Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und besondere Möglichkeiten der Sprachförderung


Bachelorarbeit, 2015

45 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Down-Syndrom
2.1 Die Bezeichnung Down-Syndrom
2.2 Ursachen
2.3 M erkmale
2.3.1 Das äußere Erscheinungsbild
2.3.2 M otorik und Sinnesbeeinträchtigungen
2.3.3 Einschränkungen im Bereich der geistigen Entwicklung
2.3.4 Verhalten und emotionale Entwicklung
2.4 Pädagogische Besonderheiten

3 Sprachentwicklung beim Kind
3.1 Theoretische Positionen zur Sprachentwicklung
3.1.1 Nativismus
3.1.2 Konstruktivismus
3.1.3 Epigenetische Theorien
3.2 Kindlicher Spracherwerb nach Gisela Szagun
3.2.1 Präverbale Kommunikation
3.2.2 Wortschatz und Grammatik
3.2.3 Individuelle Unterschiede in der Sprachentwicklung

4 Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
4.1 Kommunikation
4.2 Körperlich und motorisch bedingte Einschränkungen
4.3 Wortschatz und Grammatik
4.4 Sprachkompetenz

5 M öglichkeiten der Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom
5.1 Unterstützte Kommunikation
5.1.1 Definition und Zielgruppe
5.1.2 Ziele und Elemente
5.2 Gebärden-unterstützte Kommunikation
5.2.1 Verschiedene Gebärdensysteme
5.2.2 Theoretische Grundlagen der Gebärden-unterstützten Kommunikation
5.2.3 M ethodisches Vorgehen
5.3 Frühes Lesen als Unterstützung bei der Sprachentwicklung
5.3.1 Grundlagen
5.3.2 Das Programm „Kleine Schritte“

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Bachelorarbeit geht es um die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und darum, wie die Sprachentwicklung in besonderer Weise gefördert werden kann. Sprachentwicklung bezieht sich hierbei auf den Erstspracherwerb, also das Erlernen der M uttersprache im Kindesalter.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da meine ältere Schwester vom Down- Syndrom betroffen ist. Im täglichen Umgang mit ihr sind verschiedene sprachliche Beeinträchtigungen immer wieder zu erkennen. Dies führte mich zu der Frage nach den Ursachen dieser Besonderheiten in der Sprache und bewog mich, mich mit der Sprachentwicklung von Kindern mit Down-Syndrom auseinanderzusetzen.

Die Frage, die in dieser Arbeit beantwortet werden soll, ist: Wie verläuft die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und welche besonderen M öglichkeiten der Sprachförderung gibt es?

Um diese Frage zu beantworten, werde ich in Kapitel 2 zunächst das Down-Syndrom allgemein vorstellen. Hierbei werde ich mich aufgrund der Komplexität des Themas auf eine allgemeine Zusammenfassung beschränken. Eine vollständige und differenzierte Darstellung würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten. In Kapitel 3 geht es dann um die Sprachentwicklung bei Kindern ohne besondere geistige oder körperliche Einschränkungen. Kapitel 4 beschreibt die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down- Syndrom und die entsprechenden syndromspezifischen Besonderheiten. In Kapitel 5 werde ich M öglichkeiten der Sprachförderung darstellen, die bei Kindern mit Down-Syndrom besonders geeignet sind. Kapitel 6 fasst abschließend die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen.

2 Das Down-Syndrom

In diesem Kapitel geht es um das Down-Syndrom. Ich werde im Folgenden zunächst in Kapitel 2.1 kurz auf die Bezeichnung Down-Syndrom und andere mögliche Bezeichnungen eingehen. In Kapitel 2.2 werde ich die Ursachen des Down-Syndroms, in Kapitel 2.3 die besonderen M erkmale der betroffenen M enschen und schließlich in Kapitel 2.4 die Besonderheiten bei der pädagogischen Förderung von Kindern mit Down-Syndrom beschreiben.

