Abraham Lincoln und das politische Kalkül hinter der Emancipation Proclamation

Hürden auf dem Weg zur Emanzipation der Sklaven der Vereinigten Staaten von Amerika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Forschungsstand

2. Hürden auf dem Weg zur Emancipation Proclamation
2.1. Gedankliche Hürden
2.2. Politisch-militärische Hürden
2.3. Juristische Hürden

3. Schlussbetrachtung

Literatur

1. Einleitung

1.1. Hinführung zum Thema

Zu Neujahr 1863, inmitten des Amerikanischen Bürgerkrieges, veröffentlichte Präsident Abraham Lincoln die Emancipation Proclamation und befreite die Sklaven der rebellierenden Südstaaten der Vereinigten Staaten, auch wenn diese nicht mehr unter Lincolns Einfluss standen.[1] Er griff dabei auf den zweiten Artikel der Verfassung zurück, aber erst als eine „militärische Notwendigkeit“ dazu bestand. Vorgänger der präsidentiellen Proklamation waren die beiden Confiscation Acts, welche sich mit den Eigentumsrechten im Kriegsfalle befassten. Der Proklamation folgten drei Verfassungszusätze, die vom Kongress in den Jahren nach dem Bürgerkrieg ratifiziert wurden. Der 13. Zusatz schaffte die Sklaverei im Dezember 1865 ab, der 14. Zusatz sorgte ab Juli 1868 für die Gleichheit aller vor dem Gesetz, für das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren und für die Staatsbürgerschaft der befreiten Sklaven und ihrer Nachkommen und der 15. Zusatz, der erst im Februar 1870 ratifiziert wurde, sollte ihnen das Wahlrecht garantieren, was jedoch erst rund ein Jahrhundert später geschah, nachdem Wahlsteuern, Sprachtests und ähnliche Hürden abgeschafft worden waren.

Die vorliegende Arbeit wird untersuchen, welche Hürden der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Weg zur Beendigung der Sklaverei in der Zeit bis zur Veröffentlichung der Proklamation überwinden musste und wie dies in der heutigen Forschung reflektiert wird.

Der Hauptteil dieser Arbeit soll sich thematisch anstatt chronologisch untergliedern, um einen besseren Überblick herzustellen und den Faden der verstrickten Ereigniskette zu lösen, die zur Emanzipation der Sklaven der Vereinigten Staaten geführt hat.

Hierfür wird in drei Blöcke unterteilt: Gedankliche Hürden, politisch-militärische Hindernisse und Hemmnisse juristischer Natur.

1.2. Forschungsstand

In der aktuellen Forschungsdebatte findet sich eine Vielzahl an Arbeiten zur Emancipation Proclamation. Barry Schwartz führt in seinem Aufsatz die Forschungsergebnisse seiner Kollegen zusammen und spielt ein kontrafaktisches Szenario an, um Lincolns Zweifel und die Zufälligkeit des Erscheinens der Proklamation darzustellen.[2] Eine populärwissenschaftliche Untersuchung, die sich ebenfalls mit den Bedenken des Präsidenten in dem halben Jahr vor Veröffentlichung der finalen Emancipation Proclamation beschäftigt, bietet Todd Brewster.[3] In „Freedom National: The Destruction of Slavery in the United States, 1861-1865“ von James Oakes widmet dieser ein Kapitel seiner Monographie ausschließlich der Proklamation.[4] Eine ganzheitliche Untersuchung von Text, Kontext und Erinnerung der Emancipation Proclamation bietet Harold Holzer, wobei hier die ersten beiden Kapitel den Text und den Kontext der Proklamation untersuchen.[5] Auch Louis P. Masur hat eine umfangreiche Arbeit zur Emancipation Proclamation angefertigt, in welcher er die politischen Probleme und persönlichen Zweifel Lincolns, die mit der Proklamation einhergegangen sind, genauer untersucht.[6] Der Politik- und Verfassungshistoriker Mark Neely Jr. bearbeitet die Proklamation ebenfalls in einem gesonderten Kapitel seiner Veröffentlichung.[7] Die Verfassungsmäßigkeit und die Auswirkungen hat James A. Dueholm erörtert.[8] Die Beziehung zwischen dem 16. Präsidenten der USA und dem Abolitionisten Frederick Douglass und den Fatalismus Lincolns erörtert James Oakes.[9] Unter dem law of war betrachtet Burrus M. Carnahan den Erlass.[10] Nicht zuletzt geht Douglas L. Wilson auf die Besonderheiten des Wortlautes des Dekrets in einem eigenen Kapitel ein.[11]

