Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Funktionen, die Finanzintermediäre im Rahmen des Börsengangs einer deutschen Aktiengesellschaft übernehmen können, und die Darstellung, inwieweit durch ihre Einschaltung in den Vorgang einerseits Probleme gelöst, andererseits aber auch neue hervorgerufen werden können.
Als das chinesische Unternehmen Alibaba Anfang des Jahres 2014 ankündigte, einen Bösengang durchführen zu wollen, brachten sich weltweit Investmentbanken in Stellung, um die Transaktion organisieren zu dürfen. Immerhin standen ihnen bei diesem bisher größten Börsengang Gebühren in Höhe von bis zu 300 Millionen Dollar in Aussicht.
Zunächst werden hierzu die zentralen Begrifflichkeiten Börsengang und Finanzmediäre näher betrachtet. Der anschließenden Untersuchung der Funktionen der Intermediäre geht eine Darstellung der Probleme voraus, die ohne ihre Einschaltung im Rahmen des Börsengangs auftreten.
Zuletzt wird betrachtet, welche möglichen Funktionsstörungen durch das Hinzuziehen von Finanzintermediären wiederum auftreten können. Schlussendlich folgt ein kurzes Fazit über die erarbeiteten Funktionen und Funktionsstörungen von Finanzintermediären im Rahmen des Börsengangs.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft
2.2 Finanzintermediäre
3 Die Rolle von Finanzintermediären bei Börsengängen
3.1 Probleme bei einer Selbstemission
3.2 Funktionen des Konsortiums
3.2.1 Risikoübernahme
3.2.2 Emissionskredit
3.2.3 Platzierungsfunktion
3.2.4 Technische Durchführungsfunktion
3.2.5 Wechselwirkungen der Funktionen
3.3 Funktionsstörungen durch Fremdemissionen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rollen und Funktionen von Finanzintermediären bei Börsengängen deutscher Aktiengesellschaften, wobei insbesondere analysiert wird, inwieweit diese Akteure auftretende Probleme bei Selbstemissionen lösen oder neue Herausforderungen generieren können.
- Grundlagen des Börsengangs und Rolle der Finanzintermediäre
- Problemanalyse bei Selbstemissionen (Informationsasymmetrien)
- Leistungsarten von Bankenkonsortien (Risikoübernahme, Platzierung etc.)
- Wechselwirkungen und Funktionsstörungen durch Fremdemissionen
- Ökonomische Beurteilung der Einschaltung von Intermediären
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Risikoübernahme
Eine Leistung des Konsortiums ist die Übernahme des Emissionsrisikos, welches im Nicht-Absatz besteht. Hierzu lassen sich verschiedene Formen von Konsortien nach dem Umfang der Allokation des Risikos unterscheiden. Die am häufigsten vorkommenden werden hier näher betrachtet.
Das reine Begebungskonsortium verfolgt ausschließlich den Zweck, die Aktien in den Verkehr zu bringen. Der Erlös fließt dem Emittenten zu. Die Banken übernehmen hierbei kein Risiko. Somit ist das Konsortium für die technische Abwicklung verantwortlich, während das Platzierungsrisiko beim Emittenten verbleibt.
Das Gegenstück dazu ist das reine Übernahmekonsortium. Dieses Konsortium erwirbt die Aktien vollständig, wodurch jene zunächst im Aktivportfolio der Bank verbleiben oder beim Anlegerpublikum untergebracht werden. Das Platzierungsrisiko liegt in diesem Fall vollständig bei dem Konsortium.
Das Einheitskonsortium stellt eine Kombination aus den beiden zuvor genannten Konsortien dar. Das Konsortium erwirbt die Aktien vom Emittenten, um sie anschließend für eigene Rechnung und in eigenem Namen an die Anleger weiter zu veräußern. Auch hier liegt das Emissionsrisiko bei den Banken.
Ein Garantiekonsortium verpflichtet sich dazu, die Aktien, die nicht bei Anlegern untergebracht werden können, zu einem vorher festgelegten Preis zu übernehmen. So wird das Liquiditätsrisiko zwischen Emittent und Konsortium aufgeteilt, denn für den Emittenten ist sicher, dass er den gesamten Emissionserlös erhält, jedoch erst nach der Platzierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation dar, Finanzintermediäre bei Börsengängen zu untersuchen, und formuliert die Forschungsfrage bezüglich deren Beitrag zur Problemlösung oder -entstehung.
2 Grundlagen: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Börsengang und Finanzintermediäre und legt die theoretischen Voraussetzungen für die weitere Untersuchung dar.
3 Die Rolle von Finanzintermediären bei Börsengängen: Dieser Hauptteil analysiert die Probleme bei Selbstemissionen, die spezifischen Funktionen von Bankenkonsortien sowie potenzielle Funktionsstörungen bei Fremdemissionen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Einschaltung von Finanzintermediären vor dem Hintergrund potenzieller Interessenkonflikte und Informationsasymmetrien.
Schlüsselwörter
Börsengang, Aktiengesellschaft, Finanzintermediäre, Emission, Selbstemission, Fremdemission, Konsortium, Risikoübernahme, Emissionskredit, Platzierungsfunktion, Asymmetrische Information, Moral Hazard, Adverse Selektion, Underpricing, IPO
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktionen und Rollen von Finanzintermediären, insbesondere Banken, bei Börsengängen von Unternehmen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Börsengängen, die Problematik bei Selbstemissionen, die verschiedenen Leistungen von Bankenkonsortien sowie die Auswirkungen durch die Einschaltung Dritter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Finanzintermediäre Probleme des Börsengangs lösen können und welche neuen Risiken oder Funktionsstörungen durch ihre Beteiligung entstehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer systematischen Darstellung der ökonomischen Funktionen von Finanzintermediären im IPO-Prozess.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Probleme bei Selbstemissionen, die Aufgabenbereiche von Konsortien wie Risikoübernahme und Platzierung sowie das Problem des Underpricing und der Interessenkonflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Börsengang, Finanzintermediäre, Konsortium, Emissionsrisiko, Platzierungsfunktion, Informationsasymmetrie, Adverse Selektion und Moral Hazard.
Was ist der Unterschied zwischen einem Begebungs- und einem Übernahmekonsortium?
Im Begebungskonsortium übernehmen die Banken kein Platzierungsrisiko, während beim Übernahmekonsortium die Banken die Aktien vollständig erwerben und somit das gesamte Platzierungsrisiko tragen.
Wie trägt ein Bankenkonsortium zur Signalwirkung bei?
Durch den sogenannten Emissionskredit signalisieren renommierte Banken dem Markt die Qualität des Emittenten, was das Vertrauen der Anleger stärkt und Informationskosten senkt.
Was versteht man in diesem Kontext unter dem Problem des Moral Hazard?
Es beschreibt das Risiko, dass Banken nach Vertragsabschluss aufgrund asymmetrischer Informationen oder eigener Interessen (z.B. Underpricing für leichtere Platzierung) Handlungen vornehmen, die den Interessen des Emittenten widersprechen.
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- Friedrich Steinberg (Author), 2015, Funktionen von Finanzintermediären beim Börsengang einer deutschen Aktiengesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354162