2.1 Die Bezeichnung Down-Syndrom

Das Down-Syndrom ist benannt nach dem englischen Kinderarzt Langdon Down. Dieser beschrieb im Jahre 1866 als erster die heute als Down-Syndrom bekannte Form der Behinderung. Er führte dafür die noch lange verwendete Bezeichnung M ongolismus ein (vgl. M URKEN 1990, S. 11).

Da der Begriff des M ongolismus auf eine Gemeinsamkeit zwischen dem typischen Aussehen von M enschen mit Down-Syndrom und den physischen M erkmalen mongolischer Völker zurückgeht, stufte man zum Ende des 20. Jahrhunderts diese Bezeichnung als diskriminierend ein. Deshalb ging man zum Begriff des Down-Syndroms über. Auch dieser wird jedoch mitunter kritisch gesehen, da das englische Wort down (= nieder) eine negative Bedeutung hat. Häufig verwendet wird auch die Bezeichnung Trisomie 21, welche den Vorteil hat, dass sie völlig wertfrei einfach nur die chromosomale Besonderheit der betroffenen M enschen beschreibt (vgl. Wilken 2014, S. 11).

Weniger übliche, mitunter aber auch verwendete, Bezeichnungen sind zum Beispiel M orbus Down oder Down-Anomalie. Zudem werden manchmal auch die Begriffe Down-Syndrom- Kind oder einfach nur Down-Kind verwendet. Von diesen sollte allerdings abgesehen werden, da sie das Down-Syndrom als dominantes M erkmal zur Beschreibung der betroffenen M enschen in den Vordergrund stellen. Um zu verdeutlichen, dass nicht allein das Down-Syndrom diese M enschen ausmacht, ist die Bezeichnung M enschen mit Down- Syndrom empfehlenswert (vgl. Wilken 2014, S. 12).

2.2 Ursachen

Das Down-Syndrom wird durch eine chromosomale Störung verursacht. Die Zellen eines M enschen haben jeweils 23 Chromosomenpaare. Beim Down-Syndrom ist das 21. Chromosom nicht, wie die anderen, doppelt sondern dreimal vorhanden. M an spricht deshalb auch von Trisomie 21 (vgl. Wilken 2014, S. 13).

Dieses zusätzliche Chromosom ist in der Regel Folge eines Fehlers bei der Zellteilung während der Befruchtung. Während der Bildung der Keimzellen werden die 46 vorhandenen Chromosomen geteilt, sodass die 23 Chromosomenpaare entstehen. Dabei kann es zu verschiedenen Teilungsfehlern kommen. Ein möglicher Teilungsfehler ist die doppelte Teilung des 21. Chromosoms, sodass es dreifach vorhanden ist. In diesem Fall spricht man von einer freien Trisomie 21, welche die häufigste Ursache für das Down- Syndrom ist (vgl. Wilken 2014, S. 13-14).

Neben der freien Trisomie 21 gibt es auch noch andere, relativ seltene, Entstehungsgründe. Zum Beispiel kann eine sogenannte M osaikstruktur das Down-Syndrom verursachen. Hierbei findet der Teilungsfehler erst nach der Befruchtung statt. Dadurch ist nur in einigen Zellen das 21. Chromosom dreifach vorhanden. In anderen Zellen findet sich die gewöhnliche Anzahl von 23 Chromosomenpaaren. M an geht davon aus, dass die Ausprägung der M erkmale und Einschränkungen des Down-Syndroms mit der Anzahl der Zellen mit Trisomie zusammenhängt. Je mehr Zellen die Trisomie aufweisen, desto stärker treten die syndrom- spezifischen Besonderheiten des Down-Syndroms auf (vgl. Wilken 2014, S. 14).

Trotz dieser Erkenntnisse über die verschiedenen Gründe für das Down-Syndrom lässt sich noch immer nicht sicher beurteilen, wodurch diese Teilungsfehler verursacht werden. Es gibt verschiedene Vermutungen über die Beeinflussung der Zellteilung durch Strahlenschädigungen oder Umweltbelastungen. Allerdings lassen sich diese nicht nachweisen (vgl. Wilken 2014, S. 15-16).

