Diese Arbeit beschäftigt sich damit, ob sich unterschiedliche Wohlfahrtsregime durch den entstandenen Globalisierungsdruck annähern. Vermutet wird dabei ein „race to the bottom“, also ein Wettlauf nach unten bei der Absicherung, verursacht durch eine Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Kapitalseite. Diese Verschiebung resultiert aus einem, durch die Globalisierung entstandenen, Standortwettbewerb, der die Staaten dazu zwingt, attraktive wirtschaftliche Bedingungen auf Kosten der sozialen Sicherung der Bevölkerung zu schaffen.
Ob ein wohlfahrtsstaatlicher Rückbau festgestellt werden kann, soll durch den Vergleich der Länder Deutschland, Großbritannien und Schweden im Bereich der Arbeitsmarktpolitik geprüft werden. Untersucht werden sowohl Einschnitte in der passiven Leistungserbringung im Falle von Erwerbslosigkeit als auch die Entwicklung im Bereich der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik. Diese Fallauswahl ist deshalb getroffen worden, da diese Länder jeweils ein unterschiedliches Wohlfahrtsregime repräsentieren, wie von Gøsta Esping-Andersen 1990 in seinem Werk „The Three Worlds of Welfare Capitalism“ eingeführt.
Der folgende erste inhaltliche Abschnitt dieser Arbeit soll sich einem kurzen Abriss der historischen Entstehung und Expansion von Wohlfahrtsstaatlichkeit sowie der bedeutenden typologischen Einordnung von Gøsta Esping-Andersen widmen. Das dritte Kapitel befasst sich dann mit dem Phänomen der Globalisierung und den unterschiedlichen, in der Wissenschaft vertretenen, Meinungen zu deren Auswirkung auf entwickelte Wohlfahrtsstaaten. Im vierten Kapitel dieser Arbeit werden dann die aufgestellten Hypothesen und das methodische Vorgehen zur Überprüfung dieser näher erläutert, bevor dann im Hauptteil die arbeitsmarktpolitischen Reformen der Untersuchungsländer qualitativ miteinander verglichen werden.
In einem kurzen Zwischenfazit werden dann die ersten Schlussfolgerungen aus der qualitativen Analyse gezogen, bevor dann im letzten inhaltlichen Abschnitt, zur Schaffung einer besseren Beurteilungsgrundlage, auch quantitative Kennwerte in die Untersuchung einbezogen werden. Abschließend werden dann die Erkenntnisse der qualitativen und der quantitativen Analyse miteinander verknüpft um im Fazit eine Aussage zu den eingangs aufgestellten Hypothesen treffen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wohlfahrtsstaatlichkeit: Einführung
2.1 Definition und historische Entwicklung
2.2 Theorien wohlfahrtsstaatlicher Entwicklung
2.3 Esping-Andersen: The Three Worlds Of Welfare Capitalism
3. Globalisierung
3.1 Globalisierung: Begriff und Definition
3.2 Globalisierungseffekte: Meinungen und Stand der Forschung
3.3 Auswirkungen auf westeuropäische Arbeitsmärkte
4. Hypothesen und methodisches Vorgehen
5. Arbeitsmarktreformen im Vergleich
5.1 Schweden
5.2 Großbritannien
5.3 Deutschland
5.4 Zwischenfazit qualitative Analyse
6. Vergleich quantitativer Kennwerte
7. Fazit: Pfadabhängigkeit oder Konvergenz?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob der durch die Globalisierung verursachte Standortwettbewerb zu einem "race to the bottom" führt, der einen wohlfahrtsstaatlichen Rückbau in den Ländern Deutschland, Großbritannien und Schweden zur Folge hat. Dabei wird analysiert, ob eine Konvergenz der unterschiedlichen Wohlfahrtsregime in Richtung einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik (Workfare) feststellbar ist.
- Analyse wohlfahrtsstaatlicher Theorien (insb. Gøsta Esping-Andersen).
- Untersuchung der Globalisierungseffekte auf nationale Sozialpolitiken.
- Qualitativer Vergleich arbeitsmarktpolitischer Reformen in den drei Untersuchungsländern.
- Statistische Prüfung von Konvergenztendenzen mittels quantitativer Kennwerte.
- Beurteilung des Wandels vom Wohlfahrtsstaat zum "Workfare State".
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Wohlfahrtsstaatlichkeit ist heutzutage ein zentrales Strukturmerkmal aller fortgeschrittenen Demokratien geworden. Von Altbundeskanzler Helmut Schmidt vor einiger Zeit als „größte kulturelle Leistung, die wir Westeuropäer im 20. Jahrhundert zustande gebracht haben“ bezeichnet, wird dieser Typ von Staatlichkeit mittlerweile auch in vielen Ländern außerhalb der OECD-Welt eingeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg hat der Wohlfahrtsstaat wichtige Integrationsleistungen vollbracht, indem er Demokratie und Marktwirtschaft stabilisierte und legitimierte und gesellschaftliche Teilhabechancen in einem bislang unbekannten Ausmaß mit sich brachte.
Eine ausgebaute Sozialpolitik zählt, zusammen mit einer demokratischen Verfassung und Marktwirtschaft, zu den wesentlichen Merkmalen der wirtschaftlich entwickelten westlichen Länder. Doch die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert. Vielfältige neue Herausforderungen und Problemlagen sind entstanden (Busemeyer et al. 2013: 13-14; Schmidt 2005: 11). Eine der größten dieser Herausforderungen dürfte die Globalisierung mit all ihren Wirkungen und Konsequenzen sein. Unter vielen Ökonomen herrscht Einigkeit darüber, dass die Globalisierung Staaten dazu zwinge, den Sozialstaat billiger zu machen (Hass 2007: 7). Doch was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff Globalisierung? Dieser ist heute sowohl aus der Alltagssprache als auch aus dem wissenschaftlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz des Wohlfahrtsstaates und die Problemstellung durch den Globalisierungsdruck sowie Vorstellung der Untersuchungsziele.
2. Wohlfahrtsstaatlichkeit: Einführung: Theoretischer Abriss über historische Entwicklungen und zentrale Typologien wohlfahrtsstaatlicher Modelle.
3. Globalisierung: Definition und Diskussion unterschiedlicher wissenschaftlicher Positionen zu den Auswirkungen der Globalisierung auf entwickelte Wohlfahrtsstaaten.
4. Hypothesen und methodisches Vorgehen: Formulierung der Arbeitshypothesen H1 und H2 sowie Erläuterung der qualitativen und quantitativen Untersuchungsmethodik.
5. Arbeitsmarktreformen im Vergleich: Detaillierte qualitative Untersuchung und Vergleich der arbeitsmarktpolitischen Reformen und des Wandels zum "Workfare State" in Schweden, Großbritannien und Deutschland.
6. Vergleich quantitativer Kennwerte: Empirische Überprüfung der Ausgabenstruktur für passive Arbeitsmarktpolitik und der Nettolohnersatzraten zur Konvergenzmessung.
7. Fazit: Pfadabhängigkeit oder Konvergenz?: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der Entwicklung der Untersuchungsländer unter Globalisierungsdruck.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Globalisierung, Arbeitsmarktpolitik, Workfare, Konvergenz, Dekommodifizierung, Stratifizierung, Reformpolitik, Sozialpolitik, Pfadabhängigkeit, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Aktivierung, Standortwettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung wohlfahrtsstaatlicher Systeme unter dem Einfluss der fortschreitenden Globalisierung.
Welche Länder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf einen Vergleich zwischen Deutschland, Großbritannien und Schweden.
Was ist das zentrale Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob die Globalisierung einen Rückbau wohlfahrtsstaatlicher Leistungen erzwingt und ob sich die verschiedenen Wohlfahrtsregime in Richtung eines gemeinsamen Konvergenzmodells angleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert einen qualitativen Vergleich der arbeitsmarktpolitischen Reformprozesse mit einer quantitativen statistischen Analyse von Kennwerten wie Sozialausgaben und Nettolohnersatzraten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reformen im Bereich der passiven Arbeitslosensicherung und den Wandel hin zu einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik (Workfare) in den drei genannten Ländern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Zentrale Begriffe sind neben Globalisierung und Wohlfahrtsstaat insbesondere "Dekommodifizierung", "Workfare", "Konvergenz" und "Pfadabhängigkeit".
Warum wurde gerade die Arbeitsmarktpolitik als Untersuchungsfeld gewählt?
Die Arbeitsmarktpolitik ist besonders anfällig für den internationalen Standortwettbewerb und zeigt deutlich den Konflikt zwischen sozialer Absicherung und wirtschaftlicher Flexibilisierung.
Bestätigen die Ergebnisse eine Konvergenz?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass in allen drei Ländern ein Rückbau im Bereich der passiven Arbeitsmarktpolitik und eine verstärkte Ausrichtung auf aktivierende Elemente stattgefunden hat, was auf einen Konvergenzprozess hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Arbeitsmarktpolitik im wohlfahrtsstaatlichen Vergleich. Pfadabhängigkeit oder Konvergenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354226