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Darf man mit Ablässen handeln? Eine wirtschaftsethische Betrachtung

Titel: Darf man mit Ablässen handeln? Eine wirtschaftsethische Betrachtung

Masterarbeit , 2016 , 35 Seiten , Note: 2,5

Autor:in: Sarah Hellmann (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zu Beginn soll der Ablass und seine wichtigsten Begriffe erläutert werden. Anschließend werden einige erste Argumentationsideen angeführt, um auf die Intuition zu hören, dass der Ablasshandel moralisch nicht richtig sein könnte. In diesem Zusammenhang müssen die Norm und der Zweck des Ablasses definiert werden. Nach dieser Grundlegung werden Ausführungen von Martin Luther, Georg Simmel und Aristoteles herangezogen, um die Basis für die nachfolgende ethische Argumentation zu bilden.

Die Ausgangsfrage soll dann unter Einbeziehung aller vorangegangenen Informationen beantwortet werden. Um einen Bogen zu einem aktuellen Thema zu schlagen wird im Anschluss beleuchtet, ob dem Kyotoprotokoll möglicherweise auch ein Wert zu Grunde liegt, der durch den Handel mit den Emissionszertifikaten, die im Kyotoprotokoll eingeräumt werden, der Gefahr der Korruption ausgesetzt ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

3. Was ist Ablass?

3.1 Sündenstrafen

3.2 Verdienste, gute Werke

3.3 Der Ablass

9. Argumentationsvarianten für den ethischen Diskurs

9.1 Konsequentialistische bzw. utilitaristische Argumentation

9.2 Deontologische Argumentation

9.3 Tugendethische Argumentation

11. Warum sollte etwas nicht handelbar sein?

11.1 Kommodifizierung und Korruption

12. Was für ein „Gut“ ist der Ablass?

13. Welchen Zweck haben die guten Werke?

14. Welche Norm liegt dem Ablasshandel zugrunde?

15. Wirtschaftsethik bei Martin Luther

17. Das Äquivalent von Gut und Geld bei Georg Simmel

20. Kommodifizierung und Korruption bei Aristoteles – Der Zweck der Güter

23. Korruption durch Ablasshandel?

23.1 Konsequentialismus

23.2 Kontraktualismus

23.3 Deontologie

23.4 Tugendethik

23.5 Wird die Norm des Ablasses korrumpiert?

27. KYOTO-Protokoll

27.1 Verpflichtungen

27.2 Emissionshandel

27.3 Ist der Emissionshandel mit dem Ablass vergleichbar und wird durch den Handel ein Wert korrumpiert?

30. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die moralische Zulässigkeit des Ablasshandels aus einer wirtschaftsethischen Perspektive und prüft, ob die Kommodifizierung dieses kirchlichen Instruments zu einer Korruption des zugrunde liegenden Wertes führt, wobei die gewonnenen Erkenntnisse auf den modernen Emissionshandel übertragen werden.

  • Historische und theologische Analyse der Ablasspraxis und des Bußverständnisses.
  • Ethische Bewertung durch konsequentialistische, deontologische und tugendethische Argumentationsmodelle.
  • Untersuchung des Kommodifizierungseinwands nach Polanyi, Simmel und Aristoteles.
  • Kritische Reflexion der "Verwirtschaftlichung" von Lebensbereichen und moralischen Werten.
  • Vergleich der Ablasslogik mit den Mechanismen des heutigen Kyoto-Protokolls und des Emissionshandels.

Auszug aus dem Buch

Was für ein „Gut“ ist der Ablass?

Rein materiell betrachtet ist der Ablass ein Stück Papier, auf dem der Erlass einer auferlegten Strafe bescheinigt wird. Man erwirbt einen Ablass und bekommt einen schriftlichen Nachweis zur eigenen Absicherung. Auch für Verstorbene war die Ausstellung des Briefes möglich. Sie war möglicherweise auch die einzige Form, wie man dem Käufer zeigen konnte, dass der Ablass für den Verstorbenen gilt. Vor wem man diesen Brief im Zweifelsfall allerdings vorzeigen soll, ist unklar. Der Erlass der Sündenstrafen ist schlussendlich im Fegefeuer, zur Erlösung, notwendig. Das dort, vor der Tür des Paradieses, niemand sitzt und die Ablassbriefe kontrolliert, dürfte klar sein. Demnach existiert dieser Nachweis in Papier nur zur Untermauerung des Glaubens an den Ablass. Ähnlich wie in einer Taufbescheinigung wird etwas dokumentiert, das nur transzendentale Bedeutung hat.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob das historische Phänomen des Ablasshandels eine Form der unzulässigen Kommodifizierung darstellt, und schlägt eine Brücke zur heutigen Marktlogik.

Was ist Ablass?: Dieses Kapitel erläutert die dogmatischen Grundlagen von Sündenstrafen und die Entwicklung der Ablasspraxis innerhalb der katholischen Kirche.

