Mascha Kaléko. Biographische Deutung ausgewählter Gedichte


Ausarbeitung, 2017

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie
2.1 Kindheit
2.2 Jugend- und Studienjahre in Berlin
2.3 Exil in Amerika
2.4 Rückkehr nach Deutschland, Wiederveröffentlichungen
2.5 Leben in Jerusalem, Israel

3. Literarische Einordnung

4. Deutung ausgewählter Gedichte im Hinblick auf die Biographie der Autorin
4.1 Für Einen (aus „das lyrische Stenogrammheft“)
4.2 Elegie für Steven (aus „In meinen Träumen läutet es Sturm“)
4.3 Keiner wartet (aus „In meinen Träumen läutet es Sturm“)

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang:

1. Einleitung

Die vorliegende Facharbeit beabsichtigt, eine biographische Deutung der Dichterin Mascha Kaléko vorzunehmen. Dies soll insbesondere anhand ausgewählter Gedichte aus dem Gedichtband „In meinen Träumen läutet es Sturm“ sowie der Dichtung „Für Einen“ erfolgen.

Zunächst wird eine chronologische Biographie geboten, welche den privaten und beruflichen Werdegang der Dichterin wiedergeben wird. Auf diese Weise soll bereits eine erste und gleichzeitig umfassende Vorstellung vom Lebensgang der Dichterin geliefert werden. Dies ist aus dem Grund von Bedeutung, da sowohl das Leben als auch Werke der jüdisch-stämmigen Lyrikerin vom Aufenthalt in unterschiedlichen Städten und Ländern, wie New York in den Vereinigten Staaten, Berlin in Deutschland sowie Jerusalem in Israel möglicherweise geprägt sein könnten.[1] Insoweit wird die Biographie in die entscheidenden Lebensstationen von Mascha Kaléko – ihrer Kindheit in Galizien, der jüngeren Jahre in Berlin, der Zeit des Exils in den Vereinigten Staaten, der Rückkehr nach Deutschland sowie ihrem Lebensabend in Israel – gegliedert.

Im Anschluss daran wird die Dichterin im Hinblick auf die Merkmale ihrer Werke sowie ihre Schreibweise charakterisiert.

Des Weiteren sollen ausgewählte Gedichte aus dem Gedichtband „In meinen Träumen läutet es Sturm“ sowie die Dichtung „Für Einen“ in Bezug auf die Biographie und Mascha Kalékos Gemütszustand zum Zeitpunkt des Verfassens ihrer Dichtungen interpretiert werden.

Zuletzt werden die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst.

2. Biographie

Zu Beginn erfolgt wie bereits erwähnt eine Biografie der Autorin in chronologischer Weise, beginnend mit ihrer Kindheit.