2. Hürden auf dem Weg zur Emancipation Proclamation

2.1. Gedankliche Hürden

„Viewed from the genuine abolition ground, Mr. Lincoln seemed tardy, cold, dull, and indifferent; but measuring him by the sentiment of his country, a sentiment he was bound as a statesman to consult, he was swift, zealous, radical, and determined .[12]

Dieses Zitat fasst die Kluft, die Abraham Lincoln und mit ihm die gesamte Union vor der Veröffentlichung der Emancipation Proclamation zu überwinden hatte, in einem einzigen Satz zusammen: Um auf die einschneidende Veränderung durch die Emanzipationsproklamation im Januar 1863 vorzubereiten, musste er ein Motiv mit ausreichender Überzeugungskraft finden, um die Meinungen von Abolitionisten, Republikanern, Demokraten, Konservativen, Befürwortern der Sklaverei, Soldaten und der Öffentlichkeit zu verbinden. Hinzu kam noch Folgendes: „No one was more sceptical of the Emancipation Proclamation than the president who issued it.”[13] Nicht nur sein Volk und seine politischen Gegner standen der Emanzipation der Sklaven und damit der Beendigung der Sklaverei skeptisch gegenüber, sondern auch er selbst, dies machen Oakes und andere Autoren deutlich.[14] Die Skepsis Lincolns ist allerdings zweideutig – es stellt sich die Frage, ob er an der Moral der Proklamation oder an ihrer Rechtsgültigkeit zweifelte. Die meisten Historiker sind der Meinung, dass er keine moralischen Zweifel hatte,[15] wogegen sich Barry Schwartz stellt, der meint, dass Lincoln mit fortdauerndem Krieg immer stärker an der Emanzipation gezweifelt habe, also nicht an seiner Emancipation Proclamation, sondern an der Befreiung selbst.[16] Er macht dies daran fest, dass für den Präsidenten Emanzipation erst nach der Sezession dringlich wurde und zieht daraus die Schlussfolgerung, dass Lincoln den Fortbestand der Sklaverei akzeptiert hätte, wenn die Südstaaten der Union treu geblieben wären und nicht auf eine Ausweitung der Peculiar Institution bestanden hätten.[17] Die Rechtskraft des Dokumentes soll allerdings erst später näher untersucht werden, wo auch aufgezeigt werden wird, wann Lincolns Zweifel an der Emanzipation endeten – nämlich mit dem Vorschlag des 13. Verfassungszusatzes – so jedenfalls Barry Schwartz.[18]

Auf der Suche nach dem Element, das alle Parteien verbände, setzte Lincoln sich mit deren Meinungen und Argumenten auseinander, um einerseits ihre Gesinnung und andererseits ihre Argumente zu überprüfen, um herauszufinden, ob er einen Konsens schaffen könnte. Einige Forscher sind der Meinung, der Krieg habe sich mit der Emanzipationsproklamation von einem Krieg zur Wiederherstellung der Union hin zum Emanzipationskrieg verändert,[19] andere zweifeln an, dass es überhaupt eine Veränderung gab[20] und wieder andere sind der Meinung, es habe nie eine solche Veränderung des Ziels gegeben, sondern lediglich die Mittel zum Zweck hätten sich verändert.[21] Ob sich das Kriegs ziel nun verändert hat oder nicht, es hat trotzdem einen Wandel in der Denkweise der Bürger des Nordens und der Unionpolitiker gegeben – nämlich hin zur Emanzipation. Oft wurde Lincoln der Titel „ Great Emancipator “ verliehen, doch mit Blick auf seine Zweifel an der Proklamation zu Recht mit einer gewissen Skepsis gesehen, wofür bspw. Schwartz gute Beispiele findet.[22] Dass Lincoln über mehrere Lösungsansätze nachgedacht hat, um seine Ziele zu erreichen, ist für die meisten Forscher evident, denn er wird zumeist als Pragmatiker bezeichnet und hat somit stets den Weg gesucht, den die meisten mitgehen würden. Holzer meint auf die Frage, warum Abraham Lincoln die Proklamation nicht früher herausgegeben habe, dass dies aus mehreren Gründen sinnvoll gewesen sei, da ihm zu Beginn des Krieges nicht nur die öffentliche (also jene vom Volk), sondern auch die Unterstützung anderer politischer Parteien fehlte. Die policy Lincolns selbst bezeichnet er zudem als „often [...] practical and uninspiring .[23]