Argumentationsvarianten für den ethischen Diskurs: Es werden grundlegende ethische Perspektiven wie Utilitarismus, Deontologie und Tugendethik vorgestellt, die für die spätere Bewertung herangezogen werden.

Warum sollte etwas nicht handelbar sein?: Hier wird der Kernbegriff der Korruption durch Kommodifizierung erörtert, also das Risiko, dass der Handel mit bestimmten Gütern deren ideellen Wert zerstört.

Was für ein „Gut“ ist der Ablass?: Das Kapitel analysiert den Ablass als transzendentales Gut, das durch die Geldzahlung materiell zweckentfremdet wird.

Welchen Zweck haben die guten Werke?: Es wird untersucht, welche Rolle "gute Werke" innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen einnahmen und wie ihre Funktion durch Ablasszahlungen verloren ging.

Welche Norm liegt dem Ablasshandel zugrunde?: Dieses Kapitel beleuchtet die kulturellen und gesellschaftlichen Normen, die den Ablass als Teil eines frühchristlichen "Gesellschaftsvertrags" definieren.

Wirtschaftsethik bei Martin Luther: Luther wird als Kritiker der Vermarktung religiöser Werte und des Kaufmannsgeistes der Kirche analysiert.

Das Äquivalent von Gut und Geld bei Georg Simmel: Simmels Theorie zum Geldwert wird genutzt, um die Problematik der Quantifizierung nicht-materieller, persönlicher Werte zu verdeutlichen.

Kommodifizierung und Korruption bei Aristoteles – Der Zweck der Güter: Aristoteles' Unterscheidung zwischen zweckentsprechendem Gebrauch und Erwerbsstreben dient als philosophisches Fundament für die Kritik am Ablasshandel.

Korruption durch Ablasshandel?: Eine abschließende Zusammenführung der Argumente zeigt auf, dass der Ablasshandel aus verschiedenen ethischen Sichtweisen als korrumpierend zu bewerten ist.

KYOTO-Protokoll: Das Protokoll wird als aktuelles Fallbeispiel für die Übertragung von Ablasslogiken in den Bereich des Klimaschutzes vorgestellt.

Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass die Kommodifizierung von Werten ein zeitloses Problem darstellt und mahnt zur Vorsicht, wenn ideelle Werte durch Marktlogiken ersetzt werden.

Schlüsselwörter

Ablasshandel, Kommodifizierung, Korruption, Wirtschaftsethik, Sündenstrafen, Martin Luther, Georg Simmel, Aristoteles, Emissionshandel, Kyoto-Protokoll, Moral, Werte, Gesellschaftsvertrag, Tugendethik, Bußsakrament.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das ethische Problem der "Verwirtschaftlichung" religiöser Praktiken am Beispiel des historischen Ablasshandels und zieht Parallelen zu modernen Phänomenen wie dem Emissionshandel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die christliche Rechtfertigungslehre, die Begriffe der Kommodifizierung und Korruption, die Wirtschaftsethik bei Luther, Simmel und Aristoteles sowie die Anwendung dieser Theorien auf den heutigen Klimaschutz.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob der Ablasshandel moralisch vertretbar ist und ob durch die Handelbarkeit von Ablässen eine Korruption des zugrunde liegenden ethischen Wertes stattfindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Autorin nutzt eine philosophisch-ethische Analyse, die historische Quellen und Theorien bekannter Denker wie Martin Luther, Georg Simmel und Aristoteles kombiniert, um eine normative Bewertung vorzunehmen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Ablass und Sündenstrafen, der philosophischen Fundierung des Kommodifizierungseinwands und der ethischen Kritik am Ablasshandel durch verschiedene philosophische Strömungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kommodifizierung, Korruption, Ablasshandel, Wirtschaftsethik und Emissionshandel treffend beschreiben.

Wie bewertet die Autorin den Emissionshandel im Vergleich zum historischen Ablasshandel?

Die Autorin sieht den Emissionshandel als vergleichbar korrumpierend an, da er den eigentlichen Sinn des Umweltschutzes – die tatsächliche Änderung des Verhaltens und der Emissionen – durch finanzielle Abgeltung entleert.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der ethischen Vertretbarkeit des Ablasshandels?

Das Fazit lautet, dass der Ablasshandel ethisch nicht vertretbar ist, da er den moralischen Wert der Sühne und der inneren Umkehr korrumpiert und ein Instrument des Glaubens zweckentfremdet.

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Details

Titel
Darf man mit Ablässen handeln? Eine wirtschaftsethische Betrachtung
Hochschule
Universität Münster
Veranstaltung
Studiengang angewandte Ethik
Note
2,5
Autor
Sarah Hellmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
35
Katalognummer
V354530
ISBN (eBook)
9783668423459
ISBN (Buch)
9783668423466
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ablass Wirtschaftsethik Korruption Handel Religion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Hellmann (Autor:in), 2016, Darf man mit Ablässen handeln? Eine wirtschaftsethische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354530
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Leseprobe aus  35  Seiten
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