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Zivilgesellschaft und ausgewählte Aspekte in der politischen Theorie Hannah Arendts

Titel: Zivilgesellschaft und ausgewählte Aspekte in der politischen Theorie Hannah Arendts

Magisterarbeit , 2010 , 83 Seiten , Note: 1,15

Autor:in: Hauke Filmer (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Magisterarbeit gliedert sich in zwei Hauptteile. Arendts Begriffe der Freiheit, des Handelns, der Öffentlichkeit und der Macht bilden den Rahmen, in dem sich Politik widerspiegelt und in dem sich Politik immer wieder neu konstituieren kann. Im ersten Hauptteil werden deshalb diese ausgewählten Aspekte der politischen Theorie Arendts skizziert. Dabei wird primär auf die beiden Hauptwerke Arendts, „Vita activa“ und „Über die Revolution“ Bezug genommen.

Im zweiten Hauptteil wird ein Bezug der politischen Theorie Arendts zur Zivilgesellschaft hergestellt. Hier wird in einem ersten Schritt der Begriff der Zivilgesellschaft kurz skizziert und Arendts Gesellschaftskritik gegenübergestellt.

Innerhalb der deutschen Zivilgesellschaftsdebatte hat die Autorengruppe Ulrich Rödel, Günter Frankenberg und Helmut Dubiel Hannah Arendts politische Theorie, insbesondere ihren Begriff positiver Freiheit, zur Begründung eines Modells demokratischer Selbstregierung herangezogen. In Kapitel 11 werde ich deshalb auf den Essay „Die demokratische Frage“ eingehen, in welchem die Autoren ein „neorepublikanisches Projekt der Selbstregierung [formulieren,], das um die Frage kreist, wie Arendts emphatisches Projekt des Politischen auf Dauer gestellt und veralltäglicht werden kann.“ Hier werde ich schwerpunktmäßig auf das Phänomen des zivilen Ungehorsams eingehen, das neben Arendts Interpretation der Amerikanischen Revolution den Ausgangspunkt für die Theorie der Autoren bildet.

Da Arendts Politiktheorie wegen ihres positiven Rückbezugs auf die griechische Antike immer wieder in der Kritik steht, sie habe elitär-aristokratische Züge und sei aus diesem Grund nicht für eine gegenwärtige Demokratietheorie verwertbar, werde ich in dem Abschnitt „Elitismus“ auf diese Kritik eingehen. Hier werde ich versuchen zu zeigen, dass es sich in der Arendt‘schen Theorie um einen nicht-konventionellen Begriff der Elite handelt, der auch mit demokratischen bzw. zivilgesellschaftlichen Theorien vereinbar ist.

Zum Schluss werde ich aus theoretischer Perspektive das Weltsozialforum als zivilgesellschaftlich-politisches bzw. demokratisches Phänomen mit Rückgriff auf die politische Theorie Arendts beschreiben. Ich werde hierbei vor allem auf ihren Begriff der Macht, ihre Handlungstheorie und die entscheidende Frage, wie öffentliche Sphären als Räume politischen Handelns entstehen und auf Dauer bestehen können, eingehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhaltsverlauf

3 Politische Freiheit

3.1 Positive und negative Freiheit

3.2 Arendts Konzept politischer Freiheit

4 Vita activa

4.1 Arbeiten

4.2 Herstellen

4.3 Handeln

5 Der öffentliche Raum

5.1 Erscheinungsraum

5.2 Gemeinsame Welt

5.3 „Künstlichkeit“ politischen Lebens

5.4 Der räumliche Charakter politischen Lebens

5.5 Der agonistische Charakter des öffentlichen Raumes

5.6 Öffentlich / Privat

6 Das Phänomen der Macht

6.1 Macht und Gewalt

6.2 Intransitive Macht

6.3 Macht und Totalitarismus

6.4 Die Rolle der Macht in der Amerikanischen und der Französischen Revolution

7 Urteilskraft

2. Hauptteil: Hannah Arendt und Zivilgesellschaft

8 Der Begriff der Zivilgesellschaft

9 Arendts Gesellschaftsbegriff

10 Elitismus

11 Ziviler Ungehorsam und das „Projekt demokratischer Selbstregierung“

12 Weltsozialforum

12.1 Das WSF als politischer Neubeginn

12.2 Das WSF als politischer Raum

12.3 Das WSF und das Phänomen der Macht

13 Fazit

14 World Social Forum Charter of Principles

Zielsetzung & Themen

Diese Magisterarbeit untersucht die politische Theorie Hannah Arendts im Kontext der modernen Zivilgesellschaft. Ziel ist es, Arendts Konzepte von Freiheit, Handeln, Macht und öffentlichem Raum für die heutige Demokratietheorie zu erschließen und zu klären, wie bürgerschaftliches Engagement zur Stabilität und Lebendigkeit politischer Systeme beitragen kann.