Lincolns private, persönliche Meinung bzgl. Sklaverei und Emanzipation spielte im Zuge seiner politischen Arbeit eine geringere Rolle als seine Verfassungstreue.[24] Außerdem befürchtete er, dass der Oberste Gerichtshof entweder die Proklamation für null und nichtig erklären würde[25] oder sich weitere Staaten der Konföderation anschließen könnten.[26] Die erste Befürchtung gründete sich auf einer Personalie, da dem Supreme Court erst nach dem Tode Roger B. Taneys ein von Lincoln eingesetzter Jurist vorsaß, nämlich Salmon P. Chase ab Dezember 1864. Sein Wille, die Öffentlichkeit auf die Emanzipation vorzubereiten war laut Guelzo auch ein Charakteristikum seiner Arbeit.[27]

Es gibt weitere, in der Forschung oft besprochene Themen, die erkennen lassen, dass Lincoln bis zur Veröffentlichung der Proklamation keinen grundlegenden gedanklichen Wandel vollzogen hat: der seit der Sezession verfolgte Vorschlag der kompensierten und graduellen Emanzipation, aber vor allem die Idee der Umsiedlung (Colonization), die mit dieser einhergehen sollte, bestanden weiter. Die Idee der Kompensation erhielt er noch über die Veröffentlichung der Proklamation hinaus am Leben, doch, als sich herausstellte, dass die Colonization bei der schwarzen Bevölkerung generell wenig Anklang fand[28] und ein vollzogener Umsiedlungsversuch vollkommen scheiterte[29], habe Lincoln die Umsiedlungsidee begraben,[30] aber auch erst, nachdem er die Proklamation veröffentlicht hatte, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass ein grundlegender Sinneswandel nicht stattgefunden hat, was aber auch als Pragmatismus verstanden werden kann. Der Wandel des Wortlautes von der Preliminary Emancipation Proclamation hin zur Emancipation Proclamation zeigt entgegen der Meinung einiger Forscher aber nicht die Zweifel Lincolns an seiner Proklamation auf,[31] sondern spiegelt den Willen Lincolns wider, die Verfassungsmäßigkeit seiner Proklamation zu gewährleisten, doch dazu später mehr.

Die aktuelle Forschung zeigt Folgendes: Auch wenn mancher Forscher meint, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika habe mit seinem Amtsantritt bereits den Weg der Emanzipation beschritten,[32] zeigen nicht nur Lincolns Äußerungen, sondern vor allem seine Taten, dass die Emanzipation nicht sein vorrangiges Ziel war, sondern bestenfalls den zweiten Rang einnahm.[33] Es hat Schwartz zufolge keine Ablösung oder Abänderung des Kriegsziels gegeben, die Wiedervereinigung mit dem Süden habe stets oberste Priorität gehabt.

Trotzdem hat sich die Denkweise hinsichtlich der Emanzipation verändert – nicht nur auf Seiten Lincolns, sondern auch auf Seiten des Volkes. Auch wenn die Emanzipation die wohl letzte Karte war, die Abraham Lincoln im Bürgerkrieg zur Rettung der Union übrig blieb,[34] hat er eben diese ausgespielt, nachdem er die Grenzstaaten durch Zugeständnisse und „Union“ als Kriegsziel, die Öffentlichkeit durch Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen[35] und sich selbst durch die Sicherung der Verfassungsmäßigkeit seines Dokuments überzeugt hatte.