2.1 Kindheit

Mascha Kaléko wird am 7. Juni 1907 im west-galizischen Chrzanów, 20 Kilometer östlich von Auschwitz sowie 40 Kilometer westlich vom schlesischen Krakau im heutigen Süden Polens, als Golda Malka Aufen in eine jüdische Familie hineingeboren. Während ihr Vater, Fischel Engel, russischer Staatsbürger und Kaufmann ist, stammt ihre Mutter, Rozalia (Rosa) Chaja Raisel Aufen aus dem österreichischen Mähren und ist gemäß ihrer Geburtsurkunde berufslos. Zwar wird das noch junge Pärchen, beide sind bei Maschas Geburt 23 Jahre alt, entsprechend des jüdischen Glaubens vor einem Rabbiner getraut, doch wird Mascha noch vor der Eheschließung und somit als uneheliches Kind geboren, was Kaléko im Laufe ihres Lebens lange nicht offenbart. Dass bezüglich ihrer Kindheit kaum offizielle Dokumente in deutscher Sprache vorliegen, ist beispielshaft daran erkennbar, dass erst ihre deutschsprachige Geburtsurkunde kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, 1938, Fischer Engel als ihren Vater ausgibt. Die damalige Industrialisierung, welche auch nicht vor dem damals österreich-ungarischen Galizien Halt macht, treibt den Großteil der Kaufmänner zu dieser Zeit in große Armut, sodass der Vater gezwungen ist, häufig auf Geschäftsreisen zu gehen und Mascha ihn kaum zu sehen bekommt. Dementsprechend ist die Kalékos Lebenssituation während ihrer Kindheit in erster Linie aus ihren Gedichten zu entnehmen. In Ihrem Gedicht „Hätte ich einen Vater gehabt“ offenbart sie durch die Metapher „Fremde gegen ein Monatsgehalt bevölkerten meine Kindheit“ sowie der Information „Emma bewachte die Masern und Minna verband mir die Hände“ geht hervor, dass die Familie einerseits über ein ausreichendes Vermögen verfügte und andererseits sich Kindermädchen leisten konnten, welche sich jedoch überwiegend um die junge Mascha kümmerten. Dank der Kindermädchen, welche aus Berlin stammen und ihr Lieder vorsingen, erlernt die schnell reifende Mascha bereits Deutsch. Im Gegensatz zu ihrer ruhigeren und gehorsamen, kleineren Schwester Lea liebt sie die Freiheit, wird von ihrer Mutter als schwer erziehbar empfunden und läuft aus diesem Grund mehrmals von zu Hause weg. Aus dem oben genannten Gedicht geht ebenfalls hervor, dass die Mutter ebenfalls wenig Zeit zu Hause verbrachte, da sie bei Tante Li war.[2]

Bereits mit sieben Jahren flieht Mascha wenige Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, 1814, gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester Lena aus Galizien nach Deutschland, um einem möglichen Pogrom zu entfliehen. Während Mascha in Frankfurt a. M. auf die Volksschule geht, wird ihr Vater wegen seiner russischen Staatsbürgerschaft interniert, d. h. in staatlichen Gewahrsam genommen[3]. Unter verhältnismäßig armen Verhältnissen zieht sie mit Mutter und Schwester zunächst 1816 nach Marburg und bereits zwei Jahre darauf in das Scheunenviertel der Spandauer Vorstadt nach Berlin.[4]

2.2 Jugend- und Studienjahre in Berlin

Mascha besucht, in erster Linie aufgrund ihres jüdisch-orthodoxen bzw. streng-gläubigen Vaters, die jüdische Mädchenschule in der Kaiserstraße in Berlin-Mitte. Zu diesem Zeitpunkt versucht Kaléko wiederholt heimlich an der Schreibmaschine ihres Vaters zu tippen und die ihr wichtigen Gedankengänge niederzuschreiben. In ihrem Gedicht „Einem Kinde im Dunkeln“ wird ihr enges Verhältnis zu ihrer 1920 geborenen Schwester Rachel, die Puttel genannt wird, deutlich. Vier Jahre danach beginnt sie eine Bürolehre im Arbeiter-Fürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands in Berlin-Mitte, mit welcher Tätigkeit sie lediglich ihren Unterhalt verdient und diese gleichzeitig als sehr eintönig empfindet. Die hübsche Kaléko beobachtet zu dieser Zeit sehr viel das Großstadtleben, was sie im Gedicht „Großstadtliebe“ aus ihrer ersten lyrischen Veröffentlichung aus dem Jahre 1933, „Das lyrische Stenogrammheft“[5], wiedergibt, welches im damals sehr begehrten Rowohlt Verlag erscheint, in dem Werke bekannter Namen wie Kurt Tucholsky, Hans Fallada und Joachims Ringelnatz publiziert werden. 1928 heiraten Mascha Engel und Saul Kaléko, ein Sprachwissenschaftler und -lehrer, den Mascha möglicherweise in den Jahren zuvor als Gasthörerin von Vorlesungen in Psychologie und Philosophie kennenlernt.[6]