Durch verschiedene Untersuchungen konnte ein Zusammenhang zwischen dem Alter der M utter und der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Down-Syndrom festgestellt werden. Bei einem Gebäralter von 20 bis 30 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom bei etwa 1:1500. M it zunehmendem Alter steigt diese Wahrscheinlichkeit und liegt bei einem Gebäralter zwischen 30 und 35 Jahren bei 1:800 und zwischen 35 und 40 Jahren bei 1:280. Bei einem Gebäralter von über 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:150, ist somit also zehnmal höher als zwischen 20 und 30 Jahren (vgl. Wilken 2014, S. 16).

Heutzutage ist bei Kindern mit Down-Syndrom nicht mehr so häufig ein höheres Gebäralter der M utter festzustellen. M an geht allerdings davon aus, dass dies durch die Entwicklung neuer M ethoden in der Pränataldiagnostik, welche heutzutage die Diagnose von Trisomie 21 noch während der Schwangerschaft erlaubt, verursacht wird. Eine solche Diagnose gilt gesetzlich als Grund für einen erlaubten Schwangerschaftsabbruch. Aufgrund des erhöhten Risikos bei höherem Gebäralter nehmen ältere Frauen die Pränataldiagnostik häufiger in Anspruch und entscheiden sich dann für eine Abtreibung. Jüngere Frauen, die dieses Risiko für geringer halten, lassen die entsprechende Untersuchung häufiger nicht durchführen und haben deshalb auch nicht die M öglichkeit, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden (vgl. Wilken 2014, S. 16-17).

Ein möglicher Einfluss des Alters des Vaters auf die Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom ist bisher nicht ausreichend untersucht worden, um eine Aussage darüber machen zu können (vgl. Wilken 2014, S. 17).

2.3 Merkmale

Die Trisomie 21 verursacht verschiedene syndromtypische M erkmale, die allerdings bei den M enschen mit Down-Syndrom unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Auch ist zu beachten, dass nicht jeder M ensch mit Down-Syndrom alle für das Down-Syndrom typischen M erkmale aufweist (vgl. Wilken 2014, S. 25).

Im Folgenden werde ich unter 2.3.1 das äußere Erscheinungsbild und unter 2.3.2 die motorischen Besonderheiten und Sinnesbeeinträchtigungen beschreiben. In Kapitel 2.3.3 werde ich auf die geistigen Beeinträchtigungen und in 2.3.4 auf die emotionale Entwicklung und das Verhalten von Kindern mit Down-Syndrom eingehen.

2.3.1 Das äußere Erscheinungs bild

Zunächst finden sich bestimmte Auffälligkeiten im äußeren Erscheinungsbild. Besonders prägnant sind dabei die Anomalien im Kopf- und Gesichtsbereich. M enschen mit Down- Syndrom haben meist einen sehr kurzen Kopf, wodurch das Gesicht breit und rund wirkt. Hinzu kommen häufig weit auseinander stehende Augen. Die geöffneten Augen sind dabei sehr schmal, was durch die sogenannte Epikanthus-Falte verursacht wird. Diese ist eine Falte über dem Auge, die bei geöffnetem Auge das Augenlid überdeckt, wodurch die Augen schlitzförmig wirken. Im Bereich der Nase ist auffallend, dass die Nasenwurzel meist sehr breit ist. Des Weiteren finden sich dickwandige Nasenflügel sowie eher nach vorne ausgerichtete Nasenlöcher. M enschen mit Down-Syndrom halten den M und häufig geöffnet, wobei die Zunge vorgestreckt wird. Dies wird verursacht durch eine oft besonders große Zunge. Die Zunge ist zudem tief gefurcht. Die Ohrmuscheln haben meist eine hohe Position am Kopf (vgl. Stengel-Rutkowski 1990, S. 34-36).

Durch diese syndromtypischen Auffälligkeiten im Kopf- und Gesichtsbereich kommt eine Ähnlichkeit aller M enschen mit Down-Syndrom untereinander zustande. Diese Ähnlichkeit ist sogar so stark, dass M enschen mit Down-Syndrom mehr äußerliche Ähnlichkeit mit anderen M enschen mit Down-Syndrom haben als mit ihrer eigenen Familie (vgl. Stengel- Rutkowski 1990, S. 31).

