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Das organisierte Verbrechen in den Unterschichten der Frühen Neuzeit

Die Flucht in die Kriminalität am Beispiel des Schinderhannes

Titel: Das organisierte Verbrechen in den Unterschichten der Frühen Neuzeit

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 23 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Dominik Thale (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit dem 17. Jahrhundert wüteten speziell in Europa viele Kriege, die die Menschen vor eine ungewisse Zukunft stellten. Eine Wegmarke war die Aufteilung des deutschen Gebietes. Rund 300 Kleinstaaten verwalteten sich eigenständig und ohne direkte übergeordnete Kontrollinstanz. Die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich, die Obrigkeit wurde immer reicher, während viele Menschen in der Unterschicht am Existenzminimum lebten.

Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wie damals Armut definiert wurde. Laut Reinheimer gab es vier Gruppen von armen Menschen. Die erste Gruppe konnte ohne fremde Hilfe überleben, dies konnte sich jedoch schnell durch wirtschaftliche oder soziale Gegebenheiten ändern. Die zweite Gruppe war abhängig von der Unterstützung durch die Obrigkeit, kirchliche Institutionen oder Stiftungen. Sie waren gesellschaftlich anerkannt. Menschen, die nicht auf diese Weise anerkannt waren, erhielten keine Unterstützung und mussten sich auf ihre Art durch das Leben schlagen, sei es auf legale oder illegale Weise. Sie gehörten zur dritten Gruppe der armen Menschen. Die letzte Gruppe bildeten die Vaganten - eimatlose Menschen, die umherzogen und von dauerhafter Diskriminierung und Ausstoßung betroffen waren. Für viele waren kriminelle Vergehen, sei es Diebstahl, Mord oder Plünderung, der letzte Ausweg, um überleben zu können. Andere wurden durch ihre Vorfahren und die geringen Chancen des sozialen Aufstiegs in die Kriminalität hinein geboren.

Die Aneinanderreihung der Ereignisse, Kriege und wirtschaftliche Veränderungen, erhöhte die Anzahl der Vaganten schlagartig. Speziell die kriegerischen Auswirkungen nach der Eroberung der Rheinlande durch die Revolutionstruppen 1794 stellten die Territorien vor enorme Verwaltungsprobleme. Diese Lücken machten sich viele Menschen zu Nutze. Es bildeten sich zahlreiche neue Banden von Sozialrebellen, die auf deutschem Boden ihr Unwesen trieben. Vor allem die Große Niederländische Bande und die Räuberbande des Schinderhannes konnten sich durch ihre zahlreichen Vergehen in den Geschichtsbüchern verewigen.

In der folgenden Arbeit werden zunächst die einzelnen Gruppen der armen Menschen vorgestellt und wie die sozialen Auswirkungen in den Städten aussahen. An dieser Stelle wird erstmals die Flucht in die Kriminalität als letzten Ausweg aufgegriffen, bevor direkt auf den Schinderhannes, seine Bande und derer Taten eingegangen wird

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Herkunft und Lebenssituation von Randgruppen

2.1 Vaganten und Unehrliche

2.2 Zigeuner und Juden

3 Der Schinderhannes als Leitfigur der Unterdrückung

3.1 Kindheit und kriminelle Vorerfahrungen

3.2 Die Räuberbande des Schinderhannes

3.3 „Ein Robin Hood der Neuzeit?“- Auswirkungen seiner Taten

4 Gruppierungen von Banden

4.1 Rekrutierung von Mitgliedern

4.2 Struktur innerhalb der Räuberbande

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht die sozioökonomischen Bedingungen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts und analysiert, inwiefern Kriminalität in den Unterschichten als letzter Ausweg zur Existenzsicherung fungierte, wobei das Leben des Schinderhannes als zentrales Fallbeispiel dient.

  • Soziale Randgruppen und ihre Lebensverhältnisse in der Frühen Neuzeit
  • Die Entstehung und Organisation krimineller Bandenstrukturen
  • Kritische Analyse des Schinderhannes als historischer „Robin Hood“-Mythos
  • Einfluss von Kriegen und Verwaltungsdefiziten auf die Kriminalitätsrate

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Räuberbande des Schinderhannes