  • Analyse der zentralen Begriffe Arendts (Vita activa, Macht, Öffentlichkeit)
  • Kritische Untersuchung der modernen Zivilgesellschaft und ihres Demokratiedefizits
  • Diskussion des Potenzials von zivilem Ungehorsam als Mittel demokratischer Erneuerung
  • Anwendung der Theorie auf aktuelle Phänomene, exemplarisch dargestellt am Weltsozialforum

Auszug aus dem Buch

3.1 Positive und negative Freiheit

Isaiah Berlin unterscheidet in „Two Concepts of Liberty“ zwei Formen von Freiheit: Die negative Freiheit bezeichnet einen Zustand, in dem keine von anderen Menschen ausgehenden Zwänge ein Verhalten erschweren oder verhindern, während die positive Freiheit einen Zustand bezeichnet, in dem die Möglichkeit der passiven Freiheit auch tatsächlich genutzt werden kann bzw. tatsächlich genutzt wird.

Der negative Freiheitsbegriff, als Freiheit von etwas, wurde vor allem von liberalen Theoretikern wie John Locke, Adam Smith und Edmund Burke vertreten. Er impliziert primär die zur Selbstentfaltung nötige persönliche Freiheit bzw. einen die persönliche Selbstentfaltung ermöglichenden Spielraum. Die negative Freiheit wird zum Beispiel als Grundrecht in der Verfassung verankert, etwa dem Schutz vor staatlicher Willkür. Dem negativen Freiheitsbegriff entsprechen liberale Freiheitsrechte: „Menschen sind im liberalen Verständnis frei, soweit sie sich innerhalb möglichst weit gezogener Grenzen frei bewegen können, durch die die Freiheiten anderer Individuen geschützt werden.“

Dagegen impliziert der positive Freiheitsbegriff „den aktiven Menschen, der an Entscheidungen, die sein Leben und seinen Lebensraum beeinflussen, aktiv teilhaben will“ - also ein eher demokratisches Verständnis von Freiheit. Für Berlin leitet sich „die ‚positive‘ Bedeutung des Wortes ‚Freiheit‘ […] aus dem Wunsch des Individuums ab, sein eigener Herr zu sein. Ich will, dass mein Leben und meine Entscheidungen von mir abhängen und nicht von irgendwelchen äußeren Mächten.“ Gemeint ist die republikanische Selbstbestimmung, die Teilhabe am politischen Geschehen. Die moderne Gesellschaft muss beide Formen von Freiheit in sich integrieren, denn die demokratische Selbstbestimmung, aus der politische Legitimität resultiert, muss letztlich durch die Garantie individueller Freiräume ermöglicht werden. In diesem Sinne stehen positive und negative Freiheit in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander, da sie sich gegenseitig stützen und begrenzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Beleuchtet das Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement für die Stabilität von Demokratien und führt in Hannah Arendts Kritik an der „Weltentfremdung“ und Politikverdrossenheit ein.

2 Inhaltsverlauf: Umreißt den zweigeteilten Aufbau der Arbeit: Die theoretische Fundierung in Arendts Werken und deren Bezug zur Zivilgesellschaftsdebatte.

3 Politische Freiheit: Differenziert zwischen positiver und negativer Freiheit und arbeitet Arendts republikanisches Verständnis von politischer Freiheit heraus.

4 Vita activa: Analysiert die drei menschlichen Grundtätigkeiten – Arbeiten, Herstellen und Handeln – und identifiziert das Handeln als genuin politisch.

5 Der öffentliche Raum: Untersucht die notwendige Verortung des politischen Handelns in einem öffentlichen Raum, der als Erscheinungsraum und gemeinsame Welt konstituiert wird.

6 Das Phänomen der Macht: Erläutert Arendts Machtbegriff als nicht-instrumentelle, kooperative Fähigkeit, die im Gegensatz zur Gewalt steht.

