Diese Arbeit setzt sich mit der Entstehung und Funktion der s-Fuge auseinander. Diese besitzt eine bedeutsame Verankerung in der Linguistik und erhält eine zunehmende Rolle im Bereich der Wortbildung, speziell in der Komposition. Wie in dieser Arbeit gezeigt werden soll, bestimmen morphologische und prosodisch-phonologische Verhältnisse das Auftreten der s-Fuge, ebenso werden aber auch syntaktische und semantische Einflüsse berücksichtigt, sodass sich diese Arbeit über mehrere Ebenen der deskriptiven Sprachwissenschaften erstreckt.
Der Fokus wird dabei auf der Funktion der s-Fuge liegen und auf den Umständen, die das Auftreten dieses Fugenelementes steuern. Hierzu werden Untersuchungen auf morphologischer, phonologischer, syntaktischer und semantischer Ebene dargelegt, um ein hinreichendes Kriterium für die s-Verfugung von Komposita festzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Fugenelementen
3. Die s-Fuge
3.1 Entstehung der s-Fuge
3.2 Paradigmatische und unparadigmatische Fugenelemente
3.3 Funktionen der s-Fuge
3.3.1 Artikulationserleichterung
3.3.2 Semantische Funktion: Pluralmarker
3.3.3 Syntaktische Funktion: Genitivmarker
3.3.4 Morphologische Funktion
3.3.4.1 Öffnung morphologisch geschlossener Stämme
3.3.4.2 Fugen als Nominalmarker
3.3.5 Phonologische Funktion: Die s-Verfugung als Indikator schlechter phonologischer Wortqualität
3.3.5.1 Phonologische Struktur von Fremdwörtern und das Aufkommen der s-Fuge in nicht-nativen Wörtern
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Funktion der s-Fuge in deutschen Komposita. Dabei wird analysiert, inwiefern morphologische, phonologische, syntaktische und semantische Faktoren das Auftreten dieses Fugenelements steuern, um ein hinreichendes Kriterium für die s-Verfugung in der modernen deutschen Sprache zu identifizieren.
- Historische Entwicklung der s-Fuge aus Genitivkonstruktionen
- Unterscheidung zwischen paradigmatischen und unparadigmatischen Fugenelementen
- Widerlegung der Hypothesen zur Artikulationserleichterung und Genitivmarkierung
- Bedeutung der morphologischen Komplexität als Strukturhilfe
- Einfluss der phonologischen Wortqualität auf die s-Verfugung bei Erb- und Fremdwörtern
Auszug aus dem Buch
3. Die s-Fuge
Wie bereits erwähnt, erweist sich die s-Fuge als besonders produktiv, ist jedoch auch wie keine andere Fuge von solch starken Schwankungen betroffen, Vgl. NÜBLING/SZCZEPANIAK (2011:51) dass sie von allen Fugen am wenigstens transparent erscheint und es schwierig ist, hier eine Regelmäßigkeit festzustellen. Es ist wichtig, die s-Fuge an dieser Stelle historischen Untersuchungen zu unterziehen, um die Annahme ihrer hohen Produktivität stützen zu können. MICHEL hat in einer seiner Untersuchungen herausgestellt, dass das Vorkommen der s-Fuge im Frühneuhochdeutschen gerade mal bei 2,3% lag. (Zum Vergleich: Die Nullfuge bei 86,6%). Im Neuhochdeutschen stieg der Prozentsatz erheblich, und zwar auf ganze 25,1%. (Vergleich zur Nullfuge, dessen Vorkommen sich auf 57,6% reduziert hat). Vgl. MICHEL (2010:185f.). Allem Anschein nach, verdrängt die s-Fuge die Nullfuge allmählich und lässt dadurch die Vielzahl der Schwankungsfälle auftreten. Besonders in Hinblick auf die anderen Fugenelementen, dessen Vorkommen sich nur im geringen Maße gesteigert, nicht aber reduziert hat. MICHEL untersucht daraufhin die s-Fuge genauer und stellt (bei 2.225 N+N-Komposita im Fnhd., wovon 59 die s-Verfugung wählen) heraus, dass die Kompositionsstammform mit /s/ bei Maskulina 36 Mal an das Erstglied herantritt. Bei Neutra sind es 21 Erstglieder und bei dem Feminina nur 2, während heute hauptsächlich Feminina eine s-Verfugung erfahren. Weiterhin fand er im Frühneuhochdeutschen 33 Belege für einsilbige Erstglieder, 25 Belege für zweisilbige und nur 1 Beleg für ein dreisilbiges Erstglied. Des Weiteren untersuchte er morphologisch komplexe Erstglieder und konnte feststellen, dass die s-Fuge 2 Mal an mehrgliedrige Erstglieder herangetreten ist und ganze 10 Mal bei einem präfigierten Bestimmungswort. Vgl. MICHEL (2010:190).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der s-Fuge ein, betont deren Rolle im Sprachwandel und definiert den Fokus auf die morphologischen, phonologischen, syntaktischen und semantischen Steuerungsmechanismen.