Die Probleme, die diese Emanzipation mit sich bringen konnte, behielt Lincoln dabei ebenfalls im Blick: Desertion von Soldaten, Eingreifen europäischer Mächte (v.a. Frankreich und Großbritannien), Unruhen im Volk[36] und Verlust vieler Wählerstimmen und die wohl größte Herausforderung überhaupt: Die Integration der Befreiten.[37]

Nationalismus und die Treue gegenüber der Union hat Neely zufolge die Meinung des Volkes, aber v.a. der Grenzstaaten so weit beeinflusst, dass sie auch mit der Maßnahme der Emanzipation einverstanden waren.[38] Diese Ansicht vernachlässigt, dass nur die Abolitionisten per definitionem die Emanzipation begrüßten, aber die Mehrheit der Bevölkerung darin eine Maßnahme sah, um die Union wiederherzustellen. Auch sagte Lincoln selbst, wie Francis B. Carpenter behauptet, dass er die Taktik habe verändern müssen, um den Krieg und die Unterstützung seiner Verbündeten nicht zu verlieren.[39]

Die Reaktionen auf die Proklamation fielen nicht nur positiv aus. Abgesehen von den abolitionistischen Radikalen erntete Lincolns Proklamation viel Kritik, v.a. aus den Grenzstaaten wallte eine Welle der Empörung auf.[40]

Kurzum bedeutet das, dass es keinen wahrhaftigen Sinneswandel Lincolns und des Volkes gegeben hat. Es ist unwahrscheinlich, dass Emanzipation zum obersten Kriegsziel erkoren wurde. Eine überzeugendere Erklärung ist, dass sich das Verständnis von Emanzipation änderte: Aus einer als willkürlich und diktatorisch angesehenen Maßnahme wurde eine notwendige Maßnahme, die dazu diente, den Krieg für sich zu entscheiden und damit die Union zu retten. Und doch bleibt zum Schluss festzuhalten, dass der Weg der Emanzipation beschritten wurde, wenn auch nicht aus moralischen, sondern aus taktischen Gründen. Trotz einigen Widerstandes wurde die Emancipation Proclamation letzten Endes durch die Ratifizierung des 13. Verfassungszusatzes im Dezember 1865 in ein verbindliches Gesetz umgewandelt, auch wenn es nach Lincolns Tod zu gesetzlichen Regelungen kam, die als Black Codes und Jim Crow laws bekannt wurden und die Verfassung teils unterliefen, was zeigt, dass es einen Denkanstoß gegeben hat, der jedoch noch nicht mehrheitsfähig war und umgangen werden konnte.[41]

[...]


[1] Larry D. Mansch: Abraham Lincoln, President-Elect: The Four Critical Months from Election to Inauguration, Jefferson NC, S. 61.

[2] Barry Schwartz: The Emancipation Proclamation: Lincoln’s Many Second Thoughts, in: Society 52:6 (2015), S. 590 – 603.

[3] Todd Brewster: Lincoln’s Gamble: The Tumultuous Six Months that Gave America the Emancipation Proclamation and Changed the Course of the Civil War, New York City NY 2014.

[4] James Oakes: Freedom National: The Destruction of Slavery in the Unites States, 1861-1865, New York City NY 2013, S. 340 – 393.

[5] Harold Holzer: Emancipating Lincoln: The Proclamation in Text, Context, and Memory, Cambridge MA 2012, S. 1 – 129.

[6] Louis P. Masur: Lincoln’s Hundred Days: The Emancipation Proclamation and the War for the Union, Cambridge MA 2012. Dieses Werk konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht beschafft werden.

[7] Mark Neely, Jr.: Lincoln and the Triumph of the Nation, Chapel Hill NC 2011, S. 113 – 159.

[8] James A. Dueholm: A Bill of Lading Delivers the Goods: The Constitutionality and Effect of the Emancipation Proclamation, in: Journal of the Abraham Lincoln Association 31:1 (2010), S. 22 – 38.

[9] James Oakes: The Radical and the Republican: Frederick Douglass, Abraham Lincoln and the Triumph of Antislavery Politics, New York City NY/ London 2007, S. 159 – 208.

[10] Burrus M. Carnahan: Act of Justice: Lincoln’s Emancipation Proclamation and the Law of War, Lexington KY 2007.

[11] Douglas L. Wilson: Lincoln’s Sword: The Presidency and the Power of Words, New York City NY 2006, S. 105 – 143.