Weitere Besonderheiten finden sich im Bereich der Hände und Füße. Sowohl Hände als auch Füße sind relativ kurz und breit. Hinzu kommen sehr breite Finger mit Schmalen Fingernägeln. Dabei ist der kleine Finger meist besonders kurz und weist eine Krümmung in Richtung des Daumens auf. In der Innenfläche der Hände findet sich die sogenannte Vierfingerfurche. Diese Furche trennt den Daumen und die anderen vier Finger. Im Unterschied zu anderen M enschen, die normalerweise zwei quere Furchen in der Handinnenfläche haben, ist hier neben der Daumenfurche nur diese eine Furche vorhanden. Der kleine Finger hat ebenfalls häufig nur eine Beugefurche, anstelle von zwei Beugefurchen, die eigentlich an jedem Finger vorhanden sind. Dies kommt durch die Verkürzung des kleinen Fingers zustande. Unter der Fußsohle ist oft eine sogenannte Sandalenfurche zu erkennen. Diese ist eine Furche zwischen dem ersten und zweiten Zeh, welche einen abstehenden großen Zeh verursacht (vgl. Stengel-Rutkowski 1990, S. 36­38).

Äußerliche Auffälligkeiten finden sich auch bei Größe und Gewicht. Im Durchschnitt erreichen Frauen mit Down-Syndrom in ausgewachsenem Zustand eine Größe von 135 bis 155 cm und M änner eine Größe zwischen 147 und 162 cm. Damit liegt die Körpergröße klar unter dem Durchschnitt. Der Unterschied zwischen der Durchschnittsgröße von M enschen mit und ohne Down-Syndrom ist im Kindesalter noch nicht so deutlich ausgeprägt. Wirklich auffallend wird der Unterschied meist nach den typischen Wachstumsschüben in der Pubertät, die bei Jugendlichen mit Down-Syndrom nur in sehr geringfügigem M aße stattfinden. Das Gewicht von Neugeborenen mit Down-Syndrom ist meist ungefähr im normalen Bereich. Allerdings neigen bereits Kinder mit Down-Syndrom häufig zu Übergewicht (vgl. Wilken 2014, S. 26-27).

Anomalien finden sich zudem bei den Gliedmaßen. So sind Beine und Arme meist auffallend kurz (vgl. Have mann 2013b, S. 71).

2.3.2 Motorik und Sinnes b eeinträchtigungen

Auffällig im Bereich der M otorik ist bei Kindern mit Down-Syndrom eine sogenannte Hypotonie. Diese bedeutet eine geringere Spannung der M uskeln, welche bewirkt, dass bereits Babys mit Down-Syndrom erst spät ihren Kopf selbstständig aufrecht halten oder aus eigener Kraft sitzen können. Im späteren Verlauf der Entwicklung kommt es durch die Hypotonie zu Schwierigkeiten beim Greifen und Festhalten. So kann zum Beispiel das Schreiben erschwert werden durch die eingeschränkte Fähigkeit, einen Stift zu halten. Der Schweregrad der Hypotonie wird meist im Laufe der Zeit geringer, sodass erwachsene M enschen mit Down-Syndrom nur noch eine sehr leichte Form der Hypotonie aufweisen (vgl. Have mann 2013b, S. 70-71).

Neben der Hypotonie findet sich bei M enschen mit Down-Syndrom eine extreme Flexibilität der Gelenke und Sehnen. Diese Überflexibilität beeinträchtigt grobmotorische Fähigkeiten wie Krabbeln oder Sitzen, weil die Gliedmaßen dadurch sehr instabil sind. Auch die Feinmotorik wird durch die extreme Flexibilität beeinträchtigt. Besonders in den Händen und Fingern führt eine solche Flexibilität dazu, dass es den Kindern schwerfällt, kleine Gegenstände in die Hand zu nehmen und festzuhalten. M an geht davon aus, dass die Überflexibilität der Gelenke in einem Zusammenhang zur Hypotonie steht (vgl. Havemann 2013b, S. 71).