2. Definition von Fugenelementen: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Definition von Fugenelementen als produktive, zwischen Erst- und Zweitglied auftretende Einheiten, die das Erstglied erweitern.
3. Die s-Fuge: Das Hauptkapitel untersucht die hohe Produktivität und historische Entwicklung der s-Fuge sowie deren Abgrenzung und spezifische Funktionen.
3.1 Entstehung der s-Fuge: Es wird erläutert, wie sich die s-Fuge historisch aus Genitivflexionsendungen zu einem Fugenelement entwickelte.
3.2 Paradigmatische und unparadigmatische Fugenelemente: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen paradigmatischen (wortformbildenden) und unparadigmatischen (nicht-wortformbildenden) Fugen.
3.3 Funktionen der s-Fuge: Hier werden verschiedene funktionale Hypothesen der s-Fuge kritisch beleuchtet.
3.3.1 Artikulationserleichterung: Das Kapitel widerlegt die Annahme, dass die s-Fuge primär der phonetischen Artikulationserleichterung dient.
3.3.2 Semantische Funktion: Pluralmarker: Hier wird argumentiert, dass die s-Fuge entgegen mancher Annahmen keine Pluralmarkerfunktion innehat.
3.3.3 Syntaktische Funktion: Genitivmarker: Das Kapitel entkräftet die These, dass die s-Fuge als Genitivmarker fungiert, da sie sich von Kasusflexionen weitestgehend gelöst hat.
3.3.4 Morphologische Funktion: Es wird untersucht, wie die s-Fuge auf morphologische Komplexität reagiert und als Dekodierungshilfe für Kompositionsstrukturen dient.
3.3.4.1 Öffnung morphologisch geschlossener Stämme: Hier wird dargelegt, wie die s-Fuge zur morphologischen Öffnung bestimmter Stämme beiträgt.
3.3.4.2 Fugen als Nominalmarker: Dieses Kapitel zeigt die Rolle der s-Fuge als Indikator für Nominalität bei Verbinfinitiven.
3.3.5 Phonologische Funktion: Die s-Verfugung als Indikator schlechter phonologischer Wortqualität: Der Abschnitt begründet die s-Fuge als phonologisch gesteuertes Grenzsignal für Wörter, die vom trochäischen Ideal abweichen.
3.3.5.1 Phonologische Struktur von Fremdwörtern und das Aufkommen der s-Fuge in nicht-nativen Wörtern: Das Kapitel analysiert, warum besonders Fremdwörter aufgrund ihrer phonologischen Struktur verstärkt s-verfugt werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und charakterisiert die s-Fuge als ein zunehmend phonologisch konditioniertes Grenzmarkierungselement.
Schlüsselwörter
s-Fuge, Fugenelement, Komposition, Wortbildung, Sprachwandel, Morphologie, Phonologie, Sprachwissenschaft, Fremdwortkomposita, Genitivmarker, Artikulationserleichterung, morphologische Komplexität, trochäisches Wortideal, unparadigmatisch, Grenzmarkierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, die historische Entwicklung und die aktuellen Funktionen des Fugenelements s in der deutschen Wortbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung deckt die Ebenen der Morphologie, Phonologie, Syntax und Semantik ab, um die Bedingungen für das Auftreten der s-Fuge zu klären.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Eigenschaften und Umstände herauszuarbeiten, die das Setzen der s-Fuge steuern, und ein hinreichendes Kriterium für ihre Verwendung in Komposita zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive sprachwissenschaftliche Arbeit, die historische Sprachdaten mit modernen linguistischen Theorien zur Wortbildung und Phonologie vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entstehung der s-Fuge, ihrer Abgrenzung von anderen Fugen sowie ihren spezifischen Funktionen im Kontext von Artikulation, Syntax, Morphologie und Phonologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem s-Fuge, Komposition, Sprachwandel, phonologische Wortqualität und morphologische Komplexität.
Warum ist die s-Fuge aus phonologischer Sicht so interessant?
Sie dient als Indikator für "schlechte" phonologische Wörter; ihr Vorkommen korreliert mit der Abweichung vom trochäischen Ideal im Deutschen.
Welche Rolle spielen Fremdwörter bei der s-Verfugung?
Fremdwörter verletzen oft das trochäische Wortideal des Deutschen, weshalb die s-Fuge hier verstärkt als Grenzmarker auftritt, um die Struktur zu stabilisieren.
Hat sich die Funktion der s-Fuge im Laufe der Zeit verändert?
Ja, laut der Arbeit wandelt sich die s-Fuge von einem ursprünglich morphologisch konditionierten Flexionssuffix hin zu einer zunehmend phonologisch gesteuerten Grenzmarkierung.
- Arbeit zitieren
- Barbara Lampert (Autor:in), 2012, Die Entstehung der s-Fuge und ihre Funktion in der Wortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354151