[12] Frederick Douglass: Oration in Memory of Abraham Lincoln, Delivered at the Unveiling of The Freedmen’s Monument in Lincoln Park, Washington, D.C. vom 14.04.1876, in: Frederick Douglass: Selected Speeches and Writings, S. 621.

[13] Oakes: Freedom National, S. 340.

[14] Ebenso denkt: Neely: Triumph, S. 131: Er macht Lincolns Zweifel daran fest, dass er drei Verfassungszusätze nach der Proklamation vorschlug; mit Einschränkungen: Holzer: Emancipating Lincoln, S. 8: „[…] the imperfect but determined manner in which Lincoln, despite all his understandable uncertainty, somehow managed to father his ‚new birth of freedom‘ […]”. Dagegen: Richard Striner: Father Abraham: Lincoln’s Relentless Struggle to End Slavery, Oxford/ New York City NY 2006: S. 1: Lincoln sei ein „moral visionary” gewesen, ergo habe er keine moralischen Zweifel an der Proklamation gehabt.

[15] siehe Anm. 14.

[16] Schwartz: Second Thoughts, S. 591.

[17] Schwartz: Second Thoughts, S. 591; Kenneth Stampp: The Peculiar Institution: Slavery in the Ante-Bellum South, New York City NY 1956 beschäftigt sich in seinem Werk mit der Entmystifizierung der Redewendung der „ Peculiar Institution”.

[18] Schwartz: Many Second Thoughts, S. 600: Schwartz meint, Lincoln habe sich zwar seit dem Vorschlag des Verfassungszusatzes endgültig für die Emanzipation entschieden, doch nicht um der Freiheit der Sklaven willen, sondern um zukünftige Kriege zu verhindern.

[19] Holzer: Emancipating Lincoln, S. 36; Seymour Drescher: Abolition: A History of Slavery and Antislavery, New York City NY 2009, S. 329; Eric Foner: Our Lincoln: New Perspectives on Lincoln and His World, New York City NY/ London 2008, S. 161. Chandra Manning: What This Cruel War Was Over: Soldiers, Slavery, and the Civil War, New York City NY/ Toronto 2007, S. 81: „[…] the Emancipation Proclamation […] chang[ed] a war to preserve the Union into a war to reform it.” Sie spricht sich zwar für eine Veränderung des Ziels aus, jedoch spricht sie von Reform anstatt über Einigung oder Emanzipation zu sprechen, wodurch ihre Meinung frei interpretierbar bleibt.

[20] Neely: Triumph, S. 121f.;

[21] Wilson: Sword, S. 129; Schwartz: Second Thoughts, S. 591: Schwartz vertritt die These, Lincoln habe mit fortdauerndem Krieg immer mehr an der Möglichkeit der Emanzipation gezweifelt, doch habe er sie seit seiner Inauguration bis zu seinem Tode als Instrument zur Wiederherstellung der Union genutzt. Siehe auch: Gary Gallagher: The Union War, Cambridge MA 2011, von dem Schwartz diese These übernimmt.

[22] Schwartz: Second Thoughts, S. 591: “[…] Lincoln’s ‘peacemaking’ efforts, including the summoning of Horace Greeley to meet with Confederate ‘representatives’ at Niagra Falls, or letters, sent and unsent, to General John McClernand, Fernando Wood, James Conkling, Charles Robinson, and George McClelland, not to mention his allowing if not authorizing James Gilmore and James Jacquess to meet with Jefferson Davis, or the direct peace conference he planned, according to Henry Raymond’s recommendation, then cancelled. Lincoln’s meetings with John Singleton and Orville Browning, and even his conferring with Alexander Stephens and his commissioners 2 months before the war’s end, are also known to readers of Lincoln biographies.”

[23] Holzer: Emancipating Lincoln, S. 19f.

[24] Oakes: Freedom National, S. 349; Brief von Abraham Lincoln an Reverdy Johnson vom 26.07.1862, in: Roy P. Basler (Hg.): Collected Works of Abraham Lincoln 5, New Brunswick NJ 1953, S. 343: “What I cannot do, of course I will not do, but it may as well be understood, once for all, that I shall not surrender this game leaving any available card unplayed.”

[25] Allen C. Guelzo: Lincoln’s Emancipation Proclamation: The End of Slavery in America, New York City NY 2004, S. 8: Guelzo meint, Lincoln sei sich der Schwächen der Emancipation Proclamation bewusst gewesen und habe daher gewusst, dass diese kein langfristiger Ersatz für eine gesetzgeberische Maßnahme bleiben könnte, weshalb er auch drei Verfassungszusätze vorschlug.

[26] Neely: Triumph, S. 151: Verlust Kentuckys hätte den Verlust Missouris und Marylands zur Folge gehabt.

[27] Guelzo: End of Slavery, S. 53: Dass Öffentlichkeit und Grenzstaaten zu einem früheren Zeitpunkt des Krieges nicht bereit für die Emanzipation waren, erkennt man laut Guelzo daran, dass es zu starkem Widerstand in Folge der Proklamation des Generals John C. Frémont vom 30.08.1861 kam und die Grenzstaaten mit der Sezession drohten, sollte Lincoln der Emanzipationsaufforderung nicht widersprechen.

[28] Guelzo: End of Slavery, S. 159: „Colonization was a wordless abomination to the abolitionists and an insult to the North’s free blacks.“; Rede mit dem Titel „Colonization”, gehalten von Frederick Douglass am 26.01.1849 in Rochester, in: Frederick Douglass: Selected Speeches and Writings, Chicago 2000, S. 126: „Our minds are made up to live here if we can, or to die here if we must.”

[29] Guelzo: End of Slavery, S. 253: Auf der Île de Vaches entstand eine Kolonie unter dem Unternehmer Bernard Kock. Hierzu fanden sich (im April 1863) 453 contrabands, also entflohene Sklaven, von Fort Monroe ein, die auf Insel Baumwolle anpflanzen sollten. Als diese dort ankamen, gab es weder Unterkünfte, noch Essen, noch Werkzeuge. Weniger als ein Jahr später, schon im März 1864, ließ Lincoln die Kontrabanden mit einem Dampfschiff zurückbringen und ließ dann von dem Umsiedlungsgedanken ab.

[30] siehe Anm. 29.

[31] wie z.B. die Tilgung des Wortes „forever“ (oft als Zweifel Lincolns an der Permanenz der Order interpretiert: Wilson: Sword, S. 132), das Hinzufügen des militärischen Einzuges schwarzer Soldaten oder auch die Nennung der von der Proklamation ausgenommenen Gebiete (womit er sich die Treue der Grenzstaaten sicherte, die sich weiterhin gegen eine freiwillige Emanzipation wehrten).

[32] Oakes: End of Slavery, S. 6.

[33] Neely führt mit dem Brief Lincolns an Albert Hodges ein passendes Beispiel an: „I claim not to have controlled events, but confess plainly that events have controlled me.“ Brief von Abraham Lincoln an Albert Hodges vom 04.04.1864 in: Basler: Collected Works 7, S. 281f (Hier ist noch anzumerken, dass Hodges Herausgeber der Francfort Commonwealth mit Sitz in Kentucky war, eventuell um im Süden die Unvermeidlichkeit der Emanzipation klarzustellen.); Schwartz: Second Thoughts, S. 595: Schwartz zufolge sehen die meisten Forscher im sog. Conkling-Letter, dass Lincoln Union und Emanzipation als untrennbare Einheit verstand, doch weist Schwartz darauf hin, dass für Lincoln die Emanzipation ohne Union wertlos gewesen wäre, weshalb die angebliche Einheit nur einseitig zu verstehen sei, vor allem im Lichte der Zeilen, die im Conkling-Letter auf die ersten, vielzitierten folgen. (Brief von Abraham Lincoln an James Conkling vom 26.08.1863, in: Basler: Collected Works 6, S. 406 – 410.

[34] siehe Anm. 24.

[35] Neely: Triumph, S. 153: Neely zeigt auf, dass es in Folge der Proklamation keine größeren Aufstände gegeben hat, obwohl sie zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, als nur wenige Gefechte ausgetragen wurden. Dagegen: Manning: Cruel War, S. 93: „Enlisted men were too busy fighting the war to protest a measure that was likely to help win it.“; Neely: Triumph, S. 155: Neely ist auch der Meinung, Lincoln habe die Soldaten unterschätzt, und zwar auf der Grundlage der Niederlage gegen Stephen Douglas im Jahre 1858. Doch Neely zufolge habe Lincoln zu sehr sein Augenmerk auf den in der Gesellschaft tief verwurzelten Rassismus seiner Zeit gelegt. Für die Soldaten sei jedoch nicht Rasse der wichtigste Aspekt der Debatte gewesen, sondern Verrat – Desertion aufgrund des enlistment schwarzer Soldaten hätten die Soldaten als Verrat am Vaterland und an der Union gesehen. S. 156: „ […] the Constitution was a problem for emancipation but only one of several, and the last obstacle to be overcome was racism. Nationalism overcame that.”

[36] Anders als Neely: Wilson: Sword, S. 111: Lincolns Gespür für die öffentliche Meinung sei sehr scharf gewesen und er habe nur den richtigen Moment abgewartet, um die Proklamation zu veröffentlichen (dagegen spricht Lincoln aber selbst, siehe Anm. 32). Manning: Cruel War, S. 86: Die Proklamation habe starke Reaktionen hervorgerufen, doch seien die der Soldaten auf die Emancipation Proclamation nicht annähernd so negativ gewesen, wie erwartet (womit sie ihr eigenes Argument entkräftet).; Guelzo: End of Slavery, S. 211: Guelzo meint, die meisten Zivilen hätten nicht mehr Interesse an der finalen Proklamation gehabt als an der Preliminary Emancipation Proclamation.; S. 212: Auch sei es zu Desertionen gekommen, v.a. in Illinois, weshalb ein komplettes Regiment des Dienstes enthoben wurde.

[37] Holzer: Emancipating Lincoln, S. 2. Auch wenn das Thema fragen lässt, welche Probleme die Integration mit sich brachte, kann dies im Rahmen dieser Arbeit nicht näher untersucht werden.

[38] Neely: Triumph, S. 155.

[39] Wilson: Sword, S. 120. Hierfür spricht auch ein weitere Aussage Lincolns: „I did understand, however, that my oath to preserve the constitution to the best of my ability imposed upon me the duty of preserving, by every indispensable means, that government, the nation of which that constitution was the organic law. Was it possible to lose the nation and yet preserve the constitution? By general law life [die Verfassung/Anm. d. Verf. A.N.] and limb [die Sklaverei Anm. d. Verf. A.N.] must be protected; yet often a limb must be amputated to save a life; but a life is never wisely given to save a limb.”(Hiermit wollte Lincoln verdeutlichen, dass er den „Körperteil”, also die Sklaverei für den „Körper”, also die Konstitution aufgeben würde.) Brief von Abraham Lincoln an Albert G. Hodges vom 04.04.1864, in: Basler: Collected Works 7, S. 281.

[40] Guelzo: End of Slavery, S. 178 – 181.

[41] Während die Black Codes bis 1866 abgeschafft waren, hielten sich die Jim Crow laws bis zur Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren: 1954 endete die Segregation an Schulen durch die Gerichtsentscheidung Brown vs. Board of Education; 1964: Civil Rights Act; 1965: Voting Rights Act. Die Emancipation Proclamation bedeutete also, dass die Schwarzen zwar der Sklaverei entbunden worden waren und die Sklaverei damit endete, doch volle Gleichheit vor dem Gesetz erlangten sie erst ein Jahrhundert später.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Abraham Lincoln und das politische Kalkül hinter der Emancipation Proclamation
Untertitel
Hürden auf dem Weg zur Emanzipation der Sklaven der Vereinigten Staaten von Amerika
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V354373
ISBN (eBook)
9783668404861
ISBN (Buch)
9783668404878
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lincoln, Emancipation Proclamation, Sezession, Constitution, Jefferson Davis, Bürgerkrieg, Civil War, 1861-1865, Secession, Abraham Lincoln, United States, Sklaverei, slavery, Supreme Court, Confiscation Acts, Amendment, Peculiar institution, Great Emancipator, Colonization, Union, Südstaaten, Grenzstaaten, Decree, Rassismus
Arbeit zitieren
Alexander Netzer (Autor), 2013, Abraham Lincoln und das politische Kalkül hinter der Emancipation Proclamation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354373

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