Die erste schwerwiegende Straftat begang der Schinderhannes am 21. Dezember 1797. Über Umwege hörte er, wie ein Mädchen, an dem er auch interessiert war, vom Plackenklos im Haus der Elisabeth Schäfer bedrängt und bedroht wurde. Das Haus war auch ein beliebter Ort bei der Kochemer Gesellschaft, daher war es nicht verwunderlich, dass Schinderhannes schnell von dieser Tat unterrichtet wurde. Mit einigen Gefolgsleuten suchten sie den Plackenlos auf und misshandelten ihn so enorm, dass dieser an den Folgen starb. Da der Schinderhannes sich zum Anführer dieser Unternehmung erkoren hatte, wurde ihm die größte Schuld zugewiesen. „Aus den Mainzer Voruntersuchungsakten ergeben sich Hinweise auf insgesamt 211 Delikte, die zwischen 1796 und dem Frühjahr 1802 hauptsächlich zwischen Glan sowie Hunsrück verübt wurden: die Verbrechen umfassen 96 Diebstähle, 71 Raubüberfälle, 35 Erpressungen und neun Morde.“ Es ist durchaus bemerkenswert, dass der Schinderhannes mit seiner Bande bis Anfang 1799 überwiegend durch leichte Diebstähle auf sich aufmerksam machte und erst nach August 1799 gewaltsame Raubüberfälle und Erpressungen zu seinen vorherrschenden Vergehen zählten. An dieser Stelle soll nun die Frage geklärt werden, was in diesem halben Jahr mit dem Schinderhannes passiert ist, dass er seit diesem Zeitpunkt vorwiegend äußerst gewalttätige Verbrechen verübte. Im Februar 1797 wurde der Besagte in Kirn von den Franzosen im Schlaf überrascht und konnte festgenommen werden. Er wurde in den Gefängnisturm von Simmern gebracht, aus dem er schließlich im August desselben Jahres wieder ausbrechen konnte. Im Volksmund galt der Turm als ausbruchssicher, daher wurde dem Flüchtigen nachgesagt, er könne Wunder vollbringen. Er selbst soll drei Jahre später über diese Zeit gesagt haben, dass er noch in diesem Augenblick schaudere, wenn er sich an die Härte der Gefangenschaft erinnert, die er dort empfunden hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kriegsgeprägten Lebensbedingungen der Unterschicht in der Frühen Neuzeit und führt die Fragestellung ein, ob Kriminalität ein zwangsläufiger Ausweg aus der Armut war.

2 Soziale Herkunft und Lebenssituation von Randgruppen: Dieses Kapitel definiert soziale Randgruppen wie Vaganten, Juden und Unehrliche und analysiert, wie deren Diskriminierung in ein kriminelles Milieu führen konnte.

3 Der Schinderhannes als Leitfigur der Unterdrückung: Hier wird die Biografie des Schinderhannes beleuchtet, seine Entwicklung zum Anführer einer Räuberbande dargestellt und der populäre Mythos als „Robin Hood“ kritisch hinterfragt.

4 Gruppierungen von Banden: Der Fokus liegt auf der Organisationsstruktur und den Rekrutierungsmechanismen von Gaunerbanden im Rheinland während der französischen Besatzungszeit.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kriminalität für viele zwar ein Ausweg war, die brutale Realität der Taten des Schinderhannes jedoch eine Einordnung als Sozialrebell widerlegt.

Schlüsselwörter

Schinderhannes, Kriminalität, Frühe Neuzeit, Unterschichten, Randgruppen, Vaganten, Räuberbanden, Rheinland, soziale Ausgrenzung, Armut, Historischer Mythos, Robin Hood, Gaunerwesen, Bandenstruktur, Sozialgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung von Kriminalität in den unteren Bevölkerungsschichten während der Frühen Neuzeit im rheinischen Gebiet.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Lebenssituation von Randgruppen, die Auswirkungen von Kriegen und die historische Einordnung von Räuberbanden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es wird analysiert, ob Kriminalität für den Schinderhannes und seine Zeitgenossen tatsächlich der letzte Ausweg zur Existenzsicherung war oder andere Motive überwogen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, historische Aktenberichte und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Mythos des Schinderhannes.

Was steht im Hauptteil im Mittelpunkt?

Der Hauptteil gliedert sich in die soziale Herkunft der Randgruppen, die Analyse der kriminellen Laufbahn des Schinderhannes sowie die Struktur und Rekrutierung der damaligen Räuberbanden.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Soziale Randgruppen, Kriminalität in der Frühen Neuzeit, Bandenwesen und historische Mythenbildung charakterisiert.

Warum wird der Schinderhannes mit Robin Hood verglichen?

Der Vergleich rührt aus der zeitgenössischen Wahrnehmung des Volkes, das in seinen Taten gegen Besatzer und Obrigkeiten eine Art soziale Rebellion sah.

Widerlegt die Arbeit diesen Mythos?

Ja, der Autor zeigt auf, dass der Schinderhannes durch seine Brutalität gegen arme Bevölkerungsgruppen und seinen Fokus auf persönliche Bereicherung nicht dem Robin-Hood-Ideal entspricht.

Welche Rolle spielten die französischen Revolutionstruppen?

Die Eroberung der Rheinlande führte zu einer instabilen Verwaltungslage, die Räubern als Rückzugsmöglichkeit diente und Kriminalität begünstigte.

Wie organisierte sich eine Räuberbande dieser Zeit?

Es handelte sich meist nicht um straff geführte Verbände, sondern um lose Gruppierungen, die je nach Raubmöglichkeit und persönlicher Kompetenz für einzelne Aktionen zusammengestellt wurden.

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Details

Titel
Das organisierte Verbrechen in den Unterschichten der Frühen Neuzeit
Untertitel
Die Flucht in die Kriminalität am Beispiel des Schinderhannes
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Räuber in der Frühen Neuzeit - Kriminelle und Sozialrebellen
Note
1,3
Autor
Dominik Thale (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V354498
ISBN (eBook)
9783668405318
ISBN (Buch)
9783668405325
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verbrechen unterschichten frühen neuzeit flucht kriminalität beispiel schinderhannes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dominik Thale (Autor:in), 2014, Das organisierte Verbrechen in den Unterschichten der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354498
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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