, ausgestattet wurde. Diese Vermenschlichung sorgte zwar einerseits für Angst, da die Gefahr greifbarer wurde, doch andererseits machte sie es möglich, den Teufel als dumm oder geprellt darzustellen und ihm damit die Gefahr zu nehmen.[27] Durch die Tatsache, dass auch kleinste Abweichungen von der Norm bereits als Sünde markiert werden, kommt es zu einer Banalisierung des Bösen und damit zum Verlust an der transzendenten Kraft des Teufels.[28]

Es kommt im Hurenteufel zu einer „Verschmelzung des Motivs der Allegorisierung menschlicher Tugenden mit dem Kampf gegen die Laster“, die sich zu einer „didaktischen und praktischen Philosophie des Alltags“[29] ausbaut und Handlungsnormen vorgibt.[30]

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei Luther, sowie im Hurenteufel das Teufelsbild auf der christlichen Lehre basiert, in der der Teufel als Gottes Widersacher auftritt und sein

[...]


[1] SUDA 2006,S.33.

[2] OSBORN,S. 116.

[3] OBENDIECK 1931, S. 26.

[4] BRÜGGEMANN 2010, S. 163.

[5] OHSE1961,S.5.

[6] sEbd.

[7] BRÜGGEMANN 2010, S. 166.

[8] KAUFMANN 2010

[9] HENNING 2012, S. 1698.

[10] OBENDIECK 1931, S. 53.

[11] LOHSE 1995, S. 270.

[12] Ebd. S. 59.

[13] Ebd. S. 271.

[14] BRÜGGEMANN 2010, S. 164.

[15] Ebd. S. 165.

[16] lsEbd.S. 57.

[17] HENNING 2012, S. 1698.

[18] OBENDIECK 1931, S. 57.

[19] LOHSE 1995, S. 270.

[20] MEINERS 1794, S.326.

[21] OSBORN, S. 116f.

[22] HOPPENROD, Hurenteufel, S. 181.

[23] BRÜGGEMANN 2010, S.167.

[24] Ebd.S. 178.

[25] Ebd. S. 161.

[26] HOPPENROD, Hurenteufel, S. 179.

[27] BRÜGGEMANN 2010, S. 162.

[28] Ebd. S. 184.

[29] Ebd.

[30] Ebd. S. 183.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Angst vor dem Teufel. Der Einfluss von Martin Luthers Satanologie auf die mittelalterliche Teufelsliteratur
Untertitel
Am Beispiel von Andreas Hoppenrods "Hurenteufel"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V354125
ISBN (eBook)
9783668407626
ISBN (Buch)
9783668407633
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
angst, teufel, einfluss, martin, luthers, satanologie, teufelsliteratur, beispiel, andreas, hoppenrods, hurenteufel
Arbeit zitieren
Lisa Müller (Autor), 2014, Die Angst vor dem Teufel. Der Einfluss von Martin Luthers Satanologie auf die mittelalterliche Teufelsliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354125

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