7 Urteilskraft: Setzt die politische Urteilskraft in Beziehung zum Handeln und thematisiert das Spannungsfeld zwischen Massengesellschaft und republikanischen Institutionen.

8 Der Begriff der Zivilgesellschaft: Skizziert die Begriffsgeschichte der Zivilgesellschaft und deren aktuelle Verwendung in politischen Theorien.

9 Arendts Gesellschaftsbegriff: Analysiert Arendts negative Sicht auf die moderne Gesellschaft, die sie für den Verfall des Politischen verantwortlich macht.

10 Elitismus: Setzt sich kritisch mit Vorwürfen auseinander, Arendts Politikmodell sei elitär oder gar antidemokratisch.

11 Ziviler Ungehorsam und das „Projekt demokratischer Selbstregierung“: Untersucht die Funktion zivilen Ungehorsams für die ständige Erneuerung demokratischer Legitimität.

12 Weltsozialforum: Wendet Arendts Konzepte auf das Weltsozialforum an und beschreibt es als einen Raum für politisches Handeln und kollektive Machtbildung.

13 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont das demokratietheoretische Potenzial Arendts für die heutige Zivilgesellschaft.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Zivilgesellschaft, Politische Freiheit, Vita activa, Öffentlicher Raum, Macht, Handeln, Demokratie, Partizipation, Politikverdrossenheit, Ziviler Ungehorsam, Weltsozialforum, Republikanismus, Pluralität, Politische Urteilskraft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politische Philosophie Hannah Arendts und verknüpft sie mit zeitgenössischen Theorien der Zivilgesellschaft, um Möglichkeiten für aktives demokratisches Handeln zu identifizieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen sind Arendts Verständnis von Freiheit, Macht und öffentlichem Handeln sowie deren Anwendung auf moderne Probleme wie Politikverdrossenheit, Globalisierung und die Rolle zivilgesellschaftlicher Foren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Arendts Theorie als ein wertvolles Instrument für eine lebendige, partizipative Demokratie zu verteidigen und aufzuzeigen, wie sie Institutionen und bürgerschaftliches Engagement beleben kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Diskursanalyse, die zentrale Begriffe Arendts aus ihren Hauptwerken systematisch aufarbeitet und in den Kontext aktueller zivilgesellschaftlicher Debatten stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Arendts Konzepte (Freiheit, Handeln, Macht) und eine anschließende Transferleistung auf Phänomene wie Zivilgesellschaft, zivilen Ungehorsam und das Weltsozialforum.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Vita activa, Macht (als kooperatives Phänomen), Öffentlichkeit, Pluralität und politischer Neubeginn.

Wie bewertet der Autor den Vorwurf des Elitismus bei Arendt?

Der Autor argumentiert, dass Arendts Verständnis einer handelnden Elite nicht exklusiv ist, sondern vielmehr die Fähigkeit beschreibt, aktiv als Bürger in öffentlichen Räumen zu agieren – eine Rolle, die prinzipiell jedem offensteht.

Wie wird ziviler Ungehorsam in dieser Arbeit kontextualisiert?

Ziviler Ungehorsam wird nicht als bloßer Rechtsbruch gesehen, sondern als „symbolische Praxis“ und notwendiges Mittel, um demokratische Debatten zu beleben und die Legitimität politischer Ordnung in einem nachmetaphysischen Zeitalter zu erneuern.

Inwiefern dient das Weltsozialforum als Fallbeispiel?

Das Weltsozialforum wird als ein moderner „Erscheinungsraum“ interpretiert, in dem sich Menschen jenseits staatlicher Strukturen begegnen, um im Sinne Arendts durch diskursives Handeln Macht zu erzeugen und politische Alternativen auszuhandeln.

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Details

Titel
Zivilgesellschaft und ausgewählte Aspekte in der politischen Theorie Hannah Arendts
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,15
Autor
Hauke Filmer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
83
Katalognummer
V354132
ISBN (eBook)
9783668402089
ISBN (Buch)
9783668402096
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zivilgesellschaft Arendt Vita Activa Elitismus Weltsozialforum Macht Handeln
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hauke Filmer (Autor:in), 2010, Zivilgesellschaft und ausgewählte Aspekte in der politischen Theorie Hannah Arendts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354132
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Leseprobe aus  83  Seiten
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