Die motorische Entwicklung kann zudem beeinflusst werden durch die besonders kurzen Gliedmaßen. Diese führen zum Beispiel zu Schwierigkeiten beim Erlernen des selbstständigen Anziehens, da dieses durch die kurzen Arme mehr Aufwand und Gleichgewichtssinn erfordert als bei anderen Kindern (vgl. Have mann 2013b, S. 71).

In der motorischen Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom geht man heutzutage davon aus, dass diese nicht nur verzögert ist, sondern prinzipiell anders verläuft als bei anderen Kindern. Diese Annahme wird vor allem dadurch begründet, dass zum einen die Abfolge der Entwicklungsschritte bei Kindern mit Down-Syndrom anders ist und zum anderen die motorische Entwicklung sich nicht nur von der Entwicklung von Kindern ohne geistige Beeinträchtigungen, sondern auch von der von Kindern mit anderen geistigen Behinderungen unterscheidet (vgl. Have mann 2013b, S. 79).

Kinder mit Down-Syndrom haben häufig verschiedene Sinnesbeeinträchtigungen. Diese finden sich vor allem im Bereich der Hör- und Sehfähigkeit (vgl. Wilken 2014, S. 29).

Bei Untersuchungen in Amerika wurde festgestellt, dass etwa zwei Drittel der Kinder mit Down-Syndrom unter entweder ständigen oder manchmal auftretenden Hörschädigungen leiden. Diese Beeinträchtigungen beim Hören sind meist eher geringfügig ausgeprägt, weshalb sie gerade bei kleinen Kindern oft nicht direkt festgestellt werden. Dies kann allerdings fatale Auswirkungen haben, da das Hörverständnis eingeschränkt ist. Zudem kann zum Beispiel der Spracherwerb durch eine weniger differenzierte Hörfähigkeit beeinträchtigt werden. Neben der häufig von Geburt an vorhandenen Hörschädigung kommt es bei M enschen mit Down-Syndrom oft schon in relativ frühem Alter zur Altersschwerhörigkeit (vgl. Wilken 2014, S. 29-30).

M an geht davon aus, dass bei etwa 40-50 % der M enschen mit Down-Syndrom Sehbeeinträchtigungen vorliegen. Hierzu zählen zum Beispiel Kurz- oder Weitsichtigkeit, Linsentrübungen, Schielen oder auch eine Neigung zu Bindehautentzündungen, welche die Sehfähigkeit einschränken können. Da gerade bei Kindern mit Down-Syndrom visuelle Reize beim Lernen eine wichtige Rolle spielen, sollten diese Beeinträchtigungen möglichst früh erkannt und, soweit möglich, behoben werden (vgl. Wilken 2014, S. 30-31).

Zusätzlich zu den Sinnesbeeinträchtigungen haben M enschen mit Down-Syndrom häufig Schwierigkeiten in der Wahrnehmung. Das bedeutet, dass die Verarbeitung der durch die unterschiedlichen Sinne aufgenommenen Reize und Informationen nicht einwandfrei gelingt. Grund dafür ist unter anderem eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, welche durch eine veränderte Struktur des Gehirns bedingt wird. Dies erschwert zum Beispiel das Erlernen neuer Verhaltensweisen. Kinder erlernen neue Verhaltensweisen, indem sie in bestimmten Situationen positive Reaktionen und Erfolge erleben und dann das entsprechende Verhalten wiederholen. Durch die Einschränkungen im Kurzzeitgedächtnis fällt es Kindern mit Down-Syndrom allerdings schwer, sich bestimmte Verhaltensweisen und deren Ergebnisse zu merken. Die Entwicklung von routiniertem Verhalten ist daher erschwert. Die Schwierigkeiten im Bereich der Wahrnehmung werden durch die verschiedenen Sinnesbeeinträchtigungen natürlich noch verstärkt (vgl. Wilken 2014, S. 40­41).