Ebenfalls in dieser Zeit gelangt sie ins berlinerische Avantgarde-Milieu und lernt lyrische Größen wie Joachim Ringelnatz und Else-Lasker-Schüler kennen. Sie publiziert erste Dichtungen in der Zeitung Querschnitt sowie der Vossichen Zeitung und studiert unter anderem an der Reimann-Schule in Berlin Werbung und Publicity-Schreiben.[7]

2.3 Exil in Amerika

Im Jahre 1938 ist Kaléko bereits seit Längerem von ihrem Ex-Mann getrennt. Ihre Scheidung erfolgt Anfang 1938, woraufhin sie einige Tage später ihren neuen Partner Chemjo Vinaver, einen polnisch-stämmigen Musikwissenschaftler und Dirigenten, heiratet, welcher ebenfalls der Vater ihres 1936 geborenen Sohnes Evjatar Alexander Michael ist. Gerade noch zeitig wandern Kaléko, ihr Sohn und Vinaver im September 1938 nach Amerika aus und entgehen der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Während Vinavers beruflich keinen Erfolg hat, ist es Kaléko, die ihren Namen als Künstlernamen beibehalten hat, welche die „Familienernährerin“ ist. Während ihres Aufenthalts in New York, als der Zweite Weltkrieg gerade tobt, verfasst sie hauptsächlich Gedichte für Kinder und Werbetexte. Außerdem publiziert sie.[8]

In dieser Zeit vernachlässigt sie eher ihre eigene literarische Arbeit zugunsten der musikalischen Karriere ihres Ehemanns und ihres Sohnes, den sie in Amerika nun „Steven“ nennen. Der Versuch Vinavers, in Hollywood (Los Angeles) Fuß zu fassen, geht schief, sodass die Familie nach New York zurückkehrt und statt nach Manhattan, ihrem ersten Wohnsitz, nun nach Greenwich Village zieht, wo Kaléko deutsche Texte in der jüdischen Exilzeitung „Aufbau. The Transatlantic Jewish Paper“ und über das Leben osteuropäischer Einwanderer in Manhattan schreibt. Zu dieser Zeit klingen ihre Werke weitaus ernster und behandeln gleichsam religiöse Themen. Gleichzeitig wird ihre große Sehnsucht nach Deutschland sehr deutlich. Mitte der 1940er wird ihr Ehemann herzkrank, aus welchem Grund sie 1945 „Memento“, ein Gedicht aus ihrem Gedichtband „Verse für Zeitgenossen“ verfasst. Im selben Jahr erlangt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft.[9] Im Jahre 1944 hört sie auf, Tagebuch zu schreiben, bis sie kurz vor ihrem Tod wieder damit anfängt.[10]

2.4 Rückkehr nach Deutschland, Wiederveröffentlichungen

Ihr zum Ende des Zweiten Weltkrieges veröffentliche Gedichtband „Verse für Zeitgenossen“ ist von Liebesgedichten, kritischen Dichtungen sowie auch ihrem teilweise typischen ironischen, gewitzten Stil geprägt. Nach Zusendung des Werkes an Thomas Mann, der nun ebenfalls in Kalifornien im Exil ist, erhält sie von ihm hohe Anerkennung. Gleichzeitig bittet er sie darum, ihre Gedichte doch ebenfalls in Deutschland veröffentlichen zu lassen.[11]

Ohne Mann und Sohn kehrt sie 1955 für eine längere Reise nach Deutschland zurück, um dort für ihre Werke zu werben, diese auf dem deutschen Büchermarkt veröffentlichen zu lassen und mögliche Kontakte zu knüpfen. Da sie während ihrer Rückreise mit dem Schiff über 80 Briefe und Postkarten an Vinaver verfasst, sind aus dieser Periode die meisten Dokumente von Kaléko erhalten geblieben.[12] Im Rowohlt-Verlag, wo ihr „lyrisches Stenogrammheft“ bereits das erste Mal veröffentlicht worden war, wird es 1956 erneut im gleichen Verlag verlegt, womit es bereits nach zwei Wochen auf der Bestsellerliste landet. Bei der Neuauflage bittet sie weder Geburtsdatum noch Geburtsort zu drucken und gibt ein falsches Geburtsjahr, 1912, an. Dies lässt darauf schließen, dass Kaléko, die bis dahin ihre Abstammung verschleiert hatte, ihre galizische Herkunft nicht preisgeben wollte, sei es, dass sie Angst hatte oder sich dafür schämte.[13] Die Dichterin besucht nach Hamburg, wo sie den Rowohlt-Verlag aufsucht, weitere Großstädte wie München und Frankfurt a. M., wo sie Lesungen hält und weiter für ihre Werke wirbt. Zuletzt kehrt sie ebenfalls nach Berlin zurück, wo sie die ehemalige Wohnung ihrer Jugendzeit besucht. Das Berlin dieser Zeit hat sich jedoch extrem verändert und entspricht längst nicht mehr ihrer Vorstellung.[14]

Die Verleihung des Fontanepreises für Literatur seitens der Akademie der Künste nimmt Mascha Kaléko nicht an, da es sich ihrer Ansicht nach bei einem Mitglied der Jury, Hans Egon Holthusen, um ein ehemaliges SS-Mitglied handelt.[15]

[...]


[1] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 6f.

[2] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 15ff.

[3] Vgl. Online Duden (2016): Stichwort: internieren. URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/internieren Zugriff am 02.02.17.

[4] Vgl. William, J. M.: Beyond „Everyday Poetry“. The Life and Works of Mascha Kaléko. In: Shofar. An Interdisciplinary Journal of Jewish Studies, Herbst 2008, Band 27, Nr. 1, S. 80.

[5] Vgl. Kaléko, M. (2016): Das lyrische Stenogrammheft. 39. Auflage. München: dtv, S. 20.

[6] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 25ff.

[7] Vgl. Kuhfuss-Wickenheiser, S. (2009): Die Reimann-Schule in Berlin und London. 1902-1943: Ein jüdisches Unternehmen zur Kunst- und Designausbildung internationaler Prägung bis zur Vernichtung durch das Hitlerregime. Aachen: Shaker Media, S. 540.

[8] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 73ff.

[9] Vgl. Heid, L.: Mascha Kaléko. In: Jewish Women’s Archive. Encylopedia. URL: https://jwa.org/encyclopedia/article/Kal%C3%A9ko-Mascha Zugriff am 02.02.17.

[10] Vgl. William, J. M.: Beyond „Everyday Poetry“. The Life and Works of Mascha Kaléko. In: Shofar. An Interdisciplinary Journal of Jewish Studies, Herbst 2008, Band 27, Nr. 1, S. 81. S. 80-83.

[11] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 97f.

[12] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 117ff.

[13] Vgl. Heid, L.: Mascha Kaléko. In: Jewish Women’s Archive. Encylopedia. URL: https://jwa.org/encyclopedia/article/Kal%C3%A9ko-Mascha Zugriff am 02.02.17.

[14] Vgl. Rosenkranz, J. (2016): Mascha Kaléko: Biografie. 5. Auflage. München: dtv, S. 135.

[15] Vgl. Heid, L.: Mascha Kaléko. In: Jewish Women’s Archive. Encylopedia. URL: https://jwa.org/encyclopedia/article/Kal%C3%A9ko-Mascha Zugriff am 02.02.17.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Mascha Kaléko. Biographische Deutung ausgewählter Gedichte
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V354264
ISBN (eBook)
9783668411616
ISBN (Buch)
9783668411623
Dateigröße
1273 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mascha, kaléko, biographische, deutung, gedichte
Arbeit zitieren
Pirooz Pejman (Autor), 2017, Mascha Kaléko. Biographische Deutung ausgewählter Gedichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354264

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