2.3.3 Einschränkungen im Bereich der geistigen Entwicklung

Bei M enschen mit Down-Syndrom liegt meistens auch eine Einschränkung der geistigen Fähigkeiten vor. Diese kann in ihrer Ausprägung allerdings variieren. Am häufigsten ist „eine mittlere bis leichtere Form der geistigen Behinderung“ (Wilken 2014, S. 38). Seltener liegt nur eine Lernbehinderung vor, welche auch bis an die Grenze zu einer normalen Intelligenz reichen kann. Schwere geistige Behinderungen können in Verbindung mit Down-Syndrom vorkommen, sind aber sehr selten. Durchschnittlich kann man dabei von einem IQ von etwa 50 ausgehen (vgl. Wilken 2014, S. 38).

Die kognitive Entwicklung verläuft insgesamt in der gleichen Weise wie bei M enschen ohne Behinderung. Allerdings finden die einzelnen Schritte der kognitiven Entwicklung zeitlich verzögert statt. Auch dauert ein Entwicklungsabschnitt meist länger, wodurch Kinder mit Down-Syndrom viele kognitive Fähigkeiten erst sehr spät erlangen. Der Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Down-Syndrom bezüglich des Entwicklungstempos wird zudem mit zunehmendem Alter extremer. Aufgrund des verzögerten Entwicklungstempos ist es allerdings auch wichtig, nicht zu früh von einer abgeschlossenen Entwicklung auszugehen. Da die Entwicklung mit starker Verzögerung verläuft, können sich häufig auch im Jugend- und Erwachsenenalter noch neue Fähigkeiten entwickeln (vgl. Wilken 2014, S. 39).

Kinder und Jugendliche mit Down-Syndrom durchlaufen oft auch nicht alle Stufen einer normalen kognitiven Entwicklung. M itunter verbleiben sie auf einer Stufe, die von Kindern ohne geistige Behinderung im Alter von etwa 5 bis 7 Jahren durchlaufen wird. Durch das Fehlen der weiteren kognitiven Entwicklungsschritte entwickelt sich dann keine Fähigkeit zu abstraktem Denken. Dass diese Fähigkeit nicht entwickelt werden kann, liegt unter anderem an der geringen Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses. M it zunehmendem Alter wird bei M enschen mit Down-Syndrom oft eine fortschreitende M inderung der Intelligenz beobachtet (vgl. Wilken 2014, S. 39-40).

Auffallend ist zudem, dass es bei Kindern mit Down-Syndrom, die man untereinander vergleicht, viel extremere Abstufungen der geistigen Fähigkeiten gibt. Bei Kindern, die nicht vom Down-Syndrom betroffen sind, ist die Streubreite viel geringer. Es ist daher schwierig, allgemeingültige Aussagen über die geistigen Fähigkeiten von Kindern mit Down-Syndrom zu machen (vgl. Have mann 2013b, S. 68).

2.3.4 Verhalten und emotionale Entwicklung

Im Bereich der emotionalen Entwicklung fällt auf, dass Kinder mit Down-Syndrom nur sehr selten extreme Formen der Erregung zeigen. Sie weinen nicht viel und zeigen auch selten überschwängliche positive Reaktionen (vgl. Rauh 2013, S. 342).

Auch bei der Bildung von Bindungen an ihre Bezugspersonen zeigen Kinder mit Down- Syndrom oft ein vermeidendes Verhalten. So fällt es ihnen häufig schwer, Hilfe von Bezugspersonen anzunehmen. Dies ist meist ein Zeichen für Unsicherheit in der Bindung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und besondere Möglichkeiten der Sprachförderung
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,6
Autor
Jahr
2015
Seiten
45
Katalognummer
V354377
ISBN (eBook)
9783668404526
ISBN (Buch)
9783668404533
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachentwicklung, kindern, down-syndrom, möglichkeiten, sprachförderung
Arbeit zitieren
Maria Tinten (Autor), 2015, Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und besondere Möglichkeiten der Sprachförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354377

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom und besondere Möglichkeiten der Sprachförderung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden